Dietrich 1857

Friedrich Dietrich, Anweisung zur Oel-Malerei, zur Fresko- und zur Miniatur-Malerei. Nebst 40 Geheimnissen für Zeichner, Maler und Lackirer, als: Ueber Farbenlehre und Harmonie der Farben , – bestes Verfahren Zeichnungen zu copiren, – Kupferstiche und Lithographien auf Papier, Holz und Glas abzuziehen, – über Pariser Malerei, – chinesische Malerei, – Portrait-Malerei, – orientalische Malerei, – Zubereitung der Farben – Verfertigung der Firnisse zum Ueberziehen von Gemälden und Anweisung Oelgemälde zu reinigen. Vierte verbesserte Auflage, Quedlingburg – Leipzig [Ernst’sche Buchhandlung] 1857.


pp. 45–47

Fresco-Malerei.

Al fresco, ja das heißt: ganz frisch! darum sagte einer der größten Künstler, die je gelebt (Michael Angelo Buonarota, geboren 1484, zu Chiusi, in dem Gebiete der Florentinischen Stadt Arezzo, gestorben zu Rom im 90. Jahre 1564): Die Fresco-Malerei ist die Kunst kräftiger, rascher Männer.

Technik der Fresco-Malerei.

Zuerst muß die Wand, worauf gemalt werden soll, glatt und eben sein, damit solche den frischen Kalk-anwurf annehmen kann. Alle Wände, worin etwas Fachwerk ist, müssen mit Drathgittern, weitläufig aber recht sicher, mit kleinen Nägeln geheftet, versehen werden und dann mit Kalk überworfen. – Will man nun malen, so muß für jeden Tag, nur so viel frischer Kalk aufgetragen werden, als man glaubt in 6 bis 7 Stunden zu übermalen und zu vollenden, was nicht fertig, muß wieder abgeschlagen und am folgenden Tage frisch aufgetragen werden, denn nur die Malerei und der Strich haftet dauernd, der sich mit dem frischen Anwurf verbindet, und damit zugleich verhärtet. Zum Anwurf auf die Wand möglichst frisch gebrannten Kalk, der Anwurf darf eher etwas mager (dünn) als fett (stark aufgetragen) sein, denn der zu fette reißt.

Die feststehenden, von früher Zeit her sich dazu eignenden Farben sind: Kreide, Kalk, Licht-Ocher, Lichtgebrannter-Ocher, Gold-Ocher, Dunkel-Ocher, Terra di Siena (gebrannt und ungebrannt), englisch Roth, als Blau Ultramarin und alle Schwarze, die durchs Feuer gewonnen werden, als: Ruß, Kohlschwarz, Kernschwarz, Elfenbeinschwarz. Die Farben werden, nachdem selbige pulverisirt und fein gerieben, nur mit reinem Wasser angerührt, in Töpfchen gethan und sind zum Gebrauch fertig.

Nothwendig ist nun aber eine größere Auswahl von kleinen Gefäßen zur Hand zu haben, in welche jedes einzeln die verschiedenen Töne (Farben-Tinten) gemischt werden müssen, denn die verschiedenen Nüancen der Töne darf man auf der Wand nur immer in feiner eleganter Stufenfolge neben einander setzen, ohne etwas vertreiben zu wollen, deshalb müssen die Pinselstriche mit Freiheit und Sicherheit gezogen werden, weil das einmal verfehlte schwer zu verbessern ist, denn die Farbe zieht sich sofort in die Mauer ein.

Wenn das Bild auf der Wand fertig und an einigen Stellen etwas retouchirt werden muß, so macht man dazu Tempera-Farben, d. h. man nimmt unter die Erdfarben Eigelb als Bindemittel. – Schließlich wäre noch zu erinnern, daß da sich auf der Wand schwer zeichnen (Conturen) läßt, immer erst eine Zeichnung (wenn auch nur im Umriß) in der Größe des auszuführenden Bildes gefertigt und diese dann durchgepaußt auf die Wand übertragen werden muß.

Das Auftragen der Farben geschieht mit großem und kleinem Lackpinsel. Feine Zeichnung wird mit dem Haarpinsel hineingesezt.

p. 47

Tempera-Farben

sind dieselben wie bei der Fresco-Malerei, nur, wie oben schon gesagt, als Bindemittel zu den helleren Farben Eiweiß, zu den dunkleren Eigelb, auch aufgelöste Hausenblase, und werden die auf diese Art zubereiteten Hauptfarben in Töpfe gethan, woraus dann die übrigen Töne gemischt werden (es kann auch sehr gut auf trocknen Kalk gemalt werden), wie die mit hoher Meisterschaft ausgeführten Gemälde im Museum zu Berlin von W. v. Kaulbach beweisen.

Harzmalerei.

Diese Malerei ist leichter und bequemer als die vorher erwähnten, man kann dazu jede alte Wand, die sicher und glatt ist, gebrauchen, man nimmt auf 10 Theile Balsam copaivae 1 Theil gelbes Wachs warm geschmolzen, dann wie Oelfarben behandelt. Diese Art Malerei findet man häufig in Süd-Deutschland, wo über die Hausthüren Heilige auf Kalk abgemalt sind, angewandt. –