Hochheimer – Hoffmann 1797/III
Carl Friedrich August Hochheimer – Johann Christian Hoffmann, Chemische Farben-Lehre oder ausführlicher Unterricht von Bereitung der Farben zu allen Arten der Malerey III, Leipzig [Heinrich Gräff] 1797.
pp. 1–3
Weiße Malerfarben.
Der durch essigsaure Dämpfe erhaltene weiße Bleikalch, oder das Bleiweiß hat als Malerfarbe betrachtet, verschiedene wichtige Fehler, die die Versuche, seine Stelle durch eine andere weiße Farbe zu ersetzen, nicht unnöthig zu machen scheinen.
Das Bleiweiß wird nach und nach schwarz und schmuzig. In Zimmern, wo wegen Menge der Bewohner die Ausdünstung sehr stark ist, verliert das Bleiweiß seine schöne Farbe früher als in der freien Luft, wenn diese nicht durch ähnliche Dunste verunreiniget wird.
Ungleich wichtiger ist jedoch der Nachtheil, den es auf die Gesundheit der Menschen äußert. Bleikoliken und andere schreckliche Zufälle sind das Loos derer, die mit Bereitung desselben umgehen, oder mit immerwährendem Gebrauche desselben beschäftiget sind.
Wenn die übeln Folgen, womit die Menschheit durch die Bleiglasuren heimgesucht wird, noch ungewiß sind, so sind diese, die durch die Bleikalche, als Farben verursacht werden, ganz gewiß und unausbleiblich. Es ist daher der Mühe werth, auf Mittel zu denken, wie die Malerfarben aus Blei durch andere eben so schöne, dauerhafte und wohlfeile zu ersetzen.
Das Bleiweiß müßte, weil es am meisten im Gebrauch ist, vorzüglich und zuerst verdrängt werden. Von diesem giebt es mehrerlei Sorten, wovon die geringste sehr wohlfeil, aber kaum ein Bleiweiß zu nennen ist, weil sie fast mehr Kreide, als Bleikalch enthält. Diese Sorte kann vollkommen durch Kreide ersetzt werden.
Um zu verhüten, daß sich der Anstrich mit Kreide nicht nach und nach ins Gelbe zieht, muß man ganze Stücken wählen, die nicht durch Eisenocher verunreiniget sind, und etwas Smalte zusetzen.
Aber an die Stelle des reinen Bleiweißes eine andere Farbe zu setzen, die alle Eigenschaften desselben besitzt, scheint eine Sache von großer Schwierigkeit zu seyn.
Nach meinem Bedünken ist der reine Zinkkalch dazu am dienlichsten; nur steht der größere Preiß einer daraus bereiteten Farbe ihrer Allgemeinheit im Wege.
Wenn der Zinkvitriol, wie eben gesagt, vollkommen vom Eisen gereiniget ist, so hat die daraus bereitete Farbe ein blendend weißes Ansehn, ist in der Luft dauerhaft, und deckt sehr gut.
Man kann den Zink auf verschiedene Art aus seiner Auslösung fällen.
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pp. 50–51
Scharlachfarbe aus Kolkothar.
Man nimmt eine beliebige Menge grünen Vitriol, füllt zwei Drittel eines Tiegels damit an, und röstet ihn im Feuer, bis er beinahe ganz trocken ist, wobei man Acht haben muß, daß nichts über den Tiegel herausspringt.
Der Vitriol wird sich merklich vermindern, man setzt aber immer frischen zu, bis der Tiegel ganz angefüllt ist. Dann nimmt man den Topf vom Feuer, und seht ihn in einen Kalcinirofen, oder wenn man nur wenig Masse hat, so umlegt man den Tiegel mit Kohlen, und kalcinirt die Materie, bis sie röthlich ist. Man erkennt dieß, wenn man ein Stückchen mitten aus dem Tiegel herauss nimmt und erkalten läßt. Denn so lange sie warm ist, äußert sich die Röthe nicht.
Endlich nimmt man den Kolkothar aus dem Feuer, wirft ihn noch warm ins Wasser, so wie auch den Tiegel, damit alles abgehe, rührt es wohl um, damit sich der Vitriol absondere, und läßt es ruhig stehen.
Der Tiegel wird aus dem Wasser genommen, und auf dem Kolkothar wird eine Zeitlang immer frisches Wasser, und nach einiger Zeit wieder abgegossen, bis er vollkommen von allen Theilchen befreiet ist, die das Wasser auszuziehen vermag. Hierauf wird er getrocknet.
