Dietrich 1879
Friedrich Dietrich, Anweisung zur Oel-Malerei, zur Aquarell-, Fresco-, Miniatur- und Holz-Malerei. Nebst 26 Geheimnissen für Zeichner, Maler und Lackirer, über Farbenlehre und Harmonie der Farben, bestes Verfahren Zeichnungen zu copiren, Kupferstiche und Lithographien auf Papier, Holz und Glas abzuziehen, über Pariser Malerei, chinesische Malerei, Portrait-Malerei, orientalische Malerei, Holz-Malerei, Zubereitung der Farben, Verfertigung der Firnisse zum Aeberziehen von Gemälden und Anweisung, Oelgemälde zu reinigen, Quedlingburg – Leipzig [Ernst’sche Buchhandlung] 1879.
pp. 145–147
Fresco-Malerei.
Al fresco, das heißt: ganz frisch! darum sagte einer der größten Künstler, (Michael Angelo Buonarotti, geboren 1484 zu Chiusi, in dem Gebiete der Florentinischen Stadt Arezzo, gestorben zu Rom im 80. Jahr: 1564): Die Fresco-Malerei ist die Kunst kräftiger, rascher Männer.
Technik der Fresco-Malerei.
Zuerst muß die Wand, worauf gemalt werden soll, glatt und eben sein, damit solche den frischen Kalkanwurf annimmt. Alle Wände, worin etwas Fachwerk ist, müssen mit Drahtgittern, weitläufig aber sorgfältig mit kleinen Nägeln geheftet, versehen und dann mit Kalk überworfen werden. – Will man Fresco malen, so muß für jeden Tag nur so viel frischer Kalk aufgetragen werden, als man glaubt in entsprechenden Stunden zu übermalen und zu vollenden, was nicht fertig wird muß wieder abgeschlagen und am folgenden Tag frisch aufgetragen werden; denn nur die Malerei und der Pinsel-Strich haftet dauernd, der sich mit dem frischen Anwurf verbindet und damit zugleich verhärtet. Zum Anwurf auf die Wand gehört möglichst frisch gebrannter Kalk, derselbe darf eher etwas mager (dünn) als fett (stark aufgetragen) sein, denn der zu fette reißt später.
Die feststehenden, aus früher Zeit her bekannten Farben sind: Kreide, Kalk, Licht-Oker, lichtgebrannter Oker, Gold-Oker, Dunkel-Oker, Terra di Siena, (gebrannt und ungebrannt) englisch-Roth, Blau-Ultramarin und alle Schwarze, die durchs Feuer gewonnen werden, als: Ruß, Kohlschwarz, Kernschwarz und Elfenbeinschwarz. Diese Farben werden, nachdem sie pulverisirt und fein gerieben, nur mit reinem Wasser angerührt, in Töpfchen gethan und sind zum Gebrauch fertig.
Nothwendig ist aber, eine größere Auswahl von kleinen Gefäßen bei der Hand zu haben, in welchen, jedes einzeln, die verschiedenen Töne (Farben-Tinten) gemischt werden, denn die verschiedenen Nüancen der Töne darf man auf der Wand nur in fein gewählter Stufenfolge neben einander setzen, ohne vertreiben zu wollen, deshalb müssen die Pinselstriche mit Freiheit und Sicherheit gezogen werden, weil das einmal verfehlte schwer zu verbessern ist, da die Farbe sofort sich in die Mauer einzieht.
Wenn das Bild auf der Wand fertig ist und an einigen Stellen retouchirt werden muß, so verwendet man dazu Tempera-Farben, d. h. man nimmt unter die Erdfarben Eigelb als Bindemittel. — Schließlich wäre noch zu erinnern, daß, da sich auf der Wand schwer zeichnen (Conturen) läßt, immer erst eine Zeichnung — Karton — (wenn auch nur Umriß) in der Größe des auszuführenden Bildes gefertigt und diese dann durchgepaußt auf die Wand übertragen wird.
Das Auftragen der Farben geschieht mit großem und kleinem Lackpinsel. Feine Zeichnung wird mit Haarpinseln hineingesetzt.
In neuester Zeit soll man sich bei der Fresco-Malerei der Anwendung des Wasserglases zur Befestigung der Farben bedienen, um die Malerei vor Verderben zu schützen. Auch nimmt man in neuester Zeit, um die Farben intensiver zu machen, eine Wachsmasse zu Oelfarben hinzu und ahmt hiermit die Frescomalerei nach. — Fertige Wachsmasse bekommt man bei Mewes, Berlin, Steglitzerstraße.
In diesem Falle wird die Farbe anstatt mit Wasser mit flüssigem Wasserglas angerührt, welches diese Verbindung leicht eingeht. Kaliwasserglas, zwar etwas theurer als Natronwasserglas, ist hierzu besser zu verwenden, doch wird die Mischung beider in Erdfarben, mit keinerlei Schwierigkeit verknüpft sein.
Tempera-Farben
sind dieselben wie bei der Fresco-Malerei, nur wird, wie oben schon gesagt, als Bindemittel zu den helleren Farben Eiweiß, zu den dunkleren Eigelb, auch aufgelöste Hausenblase, und werden die auf diese Art zubereiteten Hauptfarben in Töpfe gethan, woraus dann die übrigen Töne gemischt werden (es kann auch sehr gut auf trocknem Kalk gemalt werden), wie die mit hoher Meisterschaft ausgeführten Gemälde im Museum zu Berlin von W. v. Kaulbach beweisen.
Die Malerei in Temperafarben läßt größere Feinheiten und weichere Uebergänge als bei Frescobildern zu, daher sie auch mit entschiedenem Erfolge zur Darstellung von Landschaften auf Wänden, Anwendung findet. Dioramen und Panoramen werden ausschließlich nur in dieser Manier ausgeführt, da derartige Gemälde bei künstlicher Beleuchtung exponirt, kein Farbentiefen vertragen und in solchem Falle auch bei flächerer Behandlung, noch ausreichende Plastik zeigen.
Harzmalerei.
Diese Malerei ist leichter und bequemer als die vorher erwähnten, man kann dazu jede alte Wand, die sicher und glatt ist, gebrauchen. Man nimmt auf 10 Theile Copaiv-Balsam, 1 Theil gelbes Wachs, warm geschmolzen, dann wie Oelfarben behandelt. Diese Art Malerei findet man häufig in Süd-Deutschland, wo über die Hausthüren Heilige auf Kalk gemalt sind, angewandt.
