Lange 1779
Johann Gottfried Lange, Zufällige Gedanken über die nothwendige und bequeme Wirthschaftliche Bauart auf dem Lande, aus Erfahrungen, Bemerkungen und Beurtheilungen mitgetheilt, Breslau [Johann Friedrich Korn] 1779.
pp. 260–270
Verbindungsmittel.
Kalk.
Zur Verbindung der härtern Materialien bedient man sich des Lehms, Kalks und Gipses. Von dem Lehm ist verschiedenes schon gesagt worden, wovon also nicht viel Erinnerung zu machen seyn wird, angesehen bey Behandlung und Bearbeitung der Lehmwände noch eines und das andere muß beygebracht werden, was zur Erkenntniß eines guten Lehms dienlich seyn kann. Der Kalk ist ein fast allgemeines Verbindungsmittel, und entweder eigentlicher Kalk, dessen ungebrannte Steine, wenn man ein scharfes acidum oder Säure darauf gießet, eine effervescenz oder zischendes Aufbrausen machen. Er wird mehrentheils Lederkalk genennt; weil selbigen die Gerber bey der Zubereitung der Leder brauchen. Bitterkalk wird er auch genennt, da dessen Geschmack bitterlich empfunden wird. Die zweyte Art ist ein Gipskalk, so unter dem Scheidewasser oder einem andern acido kein Aufbrausen bemerken läßt, sondern sich das acidum in die Steinmasse zieht. Es wird bey dem Gipskalte und Lederkalke ein großer Unterschied in der Gradation der Güte gefunden. Manche Steine sind reiner purer Kalk, oder auch Gips, und manche sind hergegen mit allerhand fremden Theilen angeschwängert, daß also immer eine Steinart für Kalk und Gips ergiebiger ist, als die andere. Steine, die nur einigermaßen milchen, wenn man Scheidewasser darauf gießt, geben keinen sonderlich bindenden Kalk, ohnerachtet an vielen Orten Kalk aus solchen Steinen gebrannt wird, vielleicht, weil man keine bessere Sorte in der Nähe um guten Preis haben kann. Je stärker aber das Aufbrausen unter dem Scheidewasser ist, je ergiebiger sind auch die Kalksteine. Auf die Farbe des Kalksteins kömmt es nicht an; er mag graulicht, grünlicht, oder nach sonst einer Farbe aussehen, wenn nur dessen Gefüge von einerley Art, und nicht ein Gemische von fremden Steinarten, die nicht kalkartig seyn, ist. Der Gips und gipsartige Kalk macht eine eben so große Verschiedenheit in seinen Steinen aus. Man findet die Gipssteine so rein und durchsichtig, wie Glas, als wovon der feinste Puppengips gebrannt wird, hingegen aber auch als eine grobe Steinart, die man zum Vermauern anwendet, und zuweilen von metallischen Auflösungen angeschwängert seyn. Der Alabaster ist ein feiner Gipsstein; so wie der Marmor ein feiner reifer Kalkstein ist, und wenn er gebrannt wird, den feinsten Kalk zur Ausbeute giebt. Der Leder- oder Bitterkalk wird gewöhnlicher Weise eingesümpft, ich sage gewöhnlicher Weise: denn es ist eben so wohl möglich, diesen Kalk als ein Verbindungsmittel zu gebrauchen, wenn er auch nicht eingesümpft wird, wie dieses an einem andern Orte der Prüfung wird vorgelegt werden. Der Gipskalk kann nach seiner Natur das Eingesümpfen nicht erdulden: ich weiß wohl, daß eine Menge gipsartiger Kalk in die Grube eingesümpft wird; allein der Erfolg wird ein verdorbenes Wesen, das seine Kraft verliert. Der eingesümpfte Gipskalk macht weiter nichts, als ein lager für die auf einander liegenden Steine, ohne eine sonderliche Cohäsion, nach Verhältniß, als seine Kraft in der Grube ausgewässert ist. Der Lehm hat zuweilen mehr Zusammenhang, als der ausgewässerte Gips. Wenn er gehörig behandelt, und nicht mehr als man nöthig hat, auf einmal eingemacht wird, und denn frisch zum Vermauern oder anderer Arbeit verbraucht, da wird man dessen Verband mit Verwunderung ansehen. Die Probe, wie der Gipskalk aus einem Gefäße schlecht und gut kann genommen werden, ist leicht zu machen. Man nehme den besten Gips, und nachdem er klar gemahlen worden, rühre man selbigen mit Wasser ein, und verarbeite die Hälfte dieser Masse zu einer Platte, oder was man sonsten will. Der andern Hälfte gebe man noch etwas Wasser, rühre die Masse wohl durch einander, und formire eben das daraus, wie aus der erstern Hälfte. Wenn beyde, ich will annehmen, daß zwey einander gleich förmige Platten wären daraus gemacht worden, trocken geworden seyn, wird die eine klingen, die.zweyte aber bröcklich und milde seyn. Die erstere hat also eine vollkommene Verbindung, die letztere aber nicht. Sümpft man den gipsartigen Kalk ein; so ist der nehmliche Erfolg zu erwarten. Ich erinnere mich, daß die Maurer den gipsartigen Kalk zu weilen deswegen einsümpfen, um den Putz damit zu vermitteln; allein, da er keine anziehende Kraft mehr hat, so schwemmt die Witterung diese Weiße und den Putz in kurzer Zeit ab. Einen fernern Beweis kann man bey dem Anwerfen der Gips- und Stuckdecken wahrnehmen: wenn der Gips und die Mischung zu den Decken lange eingewässert steht, verliert er seine Kraft, und fällt, wenn er angeworfen wird, herunter. In hiesigen Gegenden nennt man eine Sorte gipsartigen Kalk, grauen Kalk. Dieser sogenannte graue Kalk bindet weit geschwinder als der Lederkalk. Der Lederkalk hält lange Zeit die Feuchtigkeiten an sich, da jener in etlichen Tagen die gewünschteste Verbindung macht, und zu verschiedenen Arbeiten, die geschwind trocknen sollen, vortreffliche Dienste leistet.
Bey dem Brennen des Lederkalkes kann man gleichwohl aus einem Bruche schlechten und guten Kalk erhalten, nachdem der Kalkstein aus der feuchten Tiefe oder von trockenen Bänken gewonnen wird. Der aus der Tiefe gebrochene will stärkeres Feuer haben, und gleichwohl wird wegen der Verflüchtigung der Theile nie der gute Kalk erhalten. Zu wenig Feuer macht nur die äußern Theile des Steines gut, und die innern bleiben unaufgelöst, welches verursacht, daß der Kalk nicht so bindet und aufquillt. Nicht allein die in der Mitten des Kalksteins unaufgeschlossenen Theile, sondern auch die um dieselben herum liegenden Theile sind unkräftig. Man kann dieses gar leicht bey dem Löschen wahrnehmen: es bleiben eine Menge Kalksteinbrocken übrig, die sich nicht auflösen. An manchen Orten mißt man diese Brocken den Kalkbrennern wieder zurück, welches aber demohngeachtet die Sache nicht gut macht, weil der aufgelöste und abgelöschte Kalk nicht von der wahren Güte ist. Statt daß bey dem Löschen nichts, oder wenigstens sehr wenig, als Brocken bleiben sollen, so wird der Kalk grieslich; welcher Umstand allemal verräth, daß die Steine nicht genug durchgebrannt sind. Bey den Chymikern heißt es zwar, daß der Kalk todt gebrannt werden könne; allein, wie in unsern Tagen mit dem Kalkbrennen umgegangen wird, hat man das Todtbrennen nicht zu befürchten. Die Steine sollen leichter werden, wenn sie aus dem Ofen kommen. Dieses ist eine richtige Folge, daß die Kalksteine durchgebrannt seyn; denn schwer sind sie noch inwendig roh und unaufgelöst. Auch aus einem und eben demselben Ofen erhält man nicht einerley gleich guten Kalk: die Steine sind entweder nässer oder trockner: größer oder kleiner, daß sie das Feuer nicht gleichförmig durchhitzen kann: im Ofen selbst empfindet eine Schicht mehr Feuer als die andere, nachdem der Luftzug ist, oder auch die Witterung. Die eckichten Oefen geben selten einen gleichkräftig durchgebrannten Kalk, weil in selbigen Rauchwinkel entstehen, wo die Hitze eine nie so kräftige Wirkung hat; die Oefen, so eine parabolische Figur mit einem guten Roste haben, sind weit besser, gleichartigen Kalk zu geben. Bey trocknen Jahrgängen wird man den Kalk, wenn er sonst regelmäßig gebrannt wird, um ein Wichtiges ergiebiger und bindender finden.
Wenn der gebrannte Kalk weit verführt wird, muß alle Vorsicht gebraucht werden, daß er sich nicht in der Luft, Nebel und Regen um ein Wichtiges schon ablösche, und auf den Bauplatz unkräftig komme. Die Planen der Fuhrleute, die sie über ihre Wagen decken, wollen nicht hinlänglich seyn, daß der Kalk nicht die Feuchtigkeiten der Atmosphäre anziehen sollte. So wohl der Leder- als Gipskalk ist diesem Zufall ausgesetzt; dahero wird er, insonderheit der Gipskalk, an einigen Orten in Fässer eingespündet, und darinnen verfahren. Bey dem Löschen kann der Kalk im Löschtroge unkräftig und verbrannt werden, welcher Zufall dadurch entsteht, wenn zu wenig Wasser aufgegossen wird. Wenn die Dämpfe beym Löschen können erhalten werden, erhält der Kalk eine stärkere Bindung. Will man dieses vermitteln; so muß man in die Grube eine Schicht Kalk und Wasser, daß der Kalk überdeckt wird, werfen, darüber denn eine Schicht Sand, und dieses wiederholt, bis die Grube voll ist. Diese Behandlung ist weit besser, aber weil es mehr Mühe macht, verläßt man die guten Verfahrungsarten, und gewöhnt sich an die schlechtern.
An sehr vielen Orten werden Ziegel und Kalk in einem und eben demselben Ofen zu gleicher Zeit gebrannt. An den Schürlöchern stehen die Kalksteine, und höher darüber die Ziegel. Die laugenartigen Dämpfe schwängern die Ziegel an, und verhindern, daß selbige gut ausgebrannt werden; zumal wenn der Lehm eine wichtige Säure in sich hält. Kalk und ein scharfes acidum widerstehen der Trockenheit auf eine außerordentliche Art. Da nun das Brennen eine Austrocknung ist; so muß das Brennen länger und heftiger geschehen, ehe das aus Kalk und Säure entstehende medium zur Festigkeit oder Verglasung kommen kann. Wird etwan sparsam mit dem Holze verfahren; so werden die Ziegel ihre Erhärtung gewiß nicht bekommen. Man mache den Versuch und gieße Scheidewasser auf gebrannten Kalk; so wird man zu warten haben, ehe diese Masse austrocknen wird. Soll nun dem Kalk so wohl als den Ziegeln, jedem seine zustimmende Hitze gegeben werden; so muß in diesem Widerspruche wenigstens eins der Untüchtigkeit näher kommen, welches in den eigentlichen Kalköfen nicht geschehen kann.
Das Einsümpfen des Kalks, nehmlich des Lederkalks, halte ich für meinen Theil für ein subsidium ignorantiae. Ich glaube nicht, daß die Griechen und Römer bey ihren großen Prachtgebäuden den Kalk erst werden eingesümpft haben. Da es aber hier der Gegenstand nicht ist, mich weitläuftiger darüber zu erklären, sondern bey einer andern Gelegenheit soll ins Licht gesetzt werden; so will ich einmal dem Schlendrian folgen, und über das Einsümpfen wenigstens eine Untersuchung anstellen: ob es für zuträglich oder schädlich anzusehen sey. So viel geben uns verschiedene Erfahrungen zu erkennen, daß, wenn man den in eine Grube eingelöschten Lederkalk lange liegen läßt, selbiger von Zeit zu Zeit kräftiger und bindender werde. Die Ursachen sind darinnen zu suchen, daß der Kalk doch so ganz gleichförmig nicht gebrannt sey, in der Grube aber allmählich noch aufgeschlossen werde. Wenn man nach dem Löschen den Kalk noch grieslich findet, ist es gemeiniglich ein Kennzeichen, daß er noch nicht genug aufgeschlossen, oder nicht tüchtig genug gebrannt sey. Wenn er eine Zeitlang eingesümpft liegt, erfolgt eine nähere Auflösung seiner Theile, und man bemerkt, daß er alsdenn ohne Griesel, wie ein fast durchsichtiger Kleister, erscheint. Ein Landwirth sollte seine Kalkgrube mit unter die nothwendigen Dinge, und deren Füllung eben dahin rechnen. Es kommen immer kleine Reparaturen vor, die durch einen lange Jahre eingesümpften Kalk tüchtig und gut können gemacht werden; mit nur eingelöschtem aber keinen bessern Halt, als mit Lehm, bekommen. Wenn der Kalk eingesümpft wird, oder ist, soll er niemals sein Wasser verlieren, oder wenigstens soll ihn die Luft nicht berühren können. liegt er in der Grube, so sind wenigstens fünf Seiten von der Luft frey, und man hat nur für die eine Sorgfalt anzuwenden, daß die Luft nicht beykomme. Diese überdeckt man entweder mit einem angefeuchteten Sande, oder, wenn die Grube in einem guten Lehm gegraben ist, schüttet man Wasser darüber. Die äußern Theile der obern Fläche des Kalkes werden sonst hart, verbinden sich, und wenn man selbige auch wieder zur Auflösung bringt, ist doch keine Cohäsion mehr in den einmal getrockneten und unter sich verbundenen Theilen. Es ist schon ein Unterschied unter der obern Schicht, und unter der tiefer gelegenen. Die obere Schicht wird durchs Wasser entkräftet, und verliert ihre Cohäsion, welches die tiefern Schichten nicht erdulden. Manche haben die böse Gewohnheit, wenn Kalk aus der Grube geholt wird, daß sie lothrecht einen Spatenstich tief ausstechen, und nach Erforderniß so fort fahren; dadurch wird dem Kalk seine Feuchtigkeit entzogen, und er fängt an in seine Erhärtung zu gehen. Geschieht diese in der Grube, so hat man sicher keine in den Mauern zu hoffen. Diesem Uebel vorzubeugen, überdecke man die Oberfläche mit feuchtem Sande, und steche den Kalk horizontal aus der Grube. Den Sand kann man zum Vermauern oder zur Reparaturarbeit brauchen, und dafür neuen an dessen Stelle auf die Kalkfläche schütten, so geht auf keine Art vom Kalke etwas verlohren, und er behält das bindende Wesen in noch gutem Erfolge. Bey Vorwerken und Ritterguthshofröthen, wo die Reparaturen kein Ende nehmen, sollte man eigentlich dazu eingerichtete Kalkgruben haben, wie ich ein mehreres davon sagen werde: wenn die Reihe an dieselben Gebäude kömmt.
Der Gipskalk, der an vielen Orten auch Sparkalk, auch grauer Kalk genennet wird, läßt sich, wie schon erinnert worden, nicht einsümpfen, muß noch behutsamer wider Nebel, Regen und Feuchtigkeiten, als der Lederkalk, bey dem Herbeyschaffen in Acht genommen, auch bey den Baustellen an einen guten trockenen Ort gelegt werden, wenn er sich nicht selbst löschen soll. Bey dem Gebrauch muß ein besonderer verständiger Mann beyhanden seyn, den man den Kalkstößer nennt, und den Gipskalk zu Mehl stößt. Diese Masse wird alsdenn genommen, und nach Verhältniß, als gebraucht werden soll, eingemacht. Je geschwinder diese Masse verarbeitet wird, je kräftiger zieht selbige nach der Natur des Gipses an, trocknet geschwind, und macht eine treffliche Verbindung. Wer bey Veränderungen der Gebäude altes und neues Mauerwerk mit einander verbinden muß, wird den grauen oder Gipskalk allemal vorzüglicher dazu finden, und ohne Sorgen seyn können, daß eins von dem andern, wenn sonst gehörig verzahnt oder eingespitzt worden, abtrenne, oder sich senke, wie es bey dem Lederkalk fast allgemein geschieht, als welcher die Feuchtigkeiten Jahre lang, ehe er austrocknet, erhält. Mauern, mit Gipskalk aufgeführt, können gleich berappet werden, welches man bey dem Lederkalk nicht wagen darf. Will man verblonden, so kann es mit dem Gipskalk mit Sicherheit, ohne daß das Holz angegriffen wird, geschehen, wo im entgegen gesetzten Fall der Lederkalk die Fäulniß mit seiner Nässe und Eigenschaft zugleich mit einbringet.
Bey dem Gebrauch dieses Kalkes hat man zu bemerken, daß man doppelt so viel Kalk gegen den Sand nehmen müsse. Der Lederkalk verträgt zwey auch drey Theile Sand gegen einen Theil Kalk. Daß zuweilen noch mehr Sand genommen wird, mögen die Bauherren auf ihre Rechnung schreiben: es wird auch darnach. Der Gipskalk soll zu gleichen Theilen Sand und Kalk gemischt werden. Im Ganzen wird es an Kosten auf Eins hinaus laufen. Der Lederkalk kostet doppelt so viel, und verträgt drey Theile Sand. Der Gipskalt kostet nur halb so viel, und verträgt nur einen Theil Sand. Nimmt man mehrern Sand, so überschreitet man das beste Verhältniß seiner Cohäsion.
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Sand zu dem Mörtel.
Da einmal des Sandes zum Bauwesen ist Erwähnung geschehen; so mögen denn einige Anmerkungen darüber nicht überflüßig seyn. Es ist der Sand ein nothwendiges Hülfsmittel zu der Zubereitung eines guten Mörtels oder Mauerspeise. Mörtel ist eine Masse, so aus Kalk und Sand zusammen gemischt wird: es mag der Kalk Gips- oder Lederkalk seyn. Wenn der Lederkalk austrocknen und binden soll, so muß eine verhältnißmäßige Portion Sand dazu genommen oder beygemischt werden, sonst stirbt der Kalk in seiner eigenen Kraft. Die Verhältniß ist nur kurz vorher angegeben worden, daß man einen Theil Lederkalk und drey Theile Sand zusammen mische. Bey dem Gipskalke hätte man gar keinen Sand nöthig, man thut es aber wegen Ersparung der Kosten, und nimmt eben so viel Sand als Kalk.
Sand ist gegrabener oder Flußsand. Der Flußsand ist der reinste, denn da es lauter kleine Steingen sind, so sind sie vom Wasser fortgetrieben, abgeglättet, gereiniget, und als Sandhorste in den Flüssen niedergesetzt worden. Man bedient sich bey dem Bauwesen eines Ausdrucks, daß man sagt, der Sand ist scharf; dieses heißt aber nur so viel: er ist rein, und hält keine fremden Theile in und an sich, weil selbige von den Gewässern abgespühlet sind. Man kann gegrabenen Sand haben und finden, der eben so scharf und rein wie ein Flußsand ist, nur trifft dieses selten; gemeiniglich ist der gegrabene Sand mit allerhand mineralischen Wesen angeschwängert, und also selten so rein, wie der Flußsand, dahero selbiger in der Mischung mit Kalk allerhand widrige Erfolge erzeuget. So findet man Sand, der eine starke Säure an sich hat, und bey der Vermischung mit dem Kalke eine immerwährende Feuchtigkeit unterhält, das Holz in den Gebäuden mit einer Geschwindigkeit angreift und zerrüttet, daß in kurzem böse Folgen entstehen. Ich erinnere mich eines Falles, wo dergleichen Sand in der Erde in einem Jahre hölzerne Pfähle von 8 bis 10 Zoll dick dergestalt durchnagte, daß sie mit leichter Mühe weggebrochen wurden. Eben dieser Sand griff in einem Gebäude dergestalt die Riegelwände an, daß die Haspen aus den Thürgerüsten fielen. Dahero sollte man bey dem Bauwesen den Sand näher untersuchen, ehe man selbigen zur Mörtelmischung anwendete.
Weitläuftige Untersuchungen muß man den angestellten Werkleuten nicht zumuthen: den Sand aber zu probiren, ob er etwas nachtheiliges gegen den Kalk in sich hält, ist eine gar leichte Sache. Man nimmt ein Mauerfaß voll Sand, gießet reines Wasser darauf, das aber auch keine Säure oder eisenhaltige Theile hat, rührt den Sand wohl durch einander, damit das Wasser dem Sande die etwan fremden Theile abspühle; dieses thut man einigemal. Wenn der Sand sich gesetzt, so gießet man das Wasser vom Sande in ein besonderes Gefäß ab. Dieses abgegossene Wasser läßt man alsdenn über einem gelinden Kohlfeuer oder heissem Sande abrauchen, bis ein weniger Bodensatz übrig bleibe, welchen man denn mit der Zunge, oder mit eingemischten gestoßenen Galläpfeln, oder per oleum tartari per deliquium erkennen kann. Wenn schon die Zunge die Säure empfindet, so ist gewiß eine ziemliche Portion in dem Sande, und will derselbe zur Einmischung zu einem Mörtel nicht die gewünschten Dienste leisten. Sind die Galläpfel in dem Bodensatz eingestreut worden, und es verändert sich die Farbe desselben in eine röthliche, oder violetartige, langsam oder geschwind; so ist es abermals ein Kennzeichen, daß der Sand eine Säure an sich hat. Aendert sich der Bodensatz durch das Oleum tartari per deliquium nicht, so kann er als ein guter Bausand zum Mörtel gebraucht werden.
Wie öfters sieht man nicht, daß sich an den Mauern ein nitrum erzeuget, das vielleicht aus keiner andern Ursache entsteht, als weil die Säure des Sandes und das Alcalische des Kalks in einer Wirkung gegen einander stehen, ein Mittelsalz erzeugen, oder, wenn nicht Abdampfung durch die Witterung erfolgen kann, eine immerwährende Feuchtigkeit unterhalten! In dieser Rücksicht kann man nie auf eine feste Verbindung des Kalkes rechnen. Der Gipskalk hat an und für sich schon mehr Säure in sich, als der Lederkalk; mithin kann man nicht ohne Unterschied einen wie den andern brauchen. Wer hierinnen aufmerksam ist, wird verschiedene Abänderungen der Verhältnisse in Ansehung des Leder- und Gipskalks erfahren, wo öfters in die Welt geschrieben wird, daß es am Kalke gelegen sey, und man wüßte nicht, wie doch an einem Orte eine Ausführung geschehen könnte, an einem andern aber gar nicht von Statten gehen wollte.
Der Flußsand bringt bey dem Bauwesen keine dergleichen Wirkungen hervor; er ist rein und vom Wasser abgespühlt. Nur muß man beklagen, daß man selbigen nicht allemal in der verlangten Menge haben kann, und wenn man zu tief darnach sucht, auch zuweilen Erde oder Schlick mit bekömmt, welcher eine nicht zustimmende Verbindung vermittelt.
Wo es Steinbrüche giebt, findet man zuweilen verwitterte Strecken, die ein purer Sand seyn, und zum Bauen vortreffliche Dienste leisten. Das Gluten ist ausgewittert, und es sind nur die Steintheilgen übrig geblieben, welche frey von Erde und Erdarten seyn. Sand, der eine Zeitlang liegt, und bewächst, ist kein reiner Sand. Es ist das Bewachsen ein sicheres Kennzeichen, daß Erde unter dem Sande eingemischt sey. Der Mond möchte wohl, wie Vitruv will, keinen Antheil an der Ursache des Bewachsens haben.
Mit Seesande haben unsere Gegenden nichts zu thun, ansonsten würde man sich sorgfältig dafür in Acht zu nehmen haben. Er hat bekanntermaßen salinische Theile in sich, und in der Mischung zu Mörtel würden eben die Folgen entstehen, die oben schon sind erwähnet worden. Die Engelländer wissen dieses sehr gut, und holen ihren Sand auf die 16 Meilen weit, oberhalb Londen, aus der Themse: als von einer Gegend, wo die Seewasser durch Ebbe und Fluth nicht mehr hinlangen, und den Sand anschwängern können.
Zuweilen nutzt der Sand, den man von Sandsteinen, die man klar klopft, erhält. Z. E. Wenn Risse oder Zwischenräume müssen ausgegossen werden, wo ein anderer Sand nicht klar genug ist.
Man macht unter dem Sande auch den Unterschied in Grant und Sand; in wie ferne man selbigen zum Vermauern, oder zum Putzen, gebraucht. Der Mauersand muß eben so klar nicht seyn, und kann Körner oder Steingen von einem Viertheil eines Zolles, auch etwas größer haben, dergleichen findet man auch in den Gemäuern der alten Bergschlösser und Kirchen. Es muß nur nicht die Folge gezogen werden, daß alle Steingen so groß seyn müssen. Es ist oben schon eine Erinnerung gemacht worden, daß der Sand bey dem Lederkalke zur bessern Austrocknung muß beygemischt werden. Wer nun einen ganz zarten Sand dazu anwenden wollte, würde eben so weit wieder von dem Endzweck der Verbindung abkommen. Ich habe diese Erfahrung schon verschiedenemal bestätiget gefunden, daß der gar zu feine zarte Sand keine gute Verbindung vermittelt, da hingegen der gröbere weit kräftiger angezogen hat. Den Sand aber fein gleichförmig zu erhalten, wirft man selbigen durch ein Drathgitter, das so enge geflochten ist, als die Steingen in dem Sande seyn dürfen. Zu große Steingen in dem Sande würden der Verbindung nachtheilig seyn, und gar zu große Fugen zwischen den Mauersteinen, insonderheit den Ziegeln, geben, wodurch auf alle Fälle eine schlechte Mauer entstehen muß. Je geringer und zärter die Fugen sind, desto dauerhafter ist die Mauer. Wenn man Grundlagen mit groben Feldwacken macht, kann man auch den gröbsten Sand zu dem Kalkbade, in welches diese groben Steine gesetzt worden, brauchen, welcher denn weit besser, als der feinere Sand, Dienste leistet. Zu dem Schlemmen und Putzen muß man den feinsten Sand erwählen, ansonsten die Mauern ein rauhes und schlechtes Ansehen bekommen. Dergleichen erfordert auch die Stuckarbeit, wenn Gesimse und dergleichen Verzierungen sollen gezogen und geputzt werden.
Es ist der Sand ein schlechter Artikel, und gleich wohl macht er an manchen Orten viele Besorgniß und Kosten. Wenn er zuweilen an einem Orte nicht getroffen wird, ist man genöthiget, ihn oft einen weiten Weg herbey zu schaffen. Vielmals ist er, wie oben erinnert worden, nicht süß und rein; manchmal zum Putzen gar nicht schicklich, oder zu grob; nicht selten mit Erde gemischt &c. An manchen Orten gräbt man bey Bauanlgen gleich Sand aus dem Grunde mit aus, welcher Zufall zwar angenehm in die Augen leuchtet, aber oft auch seine bösen Folgen hinter sich hat. Wenn er nicht die Probe aushält, wäre es immer besser, Sand von weitem herzuholen, als ein mißfälliges Alter an dem Gebäude zu erwarten. Allein die Ersparung bey dem Bauwesen frißt Interesse und Capital gar oft zusammen auf.
