Pfeiffer 1778/III.2
Johann Friedrich von Pfeiffer, Lehrbegrif sämmtlicher oeconomischer und Cameralwissenschaften III/2, Mannheim [Christian Friedrich Schwan] 1778.
Zwei und dreisigstes Capitel.
Von der ausübenden Mahlerkunst.
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pp. 277–278
§. 811.
Das Freskomahlen.
Wenn der Freskomahler die Verfügung gemacht, daß der trockne Kalch, mit dünnerem und altem, mit Flußsande vermischten Kalche, auch dieser mit einem noch dünneren Tünche überpinselt worden, so entkörnt, oder schafft er unmittelbar nach dem Tünchen die Sandkörnchen mit dem Pinsel von der Wand.
Zeichnungen und Modellen müßen vor dem Mahlen fertig seyn. Zu großen Kirchendecken, Sälen, bedienet man sich des Gitterrahmens, durch dessen Hülfe man Sachen aus dem großen ins kleine bringt [sic!]. Man theilt das kleine Modell in eben soviel kleine Netzquadrate, um die Sache in eben soviel größere Vierecke auf die Mauer überzutragen.
Von diesen Quadraten wählet sich der Mahler soviele als er in einem Tage auszumahlen glaubt, und dergleichen Platz läßt er täglich übertünchen. Auf den getünchten Theil der Decke, wird die Zeichnung des großen Papiers sanft gedruckt, und der Umriß mit einem eisernen Griffel vorsichtig in den noch frischen Kalch durchs Papier gezeichnet. Kleine Risse durchlöchert man mit der Radelspitze, überstaubt sie mit Kohlenstaube, den man durch das Papier mit einem trocknen Pensel, auf dem Kalch abreibet. Alle Farben werden soviel das ganze Werk verlanget, auf einmal abgerieben, und für dem Staub bewahrt.
Die Palette besteht aus verzinntem Bleche; ein umgebogener Rand hindert das Abfließen der flüssigen Farben, in deren Mitte ein Wassergeschirr zum verwaschen der Farben befindlich ist. Der Kalch muß vor dem Mahlen keinen Fingerdruck mehr annehmen.
Sobald die ersten Farben den Kalch erreichen, verwelken sie, man muß daher die Lagen solange wiederholen, bis alles ausgearbeitet ist, jedoch jeder neuen Lage, bis zum Trockenwerden der vorhergehenden Anstand geben.
Frischer Tünch macht ein Gemälde lebhaft, da jedoch der Kalch die Schatten bleich naget, ist es mit Pastelfarben zu überfahren.
Ein Freskomahler muß viel Fertigkeit in seiner Kunst, Geduld, eine gesunde Lunge, und eine Kenntniß von dem Verhalten seiner Farben, nach dem Trockenwerden besitzen.
Das Weisse von Eyerschalen giebt zum Fresko- und Pastellmahlen eine angenehme Weisse. Man zerstampfet die Schalen, reibet und siedet sie mit etwas lebendigem Kalch, seihet sie durch, wiederholet das Waschen und Reiben, bis das Wasser klar ablauft, macht daraus auf dem Farbesteine einen Pastellteig, läßt ihn trocknen, oder besser im Ofen backen. Bleiweis, Mennig, Lack, Grünspan, Auripigment, Beinschwarz, werden vom Kalche zerstört.
In Rom hat man noch eine Freskoart auf alte Wände zu mahlen, die man mit sehr wenigem und verdünntem Gypse überwirft. Diese Art leidet alle Farben, wenn man die oft geweißten Wände überschabet. Frisch betünchte Wände werden nur mit Gyps überzogen, um die Farben begierig anzunehmen. Man hat noch von den alten Römerzeiten, aus der Erde gegrabene Freskogemälde, die ihre Vollkommenheit behalten haben.
