Faujas – Gilbert 1803

Barthélemy Faujas de Saint-Fond – Ludwig Wilhelm Gilbert, Beschreibung der Turffgruben bei Brühl und Liblar, wo die braune köllnische Erde oder die sogenannte köllnische Umbraerde gegraben wird, in: Ludwig Wilhelm Gilbert (ed.), Annalen der Physik XIV, Halle [Rengersche Buchhandlung] 1803, pp. 433–458.


Barthélemy Faujas de Saint-Fond (1741–1819) was a French geologist and volcanologist. After completing his studies, he worked as a judge in his native Montélimar while also pursuing his interest in the natural sciences. In 1776, at Buffon’s invitation, he moved to Paris, where he began working at the Muséum d’Histoire naturelle. He later became a royal mining commissioner. Among his most notable writings is the 1778 treatise Recherches sur la pouzzolane. Ludwig Wilhelm Gilbert (1769–1824) was a German physicist and chemist, and professor of physics at the University of Leipzig. From 1799 to 1824, he published the Annalen der Physik in Halle. Faujas first published his article on the Cologne brown earth in 1797, in issue XXXVI of the Journal des mines (Faujas 1797). In 1803, it appeared in Annalen der Physik in a German translation, accompanied by Gilbert’s commentary, including information about the brown earth found in Saxony. The article and its commentary provide information on pigment deposits, the various uses of the raw material, and its geological composition and origin. They also include references to earlier treatises on the subject.


VI.
BESCHREIBUNG
der Turffgruben bei Brühl und Liblar,
wo die braune köllnische Erde oder die
sogenannte köllnische Umbraerde
gegraben wird,

von

FAUJAS-SAINT-FOND,
Prof. der Geologie am naturh. Museum in Paris.


Nebst einigen vergleichenden Bemerkungen
des HERAUSGEBERS über die Braunkohlenlager
im Saalkreise und in der Grafschaft Mansfeld.


Dass die sogenannte köllnische Umbraerde nichts anderes als das ist, was nach dem gemeinen bergmännischen Sprachgebrauche in unserm Theile Deutschlands, und so auch am Meissner, Braunkohle, und was im Wernerschen oryktognostischen Systeme bituminöse Holzerde genannt wird, erhellt sehr deutlich aus der lehrreichen Beschreibung jenes noch ziemlich unbekannten Fossils und seiner Lagerstätte, die ich hier dem Leser aus den Annales du Museum d’Histoire naturelle par les Professeurs de cet établissement. T. I, No. 6, p. 445–460, in Verbindung mit mehrern verwandten Aufsätzen, mitzutheilen eile. Für unsre Gegenden haben diese Aufsätze noch ein besonderes Zeitinteresse, über das ich hier ein paar Worte voranschicken muss. Noch im Jahre 1772 waren Holz und Steinkohlen im Saalkreise und im Mansfeldischen zu so mässigen Preisen zu haben, dass die ungeheuren Niederlagen von Braunkohlenerde, mit denen diese Ländchen und die benachbarten versehn sind, damahls ohne Werth zu seyn schienen. Wenigstens finden sich in der „revidirten Bergordnung für das Herzogthum Magdeburg, das Fürstenthum Halberstadt und die incorporirten Länder, vom 7ten December 1772,“ die Braunkohlen weder unter den Mineralien und Fosilien, die sich der Landesherr als zum Bergregal gehörig reservirt, noch unter denen, die den Dominiis verbleiben sollen, ausdrücklich genannt oder deutlich bezeichnet. Seit mehrern Jahrern sind indess auch hier Holz und Steinkohlen so im Preise gestiegen, dass man sich endlich ziemlich allgemein zur Braunkohlenfeuerung bequemen musste, und seitdem sind die ehemahls vernachlässigten Braunkohlenlager wahre Kleinodien geworden, über deren Regalität nun schon seit mehrern Jahren zwischen dem königl. Bergamte zu Wettin und einigen Grundeigenthümern im Saalkreise und im preussischen Mansfeld ein Rechtsstreit geführt wird, der ohne ein Gutachten von Sachverständigen nicht entschieden werden konnte. Es kam darauf an: „ob das streitige Fossil, seiner natürlichen Eigenschaft nach, bloss eine mit Erdpech vermischte Torferde, oder eine ächte wahre Braunkohle sey;“ eine Frage, in der, ausser den Stimmen der vortrefflichen Freiberger Geognosten, des H. Berghauptmanns von Charpentier und des H. Bergraths Werner, ferner des H. Bergraths Voigt aus Ilmenau, des H. Oberbergraths Gerhard aus Rothenburg, und des H. Bergraths und Professors Scherer, auch die Meinige verlangt wurde. Die Urtheile aller fielen dahin aus, dass das streitige Fossil kein Torf, sondern die ächte wahre Braunkohle nach bergüblichem Sprachgebrauche sey; nur wie es sich zur Steinkohle verhalte, darin wichen die Stimmen von einander ab. (Eine deutliche Auseinandersetzung des Streitpunkts, und eine mit Kenntniss und Unparteilichkeit abgefasste Beurtheilung der Gründe der zu Rathe gezogenen, hat Hr. Prof. Vater in Halle in den Magdeb.–Halberst. Blätt. von Barckhausen und Jakob 1801 bekannt gemacht.) Für meinen Theil bemerkte ich insbesondere, dass ich den Gegensatz in der Frage: Torferde oder ächte wahre Braunkohle, nicht anerkennen könne, und dass, wenn gleich unsre Braunkohlenlager gewiss keine Torfmoore, und unsre Braunkohlengraben gewiss keine Torfstechereien sind, es doch möglich sey, dass die Braunkohlen mit aus Torferde bestünden. Es sey mir, fügte ich hinzu, selbst wahrscheinlich, dass zusammengeschwemmte und weiter zerfetzte Torfmoore so gut Antheil am Entstehn derselben haben, als zusammengeschwemmtes und verschüttetes Holz. Unter andern berief ich mich bei dieser Meinung auf Widenmann’s Aussage, (in seinem Handbuche der Mineralogie, S. 634,) dass Pechtorf in Braunkohlen übergehet, und auf das, was H. von Beroldingen in seinen Beobachtungen, Zweifeln und Fragen die Mineralogie betreffend, von dem sogenannten Pechtorf in Niedersachsen und Westphalen und von der köllnischen Umbraerde, (doch schwerlich aus eigner Anficht,) anführt. Ueber diese letztern Fossile und über die ganze Frage verbreiten gegenwärtiger Aufsatz von Faujas-Saint-Fond, der längst als sorgsamer Beobachter berühmt ist, und die darauf folgenden Aufsätze ein neues Licht, und scheinen mir daher, auch in dieser Hinsicht, Aufmerksamkeit zu verdienen. Vielleicht, dass sie zugleich Veranlassung zu einigen interessanten analogen, noch nicht gemachten Beobachtungen in unsern Braunkohlengruben und Torfstechereien geben, um deren Mittheilung ich die, welche Gelegenheit finden sollten, sie anzustellen, ersuche.     d. H.


Die sogenannte köllnische Umbraerde ist den Farbenhändlern und Mahlern sehr wohl bekannt. Wenn man sie auf eine eigne Art präparirt, so wird sie zur Miniatur-, in einigen Fällen auch zur Oehlmahlerei geschickt, besonders zur Grundirung in den braune Tinten. Am häufigsten bedient man sich ihrer aber in der Mahlerey mit Wasserfarben zu Decorationen und andern Sachen. Köllner Kaufleute sind seit jeher im Besitze des Handels mit derselben, daher der Name: köllnische Erde, obschon die Gruben einige Meilen von Kölln liegen. Gewöhnlich bezeichnet man mit dem Namen: Umbra, ein braunes Eisenoxyd, mit dem diese Erde nichts als die Farbe gemein hat; da köllnische Kaufleute auch damit handeln, so wurden beide manchmahl unter dem Namen: köllnische Umbraerde, mit einander verwechselt.*)

*) Nach Hochheimer’s chemischer Farbenlehre, Th. I, S. 127, „ist der eigentliche Umber lichtbraun, ins Röthliche scheinend und wird durch Glühen völlig braunroth ; ihn übertrifft aber die köllnische Erde an Dunkelheit und Schönheit, daher auch ihr Gebrauch in der Mahlerei gewöhnlicher sey.“ In Umbrien im Kirchenstaate findet man übrigens auch um Spoleto fossiles Holz, und daher wahrscheinlich auch ähnliche Lager bituminöser Holzerde als unweit Kölln. Der Fürst von Gallicin führt in seinem Recueil des Noms en Minéralogie, Bronsv. 1801, als Synonyma auf: Köllnische Erde, Umbraerde, Bergbraun, brauner Ocher, und beschreibt sie als eine dunkelbraune, zerreibliche leichte Erde, die sich am Feuer etwas verzehre, dabei einen unangenehmen Geruch verbreite, und durch das Calciniren weiss werde. Nach Klaproth, dem wir eine genaue Analyse cyprischer Umbra verdanken, (Beiträge zur chem. Kenntniss der Mineralkörper, B. 3, S. 135,), die mit der feinen türkischen Umbra der Mahler gänzlich übereinkömmt, ist diese ächte Umbra eine Abart des okerigen Brauneisensteins, und besteht aus 0,48 Eisenoxyd, 0,20 Braunsteinoxyd, 0,13 Kieselerde, 0,05 Thonerde und 0,14 Wasser. Die braune Stauberde, welche bei den ältern mineralogischen Schriftstellern unter den Namen: Umbra, vorkömmt, und mit der ächten nichts als die Farbe gemein habe, erklärt auch Klaproth für eine blosse erdige Braunkohle, die im Feuer zu Asche verglimmt, daher Cronstedt sie Mumia vegetabilis und Wallerius Humus umbra genannt haben.     d. H.

Endlich nennt man auch wohl einen fetten weissen Thon, der sich in der Gegend der Abtei Laac findet, und der zu Wedgwoodschen Thonwaaren sehr gut zu brauchen ist, köllnische Erde, [oder köllnischen Pfeifenthon,] weil sich davon zu Kölln eine Niederlage befindet. Die Arbeiter in den Gruben, aus welchen man die braune köllnische Erde erhält, nennen sie Turff, (Torf, tourbe,) und dieser Name scheint mir der passendste, und der zu seyn, welcher der Natur der Sache am meisten entspricht.*)

*) Man sieht hieraus, dass die köllnische Umbraerde und der sogenannte Torf der jülich-bergischen und köllnischen Lande, welcher nach dem angeführten Werke des Herrn von Beroldingen immer flötzweise unter Sand, oft 2 bis 3 Lachter mächtig vorkommen, und zuweilen ganze Stunden Weges unter dein Sande fortstreichen soll, ein und dasselbe ist. Herr von Beroldingen nennt diesen sogenannten Torf Pech, oder Bergtorf, im Gegensatze des Morasttorfs, und meint, er sey wahrscheinlich: durch Ueberschwemmung entstanden, in dem eben der Stoff, aus dem die übrigen Torfarten bestehn, auf eine lockere Unterlage, und in einer erhabnen Gegend niedergesetzt worden. Wir werden aus dem Folgenden sehn, in wie fern die Meinung, dass dieses Fossil und die übrigen Torfarten aus einerlei Stoff bestehn, der Wahrheit gemäss ist; und nur wenn sie es ist, möchte der Name: Torf, der Natur der Sache wirklich entsprechen. In einigen Provinzen ist indess, wie hieraus erhellt, dieser Name gäng und gebe, und wahrscheinlich würde er es auch hier seyn, wäre Torf vor Zeiten bei uns ein so allgemein bekanntes Brennmaterial gewesen, als er es in den an Holland grenzenden Provinzen längst seyn musste.     d. H.

Der Baron von Hübsch in Kölln war der Erste, der die wahre Natur dieser braunen, Erde erkannt hat. „Ich habe mich,“ sagt er in einem vor vielen Jahren erschienenen periodischen Werke „durch mehrere Versuche überzeugt, dass unsre Umbra oder sogenannte braune köllnische Erde nichts anders als verschüttetes Holz, oder die Art von fossilem Holze ist, das man bituminöses Holz, verkohltes Holz, Torfholz oder gegrabnes Holz nennt. Man findet dieses fossile Holz in den Torfgruben und Moorgründen, unsers Landes, in Gestalt einer weichen dunkelbraunen Erde. Manchmahl kommen darin ganze Bäume vor. Ich habe mich auf alle Art vollkommen überzeugt, dass unsre Köllner Erde verschüttetes oder durch mineralische Dünste und unterirdisches Wasser aufgelöstes Holz ist. Dass die Köllner Erde aus wahrem Holze, welches in Erde zerfallen, entstanden ist, darin hat der Baron von Hübsch, wie wir gleich sehn werden, vollkommen Recht. Allein er hat eine in der Mineralogie sehr wichtige Sache unterlassen, nämlich eine Beschreibung der Lagerstätte und der Förderung dieses Fossils. Ich sagte ihm dieses, als ich mich einige Monate in Kölln und der Nachbarschaft aufhielt. Er erwiederte, er habe das Geognostische einer zweiten Abhandlung vorbehalten, an die er indess nicht gekommen sey, und ermahnte mich, diese Lücke auszufüllen, da ich mich einmahl in der Nähe der vorzüglichsten Gruben aufhielte und von einem geschickten Zeichner, (es war Thouin,) begleitet würde. Er erbot sich, uns dabei zum Führer zu dienen, und ich nahm dieses mit vielem Vergnügen an. Die Reise ging ein paar Tage darauf vor sich.

Erst ging es über das schöne Lustschloss des Kurfürsten von Kölln, Brühl, 2 Meilen von Kölln. Dann schlugen wir den Weg nach Liblar ein und kamen, nachdem wir eine Viertelstunde gegangen waren, am Fusse, und nach einer zweiten Viertelstunde auf der Höhe des Hügels an, in welchem sich, hart am Wege nach Liblar, die Brühler Turffgrube findet.

Man sieht hier an freiem Tage in einer sehr schwarzen Erde, von deren Mächtigkeit sich noch nicht urtheilen lässt, weil man noch nicht bis zu unterst gekommen ist, eine tiefe Grube von ziemlich grosser Ausdehnung, dieses ist die Turffgrube, in der die Brühler Umbraerde bricht. Die Umbraerde liegt hier unter einer Lage von Grand oder zusammengeschwemmten Kieseln, die im Mittel 12 Fuss mächtig ist. Diese Kiesel sind fast alle abgerundet, die grössten kaum so gross als ein Hühnerei, und sie bestehn fast durchgehends aus weissem oder undurchsichtigem grauen oder gelben Quarze und aus etwas grobem röthlichen, braunen oder hellbraunen Jaspis. Doch fand ich darunter auch ein Stück feinkörnigen rothen Jaspis, der eine gute Politur annahm. Dieses Lager von Kieseln ist manchmahl mit etwas Sand und Thon gemischt, und liegt unmittelbar auf der Umbraerde auf.*)

*) Auch das Braunkohlenlager bei Döllnitz, 1 Stunde südlich von Halle, liegt unmittelbar unter darüber geschwemmten Kieseln und Grand, die es bis 2 Lachter hoch bedecken. Das ausnehmend grosse und mächtige Braunkohlenlager bei Langenbogen, 2 Stunden westlich von Halle, ist an einigen Stellen 3, an andern 10 bis 12 Lachter hoch mit einem grau-weissen Sande bedeckt, der gleich unter der Dammerde und unmittelbar auf den Braunkohlen liegt, und den unser Herr Kriegsrath von Leyser, unter dessen Oberaussicht diese Werke stehn, für Gypssand, (das heisst, aus Gyps und Sand bestehend,) hält, doch ohne ihn chemisch untersucht zu haben. In diesem Sande finden sich Stücke dichten Gypssteins von verschiednen Grössen. Bei Röblingen, hart am salzigen See, und so auch bei Scherben sind die Braunkohlen bloss von der Dammerde und zusammengeschwemmtem Sande bedeckt. Am erstern Orte setzt das Lager weit in den salzigen See hinein; am letztern steht es auf Gypssand.     d. H.

Die Umbraerde war 30 Fuss tief senkrecht abgestochen, doch hatte das, was nachgestürzt war, zwei Drittel von dieser Höhe bedeckt, so dass jetzt die senkrechte Tiefe nur 12 Fuss betrug.*)

*) Das Döllnitzer Braunkohlenlager ist 2 ¼  bis 4 ½, das Röblinger höchstens 2 ½ Lachter, dagegen das Langenbogner 6, und an einigen Stellen 8 Lachter mächtig. Die Sohle des letztern besteht aus Sand.     d. H.

Bis zu dieser Tiefe konnte ich daher das Lager mit aller Bequemlichkeit untersuchen. Es ist von dunkelbrauner Farbe, die, wenn das Fossil feucht ist, ins Schwarze, wenn es dagegen recht trocken und im Sonnenlichte ist, ins Carmeliterbraun spielt. Nass ist die Masse schwammig, nachgebend, etwas elastisch und weich von Gefühl.**)

**) Sollte nicht vielleicht bloss auf dieser Verschiedenheit der Braunkohlen, je nachdem sie nass oder trocken sind, der Unterschied zwischen den tief und den hoch liegenden Braunkohlen beruhen, welcher einige bestimmt hat, jene für eine andre Art von Fossil zu halten, und so z. B. die fast im Niveau des salzigen Sees stehenden Röblinger Braunkohlen, und die unterste Bank im Langenbogner Werk, (aus welchem die Tagwasser durch Pumpen herausgezogen werden,) für Moorkohlen, einem von den Braunkohlen verschiednen Fossil, auszugeben?     d. H.

Sie hat weder Geruch noch Gefühl, gleicht etwas der völlig ausgebrauchten Gerberlobe und schwärzt ein wenig die Finger. Man erkennt mit blossen Augen sehr wohl, dass die ganze Masse aus nichts als Holztheilen besteht, deren Zusammenhang aufgehoben ist, die comprimirt und zerkleinert sind, und die zu verschiednen Holzarten gehört zu haben scheinen. Im Ganzen ist die Zersetzung schon zu weit gegangen, als dass es möglich wäre, diese Arten noch zu bestimmen; doch finden sich darin noch einzelne minder entstellte Holzstückchen, die vielleicht von härterm oder weniger zersetzbarem Holze herrühren. Einige solche Stücke sind 6 bis 8 Zoll lang und 2 bis 3 Zoll dick, manche schwarz wie Ebenholz, andre röthlich-braun.*).

*) Alles dieses passt genau auf unsre Braunkohlenlagen.     d. H.

Untersucht man mit Genauigkeit die Oberfläche dieser Erde, so bemerkt man hier und da Striche einer schwarzen, etwas glänzenden Materie, die dem Erdharze, (Bitume,) gleicht, doch etwas trockner und zerreiblicher als dieses ist. Auf glühende Kohlen geworfen, verbreitet diese schwarze Masse einen unangenehmen Geruch, dem des schlechten Erdharzes ähnlich, entzündet sich aber nicht.

So weit das Lager entblösst war, enthielt es weder Sand noch Thon, sondern bestand bloss aus Holztheilen, die in eine Art von Dammerde verwandelt waren, bis auf einige Holztheilchen, die länger widerstanden haben, und die bituminösen Striche, welche indess selten sind. Man findet aber, was besonders merkwürdig ist, hier und da in dem Lager Fragmente wahrer Holzkohle, die in Farbe, Leichtigkeit, Zerreiblichkeit, und in ihren chemischen Eigenschaften dem durch Hitze verkohlten Holze vollkommen gleichen. Es lässt sich hieran nicht zweifeln, wenn man es beobachtet hat, und obschon diese Kohle sich nur in geringer Menge und an verschiednen Punkten zerstreut vorfindet, so kömmt sie doch in Stücken bis auf die Grösse eines Fingers im Innern der köllnischen Umbraerde vor, auf die hier gewiss keine hohe Hitze gewirkt hat.*)

*) Dieselbe Bemerkung habe ich Gelegenheit gehabt bei dem Braunkohlenlager unweit Helbra und Alsdorf 1 ½ Stunde nordwestlich von Eisleben zu machen. Auch da fand sich in den Braunkohlen eine Menge kleiner schwarzer Stückchen, die völlig das Ansehn wahrer Holzkohlen hatten. Ich machte die trefflichen Mineralogen, in deren Begleitung ich im September 1800 dieses Lager besah, darauf aufmerksam; da aber die Stücke vor dem Eingange des bergmännisch bearbeiteten Werkes aufgelesen waren, so glaubten sie, die Kohlenstückchen wären da durch Zufall hineingekommen. Auch fanden sich in diesen Helbraer Braunkohlen kleine zerreibliche wie gepülverte hellgelbe Nieren, die mit zerstossnem Harze die grösste Aehnlichkeit hatten und wahrscheinlich Bernstein sind. d. H.

Dieses sind die Materien, aus welchen dieser ungeheure und bewundernswürdige Haufen von Holz besteht, das weder zu Kiesen (?) noch zu Steinkohlen geworden ist, sondern eine einfache Veränderung erlitten hat, die es fast gänzlich desorganisirt und in eine Art von Gartenerde umgewandelt hat. Mit dem gewöhnlichen Torf der Moräste lässt sich diese Umbraerde nicht verwechseln; denn dieser besteht nur aus Fibern, Wurzeln und Blättchen verschiedner Wasserpflanzen, von denen sich noch manche Arten erkennen lassen, indess die Umbraerde schlechterdings nichts als Trümmer von Holz zeigt.*)

*) Derselbe Grund, warum bei uns alle Sachverständigen dahin übereinstimmten, dass unsre Braunkohlen kein Torf sind.     d. H.

Ungeachtet auf ihr eine Last von 12 Fuss hohem Geschiebe liegt, so ist doch die Umbraerde schwammartig und sehr begierig nach Feuchtigkeit, daher sie nach Regengüssen aufschwillt und etwas compressibel, ja selbst ein wenig elastisch wird. Die Arbeiter fördern diese Lager holziger Materien, die sich in eine Art von Torf verwandelt haben, (ces bancs de matières ligneuses changes en une espèce de tourbe,) mit der grössten Leichtigkeit, indem sie sie schichtenweise mit stählernen Spaten, deren Stiel etwas gekrümmt ist, ausstechen. Ist man bis zu einer solchen Tiefe gekommen, dass man sich nicht gut mehr der Schiebkarren bedienen kann, so bedient man sich zum Herausfördern grosser Körbe, die an Seilen hängen, und der einfachsten Art von Rundbaum.

Die einzige Präparation, welche die Umbraerde an Ort und Stelle erhält, ist, dass sie, (nachdem sie zuvor, wenn es in trockner Zeit nöthig ist, angefeuchtet worden,) von Weibern und Kindern in eine Art von hölzernen, konischen Formen, von der Gestalt und Grösse der gewöhnlichen Blumentöpfe, geschlagen, dann herausgenommen, und in grosse dazu bestimmte Einzäunungen, denen bei Ziegeleien ähnlich, um zu trocknen, gesetzt werden. Sind sie so weit getrocknet, dass sie sich, ohne Gefahr zu zerbrechen, handhaben lassen, so setzt man diese Kuchen in Haufen über einander, so dass Luft und Sonne freien Zutritt haben, da sie denn bald so fest werden, dass sie den Transport in Karren oder Wagen aushalten. So bringt man sie in den Handel, oder in die benachbarten Städte und Dörfer als Brennmaterial oder zu anderm Nutzen.*)

*) Förderung und Behandlung unsrer Braunkohlen stimmen in allem diesem mit den angegebenen nahe überein, nur dass man bei uns das Formen mehrentheils dem Käufer überlässt, der die Braunkohlen in Erdgestalt fortfährt und sie selbst, mehrentheils in Gestalt von Backsteinen, formen und trocknen lässt.     d. H.

Das, was die Holländer jährlich an sogenannter Umbraerde zur Mahlerei in Wasserfarben und Oehl, und zu anderm Gebrauche ausführen,*) ist nichts im Vergleiche mit dem, was davon die benachbarten Städte und Dörfer verbrauchen, die kein anderes Brennmaterial als dieses für ihren täglichen Gebrauch haben. Auch verbrennt man davon unmittelbar bei den Gruben eine Menge zu Asche, welche ein bertliches Düngmittel abgiebt, und als solches weit umher verfahren wird.

*) Man versichert, dass man in mehrern berühmten holländischen Schnupftabaksfabriken dem Tabak Saft und Weiche dadurch giebt, dass man ihn mit köllnischer Umbraerde versetzt, die ihn färbt, und ihm weich und frisch macht. Daraus erklärt sich, wie einige Miniaturmahler aus holländischem Tabak eine dauerhafte, sehr brennende gelblich braune Farbe ziehn können, während anderwärts präparirter Tabak dazu nicht geschickt ist. Diese Versetzung macht den Tabak angenehmer, ohne der Gesundheit zu schaden. Denn so wie der Tabak selbst der Staub von Pflanzenblättern ist, die eine Gährung gelitten haben, so ist die köllnische Umbraerde in Erde verwandeltes Holz.     Faujas.

[Dass man unsre Braunkohlen schon jetzt zu Farben präparire, oder sie dem Schnupftabak beimische; ist mir nicht bekannt. Dagegen haben Bowles und Dillon schon vor geraumer Zeit aus Spanien die Notiz mitgebracht, dass in der grossen königlichen Tabaksfabrik zu Sevilla, welche ganz Spanien ausschliesslich mit Tabak versieht, der Schnupftabak „mit einer rothen, ausserordentlich feinen, nicht im mindesten mit Sande vermischten, trippelartigen Erde vermischt werde, die den Namen: Almagre-Erde, führt und bei Almazarron unweit Carthagena im Gebirge, in einem mächtigen Lager gefunden werde. Der Sevillische Tabak soll von dieser Erde seine schöne Farbe und das angenehme Gefühl erhalten, und durch diese Beimischung unnachahmlich seyn.“ Sehr möglich, dass diese Almagre-Erde nichts als sorgfältig präparirte Braunkohle oder sogenannte Umbraerde ist. d. H.]

Die hierzu bestimmte Erde sticht man gleich in parallelepipedarische Stücke, trocknet diese, ohne sie vorher noch in Formen zu schlagen, und verbrennt sie dann, damit der Regen sie nicht nässe, (welches ihre Güte verringern würde,) in hölzernen Hütten, die grossentheils bloss mit Stroh gedeckt sind. Die Asche ist von feinem und fettigem Gefühl, sehr weiss, und viel leichter als die gewöhnliche Holzasche. Doch giebt es auch eine Art, die etwas falb ist. Man nimmt auf 1 Morgen von 180 Quadratruthen, die Ruthe zu 16 Fuss gerechnet, 18 Malter Asche. Ein Malter, (Muid,) enthält 8 Septier Köllner (?) Maass.*)

*) Bei uns, wo man in der Nähe einer grossen Stadt keinen Mangel an thierischem Dünger hat, wird die Braunkohlenasche nur sehr sparsam hier und da als Düngmittel gebraucht. Zwar schüttet man sie in den Haushaltungen gewöhnlich in die Mistgruben, doch geschieht das eben nicht in der Idee, dass sie dem Acker zuträglich sey. Die Braunkohlenasche aus den Salinen, die umsonst zu haben ist, findet unter unfern Ackerbauern gar keinen Abnehmer; eben so wenig indess der Pfannenstein, der an andern Orten begierig gesucht wird. In Schönebeck bleibt selbst die Torfasche ungenützt vom Landmanne liegen. In wie fern, und durch welche ihrer Eigenschaften die Torf- und Braunkohlenasche dem Acker zuträglich ist, darüber hat man, so viel ich weiss, noch keine Versuche.     d. H.

Die Umbraerde brennt mit einer kaum sichtbaren Flamme, ja mehrentheils mit gar keiner. Die Art, wie sich dieses Brennmaterial entzündet, hat einige Aehnlichkeit mit der beim Schwamme, oder vielmehr beim Agaricus, [Boletus,] aus dem der Schwamm gemacht wird, der zwar, sobald er mit den glühenden Kohlen in Berührung kömmt, Feuer fängt, durch den sich das Feuer aber nur verdeckt und langsam verbreitet. Gerade so bedeckt sich die Umbraerde beim Brennen mit einer weisslichen Asche; das Feuer aber dringt in das Innere und bildet einen glühenden Kern, der sehr lange dauert und zu allem häuslichen Gebrauche hinlängliche Hitze giebt, obschon das äussere Ansehn kaum auf Hitze schliessen lässt. Man ist nicht wenig verwundert, wenn man in die Küchen dieses Landes tritt, eine starke Hitze zu fühlen, die sich von der Feuerstätte aus verbreitet, und die Töpfe umher kochen zu sehn, während das Feuer kaum wahrzunehmen und mit Asche bedeckt ist. Ein solches Brennmaterial ist freilich traurig; der Anblick desselben macht die Einbildungskraft erstarren, (glace l’imagination,) der Geruch, der sich umher verbreitet, ist unangenehm, und man muss fürwahr jedes andern Brennmittels beraubt seyn, ehe man sich zu diesem entschliessen kann. Der gewöhnliche Torf der Moräste ist im Ganzen auch nicht allzu angenehm; aber doch giebt er eine Art von Helligkeit, und ist tausendmahl der Umbraerde vorzuziehn, die man führwahr eine Feuerung für die Todten, (chauffage des morts,) nennen möchte.*)

*) Die Stadt Halle und die umliegenden Gegenden bestreiten jetzt den grössten Theil ihrer Feuerung mit diesem Brennmaterial, das manchem Einwohner, ehe er sich daran gewöhnte, noch trübseliger und schrecklicher als selbst unserm Verfasser schien. Selbst die Salzsiedung wird fast ganz bei Braunkohlenfeuer bewirkt; bei einem solchen Feuer unter einer der grossen Salzpfannen würde unser Verfasser sich bald überführt haben, dass auch die Braunkohlen mit einer mächtigen und hell lodernden Flamme brennen können. Nur zur Heitzung des Kessels der Dampfmaschinen scheinen sie nach Versuchen, die darüber angestellt sind, unfähig zu seyn.     d. H.

Noch grösser und ausgedehnter als diese Brühler Grube, sind die Turff- oder Umbragruben bei Liblar, wohin man von Brühl zu Wagen in 1 ½ Stunden gelangen kann. Kurz ehe man in dieses Dorf kömmt, sieht man das Schloss Gracht, wo die verwittwete Gräfin von Metternich wohnt; ein sehr angenehmer Aufenthalt, von schönen Gewässern erfrischt, und mit einem wohl unterhaltnen Park, Gärten, und einer Naturaliensammlung geziert. Ueber 200 Arbeiter aus dem Dorfe Liblar, Weiber und Kinder ungerechnet, sind in den dicht um herliegenden Turff- oder Umbraerde-Gruben den grössten Theil des Jahres über beschäftigt. Diese Gruben sind durch ihre grosse Ausdehnung, die Art der Förderung und ihr grosses Alter der Aufmerksamkeit des Naturforschers vorzüglich würdig. Man denke sich einen horizontal fortlaufenden Hügel, der in einer Länge von fast ¼ Meile senkrecht abgestochen ist, so hat man ein Bild dieser Gruben, in welchen die Umbraerde überall 12 Fuss und mehr mächtig ist. Die Betreibung ist hier gerade so wie bei Brühl.

Die ganze unerschöpfliche Niederlage von Umbraerde ist gleich der bei Brühl mit zusammengeschwemmten Kieseln bedeckt, die ein im Mittel 10 Fuss mächtiges Lager bilden, und aus denselben Kieseln wie bei Brühl bestehn; nur findet man hier mitunter abgerundete milchweisse und graue Quarzstücke, die 60 bis 80 Pfund wiegen. An den meisten Stellen liegen diese Kiesel unmittelbar auf der Umbraerde; an einigen Stellen findet sich indess zwischen beiden eine dünne Lage Quarzsand, oder sehr kleine Lagen eines grauen oder weissen Letten, dergleichen auch wohl einige Zoll weit in die Umbraerde selbst hineingehn und mit Holztheilchen vermischt sind. Einige 1 bis 2 Fuss breite Spalten, die von oben herab, mehr oder weniger senkrecht und keilförmig 5 bis 6 Fuss tief in das Lager hineingehn, sind mit Kieseln von den obern Geschieben angefüllt. Auch bemerkt man da, wo das obere Gerüll an die Umbraerde grenzt, in einem Raume von 2 bis 3 Fuss einige concentrische Zonen von Umbraerde, die mit platten Kieseln abwechselt, welches durch die Bewegung des Wassers zu der Zeit bewirkt zu seyn scheint, als Meeresströme die so grossen Massen von Vegetabilien hier anhäuften. Die Grube bei Brühl liegt auf einem hohen Terrein; die bei Liblar auf dem Plateau einer noch grössern Höhe. Eben so die Gruben bei Kierdorf, bei Bruggen, bei Balkhausen, bei Walberberg und an andern Orten, die auf derselben Linie liegen. Der Rhein ist 3 Meilen entfernt, und sein jetziges Bette liegt über 400 Fuss unter dem Niveau dieser Gruben.*)

*) Auch das mächtigste und ausgedehnteste unsrer Braunkohlenlager, das bei Langenbogen, findet sich in Anhöhen, an deren Abhang es sich völlig abschneidet, indess es mächtiger wird, wo es in den Berg setzt. Die Anhöhen schliessen eine grosse Ebne ein, und das Lager folgt ihnen in seinem Streichen.     d. H.

Das Lager von Liblar ist ausserordentlich mächtig. Mit Gesenken, die darin zum Versuche bis auf eine Tiefe von 40 Fuss und mehr abgeteuft wurden, und die man wegen Wassers und verdorbner Luft endlich aufgeben musste, hatte man noch nicht die Sohle des Lagers erreicht.

Bei der grossen Ausdehnung, in welcher es entblösst und bis jetzt schon durchsucht ist, hat man darin manches entdeckt, das uns in den Stand setzen dürfte, einige der Bäume zu bestimmen, aus denen diese ungeheuren Niederlagen von holziger Materie, die jetzt fast ganz in Erde zerfallen ist, mit entstanden sind. Sie ist nicht nur voll Stückchen bituminösen Holzes, das mehr oder minder pyrituös ist, sondern man hat in ihr noch ganze Baumstämme gefunden, die über 2 Fuss dick und 15 Fuss lang, und noch nicht entartet waren. Je tiefer diese Bäume liegen, desto compacter sind sie, und sie lassen sich dann sägen und bearbeiten; allein an der Luft dauert es nicht lange, so zerblättern sie sich, ob sie gleich nicht kiesiger Natur zu seyn scheinen. Bei Versuchsgesenken hat man in Tiefen von 35 Fuss Stämme gefunden. Ich sage Stämme, denn unter der grossen Menge, die ich an Ort und Stelle gesehn habe, fand ich nie, weder einen Ast noch eine Wurzel.*) Man kann daraus zwei verschiedne Folgerungen ziehn: Einmahl, dass diese Bäume wohl aus einem Geschlechte seyn könnten, die gleich den Palmenbäumen von Natur keine Seitenäste haben; oder auch, dass Ströme diese Bäume von weitem hergeschwemmt, und dabei durch Reiben und Stossen und durch die Gewalt der Wellen ihre Aeste und Wurzeln zerstört haben.

*) Auch in den Braunkohlenlagern um Halle soll sich von beiden keine Spur finden, wohl aber soll bituminöses Holz mit Aesten in einigen näher bei Magdeburg liegenden Gruben vorkommen. An einem vorzüglich mächtigen Blocke bituminösen Holzes aus den Beuchlitzer Gruben, die ehemahls fast lauter festes Holz, jetzt aber fast nur Holzerde liefern, glaubt Herr Kriegsrath von Leyser einen Anfang der Wurzel bemerkt zu haben.     d. H.

Man findet ferner zuweilen in der Umbraerde zu Liblar Früchte von dunkelbrauner Farbe, die auf den ersten Anblick ganz die Gestalt gewöhnlicher mit ihrer äussern Hülle noch umgebner Nüsse haben, sich aber bei einer genauern Untersuchung davon ganz verschieden zeigen. Sie sind nämlich durch und durch solide; und obschon sie ihre Härte verloren haben und zum Theil schon in den Zustand von Umbraerde übergegangen sind, so haben sie doch im Innern noch ihre Gestalt und Organisation behalten. Ich habe einige derselben mit einer sehr feinen Säge der Länge nach durchschneiden lassen, um ihre innere Textur zu sehn. Sie sind durchgehends solide und zeigen festere knochenähnliche Lineamente, die der Zersetzung stärker widerstanden haben. Auf Tafel V sieht man sie mit der grössten Genauigkeit abgebildet. Unsre geübtesten Botanisten, wie Jussieu, Desfontaines, Lamark und Thouin, finden, dass diese Früchte eine grosse Aehnlichkeit mit der Nuss der Arecapalme, (Areca cathecu L.Areca faufel, Gärtner, tab.7, Fig. 2,) haben, eines Baums, der in Ostindien, auf den Moluccen und in den südlichen Gegenden China’s wächst. Sie glaubten zwar nicht geradezu behaupten zu dürfen, dass diese Früchte gerade von der Arecapalme herrührten, so viel Aehnlichkeit sie auch mit den Arecanüssen haben; darin aber stimmten sie alle überein, dass es Früchte eines Baums sind, der zu den Palmenarten gehört. Daran lässt sich nicht zweifeln, wenn man die drei Löcher oder kleinen Oeffnungen sieht, welche sie charakterisiren, und sich in dem Theile finden, der dem Stiele entspricht. Auf Tafel V ist eine der Früchte mit diesen drei Oeffnungen abgebildet.

Diese für die Geologie so interessante Thatsache verdient bekannt zu werden, und macht die Gruben um Liblar der Aufmerksamkeit des Naturhistorikers würdig.*)

*) Früchte, die sich in unsern Braunkohlenlagern gefunden hätten, sind selbst Herrn Kriegsrath von Leyser, wie er mir versichert, nie vorgekommen, so häufig er auch unsre Braunkohlenwerke besucht habe. Der Steiger zu Langenbogen will indess einmahl eine Eichel in den dortigen Braunkohlen gefunden haben; sehr möglich, dass auch das eine Arecanuss war. Vielleicht, dass die Beobachtungen Faujas bald einen ähnlichen Fund ost- und südindischer Fruchtarten auch bei uns veranlassen, in welchem Falle ich um Mittheilung und Nachricht davon bitte. – Von den ostpreussischen Bernsteinlagern haben wir wirklich schon ganz analoge Beobachtungen. Nach Herrn Dr. Hasse’s Entdeckungen im Felde der ältesten Erd- und Menschengeschichte, Halle 1801, S. 185 f., spült die See nicht bloss zugleich mit dem Bernstein Splitter und Bruchstücke von Holz, (Sprok genannt,) aus, die von ganz eigner Art und Natur sind, sondern zu Palmnicken im Sameländischen, wo Bernsteingräbereien im Umtriebe stehn, trifft man auch in der Erde in den Bernsteinadern Bäume an. – – „An dem Holze und den Bäumen,“ sagt H. Hasse, „die in der Nähe des Bernsteins gefunden und ausgegraben werden, bemerkt man, ob sie gleich jetzt von ihrer Urbeschaffenheit vieles verloren haben mögen, viele wunderbare Eigenschaften. Das Holz lässt sich brechen, nicht schneiden, wird mit den Fingern leicht zerrieben und färbt; es brennt bloss in Verbindung mit einem andern Feuer, und glimmt mehr, als dass es brennt. Es ist äusserst fein und zart. Die ganzen Bäume im Schachte sind grösser als die Cedern, und man kann zur Zeit keine andern so grossen Bäume in der ganzen Natur aufweisen, so dass selbst ein Arbeiter in den Gruben meinte, die Bäume müssten mit der Sündfluth hineingekommen seyn, sonst wisse er es sich nicht zu erklären. Ihr Holz hat keine Rinde, kein Mark, keine Aeste, keine Wachsthumsringe; die Fibern laufen parallel, und sind nicht auf die gewöhnliche Art zusammengefügt. In ihrer Nähe findet man bisweilen noch Früchte, die wie grosse Mandeln oder Nüsse gestaltet sind, und inwendig ein zellenförmiges Gewebe haben, das aber nunmehr leer ist. Buchnüsse und Mandelschalen sind es nicht; was aber für Früchte, ist selbst gründlichen Naturforschern unbekannt.“ Herr Dr. Hasse meint, diese wunderbaren Bäume, denen der Bernstein ehemahls zum Harze diente, hätten ihres Gleichen nicht in der ganzen Natur. Wahre Lebensbäume, ruft er aus, mit Ambrosia und Götterspeise; und sieht sie als den Hauptbeweis seiner Meinung an, dass das Paradies in Bernsteinlande, das ist, im jetzigen Preussen, gestanden haben müsse. „Denn,“ meint er, „auch die Beschaffenheit des Bodens, wo diese Bäume gefunden werden, zeige, dass sie an dem Orte ehemahls gestanden haben und nur übersandet worden sind. Denn in der Tiefe, wo sie liegen, ist fruchtbare Erde und rinnen süsse Quellen, die ehemahls die Oberfläche dieses Landes getränkt zu haben scheinen.“ Das Holz aus den Gräbereien, (das nach diesen Beschreibungen nichts anders als bituminöses Holz zu seyn scheint,) wird ungebraucht auf die Halden geworfen. „Schade um diesen Verlust,“ sagt Hr. Dr. Hasse, „da diese Bäume nicht viel weiter ins Land vorkommen, (indem die Uferberge nach dem Lande zu abhängig sind,) und also aufhören dürften. Man sollte einen ganzen Baum mit flüssig gemachtem Bernstein umgiessen, und so der Nachwelt als unsterblich überliefern.“ Besteht das Holz der köllnischen Umbraerde, unser bituminöses Holz und das Holz, worin der preussische Bernstein vorkömmt, wirklich aus Palmenarten, so ist es ein interessantes Gegenstück zu den fossilen Zähnen Hörnern und Gerippen von Elephanten, Nasehörnern und ostindischen Stieren, die sich nicht in geringer Menge in unfern Gegenden in den aufgeschwemmten Erdlagern, und noch weit häufiger im nördlichsten Asien finden, wo eine der Lachowsinseln im Eismeere, die 11 Meilen breit und 20 Meilen lang ist, nach Billing’s Reise fast ganz aus solchen fossilen Mammouthsknochen, Hörnern und Zähnen bestehn soll. An zusammengeschwemmte Torfmoore möchte freilich dann kaum noch zu denken seyn.     d. H.

Man hat zwischen der Rinde einiger der in der Umbraerde vergrabnen Stämme Stücke einer harzigen, gelblichen, halb durchsichtigen Materie gefunden, die, auf glühende Kohlen geworfen, einen angenehmen Geruch giebt. Da ich mir davon nichts habe verschaffen können, so kann ich nicht sagen, ob es Bernstein, oder Copal, oder eine ähnliche Materie ist. Die Arbeiter selbst sind sehr dahinter her und verbrennen es als ein Räucherwerk.*)

*) Auch in unsern Braunkohlenlagern ist der Bernstein ziemlich häufig. Theils kömmt er von pulverulenter Consistenz und von dem S. 444, Anmerk., beschriebnen Ansehn, theils in dichten Massen mit glasigem Bruche vor, und ist leicht an dem Bernsteingeruche zu erkennen, den er auf Kohlen verbreitet. In Preussen nimmt, nach Herrn Dr. Hasse’s  Versicherung, der Bernstein alle Jahr ab, und seit vielen Jahren übersteigt beim Bernsteingraben die Ausgabe bei weitem die Einnahme.

Einer der ältesten Arbeiter, Nahmens Heinrich Schmits, versicherte mir, er habe vor ungefähr 15 Jahren, in einer Tiefe von 6 Fuss, in der Umbraerde ein Stück eines Hirschgeweihes gefunden, das sehr erkennbar, aber dabei so weich war, dass man es unter den Fingern zerreiben konnte. Man hat so etwas seitdem nicht wieder gefunden.**)

**) Bei uns finden sich in dem Langenbogner Braunkohlenlager häufig Gypsknollen von der Grösse einer Nuss und kleiner bis zu der einer Faust oder eines Kopfs, deren mehrere hohl und inwendig mit den schönsten octaedrischen Schwefelkrystallen besetzt sind. Das Röblinger Lager ist voll Schwefelkiesnieren; und das Beuchlitzer enthielt sonst Gruppen grosser octaedrischer Schwefelkieskrystalle; auch hatten die bituminösen Baumstämme, die hier in Menge brachen, statt der Rinde eine Schale von Schwefelkies. Aller dieser Schwefelkies efflorescirt und zerfallt an der Luft in kurzer Zeit, indem er sich sehr bald in schwefelsaures Eisen verwandelt. Honigstein soll in unsern Lagern seltener als in dem bei Artern zu Hause seyn. Streifen von Erdharz versichert wenigstens Hr. Kriegsrath von Leyser in unsern Braunkohlenlagern nicht bemerkt zu haben.     d. H.