Gründlicher Unterricht 1717

[I. F. D.], Gründlicher Unterricht Von der Graphice Oder Zeichen- und Mahl-Kunst/ Von derselben Beschaffenheit/ unterschiedlichen Arten/ Requisitis, Historie/ Vortrefflichkeit/ Nutzen und Methode gehandelt wird, Halle [Wäysenhaus] 1717.


pp. 4–8

I. N. I. A.

Von der
Zeichen und Mahl-Kunst.


Das erste Capitel.

Von der Beschaffenheit der
Zeichen- und Mahl-Kunst.

Innhalt:

§. 1. Viele haben davon keinen rechten Begriff.
§. 2. Unterschiedene der Alten hatten einen ziemlichen Concept davon.
§. 3. Doch fehlen viel Alte und Neue in deren Beschreibung.
§. 4. Was hier voraus zu sehen.
§. 5. Beschreibung der Mahl-Kunst.
§. 6. Namen derselben.

§. I.

ES solte wol manchen wundern/ warum wir gleich Anfangs fragten/ was die Mahler-Kunst sey? weil wol so leicht niemand ist/ der sich nicht solte unterstehen/ eine/ seiner Meynung nach/ richtige Antwort/ hierauf zu geben. Alleine/ wie? wenn ich versicherte/ daß die wenigste sogenannte Mahler selbst/ verstehen oder zu sagen wissen/ was diese Kunst sey. Denn/ sehen diese so wol/ als andere Unverständige sie an/ so/ wie sie ihnen in die Augen fällt/ so ist sie bey ihnen nichts anders/ als ein Handwerck/ welches diejenigen verstehen/ die es bey einem Zunfft-Meister gegelernet [!]. Dieser Begriff aber ist der schönen Kunst viel zu nachtheilig und zu schlecht/ welches leicht zu erweisen. Damit aber hier Zeit und Raum gesparet werde/ so lasse es dabey bewenden/daß ich nur auf diejenige welche längst vor mir solches nachdrücklich gezeiget haben/ verweise; wohin unter andern denn gehören der fürtreffliche S. T. Gerike/ Prof. Anat. & Picturæ der Königl. Preuss. Mahler-Academie zu Berlin/ in der Vorrede auf den/ von ihm ins Teutsche übersetzten kurtzen Begriff der Theoretischen Mahler-Kunst des C. A. Fresnoy: und Wilh. Gœree in seiner Practic. pag. m. 5. der ersten Abtheilung.

§. 2. Man kan aber einen so geringen Begriff solchen Leuten nicht verdencken/ als welche die Krafft der Mahl-Kunst/ und was sie zu thun vermag/ nicht verstehen. Und eben dieses ist es/ was den meisten/ die von dieser Kunst etwas hören/ lernen und urtheilen wollen/ fehlet. Die Alten wusten doch/ wo nicht alle/ doch meistentheils besser/ was in solcher Kunst Vermögen stünde: Daher Galenus so wol/ als viel andere/ sie auch nicht als ein Handwerck; sondern/ so wol als die Grammatic, Dialectic, Rhetoric, Arithmetic, Astronomie, Geometrie und Music/ als eine freye Kunst ansahen.

§. 3. Doch haben die meisten von den guten Alten/ und unter denen auch viele derjenigen/ welche sie besagter massen noch ziemlich zu schätzen wusten/ sie nicht mit rechten Augen angesehen. Ihre Beschreibung und Begriff von dem/ was diese Kunst konne ausrichten/ ist so wenig vollkommen gewesen/ als anderer/ die/ ob wol auch noch mit ziemlichem Verstande/ davon geurtheilet. Socrates nennete die Mahl-Kunst ἑικασίαν τῶν ὀρωμένων, eine Nachbildung sichtbarer Dinge. Unter den neuen sagt Althusius: Pictura est animalium aut alterius rei delineatio, adumbratio, præsentatio vel idea quædam: Die Mahler- Kunst ist eine Abzeichnung/ Entwurff/ Vorstellung oder Idée belebter oder anderer Dinge. J. P. Pfeiffer in Antiquitat. Græc. p. 416. C. 3. P. II. meynet/ sie sey imitatio rerum visibilium per colores: Eine Vorstellung sichtbarer Dinge/ welche durch Farben geschicht. Nebst diesen haben die meiste übrige geirret/ welche sie beschreiben wollen.

§. 4. Ehe nun hier eine Beschreibung gegeben wird/ wil ich nur noch eins und das andere erwähnen/ welches nöthig befunden voraus zu setzen. Wir werden dieses leicht sehen/ daß man nichts könne vorbilden/ welches/ wo nicht gantz/ doch zum Theil sein Vorbild oder Original in der Natur habe: Bilden wir nun solches zugleich lebhaft oder künstlich vor/ so/ daß es seinem Original auf das beste nahe kommt und gleichet/ so kan solches denn ein rechtschaffen Gemählde heissen. Wir finden ferner/ daß nicht nur sichtbare und cörperliche/ sondern auch unsichtbare und uncörperliche Dinge können gemahlet werden; denn also ist z. E. nicht unmöglich/ Tugenden/ Laster/ Gemüths-Bewegungen und dergleichen/ vorzustellen. Je eher wir nun von solchen uncörperlichen Dingen insonderheit/ vermöge des Gemähldes/ welches sie vorstellet/ einen Begriff können bekommen/ mit desto grösserm Recht ist solches wiederum ein rechtschaffen Gemählde zu nennen. Weiter werden wir in folgendem Capitel sehen/ daß einer von den merckwürdigsten Unterscheiden der Mahlerey mit sey/ daß ein Gemählde entweder mit oder ohne Farben gemacht werde. Daher denn die mit der Schreib-Röthel-Bley- Feder und Grabstichel verfertigte Sachen darunter mit eingeschlossen/ und auch/ wie vor Alters Gemählde zu nennen seyn. So geschicht dann auch ein jedes Gemählde auf einem ebenen Grunde oder platten Fläche; welches denn die Mahl-Kunst von der Bildschniß- und Gieß-Kunst unterscheidet/ als welche letztere eine Nachbildung seyn/ welche auf unterschiedene Art durch cörperliche Erhobenheiten geschicht.

§.5. Diesemnach ist die Mahl-Kunst eine künstliche und lebhaffte Nachbildung aller sichtbaren und zum theil unsichtbarer Dinge/ welche auf einer ebenen Fläche/ mit, oder ohne besondere Farben geschicht/ die Natur und Beschaffenheit derjenigen Dinge/ welche sie vorstellt/ zur fürnehmsten Richtschnur und Grunde hat/ und welche niemand recht verstehet/ als der sich auch in den meisten andern Künsten und Wissenschafften, so viel nöthig/ fest gesetzet. Daher wir denn bey dieser Beschreibung/ beyläuffig mercken/ daß es damit nicht vollkommen getroffen/ wenn man saget/ die Mahl-Kunst sey eine Vorbildung sichtbarer Dinge/ denn/ wie wir gehöret/ unterstehet sie sich noch mehr/ nemlich auch unsichtbare vorzustellen. Man kan sie auch nicht billig eine Vorstellung belebter und anderer (unbelebter) Dinge nennen/ denn diß ist eben das als jenes. Am wenigsten aber ist sie eine Vorstellung sichtbarer Dinge durch Farben: Denn vorerst bildet sie auch unsichtbare vor; hernach aber geschicht sie auch nicht nur mit/ sondern auch wol ohne Farben.

§. 6. Nun konte ich wol noch/ wo nicht von allen/ doch von einigen Namen/ welche Alte und neue dieser Kunst gegeben/ in etwas Meldung thun. Weil wir aber im vierdten Capitel in der Historie der Mahl, Kunst dazu mögten bessere Gelegenheit finden/ so wollen wir auch solches bis dahin versparen.


pp. 8–22

Das andere Capitel.

Von den unterschiedenen Arten der Mahlerey.

Innhalt:

§. 1. Von was für einen Unterscheide hie gehandelt werde.
§. 2. Der erste Unterscheid zwischen Zeichnungen und Gemählde.
§. 3. Von Zeichnen insonderheit.
§. 4. Von Gemählden/ welche ein oder vielfärbig.
§. 5.Der andere Unterscheid nach verschiedener Auftragung der Farben.
§. 6. Die erste Art mit Wasser-Farben zu mahlen.
§. 7. Die andere das Mignatur-Mahlen.
§. 8. Die dritte das laviren.
§. 9. Die vierdte das illuminiren.
§. 10. Das Wachsmahlen oder Ars Encaustica.
§. 11. Das Glaßmahlen und Schmelzwerck.
§. 12. Mußivische Gemählde/ und das Mahlen mit trucknen Farben.
§. 13. Das Mahlen mit Oel-Farben.
§. 14. Dritter Unterscheid nach der Invention &c.
§. 15. Das Zeichnen aus eigner Einbildung.
§. 16. Vierdter Unterscheid von Portraits/ Landschaften/ Historien. &c.
§. 17. Von übrigen Unterscheide/ und der Art welche alla Tempera und al Fresco heissen.

§. 1.

WEnn wir nun von ein und andern Unterscheide in der Mahlerey sagen/ so ist solches nicht so zu verstehen/ als wäre es wol vergönnet eine Sache auf unterschiedene Weise/ und wider ihre Natur verändert/ vorzustellen. Denn auf solche Art/ würden der Sineser mehr rare als rechtschaffene Gemählde die besten in der Welt seyn/ indem bey ihnen ein etliche hundert und mehrmal hie und da am Kopf/ Füssen u. s. w. verändertes Thier vor recht künstlich angesehen wird. Sondern wir bleiben nochmals dabey/ was nach dem vorigen Capitel bey einem Gemählde voraus gesetzet worden/ daß nemlich solches künstlich/ doch auch zugleich natürlich seyn solle. Und wie wir nun wahrnehmen werden/ daß ein solches bald nur aus blossen Linien/ bald aus hinzu gesetzten Farben bestehe/ u. s. f. so soll eben von diesem Unterscheide im gegenwärtigen Capitel gehandelt werden. Wornächst wir denn für dißmal unnöthig erachten eines mehreren Unterscheides als z. E. der zwischen fabel- und wahrhafte imgleichen zwischen rechte und irrige Gemählde/ gemacht wird/ zu erwähnen. Weil insonderheit des Letzten/ in dem Anhange von irrigen Gemählden soll gedacht werden.

§.2. Der hauptsächligste und erste Unterscheid/ welchen man antrifft/ wenn man die Weise etwas zugleich natürlich und künstlich vorzustellen/ ansiehet/ ist demnach/wie schon gedacht/ dieser/ daß ein jedes Bildniß entweder mit- oder ohne Farben gemacht worden. Sind also Gemählde ohne Farben/ so nennet man sie Zeichnungen; sind sie mit Farben/ so heissen sie Gemählde.

§. 3. Was das Zeichnen betrifft/ so ist solches eine weit ältere Art zu mahlen/ als die/ mit Farben/ wie in der Historie der Zeichen- und Mahl- Kunst mit mehrerem wird zu sehen seyn. Angesehen die ältesten Schriften und Gemählde anfänglich in Stein/ hernach in Ertz/ in Holtz und weiter in Wachs und andern Materien eingegraben und also gezeichnet worden. Wie wir denn zum Exempel in dem alten Griechischen Poeten Homero lesen/ daß auf dem Schilde des Helden Achilles sehr viel und artige Sachen sind eingegraben gewesen. So ist dann auch das Zeichnen so beschaffen/ daß/ ehe man mit Farben etwas vorzustellen lernet/ oder auch würcklich vorstellet/ dasselbe schon vorher muß bekant seyn/ sonderlich/ da ein jeder befinden wird, daß nichts gemahlet werden kan/ wo nicht eine Zeichnung vorher gegangen. Und haben die Frantzosen es deßhalb mit einem solchen Worte Dessein bezeichnet/ welches eine Gleichheit hat mit demjenigen/ das ein Absehen anzeiget; weil die Zeichnung uns unser Absehen/ oder was wir in einem Gemählde vorhaben/ muß anzeigen/ ehe wir die Farben anbringen.

§. 4. Gemählde nennet man/ wie gedacht/ diejenige Zeichnungen/ welche mit Farben ausgezieret worden. Da nun bekant/ daß man anfänglich gar von keinen Farben gewust: So kann man um soviel eher glauben, was Plinius und aus ihm andere berichten/ daß die ältesten Mahler nur eine Farbe gebrauchet/ worauf denn mehr erfunden/ und zur Zeit der Griechischen Monarchie von dem Apelles und Parrhasius und andern berühmten Künstleren vier Farben gebrauchet worden/ womit sie aber/ wie er sagt/ nichtsdestoweniger immortalia opera verfertiget haben. Man mahlet daher auch noch heut zu Tage sonderlich im Anfange mit einer Farbe; worauf man denn zum mahlen mit mehreren Farben schreitet. Die Griechen nennten solche/ mit einer Farbe gezierte Bilder/ Monochromata oder einfarbige/ wie sie denn die Frantzosen camayeux die Teutschen Grau in Grau (ob sie gleich roth/ grün/ blau &c.) nennen; hingegen die Stücken so mit vielen Farben verfertiget waren/ hiessen polychromata oder vielfärbige/ und haben solche heut zu Tage keinen besondern Namen; sondern werden allenthalben schlecht hin eigentliche Gemählde genennet.

§. 5. Die Farben aber werden auf unterschiedene Weise aufgetragen/ und giebt deßhalben solche unterschiedene Manier/ auch wiederum unterschiedene Arten der Gemählde.

§. 6. Die älteste Art unter allen ist/ daß die jenigen Sachen/ so man zu Farben gebrauchet als Erde/ Mineralien u. d. gl. zerstossen/ und mit Wasser angerieben/ und hernach also naß mit dem Pinsel aufgetragen wurden. Deren wusten sich die Alten so zu gebrauchen/ daß/ weil sie vielleicht sich eines sonderbaren Leimes dazu bedieneten ihre Gemählde/ so zu sagen auf ewig dauren konten. Uns ist solches unbekant/ doch werden noch heut zu Tage Gemählde ans Licht gebracht/ welche/ so wenig sie auch in der Luft oder im feuchten Bestandt haben/ dennoch gar angenehm und kunstreich seyn. Es sind deren wiederum unterschiedene Gattungen/ welche werth seyn/ daß wir ihrer in etwas gedencken.

§. 8. [!] Die schönste Art/ Farben/ welche mit Wasser angerieben zu gebrauchen/ ist diejenige/ welche französisch Mignature lateinisch pictura minima genennet wird. Denn weil solche nicht anderst/ als in sehr kleinen zu gebrauchen stehet/ und also nur in der Nähe/ nicht aber in der Ferne betrachtet werden wil/ so haben viele berühmte Leute diese Kunst so hoch gebracht/ daß es zu bewundern. Es wird von den meisten/ so in Mignatur gemahlen/ daß sie mit ihren Pinseln platte und derbe Striche machen/ und also etwas vorstellen. Die besten Künstler aber arbeiten ein ganz Gemähldchen mit lauter kleinen Püncktchen aus/ welches denn der andern Manier weit vorgehet/ und wunder lieblich anzusehen. Doch ist hiebey nicht zu vergessen/ daß wir die Erhaltung des Wassermahlens denen Mönchen und andern Geistlichen im Pabstthum zu dancken haben/ als durch welche es von denen sogenannten mitlern Zeiten bis auf uns gebracht worden. Wie denn in den alten Diplomatibus oder Uhrkunden/ Meß-Büchern u. d. gl. noch mit sonderbarem Vergnügen ihre Kunst kan gesehen werden.

§. 8. So fürtrefflich aber als das Mignature mahlen ist/ so schwer ist solches. Man kan sich aber den Weg dazu bahnen/ mit einer noch leichtern Art/ mit Wasser-Farben zu mahlen/ nemlich dem so genannten laviren. Wir werden anderswo hören/ daß die Farben/ welche man aufträget/ entweder Erd- (undurchsichtige) oder Safft- (durchsichtige) Farben seyn. Das Mignatur-Mahlen geschicht mit allen beyden/ das laviren nur mit Safft oder durchsichtigen Farben/ und brauchet/ wie in der Anweisung selbst erlernet wird, um so viel weniger Mühe. Wird auch/ welches noch obenhin zu gedencken/ gebraucht zur Auszierung der Risse von Vestungen/ und andern Gebäuden/ Land-Charten u. s. w.

§. 9. Von dem laviren kan man zu noch einer übrigen Art schreiten/ eher man sich des Mignatur-Mahlens unterfanget; solche ist das so genannte illuminiren oder erleuchtern der Kupffer-Stücke. Hiezu braucht man mehrentheils auch durchsichtige/ doch auch wol Erd-Farden/ da denn bey den durchsichtigen Farben/ der in dem Kupffer schon befindlichen Schatten zu statten kommt/ bey den Erd-Farben aber der Schatten/ wo es nöthig/ mit duncklern Farben vorstellig gemacht wird. Ich weiß auch wohl/ daß das Mignatur-mahlen so wol als das laviren von einigen nur das illuminiren/ und im Gegentheil das erste das laviren und dieses das Mignatur-mahlen genennet wird; Allein man wird aus vorhergehendem den Unterscheid leicht erkennen/ und aus folgendem ersehen/ daß einem Studirenden nichts so leicht von allen Arten des Mahlens zu rathen/ und anständig sey/ als die/ welche mit Wasser-Farben geschicht.

§. 10. Es wusten ferner die Alten ausser dem Wasser-Mahlen noch etwas besonders und fürtreffliches: dieses war die so genannte Ars Encaustica, oder Einbrennungs-Kunst/ da sie zu den Farben nichts nasses gebrauchten/ sondern sie mit Wachs mischten/ also auf eine Tafel trugen/ hernach durch die Hitze so artig unter einander zu bringen geschickt waren/ daß/ wenn sie sie hernach mit einem besondern Instrument geglättet/ solche Gemählde ganz ungemein anzusehen waren. Solche Kunst ist nunmehr verlohren gegangen/ vormals aber bey den Römern insonderheit sehr üblich gewesen/ welche solche von den Griechen bekommen. Sie ist sonst gantz unterschieden von dem Sacro Encausto* oder dem Blute der Purpur-Schnecken/ womit die Constantinopolitanische Kayser ihre Briefe und Uhrkunden unterschrieben/ und dessen keiner/ bey Strafe des Meineyds/ sich sonst bedienen durfte. Dieses ist bey uns auch verlohren gangen/ und noch vielweniger vermuthlich/ daß dieses Encaustum solte wieder gefunden werden/ als jenes; indem wir nicht die Schnecken/ noch die Manier das Blut aus selbigen zu bringen/ so wie die Alten/ wissen. Obgleich vor etlichen Jahren sich jemand/** diese verlohrne Kostbarkeit wiederum herzustellen/ unterwunden/ dessen Name mir eben nicht beyfallen wil.

* vid. Heineccius de Sigill. vett. P. I. C. IV. §. 2. p. 31.
** Act. Erud, d. a. 1684. p. 201.

Die Römer* nenneten die Einbrenne-Kunst mit Wachse/ ceris pingere, Wachs-mahlen/ und schätzten sie sehr hoch. Meines Wissens ist noch niemand gekommen/ der sie wiederum an Tag zu bringen sich getrauet hätte.

* Plin. L. XXXV. C. II.

§. 11. In neuern Zeiten hat man auch zur Auftragung der Farben das Feuer zu gebrauchen gelernet/ ob zwar auf ganz andere Weise/ als vor Zeiten. Nemlich die sonderbare/ nunmehro aber leider! verlohrne Kunst auf Glaß zu mahlen. Man kan von den Handgriffen solcher Kunst noch hie und da Spuren finden/ allein schwerlich so viel/ daß man sie daraus könne erlernen. Unter andern soll der berühmte David Georgi sonst Joris genannt/ darinne ein Meister gewesen seyn. Heut zu Tage aber hat man eine noch schönere so beständig- als feine Kunst/ durch Feuer Gemählde zu machen; solche ist in Engel- auch zum Theil Holland und Franckreich/ so hoch gebracht/ daß sie es der Mignatur bisweilen gleich ja wol gar zuvor thut. Man heisset solche Gemählde email auf Frantzösisch/ auf Teutsch Schmelzwerck/ weil sie durch Schmelzung auf einem und andern Metall verfertiget werden.

§. 12. So mahlten auch sonst die Alten bisweilen ohne Pinsel mit Farben/ nemlich ich meyne Mußivisch: Solche Gemählde bestehen aus lauter eintzelen eingelegten Stückgen von Stein anfänglich hernach aus Holtz/ Elfenbein und d. gl. welche auf einer Tafel so neben einander gelegt/ und mit einem unauflößlichen Kalck oder Leim so zusammen verbunden werden/ daß sie der unterschiedenen Farbe halber/ welche solche Stückgen haben/ ein rechtes Gemählde vorstellen. Solche Gemählde sind so künstlich als dauerhaft; weil erstlich viel tausend Stückgen darzu gehören/ ehe ein Bild fertig wird/ und solch Gemählde vors andere weder im Nassen noch Trucken/ weder in der Kälte noch Hitze kann schadhaft werden. In Italien findet man uralte und doch dem Ansehen nach ganz neue Proben davon. Heut zu Tage legt sich niemand mehr darauf weil solches Kunststück etwas zu mühsam: Eine Spur davon möchte man bey denen Leuten/ welche Dosen/ Schachteln u. d. gl. mit Stroh/ imgleichen bey Tischlern und einigen andern/ welche Tische/ Schräncke u. s. w. mit Holz/ Knochen und Elfenbein verschiedener Art/ auslegen. Sonst muß ich hier noch einer Art ohne Pinsel und ohne Zuthuung nasser Materie zu mahlen/ erwähnen/ und das ist die/ mit cruckenen Farben: Sie geschicht vermittelst des feinen und an sich schneeweissen Töpferthons/ welchen man zerreibt/ mit allerhand Farben mischet/ und sich durch Hinzuthuung etlicher Tropffen Wassers/ etliche Teige von verschiedenen Farben/ in Gestalt eines kleinen Fingers/ formiret. Solche lässt man trucken werden/ und braucht sie hernach. Einige bereiten ihre truckene Farben anderst/ ich halte aber besagte Art für die beste. Es werden in dieser Kunst ungemeine Meister gefunden. Die/ vor einiger Zeit verstorbene Fr. K. in Halle/ excellirte darinnen.

§. 13. Im 15ten Seculo/ nemlich 1410. hat Hubertus und Johannes von Eyk oder wie andere wollen 1450. Johann von Brügg aus dem Gelderischen bürtig eine neue und fürtreffliche Art zu mahlen erfunden. Er mengete seine Farben mit Oel/ an statt des Wassers/ und befand/ daß sie sich wol fast eben so liessen/ als mit Wasser gemischte Farben/ handeln/ wozu denn auch dir Beständigkeit/ welche solche Gemählde hatten/ kam/ und verursachte/ daß diese neue Kunst von Tag zu Tage ausgearbeitet, und wenig Jahre hernach von Albrecht Dürern und Lucas Kranach auf den höchsten Grad der Vollkommenheit gebracht wurde. Es ist wahr/ daß man in dieser Art zu mahlen/ etwas sonderliches/ ich solte fast sagen/ ein mehrers und eigentlichers als im Mignatur könne vorstellen; Doch/ weil mit Oelfarben umzugehen/ deswegen beschwerlich/ weil es gar zu viel Schmierwerck/ und wie man sagt/ gar zu grosses Aufhebens verursachet/ über dem manchem der Geruch des dabey zu gebrauchenden Oels fast unerträglich; So gehet das Mignatur-mahlen, sonderlich in Ansehung der Studirenden/ dem Mahlen mit Oel-Farben auch deshalb vor/ weil man alles/ was zum Mignatur-mahlen gehöret/ gantz bequemlich in einem mittelmäßigen Schiebsack täglich kan mit sich führen: über dem die Wasser Farben wol eher schön als heßlich riechen/ ja/ weil sie mit Zucker Candi gerieben/ und gewisser Ursachen halber oft in den Mund gebracht werden/ selbige auch den Geschmack vergnügen. Was das meiste/ mit Oel-Farben mahlen zu lernen/ ist lang so künstlich und nachdencklich nicht/ als wenn man mit Wasser-Farben arbeiten lernet.

§. 14. Wir kommen nun zu einem neuen Unterscheide/ welchen wir in der Mahlerey finden. Denn/ weil ein Gemählde nicht von einem Menschen allein so leicht ausgesonnen wird/ er habe denn zuvor vorher gelernet/ vollkommen anderer ihre erfundene Sachen nachzuahmen: So wollen wir mercken/ daß alle Sachen die wir nachzeichnen/ und nicht aus unserm eigenen Kopfe machen/ entweder schon gemahlet oder gezeichnet/ oder aber Cörperlich vor uns stehen. Die Sachen/ welche wir schon gezeichnet oder gemahlen vor uns haben/ sind entweder von eines andern Hand mit Röthel/ einer Schreib- ober Bley-Feder/ gemachte Zeichnungen/ welche denn am leichtesten; Oder es sind Kupferstücke/ welche denn noch etwas schwerer; Oder es sind würcklich mit Farben ausgezierte Gemählde/ welche am schweresten nachzuzeichnen. Zu solchen Sachen/ welche man Cörperlich vor sich hat/ schreitet man alsdenn/ wenn man in Nachahmung der Zeichnungen/ Kupfer- und gemahlten-S[t]ücke schon einen Grund geleget. Die Cörper aber sind entweder lebende/ oder nur im Model stehende und also todte Cörper: Modelle nennet man Thon- Gipß- Papp- oder wächserne Bilder/ die durch der Alten ihre Kunst/ welche sie Plasticen nenneten (und welche noch etwas bey unsern Gipß-Giessern und Wachs-boussirern verblieben) gemacht worden: Im gleichen die Wercke der Bildhauer. Lebende Cörper sind Sachen und Cörper/ welche die Natur selbst vorgebracht/ unter denen der Menschliche Leib und die Bewegung desselben der allerschwerste. Wobey wir dennnoch mercken/ daß das Reissen nach Modellen vor dem Reissen nach lebendigen Cörpern muß vorher gehen.

§. 15. Zeichnen wir aber aus unserer eigenen Erfindung etwas so ist solches nichts anders als der eigentliche Nutzen/ welchen das Nachzeichnen anderer Erfindungen giebet. Und so selten man Zeichner und Mahler findet/ welche etwas geschicktes von selbsten zeichnen können/ so leicht kan man selbiges erlernen/ wenn man nach derjenigen Erinnerung/ welche die berühmtesten Anweiser hier geben/ nur/ so oft man eine gute Stellung einer Sache/ eine gute Landschaft oder Prospect siehet/ sich solches fest einbildet/ und so bald es sich thun lässet/ so gut manes behalten/ zu Papier bringet. Ja/ der Weg ist hiezu ganz leicht/ wenn man sich bemühet/ so oft Zeit da ist/ es gerathe wohl oder übel/ ein und andere eigene Invention zu zeichnen/ und solche nach andern Rissen/ Kupfern oder Gemählden hernach zu verbessern.

§. 16. Sehen wir nun die Gemählde/ welche auf irgend eine obbeschriebene Art heraus gebracht worden/ selbst an/ und geben zugleich Acht/ auf das, was in selbigen fürgestellet worden/ so werden solche wiederum untereinander unterschieden seyn: Denn auf einigen werden wir nichts anders als Bildnisse eines Menschen oder raren Thiers finden/ welche man denn Portraits oder Contrefaits nennet. Die denn wiederum eingetheilet werden in Brust-Stücke/ da dgl. nur bis auf die Brust-/ in halbe Stücke/ da ein Mensch oder Thier halb/ und in gantze/ da solche gantz abgebildet worden. Auf andern finden wir alte/ auch wol neue/ Heydnische/ Jüdische und Christliche Historien und Begebenheiten. Auf andern sieher man ins freye Feld oder Wald hinein/ und solche nennet man Landschaften. Einige zeigen Früchte/ Blumen/ Speisen u. d. gl. und heissen: stilliegende Sachen. Einige sind Battailien-Stückgen/ welche Scharmitzel oder Schlachten vorstellen. Einige ergötzen das Auge mit der Vorstellung einer Jagt: Andere mit Vorstellung von allerley Thieren u. s. w. Die Grotesquen pfleget man hier auch herzurechnen/ solches ist ein künstlich Laubwerck/ worein Thiere/  Vögel/ halbe Menschen/ Waffen u. d. gl. zierlich mit eingeflochten.

§. 18. [!] Eines weitern Unterscheides in der Mahlerey zu gedencken/ achte nunmehro vor unnöthig. Denn das ist wol einen jeden bekandt/ daß z. E. bald auf Gold/ bald auf Silber/ Kupfer und anderen Metallen/ bald auf Holtz/ Elffenbein/ Knochen/ Horn/ Pergamen/ Papier &c. gemahlet werde. Wie wir denn auch/ da wir den Unterscheid der Gemählde in Ansehung der Auftragung der Farbe gesehen/ mit Fleiß/ der Kürze halber die Art mit Wasser-Farben auf einer mit gegipster Leinwand überzogenen Tafel zu mahlen/ übergegangen/ solche hieß alla Tempera. Imgleichen haben wir nicht gedacht der Art auf nassen Kalch mit Wasser- oder Oel-Farben zu mahlen/ welche in der Bau-Kunst sehr gebräuchlich/ und al Fresco genennet wird.


pp. 68–106

Das siebende Capitel.

Von der Methode/ die Zeichen- und Mahl-Kunst zu erlernen.

Innhalt:

§. 1. Ordnung in welcher hievon gehandelt werden soll.
§. 2. Von Erlernung der Zeichen-Kunst überhaupt.
§. 3. Der Anfang beym Reissen nach andern schon gezeichneten oder gegemahlten Sachen/ wird vom Gebrauch einiger nützlichen Behelffe gemacht.
§. 4. Diesem folget das Reissen eben hiernach/ nach gewissen Reguln.
§. 5. Behelffe beym Reissen nach cörperlichen Sachen.
§. 6. Das Reissen cörperlicher Sachen nach der Perspectiv und gewissen Regeln.
§.7. Das Reissen aus eigner Invention.
§. 8. Schriften/ welche hier sollen erzählet werden.
§. 9. Schriften von der Mahl-Kunst.
§. 10. Mathematische insonderheit Geometrische/ Gnomonische und Geographische Schriften. Vorschlag von einem Mundo Iconico.
§. 11. Schriften von der Perspectiv und Optic.
§. 12. Architectonische.
§. 13. Anatomische.
§. 14. Historische.
§. 15. Schriften von der Antiquität.
§. 16. Mythologische/ Hieroglyphische und Fabeln/ Emblematische und Symbolische.
§. 17. Numismatische.
S. 18. Von Siegeln und Diplomatibus.
§. 19. Heraldische.
§. 20. Philosophische/ insonderheit der Ethic und Physic.
§. 21. Verzeichniß einiger zum Reissen dienlichen Kupferstiche.
§. 22. Vom Mahlen und dessen Erlernung.
§. 23. Beschluß.

§. 1.

DIß Capitel ist das wichtigste/ und wird vielleicht auch das weitläuftigste seyn. Wir werden solches in zwey Haupt Theile absondern. Deren erster von der Zeichenkunst/ das andere aber von dem eigentlichen Mahlen handeln soll.

§. 2. Nachdem zuvorderst eine von GOtt natürlich mitgegebene Geschickligkeit den Grund geleget/* so erlernen wir die Zeichen-Kunst zuerst von einem solchen der uns in der That dazu anweiset: Und hernach ausser dem exercitio, aus solchen Schrifften und Sachen/ welche von dieser Kunst geschrieben und herauß gegeben worden. Jenes wird einem Anfänger billig anbefohlen/ weil er dadurch in wenig Wochen oder Monathen weiter kommen wird/ als sonst in vielen Monathen oder etlichen Jahren nicht geschehen wäre. Von denen Sachen aber und Schrifften, welche bey Erlernung der Zeichen Kunst nützlich nachzusehen und zu lesen seyn soll hier mit kurtzen gehandelt werden. Wenn vorher so kurtz als möglich eine Anweisung zur Zeichen-Kunst wird gegeben seyn.

* Siehe oben cap. 3. §. 18.

§ 3. Ein guter und wohlgetroffener Anfang/ pflegt insgemein auch einen guten Fortgang und letzt ein glückliches Ende zu versprechen. Demnach ist es auch wol billig/ daß einer der sich wil aufs Zeichnen legen/ bekümmert ist/ nicht die Pferde hinter den Wagen zu spannen; sonder so das Werck anzutreten/ daß ihm eine gute Ordnung hernach durchgehends zu statten komme. Wie aber/ möchte man fragen/ geschiehet solches? Ich antworte: Ist die Frage von dem/ was man zuerst solle zeichnen/ so ist vernünfftig/ daß/ bey denen Sachen/ welche wir schon gerissen oder gemahlen vor uns haben/ man zu erst von Zeichnungen die andere gemacht/ anfange/ hernach zu Kupfern/ als schwerern/ und folgends zu eigentlichen Gemählden/ als dem allerschwersten/ gehen müsse. (siehe oben l. c.) Frägt man aber/ wie zeichne ich sie denn am besten nach/ daß ich auch hie eine Ordnung in acht nehme? So dienet zur Antwort: Ein jeder wird wird mir zugestehen/ daß die Fertigkeit der Hand im Zeichnen das beste ist/ da man geschickt ist/ ein und andern Strich leicht nachzutreffen. Daher auch so leicht keiner/ solche Mittel, die den Grund zu solcher Geschicklichkeit legen/ verwerffen wird. An statt dessen nun/ daß man dem Rathe/ der insgemein unbedachtsamer Weise gegeben wird/ daß man allerhand Kupfer mit ungewohnter/ tragen/ schweren und ungeschickten Hand soll anfangen nachzureissen/ unbedachtsam folget. So lasse man sich gleich im Anfange des Reissens/ sowol bey Zeichnungen als Kupfern und Gemählden/ solche Behelffe/ die von so vielen gebraucht/ ja gemißbraucht worden/ als das sogenannte chalquiren/ die Manier mit Oelgeträncktem Papier etwas nachzureissen; die Art/ durch ein mathematisch Gitter etwas zu copiren/ und dergleichen mehr aufs beste anbefohlen seyn. Man findet gedachte und andere Behelffe in der Anweisung zum Mignatur-Mahlen zu Nürnb. in 12. gedruckt. Beym Mallet in seiner Kriegs-Kunst Amsterd. in groß 8. 1. B. Pictorii Illuminir-Buch Nürnb. 8. Act. Erud. 1686. Gœree Practic. Hamb. in 12. Der geöffnete Ritter Pl. in der geöffneten Rarit. und Natural-Kammer.

§. 4. Hat man hiemit einige Fertigkeit der Hand zuwege gebracht/ so ist es dann Zeit/ daß man weiter gehe. Und da ist denn der/ vorhin allzuzeitig gegebene Rath gut/ daß man nun nemlich suche/ ohn Behelffen/ aus freyer Hand gute und leichte Risse/ Kupfer und Gemählde nachzureissen. Da sind dann Clercs Principes des Desseins, Caraccio und etlicher andern als des de Lairesse Anweisungen zur Zeichen-Kunst/ als welche meist aus solchen Kupfern bestehen/ die gewisse Theile des menschl. Leibes vorstellen/ wohl zu gebrauchen. Das aber muß auch nicht so geschehen/ wie es zu geschehen pfleget. Das blosse Exercitium/ oder die Ubung machet die Sache nicht aus. Es kommt hie hauptsächlich darauf an/ daß man sich nach gewissen Regeln richte/ welche sowol hier/ als wenn man schon unter eine andere als der Anfänger Zahl gehöret/ gelten müssen. Ich wil hoffen/ daß es nicht wird schädlich seyn/ wenn man sich/ unter andern/ nach folgenden fürnehmlich richten wird.

1. Man stelle das Original, das man nach zeichnen wil gerade vor sich aufgerichtet oder ein klein wenig hinter sich gelehnet hin.

2. Habe man das Licht oder den Tag zur lincken/ welches niemahls sehr helle seyn muß; wäre es doch helle/ könte man ihm mit einem vorgezogenen Vorhange helfen.

3. Reisse man alles anfänglich ohne Schatten/ hernach/ wenn man schon etwas fertig im Reissen aus freyer Hand/ mit Schatten nach.

4. Ubersehe man das, was man nachzeichnen will etliche mal/ bilde sich zugleich die Stellen und den Umfang der fürnehmsten Bilder im Original aufs beste ein.

5. Zeichne man solchen/ dem Gemuth fest eingeprägten obgleich ganz rüden Umriß auf sein Blat/ und zugleich also die Stellen der fürnehmsten Bilder.

6. Observire man mit grossem Fleiß/ seine Nachzeichnung mit dem Original zusammen haltend/ worinne man gefehlet/ und ändere es sorgfältig.

7. Dann fange man an/ alles miteinander mit Bedacht auszuzeichnen: Da nehme man auch alle Kleinigkeiten mit und beobachte genau alle Winckel die sich hie und da formiren/ insonderheit nach ihrem dreyfachen Unterscheide in der Geometrie, denn solches giebt der accuratesse einen ungemeinen Vortheil.

8. Solte man doch nicht wohl können fort kommen/ so hilft ungemein/ wenn man hie und da eine perpendiculare oder horizontale linie von einer Stelle zur andern sich einbildet/ und dar nach seine Zeichnung richtet. Nur

9. Nehme man die proportion allenthalben wohl in Acht. Welches zwar von selbsten zufolgen pfleget/ wenn man die Regeln wohl anwendet/ die wir von dem generalen und rüden Umriß eines Originals gegeben.

10. Das/ was das gröste auf einem Bilde ist/ reisse man zuerst.

11. Bey Häusern und Menschen fange man am liebsten oben an zu zeichnen. Und

12. Ube man solches alles fleißig. So wird man erfahren/daß es besser sey einen Circkul zu gebrauchen/ wenn man einen vollkommenen runden Craiß ziehen will; als sich etliche Jahre lang solchen aus der Ubung machen zu lernen angelegen seyn zu lassen.

§. 5. Schreiten wir dann nun zum Riß cörperlicher Dinge/ welche wir würcklich vor uns stehen oder liegen haben/ so ist es damit fast eben so/ als wie mit dem Reissen nach vorigen gezeichneten &c. Sachen bewandt. Man gebraucht auch hier einige Behelffe/ ehe man cörperliche Dinge aus freyer Hand nachzeichnet. Als zum Exempel die machine welche unter andern der bekannte Kircherus beschreibet in arte magna lucis & umbrae lib. 2. P. 2. ohngefehr p. 122. Und andere/ welche an denen Stellen/ die im vorigen 3ten §. dieses Capitels angeführet worden, nachzusehen.

§. 6. Aus freyer Hand etwas cörperliches zu reissen/ ist niemanden möglich/ als welcher die Perspectiv erlernet. Nun wurde ich viel zu thun bekommen/ wenn mich deshalben in Abhandlung derselben solte einlassen/ als wovon ganze Bücher geschrieben worden. Deswegen hoffe, es werde in so einem kleinen Unterricht von der Zeichen- und Mahl-Kunst/ als der unsere ist/ solches zu thun nicht verlanget werden. Solte es aber durch Hülfe GOttes mit der Zeit verstattet seyn/ mit etwas weitläuftigerm dem geneigten Leser zu dienen: so solte es denn künftig daran auch nicht fehlen. Indessen aber doch nicht gar von dem Nachreissen cörperlich vor uns stehender Sachen hie stillzuschweigen/ so mercke man nächst dem/ das schon oben angezeiget worden/ wie die cörperliche Sachen entweder Modelle oder lebendige Cörper seyn/ daß man von Modellen gebrauche: Einen cubum oder Würfel/ Pyramide oder eckspitzigten Cörper/ conum einen Kegel/ globum eine Kugel/ cylinder eine Waltze/ und sonst allerley Prismata. Sonderlich aber nachdem man im Nachreissen dieser Modelle den Grund geleget/ so brauchet man auch ein aus Thon verfertigtes Lateinisches Versal-Alphabeth/ (siehe das Kupferbl. vor dem Titul.) davon man einen jeden Buchstaben nach Belieben legen/ stellen und lehnen/ und also allezeit auf unterschiedene Weise mit dem herrlichsten exercitio nachzeichnen kan. Solches wird so ungemeine Dienste thun/ wenn es mit Zuziehung der Gründe der Perspectiv geschicht/ daß es nicht zu beschriben. Ich habe es selbst erfahren bey meinem und anderer Exempel.

Sodann nimt man schwerere Modelle/ als künstlich Hausgeräthe/ Statuen und dergl. vorI zeichnet auch solche so lange nach/ bis man zum Leben selbsten gehen kan. Da ist nun freylich wol mehreres Nachdenckens vonnothen. Der menschliche Leib ist da das schwereste: Nicht nur wegen der/ so zu sagen unvermercklichen und unsichtbaren Bewegung/ wenn er auch gleich stille sich verhält/ als die er mit übrigen lebendigen Creaturen gemein hat; sondern auch wegen seiner so vielen wunderlichen und sonderlichen Theile/ die nach ihren unterschiedlichen Handlungen entweder gar nicht oder bisweilen nur in etwas/ sonderlich was die Musculn angehet/ geschehen/ und mit Zuziehung der Anatomie geschickt gebildet werden. Die Arbeit/ welche man hiebey findet/ kan man sich versüssen/ wenn man das Leben in unbelebten Sachen/ ich wil sagen/ Landschaften nach dem Leben zuweilen reisset. Welches letztere insonderheit ein gar leichtes seyn wird/ wenn wir sonst das Reissen nach Modellen mit Ernst/ und wie es sich sonst gehöret/ getrieben haben. Bey diesem allen aber lasse man sich folgende wenige Regeln anbefohlen seyn.

1. Das Licht/ welches man beym Reissen nach Modellen und dem Leben gebraucht wird/ sey wiederum zur Lincken: Bey Tage nicht gar zu heller und des Abends ein Lampen Licht.

2. Wenn man ein schlechtes Modell/ z. E. den Cubum, reissen kan/ so gewöhne man sich zwischen solchen und einem andern (Modell) wenn es ihm auch noch so ungleich scheinet/ einige Aehnlichkeit sich einzubilden/ und den Riß dieses Cörpers nach jenes seinem einzurichten.

3. Mache man sich hier gleicher massen/ ehe man die besondern Theile cörperlicher Dinge zeichnet/ allererst einen rüden und rauhen Umriß/ doch seinem Original so viel ähnlich als möglich.

4. Diesen Umriß verbessere man nach der sechsten Regel/ die im §. 4. dieses Capitels gegeben worden. Man bilde sich auch

5. Wo es möglich und nöthig eine perpendicular– oder horizontal-Linie ein/ und richte auch dar nach seine Zeichnung.

6. Die Observirung der Winckel, imgleichen die Anwendung der §. 4. gesetzten 9. 10. 11. und 12. Regul/ wenn sie auch hier geschicht/ kan hier auch ein vieles thun.

7. Bey Sachen/ welche einander parallel/ gebe man wohl acht/ daß man sie auch parallel mache/ wenn es anders die Regeln der Perspectiv nicht verbiethen.

8. Bey Groupen (Groppi) oder gepaarten Cörpern nehme man sich wohl in acht/ daß sie nicht von einander getrennet/ sondern vereiniget scheinen. Welches denn hier hauptsächlich auf die Vorstellung des Schattens/ nach dem die Bilder in richtiger Proportion gerissen worden/ ankömmt.

§. 7. Was nun schon oben gedacht worden/ daß man aus eigner Phantasie oder Kopf (wie man sagt) nicht werde zeichnen können/ man habe denn zuvor sich wohl geübt/ nach andern Zeichnungen/ Gemählden/ Modellen und dem Leben zu reissen. Das kan ich hier billig wiederholen/ und sagen: Der beste Nutz/ den wir aus dem Nachreissen schon gemahlter oder würcklich vor uns stehender Sachen haben/ wird dieser seyn: daß wir auch was von unserer eigenen Erfindung werden können zu Papiere bringen. Doch werden hiervon keine Regeln können gegeben werden: Denn/ wer so weit gekommen/ daß er aus eignem Kopffe etwas auffreißt/ wird sich die besten selbst geben können. Solte ich aber doch hiebey eine Erinnerung von mir geben/ so weise einen solchen/ der so weit gelanget/ nur zurück auf unsere Beschreibung der Mahl-Kunst. Und versichere ihn, wenn er sich darnach wird zu halten wissen/ was solche erfordert/ insonderheit/ da sie erinnert/ daß die Mahl-Kunst sey eine künstliche und doch lebhaffte oder natürliche Abbildung cet. so werden seine Inventiones nicht übel ausgearbeitet werden.

§. 8. Nun wollen wir auch sehen/ was für Sachen von der Zeichen und Mahl-Kunst/ und Denen Stücken/ die dazu erfordert werden/ geschrieben worden. Zuerst soll derjenigen gedacht werden/ welche von der Mahl-Kunst handeln/ als welche entweder allein von der Zeichenkunst/ oder allein von der eigentlichen Mahlkunst/ oder von der Zeichen und Mahl-Kunst zugleich/ uns belehren. Weiter kommen hieher die Mathematische/ insonderheit Astronomische/ Gnomonische/ Geographische/ Architectonische/ Perspectivische und Optische Schriften. Nach Diesen die Anatomische/ zu welchen wir die/ welche einige von der Symmetrie, imgleichen andere/ die man von der Physiognomie geschrieben/ rechnen werden. Folgends die Historische/ weiter die/ so man hat in der Antiquität/ Mythologie, Fabuln/ Numismatic, Sigillaria und Diplomatic. Ferner von der Heraldic. Sodann Philosophische, sonderlich von der Ethic und Physic. Wozu letztens ein Verzeichniß unterschiedlicher Kupffer/ welche man zur Vermehr- und Verbesserung eigener invention, oder auch sonst zum Nachreissen/ gebrauchen kan/ kommen wird.

§. 9. Bey Erzählung der Schriften von der Pictur konte/ der Materie nach/ einige Ordnung in acht genommen werden: Weil aber/ wegen ermangelnden genugsamen Bücher Vorraths/ solches vor dießmal nicht gar wohl möglich/ so wird man mit nachfolgender Erzählung/ die nach dem Alphabeth eingerichtet/ zufrieden seyn.

Apelles Cous wird vielleicht wol der erste seyn/ der von der Mahl-Kunst geschrieben. Dieser berühmte Mahler/ dessen schon oben gedacht worden/ soll nemlich für seinem Schüler/ dem Perseo, ein Buch von seiner Kunst geschrieben haben.

Leon. Bapt. Alberti Florentini lib. 3. de Pictura Argentorat. 1540. Basil. 1540. Amstelod. 1649. f.

Jost Ammanns Kunst- und Lehr-Büchlein für die anfahende Jungen/ daraus Reissen und Mahlen zu lernen. Franckf. 1578. 4.

Anonymi Buch von der Mahler- u. Schnitz-Kunst. Franckf.

Anonymi Anweisung zum Mignatur-mahlen/ Teutsch und Frantzösisch/ Nürnb. 1693. 12.

Anon. Anweisung zum Mignatur-mahlen. Ob dieses Büchlein/ welches 1688. in 12. zu Nürnberg zum erstenmal/ hernach – – in 12. eben daselbst/ folgends zum 3tenmal 1710. in 12. nur allein teutsch heraus gekommen/ mit dem vorigen einerley/ kann ich nicht sagen/ denn jenes habe nicht gesehen. Von diesem aber kan ich versichern/ daß es ein ungemein schönes und nützliches Tractätgen sey.

Gio Battista Armenini da Faenza Dè veri precetti della Pittura Ravennæ 1587. 4.

Ars pingendi, Enchiridion oder Kunstbüchlein/ Franckf. 4.

Wilh. Beurs De groote Waereld in t’kleen geschildert Amsterd. 1692. 8. Dieses ist eine Anweisung wie man mit Oelfarben mahlen soll: Welche wol wehrt wäre ins Hochteutsche übersetzet zu werden/ wegen der ungemeinen schönen Art zu mahlen/ so darinnen gewiesen wird.

Abrah. Bloemaerts Teekenkonst 1611. fol. sind ohngefehr 140. Kupfern/ welche von den ersten Anfängen an/ als von den Gliedern des Leibes/ bis auf Cörper und Landschaften das Zeichnen lehren.

Seebald Böhmen Mahler- und Reiß-Kunst/ nach rechter proportion/ Maaß und Austheilung des Circuls/ Franckf. 1605. 4.

Valentin Boltzen von Rufach Illuminir-Buch/ ist meines Wissens schon: 1590. und nach her über etlich und hundert mal in 8. gedruckt worden. Es kan von keinem sonderlich gebrauchet werden/ als von den Briefmahlern.

Abr. Bosse Sentimens sur la distinction des diverses manieres de peinture, dessein & graveure, Paris. 1648. 12.

Bulengerus de pictura, Plastice, Statuaria Lugd. 1627. 4.

Constantius Cajetanus ein Sicilianer hat zu Anfang des vorigen Seculi die Picturas Veter. erleutert/ Ritterpl. im Antiq. Zimmer p. 16.

Democritus hat sonst auch de pictura geschrieben, welches Werck aber nicht mehr vorhanden.

Mit Albrecht Dürers seinen Institutionibus Pictoriis ist es eben fast so gegangen/ weil er sie nicht zu Ende gebracht/ sondern über deren Verfertigung gestorben.

Der curiöse Schreiber und Mahler/ darinnen allerhand künstliche Arten zu schreiben und Farben zuzurichten Dresd. 1694. 8.

Felibien principes de l’ Architecture, de la sculpture, de la peinture Paris 1697. 4.

C. A. Fresnoy kurtzer Begriff der Theoretischen Mahler-Kunst. War anfänglich in lateinischen Versen beschrieben/ welche der berühmte Gerike ins teutsche übersetzet/ und teutsch und lateinisch zu Berlin 1699. in 4. herausgegeben. Ein zwar kleines/ doch wichtiges Werck.

Goeree Practic oder Handlung der allgemeinen Mahlerkunst/ ist von dem Autore holländisch geschrieben/ von Johan Langen aber ins hochteutsche übersetzt und herausgegeben Hamb. 1677. 12. Diß Büchlein bestehet aus drey Theilen/ der erste handelt insgemein von der Mahlerkunst/ der andere von der Zeichenkunst/ der dritte von der Illuminir-Kunst. Ich habe es niemals ohne Nutzen gelesen/ und zuweilen auch bey gegenwärtiger geringen Arbeit gebrauchet.

Franciscus Junius de pictura veterum, diß herrliche Buch ist herauskommen 1634. in 4. und 1637 in eben dem Format/ zuletzt aber sehr vermehret zu Rotterdam 1694. fol. Ich beklage/ daß keiner andern edition habhaft werden können/ als der/ welche in holländischer Sprache 1641. zu Middelburg gedruckt worden.

I. M. C. E. Der zur Oel. Farben Mahlerey wohl aufführende Mahler/ nebst einem Anhange c. 1712. in 8.

Gio. Paolo Lomazzo Idea della pittura ist bey dem Leben Iacobi Robusti Tintoretto befindlich/ wie der Titul dieser Lebens-Beschreibung die zu Venedig heraus gekommen/ besagt. ejusd. Trattato dell’ arte della pittura, scoltura & architettura, Milano 1585. ej. Idea del tempio della pittura Milan. 1591.

Ludov. de Mont-Josii tract. de sculptura & pictura f.

Neues Reißbuch d. i. eine ungemeine curieuse und nette Anweisung zur Mahlerey Franckf. 1700. fol.

Neuvollständig Reisbuch/ mit schöner Anweisung zum Zeichnen/ perspectiven &c. Nürenb. 1700. 4.

Henr. Gautier de Nismes 1’ Art de laver oder Kunst zu tuschen ist zu Brüssel 1708. in 12 frantzösisch/ und nunmehr auch teutsch übersetzt 1716. in 8. zu Nürnberg mit ein und ein achtel Bogen Kupfer heraus gekommen. Es ist ein fein tractætgen/ und können die Liebhaber der Archit. milit. Darinnen die Manier/ ihren Rissen solche Farben zu geben, als bey den Königl. französischen Ingenieurs gebräuchlich/ finden.

Io. Bapt. Pictorii Illuminir-K. Nürnb. 1713. 8. Ist ein Büchlein/ welches aus des V. Boltzens oben gedachter und des Goeree seiner Illuminir-Kunst gantz zusammen geschrieben/ und zwar fast ohne geringste Ordnung.

Pet. Paul Rubens der fürtreffliche Mahler soll auch von der Mahlkunst geschrieben haben.

Sandrarts teutsche Academie der Bau- und Mahlkunst/ ein herrliches Werck. Nürnb. in groß fol. 1675. und 1679. lateinisch kam es heraus 1683. fol. Norib. Dieses verdienete es/ daß es Carpzov, artis & historiæ pictoriæ corpus absolutum nennete in Act. Erud. 1683 m. Octob.

Schefferus de arte pingendi Norib.1669. 8.

Testelinus Königl. Frantz. Secretair der Acad. der Künste und Wissenschaften/ hat einige tabellen von der Mahlkunst geschrieben, welche mir teutsch in MScto communicirt worden/ sie sollen ehemals zu Nürnb. auch gedruckt seyn/ welches aber nicht gesehen.

Theoria artis pictoriæ oder Anweisung zur Mahlerey/ bestehet aus etlich und 50. dem Blœmaert und Caraccio fürnemlich abgeborgten und schlecht copirten Kupfern: Denen ein etwas magerer Bericht insonderheit von der Symmetrie der Glieder des Menschlichen Cörpers vorgesetzt worden.

§. 10. Wuste ich nun nicht/ daß man an Bibliothecis Mathematicis oder Unterricht von Mathematischen Schrifften ohne das/ keinen Mangel hätte/ so würde mir nun die Mühe zu geben haben/ derselben nach der Länge zu gedencken. Da aber dieses ist/ so hat man solche hier nachzusehen. Soll ich indessen doch etwas sagen/ so glaube/ daß eine der besten und volkomnesten Anweisungen zur Mathematique seyn/ des Hrn. Hofr. Wolfens lateinische und teutsche Anfangs-Gründe/ jene in 4. diese in 8. in zwey Bänden. Mögten aber etwa einem Anfänger die/ ihm noch ungewohnte Beweise (demonstrationes) nicht anstehen/ so sehe er sich um/ was angehet.

Die Geometrie: In des berühmten Frantzösischen Kupferstechers Seb. le Clerc anfänglich frantzösisch zu Paris hernach lateinisch zu Amsterdam heraus gekommenen Geometria practica super carta & solo, in 12. Diß Tractätgen ist deswewegen sonderlich hier zu estimiren/ weil die Kupffern/ worauf die Geom. Figuren gestochen/ unten mit den saubersten Landschaften ausgezieret seyn. Eben dieses kan/ die so deutliche Erzherzogliche Handgriffe des Circkuls und Lineals/ als welche auf ihren 120. Kupfer-Blättern sehr feine Prospecte Ungarischer Vestungen præsentiren/ uns anpreisen. Sie sind von dem Herrn von Pürckenstein/ Mathem. des Kaysers Josephi I. gemacht/ und 1713. etwa zum drittenmale zu Augspurg in 4. rausgegeben worden. Einer/ der nicht fait machet von der Mathematic, gehet schwerlich weiter; deshalb gedencke denn auch/ den Raum zu sparen/ keiner mehr.

In der Astronomie/ da ist nebst guten Sphaern oder Himmels-Kugeln/ Strauchs Astrognosie in 12. wohl zu gebrauchen. Dabey das kleine aber nützliche Tractätgen/ welches Feind zu Hamburg in 12. heraus gegeben unter dem Titul einer Cosmographie/ wohl nachzulesen.

In der Gnomic oder Sonnen-Uhr-Kunst/ mag man gebrauchen des Michaelis Praxin Gnonomicam, oder Anweisung/ die Sonnen-Zeiger leicht zu machen und aufzureissen/ in 8. Sonst in der Geographie des Gregorii curieuse Gedancken (daß ich selbiger hier zugleich mit gedencke) von den vornehmsten und accuratesten alt und neuen Land-Charten in 8. Wobey denn die besten Charten/ nebst sonst einer guten Geographie/ als des Herrn Joh. Hübners oder des Hrn. Gladovs noch neulich heraus gekommene/ und der curieuse Antiquarius des Hn. Birckenmeyers/ etwa anzuschaffen wären. Wiewol hieher auch gehörten die Special-Beschreibungen gewisser Länder und ihrer Merckwürdigkeiten/ so muß doch solche/ kürtze halber/ dißmal mit Stillschweigen vorbey gehen. Und eben dieses wird auch geschehen in Ansehung derer/ mit eben dem Recht hieher gehörenden Reise-Beschreibungen. Kan aber nicht unerwähnet lassen/ was mir neulich eingefallen von einem Mundo Iconico, oder einem aus allen/ oder doch den meisten mit Kupffern versehenen Reise- und Land-Beschreibungen/ zuziehendem Register/ welches anzeigen solte/ wo die vornehmsten und warhaftesten Abbildungen aller Nationen/ berühmten Oerter und Städte/ Gegenden/ Länder/ Thiere/ Gewächs/ Gebäude/ Kunst-Wercke und Werckzeuge/ und was dessen mehr/ zu suchen und zu finden wären. Der Nutzen/ den ein solch Werck haben würde/ scheinet mir ungemein: Denn in Ermangelung dessen, bekommen wir eine Geschicht/ die sich hier oder da zugetragen/ entweder gantz mangel- und fehlerhaft zu sehen/ oder es werden ein und andere Bücher mit grossem Zeit-Verlust erstlich durchgeblättert/ wenn man eine Abbildung dieser oder jenen Sache darinnen vermuthet. Daher zu wünschen/ daß jemand dergleichen Arbeit über sich nähme/ als welche ihm einen jeden rechtschaffenen Zeichner und Mahler sehr verbinden würde.

§. 11. In der Perspectiv und Optic werden wir auch viele Schriften finden. Weil in jenem das eigentliche Reissen bestehet/ oder wenigstens darauf doch die Zeichen-Kunst gegründet ist: Von der Optic aber anderswo bessere Nachricht kan ertheilet werden; So wird es nicht undienlich seyn/ Perspectivischer Schrifften hier etwas weitläufftig zu erwähnen/ dabey denn doch auch einige Optische Bücher mit vorkommen werden:

Andr. Alberti 2. Bücher von der perspectiv Nürnb. 1670. fol. wird denen Anfängern billig recommendirt der Deutlichkeit halben.

Alcabitius oder Abdilazus soll auch von der Perspectiv geschrieben haben.

Alhazen hat geschrieben Optices libros 7. Die hieher gehören/ und nebst des Vitellionis Optic 1572. fol. zu Basel heraus gekommen.

Rogerius Baccho oder Baco ein Englischer Mathematicus der ums Jahr 1280. gelebet/ hat geschrieben nebst andern Sachen auch eine Perspectiv. Franc. Maurolycus soll sie nach Gesneri Bericht heraus zu geben versprochen haben; doch finde ich nicht/ daß es zu dieses letzten Lebzeiten geschehen; wol aber daß sie 1614. zu Frf. in 4. gedruckt worden.

Carol Bouillius hat auch eine introd. in scient. perspectivam geschrieben/ die sich in dessen append. Margaritae Philos. befindet.

Dan. Barbaro La prattica della Prospettiva 1569. fol.

Giac. Barozzi da Vignola Le due Regole della Prospettiva prattica, con i commentario d’ Egnatio Danti fol. Rom. 1583.

Silvio Belli Vicentino libro del misurar con la vista Venet. 1570. 4.

Fr. de Brueil Prospectiva practica Paris 1647. 4. 3. volum.

Petrus è Burgo soll nach Gesn. Bericht auch eine Persp. geschrieben haben.

Iacque Androuet du Cerceau Leçons de Perspective positive Paris 1576. fol.

Bernardi Contini Prospettiva prattica Venet. 1680. fol.

Iean Cousin livre de Perspective Paris. 1560. fol.

Desargues (sonst des Argues) Maniere uniuerselle pour pratiquer la Perspective, welche anfangs durch den Abr. Bosse Frantzösisch und hernach Holländisch zu Amsterd, 1686. 8. herausgekommen.

Joh. Faulhabers Perspectiv 1610. 4. Franckf.

Joh. Friedemann Perspectiva lat. & gall. Arnhem. 1604. fol.

Joh. Werdm. Frysen Perspectiv 1605. fol.

Georg Hartmanni Perspectiva communis, Nürnb. 1542.

Hondius soll auch ein Perspectiv geschrieben haben/ ich weiß aber nicht wound wenn sie her aus gekommen.

Hugenii Traite de la lumiere, á Leide 1690. 4. Ist so viel mir wissend, das beste in der Materie vom Lichte.

Henr. Lautensacks Goldschm. und Mahlers neue Perspectiv 1564. fol.

P. Bernard. Lamy Traite de Perspective 1701. 8. Ist/ wie leicht zugedencken ein besonder schönes Buchlein: Wer demonstrationes liebet/ kan hierinnen dergleichen sehr leicht finden.

Heliod. Larissaei Capita Opticorum sind unterschiedliche mal unter andern durch den Egnatio Danti Italianisch con la prospettiva di Euclide Florent. 1573. in 4. gedruckt worden.

Athanasii Kircheri Ars magna lucis & umbrae Rom. 1642. fol. Diß vortreffliche Buch gehäret vor andern hieher.

Hanß Lünckers Prospectiva Nürnb. fol. ejusd. prospectiva Litteraria. 1595. sind wohl zu gebrauchen.

Fr. Maurolycus hat nach Gesn. Bericht eine Perspectiv versprochen; An einem andern Ort finde ich/ daß Samuel Marolois eine herausgegeben, wenn es aber geschehen/ weiß ich nicht.

Estienne Migon la Perspectiue speculative & pratique fol. Paris 1643.

I. Fr. Niceronis Thaumaturgus opticus Paris 1646. ej. Perspectiue curieuse 1652. 4.

Neues Reißbuch/ mit schoner Anweisung zum Zeichnen/ perspectiven Nürnb. 1700. 4.

Perspective pratique necessaire a tout peintres, par un Iesuite, avec figures Paris. 1642. 1647. & 1649. 3. volum. 4.

Io. Persan Perspectiva communis, davon sol oben gedachte Perspectiva communis des Hartmanns nur eine Paraphrasis seyn.

Io. Bapt. Portae Perspectiva Rom. 1555. 8

Andr. Pozzo soll seine Baumeister und Mahler-Perspectiv, welche zuerst 1693. fol. zu Rom lateinisch und Italianisch/ hernach teutsch 1706/ und 1709. fol. heraus gekommen aus oben erwähnter Perspect. des Franc. de Brueil ausgeschrieben haben.

Ptolomaeus soll auch 5. Bücher von der Perspectiv geschrieben haben. Ihr Innhalt ist in præfat. der gedachten Persp. communis zu finden. Gesn.

Joh. Christoph Rembolds Perspective pratiques ist Französisch zu Paris 1642. hernach 1710. in 4. zu Nürnb. teutsch gedruckt worden: hat mir unter allen am besten gefallen.

Sandrarts Baumeister und Mahler Academie gehäret hier wiederum gewisser massen her.

Seb. Serlio Tutte le opere d’ Architettura & Prospettiva 1600. 4. Holländisch Amst. 1606. fol.

Lorenzo Sirigatti la prattica di prospectiva, Venet. 1596. f.

Guid. Ubaldi Prospectivæ lib. 6, 1600. fol.

Zahn Oculus Opticus.

§. 12. In beyderley Architectur findet man so einen Vorrath von Buchern/ daß es zu bewundern. Der Herr Leonh. Chr. Sturm hat in seinem Vademecum Architectonico einen*/ von ihm selbst so genannten/ sehr vollständigen Catalogum aller guten Bucher/ so von beyderley Baukunst handeln/ gegeben; zu welchem aber noch sehr viel andere könten gesetzet werden. Allein die Zeit leidetes hier nicht. Wer des Goldmanns Anleitung zur Civil-Baukunst hat/ wird nicht sonderlich mehrer benöthigt seyn. Sie ist in regal fol. mit vielen Kupferstichen zu Wolffenbüttel heraus gekommen. In der Architectura militari kan eben dieser Auctor Dienste thun/ oder man wird des Behrs Fortification mit Nutzen gebrauchen können. Verlanget man mehr zu wissen/ so sehe man vor andern das angezogene Büchlein des Herrn Sturms nach.

*Edit. Anno 1708. Amst.

§. 13. Von der Anatomie haben wir auch sehr viel und schöne Schriften/ und verdienten solche wohl einer etwas ausführlichen Erzählung. Ich würde aber nicht viel mehr thun/ als schon andere vor mir gethan/ wenn ich solches über mich nehmen wolte. Die schöne Bibliotheca Anatomica des berühmten Dan. Clerc und Mangeri Med. Doct. so zu Genf 1685. fol. gedruckt/ und die nützliche Arbeit des Herrn D. Andr. Ottom. Gœlike, die er unter dem Titul einer Historiæ Anatomica novæ æque ac antiquæ 1713. in 8. zu Halle herausgegeben/ heissen mich hier schweigen. Ausser/ daß es noch vergonnet ist/ des Doct. Gottfr. Bidloo so prächtigen als kostbaren Büches/ das zu Amsterdam auf regal fol. 1685. mit 105. Kupfer Platten von der Anatomie heraus gekommen/ zu erwähnen. Könte man dieses Werck haben bey der Zeichen Kunst/ so könte es ohnfehlbar ungemeine Dienste thun. Sonst aber wird ein Zeichner am besten gebrauchen können/ der von J. D. Prufmann ins Teutsche übersetzten Anatomie del pittori del Sign, Carolo Cesio Frf. und Leipz. groß fol. Weil hier einigermassen die Sachen/ welche von der Symmetrie handeln/ hergehören/ so wird den meisten bekannt seyn/ daß schon Albrecht Dürer davon geschrieben. Man weiß aber/ daß er nicht der erste/ der hierauf gefallen/ sondern/ wie oben erzählet/ hat Parrhasius sich schon der Symmetrie beflissen; also auch nicht minder der/ zu des Parrhasiii und Apelles Zeiten lebende Mahler Asclepiodorus. Ja von dem Euphranor, einem berühmten Bildhauer/ haben wir Nachricht/ daßer de Symmetria geschrieben. Dürers sein Werck de Symmetria kam heraus teutsch zu Nürnb. 1532. fol. wurde hernach von Camerario, als seinem guten Freunde/ ins Lateinische übersetzt/ und kam also heraus Nürnb. 1634. fol. und 1557. eben also zu Paris/ und in eben denselben Jahr daselbst Französisch.  Hernach Italianisch zu Venedig 1591. fol. Es hat sonst der bekannte P. Zahn in seinem Specula Physico Mathematico-Historica T. III. Scrut. V. Microc. Disq. I. Somatosc. C. 7. p. 50. vier Tabellen aus des Dürers Tractat de Symmetria mit eingerückt/ welches denen kan zu statten kommen/ welche des Dürers nunmehr rares Buch nicht selbst können ansehen/ indem man den Zahn noch hie und da kan communicirt bekommen. Anno 1683. wurden zu Paris heraus gegeben les Proportions du corps humain, mesureés sur les plus belles figures de l’antiquité, solches aber sind nur alte Statuen/ nach unterschiedenen Stellungen mit ihrem Maaß bezeichnet. In oberwähnten Testelinischen Tabellen/ von welchen ich glaube/ daß sie vielleicht die seyn/ welche in des Bellorii unten zu erwähnenden antiquitäten mit inseriret/ ist auch eine/ welche gar schon von der proportion raisoniret. Und von der Theoria artis pictoriæ ist auch schon gedacht/ daß darinnen etwas von der Symmetrie zu finden. Von der Physiognomie ist hier billig auch etwas zu gedencken/ weil solche nebst der äusserlichen Bildung des Gesichtes insonderheit/ auch die Beschaffenheit des Gemüthes lehret ausdrücken. Das bekannteste/ was wir in dieser Sache haben/ das haben wir den oben gerühmten Frantzösischen Mahler le Brun zu dancken. Er hat nemlich etliche Gesichter gezeichnet, die die Gemüths Bewegungen deutlich vorstellen: solche hat Clerc anfänglich in Kupfer gebracht/ und Weigel hat sie nachgestochen/ welche auch noch zu haben. Darzu ist gehörig das Tractätgen/ das zu Augsp. teutsch heraus gekommen in 8. 1704. und eben diesen le Brun zum autore hat. Vor ihm schon lange hat Jo. Bapt. Porta Neapolit. eine Physiognomie geschrieben/ die 1601. zu Frf. in 8. ins Teutsche übersetzt/ gedruckt worden: sie hat den Titul: Menschliche Physiognomie – – mit Figuren gezieret/ in welchen fast allewege eines Menschen Angesicht gegen eines Thieres/ gesetzt/ und mit demselben verglichen wird. Sonst kan man sich hiebey des le Brun so wol/ als des vortrefflichen P. P. Rubens grosse Sachen/ die man in Kupffer gestochen haben kan/ wegen unverbesserlicher Ausdruckung der Affecten/ wohl anbefohlen seyn lassen.

§. 14. Nun solte historischer Schrifften gedacht werden. Wem aber wurde damit gedienet seyn/ welcher solche lieber in Bibliothecis Historicis als Struvs und anderer/ nachsuchet? Es könte doch auch hier nicht zur Gnüge geschehen; um deßwillen recommendire nur obenhin/ nebst einer guten universal-Historie sonderlich die alten Geschichtschreiber als den Herodotum, Iosephum, Suetonium, Tacitum, Curce de Vaugelas der mit figuren 1712. zu Amsterd. sauber gedruckt worden &c. und bitte bey deren Durchlesung auch nicht zu unterlassen einen guten Poeten als den Homerum und andere anzusehen. Die Mad. Dacier hat l’ Iliade d’ Homere ins Französische sehr schon übersetzt/ und 3. vol. 1712. zu Amsterd. heraus gehen lassen. Des gelehrten und grossen Franc. Salignac de Fenelon Telemaque als der Verfolg der Odyssee des Homeri ist am besten herausgekommen zu Roterd. 1715. 12.

Sonst ist das heil. Bibel-Buch/ auch was Historien angehet/ so voller herrlichen Schätze/ daß ein rechter Liebhaber mehr darinnen als in allen andern vorzubilden und vorgebildet finden wird.

§. 15. Es hat der berühmte und um die literatur sehr verdiente D. Ioh. Alb. Fabricius schon 1713 in 4. Hamb. und Leipz. eine Bibliographiam Antiquariam heraus gegeben: Welche uns denn jetzt der Mühe überhebet/ mit einer Anzahl Antiquariis vorzu treten. So ist imgleichen auch ein schöner Catalogus von vielen Scriptoribus Antiquariis in dem geöffneten Ritter-Platz und dessen Antiq. Zimmer zu finden. Damit aber diese schone Sache nicht sogar vorbey gegangen werde/ so wil ich einem Zeichner und Mahler hiemit nachfolgende/ die ihm am meisten werden dienen können/ anhersetzen.

Anon. Recherches curieuses d’ Antiquite, contenues en plusieurs dissertations sur des medailles, bas-reliefs, statues, mosaiques & inscriptions antiques, avec fig. 1683. 4. Lyon.

Petr. S. Bartoli überbliebene Merckzeichen von den Römischen Antiquitæten/ und der Bildhauer-Kunst der Alten in bassorelievo in 8 grossen fol. figuren abgezeichnet/ und von Ioh. Petr. Bellorio erkläret. Deme noch beygefüget: Anmerckungen der fürtrefflichsten Mahler unserer Zeit von der Mahlerey in 6. Tabellen &c. heraus gegeben von Joach. Sandrart Nürnb. 1691. fol.

Basnage Antiquites Iudaiques, avec fig. Amsterd. 1713. 3. Tom.

Vinc. Cartari Les Images des Dieux des anciens, contenans les Idoles, cotumes, ceremonies & autres choses appartenantes à la Religion de payens: traduites d’ Italien par Ant. du Verdier Lyon 1581. 4. Die Italiänische Edition ist 1573. in 4. gedruckt. Wo mir recht ist/ habe ich diß Buch noch gantz neulich ins teutsche übersetzt gesehen.

Ioh. Bapt. Casalius de veteribus Aegyptiorum, Romanorum & Christianorum ritibus Rom. 1644. c. f.

Veteres Arcus Auguftorum Triumphis insignes, ex reliquiis quæ Romæ adhuc supersunt, cum imaginibus triumphalibus restituti, antiquis numis notisque Ioh. Pet. Bellorii illustrata Rom. 1690. fol.

Ioh. Bapt. de Cavalleriis statuæ antiquæ urbis Romæ fol.

du Choul Godsdienst, Legerschikking, Krigestucht en Badstoven der Oude Romainen, verrykt met een groot getal Medalien 4

les Edifices antiques de Rome par Desgodez c. f. Paris. 1682. fol.

I. B. Falti wahre Abbildung der Römischen fontainen Nürnb. Durch Sandrart 1686. fol.

Boissardi Antiquitates Romanæ die auch teutsch mit K. heraus gekommen.

Giac. Rossi soll die geistliche und weltliche Gebäude des alten und neuen Roms abgebildet haben.

Hier gehöret wieder die Baumeister und Mahler-Academie her/ Die der Sandrart herausgegeben. Imgleichen eben desselben Schau-Platz des alten und neuen Roms Nürnb. 1685 item seine Palatia Romana 1694. Nurnb. beyde in fol.

Recueil des Figures, Groupes, Thermes, Fontaines, Vases &c. par Simon Thomassin Graveur du Roy Amst. 1695. sind 218. wunderschön gestochene Kupffer. Platten/ welchen die explication zu Anfang des Buches vorsetzet. Es soll diß Werck von Leopold Kupferstechern zu Augspurg seyn copirt worden.

§. 16. Was anlanget die Mythologie so kann sich ein Zeichner mit dem Pantheo Mythico des P. Pomay das mit vielen Kupfern in 12. heraus gekommen behelffen. In der Hieroglyphic haben wir überhaupt nicht viel Schrifften/ des Ioh. Pierii Valeriani Hieroglyphic s. de sacris Ægyptiorum literis commentar. lib. 58. fol. wird mit Rechte von einem gewissen Autore opus varium atque eruditione plenum genennet. Sonst wird den meisten bekandt seyn/ daß ohne Diesem unter den Alten Horus Apollo Niliacus unter den Neuern Dav. Hæschelius, Caussinus I. G. Herbortus, Höttingerus in Bib. Orient. Io. Ge. Horward, Athan. Kircherus, Ioh. Mercerus, Pignorius, B. L. Romelius, Henr. Schvalenburg, Bernardus Vincentius von der Hierogl. geschrieben. Man konte hieher/ gewisser Ursachen halber/ auch die Fabeln rechnen/ welche sich ursprünglich von Aesopo her schreiben/ und nachher von vielen andern vermehret und heraus gegeben worden. Es sind zu Augspurg unterschiedene mal die so genannte auserlesene Fabeln heraus gekommen mit Kupfern/ insgemein von sonderbarer Zeichnung und sculptur, als durch die Fr. Krausin geborne Küslin Frantzösisch und Teutsch 1713. in 8. mit 236. halben octav-figuren anderth. Alphabeth starck: Frantzösisch/ Ital. und Teutsch 1709 u.1715. in 4. So hat man auch Mons. Lestranges les Fables d’ Esope & de plusieurs autres excellens Mythologistes Amst. 1713. in groß 4. mit etwas rüden Kupferstichen. Esopi Fabeln durch Menantes teutsch und frantzös. Hamb. 1707. in 12. hat mittelmäßige Kupfern. Ferner möchte man hieher bringen dergleichen Sachen/ welche wir von Emblematibus und Symbolis haben. Die Zeit aber leidet nicht viel davon jetzt zu sprechen. Ich wil nur mit einem Worte gedencken/ daß zu Augspurg 1691. in 4. heraus gekommen: Emblematische Gemüths-Vergnügung in 715. Sinnbildern mit beygefügter Lat. Teutsch- und Italiänischen Erklärung. Der berühmte Jesuit Menestrier hat la Philosophie des Images à Paris 1682. in 8. heraus gegeben/ solche ist in Act. Erud. 1683. recensirt/ und die vielen Autores, die hieher gehören/ und in besagter Philosophie vorgebracht werden/ alle angezeiget worden.

§. 17. Numismatischer Schriften könten leicht etliche und hundert nun angeführet werden; nachdem aber Zeit und Raum fast zu enge werden wil/ so müssen wir auf die Bibliothecas nummarias verweisen. Zur Anleitung lasse sich ein Anfänger anbefohlen sey des Iobert la science des medailles antiques & mondernes [!] pour l’ instruction des personnes qui s’appliquent à les connoitre: Diß Tractätgen/ nach dem es zuvor zu Amsterd. in 12. frantzösisch heraus gekommen/ hat es Juncker ins lateinische übersetzet und unter dem Titel: notitia rei nummariæ drucken lassen. Es ist in diesem Jahr zu Amsterdam/ wie man wil/ sehr vermehret wiederum heraus gekommen. Zu den Münzen mittler Zeiten giebt eine vortreffliche Anleitung/ was der Herr Regier. Rath Ludwig davon in Halle in 8. heraus gegeben. Kan man bey diesen Anweisungen auch grosse Wercke in die Hän[d] bekommen/ als Begeri Thesauros/ und desgl. so sind solche wehrt mit grossem Fleiß sonderlich der Reverse oder Rückbilder halber der Müntzen/ durch studiret zu werden.

§. 18. Von Siegeln können wir noch nicht viel Schriften auf weisen/ da doch diese eine Haupt Sache der Antiquitæt mit aus machen. Der Herr D. Heineccius hat die Mühe auf sich genommen und verfertiget/ ein Syntagma Historicum de veteribus Germanorum aliarumque nationum Sigillis Frf. & Lips. 1709 f. Die Kupfer dazu sind sehr wohl gerissen. De re Diplomatica hat Mabillon præsb. & Monach Ord. Bened. 6. Bücher geschrieben/ welche auf groß Papier in fol. 1709 mit saubern und accuraten Kupfern zu Paris aufs neue heraus gekommen. In diesem Werck ist auch eines und das andere von Siegeln anzutreffen.

§. 19. Heraldischer hat man schon eine weit grössere Anzahl. Ein Anfänger kan gebrauchen Imman. Webers Examen artis Heraldicæ 1713 Ien. 8. c. f. æn. Hernach kan man die Durchlauchtige Welt und andere gute Bücher lesen.

§. 20. Die Ordnung führet nun auf die Philosophie. Weil wir oben keiner sonderlichen Theile derselben gedacht/ ausser der Ethic und Physic so werden wir jetzo auch nicht mehr vor bringen, als was die Ethic und Physic angehet. Was betrift die Ethic/ so lese man das, was Vischer in seinem wohl informirten Informator p. 46. von Zusammenhang der affecten/ Tugenden und Lastern gesetzt: So viel als man hier benöthiget/ wird man darinnen meist an treffen. In des Testelini Tabellen ist auch was davon zu finden. Von mehrern moralischen Schrifften kan man in Biblioth. Philosophicis Nachricht haben. In der Physic kan man lesen des Clercs seine/ die zu Amsterdam 1698. 8. und C. Schott Physicam curiosam die Nurnb. 1666. 4. gedruckt worden. Nebst denen können andere gesehen und durch studiret werden D. Merckleins Thier- und Artzeney-Buch/ das mit Kupfern/ so mir recht ist 1699 in 8. zu Nürnberg heraus gekommen scheinet mir aus Gesneri Historia animalium & plantarum entstanden zu seyn/ denn die obwol schon gestochene Kupfern des Hrn. Merckleins kommen mit des letzten Holtzfiguren sehr überein. Jenes bestehet aus 4. Theilen/ deren erster handelt von vierfüßigen Thieder [!] andere von Vogeln/ der dritte von Fischen/ der vierte von Insectis. Die letzte Art scheinet manchen betrachtens und merckwürdiger/ als alle drey ersten/ weshalben sich auch viele grossen Fleiß und Mühe gegeben/ solche Creaturen zu observiren/ davon ihre Arbeit ein Zeugniß giebt/ als des Mouffets, Gædartii, Redi, Swammerdammii, Malpighii, Listeri, Blancardi, der Merianin und eines andern/ dessen Namen/ wo mir recht ist/ Albin/ in England. Was die Kräuter/ Bäume oder überhaupt die davon handelnde Botanic angehet/ so werden Die Bibliotheca Medicæ davon Nachricht ertheilen können.

§. 21. Nun wird es Zeit seyn/ versprochener massen herbey zu fügen eine kurze Erzählung ein- und anderer/ von berühmten Mahlern und Kupferstechern heraus gegebenen Kupfer-Stücke von allerhand Arten, welche dem Zeichnen bißweilen sehr wohl können zu statten kommen. Sie bestehet in folgenden Landschaften:

Joh. Wilh. Bauers unterschiedliche Prospecte/ die er auf seiner Reise durch Italien/ Friaul/ Kärnthen und Steir nach dem Leben gezeichnet/ in Kupfer gebracht durch Melchior Küsel 1681 in 4. bestehet in 40. schönen Kupfern. Eben dessselben Bauers Landschafften durch Küsel 18. Blat in fol.

Gerhard de Lairesse Zeichen-Kunst hat zu letzt herrliche Landschaften/ sind 100. Blat. fol.

Felix Meier Wüsteneyen in 4. fol. Blättern und 8. halbe fol. Kupfern sind schön.

Des Perelle grosse und kleine Landschaften sind vortrefflich/ sonderlich die so Dreuet zu Paris gestochen.

Weigels Landschaften können zuweilen für unverbesserlich passiren/ bisweilen aber sind sie Schlecht.

Schencks zu Amsterdam sind meistentheils gut/ sonderlich die zwölf Monathe.

Seestückgen:

Hier sind des Hollar Seestückgen ungemein/ als die ihm besser gerathen wie seine Landschaften.

Thieren: Blœmaerts sind durchgehends gut.

Des della Bella seine sind sehr schön/ ich habe welche gesehen in 6. fol. Blättern/ und der gleichen in 12. fol.

Anton. Tempesta Thiere sind auch gut und fast besser als jene/ sonderlich seine Stellungen von Pferden die Weigel heraus gegeben.

Weigels grimmig reissende Thiere in 12. Blättern fol. sind unverbesserlich; Dieser hat auch unterschiedene mehr gestochen, als Thiere auf 9. Blättern. Die welche auf 4. Blättern gesehen/ haben mir nicht gefallen können.

Reuter und Batallien-Stückgen: Die Rugendas gezeichnet/ Bodenehr gestochen und Wolff heraus gegeben sind schön.

Jagten: Die Weigel ohne Titul gestochen sind schön.

Garten-Stucken: Hætzls 13. Stück neu-inventirter Garten-Parterres dem Kayser Iosepho dedicirt fol.

Der bekandte Lust-Garten zu Versailles.

Des Charel Allard Sachen/ sonderlich der Lust-Garten von Fontainebleau durch Wolffen zu Augsp. 18. Blat in fol.

Alcune Vedute di Giardini & fontane di Roma cet. per Israel Silvestro 1646. durch Just. Danckerts in Kupfer gebracht 12. Stuck in 4. sind schön.

Portraits: Barthol. Kilians und Philipp Kilians grosse portraits sind sehr wohl gestochen.

Diejenigen originale/ welche jetzt in Franckreich/ sonderlich zu Paris verfertiget worden; Insonderheit des Dreuet und die/ so unten gezeichnet: chez Rufles rue st. Iaques haben ihres gleichen nicht. Man hat also die 4. Jahrs-Zeiten/ Tugenden und Laster u. dgl. die auch hie und da von andern copiret worden.

Historien: Da kan man auch noch Abdrucke von des Dürers schönen Arbeit haben/ die ihren originalen ziemlich nahe kommen/ so/ daß sie davon kaum zu unterscheiden sie sind geistliche Historien.

Die Frau Kuslin oder Krausin hat die Evangelia und Episteln in den anmuthigsten Stücken vorgestellet in groß 8. 1612. 15. Bogen.

Krause hat die Historische Bilder-Bibel in in groß 8. in 188. saubern Kupfern herausgegeben.

Blumen und Früchte:

Solche wohl abzubilden/ hat Weigel unterschiedenemal sich angelegen seyn lassen. Seine Arbeit ist auch meist jederzeit wohl gerathen. Sonst sind Eckhard Löfflers Fruchte in sechs fol. Blättern nicht eben zu verwerfen.

Japanisch und Sinesische Figuren dergleichen auf laquirten Sachen pflegen mit Gold und andern Farben gemahlet zu werden hat Weigel auch gut gestochen.

Zierathen und Einfassungen der Bilder:

Dergleichen hat Weigel zum öftern recht wohl gestochen. Joh. Unselts durch Kollern zu Augsp. 1713. in 5. Blättern gestochene sind auch gut.

Gefässen/ Goldschmids Grillen/ Grotesquen und Laubwerck.

Hönigs Probstücke sind wohl inventirte Goldschmieds Grillen 7. Bl. in 4. Sonst hat Weigel des Paul Deckers Goldschmieds. Grillen und Grotesquen Werck/ imgleichen Bömmels Goldschmids-Grillen/ so auch ein Schlosser-Büchlein heraus gegeben/ die alle wohl gerathen.

§.22. Nun wäre noch von Erlernung der eigentlich so genannten Mahl-Kunst zu handeln. Und solches solte wiederum in der Ordnung geschehen/ die wir bey der Zeichen-Kunst oben in Acht genommen. Weil aber die Schriften von der Mahl- Kunst schon daselbst mit berühret worden/ sonst aber/ mit keiner sonderlichen Art zu mahlen ein studirender umgehet/ ausser dem Mignatur-Mahlen: So achte für unnöthig/ weil dieses Werckgen denen studirenden eben fürnemlich mit gewidmet ist/ da es nun auch nur noch hauptsächlich auf das Mignatur-Mahlen ankommen wurde/ sonderlich davon zu handeln, davon dieser Art zu mahlen so wol als von andern schon Schrifften oben angezeiget worden/ welche weitläufftig und deutlich genug uns dieselbe lehren können. Zugeschweigen/ daß hier eine lebendige Anweisung und die Ubung solche uns am besten beybringet. Nur scheinet noch nöthig zu erinnern, in was für eine Ordnung man sich zu begeben habe, wenn man das Mignatur-Mahlen insonderheit zu lernen verlanget. Es wird nemlich dieser/ meinem wenigen Düncken nach am ersten zu seinen Zweck kommen/ welcher erstlich das so genannte laviren oder tuschen mit klaren/ durchsichtigen Saft-Farben/ als Sinesischer Tusche/ Gummi Gotta, Saftgrün cet. wohl übet/ und sonderlich das Arbeiten mit der Tusche nicht auf gemeine Schmier-Art mit Klecken/ sondern mit pur-lauterm Strichlen treibet. Hernach thut man wohl/ daß man sich im Kupfer-illuminiren übet/ wo zu des Gœree tractætgen am besten zu gebrauchen. Und diß letztere eben wird einen geschickt machen/ was rechtes in der Mignatur zu leisten. Da denn kein besser Buch einem anloben kan/ als die Anweisung zum Mignatur Mahlen/ als welche solchen deutlichen Untericht giebet/ daß man eines Lehrmeisters wenig wird in dieser Sache benöthiget seyn.

§. 23. Ich schliesse demnach diesen meinen geringen Unterricht/ im Namen GOttes/ und bitte den geneigten Leser, wenn Ihm solche wenige Arbeit nicht so wie ich wünschte/ gefallen solte zu bedencken; daß, wenn sie an theils Orten Ihm zu wenig zu sagen schiene/ ich versichern könne/ daß noch ein vieles/ das der Raum nicht leiden wollen, habe auslassen müssen/ und ohndem diß Werckgen grösser geworden/ als ich anfänglich vermeynet. Daß vors andere dieses Werck/ denen/ die sich meiner wenigen Anweisung im Zeichnen bedienet haben/ oder noch künftig bedienen solten/ zu gut geschrieben/ und ein mündlicher Discurs das jenige was fehlet hinzu setzen/ und auch so hier oder da etwas versehen/ verbessern könne. Drittens/ daß dieses/ was mit anständiger Bescheidenheit/ zu ändern verlanget würde/ auch künftig ob GOtt wil! wo es nöthig/ werde geändert werden.