Adelung 1780/IV

Johann Christoph Adelung, Versuch eines vollständigen grammatisch-kritischen Wörterbuches der Hochdeutschen Mundart, mit beständiger Vergleichung der übrigen Mundarten, besonders aber der oberdeutschen IV (Sche–V), Leipzig [Johann Gottlog Immanuel Breitkopf] 1780.


Johann Christoph Adelung (1732–1806) was a prominent German linguist and lexicographer. In his multi-volume Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, he also provided explanations of the meaning and etymology of certain terms related to mural painting. In this case, the terms refer to a masonry work and tools used for plastering work.


col. 544

Sparbret

Das Sparbret, des -es, plur. die -er, bey den Mäurern, ein vierecktes Bret mit einer auf der untern Seite befindlichen Handhabe, den Kalk und Mörtel darauf zu thun; das Handbret S. Sparkalk.


col. 546–547

Sparkalk

Der Sparkalk, des -es, plur. inusit. ein Nahme des aus Gyps gebrenneten Kalkes; Gypskalk, zum Unterschiede von dem Bitterkalke oder Lederkalke, welcher aus Kalksteinen bereitet wird. Da einige Gypsarten halb durchsichtig sind, wie z. B. das Fraueneiß, welches daher in einigen Gegenden auch Sperrglas, im Engl. aber Span genannt wird, so glaubet Frisch, daß dieser Umstand zur Benennung des Sparkalkes Anlaß gegeben, siehet es aber irrig als eine Zusammenziehung aus specularis lapis an, da er es schicklicher von wahren, sehen, wahrnehmen, hätte ableiten können. Im Nieders. ist Spark, ein Funken. Indessen scheinet doch auch diese Ableitung zu gezwungen, als daß sie nicht einer bessern Platz machen sollte. Vielleicht von Sparren, spannen, binden, weil dieser Kalk sehr schnell und fest bindet. Das Handbret der Mäurer, worauf sie den Kalk und Mörtel während der Arbeit in der Hand halten, heißt auch das Sparbret, vielleicht nur in so fern sie mit Sparkalk arbeiten; allein im Böhmischen wird es durchgängig Sporidlo genannt.


col. 1103

Tünche

Die Tünche, plur. doch nur etwa von mehrern Arten, die -n, dasjenige, womit getünchet wird, der flüssige Körper, welcher auf einen andern gestrichen wird, doch nur noch in engerer Bedeutung, eine weiße aus Kalk und Wasser bereitete Farbe, die Wände und Mauern damit zu bestreichen. Die Tünche fällt ab, der als Tünche aufgetragene Kalk.

Anm. Schon bey dem Notker Tunicho, im Böhm. Dynchowani, im Poln. Tynk. In einigen Oberdeutschen Gegenden ist es männlichen Geschlechts, der Tünch, in welchem es auch in der Deutschen Bibel vorkommt. Der schöne Tünch an der schlechten Wand, Sir. 22, 20. S. das folgende.

Tünchen

Tünchen, verb. regul. act. eigentlich, mit einem flüssigen Körper überstreichen. Es ist indessen nur noch in engerer Bedeutung gangbar, eine Wand oder Mauer mit flüssig gemachtem Kalke überstreichen, welches im gemeinen Leben weißen genannt wird. Die getünchte Wand, Apost. 23, 3. Wo ist nun das Getünchte, das ihr getüncht habt? Ezech. 13, 12. Mit Kalk tünchen. So auch das Tünchen.

Anm. In den monseeischen Glossen tunichen, im Polnischen tynkowac, in einigen Niederdeutschen Gegenden dönken. Entweder als ein Verwandter, von tingere, wenn es nicht gar mit der Sache selbst aus diesem Lateinischen Worte entlehnet ist, da es denn ein Verwandter von tunken seyn würde; oder auch mit dem herrschenden Begriffe des Bekleidens, Bedeckens. Bey dem Kero ist in dieser letzten Bedeutung Tunihhu, und bey dem Ottfried Dunichu, ein Rock, Lat. Tunica. Im Dänischen ist dynnicke, täfeln. Im Hebr. ist חוט, tünchen, welches zunächst zu Decke, Lat. Toga, zu gehören scheinet.

Tüncher

Der Tüncher, des -s, plur. ut nom. sing. derjenige, welcher tüncht, ingleichen, der ein Geschäft daraus macht, die Wände und Mauern zu tünchen, da denn diejenigen Maurer, welche sich vornehmlich mit dem Tünchen abgeben, diesen Nahmen bekommen; im gemeinen Leben Weißer. Die Flachmahler und Zimmerpallierer sind eine bessere Art Tüncher.

Tünchscheibe

Die Tünchscheibe, plur. die -n, bey den Tünchern, ein Bret mit einem Griffe, den Kalk zum Verschmieren, vor dem Tünchen darauf in der linken Hand zu halten.