Hochheimer 1792

Carl Friedrich August Hochheimer, Chemische Farben-Lehre oder ausführlicher Unterricht von Bereitung der Farben zu allen Arten der Malerey, Leipzig [Gräffsche Buchhandlung] 1792.


pp. 15–16

Spanisch Weiß.

Der Wismuth hat ungemein viel ähnliches mit dem Bley, und vielleicht mochte blos eine mit ihm verbundene verborgene Säure ihn hindern, sich als wahres Bley darzustellen.

Zu den Eigenschaften die er mit dem Bley gemein hat, gehöret auch diese, daß er eine das reinste Bleyweiß noch übertreffende, darinn aber mit demselben übereinkommende weiße Farbe giebt, daß sie mit der Zeit eben so wie jenes schwarz wird.

Man löset Wismuth in Salpetersäure auf, und gießet, wenn die Auflösung geschehen, ein bis zweymal so schwer destillirtes Wasser dazu, wodurch sich ein schwarzes Pulver absondert, welches man sich zu Boden setzen lässet. Die helle Flüssigkeit wird hierauf abgegossen, und mit einer recht großen Menge destillirten Wasser vermischt, wodurch den Augenblick ein sehr schönes weißes Pulver zu Boden fällt, welches man in ein Filtrum bringt, mit Wasser aussüsset und dann trocknet.

Dieses Pulver ist von der schönsten blendend weißen Farbe, und wird nicht nur zur Malerey, sondern auch ausschlüßlich zur weißen Schminke gebraucht. Es hat aber wie alle aus dem Bley bereiteten weißen Farben diesen Fehler, daß es das brennbare leicht an sich ziehet, und davon schmuzig wird.

Da, wie gesagt, alle aus dem Bley bereiteten weißen Farben diesen Fehler, daß sie mit der Zeit ihre Schönheit verliehren, bald mehr, bald weniger haben, und noch überdieß der bey Behandlung derselben entstehende Staub der Gesundheit nachtheilig ist, so hat man längst den Wunsch geheget, daß ihre Stelle von andern nicht minder schönen aber dauerhaftern und für die Gesundheit unschädlichen weißen Farben eingenommen werden mochte. Man glaubt, daß diese drey Bedingungen durch folgende Bereitungen erfüllet werden. Ich habe aber gefunden, daß sie dem reinen Bleyweiß bey weitem nicht gleich kommen, denn sie haben viel zu wenig Körper, und man muß sie schon stark auftragen, wenn sie decken sollen. Wäre aber auch dieses nicht, so würde schon der höhere Preis derselben im Wege stehen, daß ihr Gebrauch nicht allgemein würde.


pp. 38–39

Neapelgelb oder Giullolino [!].

Man hat das Neapelgelb für ein vulkanisches Product, und zwar als einen Eisensafran angesehen, den anfänglich ein feuerspeyender Berg bearbeitet, und der in der Erde worinn er gelegen, seine gelbe Farbe vollends bekommen hat; oder aber als eine eisenschüßige Materie, die durch die Hitze des Vulkans halb verglaset worden, und deren unvollkommene Verglasung nachgehends in der Erde aufgelöset worden ist *).

*) Montamy, 2ter Theil.

Es wird aber diese Farbe durch die Kunst bereitet, und man hat davon folgende Vorschrift. *)

Zwölf Theile Schieferweiß.
Drey Theile schweißtreibender Spießglaskalch **).
Ein Theil Alaun.
Ein Sheil Salmiak.

*) Mem. de l’Acad. des Sc. de Paris 1766. Crells Annal. 1790. 2. B.

**) Der schweißtreibende Spießglaskalch wird also bereitet: Ein Theil Spießglas und drey Theile gereinigten Salpeters werden fein gerieben und mit einander vermischt. Mittler Weile setzt man einen Tiegel ins Feuer, und wenn derselbe glühet, so wirft man einen Theelöffel voll von der Mischung hinein. Wenn dieser verpufft ist, trägt man wieder einen hinein und fährt so fort, bis alles verpufft ist. Alsdann verstärkt man das Feuer, daß alles in einen mußigen Fluß kommt, worauf man die Materie auf ein Blech oder eine Marmorplatte ausgeisset, und, ehe sie noch ganz kald wird, zu Pulver stößt. Dieses Pulver thut man in ein Glas oder eine Schüssel, gießt eine ziemliche Menge Wasser darauf und rührt es um. Das Wasser wird davon weiß werden. Man wartet bis es sich wieder gesetzt hat, dann gießt man es vom Bodensatz ab, und frisches Wasser darauf, rührt es wieder herum, läßt es sich wieder setzen, gießt es wieder ab und frisches darauf, und diese Operation wiederholt man so oft, bis man nicht den mindesten Geschmack mehr am Wasser bemerkt. Das Pulver wird dann getrocknet, und in einer wohl verstopften Flasche zum Gebrauch aufgehoben.

Diese Materien werden einzeln zu feinem Pulver zerrieben, dann auf das genaueste mit einander vermischt, und hernach in einen Schmelztiegel geschüttet, den man zudecket. Man setzt diesen in einen Windofen, und erhält ihn einige Stunden in gelinder Hitze. Hierauf aber verstärkt man das Feuer, daß der Tiegel roth glühet, und unterhält ihn in diesem Zustande drey Stunden. Man nimmt alsdann den Tiegel aus dem Feuer, und thut die Masse heraus, die in eine schöne gelbe Farbe verwandelt worden ist.

Will man eine hohere Goldfarbe haben, so nimmt man etwas mehr von dem schweißtreibenden Spießglaskalch und Salmiak, als vorgeschrieben worden ist.


pp. 42–44

Ocher.

Unter Ocher verstehet man gemeiniglich einen natürlichen Eisenkalk, der entweder ganz rein, oder gewöhnlich mit einer Thonerde vermischt ist. Seine Farbe ist meistens gelb, nähert sich aber auch oft dem braunen und rothen, wie dann auch aller Ocher, wenn er geglühet wird, eine hell oder dunkelrothe Farbe bekommt. Man findet ihn in Bergwerken, bey eisenhaltigen Wassern, in einigen Gruben, und in Vermischung mit Sand. Wo er entweder ganz rein, oder nur mit etwas Thonerde vermischt ist, da wird er ohne weitere Behandlung blos gesammelt, in Tonnen eingeschlagen, und zum Gebrauch verkauft. Wo er aber mit Sand vermischt ist, da muß er durch Schlemmen von demselben ausgezogen werden. Zu einem Beyspiel dieser Art von Arbeit will ich die Bereitung einer gelben Farbe aufführen, die zu Norton in Massachuset nahe an der Oberfläche der Erde mit Sand und Stücken von Eisenerz vermischt gefunden wird.

Man setzt daselbst ein Faß zwey Fuß hoch auf Blöcke, füllet es zum dritten Theil mit Erde an, und dann bis an den Rand mit Wasser, stampfet es klein, und rühret es so lange um, bis es gleichförmig mit dem Wasser vermischt ist. Sand, Grus und Eisenerz setzen sich ohngefähr in einer Minute zu Boden. Nun läßt man das Wasser mit der darinn schwimmenden Farbe ab, und schlägt es durch ein Sieb in ein Faß, das auf der Erde stehet. Hat sich darinn alle Farbe niedergesetzt, so läst man durch Löcher die zur Seite angebracht sind das Wasser ab, und trocknet die Farbe an Luft und Sonne auf einen Boden, der dicht, und eingefaßt ist damit keine Farbe abfließe. Getrocknet siehet sie grünlichgelb, durchgeglühet aber roth aus *).

Auf diese Art kann man mit jedem Sande verfahren, der durch seine Farbe, und das Abschmuzen derselben in der Hand einen Ochergehalt verräth.

Sowohl der Schönheit als der Feinheit nach haben aber der französische Ocher, der aus den Ochergruben von Berry erhalten wird, und der Italienische, der auch Terra di Siena genennt wird, vor andern den Vorzug.


pp. 211–217

Ultramarin.

1.

Die Ultramarin, dessen Alexius Pedemontanus de Secretis Lib. V. zuerst Erwähnung thut, wird aus dem Lasurstein, Lapis lazuli, bereitet, und gehöret unter die allerkostbarsten Farben. Ehemals hat man geglaubt, daß die blaue Farbe des Lasursteins vom Kupfer herrührt, Marggraf aber hat gezeigt, daß der Grundstoff derselben Eisen sey *). Der Lasurstein ist sehr hart und nimmt eine gute Politur an. Man findet ihn in der Erde in Stücken von verschiedener Große, die bisweilen vier bis fünf Pfund wiegen, er ist niemals mit einer Bergart vermischt, sondern stets rein, und wenn man ihn von der außen anhängenden Erdart gereinigt hat, so ist er von einer glatten Oberfläche, und einer rundlichen Gestalt. Da der Ultramarin die reine Farbe des Lasursteins ist, so hat man bey Bereitung desselben vorzüglich sein Augenmerk auf die Farbe des Steins selbst zu richten, denn so wie dieser aussiehet, so wird auch die Farbe. Man muß daher stets solchen nehmen, der aus Asien oder Afrika kommt, und vor den teutschen und böhmischen große Vorzuge hat. Dieser läßt sich leichter calciniren als jener, und nimmt durch die Calcination eine grünliche Farbe an, ersterer aber behält sein schönes Blau unveränderlich.

*) Marggraff chem. Schriften, Iter Theil.

Nachdem man ihn von allem anhängenden Unrath sorgfältig gereinigt und gewaschen hat, so wird er in einen Schmelztiegel gelegt, durchgeglüht, und dann so glühend in kaltes Wasser geworfen, und abgelöscht. Einige schreiben vor, ihn in Weingeist, andere in Weinessig abzulöschen, da aber dieses Ablöschen blos in der Absicht geschiehet, den Stein mürber zu machen, so thut Wasser eben die Dienste, wie die beyden andern Flüßigkeiten. Man wiederholet dieses Glühen und Ablöschen so oft, bis der Stein so mürbe geworden ist, daß man ihn reiben kann. Er wird alsdann zu einem feinen Pulver gerieben. Dieses Pulver schüttet man in ein Glas, gießet Wasser darauf, rühret es um, läßt es einige Stunden stehen und gießt es dann ab, der rückständige Satz wird wieder auf den Reibstein gebracht und dann wieder geschlemmt, und diese Arbeit so lange wiederhohlt, bis der Lasurstein in das allerfeinste Pulver verwandelt worden ist. Man läßt alsdann das Wasser, in welchem die feinen Theilchen des Lasursteins schweben, ruhig stehen, damit sich dieselben setzen können. Zuletzt wird der Satz gesammelt und getrocknet.

Mittlerweile kocht, man in einer irdenen Schüssel fünf Theile Leinöl, setzt, wenn dieses anfängt zu wallen, sechs Theile weißes Wachs in kleinen Stücken, und wenn dieses geschmolzen, sechs Theile griechisch Pech hinzu. Es werden alsdann zwey Theile Mastix in einem besondern Gefäße geschmolzen, ein Theil Terpentinöl dazu gethan und beydes in die erstere Mischung geschüttet. Man läßt nunmehr alles zusammen eine Stunde kochen, und dann zur Probe etwas weniges davon in kaltes Wasser fallen. Wenn dieses so weich ist wie Butter, so ists genug gekocht.

Man nimmt hierauf von dieser Materie so viel als nöthig ist, um mit derselben das Pulver des Lasursteins zu einem Teig zu machen, jedoch, daß von ersterer Materie auch nicht zu viel dazu komme, knätet diesen Teig wohl untereinander, und läßt ihn alsdann einige Tage stehen.

Nach diesem richtet man ein schmales in der Mitten mit einer Rinne versehenes Brettchen von dichten Holz, schief auf einem Tische auf, stellt eine Schale unter, legt den Teig oben auf und trift eine solche Vorrichtung, daß beständig Wasser auf den Teig tröpfle. Man drückt hiebey den Teig mit einer Glasröhre oder einem elfenbeinern Löffelchen hin und her, damit das abtröpfelnde Wasser sich desto leichter mit dem Teige vermische. Hiedurch begiebt sich der Ultramarin aus dem Teige los, und fließt hinab in die Schale. Der zuerst kommende ist der schönste, man giebt Acht, wenn die Farbe von minderer Schönheit kommt und seht alsdann eine andere Schale unter, und auf diese Art erhält man verschiedene Sorten von Ultramarin, von welchem der zuletzt erscheinende, der schlechteste von Farbe ist, und Ultramarinasche genennet wird. Jede Sorte wird alsdann besonders getrocknet, und in Fläschgen aufgehoben *).

*) Da mit dem Ultramarin sehr viel Betrug vorgehet, so ist daran gelegen zu wissen, ob man achten vor sich habe. Man wirst daher ein wenig von demselben auf ein glühendes Eisen. Wenn er seine Farbe unverändert behält, so ist er acht. Im Gegentheil aber und wenn sich schwarze Flecken auf ihm zeigen, ist er verfälscht.

2.

Da der Ultramarin wegen seiner Kostbarkeit nicht in jedes Malers Hände kommt, so giebt Herr Höpfner folgende Farbe an, die statt des selben dienen kann *).

*) Höpfners Magazin für die Naturkunde Helvetiens. 4. B. S. 43.

Man löse drey Loth gerosteten guten Erdkobold in Königswasser auf.

Man mache eine andere Auslösung von sechs Loth (mehr oder weniger, je nachdem man eine Helle oder dunklere Farbe wünscht) vollkommen reinem englischen Zinn in Königswasser mit den bekannten Handgriffen.

Man vermische diese zwey vorher filtrirten Auflösungen und schlage sie mit einer Auflösung von reinem Weinsteinsalz bis zum Sättigungspunct nieder, wärme die Mischung, und rühre den entstandenen Niederschlag wohl durch einander, und süße ihn aus.

Nach er wohl getrocknet ist, bringe man ihn in einer flachen Porcellanschale unter die Muffel, und gebe nach und nach Feuer, welches man so lange verstärkt, bis man eine angenehme blaue Farbe erhält.


pp. 117–118

Umber – Cöllnische Erde.

Der Umber ist eine Erde die man anfänglich aus Umbria in Italien erhalten hat, woher auch ihre Benennung entstanden ist. Man hat davon zwey Gattungen, wovon die eine lichtbraun und etwas ins röthliche schielend, die andere aber mehr grau ist. Die erste ist besser als die letzte. Wenn man sie glühet, so erhält sie eine völlig braunrothe Farbe.

Zur feinen Malerey wird sie heut zu Tage nicht mehr gebraucht. Doch wird in dem sächsischen Erzgebürge, und nahmentlich zu Annaberg, Scheibenberg und Schwarzenberg, noch viel gegraben, geschlemmet, in viereckigte Formen gebracht, und in Fässern verkauft.

Die Cöllnische Erde, welche bey Cölln gegraben wird, pflegt auch zum Umber gerechnet zu werden. Sie übertrift aber an Dunkelheit und Schönheit den Umbra weit, daher auch ihr Gebrauch in der Malerey gemeiner ist, als der Gebrauch des Umbers.


pp. 189–200

Smalte.

Die Smalte wird auf den sogenannten Blaufarbenwerken, aus Kobold bereitet. Diese Fabriken kamen zuerst im Jahr 1617 in Sachsen auf *), da man vorher den Kobold blos auf Wißmuth benutzte. Nach der Hand legte man auch in Böhmen, Hessen und an andern Orten dergleichen Werke an, doch sind die sächsischen wegen der vorzüglichen Güte ihrer Kobolde, die berühmtesten; und ihre Produkte werden am weitesten in Europa verbreitet.

*) Lehmanns Cadmiologia, Ister Theil.

Der Kobold ist ein Erz, in welchem mancherley Materien mit einander vermischt sind. Er enthält nämlich außer dem eigentlichen koboldischen Halbmetall oder dem Koboldkönig, welcher die blaue Farbe giebt, noch Schwefel, Arsenik, Wismuth, und zuweilen auch Silber. Indessen sammelt man alle diese Substanzen nur nebenher, und richtet sein Hauptaugenmerk auf die Gewinnung der blauen Farbe.

Zuerst wird von dem Kobolderze alles fremde Gestein abgeschlagen, und was sich nicht abschlagen läßt, das wird in einem Pochwerke zerstoßen, und alsdann mit Wasser geschlemmt, da denn das taube Gestein, welches leichter ist als der Kobold, mit dem Wasser fortgehet, der schwerere Kobold aber auf den Boden zurückbleibt.

Hierauf wird aus denjenigen Kobolden, welche viel Wißmuth enthalten, dieses Halbmetall erst ausgeschmolzen.

In dieser Absicht stürzet man sie auf einen Haufen Holz und zündet diesen an. Der leicht flüßige Wißmuth schmelzet hiedurch aus dem Erze heraus in die Kohlen, der strengflüßige Kobold aber bleibt ungeschmolzen.

Wenn das Feuer abgebrannt, und der Wißmuth erstarret ist, so wird die Holzasche in einem Bergtrog gegen den Wind geschwenket, da denn die Asche verstaubet, und der Wismuth zu rückbleibt.

Nunmehr kommt der Kobold in den Calcinirofen, an dessen hintern Wand eine Oeffnung befindlich, die mit einem zweyhundert und fünfzig bis dreyhundert Fuß langen schmalen Gang verbunden ist. Dieser Gang wird der Giftfang genennt, er ist acht Fuß hoch, und vier bis fünf Fuß weit, und in der Nähe des Ofens von Steinen gemauert, damit er von der großen Hitze nicht Schaden nehme. Das Mauerwerk desselben gehet ohngefehr hundert Fuß fort, der übrige Theil aber ist von Holz, und macht alle funfzig Fuß eine Wendung, damit die arsenikalischen Dämpfe daran stoßen und sich anlegen können. Denn giengen diese Dämpfe in einer ununterbrochenen geraden Linie fort, so wurde ein großer Theil derselben am Ende des Giftsangs sich in die Luft zerstreuen, und der umliegenden Gegend gefährlich werden. Hie und da sind kleine Thüren angebracht, welche während der Calcination verschlossen werden, und durch welche man von Zeit zu Zeit das an den Wänden sich angehängte Giftmehl herausnimmt.

Wenn der Heerd des Ofens gehörig durchgeheizt und der ganze Ofen vollkommen glühend ist, so wird der Kobold hineingeworfen, doch so, daß er nicht dichte auf einander zu liegen komme, damit ihn die Glut gleichförmig durch dringen könne. In diesem heftigen Reverberirfeuer bleibt er, nachdem er mehr oder weniger arsenikalisch ist, vier bis acht Stunden. Gemeiniglich läßt man ihn zwey Stunden lang ungestöhrt liegen, ehe man ihn aufbricht, das ist, ehe man ihn das erstemal umrühret.

Dieses Rühren geschiehet mit einer eisernen Krücke, die zuvor wohl erwärmet seyn muß. Denn wenn man mit dem kalten Eisen hineinführe, so wurde der Arsenik leicht aufstehen, da es dann für den Arbeiter gefährlich aussehen wurde. Man hat Beyspiele, daß bey einer hie bey zu schulden gebrachten Nachläßigkeit, dem Schürer sogleich das Blut aus Mund und Nase gedrungen und er kaum mit dem Leben davon gekommen.

Nach dem ersten Aufrühren wird dasselbe alle halbe Stunden wiederhohlt, bis man bemerkt, daß die arsenikalischen Dämpfe nachgelassen haben, worauf man den Kobold herausnimmt, und ihn erkalten läßt.

Nach dem Erkalten wird er durch ein enges Drathsieb gesiebet und dann führet er den Nahmen Zaffer oder Saflor, und ist zum Farbemachen fertig. Die im Sieb zurückbleibenden Graupen aber werden nochmal ausgepocht.

Hierauf wird der Saflor mit reiner Pottasche und Sand oder Quarz gemischt. Der Quarz, den man hiezu brauchen will, muß sehr rein und nicht eisenschüßig seyn. Letzteres erkennnt man, wenn man ihn glühet; und er davon gelbröthlich wird, da er dann untauglich ist. Wenn er aber rein ist, so wird er im Calcinirofen geglühet und hierauf naß gepocht, damit, wenn ja noch etwas Unreines dabey wäre, solches mit dem Wasser ablaufe. Der hierdurch erhaltene Sand wird ausgeschlagen, im Calcinirofen nochmals durchgeglüht, gesiebt und dann zum Gebrauch aufgehoben.

Von der Reinigkeit des Sandes hängt ein großer Theil der Schönheit der blauen Farbe ab. Denn ist er eisenschüßig, so fält die Farbe schmuzig aus, ist er mit Spat vermengt, so frißt er viel Pottasche, und giebt viel Glasgalle, die Sandkörnchen selbst aber bleiben zum Theil als zarte weiße Stäubchen im Glase sitzen, und machen eine schlechte Farbe. Ist er aber mit Thon vermischt, so fließt er noch schwerer und die Farbe ist die schlechteste von der Welt.

Bey der Mischung der vorerwähnten drey Materien kommt es darauf an, daß man wisse, was für Kobolde man habe, und wie viel Sand sie vertragen, um mit demselben ein schönes Blau zu geben. Man macht deswegen zuvor eine Probe im Kleinen, und vermischt die an Farbestoff ärmern Kobolde mit den reichern, damit eine Art der andern durch den Ofen helfe. Gemeiniglich nimmt man von Kobold, Sand und Pottasche gleiche Theile, doch hat bisweilen der Kobold die Kraft, so gar drey Theile Sand zu einem schönen blauen Glas zu machen.

Wenn nun der Farbemeister die Beschaffenheit seiner Kobolde genau erforschet hat, so wiegt er von dem Kobold, dem Sande und der Pottasche so viel ab, als er nöthig hat, um sechs Häfen damit anzufüllen, läßt alles in den bey dem Glasofen stehenden Gemengkasten stürzen, mit Schaufeln wohl umrühren, und dann in die, in dem Glasofen eingesetzte und glühend gemachte Töpfe mit Schaufeln eintragen. Wenn man siehet, daß das Gemenge schmelzet, so wird es mit starken zuvor erwärmten Rühreisen umgerühret, und dieses Umrühren alle halbe Stunden wiederhohlt; so lange bis man an dem am Ruhreisen hängenden Glase siehet, daß es durch und durch gleich gefärbt ist, und keine weiße Körnchen mehr in demselben zu sehen sind.

Wenn dieser Zeitpunkt erschienen, so wird das Glas mit starken eisernen geschmiedeten Löffeln in ein ganz nahe dabey stehendes Faß mit Wasser geschöpft. Dieses Faß muß wenigstens vier Fuß hoch, eben so weit und stets voll kalten Wassers seyn, auch so gestellet werden, daß beständig kalt Wasser durch eine Rinne in selbiges laufe, um das Glas desto eher abzukühlen. Weil aber während dem Schmelzen viel Speise und Glasgalle entstehet, die beyderseits, wenn sie in das kalte Wasser kommen, mit großem Knall, und mit Gefahr für die Arbeiter, um sich schlagen, so hat man eiserne Pfannen, in welche man, ehe man das Glas in das Wasser schüttet, die Speiße und die Galle aus dem Löffel laufen lässet.

Nachdem die Hafen rein ausgeschöpft sind, so wird ein frisches Gemenge eingelegt, und damit so lange fortgefahren, als man es nöthig findet, oder als die Häfen dauern.

Da der Ofen destomehr in die Hitze kommt, je länger er gehet, so läßt sich nicht bestimmen, wie lange man das Glas müsse schmelzen lassen, ehe man es herausnimmt. Gemeiniglich schöpft man die ersten sechs oder acht Tage alle zwölf Stunden. Es kommt aber darauf an, ob der Sand und der Kobold streng oder leichtflüßig sind, denn beyde sind hierinn nicht immer von gleicher Beschaffenheit.

Von dem Wasserfasse wird das Glas auf Laufkarren, die am Boden zum Ablaufen des Wassers mit Lochern versehen sind, in das Pochwerk gefahren, und zu Körner von der Große einer Linse gepocht. Von da kommt es in die Mühle, wo es naß gemahlen, und nachdem es fein genug ist, mit dem Wasser abgezapft wird.

Das Abgezapfte wird in ein großes Waschfaß durch ein Sieb gegossen. In diesem stehet es so lange still, bis sich die Farbe gesetzt hat. Hierauf wird das darüberstehende Wasser in ein ander Faß geschöpft, da sich dann die zärteren Theile zu Boden setzen, aus diesem Fasse wird das Wasser ferner in ein anderes Faß geschöpfet, bis sich alles, auch die zarteste Eschel gesetzt hat *).

*) Eschel ist das allerfeinste, aber auch von Farbe das aller blasseste, welches sich in dem letzten Fässern befindet.

Nun wird die Farbe, welche sich in den ersten Fässern gesetzt hat, nachdem alles Wasser abgegossen worden, mit einem Handbeil herausgehauen, in kleine Stücke von der Große einer Nuß geschlagen, und in ein anderes Waschfaß mit Wasser gethan, und mit starken Rührhölzern unaufhörlich gerühret, bis alles zergangen ist. Wenn dieses geschehen, so wird alles sofort ausgeschöpft, durch ein feines Haarsieb in ein anderes Fass gegossen, da es zwey Stunden Zeit hat sich zu sehen. Was sich nicht setzet, das wird auf die vorige Weise in ein ander Waschfaß gegossen, und nachdem es drey bis vier Stunden gestanden, das Wasser in ein drittes Waschfaß geschöpft, und so fort, bis sich nach und nach alles in den Fässern gesetzt hat.

Das darüberstehende helle Wasser wird als dann abgeschöpft, und in einige unter der Waschstube angelegte Sumpfe geleitet, wo sich vollends das allerfeinste Pulver absetzt, welches Sumpfeschel genennt wird.

Dieses Waschen geschiehet theils um alle Unreinigkeiten davon zu bringen, theils die Farben in ihre gehörige Sorten zu versehen, theils aber auch die noch damit vermischten salzigen Theile von der Glasgalle wegzuschaffen.

Wenn nun in den Fässern die Farbe etwas trocken wird, wird solche wieder ausgehauen, und auf ein Reibbret gebracht, welches zwölf Fuß lang, vier Fuß breit, und mit handhohen Leisten eingefaßt ist. Hier werden die Stücken klein geschlagen, und von starken Arbeitern mit Walzen zerdrückt. Darauf wird die Farbe auf die Farbebretter ein bis anderthalb Zoll hoch aufgeschüttet, und in der Darrstube vollends getrocknet.

Wenn die Farbe trocken ist, wird sie in große Kasten geschüttet, durch ein sehr feines Haarsieb gesiebt, ein wenig angefeuchtet, noch einmal gemengt, endlich gewogen und in Fässer gefüllt. Diese Fässer sind in der Große verschieden. Die größten halten drey und drey Achtel, die darauf folgenden Einen, und die kleinsten einen halben Centner Berggewicht, der Centner zu hundert und zwolf Pfund gerechnet.

Alle werden in Sachsen auf dem Boden mit folgenden Zeichen gebrannt. Da man nämlich von den sächsischen Farbenwerken viererley Waaren macht, als: hohe Farben, Couleuren, Eschel und Saflor, so haben sie:

OH. Ordinärhoch.
MH. Mittelhoch.
FH. Feinhoch.
FFH. Das feinste Hoch.

OC. Ordinär Couleur.
MC. Mittel Couleur.
FC. Feine Couleur.
FFC. noch feiner Couleur.
FFFC. suprafein Couleur.

OE. Ordinär Eschel.
ME. Mittel Eschel.
FE. Fein Eschel.
FFE. Fein fein Eschel.
FFFE. Suprafein Eschel.

Das OE kommt im Handel bisweilen in Stücken und unzerrieben vor, da es dann OE allein, wenn es aber gerieben ist OEG gezeichnet wird.

OS. Ordinar Saflor.
MS. Mittel Saflor.
FS. Fein Saflor.
FFS. Fein fein Saflor.

Da die Smalte nichts anders als gefärbtes  Glas oder fein geriebener Sand ist, der Sand aber weder mit Oel noch mit Wasser eine Verbindung eingehet, so taugt sie auch, ohngeachtet ihrer schönen Farbe, nicht zur feinen Malerey, sondern nur zu Frescomalerey und zu Leimfarben. Indessen wird sie doch oft betrügerischer Weise für Ultramarin verkauft. Man erkennt aber den Betrug gleich beym Abreiben. Denn, je feiner man die Spalte [sic!] reibt, desto blasser wird sie. Der Hauptnutzen der Smalte bestehet also darinn, daß man die weiße Farbe der Leinwand und des Papiers damit erhöhet.


p. 201

Königsblau.

Unter diesem Nahmen wird die Smalte von der höchsten blauen Farbe verkauft. Da die Sandtheilchen sich an die Haare des Pinsels fest anhängen und ihn dick und stumpf machen, so daß es unmöglich ist, einen feinen Strich damit zu wege zu bringen, so kann diese Farbe nur gebraucht werden, um das höchste Licht auf ein Gewand eines Gemäldes aufzutragen.