Penther 1745

Johann Friedrich Penther, Zweyter Theil der ausführlichen Anleitung zur Bürgerlichen Bau-Kunst, worin durch zwantzig Beyspiele gewiesen wie die Erfingungen von allerhand Wohn-Gebäuden aus Stein und Holtz/… zu machen…, Augspurg [Johann Andreas Pfeffel] 1745.


CAPUT I.

von
Bau-Anmerckungen

Allgemeine Anmerckungen.

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§. 62. Leder-Kalck ist besser, wann er nach der Löschung eine Zeitlang in einer Grube gelegen, als wann er frisch verbraucht wird, weil die überflüssige Nässe, so sich mit dem Kalck nicht vermenget hat, nach und nach sich in die Erde ziehen und absencken kan.

§. 63. Gyps-Kalck ist am besten, wenn er bald nach der Brennung und Kleinmachung verbrauchet wird, weil er ausser dem leicht eine Nässe annimmt, zum Exempel von einem feuchten Boden, worauf er liegt, oder wann ihn ein durchstreichender Nebel berühren kan, wodurch er wieder zu einem harten Klumpen und zum vermauern unbrauchbar wird. Die Mauern, so mit Gyps-Kalck gemacht werden, trocknen eher, und sind fester, als welche mit Leder-Kalck gemauert werden.

§. 64. Gyps-Kalck kan allein vermauert werden, Leder-Kalck aber nicht, sondern derselbe wird mit Sande vermischt, und nimmt man von beyden zu solcher Vermengung wohl gleich viel, oder wohl gar mehr Sand als Kalck. Von der Ausfindung der eigentlichen Proportion des Sandes, den jeder Leder-Kalck erfordert, ist der 139te §. im Bau-Anschlage nachzuschlagen.

§. 65. Meer-Sand ist zum Kalck-vermengen nicht gut, weil er was saltiges in sich hat. (der 55. §. kan dieserwegen nachgeschlagen werden.

§. 66. Fluß-Sand, welcher gantz rein, auch ausgegrabner Sand, der, wenn man ihn in den Händen reibet, knirschet, oder wenn man ihn auf einem weissen leinenen Tuche hin und her schüttelt, und nachher davon thut, und gewahr wird, daß auf dem Linnen keine Erd-Theile zurück gelassen sind, wird als guter Sand angenommen, auch lassen sich an dessen statt zerstossene oder zermalmete Sand- und Dupffsteine gebrauchen. Vitruvius giebt den Pozolanischen vor den besten Sand zur Kalck-Vermengung an, weil er auch im Wasser den Kalck bindend machen soll.

§. 67 Wenn der Sand aus durchsichtigen Körnerchen bestehet, ist er zur Kalck-Vermengung nicht so gut, als wenn er undurchsichtig ist, weil die Durchsichtigkeit anzeiget, daß er zu fest, und keine Kalck-Nässe an sich saugen, sich daher also mit dem Kalck nicht verbinden könne.