Jacobsson – Rosenthal 1793/VI

Johann Karl Gottfried Jacobsson – Gottfried Erich Rosenthal (edd.), Johann Karl Gottfried Jacobssons technologisches Wörterbuch oder alphabetische Erklärung aller nützlichen mechanischen Künste, Manufakturen, Fabriken und Handweker, wie auch aller dabey vorkommenden Arbeiten, Instrumente, Werkzeuge und Kunstwörter, nach ihrer Beschaffeneheit und wahrem Gebrauche VI (H–P), Berlin – Stettin [Friedrich Nicolai] 1793.


p. 183

Kalk

Kalk. Außer dem beträchlichen Gebrauche, welchen man von dem Kalke in der Baukunst macht, wird derselbe noch zu verschiedenen andern Nutzungen häufig verwendet. Man bedienet sich sowohl des rohen als des gebrannten Kalkes als eines Düngungsmittels auf feuchten, kalten, säurenden, thonichten Boden; zur Verhütung des Brandes im Getraide; in dem Schmelz und Hüttenwesen; bey den Eisenproben; bey dem Stahlmachen; wie wohl dieses Reaumür nicht glückte; bey dem Seifensieden, Haarbeitzen und Lederbereiten; in der Färbekunst, vorzüglich bey der Indigküpe; bey der Bereitung des Lackmuses und der Orseille; zum Bleichen; zur Einsaugung und Abstumpfung der Säure bey Obst und süssen Weinen, welches vorzüglich wegen der Prüfung derselben durch Vitriolsäure zu merken ist, damit man den gypsichten Niederschlag nicht für bleyvitriolisch hält; beym Zuckersieden zur Hinwegnehmung der freyen Zuckersäure des Zuckerrohrsaftes, welche die Erzeugung eines festen Zuckers hindert, da denn der mit der Zuckersäure vereinigte Kalk unauflöslich theils oben schwimmt, theils zu Boden fällt. Mit Eyweiß, Käse u. s. f. zum Küttens, mit Salmiak und Wasser in einem kupfernen Gefäße geschlagen, bis zum Blauwerden, zur Bereitung des Blauwassers; welches man jedoch auch durch die Auflösung von fünf Gran Grünspankrystallen und einem Quentchen Salmiak in einem Pfunde Kalkwasser geschwinder bereitet, und in geschwür- und entzündungsartigen Haut und Augenkrankheiten als ein kühlendes, austrocknendes und reinigendes Heilmittel gebraucht. Man nimmt ferner den Kalk mit einem Drittel oder Sechstel Schwere, und zwey Dritteln oder Sechsteln Salmiak mit etwas Wasser zur Destillirung des rauchenden Schwefelgeistes; ferner für sich zur Bereitung des Kalkwassers und der äßenden Alkalien; zur Rectificirung und Reinigung des Kornbranntweins, von dem übeln Geruch und Geschmacke; zur Bereitung der Weinprobe mit Operment und Wasser; zur Raffinirung des Kamphers; zur Reinigung der brennzlichen Oele, Wiederlebendigmachung des Quecksilbers durch Destilliren aus dem Zinnober; Bereitung des Kreiden- oder Spiegelglases als 1/20 der Fritte; Verwandlung des Glases durch Cementiren in Reaumürisches Porcellan.

Kalk, so heißt man in der Metallurgie dasjenige Produkt, welches man durch die Kalzination erhält, und von weißer Farbe ist, ist dieses aber gefärbt, so heißt es Safran (Crocus).


p. 185

Kalkerde

Kalkerde, Terra calcarea. Diesen Namen giebt man überhaupt allen den erdigten oder steinichten Substanzen, welche mit einem zureichenden Grade des Feuers bearbeitet, die Kennzeichen des lebendigen Kalks annehmen.


p. 186

Kalk löschen

Kalk löschen. Um den Kalk zu löschen, und selbigen mit der besten Dauer zu gebrauchen, bringt man die beliebige Menge von Kalk in eine Grube, bedeckt sie 2 bis 3 Fuß hoch mit gutem Flußsande. Alsdann giest man so viel Wasser darauf, als nöthig ist, den Sand zu tränken, und den darunter liegenden Kalk zu löschen, ohne sich zu brennen. Wenn der Sand oben Oeffnungen bekommt und den Rauch durchläßt, so muß man diese Oeffnungen sogleich mit dem nassen Sande zu machen. Hierauf läst man die Materie 2 dis 3 Jahre stehen, welche weiß, milde, fett und von vortreflichen Nutzen, sowohl zur Mauerarbeit, als zur Stuccaturarbeit, seyn wird.


p. 186

Kalkmilch

Kalkmilch, wird das Wasser genannt, in welchem man Kalk löscht, wenn dasselbe durch die feinsten Theilchen dieser Materie weiß, wie Milch, geworden ist.


pp. 186–187

Kalk mit Erdkohlen zu brennen

Kalk mit Erdkohlen zu brennen. Man macht einen Ofen in Gestalt eines Kessels, etwa anderthalb Ellen weit und nach gerade immer weiter, so hoch man will, und unten auf dem Boden drey Locher, auf drey Seiten des Ofens hinein, etwan eine Elle hoch, und drey Viertel Elle breit, da man das Feuer anmacht, und den gebrannten Kalk heraus zieht. Hernach legt man durch die drey Löcher drey Wellen Reißholz, daß die Spizen heraus stehen, und füllet es sodann inwendig mit klein gehacktem Wellholze, eine Schicht hoch, aus; hacket als dann ein Malter Scheitholz ganz klein, legt solches schichtweise auf das Reißholz, schüttet darauf eine Schicht Tagekohlen, 3 Zoll hoch; dann eine Schicht Kalkstein, 3 Zoll hoch, dann wieder eine Schicht Kohlen, anderthalb Zoll hoch; dann Steine, 3 Zoll hoch, und also eins um das andere, bis der Ofen voll ist; macht hernach Feuer darunter unter in das Reißholz in allen drey Löchern, läßt es 12 Stunden gehen, zieht alsdann die Holzasche und den Unrath heraus, und läßt es wieder 24 Stunden stehen; sodann kann man alle Tage, Morgens früh, etwa um 4, und Nachmittags um 2 Uhr, ausziehn, und allezeit schichtweise oben wieder voll sehen, so geht der Ofen nicht aus, und kann deisen, so viel man benöthigt ist, hinter einander wegbrennen.


pp. 191–192

Kalkstein

Kalkstein, Marmor calcareus Linn. Es ist sehr wahrscheinlich, daß der Kalkstein seinen Ursprung aus dem Thierreiche hat; so viel ist wenigstens gewiß, daß der Stoff, der ihnen wesentlich ist, nämlich die Kalkerde, sich in allen drey Reichen der Natur, und in dem Thierreiche in vorzüglich großer Menge findet. Die Kalksteine sind meistens halbhart, härter, als die Gypsarten, aber weicher, als die meisten übrigen Steine; im Bruche sind sie matt, ihre kleinen Theile gemeiniglich fein, und mit bloßen Augen kaum zu erkennen, zerschlägt oder zerbricht man sie, so springen sie zwar in eckigte Stücken, die aber keine bestimmte Gestalt haben, Sie zerfallen an der Luft, einige geschwinder, andre langsamer; ihre spezifische Schwere ist 2,700 bis 2,810 oder ein Kubikfuß wiegt etwan 90 bis 96 Pfund. Sie enthalten die Kalkerde ziemlich rein, wenigstens so, daß sie ihre Eigenschaften ungehindert äußern können; oft ist ihnen etwas Erdharz, von welchem einige eine schwarze, im Feuer vergängliche Farbe haben, zuweilen Sand, Lehm, Thon oder Eisentheile beygemischt; in den letztern liegt bey den meisten der Grund der Farbe, und ihr Gehalt beträgt oft am Centner 4 bis 5 Pfund. Sie brausen alle mit allen Säuren, wenn die letztern flüßig und nicht zu sehr verdünnt sind, auf; sie lösen sich auch in allen Säuren, wenn sie gänzlich rein sind, vollkommen auf, und, je reiner sie sind, desto weniger bleibt davon unaufgelöst; gießt man zu ihrer Auflösung in jeder andern Säure Vitriolsäure, so bildet sie damit ein Salz, das in weißen Blättern oder viereckigten Prismaten niederfällt, wenig Geschmack hat, im Wasser schwer zergeht, zwischen den Zähnen knirscht, und im Feuer knisternd zerspringt. Kocht man ihre Auflösung in Salpetersäure ein, und brennt sie nachher in offenem Feuer, so erhält man daraus einen Körper, der, wenn er gerieben wird, im Finstern leuchtet, oder den Balduinischen Phosphorus. Diese beyden Säuren, des Vitriols und des Salpeters, verbinden sich so genau damit, daß sie sich auch im stärksten Feuer nicht fahren lassen, wenn nicht ein andrer Körper hinzu gesetzt wird. Ihre Auflösung in Salzsäure läßt sich leichter von ihrem Auflösungsmittel durch ein gewaltsames Feuer scheiden; wenn sie recht übersättiget ist, so giebt sie gleichfalls einen Körper, der durch Reiben die Eigenschaft bekömmt, im Finstern zu leuchten, oder den Hombergischen Phosphorus. Von allen ihren Auflösungen in Säuren können sie durch jedes Laugensalz wieder geschieden und gefällt werden, und fallen als ein weißer Staub daraus nieder. Sie befördern auch durch ihre Beymischung das Abscheiden des Laugensalzes aus dem Weinstein. So wie sie durch Laugensalze von ihren Auflösungsmitteln geschieden werden können, so treiben sie wiederum das flüchtige Laugensalz aus seinen Verbindungen mit andern Körpern aus; reibt man sie daher mit Salmiak, so steigt ein starker Geruch auf, der vollkommen wie flüchtiger Salmiakgeist riecht. Im gewöhnlichen Feuer, auch im Sonnenfeuer brennen sie sich alle mürbe, oder sie werden zu Kalk. Dieser Kalk zerfällt, wenn er an der freyen Luft liegt, zwar ohne Brausen, doch mit einiger Erhitzung zu Staube; gießt man aber Wasser darauf, so kocht er heftig auf, erhitzt sich gewaltig, und stößt ganze Wolken von Dünsten aus; gießt man Säuren darauf, so braust er nicht auf, wie die rohe Kalkerde: brennt man ihn mit Laugensalzen im Feuer, oder vermischt man ihn in flüßiger Gestalt damit, so erhöhet er ihre Schärfe bis auf die höchste Stufe, und erleichtert ihre Vereinigung mit Oelen, Fetten, Harzen und Schwefel; er benimmt ihnen aber zugleich die Eigenschaft, mit Säuren aufzubrausen; reibt oder destillirt man ihn mit einem Saltze, welches flüchtiges Laugensalz enthält, so treibt er dieses, wie die rohe Kalkerde, aus, nur mit diesem Unterschiede, daß er hier niemals in trockner fester Gestalt erscheint, der Eigenschaft, mit Säuren aufzubrausen, ganz verlustig wird, eine weit größere Schärfe bekommt, und mit höchst gereinigtem Weingeiste nicht gerinnt. Läßt man den Kalk lange an freyer Luft liegen, oder aus seiner Auflösung in Wasser niederfallen, so verliert er diese auszeichnenden Eigenschaften, und verhält sich wieder wie Kalkerde. Er löst sich im Wasser vollkommen auf, nur erfordert er zu seiner Auflösung vieles Wasser, und fällt, wenn die Auflösung an freyer Luft steht, von selbst als Kalkerde, wieder daraus nieder. Bey der Fällung der metallischen Körper aus ihren Auflösungen verhält er sich gerade, wie ein feuerbeständiges Laugensalz. Mit Sand oder mit zerstoßenen Backsteinen vermischt, wird er so hart als Stein. Oele, welche darüber abgezogen werden, werden dadurch ungemein verfeinert, heller, durchsichtiger und flüchtiger. Wenn der Kalkstein einmal zu Kalk gebrannt ist, so leidet er in dem gewöhnlichen Feuer keine Veränderung mehr. Dieses ist die Behauptung aller Mineralogen; aber Pörnern gelang es doch, ihn in Glas zu verwandeln. Leichter geschieht diese Verwandlung der Kalksteine, wenn ihnen andere Steine und Salze zugesetzt werden. Die meisten Arten findet man gemeiniglich voll versteinerter Seethiere; sie machen gemeiniglich die niedern Berge und die Hügel. Diese Kalkberge sind meistens auf die Schiefergebirge, theils in den Thälern, theils hoher aufgesetzt. Sie sind vornämlich in Flözgebirgen zu Hause, wenigstens finden sie sich immer in solchen Gebürgen. Die Flöze selbst sind von verschiedener Mächtigkeit, von einigen Zollen bis zu mehrern Lachtern. Bald sind sie ganz rein, bald wechseln sie mit andern Lagen, vornehmlich mit Schiefer, ab, und so machen sie oft das Dach der Steinkohlen, des Kupferschiefers und des Steinsalzes, und führen dann an verschiedenen Orten den Namen Zechstein. Diese abwechselnde Lage von Kalkschichten, und die Menge von Versteinerungen, welche man darinnen, und zuweilen in jeder Schicht wieder von verschiedener Art findet, zeigen ganz offenbar, daß die Kalkberge keine ursprünglichen Gebürge, sondern erst nach und nach durch mehrere auf einander folgende Ueberschwemmungen entstanden, und an und auf die zuvor vorhandenen aufgeschwemmt sind. Eigentliche Gänge findet man nicht in Kalksteinflözen, aber desto häufiger Steinkohlen, Schwefelkies, Alaun und Vitriolerze, schwarzen und grauen Kupferschiefer, auch nesterweise Nierenstein, Amianth, gediegenen Schwefel, Arsenik und verschiedene seiner Erze; sehr oft Eisenerze, auch Kupferglas, Bleyglanz und Zinnober, und bey Annaberg verlarvtes Silber. Der Nutzen, den die Kalksteine schaffen, ist von sehr weitläuftigem Umfange. Schon diejenigen, welche hin und wieder auf Feldern liegen, machen sie fruchtbar, indem sie auf ihrer Oberfläche verwittern. Den größten Nutzen leisten sie wohl in der Baukunst, nur Schade, daß sie größtentheils zu weich sind, und sich sobald abreiben und abnutzen; daß sie an der freyen Luft nicht so lange ausdauern, sondern zu bald verwittern. Man kann sie zu Gestellen an Oefen, zu Fundamenten und vorzüglich gut zu Schleußen, und überhaupt zum Wasserbau gebrauchen, wenn anders das Mauerwerk beständig unter Wasser ist. Der schönen hochgefärbten Arten bedient man sich in der Bau- und Bildhauerkunst. Vornämlich aber dienen sie, um Kalk daraus zu brennen. Auch im Schmelz- und Hüttenwesen leisten die Kalksteine sehr gute Dienste; sie befördern den Fluß an sich strengflüßiger Erze, und kommen vornämlich den Eisenerzen, und andern schwefelreichen Erzen, selbst bey dem Verfrischen des Rohsteins, sehr gut zu statten. Die Linneischen Arten des Kalksteins sind: 1) schwarzer Kalkstein, Marmor schistosum; 2) edler Marmor, M. nobile; 3 ) Florentiner Marmor, M. florentinum; 4) Schiefermarmor, M. fissile; 5 ) Kalkstein von Nordberg, M. tardum; 6) körniger Kalkstein, M. rude; 7) Glanzmarmor, M. micans; 8) Gothländischer Kalkstein, M. decussatum; 9) Lappländischer Kalkstein, M. acerosum; 10) dichter Kalkstein, M. stratarium; 11) Gorstein, M. strumosum; 12) Roggenstein, M. hammites; 13) lockerer Kalkstein, M. restaceum; 14) abfärbender Kalkstein, M. sectile; 15) mergelartiger Kalkstein, M. margaceum; 16) Filtrirmarmor; 17) Pietro forte.


pp. 192–193

Kalkwasser

Kalkwasser. Hierunter versteht man überhaupt eine Auflösung der Kalkerde in reinem Wasser. Man verfertigt es also: Man schüttet eine beliebige Quantität ungelöschten Kalk, welcher nicht lange aus dem Ofen gekommen ist, in einen steinernen Topf oder in eine Schaale mit Wasser, so daß das Wasser ungefähr 10mal mehr, als der Kalk, beträgt. Man bemerkt, daß das Wasser begierig von dem Kalke eingeschluckt wird. Es entsteht eine beträchtliche Hitze, und man hört, indem seine Theile aus einander gehen, ein Geräusch, welches öfters stark ist. Diese Mischung muß man oft mit einem hölzernen Stabe umrühren, weil sonst der Boden des Gefäßes, wo der Kalk seiner Schwere wegen hinsinkt, am meisten erhitzt, und das Gefäß dadurch zersprengt werden würde. Sobald der Kalk völlig zerfallen oder gelöscht ist, hört man mit dem Umrühren auf, und läßt es ruhig stehen, bis das darüber stehende Wasser klar ist. Dieses ist nun, nachdem es durch Löschpapier geseihet worden, das Kalkwasser, welches einen etwas scharfen Geschmack hat, und woraus man mit Laugensalzen die darin aufgelöste Kalkerde niederschlagen kann. Ein auf diese Weise gehörig bereitetes und wohl verwahrtes Kalkwasser besteht aus der beizenden Substanz des Kalks, und aus etwas Kalkerde, welche vermittelst dieser Substanz des Kalks in dem Wasser auflöslich geworden ist, und so lange in dem Wasser aufgelöst bleibt, als die beißende Substanz vereiniget ist, sich aber je mehr und mehr unter der Gestalt eines dünnen, hernach aber immer mehr verdickten und undurchsichtigen, weißen, glänzenden Häutchens scheidet, jemehr die flüchtige beizende Substanz aus dem Kalkwasser davon geht. Geht diese Substanz ganz und gar davon, so scheidet sich auch die aufgelösete Erde, welche sich theils auf der Oberfläche des Kalkwassers, theils auf dem Boden des Gefäßes, unter der Gestalt dünner unschmackhafter Blättchen sammelt, und Kalkrahm, Lat. Cremor calcis, fr. Crême de chaux genannt wird; das Kalkwasser aber bleibt unschmackhaft, genannt wird; das Kalkwasser aber bleibt unschmackhaft, und von aller beizenden Substanz und Kalkerde befreyet, zurück.


p. 432

Lederkalk

Lederkalk. Bitter- Streich- oder gemeiner Kalk, heißt der, welcher aus Marmor und dem gemeinen Kalkstein gebrannt wird; er bestehet in einem weißgrauen, mürben und leichten Steine, der, wenn er gahr genug gebrannt ist, und alle fremdartigen Theile durch das Feuer aus ihm geschieden sind, in der Luft in ein Pulver zerfällt, sich in dem Wasser erhitzt und aufblähet oder löscht, darinnen zu einem weißen Schlamme wird, und dann, mit Sand und Wasser vermengt, eine Steinhärte annimmt, so lange aber als er noch ungebrannt ist, zum Mörtel nichts taugt. Die aus der Erfahrung erkannte Wirkung des Lederkalks bey den Bauarbeiten bestehet immer darinnen, daß er, mit Wasser und Sand vermischt, eine Steinhärte annimmt und sich mit alle den mineralischen Körpern gerne verbindet, und eine Masse ausmacht, welche rauh ist, die Feuchtigkeit an sich ziehet und andere Körper austrocknet, welche Eigenschaft man denn die bindende Kraft des Kalkes nennet. Die Erfahrung lehret, daß sich der Kalk von der Feuchtigkeit in der Luft löscht, oder in ein Pulver zerfällt, und daß er, wenn dieses einmal geschehen ist, nicht so gut mehr bindet. Wenn daher der Kalk gleich frisch nach dem Brennen gebraucht, und mit Sand und Steinen vermischt wird ; so bindet solcher am besten, und beweist die Erfahrung, daß der Kalk gleich warm nach dem Löschen, bey dem ersten Trocknen, gebraucht, am allerstärksten bindet. So wahr auch dieses ist so kann doch der Kalk nicht immer frisch verbraucht werden, sondern man muß ihn zuweilen, bis zu seinem Gebrauche, in eigenen Behältern aufheben, die vor der Luft und Feuchtigkeit sehr wohl verwahret sind, sonst zerfällt solcher bis zu seinem Gebrauche in ein Pulver, und hat also die meiste bindende Kraft verlohren. Man löscht außerdem auch den Kalk in Gruben in der Erde ab, bedeckt dann den Kalk 2 Fuß hoch mit Erde, und läßt ihn so bis zum Gebrauche liegen. Man kann die bindende Kraft des Lederkalkes gar sehr verstärken, wenn man ihn nämlich mit zähen, schleimigen und sauern Körpern vermischt. Es sind diese Körper süße Milch, saure Milch, das Blut der Thiere, das Weiße vom Ey, Weinstein, eisenschüßige Körper, gepülverter und ungelöschter, ja auch solcher Kalk, der zweymal und ganz todt gebrannt ist. Der Gebrauch des Lederkalks bey den Bauarbeiten ist mancherley : 1) Man gebraucht den Lederkalk zu den Mauern im Trocknen und Nassen, bald mit Sand, bald mit Traß oder gemahlnen Tropfstein und bald mit Ziegelmehl vermenget; 2) man gebraucht solchen zu den Fußboden, sowohl um Platten auf denselben zu legen, als vermischt mit Gyps, Anstriche aus ihm zu machen; 3) man übertüncht damit sowohl die äußersten als die innern Wände der Gebäude. Er wird 4) zu den rauhen Würfen an den äußern Mauern gebraucht, damit die Witterung nicht so leicht in sie wirken könne. Endlich gebraucht man ihn auch 5) vermischt mit Milch zum Weißen der Wände und Decken.