Zeisig 1730
Minerophilo [Johann Caspar Zeisig], Neues und Curieuses Bergwercks-Lexicon,Worinnen nicht nur Alle und jede beym Bergwerck, Schmeltz-Hütten, Brenn- Hause, Saiger-Hütten, Blau-Farben-Mühlen, Hammerwercken &c. vorkommende Benennungen, sondern auch derer Materien, Gefäße, Instrumenten und Arbeits-Arten Beschreibung enthalten, Alles nach dem gebräuchlichen Bergmännischen Stylo, so wohl aus eigener Erfahrung, als auch aus bewehrteßten Scribenren mit besondern Fleiß zusammen getragen Und In Alphabetische Ordnung zu sehr beqvehmen Nachschlagen gebracht, Chemnitz [Johann Christoph Stößel – Johann David Stößel] 1730.
col. 122–129
Blaue Farbe, Berlinisch-Blau
Blaue Farbe, Berlinisch-Blau ist eine neu-erfundene und aus Ochsen-Blut gemachte Mahler-Farbe. Denn weil das Ultramarin-Blau aus dem Lapide Lazuli, gar zu seltsam, und viel zu kostbar gewesen ist, so hat ein glücklicher Erfinder A. 1704. diese Farbe zu Berlin ausgedacht, welche bey nahe so gute Würckung als das Ultramarin thut, auch in satsamer Menge und gar wohlfeil zu haben ist.
Blaue Schneebergische Farbe
Blaue Schneebergische Farbe, kömmt von Schneeberg her und ist ein aus Kobelt und weisen Qverß zusammen geschmolzenes und mit Bottasche versetztes blaues Glaß, welches gepochet, gemahlen, geschlämmet, abgetrocknet, gesiebet, und dann in die Farben-Fäßel eingestossen und mit einem gewissen Zeichen der Sorte der Farben bemercket wird.
Blau-Farben-Werck
Blau-Farben-Werck werden zusammen die zu und um Schneeberg Kobaltischen Zechen verstanden, allwo die Kobelte geschmelzet, zubereitet und auf den Farben-Mühlen die blaue Farbe verfertiget wird. Dieses Werck geniesset zwar das Berg-Recht, stehet unter der Jurisdiction des Schneebergischen Berg-Amtes, und die Contrahenten werden Gewercken genennet; jedoch ist dergleichen keinem Privato nachgelassen ohne der Hohen Landes-Obrigkeits-sonderbahren Special-Commission und Privilegio zu erbauen und anzurichten.
Blau-Farben-Wercks-Contrahenten
Blau-Farben-Wercks-Contrahenten stehen mit einander in einer Compagnie, und ist eine Societät, welche etwa vor 80. Jahren angeleget worden, und bauen in dasigen Bergwercken auf hoher Landes-Concession die Kobelt-Zechen, lassen die blaue Farbe auf ihren Farben-Mühlen verfertigen, und den davon genommenen Profit theilen sie nach Proportion ihrer davon habenden Antheile unter sich. Dergleichen Blau-Farben-Werck sind viere, nehmlich 1.) das Königliche gedoppelte Werck vor der Stadt Schneeberg. 2.) das Schindlerische an der Moldau. 3.) das Pfannenstielische. und 4.) das Zschopauische 4. Meilen von Schneeberg, welche 3. leztere Privat-Personen zugehören. Diese 4. Wercke stehen erstlich in einer General-Compagnie, daß eines so viel Kobelt oder Materie, woraus die Farbe gemachet wird, von den Zechen bekommt als das andere, und jegliches auch so viel Farbe machet und verkauffet als das andere, ausser das Königliche, welches doppelte Lieferung bekommt und wieder ausgiebet. Hernach stehen die Interessenten von einem ieden Wercke in einer Special-Compagnie, und halten auf ieden Wercke einen Factor zum Rechnungen und Austheilen des Gewinnes. Es haben auch diese Wercke den besondern Vortheil, daß ihnen alle Kobelte im gantzen Lande für eine von dem Berg-Amt gemachte Taxa müssen geliefert, und bey hoher Straffe nicht ausserhalb Landes verführet werden, daß daher in den Gegenden, wo Kobelte zu finden, gewisse Kobalts-Bereuter gehalten werden, die den Unterschleiff verhüten. Diese blaue Farben-Handlung bestehet insgemein aus Sächsischen und Böhmischen blauen Farben.
Blau-Farben-Wercks-Factor
Blau-Farben-Wercks-Factor ist eine beeydete Person, welche die Kobalte in sichern Empfang nimmet, dieselben nach den Proben und der Berg-Amts-Taxe, dem er iedesmahl mit beyzuwohnen, richtig bezahlen soll, damit seinen Pflichten nach getreulich umgehen, und allem besorglichen Unterschleiff vorbauen, auch die Haupt-Rechnung darüber führen soll.
Blau-Farben-Wercks-Gewercken
Blau-Farben-Wercks-Gewercken, siehe oben Contrahenten.
Blau-Farben-Wercks-Materia
Blau-Farben-Wercks-Materia ist besonders der bekante Blau-Farben-Kobalt, siehe unten Blau-Farben-Kobalt.
Blau-Farben-Wercks-Nutzung
Blau-Farben-Wercks-Nutzung ist dasjenige Geld, so von Verkauffung der blauen Farbe eingenommen wird, welche der Factor treulich berechnen, richtige Wochen-Zettel und ordentliche Beschickungs-Bogen, gewöhnliche Contant- und Farb-Handlungs-Bücher, wie auch sonderliche Register und Rechnung über das gantze Werck und dessen Einnahme und Ausgabe halten soll, ingleichen mit dem Jahr-Schluße einhändigen, und mit tüchtigen Belegen justificiren soll.
Blau-Farben-Fässel
Blau-Farben-Fässel sind gewisse Gefässe, deren eines gemeiniglich 3. Centner hält, und worein die blaue Farbe gestossen und zum Verkauff aufbehalten wird, nachdem sie vorhero mit einem gewissen Zeichen, die Beschaffenheit der Farben zu kennen, bemercket werden.
Blau-Farben-Fässel-Brand-Zeichen
Blau-Farben-Fässel-Brand-Zeichen ist ein gewiß Gemercke, womit die Sächsische blaue Farbe oben an dem Auffschlage-Boden des Fasses als ein General-Zeichen bezeichnet wird, und bestehet sonderlich in folgenden: Das mittelste Zeichen heisset ein Rauten-Krantz mit Churfürstlichen Schwerdtern, das neben an auf der lincken Hand ein Hertz, über dasselbe eine Crone, welche offen gebrandt. Das zur rechten Hand heisset eine Lilie, oder wie es sonsten genennet wird, eine Brand-Säule, welches zwar die Böhmische Farbe auch führet, doch mit einiger Veränderung, das oberste Zeichen eine vollgebrandte Crone, welche just über dem Rauten-Krantze stehet; das unter dem Rauten-Krantze ist ein viereckigtes, mit 4. Nägeln, klein angemachtes dünnes Brettgen, welches an den Faß-Boden mit angenagelt ist. Dieses befindet sich darum allhier, damit man die Proben von Farben kan raus langen, und nicht nöthig hat den gantzen Faß-Boden deßwegen zu eröffnen. Unter dieses Zeichen kommen die General-Brand-Buchstaben, als z. E. J. C. oder M. C. um damit anzuzeigen, was für eine Sorte Farbe sich in diesem oder jenem Fasse befindet.
Blau-Farben-Glaß
Blau-Farben-Glaß ist das von Kobalt und Qverß zusammen-geschmolzene Werck, welches so blau-helle wie Glaß, so hernach gepocht, gestossen, und durch die Mühle im Wasser und zur blauen Farbe præpariret wird.
Blau-Farben-Glaß-Schmelzer
Blau-Farben-Glaß-Schmelzer ist derjenige, welcher die gerösteten Kobalte und Qverß-Sände mit einander zusammen schmelzet, daraus ein solches Glaß entstehet.
Blau-Farben-Häfen
Blau-Farben-Häfen sind Tiegel, worinne die Kobalte und Sände geschmolzen werden.
Blau-Farben-Kobalt
Blau-Farben-Kobalt ist eine graue Berg-Art, woraus die blaue Farbe gemachet wird, und sehr häuffig und ergiebig um Schneeberg, einige zu Annaberg, und andern Orten des Gebürges gebrochen wird, welche denn gepocht, geröst, mit Sänden und Bottasche vermischt und geschmolzen wird, daraus das Blau-Farben Glaß entstehet, welches dann gepocht und gemahlen wird.
Blau-Farben-Kobalt
Blau-Farben-Kobalt-Bereuter sind gewisse Personen, welche in den Gegenden, wo Kobalte zu finden, gehalten werden, um den Unterschleiff der Kobalte zu verhüten.
Blau-Farben-Kobalt-Inspektor
Blau-Farben-Kobalt-Inspektor ist derjenige, welcher genaue Inspection auf derer Gewercken zwischen denen Quartalen gewonnenen Kobalts-Vorräthe haben soll, damit selbige rein ausgeschlagen, und kein Gneuß, Schiefer, Spad, Bähren, Affter oder anders, darunter gelassen, auch die Stuffen nicht allzugroß gelassen werden; Ferner soll er alle Kobalt-Gebäude befahren, die Anbrüche in Augenschein nehmen, quartaliter einen richtigen Auffstand darüber fertigen und einschicken.
Blau-Farben-Kobalt-Proben
Blau-Farben-Kobalt-Proben, wenn der Kobalt geschmolzen ist, so siehet man, was er vor eine Couleur hat, wenn er rein und nicht röchlicht siehet, so saget man: er fällt annehmlich; wenn er aber Kupffernickligt und röthlich aussiehet, so sagt man: er fällt tum.
Blau-Farben-Sände
Blau-Farben-Sände sind Qverzigte und Späthigte Gang-Arten, welche auch aus Gruben-Gebäuden gefördert und an die Blau-Farben-Wercks-Interessenten verlassen und daselbst zum Versetzen durch ein Feuer zugebrand werden.
Blau-Farben-Sortiments
Blau-Farben-Sortiments bestehen darinne: F. FFE. ist die extra feinste Eschel Farbe. FFE. extra feine Eschel. FE. feine Eschel; ME. gesiebt mittel (feine) Eschel. ME. in Stücken mittel Eschel. OE. gesiebt ordinaire (feine) Eschel; OE. in Stücken ordinaire Eschel. GE. No. 2. schlecht (fein) Eschel; GE. No. 1. schlecht Eschel FFFC. extra feineste C. Farbe. FF.C. extra feine C. Farbe. FC. FH. feine C. Farbe. MC. MH. mittel (feine) Farbe C. OH. OC. ordinaire (feine) C. Farbe; GMC. (feine) schlechte C. Farbe. OB. schlechte Farbe, oder ordinair-Blau. FFS. extra feinen Zaffers oder Safflor-Farbe. FS. feinen Safflor. MS. mittel Safflor. OS. ordinairen Safflor. Dieses wären also die Eschel, C. Farben nebst Safflor von denen Sächsischen blauen Farben beschrieben, woran iedesmahl eine iegliche Sorte richtig zu unterscheiden und zu erkennen, nach ihrer Feine und Schlechte.
Blau-Farben-Taxa
Blau-Farben-Taxa ist unterschiedlich und wird von denen Fabriqvanten oder Interessenten gemachet.
Blau-Farben-Zeichen
Blau-Farben-Zeichen, vid. oben Blau-Farben-Fäßel.
col. 526–527
Safflor, Saffra, Zapher-Farb, Saffra, Zaffra
Safflor, Saffra, Zapher-Farb, Saffra, Zaffra, ist ein blauer mineralischer Stein, der den Nahmen von Saphier hat, und bey Schneeberg, Annaberg und andern Orten aus den so genannten gifftigen Cobelt bereitet wird; Er wird deßwegen Stein genennet, weil die blaue Farbe so feste in die Fäßer geschlagen wird, worinnen er dergestalt erhärtet, daß er wie ein Stein mit eisern Schlägeln muß zerbrochen werden, siehe Blaue Farbe.
