Beckmann 1792/III

Johann Beckmann, Beyträge zur Geschichte der Erfindungen III, Leipzig [Paul Gotthelf Kummer] 1792.


pp. 189–201

2.
Ultramarin.

Ultramarin ist ein sehr feines blaues Pulver, fast von der Farbe der Kornblumen oder der Veilchen, welches die seltene Eigenschaft hat, daß es weder an der Luft, noch in mäßigem Feuer verschießt oder sich entfärbt, daher es zur Malerey dient, und dazu ehemals, als man noch nicht die wohlfeilere Schmalte kante, noch mehr als jetzt gebraucht ward. Es wird aus den blauen Stücken des Lazursteins gemacht, indem diese so genau als möglich von den anders gefärbten Theilen, die eingemischt sind, geschieden und pulverisirt werden. Dieß letzte muß geschehn, um das Pigment mit den Zuthaten, welche die Malerei fodert, mischen, und es mit dem Pinsel fein auftragen zu können. Der ächte Lazurstein, Lapis lazuli, kommt aus dem Gebürge der Bucharischen Tatarey, welches von der Caspischen See ab östlich streicht (1), vornehmlich aus Kalab und Budukschu. Von da kommt er nach Ostindien, und von Ostindien nach Europa; auch bringen ihn die Bucharen, in Brocken, welche ein Pfund und darüber schwer sind, nach Orenburg, wie wohl jetzt nicht mehr so viel als ehemals (2). Weil große Stücke, zumal solche die gut gefärbt und rein sind, selbst in jenem entfernten Lande nur selten vorkommen, und weil solche auch zu Schmuck, Verzierungen und kleinen Geräthschaften verarbeitet werden, so ist der rohe Stein schon kostbar, und dieser hohe Preis wird durch die mühsame Bereitung des Ultramarins noch mehr erhöhet, ungeachtet diese in neuern Zeiten um ein vieles erleichtert ist (3).

(1) Brünnich Mineralogie. S. Petersburg und Leipzig. 1781. 8° S. 112.

(2) Falk Beyträge zur topographischen Kentniß des Russischen Reichs. St. Petersb. 1786. in 4°. III. unter den Mineralien.

(3) Die alte Weise Ultramarin zu machen, findet man in de Boot gemmarum historia. Lugduni Bat. 1647. 8° p. 279. Allerley Vorschriften aus verschiedenen Büchern findet man in Swedenborgii lib. de cupro p. 465. Verbesserte Anleitungen geben Spielmann institut. chem. p. 45. Sage chemische Untersuchung verschiedener Mineralien. Göttingen 1775. 8° S. 13. Rinmann Geschichte des Eisens Berlin. 1785. 8° II S. 142. Ehemals nante man das Ultramarin mit Unrecht ein Präcipitat oder Magisterium.

Wegen der Seltenheit und Kostbarkeit wird der Lazurstein oft mit andern Mineralien, die ihm doch nur in der Farbe etwas ähnlich sind, verwechselt, und eben daher rühren die mannigfaltigen Widersprüche, die man in Schriften, sonderlich den ältern, wo die Rede von den Eigenschaften und dem Vaterlande dieser Steinart ist, antrift. Manche haben den Armenischen Stein, einen von Kupfer gefärbten Kalkstein, manche das Bergblau oder den Malachit, manche auch sogar blauen Flußspat und blauen Jaspis für Lazurstein gehalten (4), daher denn auch das Ultramarin nicht immer das ist, was es seyn soll. Zu unsern Zeiten wird nicht selten dafür eine gut gefärbte Schmalte theuer verkauft, und zwar um desto Dreister, je gewisser es ist, daß ihre Farbe im Feuer noch dauerhafter, als selbst die Farbe des Lazuli ist. Gutes Ultramarin muß schön dunkelblau, nicht sandigt, nicht gemischt seyn; es muß sich nicht mit Oel verrieben, auch nicht in einem glühenden Tiegel oder auf einem glühenden Eisenbleche entfärben, und sich auch in starken Säuren, ohne Aufbrausen, fast wie Zeolith, auflösen lassen. Zu Paris kostete im Jahre 1763: die Unze 96 Livr. und von cendre d’outremer, welches den Ausschuß andeutet, 48 Livr. Zu Hamburg verkauft Gleditsch im Dohm die Unze des feinen ächten orientalischen Ultramarins für einen Ducaten, mit der Versicherung, daß es die Feuerprobe aushalte; ob auch die Probe in Säuren? das weis ich nicht.

(4) Ausser den schon angeführten Beweisen, daß der ächte Lazur in der Tartarey gefunden wird, bestätigt solches auch Tavernier in Beschreibung der sechs Reisen. II. S. 148. Von jenem Lande scheint auch Paulus Venetus nach der Helmstädter Ausgabe S. 70. zu reden: suppeditat quoque mons alius in hac provincia (Balascia) lazulum, de quo fit azurum optimum, quale etiam in mundo non invenitur. Elicitur autem ex mineris non secus ac ferrum; praebent quoque minerae argentum. Sehr viele versichern noch immer, daß diese Steinart aus Persien komme, aber der auch daher kommt, ist dort nicht einheimisch, sondern er wird dorthin aus Tibet gebracht. Weil die Perser diese Farbe sehr lieben, so zieht sich die Waare nur vornehmlich dorthin. Persien selbst aber hat nur die blaue Kupferoker, welche man dort zuweilen statt des Ultramarins braucht. Tavernier hat dieses sehr richtig und bestimmt gemeldet, und er, der mit Edelsteinen handelte, konnte es auch am besten wissen. Ich will daher, zu Abhelfung des herschenden Irrthums, seine Worte einrücken aus dem ersten Theile S. 242. „In den Kupfergruben von Persien hat man auch Lazuradern gefunden, welches in Persien in grosser Menge verbraucht, und damit das Blumwerk an dem Getäfel und Gewölbern der Häuser gemahlt wird. Ehr dieß entdeckt ward, hatte man keine andere Lazur, als die rechte, welche aus der großen Tartarey komt, und sehr theuer verkauft ward. Diese Art Lazur aus Persien ist eine Art von Kupfererz, und wenn der Stein zerrieben und gesiebt ist, wie man mit dem rechten Lazur zu verfahren pflegt, so wird eine feine Farbe davon, welche eine reine und den Augen annehmliche Farbe giebt. Auf diese Weise durfte Persien nicht mehr nach der Tartarischen Lazur fragen, und der Mahemet-Beg ließ auch verbiethen, daß sich die Mahler nicht der fremden, sondern der Persianischen gebrauchen sollten; aber das Verboth währte nicht lang, weil die Persianische Lazur nicht in der Luft dauern konte, wie die rechte, sondern endlich eine dunkle und traurige Farbe bekam. Bisweilen ward sie voll Schuppen, und blieb nicht an der Spitze eines zarten Pinsels hängen, wurde also bald verlassen, als eine gefärbte Erde, und die Lazur aus der Tartarey ward wieder hervorgesucht.“ Eben dieses bestätigt Chardin in Voyages en Perse. IV. p. 66. Dans la contrée à l’entour de Tauris, on trouve de l’Azur, mais qui n’est pas si bon que celui de Tartarie; sa couleur s’altere, devient sombre & enfin se passe. Ebenderselbe S. 255. Le lapis la Zuly qu’ils appellent Lagsverd, d’où nous avons fait le mot d’azur, se prend dans leur voisinage au pais de Yusbec’s, mais la Perse en est le magazin général. Ich glaube auch nicht, daß diese Steinart jemals aus Cypern gekommen ist, wie doch in vielen Büchern versichert wird. Kupfer hat diese Insel, und Bergblau liefert sie noch jetzt. Auch diejenigen, welche versichern, daß die Farbe des Ultramarins gleich im Feuer vergehe, haben nicht das ächte gekant; z. B. Schriften der Schwedischen Academ. XII. S. 69. Montamy in Abhandlung von den Farben zum Porzellan, Leipz. 1767. 8 S. 121. versichert, Ultramarin tauge nicht zur Feuermaleren, wozu sie doch, wie ich gewiß meine, ehemals gedient hat.

Aus dem, was ich bisher gesagt habe, woraus manche Artikel unserer Wörterbücher verbessert werden können, erhellet, daß die Frage, ob die alten Griechen und Lateiner Ultramarin gekannt haben, eine andere Frage voraussetzt, nämlich ob ihnen der Lazurstein bekannt gewesen sey. Den Namen lapis lazuli wird freylich niemand bey ihnen erwarten, da es bekant ist, daß wir ihn durch die Araber erhalten haben. Das Wort ultramarinum ist ganz und gar unlateinisch. Ich habe schon im ersten Theile S. 496. angezeigt, daß man vor einigen Jahrhunderten viele ausländische Waaren, die jenseit des Meers geholt wurden, vom Meere benant hat, in welcher Bedeutung auch schon die Alten das Beywort marinum genommen haben. Daraus hat man nach dem Verfall der Sprache ultramarinum gemacht, welches einige in transmarinum haben verbessern wollen, aber auch dieses hat bey den Alten nie ein Pigment bedeutet.

Obgleich die alten Namen der Edelsteine noch nicht mit hinlänglicher Genauigkeit untersucht, und noch nicht mit der größten möglichen Zuverlässigkeit bestimmt sind, so meine ich doch darunter den Lazur zu erkennen. Dafür halte ich nämlich den Sapphir der Alten; eine Meinung, die freylich schon andere geäussert haben, die ich aber gewisser zu machen hoffe, als sie bisher gewesen ist. Der Sapphir der Griechen und Lateiner hatte erstlich eine himmelblaue Farbe, die etwas ins Violette schielte oder in Purpur fiel, zuweilen auch sehr dunkel, fast schwärzlich blau war. Zweitens war dieser Stein undurchsichtig. Drittens hatte er viele Goldpunkte oder goldgelbe Flecke, wiewohl man ihn höher schätzte, wenn er derselben nicht viele hatte. Viertens ward er geschnitten, aber wenn er nicht ganz rein war, sondern fremde härtere Theile eingemischt hatte, so war er dazu nicht tauglich. Fünftens scheint man so große Stücke dieser Steinart gehabt zu haben, daß man ihn zu eingelegten oder musivischen Arbeiten brauchen konnte. Sechstens ward er oft mit Kupferblau, mit kupferhaltigen Erzen, Steinen und Erden verwechselt oder verglichen. Siebtens schrieb man ihm solche mediciinische Wirkungen zu, welche nur ein Kupferkalk haben kan. Achtens brach er zwischen andern Steinarten, wie Dionysius andeutet (5).

(5) Plin. XXXVII, 9. pag. 785. Reddetur & per se cyanos, accommodata gratia paulo ante nominato colore caeruleo. Inest ei aliquando & aureus pulvis, non qualis in sapphiris. In sapphiris enim aurum punctis collucet caeruleis. Sapphirorum, quae cum purpura, optima apud Medos; nusquam tamen perlucidae. Praeterea inutiles scalpturae, intervenientibus crystallinis centris. Quae sunt ex iis cyanei coloris, mares existimantur. Cap. 10. p. 786: coralloachates guttis aureis sapphiri modo sparsa. Isidorus orig. XVI, 9. p. 387: Saphirus caeruleus est cum purpura, habens pulveres aureos sparsos; apud Medos optimus, nusquam tamen perlucidus. Theophrast. de lapid. §. 43: ἡ σάπφειρος. αὕτη δ’ ἐστὶν ὥσπερ χρυσοπάστος. Dioscorides V, 157. p. 387: Sapphirus lapis ictis a scorpione potu prodesse existimatur. Bibitur & contra intestinas exulcerationes. Extuberantia in oculis eorumque vuas & pustulas reprimit; sed & ruptas eorumdem membranas cogit atque glutinat. Dionys. orbis terrae descript. V. 1105. Passim item sub rupibus subtus venae pariunt aureae caeruleaeque pulcrum lapidem sapphiri… Epiphanius de XII. gemmis §. 5: Sapphirus gemma purpurascit, ut species blattae, id est, purpurae nigrae. Multa sunt eius genera. Est enim regius, aureis punctis varius, χρυσοστιγής. Non est vero hic in tanta admiratione, quanta ille, qui prorsus purpurascit. Et hic dicitur esse cum in India, tum etiam in Aethiopia. Quocirca aiunt apud Indos templum extructum Baccho extare, quod gradus ex sapphiro trecentos sexaginta quinque habeat, quamvis multi fidem non adhibeant. Est vero gemma admirabilis, pulcerrima gratissima; propterea etiam in armillis & monilibus reponi conuevit, idque potissimum a regibus. Locum etiam inter remedia habet. Attrita enim & lacti permixta plagis quae fiunt ex pustulis albis & tuberculis medetur, si illis illinatur. Marbodeus de lapidibus 53. p. 46:

Saphiri species digitis aptissima regum,
Egregium fulgens paroque simillima caelo,
Vilior est nullo virtutibus atque decore.
Hic & syrtites lapis a plerisque vocatur,
Quod circa Syrtes Lybicis permixtus arenis,
Fluctibus expulsus fervente freto reperitur.
Ille sed optimus est quem tellus Medica gignit,
Qui tamen asseritur nunquam transmittere visum.

Daß ein Stein von diesen Eigenschaften nicht der Saphir unserer Juwelirer seyn kan, ist ausser allem Zweifel. Unser ächter Saphir macht nicht in andern Bergarten Adern aus, sondern er komt im Sande in einzelnen kleinen Crystallen vor, welche, so viel man weis, in der Bildung den Diamanten ähnlich sind, wiewohl sie zuweilen mehr säulenförmig seyn sollen, und vielleicht sind die wahren Saphire nichts anders als blaue Diamanten. Allemal sind sie, wie die übrigen Edelsteine, ganz durchsichtig; niemals haben sie Goldpunkte zwischen sich; ihr Blau fällt mehr oder weniger in das sammetartige Blau, ist oft sehr blaß und zieht nur selten ganz wenig auf Violet. Das Saphirpulver verhält sich wie fein zerriebenes Glas, zeigt keine Spuhr von Kupfer, ist weiß, und kan auf keine Weise eine blaue Mahlerfarbe abgeben oder mit Bergblau verwechselt werden.

Die Frage, ob denn die Alten unsern Saphir gekannt haben, ob er vielleicht zu ihren Amethysten oder Hyacinthen gehört, will ich hier nicht untersuchen; aber lieber möchte ich sie verneinen, als bejahen. Wenigstens wird der Beweis allemal zweifelhaft bleiben. Fält es doch so gar schwer zu bestimmen, ob jeder neuer Mineralog, der Saphir nennet, auch den ächten Stein dieses Namens gefant oder gemeint hat?

Hingegen kan man mit größter Zuverlässigkeit behaupten, daß der Sapphir der Alten unser Lazurstein seyn muß. Dieser hat eine blaue Farbe, die nicht selten, in Violet oder Purpur fällt, und oft sehr dunkel ist. Er ist ganz und gar undurchsichtig; aber deswegen leidet er doch die Vergleichung mit der Farbe des Himmels, wobey Plinius nicht an Durchsichtigkeit gedacht hat, indem er so gar einen undurchsichtigen Jaspis himmelblau nennet (6). Der Lazur hat hin und wieder goldgelbe Punkte, die man ehemals für Gold gehalten hat, die aber Kießtheilchen oder Markasite sind. Er kan leicht zu allerley Geräthen verarbeitet, auch geschnitten werden, wie er denn auch jetzt noch oft zu Siegeln geschnitten wird. Aber Plinius hat ganz richtig angemerkt, daß er alsdann dazu nicht tauge, wenn er mit fremden und harten Theilchen (mit Quarz, weswegen er alsdann am Stahle Funken giebt) vermischt ist, und eben deswegen ward der einfarbige höher geschätzt (7). Man findet auch noch in manchen Sammlungen geschnittene Lazursteine, die wenigstens für alt gehalten werden (*). Ich erinnere mich, verschiedene Arbeiten dieser Art in der vortreflichen herzoglichen Samlung zu Braunschweig gesehn zu haben, welche mit vieler Wahrscheinlichkeit für Aegyptische gehalten werden, und eine sorgfältige Beschreibung verdienen. Daß Lazuli ehemals zu eingelegten Arbeiten gebraucht worden, weis ich gewiß, ungeachtet ich jetzt keinen Zeugen anführen kan. Wiederlich er noch dazu in den Florentiner Arbeiten angewendet wird, ist bekannt. So sind zu Zarskoe-Selo, dem prächtigen Lustschlosse bey St. Petersburg, in die ganz mit Bernstein getäfelten Wände die größten und schönsten Tafeln von Lazuli, welche ich jemals gesehn habe, eingefugt worden; man sagte mir dort, man habe sie aus Tibet kommen…lassen. Der Zweifel, den Epiphanius wider die mit Lazuli belegten Staffeln äussert, bezieht sich wohl nur auf die gar zu große Kostbarkeit, und vielleicht hat er sich eingebildet, daß die Stuffen massiv aus dem Steine gehauen seyn sollten. Die Verwechselung oder Vergleichung des Saphirs mit Cyanus, wovon verschiedene Beyspiele vorkommen, beweiset, daß solcher dem Kupfererze sehr ähnlich gewesen seyn müsse. Denn daß cyanus ein von Kupferblau gefärbtes Erz oder Bergblau gewesen ist, habe ich schon anderswo erwiesen (9). Die blaue Farbe des Lazur hat man bis auf unsere Zeit von Kupfer hergeleitet, die aber, nach den neuesten Untersuchungen, ihren Ursprung von Eisen haben soll (10). Die mediciinischen Wirkungen, welche die Alten ihrem Saphir zuschreiben, können nur von einem Kupfergehalte entstehn, da sie den Armenischen Stein oder den unächten Lazuli statt des ächten genommen haben. So empfehlen sie Kupferofern wider entzündete Augen (11). Endlich trift auch das überein, was Dionysius meldet, daß der Saphir oder Lazuli in andern Steinarten vorkomme (12). Auch der Saphir, dessen in den ältesten hebräischen Schriften gedacht wird, scheint kein anderer als der Saphir der Griechen oder unser Lazuli zu seyn; denn ihm werden ebenfals Goldpunkte beygelegt (13).

(6) Iaspis aerizusa. II. p. 782, den ich gewiß nicht mit Salmasius für Türkis ausgeben möchte. Wir haben ja auch blauen Jaspis.

(7) Plin. inutiles scalpturae, intervenientibus crystallinis centris. Verschiedene Gelehrte haben dieß so verstanden, als ob Plinius behaupte, der Sapphir lasse sich gar nicht schneiden. Sie scheinen die Umstände, unter welchen er dieß behauptet, nicht beachtet, und sich nicht erinnert zu haben, was die alten Künstler in Steinen, auch Holzarten, die geschnizt werden sollten, centra nannten Plinius erklärt es XVI, 39. pag. 34: Inveniuntur in quibusdam, sicut in marmore, centra, id est, duritia clavo similis, inimica ferris. So rechnet er XXXVII, 2. S. 10 praedurum ac fragile centrum zu den Fehlern des Bergcrystalls, der sich doch, ohne diesen Fehler, sehr gut verarbeiten läßt. Auch Theophrast braucht in eben dieser Bedeutung das Wort κέντρον.

(*) S. Christs Verzeichniß zu Lippert Dactyloiotheca pag. 48, 62, 65, 97. II. p. 11, 20, 29. III. p. 13. 56.

(8) Aristotelis auscultat. mirabil. cap. LIX. pag. 123.

(9) Gleichwohl ist die Farbe der Eisenokern im Feuer sehr veränderlich; oder ist sie in gewisser Mischung beständiger? Wallerius ist immer der Meinung geblieben, die blaue Farbe rühre von Silber her. Systema miner. I, pag. 313.

(10) Dioscorides parabil. I. p. 10 et 11. empfiehlt ἰός und χαλκοῦ ἄνθος.

(11) Vor einigen Jahren hat mein ehemaliger College, H. Laxmann, in Sibirien am Baikal lazuli in Granitgängen entdeckt. Mit ihm bricht auf den Gängen auch Feldspat, und ein milchfarbiges, vielleicht zeolithartiges Gestein, imgleichen Schwefelkieß. S. Beobachtungen und Entdeckungen der Berliner naturf. Gesellsch. I. S. 402.

(12) Braun de vestitu sacerdotum. II. pag. 530. Aber vornehmlich gehört hieher, was Herr Geh. Just. R. Michális darüber in Supplementis ad lexica hebraica num. 1775. pag. 1798 bis 1800 gelehrt hat. Der Namen Saphir ist uralt.

Also gekant haben die Alten unsern Lazuli; aber die Frage, ob sie ihn bereits zu einer Malerfarbe zugerichtet oder daraus Ultramarin gemacht haben, weis ich nicht mit hinlänglichen Gründen zu beantworten. Mögich ist es, daß ihr caeruleum (13) zuweilen wahres Ultramarin gewesen ist; aber eigentlich und gemeiniglich war dieß doch nur Kupferoker. Auf den scheinbaren Einwurf, daß gleichwohl die Alten blaues Glas und blauen Schmelz gemacht haben, und daß sie dazu, in Ermangelung der Schmalte, kein anderes feuerfestes Pigment als lazuli haben nehmen können, will ich im nächsten Abschnitte antworten.

(13) Plin. XXXIII, 13. pag. 633. Man vergleiche Aristot. auscult. mirab. 123.

Ehr ich die ältesten mir bekanten Nachrichten von der aus unserm Lazursteine gemachten blauen Farbe, oder dem Ultramarin angebe, will ich vorher oder zugleich dasjenige anzeigen, was ich über den Ursprung und das Alter des Namens Lazuli weis. Um von jenem mehr zu sagen, als was bereits Salmasius (14) gesagt hat, bat ich Herrn Prof. Tychsen um seine Meinung, welche ich hier mit seiner Erlaubniß beyfüge (16). Darnach ist gewiß, erstlich daß das Wort Persischer Abkunft ist, auch ist dieser Stein, wie ich schon oben angemerkt habe, bisher über Persien zu uns gekommen; zweytens daß es die blaue Farbe bedeutet. Es ist auch in Europa anfänglich die algemeine Benennung für blaue Steine und blaue Mahlerfarbe gewesen, und langehin ist sie für das kupferhaltige Bergblau gebraucht worden. Erst die neuern systematischen Mineralogen scheinen das verdorbene Persische Wort dem jetzt eigentlich sogenanten Lazurstein zugeeignet zu haben, so daß jetzt einer wider die Mineralogie verstoßen würde, welcher diesen Namen dem armenischen Steine, dem Bergblau oder sonst einem blauen kupferhaltigen Mineral beylegen wolte.

(14) De homonymis hyles iatricae. Traj. ad Rhen. 1689. fol. pag. 217.

(15) Lazul oder Lazur ist nicht arabischen, sondern persischen Ursprungs. Im Persischen heißt لاژوَرْد oder لاجورد (Ladschuardi od. Lazuardi) blaue Farbe, und Lapis Lazuli. Es sollte eigentlich Lazuverd ausgesprochen werden, allein die Araber ziehen häufig das va in der Aussprache zusammen, so daß bloß ein u gehört wird, und man also auch Lazurd sagen kann. Das Derivatum لازوردي (Lazurdi od. Lazuverdi) heißt blau.

Die Aussprache Lazul mit l am Ende, ist die gewöhnliche Verwechslung des L und R. so wie der Araber für Zingiber sagt زَنْجَبِيل Zengebil. Das L initiale ist wohl nicht der Artickel, sondern scheint zum Worte selbst zu gehören, weil es nicht arabischen Ursprungs ist. Sonderbar ist freylich, daß der Spanier blau azul nennt, was offenbar aus jenem Wort entstanden ist; allein die Weglassung des L kommt wohl daher, daß man es für den Artikel hielt, und so das Wort verstümmelte, wie es die Araber bey fremden Namen nicht selten machen. Z. B. Escandria für al escandria (Alexandria).

Ohne mir mit der Einbildung zu schmeicheln, daß ich die erste Erwähnung des Namens Lazuli in den auf uns gekommenen Schriften gefunden hätte, gebe ich als die älteste, die ich weis, diejenige an, welche bey Leontius (16) vorkömt, wo er seine Himmelskugel mit einer Farbe anstreichen lehrt, die man, wie er sagt, damals λαζούριον nante. Wenn Fabricius Recht hat, so hat dieser Schriftsteller schon im sechsten Jahrhunderte gelebt (17). In den von Muratori (18) bekant gemachten Malervorschriften aus dem achten Jahrhunderte findet man eine unverständliche Anweisung Lazuri zu machen, wozu cyanus compositus (vielleicht zugerichtetes Bergblau) genommen werden soll; ferner eine andere, wozu Veilchen im Mörser zerrieben werden sollen. Also schon damals war in dem elenden Latein das Wort für eine blaue Mahlerfarbe gebräuchlich. Dasselbige Wort griechisch geformt hat auch der Astrolog Achmet, der im neunten Jahrhunderte gelebt zu haben scheint, für blau gebraucht (19), so wie im zehnten Jahrhunderte Nonus für eine blaue Erde (20). Noch weit wichtiger ist die Stelle des Arethas aus dem folgenden Jahrhunderte, der in seiner Erklärung der Offenbarung Johannis sagt, der Kap. 21, 19 genante Saphir sey eben derjenige Stein, aus dem, wie man sage, das λαζούριον gemacht werde (21). Das ist denn auch eine starke Bekräftigung, daß der Saphir der Alten würklich unser Lazuli seyn müsse, und dieß scheint denn auch die erste sichere Erwähnung des eigentlichen Ultramarins zu seyn. Aber noch oft komt in den folgenden Jahrhunderten das Wort für Kupferblau vor. Constantinus Africanus, der Arzt des eilften Jahrhunderts, schreibt dem lapis lazuli die mediciinischen Kräfte des Kupferlazurs zu (22); so wie auch Avicenna, Averroes und Myrepsus. Ersterer hat unter dem Buchstaben Lam ein Kapitel mit der Ueberschrift: Lazuard, welches der Uebersetzer De azulo, id est, de lapide armenio geben hat, und letzterer sagt ausdrücklich: lapis lazuli der Lateiner sey der λαζούριος der Griechen (23). Auch die Wörter azura, azurum, azurrum kommen in jenem Zeitalter oft für blau vor.

(16) Leontius de constructione Arateae sphaerae p. 144. coloretur atque incrustetur sphaera gypso aut cerussa, si lignea est, ut eius rimulae & lacunulae, si quae fuerint, compleantur complanenturque. Post siccato hoc colore alioque ei crassiore inducto, qualis est, quem Lazurium vocant; καὶ ἄλλῳ βαθεῖ τινὶ χρώματι ἐπαλείψαντες, οἷ τὸν καλουμένῳ λαζούριῳ… Leontius steht in der Sammlung, welche Joh. Commelin herausgegeben hat; Astronomica veterum scripta 1589. 8.°

(17) Biblioth. Graeca II. pag. 456.

(18) Antiquitat. Ital. medii aevi. II. p. 372. 378.

(19) Introduct. in astrolog. ὑγρός ἐστι, καὶ χροιάν τοῦ λαζουρίου ἔχει.

(20) Nonus de morb. curat. cap. 143: ἢ τὴν ἀρμενίαν βῶλον πίνειν, ἢ τὸν λαζούριον.

(21) cap. 67. pag. 827: ἐξ οὗ Σαπφείρου φασί καὶ τὸ Λαζούριον χρῶμα γίνεσθαι. Des Arethas Erklärung ist Oecumenii commentariis in novum testamentum. Lutetiae Paris. 1630, 1631. 2 vol. Fol.° beygedruckt.

 (22) De gradibus, quos vocant simplicium pag. 352: Lapis lazuli frigidus. Si in collyriis mittatur, oculis proficit. Palpebrarum pilos confortat, capillos confirmat & multiplicat.Lotus & propinatus, vomitum sine omni angustia provocat. Diese Worte dienen zu weiterer Erläuterung und Bestätigung dessen, was ich bey Aristotelis auscultat. mirab. cap. 59. gesagt habe, wo ebenfals stehet, daß Kupferoker das Wachsthum der Hare an den Augenbraunen befördere. Constantini opera sind zu Basel 1536, 1539. in 2 Foliobänden gedruckt worden.

(23) λάπις λάζουλι, τουτέσι λίθος λαζούριος. Matth. Silvaticus: Lapis lazuli Latinis, Arabibus Hager alzenar sive Alzanar. Ebenderselbe: Lauxud, Arab. Azurinum, lapis lazuli.

Den Namen Ultramarinum, oder wie man zuerst sprach: azurrum ultramarinum, habe ich noch nicht bey einem Schriftsteller des fünfzehnten Jahrhunderts gefunden. Aber am Ende desselben wird er doch schon gebräuchlich gewesen seyn, weil ihn Camillus Leonardus 1502 brauchte (°). Vermuthlich ist die Benennung in Italien aufgekommen. In der ersten Hälfte des sechszehnten Jahrhunderts lehrte Vannuccio Biringoccio, die Bereitung des ächten Ultramarins, welches er genau vom Kupferlazur dem azurro dell’ Alemagna, wie er es nennet, unterscheidet (24). Inzwischen muß damals die beste Zurichtung noch mißlich, wenig bekannt, und eben deswegen sehr einträglich gewesen seyn. Denn im Anfange des sechszehnten Jahrhunderts besaß der Vater des bekanten Giambatista Pigna, der eine Apotheke im Modenesischen hatte, das Geheimniß, das beste Ultramarin zu machen, welches ihm mehr als ein großes Landgut eintrug (25). Es ist demnach nicht ganz richtig, daß Alexius Pedemontanus, wie Spielmann meldet (26), der erste gewesen sey, der des Ultramarins gedacht habe. Gleichwohl glaube auch ich, daß dieser Alexius oder der unter diesem Namen versteckte Hieronymus Ruscellai, welcher ebenfals im Anfange des sechszehnten Jahrhunderts schrieb, zuerst die Zubereitung vollständig öffentlich bekant gemacht hat. Wenigstens ist seine Vorschrift immerfort bis auf unsere Zeit als die zuverlässigste wiederholet worden (27). Aber worauf gründet sich die Nachricht, welche man bey Engländern und Franzosen (28) lieset, daß die Bereitung des Ultramarins in England erfunden sey, und daß ein Bedienter der Ostindischen Gesellschaft solche, um sich wegen einer Beleidigung zu rächen, öffentlich verrathen habe?

(°) Speculum lapidum. Hamburgi 1717. 8. pag. 125: Zumemellazuli sive Zenech, latine vero lapis lazuli. Ex eo fit color vocatus azurrum ultramarinum.

(24) Pirotechnia pag. 38: Et primo vi dico l’azurro esserne di due sorti, l’uno chiamato dalli pittori azurro oltramarino, & l’altro azurro dell’ Alemagna. L’oltramarino é quello che si fa della pietra chiamata Lapis lazuli, laquale é la propria madre della minera del l’oro, questa si macina & lavasi, & si dispone a certa sottigliezza de impalpabilità, & dipoi con ordine di certi pastelli fatti di gomma si fa ritornare al suo vivo & bel colore, & si affinisce, & asciuga da ogni humidità, & questo di tutti è il piu stimato, il quale è secondo il suo colore, & sottigliezza é da pittori pagato buon prezzo. Perche non solo mostra in opera molta vaghezza, ma resiste al fuoco & acque, tormenti che gli altri colori sopportar non possono. Das teutsche Azurro des Biringoccio (von welchem im ersten Theile S. 133 Nachricht gegeben ist) ist nicht die Schmalte; denn diese hat er vorher unter dem Namen Zaffera beschrieben.

Fallopius, der 1557 sein Buch de metallis seu fossilibus schrieb, sagt cap. 33. p. 338: caeruleus etiam vocatur lapis Lazuli & Lazurium ab Avicenna, & vulgo nominatur a pictoribus, azurium ultramarinum, & dicitur azurium, vel azurro a lapide lazuli; dicitur porro vltramarinum, quia defertur ex locis vltra mare, ut ex Cypro. Et pretiosi genus coloris, & caro admodum venditur, nam una uncia venditur centum scutatis aureis, venditur autem ita caro pretio, tum quia est venustissimus & pulcerrimus color, igni & fumo resistens; ita ut pictura ex hoc colore non inficiatur a fumo, immo reddatur magis colorata & pulcra; tum propter praeparationem difficillimam & longam, quae requiritur in praeparando tali colore.

(25) Als der junge Pigna zu fleißig studirte, ermahnte ihn Bartholom. Ricci in einem noch vorhandenen Briefe, mäßiger zu seyn, zumal da ihn nicht die Noth dazu zwünge. Solus es, sagt er, in re bene ampla. Praedia enim tibi non desunt, villae atque aedes in urbe; suppellex nobiIiffima; pater praeterea est, qui tibi pro centum praediis esse potest, qui vel uno caeruleo colore, quod nostri vltramarinum appellant, conficiendo (ut in pharmacis componendis eius scientiam atque uberrimum fructum omittam) solus est, qui perfectam scientiam habet, ingentes copias comparare potest, atque adeo quotidie non parvas comparat. Riccii opera vol. II. p. 366. und des Tiraboschi Bibliotheca modenense. In Modena 1783. 4 vol. IV, pag. 134.

(26) Institut. chemiae pag. 45.

(27) Des Alexii Pedem. de secretis libri sind in der Geschichte technologischer Erfindungen keine verächtliche Quelle, und deswegen wird es manchen angenehm seyn, hier dasjenige zu lesen, was mir von dem Verfasser bis jetzt bekant geworden ist. Conrad Gesner scheint ihn nicht gekant zu haben, wie man aus dem von ihm 1564 geschriebenen Briefe ersieht. S. Epistolae medicinal. pag. 50. b. auch hat er ihn nicht in seiner Bibliothek genant. So gar in Syllabus scriptorum Pedemontiiopere & studio Andreae Rossotti a Monteregali. Monteregali 1667. 4 pag. 21. steht, man wisse nicht, wann und wo dieser Pseudonymus gelebt habe. Aber Ciaconius in Bibliotheca libros & scriptores fere cunctos complectens. Parisiis 1731. Fol.° pag. 94. sagt, der wahre Namen sey Hieronymus Ruscellius. Eben dieses meldet auch Haller in Biblioth. botan. I. pag. 325. und in Biblioth. practica II. pag. 119, nur daß er ihn H. Rossellus nennet. Noch bestimter versichert es Gobet in Les anciens mineralogistes de France. Paris 1779, 8° II. pag. 705, welcher sogar meldet, dieser Jerome Ruscelli sey 1565 gestorben, und das Buch sey aus seinen Papieren von Franc. Sansovino, der viele fremde Schriften herausgegeben hat, ausgearbeitet und zum ersteumal zu Maylaud 1557 gedruckt worden. Noch habe ich von diesem Ruscelli keine ausführliche Nachricht gefunden, und immer ist es mühsam, jemanden aus dieser adlichen Familie, von welcher schon im ersten Theile S. 340. gehandelt ist, aufzufinden. Er scheint mir keiner von denen zu seyn, welche in Jöchers gelehrten Lexic. angeführt sind. Ich habe zwar noch keine ältere Ausgabe, als von 1557 genant gefunden; aber ich vermuthe sehr gewiß, daß die allererste älter seyn muß. Denn so groß auch der Beyfall gewesen, womit das Buch gleich aufgenommen worden, so ist mirs doch unwahrscheinlich, daß gleich im ersten Jahre drey Ausgaben in Italien gemacht seyn sollten. Denn ausser der Mayländischen, soll von demselbigen Jahre auch eine Venedigische in Quart, und eine noch andere in Octav vorhanden seyn. Auch soll schon eine französische Ausgabe 1557 zu Antwerpen gedruckt seyn. Sollte denn schon 1558 in London eine englische Uebersetzung gedruckt seyn, wenn die Urschrift erst 1557 erschienen wäre? So schnell verstand man wohl damals noch nicht Uebersetzungen zu liefern. In Ames Typographical antiquities pag. 296 ist The secrets of Alexis. Lond. 1558. 4. genant. Ich besitze eine französische Uebersetzung par Christofle Landré. Paris 1575. 12, die ich selten angeführt finde; sie hat einen starken Anhang, der aus allerley Schriften zusammen getragen ist.

Uebrigens ist bekant, daß Job. Jakob Wecker, Arzt in Colmar, das Buch des Alexius lateinisch übersetzt und mit Zusätzen vermehrt hat, unter dem Titel: De secretis libri XVII. Die älteste Ausgabe soll zu Basel 1559. 8. gedruckt seyn, wie Haller sagt. Fast jede folgende weicht von den vorhergehenden ab; immer ist viel ausgelassen worden, und die neuen Zusätze sind dagegen meistens einfältig. Ich habe die Ausgabe: Basel 1592. 8; darin ist viel, was nicht in der Ausgabe von 1662 steht, und etwas fehlt darin, was doch in der Ausgabe von 1582 besindlich ist. Die neuesten Ausgaben sind nach derjenigen gemacht, welche Theod. Zwinger verbessert und vermehrt hat, Basel 1701. 8. Man sehe J. J. Scheuchzeri nova litteraria Helvetica. Tiguri 1703. 8. pag. 119, wo alle Zusätze des Zwingers einzeln erzählt sind. Die Ausgabe ist zum letztenmal zu Basel 1753 aufgelegt worden, welches Haller in Bibl. botan. II. p. 31 anzumerken vergessen hat. Das Kunstbuch des Alexii von Wecker (ohne Ort) 1570. 8, welches ich selbst besitze, ist nur ein Auszug. So viel falsches auch diese sogenanten Kunstbücher enthalten, so verdienen sie doch das Lob, daß sie zu den ersten gedruckten technologischen Büchern gehören; daß sie so wohl Gelehrte auf Handwerke und Künste, als Künstler auf Bücher und schriftlichen Unterricht aufmerksam gemacht haben. Daß übriges Nachrichten dieser Art jetzt micrologisch scheinen und nicht nach dem neuesten Geschmacke sind, das weis ich ganz wohl; aber den, der die Geschichte der Erfindungen bearbeiten will, darf nicht dafür eckeln. Ich will sie auch nur sparsam anbiethen.

(28) Z. B. in Savary dictionnaire de commerce, Art. Outremer; und daraus auch in Dictionary of trade by Rolt. Lond. 1756. Fol.


pp. 202–224

3.
Kobolt, Saflor, Schmalte.

Kobolte heißen jetzt solche Mineralien, welche dasjenige Halbmetall enthalten, dessen Kalk zu einem blauen Glase schmilzt, und dem gemeinen Glase eben diese Farbe mittheilet. Weil man von dem Metalle selbst noch keinen sonderlichen Gebrauch zu machen weis, so nutzet man nur den Kalk, indem man die Kobolte, vornehmlich durch Rösten, von den dabey befindlichen fremden Mineralien, besonders dem Wismuth und Arsenik, scheidet, und ihn alsdann wohl calcinirt entweder mit feinem Sande gemischt und ungemischt, unter dem Namen des Saflors (Zaffera) verkauft, oder ihn mit Kieselerde und Potasche zu einem blauen Glase schmelzt, welches Schmalte genant wird. Dieses wird sehr fein gemahlen, und unter den Namen der blauen Farbe, des Eschels oder auch der blauen Stärke verhandelt. Alle diese Waaren der sogenannten Blaufarbewerke dienen, weil sie die dauerhaftesten und feuerbeständigsten Pigmente sind, auch weil sie alle Abfälle der blauen Farbe darstellen können, vornehmlich zur Färbung der Crystall- und Schmelzgläser, um durchsichtige und undurchsichtige Edelsteine nachzumachen, ferner zur Bemahlung und zur Glasur des ächten Porzellans, der Fajance und der noch gemeinern Töpferwaaren. So gar der Mahler kan dieses Pigments nicht ganz entbehren, wenn er das Lazur mancher Schmetterlinge und anderer natürlicher Gegenstände erreichen will; und die wohlfeilere Art wird gebraucht, um die Weisse der Wäsche, die gar zu leicht ins unangenehme Gelbe fällt, aufs bläuliche zu ziehen, wie wohl nicht ohne Nachtheil der Gesundheit und der Wäsche.

Die Erfindung dieser neuen Farbe gehört zu den vortheilhaftesten Erfindungen der neuern Zeit. Sie hat ein vorher unnützes und so gar schädliches Produckt veredelt; sie hat eine Menge Menschen in Arbeit und Verdienst gesetzt; sie hat verschiedene Künste zu einer Vollkommenheit verholfen, welche vorher nicht zu erreichen war; sie hat viel Geld, welches wir für ausländische Waaren weggegeben hatten, wieder nach Teutschland zurück gebracht. So eine Erfindung, die noch dazu den Teutschen gehört, und die lange Zeit von ihnen allein genutzt worden, verdient vor vielen andern eine Geschichte; aber leider! läßt sie sich noch nicht vollständig und zuverlässig liefern. Möchte doch mein Versuch Berichtigungen und Ergänzungen veranlassen!

So wenig man daran zweifeln darf, daß die jetzt übliche Bearbeitung der Kobolte und Bereitung der Schmalte am Ende des fünfzehnten oder Anfange des sechszehnten Jahrhunderts erfunden worden, so hat man doch Ursache nachzufragen, ob die Alten den Kobolt gar nicht gekant, und ihn zu Färbung des Glases gar nicht angewendet haben? Sie haben in vielen Gegenden Bergwerke gebauet, und da wäre es doch möglich, daß ihnen Kobolte vorgekommen wären; sie haben allerley glückliche Versuche gemacht, das Glas zu färben (1); sie haben sogar blaues Glas und blaue Glasur gemacht. Es könte seyn, daß sie eben so durch einen Zufall dieses Glas, als Messing zu machen gelernt, und dieses wie jenes so lange gemacht hätten, als der gefundene Vorrath der färbenden Erden reichen wollen. Nach dem Verbrauch könte sich die Kunst wieder verliehren können; so wie sich die Zubereitung des Corinthischen Erzes (2) eine Zeitlang verlohren hat. Auch setzt der Gebrauch des Kobolts nicht die Kentniß seines Metalles voraus; denn wir haben ganze Jahrhunderte Messing und Schmalte gemacht, ehr wir Zink und Koboltkönig kennen gelernt haben.

(1) Man sehe was im ersten Theile S. 375. gesagt ist.

(2) S. die Anmerkung zu Aristot. auscultat. mirab. p. 98.

Aber leicht ist es nicht, diese Aufgabe zu beantworten, denn das darf man kaum hoffen, daß man unter den von den Alten genanten Mineralien den Kobolt mit einiger Wahrscheinlichkeit heraus finden werde. Sie verstanden die Mineralien nicht anders, als nach dem äussern Ansehn, nach dem Vaterlande, und nach dem Gebrauch, den sie davon zu machen wusten, anzugeben. Nun aber ist keine Gattung, welche in Gestalt und Farbe mannigfaltiger und veränderlicher ist, als Kobolt, der eben deswegen die Möglichkeit, Mineralien nach äußerlichen Kennzeichen hinlänglich zu erkennen, am besten widerlegt. Man hat auch kaum ein Paar Stellen der Alten dahin zu deuten versucht, und diese beweisen, wenn sie genau beurtheilet werden, gar nichts.

Die Benennung cadmia ist zwar in seiner Bedeutung eben so unsicher und mannigfaltig gewesen, als das Wort Kobolt vor einem Paar Jahrhunderten war. Es bedeutete oft Galmey, oft einen Ofenbruch, und vielleicht auch in spätern Zeiten Arsenik, aber, so viel ich weis, nicht ehr Kobolt, als bis man für diesen in neuern Zeiten einen lateinischen Namen zu haben verlangte (3), und damals denjenigen nahm, der nicht schon andern Mineralien verliehen war. Die bekante Stelle des Plinius (4), worin Lehmann den Kobolt gewiß zu erkennen meinte, ist ein so sonderbares Gemeng, daß sich kaum etwas mit Zuverlässigkeit herausbringen läßt. Es ist wahr, es scheint dort, wo er von mineralischen Pigmenten handelt, die Rede von einem blauen Sande zu seyn, der verschiedene Abfälle der blauen Farbe gab, nach dem er gröber oder feiner gerieben ward. Das blasseste Pulver hieß Lomentum, und dieß nimt Lehmann für Eschel an. Aber ich bin gänzlich der Meinung, daß cyanus des Theophrast, caeruleum des Plinius und chrysocolla (5), die oben oft genannten blauen Kupfererden sind, die man gemahlen und gemischt haben mag. Ferner vermengt Plinius offenbar damit eine künstliche Mahlerfarbe, die, nach meiner Meinung, wie unsere Lacke, gemacht worden. Denn er redet von einer Erde, welche mit Pflanzen gekocht die blaue Farbe erhielt, und eben deswegen einigermaßen brennen konnte. Also wie unser Schüttgelb. Mit diesen Pigmenten wurden Wände bemahlt, manche litten aber keinen Kalk, und durften deswegen nur da gebraucht werden, wo nur mit Thon (creta) getüncht war. Den Ausdruck: usus ad fenestras misbraucht Lehmann als einen starken Beweis seiner Meinung, weil er ihn so auslegt, als habe Plinius gesagt, die eine blaue Farbe diene zu Färbung der Fensterscheiben. Aber gläserne Fenster waren damals noch unbekannt. Ich vermuthe, Plinius hat nur sagen wollen, die eine Art Farbe dürfe man nicht an Oeffnungen bringen, wodurch Licht hereinfiele, weil sie nämlich daselbst bald verschießen würde. Das wird vornehmlich der Fall bey den mit vegetabilischen Farbetheilchen bereiteten Lacken gewesen seyn.

(3) Ich vermuthe, daß Agricola zuerst diesen lateinischen Namen für Kobolt gebraucht hat.

(4) Lib. 33, 13. pag. 633: Caeruleum arena est. Hujus genera tria fuere antiquitus: Aegyptium, quod maxime probatur. Scythicum, hoc diluitur facile; cumque teritur, in IV colores mutatur, candidiorem nigrioremve. Praefertur huic etiamnum Cyprium. Accessit his Puteolanum & Hispaniense, arena ibi confici coepta. Tingitur autem omne, & in sua coquitur herba, bibitque succum. Reliqua confectura eadem, quae chrysocollae. Ex caeruleo fit quod vocatur lomentum; perficitur id lavando terendove; hoc est caeruleo candidius. — Usus in creta, calcis impatiens. Nuper accessit & Vestorianum ab auctore appellatum. Fit ex Aegyptii levissima parte. Idem & Puteolani usus, praeterque ad fenestras; vocant coelon. Non pridem apportari & Indicum est coeptum.Caerulei sinceri experimentum in carbone, ut flagret. Zum Theil ist dieses aus Theophrast de lapid. §. 97. genommen; ich will aber nur die Uebersetzung anführen. Caeruleum (κύανος) unum est nativum, alterum artificiosum, ut in Aegypto. Genera enim caerulei tria, Aegyptium, Scythicum & Cyprium. Optimum autem Aegyptium ad meraciores inductiones, Scythicum autem ad dilutiores. Factitium autem Aegyptium. Et qui scribunt de regibus, hoc etiam scribunt, quis regum primus artificiale caeruleum fecerit, nativum imitatus. — Aiunt qui pigmenta terunt, cyanum ex se facere quatuor colores; primum ex tenuissimis partibus candidissimum, secundum vero ex crassissimis nigerrimum. Haec autem arte fiunt; quem admodum et cerussa.

(5) Aristot. auscult. mirab. pag. 123.

Also ich für meinen Theil finde in dieser Stelle keine Erwähnung der Schmalte, so wenig als Hr. Hofr. Gmelin. Ich glaube auch wie er, daß die starken und angenehmen Farbenmischungen, welche bey dem Kobolte vorkommen, eine kentlichere Erwähnung derselben in den Schriften der Alten würden veranlasset haben. Würde nicht auch der Arsenik, der so oft dem Kobolte beygemischt ist, viel Gerede von den gefährlichen Eigenschaften dieser Mineralien verursacht haben? Würden nicht Arsenik und Wismuth früher bekant geworden seyn, wenn schon so früh Kobolte bearbeitet wären? Sehr wichtig ist auch der Umstand, daß man in den Gegenden, wo die Alten ihre Bergwerke hatten, und wo die mit dem koboltähnlichen Blau bemahlten oder gefärbten Alterthümer gefunden sind, entweder jetzt noch keinen Kobolt, oder erst in ganz neuen Zeiten entdeckt hat. Man weis noch nichts von Aegyptischen, Arabischen, Aethiopischen, Italienischen und Cyprischen Kobolten, und in Spanien (*) ist dieses Mineral erst unter Philipp IV. zuerst bemerkt worden. Hieher erinnere ich noch einmahl daran, daß Cypern ehemals so reich an Kupfer gewesen ist, daß diese Insel, auch in mineralogischem Verstande, die Insel der Venus heissen konnte, um desto weniger darf man daran zweifeln, daß das caeruleum cyprium nicht sollte Kupferblau gewesen seyn.

Aber die wichtigste Ursache, warum Lehmann, Pau, Ferber, Deloval und andere (6) den Alten den Gebrauch der Schmalte, folglich auch die Kentniß des Kobolts zuschreiben, ist diese, daß man, wie gesagt, verschiedene Alterthümer, sowohl Schmelzwerk als Malerey, antrift, worin ein Blau vorkomt, welches Kobolt zu verrathen scheint. H. Ferber führt blaue Glastiste in musivischen Arbeiten an (7). Delaval redet von alten Aegyptischen Glaswerken dieser Farbe (*). Auch ist bekant genug, daß die Chineser und Japaner ihrem Porzellan die schöne blaue Farbe lange vorher gegeben haben, ehr die Schmalte in Europa entdeckt worden. Auf den Mumien ist ebenfals ein Blau, welches nach so vielen Jahrhunderten wenig oder nichts von seiner Lebhaftigkeit verlohren zu haben scheint. Da sollte man also wohl annehmen müssen, daß die Alten entweder Ultramarin oder Kobolt gebraucht hätten.

(*) Bowles Introduccion à la historia natural y à la geographia fisica de Espana. Madrit 1775. p. 399.

(6) Recherches philosophiques sur les Egyptiens et les Chinois. Berlin 1773. I. p. 345. An experimental inquiry into the cause of the changes of colours in opake and coloured bodies by E. H. Delaval. London 1777. 4° pag. LVI.

(7) Briefe aus Wälschland. Prag 1773. 8. S. 114, 136, 223.

(*) Blau emaillirte Bildergen egyptischer Gottheiten findet man auch in Marb. antiq. dans la gallerie de Dresde tab. 199.

Die erste Meinung scheint in Absicht des Porzellans durch Duhalde (8) bestätigt zu werden, als welcher von einer mine d’azur redet, und dabey meldet, daß die Chineser sich statt derselben in neuern Zeiten zur Bemahlung ihres Porzellans einer ausländischen Farbe bedienen. Vermuthlich meint er zuerst den Lazuli, und zuletzt die Schmalte, die in grosser Menge von Europäern nach China gebracht wird. Aber mir scheint die Erfindung des Ultramarins zu neu, ihre Anwendung zur Porzellanmalerey zu mißlich, und ihr Preis zu so einem starken Gebrauche zu hoch zu seyn. Also sähe man sich fast gezwungen, der andern Meinung beyzupflichten, wenn nicht Hr. Hofr. Gmelin durch chemische Untersuchung (9) bewiesen hätte, daß es nicht allein möglich sey, dem Glase, und der Glasur durch Eisen eine blaue Farbe zu geben, sondern daß auch die oben angeführten Alterthümer, auf die man sich beruft, nur Eisen, nicht aber eine Spuhr von Kobolt zeigen. Er hat selbst Versuche angestellet, mit blauen Stiften aus einem Römischen zu Mümpelgard gefundenen Fußboden von musivischer Arbeit, imgleichen mit der blauen Farbe, die sich auf derjenigen Mumie befindet, welche unsere Universität als ein Geschenk des Dänischen Monarchen besitzt (10). Auch hat er viele Arbeiten, wobey durch Verglasung des Eisens eine blaue Farbe zu entstehen pflegt, angeführt. Dahin gehören vornehmlich die Rohschlacken von der Königshütte am Harze, und ich selbst habe Schlacken von verschiedenen Hütten, die sehr angenehm Blau sind. Vulkanische Schlacken von eben dieser Farbe aus dem Veronesischen, Vicentinischen und andern Gegenden Italiens führt H. Ferber an (11); wodurch denn auch die Vermuthung des H. Leibmed. Brückmann (12) Wahrscheinlichkeit erhält, daß die Alten vielleicht auch solche vulkanische Schlacken zu ihren Arbeiten gebraucht haben. Es ist vermuthlich, daß die Alten durch die blauen Schlacken ihrer Eisenhütten zuerst auf die Färbung des Glases mit Eisen geleitet worden, und daß sie in dieser Kunst eine Fertigkeit erhalten haben; die jetzt fehlt, weil sie unsere Vorfahren, nach Erfindung des viel bequemern und sichern Gebrauchs der schönern Schmalte, aufgegeben haben. Bey allen dem kan ich doch nicht leugnen, daß ich diesen Verlust beklagt habe, so oft ich das herrliche Blau in den bemahlten Fenstern zu Gouda, Goslar und andern Orten betrachtet habe, wiewohl die Schönheit durch die Durchsichtigkeit des Glases und durch das starke von aussen hindurchfallende Licht sehr erhöhet wird.

(8) Description de l’empire de la Chine & de la Tartarie chinoise, à la Haye 1736. II pag. 223, 230, 232. Ich habe aber oft gehört und selbst bemerkt, daß das Blau auf dem neuen Chinesischen Porzellan nicht so schön als auf dem ältern ist.

(9) De caeruleo vitro in antiquis monumentis. In Commentationibus societatis Gottingensis. 1779. vol. II. p. 41.

(10) In Commentationibus societatis Gottingensis, 1781. vol. IV. p. 20.

(11) Seite 30.

(12) Beyträge zu der Abhandlung von Edelsteinen, Braunschweig 1778. 8° S. 55.

Ich komme nun auf die Erfindung der Koboltfarbe. Am Ende des fünfzehnten Jahrhunderts scheinen die Kobolte in den nicht lange vorher aufgenommenen Bergwerken an der Sächsischen und Böhmischen Gränze häufiger als vorher gebrochen zu haben. Weil man anfänglich nichts daraus zu machen wuste, so wurden sie als taube und unnütze Mineralien über die Halden geworfen. Die Bergleuthe sahen sie ungern, weil sie ihnen nicht nur vergebene Mühe machten, sondern weil sie auch oft wegen des arsenikalischen Gehalts der Gesundheit schädlich würden. Eben damals scheint auch die mineralogische Bedeutung des Worts Kobolt erst aufgekommen zu seyn; wenigstens habe ich sie noch nicht vor dem Anfange des sechszehnten Jahrhunderts gefunden. Mathesius und Agricola scheinen sie in Schriften zuerst gebraucht zu haben. Frisch leitet das Wort von dem Böhmischen Kow, welches Metall bedeutet, her; aber viel wahrscheinlicher bleibt doch immer die Vermuthung, daß es aus cobalus gemacht sey, welches der Name eines Berggeistes war, der, nach dem damaligen Aberglauben, den Grubenarbeitern äffete und oft vergebene Mühe machte; und dieses Wort scheint aus dem Griechischen κόβαλος entstanden zu seyn. Vielleicht haben die Bergleuthe diesen Namen dem Mineral aus Spott gegeben, weil es sich gegen sie fast eben so wie der erdichtete cobalus verhielt; es machte ihnen oft vergebliche Hofnung und Arbeit (13). Man soll sogar ehemals in den Kirchengebethern und Liedern Gott gebethen haben, er wolle die Bergwerke und Bergleuthe vor Kobolten und Blenden bewahren.

(13) Mathesius in der zehnten Predigt S. 501, wo er von der cadmia fossili redet: Ihr Bergleute heißt es Kobolt; die Deutschen nennen den schwarzen Teuffel, und die alten Teuffels Huren und Cadartin, alte und schwarze Kobel, die Vieh und Leute mit ihrer Zauberey Schaden thun. — Es habe aber nun der Teuffel und seine Hauraunen oder Drutten, dem Kobalt, oder der Kobalt den Zäuberin den Nahmen geben, so ist Kobalt ein giftig und schädlich Metall. Agricola de animantibus subterran. am Ende: Daemones, quos Germanorum alii, aut etiam Graeci, vocant Cobalos, quod hominum sunt imitatores. Eine hebräische Ableitung von κόβαλος giebt Bochart Canaan I, 18. p. 484. Es scheint mit den Wörtern covalus und gobelinus einerley zu seyn; letzteres hat Ordericus Vitalis im eilften Jahrhunderte für den Namen eines Geistes oder Gespenstes gebraucht. Siehe Menage in Diction I. p. 681.

Von der Erfindung aus diesen Kobolten ein brauchbares blaues Glas zu machen, ist noch keine bessere Nachricht vorhanden, als diejenige, welche Klotzsch (14) aus den Papieren des Christian Lehmanns bekannt gemacht hat. Dieser Mann, der Verfasser des historischen Schauplatzes des Meisnischen Obererzgebürges, war Prediger zu Scheibenberg, suchte mit größtem Fleiß Nachrichten zur Geschichte seiner Gegend auf, und starb in hohem Alter 1688. Nach seinem Berichte sollen die Färbemühlen, damals als er schrieb, ungefähr hundert Jahre alt gewesen seyn, und da er wohl erst nach Endigung des dreyßigjährigen Krieges geschrieben hat, so scheint darnach die Erfindung in das Jahr 1540 oder 1560 zu fallen. Er erzählt die Sache so. Christoph Schürer, ein Glasmacher von der Platten (welcher Ort jetzt zu Böhmen gehört) zieht nach Neudeck auf die Eulenhütte, und macht daselbst Glas. Als er einmal zu Schneeberg ist, nimt er von den daselbst vorgefundenen schön gefärbten Kobolten einige Stücke mit sich, versucht sie in seinem Glasofen, und da er sieht, daß sie schmelzen, mischt er Kobolte mit der Glasmasse und erhält dadurch ein schönes blaues Glas. Anfänglich verfertigte er solches zum Gebrauche der Töpfer; mit der Zeit kömt es als Waare nach Nürnberg und von dort nach Holland. Daselbst, wo um diese Zeit schon die Glasmalerey stark getrieben ward (15), verstand man die Erfindung schon besser zu schätzen. Es kamen darauf Holländer nach Neudeck, um die Zubereitung dieses neuen Pigments auszuforschen. Diese beredeten mit großen Versprechungen den Erfinder nach Magdeburg zu ziehen, wo er auch das Glas aus Schneebergischem Kobolte gemacht hat; aber er zog wieder zurück, und bauete darnach, um das Glas zu malen, eine Mühle, mit einem Schwungrade (also eine Handmühle), legte aber hernach dazu eine Wassermühle an. Damals galt der Zentner Farbe 7½ Thal. und in Holland 50 bis 60 Gulden. In Holland sind damals schon acht solcher Färbemühlen gewesen, welche die gerösteten Kobolte aus Schneeberg in Tonnen erhielten. Die Holländer müssen aber die Zurichtung, vornehmlich das Mahlen, viel besser, als die Sachsen gemacht haben. Denn Churfürst Johann Georg ließ zwey Farbenmacher aus Holland kommen, und gab zur Beförderung dieses Gewerbes tausend Gulden her. Dazu ward er vornehmlich durch die Bemerkung der Schneeberger vermocht, daß dasjenige, was bey dem Rösten der Kobolte abtreift, und was man Speise nennet, noch färbenreicher als der geröstete Kobolt selbst sey. Bald darauf sind mehr Färbemühlen um Schneeberg erbauet worden. Hans Burghard, Kämmerer und Kaufmann in Schneeberg, legte eine in der Schlem an, wodurch die eilf Mühlen auf der Platten sehr litten. Paul Nordhoff, ein Friesländer und kluger Kopf, der auf der Zwittermühle wohnte, machte allerley Versuche zur Verbesserung der Farbe, bekam aber desfals viele Neider, die ihn endlich von dort, wo er zehn Jahre Farbe gemacht hatte, vertrieben. Er zog nach Annaberg, legte daselbst im J. 1649, auf Vorschub eines Leipziger Kaufmanns, ein Farbenwerk an, wobey er Factor ward, und brachte dadurch die Annaberger Kobolte zur Benutzung. Der Absatz muß aber mit der Zeit abgenommen haben, denn im J. 1659, als schon mehrere Bergstädte solche Mühlen hatten, soll er 8000 Zentner Vorrath gehabt haben. So weit Lehmann.

(14) Sammlung zur Sächsischen Geschichte IV, S. 363.

(15) Guicciardini descriptio Belgii. I. pag. 4. sagt: Vitro, quo pacto colores imprimantur & incoquantur, Belgarum inventum est. Albinus in Meisnischer Bergchronik, die er 1589 heraus gab, nennet S. 159. Antorfer Schmelzglas.

Dieser Bericht erhält dadurch einige Bestätigung, daß Melzer (16) meldet, die Schneebergischen Bergwerke, welche erst in der Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts entdeckt worden, hätten gegen die Mitte des sechszehnten Jahrhunderts dergestalt abgenommen, daß keine Ausbeute möglich gewesen wäre, bis nach dem Jahre 1550 wieder ein grösserer Vortheil durch die neue Benutzung der Kobolte gewonnen worden. Um diese Zeit war auch schon mit Holländern ein Contract geschlossen worden, wornach ihnen die gerösteten Kobolte überlassen wurden. Lehmann (17) sagt, aber ohne einen Zeugen anzuführen, daß schon 1571 Sabastian Preußler zwischen Platte und Eybenstock eine Hütte zu blauem Glase angelegt hätte. Rößler (18), welcher 1673 im 76sten Jahre seines Alters starb, giebt zu verstehen, daß schon anderthalb Jahrhunderte vor seiner Zeit Kobolte gewonnen und als Saflor verhandelt worden, daß aber die inländischen Färbemühlen damals kaum vor 60 Jahren errichtet worden. Ich vermuthe demnach, daß man bereits im Anfange des sechszehnten Jahrhunderts (*) die gerösteten Kobolte (die man, um sie unkentlicher zu machen, und um die weitere Verarbeitung zu erschweren, mit Sand gemischt haben soll) den Holländern überlassen hat, und daß diese durch neue Umschmelzung oder wenigstens durch feinere Zermalmung lange vorher die größten Vortheile gezogen haben, ehr man in Sachsen selbst, nach holländischer Weise, Mühlen angelegt hat. Noch jetzt sollen einige Holländer mit Vortheile teutsche Kobolte mahlen (*).

(16) Christian Melzer bergkläuftige Beschreibung der Stadt Schneebergk. Schneebergk 1684. 4° S. 405. Eben dieses ist auch in seiner Historia Schneebergensi, das ist, erneuerte Stadt- und Berg-Chronika der Stadt Schneeberg. Schneeberg 1716. 4° Aus diesen Büchern kan man auch die Verfügungen kennen lernen, welche die Sächsischen Churfürsten von Zeit zu Zeit zu Unterstützung dieses höchst einträglichen Gewerbes und Handels gemacht haben. Die neueste Nachricht davon findet man in von Hofmann Abhandlung über die Eisenhütten. Hof. 1785. 4°.

 (17) Cadmiologia I. S. 14.

(18) Speculum metallurgiae politissimum. Dresden 1700 Fol.° S. 165.

(*) Ich sage im Anfange des 16ten Jahrhunderts. Dazu berechtigt mich folgende Nachricht in Melzers Bergkläuftige Beschreibung Schneebergs S. 469, die von andern nicht beachtet zu seyn scheint.

„Peter Weidenhammer, ein Frank, ist arm anhero kommen, hat sich aber mit der Farbe, so er aus denen Wismuth Graupen gemacht, und in vielen Centnern, jeden für 25 Thal. nach Venedig verhandelt, also aufgekobert, daß er zu grossen Mitteln kommen, und ein schönes Haus am Markte aufgebauet. Sein Nahme steht in der grossen Kirche hinter der Canzel im untern Fenster mit der Jahrzahl 1520.“ In Venedig wurden schon damals viele Schmelzgläser gemacht, und dadurch wird begreiflich, wie dem Vannuccio so früh die Zaffera bekant geworden.

(°) Wie bald ausser Sachsen und Böhmen Blaufarbewerke errichtet worden, darüber habe ich mir noch keine Nachrichten angemerkt. Daß man 1698 einen Blaufarbenmeister nach St. Andreasberg verschrieben hat, meldet Calvör in Beschreibung des Maschinenwesens am Oberharze, II. S. 202.

In Schriften hat sich die Kentniß dieser blauen Farbe spät verbreitet. Agricola kante das blaue Glas noch nicht, hat auch nicht die Zaffera genant, so wenig als Mathesius. Auch Albin, der freylich seine meisten Nachrichten von jenen beiden Schriftstellern genommen hat, redet noch nicht davon, aber da er sagt, daß Wismuth in Fässern wieder zusammen wachse (19), so scheint er wohl den gerösteten und mit Sand vermengten Kobolt gemeint zu haben, der eingepackt würklich ein fester Körper wird, welches hingegen der reine Wismuth, der bey dem Rösten ausgeschieden wird, nicht werden kan. Vannuccio Biringoccio (20), der älteste Schriftsteller, bey dem ich noch zur Zeit den Namen Zaffera bemerkt habe, beschreibt zwar den Gebrauch zur Färbung des Glases, nennet es aber nur ein schweres Mineral, ohne es weiter zu erklären. Hieronymus Cardanus (21) nennet Zaffera eine Erde, welche Glas blau färbt; Cäsalpin sagt, sie sey ein Stein (22); und Jul. Scaliger muß auch nicht mehr davon gewußt haben, sonst würde er es wohl dem Carban vorgerückt haben. Porta, welcher mit größtem Fleisse Kentnisse dieser Art überal ausforschte, nennet Zaphara figlinorum oft, aber auch er sagt nicht, was sie sey, hingegen beschreibt er, wie man sie schmelzen, geschmolzen in Wasser giessen, zerstossen, sieben und zum feinen Pulver schlämmen müsse, um sie zu künstlichen Edelsteinen brauchen zu können (23). Mehr wußte auch Neri nicht, der ums Jahr 1611 schrieb (24) und Merret, welcher in der Mitte des sechszehnten Jahrhunderts lebte, gestand, er wisse nicht was Zaffera sey, er glaube aber, sie sey eine neue teutsche Erfindung, wenigstens käme die Zaffera aus Teutschland, und sie scheine ihm aus Kupfer und Sand, vielleicht mit einem Zusatze von Galmey, gemacht zu seyn (25). Der erste, welcher die Zaffera in Schriften richtig erklärt und die Bereitung ausführlich beschrieben hat, ist, wie ich meine, Kunkel in seinen Anmerkungen über Neri und Merret gewesen (26). Er sagt Zaffera heisse bey den Bergleuthen Zasloer und der Sand werde nur aus der Ursache beygemischt, damit man daraus nicht in andern Ländern die blaue Stärke, welche die Weiber brauchen, und von den Malern blaue Schmalte genent würde, nachmachen könne.

(19) Meisnische Bergchronik. S. 133. Tit. 16.

(20) La zaffera é un’altro mezzo minerale ponderoso, come metallo, che per se solo non fonde, & in compagnia di cose vetrificate sa come acqua, & segne in azurro tal che chi vuol tegner vetri, o dipinger vasi di terra vitriati di color azurro adoperà questa, & a voglia dell’artifice serve nelle sopradette operationi, ancor per negro, caricandole di piu quantità di questa, che per azurro non comporta.

(21) lib. 5. de subtil.

(22) Lib. 2. cap. 55.

(23) Magiae naturalis lib. VI, 4. Francofurti 1591. 8° pag. 271.

(24) De arte vitriaria cum Christ. Merretti observat. Amstelod. 1668. 12° lib. I. cap. 12. p. 32.

(25) pag. 327.

(26) Glasmacherkunst. Nürnberg 1743. 4° S. 46.

Uebrigens ist gar kein Zweifel, daß nicht der Namen Zaffera aus Σάπφειρος entstanden ist, welches Wort, nach dem Verfall der griechischen Sprache, für Σαπφείρινος gebraucht ward (27). Also die blaue Farbe ist die Ursache dieser Benennung, welche zuletzt zu Saflor verdorben worden. Schmalte ist das smaltum, welches im mittlern Zeitalter aus dem deutchen Worte Schmelzen für Schmelzglas gemacht worden. Fallopius, der, so viel ich weis, die Zaffera gar nicht genant hat, sagt doch, Smaltum sey Venedigisches Schmelzglas, welches zuweilen statt Edelsteine genommen würde (28). Eschel scheint nur von Asche abzustammen. Man sagt, die Glasmacher lassen Holz äschern oder zu Asche brennen; Aeschericht heißt die Lauge. Die schwächere blaue Farbe scheine diese Benennung veranlasset zu haben. Rößler (29) sagt, der Böhmische Kobolt sey nicht so gut als der Meisnische, und seine Farbe fiele mehr ascherhaftig. Daß der Schwedische Bergrath Brandt (30) zuerst behauptet hat, daß Kobolt ein besonderes Halbmetall enthalte, ist bey den Mineralogen in so frischem Andenken, daß es kaum erwähnt zu werden verdient.

(27) Du Fresne Glossarium mediae Graecitatis. Lugduni 1688. Fol.° pag. 460.

(28) de composit medic. cap. 47. Opera I. p. 190. Auch Porta in magia natur. VI, 8. p. 278. nennet alle Schmelzgläser, auch die zu musivischen Arbeiten dienen, smaltos. Vornehmlich aber verdient hier nachgelesen zu werden, was Reiske in seinen Anmerkungen zu Constantini ceremoniale aulae Byzant. p. 65. über Smaltum der Alten gelehrt hat.

(29) Speculum metallurgiae pag. 164.

(30) Act. litter. & scient. Upsal. 1733. Wallerii systema miner. II. p. 174.