Voch 1778
Lukas Voch, Untersuchung der wahren und falschen Bauüberschlägen. Nebst einer Anweisung wie sich die Bauenden dargegen sicher stellen können, Aubsburg [Matthäus Riegers sel. Söhnen] 1778.
Zweyter Abschnitt.
§. 28.
Von den Materialien.
Unter den Materialien welche zu einem Bau gebraucht werden, verstehet man Holz, Steine, Kalch, Sand, Leimen, Eisen, Nägel, Bley, Glas, Drath, Gyps und dergleichen.
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pp. 34–35
§. 35.
Der Kalch, wird aus gewissen darzu tauglichen Steinen in einem besonders darzu bereiteten Kalchofen, oder im Ziegelofen, zugleich mit den Ziegeln gebrannt. Der gebrannte Kalch aber hat zweyerley Salze in sich; nehmlich, ein laugenhaftes und ein saueres, welche durchs Wasser so aufgegoßen wird, aufgelößt werden, und sich erhitzen, wovon bey dem Kalchlöschen Hitze und Rauch herkommt. Die gute Eigenschaften eines Kalches zu erkennen bestehen in folgendem. Je härter und fester der Stein je besser der Kalch. Je länger der Kalch in Ofen gebrannt wird, desto schönere Weiße er giebt. Dieses rührt natürlicher Weise vom calcinieren her, und je länger dieses geschiehet, je größer wird die Vollkommenheit. Zu dem Kalchlöschen muß ein probierter Mann genommen werden, denn es gar viel darauf ankommt; dahero es nöthig daß der Mauermeister selbst fleißig nachsehe. Besonders muß der Kalch welcher zum verputzen gebraucht wird, bey dem Löschen wohl zerstoßen und gerühret werden, damit sich alles wohl lösche, denn wenn dieses nicht geschiehet, löschen sich die kleine Theile an der Mauer selbst, giebt kleine Bläsgen, fallen ab, und die Mauer siehet aus als wenn mit Nägeln darein gestochen worden. Den besten Kalch zum tünchen und abputzen erhält man, wenn derselbe mit laulichtem Wasser gelöscht wird. Die Ursache ist weil das laulichte Wasser den Kalch nicht mit allzu starker Heftigkeit löschet. Man hüte sich vor Kalch der schon etwas Luft an sich gezogen hat, den er wird zu Mehl, und ist von außen nicht zu gebrauchen, weil er abfällt.
pp. 35–36
§. 36.
So wie wir oben gemeldet, daß von unsern Alten, besser bearbeitete Brandsteine gemacht worden, als zu unsern Zeiten, eben so haben sie sich auch angelegen seyn lassen ihren Kalch zu bereiten. Würden wir ihnen nachfolgen, so würden wir auch dauerhafteres Mauerwerk und Bewürfe erhalten. Allein wenn ein Gebäude heute angefangen wird, so fragt der Bauherr schon, wenn solches fertig werden wird. Noch weniger gedenkt man die Materialien einige Jahre vor dem anzufangenden Bau herbey zu schaffen, wie es unsere Vorfahren gethan; sondern die Materialien werden angefahren, und zu gleich der Bau angefangen. Doch möchte es vielleicht Freunde geben, welche wissen wollen, wie die Alten ihren Kalch so dauerhaft gemacht, daß man auch an den ältesten Gebäuden, keine Veränderung spühret, sondern die Steine sind noch feste verbunden, und Bewürfe dauern noch. Hier ist die Art und Weise: Man machte eine tiefe Grube, in der Größe je nachdem viel oder wenig Kalch zu löschen war, und fütterte dieselbe auf den Seiten mit Brettern aus, legte hernach den gebrannten Kalch in ganzen Stücken hinein, stampft denselben aber nicht fest aufeinander, damit Höhlungen bleiben, durch welche das ausgegossene Wasser durchdringen kann. Wenn die Grube bald voll war, so das etwa nur ein Schuh noch übrig wäre, hat man diesen Raum, mit feinem trocknen Flußsand vollgefüllt, und so viel Wasser jedoch ganz sachte darauf gegossen, bis man vermuthete, daß auch der darunter liegende Kalch Feuchtigkeit genug bekomme. Wenn sich im Sande Ritze zeigten, und der Rauch hat wollen durchbrechen, hat man sie so gleich wieder mit Sand verschüttet. Alsdann hat man eine solche Grube mit starkem Holze fest vermachet, und mit Erde überschüttet, daß nichts mehr davon zu sehen wäre. Einen dergleichen eingelöschten Kalch liesen unsere Alten oft einige Jahre liegen, ehe sie solchen gebrauchten, und aus dieser Ursache rühret seine Festigkeit her. Wer von der Festigkeit des alten Mauerwerks, und von gehöriger Zubereitung des Kalchs mehrers wissen will, der leße Gründliche Untersuchung und Ursachen &c. &c. von J. L. Huth.
pp. 36–37
§. 37.
Nun kommen wir auf den Sand, mit welchen der Kalch vermischt wird, und woraus der Mörtel oder Speise entstehet. Es ist aber der Sand zweyerley, der gegrabene und der Flußsand. Die Güte, des gegrabenen oder Grubensandes zu probieren; so thut man etwas in eine Schüssel mit Wasser und rührts um, wird das Wasser trüb so ist es eine Anzeige, daß er viele Erdtheilungen bey sich führe; also zum mauern nicht zu gebrauchen. Wenn aber im Gegentheile daß Wasser helle bleibt, und der Sand knirscht, wenn er zwischen den Händen gerieben wird, so ist es gut. Der von röthlich gelber Farbe wird vor den besten gehalten. Der Flußsand ist zweyerley, der gröblichte und der recht feine. Ersterer wird zum mauern, letzterer aber zum tünchen und verputzen gebraucht. Wenn der erstere zu viele kleine Kiesel bey sich führet, muß man ihn durch ein dräternen Sandwurf werfen, damit er zu einer solchen Güte gebracht werde, als zur Vermischung des Kalchs bequem ist.
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pp. 52–53
§. 49.
Weil bey Aufführung eines Baues allerley Wörter vorkommen, welche dem Bauherrn fremd, und es doch zu seinem Nutzen gereichen kann, wenn er was selbige bedeuten weiß; so will ich die nöthigste zum Beschluße dieses Traktatgens anfügen.
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p. 66
Tünche, ist der Ueberzug der rauhen Mauer von Kalch oder Gyps, so mit feinen Sand vermenget, und der Mauer oder Wand, ein schönes, weißes und glattes Ansehen giebt.
