Orelli 1795/IV

[Johann Heinrich Orelli], Vollständige theoretische und praktische Geschichte der Erfindungen. Oder Gedanken über die Gegenstände aller drey Naturreiche, die im menschlichen Leben theils zur Beschäftigung des Körpers, theils auch der Seele, beygetragen haben. In einer systematischen Ordnung nach Eintheilung der Naturreiche vorgetragen IV, Basel [Johann Jakob Flick] 1795.


Die Malerkunst.
Der Maler.

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pp. 263–267

Ehe ich die verschiedenen Arten von Malereyen und Gemälden durchgehe, werde ich zuerst die Werkzeuge des Malers, dann die Farben, und endlich seine Kunsttermen erklären.

[Werkzeuge]

Unter die Werkzeuge des Malers gehöret 1) der Reibstein und sein Läufer die beyde hart, und an der Seite, wo sie von der Farbe berührt werden, glatt seyn müßen. Gewöhnlich ist es ein Marmorstein. Sorgfältige Maler haben zu der weissen Farbe einen besondern Reibstein, weil jede andere Farbe das Weisse färbet, der Künstler aber einen Reibstein nie so vollkommen reinigen kann, daß nicht einige Reste von der vorher geriebenen Farbe zurück bleiben sollten. Einige Maler nehmen zu dem Reibstein statt Marmor, Porphyr, oder einen Kiesel von willkührlicher Größe, welche noch besser sind als Marmor. 2) Staffelei (chevalet) ist ein Gestell von Latten wie ein Pult eingerichtet, auf welches die Maler das, worauf sie malen, stellen. Sie erhöhen das Zwergstück oder lassen es herunter vermittelst zweyer Pflöcke, welche sie in die gebohrten Löcher der beyden andern Säulen der Staffelei stecken. Die Gemälde von mittlerer Größe, die darauf gemalt werden, nennet man Staffelei-Gemälde. 3) Palette ist ein kleines, aber glattes Brett aus hartem Holz, z. E. Nuß- Pflaum- oder Birnbaumholz gemacht; denn je härter das Holz ist, desto weniger ziehet es das Oehl aus den Farben auf der Palette. Bei der Arbeit trägt der Maler die Palette mit der linken Hand, dergestalt, daß der Daum dieser Hand in dem Loch stecke, und die Palette selbst gegen den Ellbogen gekehrt ist. Eine neue Palette muß so lange mit Oehl getränket werden, bis sich kein Oehl weiter einziehet. Ohne diese Vorsicht würde sich das Oehl in den Farben, so auf der Palette stehen, auch in das Holz einziehen. Der Maler führet also auf diesem Brette die Farben, die er gebraucht, bey sich. Oben stehen die einfachen, unten die gemischten Farben. Der Maler setzt darauf die Farben, ordnet und mischt sie ehe er sie mit dem Pinsel aufträgt. Die Palette ist oval oder eckicht. Zur Miniaturmalerey braucht man elfenbeinerne Palette. Die niederländischen Maler brauchten krystallene Paletten. Zur Wachsmalerey sind die von Schildkröte gut, weil solche den Firnis, der den Farben das Flüßige giebt, nicht wie hölzerne einsaugen. Setzt man die Palette auf einer Glasscheibe ins Wasser, so erhalten sich die Farben ohne hart zu werden. Die Spatel ist ein Span von hartem Holze, der an einem Ende schräge abgeschnitten ist. Der Künstler setzt die Farben bey der Mischung auf der Palette mit diesem Werkzeuge hinab. Statt dessen bedienen sich auch einige Künstler eines stumpfen Messers, das auf beyden Seiten gegen die Schneide zu gewölbet ist. Die Klinge dieses Farbemēssers oder Spatels ist ungefehr zwey Fuß lang, mit einem kurzen Griffe, der zum gründen der Leinwand gebraucht wird. Seine Schneide ist stumpf. Es wird sowohl der erste als der zweyte Grund der Farben gemacht. 5) Der Malstock ist ein dünner Stock von zähem Holze, etwa drey Fuß lang. Der Maler lehnt das eine Ende dieses Stocks bey der Arbeit gegen den rechten Rand des Gemäldes, das andere Ende nimmt er aber unter die Palette in die linke Hand. Daher muß dasjenige Ende, so gegen das Gemälde gerichtet wird, mit Leder gepolstert seyn, damit das Gemälde nicht von dem Stock verletzet werde. Beym Malen ruhet die rechte Hand des Künstlers, womit er den Pinsel führet, auf diesem Malstock, und hiedurch bekommt diese Hand Festigkeit und Gewißheit. 6) Pinsel, dieser besteht aus in einen Kiel zusammen gebundenen groben oder feinen Haaren. Es giebt drey Arten; der stärkste ist der Borstenpinsel, den man aus Schweinsborsten verfertiget; sie sind von verschiedener Größe, und werden zum Anstreichen oder groben Materien gebraucht; sie sind trocken gebunden oder gepicht, jene braucht man zum Anstreichen der Farben, daher nimmt man hiezu weiche Borsten, und bindet sie so zusammen, daß man mit ihrem Schwanz anstreichet, und bloß einen Stiel hineinsteckt. Die verpichten gehören nicht hieher. Die Fischpinsel verfertiget man von Fischotterhaaren. — Der Haarpinsel zieht die feinsten Züge, daher hat er eine Spitze; man muß auch Haare wählen, die sich zusammen in eine gute Spitze vereinigen. Man nimmt sie daher zwischen die Lippen, feuchtet das Haar etwas an, und ziehet es zugleich im Munde herum. Diejenigen Pinsel, deren Haare sich aus einander geben, oder keine Spitze machen, taugen nichts. Man muß sie sorgfältig reinigen, und rein halten, und wenn man sie braucht sehr gut auswaschen, insonderheit wenn man einen Pinsel zu verschiedenen Farben gebraucht. Daher taucht man ihn in Wasser oder in reines Oehl, wenn mit Oehlfarbe gemahlt wird, welches man in dem Pinseltrog hat, auf dessen Rand man ihn mit den Fingern ausdrückt, und nach diesem wischt man ihn mit einem Läppchen ab. Borstenpinsel taucht man in Seifenwasser ein und druckt die Farbe völlig aus. Die Dicke und Länge der Pinsel ist nach ihrem Gebrauch verschieden. Die zum Oehlmalen haben kurze Haare und sind stark. Die zur Wasserfarbe haben längere Haare; die Tuschpinsel sind noch länger, hingegen die zur Miniatur klein und dünne. Die Alten hatten Pinsel von Stücken Schwamm. Pinsel heißt auch figürlich die Arbeit selbst, welche der Maler mit dem Pinsel gemacht hat. In dieser Bedeutung sagt man, ein Federpinsel, wenn das Gemälde wohl einpostirt ist, ein gekehrter, ein markigter Pinsel, wenn das Gemälde wohl zusammengesetzt und touschirt ist. 7) Pinseltrog (Pincelier). Dieses ist ein kleines Gefäß von Kupfer oder Blech, unten flach, an beyden Enden rund, und in der Mitte durch eine Platte in zwey Theile abgesondert. In einem dieser Theile ist das Oehl, worinn man den Pinsel tauchet, welchen man rein machen will. Man drückt ihn mit dem Finger auf den Rand des Gefässes und der Platte, damit das Oehl nebst der Farbe, welche durch dasselbe von dem Pinsel losgemacht, in die andere Seite falle, wo kein rein Oehl ist. Die Vergolder können diese Ueberbleibsel von den in den Pinseltrog fallenden Farben brauchen. 8) Der Gliedermann (manequin) verschaft dem Maler den Vortheil, daß er beym Malen in der Natur selbst bemerken kann, wie jedes Zeug, woraus ein Gewand verfertiget ist, Falten schlägt. Der Gliedermann ist die nackende Figur eines Menschen; von dem Bildhauer aus Holz geschnitzet. Jedes Gelenk erhält eine doppelte Bewegung. Man kann es vermittelst eines hölzernen Gewindes nicht nur hinauf und hinab bewegen, sondern auch vermittelst eines Zapfens im Kreise umdrehen. Eine solche Bewegung erhält nicht nur jedes Gelenk der Füße nebst ihren Zehen, und der Hände nebst ihren Fingern, sondern es wird auch ein Gelenk unter dem Halse und über den Unterleib im Kreutz angebracht. Gewöhnlich ist ein solcher Gliedermann und die sogenannte Puppe etwa zwey bis drey Fuß hoch. Diese Verjüngung ersparet Kosten, indem der Maler nur ein kleines Stück Gewand anzuschaffen braucht. Doch haben begüterte Maler außer dieser Puppe wenigstens noch einen Gliedermann in Lebensgröße, an welchem sie im Nothfall selbst einen Glanz vorbringen können. Beym Gebrauche giebt der Künstler, vermittelst seiner Gelenke, diesem Werkzeug diejenige Stellung, welche die Figur hat, die er jedesmal malet. Hierauf bekleidet sie derselbe mit demjenigen Zeuge, woraus sein Gemälde ein Gewande erhalten soll; denn Sammet schlägt z. E. weit vollere und stärkere Falten als der Seidenzeug. Er legt hierauf das Gewand in eine solche Lage, daß er auf die leichteste und geschmackvollste Art Falten schlägt, und nach dieser Anordnung malet er die Falten in dem Gewande seines Gemäldes. 9) Endlich bedienen sich auch die Landschaftmaler mit Vortheil der finstern Kammer (camera obscura, v. opticus); denn diese verjüngt ihnen nicht nur den Gegenstand auf eine schickliche Art, sondern zeigt ihnen auch getreu die Perspektive an. Wenn sie dieses optische Instrument auf flachem Felde gebrauchen, so stellen sie es auf ein Stativ, verhüllen sich beym Zeichnen den Kopf, damit ihnen das Licht nicht hinderlich ist. Vermittelst dieses Instruments halten sie auch die gezeichnete Landschaft gegen die Natur, wenn die Landschaft bereits kollorirt ist. Auf diese Art bemerken sie am leichtesten die eingeschlichenen Mängel. Dieses Werkzeug leistet also den wichtigen Nutzen, daß man darnach in der Natur eine Landschaft bezeichnen kann.

pp. 267–276

[Farben]

Ohne Zusammensetzung und Mischung der Farben würde Malerey nichts seyn, daher ist es nöthig, ehe man sie näher untersucht, eine Beschreibung davon voraus zu schicken, und ihre Eigenschaften kennen zu lernen. Farben sind Säfte, Erden, Metall, Kalke. Man reibt sie vor dem Gebrauch auf dem obenbeschriebenen Reibstein; sie sind Materien, deren körperlicher Schatten auf die Wirkung und Dauer eines Gemäldes einen beträchtlichen Einfluß hat, und dann als bloßes Licht, das durch die Mannigfaltigkeit seiner Wirkung den Künstler in den Stand setzt, die Farben eines jeden sichtbaren Gegenstandes nachzuahmen; vide unten Betrachtungen über Maleren. Die Farben, sie alles, entweder Erdfarben, oder Gattungen gefärbter, von der Natur erzeugter Erden, wie der Ocher, die grüne, die braune, die rothe Erde, oder chymische Farben, die durch die Chymie aus metallischen Materien verfertiget worden, Farben, die man durch Zubereitung aus den animalischen und vegetabilischen Körpern verfertiget. Bey jeder Art machen die hellen den Anfang, und die dunklern folgen diesen, wie sie nach und nach an Tiefe zunehmen; es giebt:

a) Weiß. 1) Kremnitzerweiß, Schieferweiß, Bleyweiß. Unter diesen giebt das Kremnitzerweiß die schönste, das Bleyweiß die schlechteste weiße Farbe. Dasjenige Schieferweiß, so man bereits in Bleyfabriken zerrieben verkauft, ist insgemein mit Kreide versetzt. Daher kauft der Maler auch lieber in Stücken, so mühsam sich diese auch reiben lassen. Das Schiefer- und Bleyweiß wird aus corrodirtem Bley verfertiget. Das Kremnitzerweiß ist vermuthlich auch nur eine feinere Art Schieferweiß. Alle lichten weisse Farben werden zuletzt mit Mohn- oder Nußöhl nachgerieben, und in glasierten Näpfen oder verbundnen geöhlten Schweinsblasen aufbewahret.

b) Roth. Die Mennige, die aus Bley kalcinirt recht gebrannt wird, wächst aus, das ist, sie erhält als Farbe verbraucht, in der Folge der Zeit das Ansehen, als wenn sie mit Staub bedeckt wäre, und wenn man diesen Staub gleich abwischet, so zeigt er sich doch nach einiger Zeit wieder. Der rothe Ocher ist aus gelber Erde roth gebrannt, und dienet wie die englische, wie jede rothe Erde zu Wasser und Oehl. Der Zinnober ist gewachsen oder gemacht, wird lange zerrieben, und mit Mennig zu Vermillon gemischt, der zu Oehl, Wasser und Leim dienet.

Der natürliche erlangt erst seine rothe Farbe durchs Reiben. Der nachgemachte oder künstliche ist eine Vermischung von Merkurius und sublimirtem Schwefel durchs Feuer zusammen gebracht. Man findet ihn klar und stückweise, weil jener öfters durch Mennige verfälscht ist. Man bereitet ihn zu wie ich unter dem Artikel Bley, vide dasselbe, gesagt habe. Aller Zinnober muß lang mit Urin gerieben werden, man übergießt ihn etliche mal mit gequirlitem in Wasser verdünntem Eyerweiß, außerdem verliert er seine Lebhaftigkeit in Wasser und Oehl; wenn er gebraucht und trocken ist so mischt man ihn mit feinem Lacke; der spanische giebt die hellste Röthe, aus eben den Lacken wird der feine Florentinerlack aus Cochenille, von der der Karmin schon abgeneigt worden, vorgezogen; er trocknet aber schwer, und die Sonne zieht seine blühende Röthe aus. Der Kugellack besteht aus der mit etwas Allaun gekochten Brühe des Brasilienholzes, und dessen feineren Sorte, die unter Kreide gemischt werden. Nach langem Reiben kann man ihn mit Wasser anwenden; in Oehl wird der feine dunkel. Die Blumenlacke entstehen aus einer Lauge von Kalk, Alaun, und Blumen; der rothe aus wildem Saatmohn, der gelbe aus Pfriemenkraut, Jonquille, der blaue aus Kornblumen, Lilien. Diese Blumensäfte werden zum Illuminieren mit der Lauge ausgezogen, und auf Gyps oder Kreide getrocknet. Der Karmin ist ein blutrother sammetartiger Bodensatz aus Cochenille, leidet nur etwas Zucker, und dienet wegen seiner hohen und theuren Farbe, nur zur Miniatur und Verschönerung der rothen Gewänder, auch in der Wachsmalerey nimmt sie sich fürtrefflich aus, der Plattlack wird mit Pottasche braun.

c) Gelbe Farben sind der gelbe Ocher eine gemeine gelbe Erde; der feinste wird in England und Sachsen gegraben. Man hat lichte mittlere und dunkle Ocher, die in Kohlen gebrennt roth werden, sie dienen in Wasser und Oehl. Das schönste gelb ist Neaplergelb, es verträgt Vermischungen mit anderen Farben, und muß auf Marmor mit einem solchen oder gläsernen Läufer gerieben werden, da es aus Bley und Spießglas besteht. Die Wurzel der Kurcumy giebt einen Saffran oder Pommeranzen-Farbe. Das Beerengelb wird aus getrockneten Beeren von Wegedorn mit etwas Allaun gekocht, und mit feiner Kreide zu Kuchen getrocknet die leicht zerreibbar und goldgelb sind, und zu Nuancen von Jonquille mit weiß dienen. Das Schüttgelb entstehet aus der Infusion von jungen Birkenblätteren oder dem Färberkraute, der gelben Reseda, Bleygelb, gelbgebranntes Bleyweiß so man durch Bleyweiß erhöhet, und durch anderes gelb oder Umbra vertieft. Man macht es wenn man Stücke Bleyweiß in eiserne Gefässe wie Kaffe schüttelt und röstet; der Dampf davon ist giftig und die Farbe wird mit Oehl abgerieben.

d) Grün, hellgrüne Erde. Man macht den Grünspan aus Kupfer durch die Weintresten, er wird schön, wenn man ihn mit warmem Wasser und Weinstein zur Illuminirfarbe auszieht. Außerdem taugt er wenig unter Wasser oder Oehl. Zum Firniß reibt man ihn mit Terpentindhl ab; und er schickt sich mit Copalfirniße gut zum lichten Anstrich der Kutschen. Löset man Grünspan in destillirtem Weineßig auf, und läßt man ihn an dünnen Stücken zu Trauben anschiessen, so erhält man schöne sammetartige Kristallen. Man hat auch natürlichen aber selten. Er verderbt in der Oehlmalerey alle Farben, und will man darinn Gebrauch davon machen, so darf man ihn höchstens mit Schwarz brechen. Wäre nur ein wenig davon in der Gründung auf der Leinwand, so wäre er ein Gift für alle Farben die man darauf mahlen würde.

Er ist gut zum Illuminieren man calcinirt ihn, um ihn zu reinigen, wie ich schon gesagt. Einige lassen den petrificierten Grünspan zum Gebrauch in der Wassermalerey mit Gummi in Muschelschaalen trocken werden. Safran macht ihn gelb, Gummigutti hochgrün. Er muß ganz grün seyn ohne weisse Adern haben. Man hat ihn in Kuchen und Stücken.

e) Blau. Das Bergblau ist unbrauchbar: denn es verschießt; es leidet wenig Gummiwasser und kein langes reiben, es ist sehr hochblau und wird vom gemeinem Oehl grünlich, es ist theuer; Es kommt aus dem Tyrol, (vide Mineralien.) Die Schmahlte ist eine blaue Farbe, die man ehedem bloß in den Niederlanden jetzt aber auch in vielen Landen macht, welche die Maler nur in Landschaften brauchen können, weil sie leicht grün wird, man nennet sie daher auch grüne Asche (cendre verte). Sie ist in der Luft ziemlich beständig, daher kann der Maler mit dieser Farbe am besten die Luft ausdrucken. Das Berlinerblau wird, wenn man es ungemischt verbraucht, in der Folge grünlich, und bestehet aus Erde, Alaun, grünem Vitriol, durch alkalisches Salz und Schwefel niedergeschlagen. Das Ultramarin ist theuer und hat wenig Körper, das ist wenig Maße, ja sie ist die theuerste aller Farben, der Stein aus dem sie entstehet ist sehr selten, und wenige Leute kennen ihre Zubereitung gehörig. Man vermengt es öfters mit Schmahlte. Um das unverfälschte zu kennen, thut man nur ein wenig auf eine eiserne Platte, und läßt es auf der Scheibe heiß werden. Wenn es nicht die Farbe verändert, und ein Pulver bleibet ohne zu Klumpen zu werden, ist es gut und rein. Wann es aber zu Klumpen wird, so ist es falsch. Das Ultramarin ist eine sehr feine und lustige Farbe. Man brauchet es in allen schönen Gemälden, besonders zum Fleische des anderen Geschlechts und der Kinder. Es giebt den halben Schatten ein zartes und markigtes Wesen, am unentbehrlichsten ist das Ultramarin in der Miniatur, und kann durch keine andere Farbe ersetzt werden. Man macht von Silber ein Blau, welches dem Ultramarin sehr nahe kommt. Der Indigo wurde vor Erfindung des Berlinerblaus sehr häufig gebraucht, und mit Ultramarin glasiert. Er muß darinn dem Berlinerblau weichen, daß er verschießt; er ist dunkelblau, kommt in trocknen Stücken aus Amerika und Asia. Man zieht ihn blos aus einer Pflanze, welche die Indianer und Spanier Anil, die Franzosen aber und andere Indigo nennen. Der beste ist der in platten Stücken von einer schicklichen Dicke, mittelmäßig, hart und rein, er schwimmet auf dem Wasser, hat eine schöne blaue oder violbraune Farbe; führt innwendig einige Silbertörnchen bey sich; und scheint auf dem Fingernagel gerieben röthlich. Mit weiß vermengt macht man aus dem Indigo in der Malerey eine blaue Farbe; denn ohne diese Mischung würde er eine schwärzliche geben. In der Blauküpe schöpft man die schwimmenden Blumen vom Indig und Weid zum Wassermalen ab.

f) Braun. Dahin gehört der Umbra, welcher pflegt nachzudunkeln, der sich aber in etwas verbessern und verschönern läßt, wenn man ihn im Feuer rothglühend werden läßt. In den Mittelfarben und Halbschatten der fleischichten Theile ist er sehr schädlich: denn seine Farbe ist zu dunkel; er kommt aus der Levante und aus Egypten, ist von Erde, oder ein milder natürlicher Bolus, welcher eine schöne kastanienbraune Farbe giebt, wenn er gebrannt wird. Man braucht ihn nur in der Malerey gebrannt, in der Wachsmalerey, sagt man, dunkle er nicht nach. Er thut sonderheitlich in der Wassermalerey gebrannt und natürlich sehr gut. Der Umbra soll nicht steinigt und von gutem braun, lebhaftem braun seyn. – Die Mumie und cöllnische Erde gehört auch noch unter die braunen Farben. Diese Erde ist schwärzlichroth oder braunschwarz, bleicht immer ins rothe aus, und zerstöhrt die benachbarten Farben, sie ist leichter, milder und durchsichtiger als der Umbra, man kann sie wegen ihrem Nachfärben nur zum Glasiren brauchen. Sie ist dunkelbraun und röthlicht; Diejenige, welche ins Schwarze fällt, ist die schlechteste. Sie hat ihren Namen von dem Lande, wo man sie gräbt.

g) Schwarz. Dieses ist die dunkelste unter allen Farben. Man kennet in der Malerey kein ganz schwarzes und kein ganz weisses. Diese Farbe ist an sich selbst schwer, sehr in die Augen fallend, sehr trocken und hartnäckig, wenn sie mit andern gebrochen wird. Die Mischung der weissen und der andern Farben, welche mehr oder weniger von dem Schwarzen bey sich führen, ist die schwarze Seife in der Malerey. Alle Arten Schwarz, die Erden ausgenommen, sind künstlich. Es giebt Schwarz von gebrannten Weinreben, die man wie die Reiskohlen in einem Flintenlauf brennet. Nußschwarz (noir de fumée); man kann aber damit leicht die andern Farben verderben, ohne Zubereitung gebraucht, trocknet es gar nicht, oder doch wenigstens sehr schwer. Es trocknet etwas besser, und macht ein sanftes Schwarz, wenn man es in einem Tiegel hat glühend werden lassen, um demselben die Feuchtigkeit zu benehmen. Man reibt es hernach wie andere Farben auf dem Reibstein. Man kann es alsdenn gebrauchen, weil es weniger roth wird, noch den andern Farben ein bräunliches Wesen giebt. Dieses Rußschwarz wird von Terpentin, Pech und andern dergleichen Materien gemacht, welche man auf einem Ofen brennen läßt, worüber man ein umgestürztes Gefäß in der Form eines Trichters ohne Röhre setzt, welches inwendig mit einer Schaafhaut gefüllt seyn muß, an welche sich der Ruß ansetzt, welchen man nachher abschüttelt, wenn man eine Quantität Schwarz beysammen hat. Auch erhält man ein sehr feines Rußschwarz, wenn man Zwirn oder Garn in Leinöl tunket; es hernach anzündet, und gerade darüber ein kupfernes Gefäß hält, so wird sich daran ein feiner Ruß setzen, und wenn man genug hat, macht man ihn von dem Gefässe ab. – Beinschwarz, Elfenbeinschwarz, ist gut und schön. Man nimmt dazu gefeiltes oder gesägtes Elfenbein, macht es mit Leinöhl an, und thut es in ein wohlverschlossenes und verkleibtes Gefäß; man setzt dieses an ein gelindes Feuer, und hält es auf glühende Kohlen, bis es nicht mehr raucht; dann nimmt man das Gefäß geschwind vom Feuer; man setzt es auf das Sand, stürzt ein anderes Gefäß darauf, und durch diese Art es zu behandeln, kömmt eine schöne schwarze Farbe heraus, man kann es aber so wenig als das Beinschwarz in der Wassermalerey brauchen. – Beinschwarz wird auf eine ähnliche Art von Ochsenknochen so gemacht, oder man brennet es auch nur zu Kohle, es ist aber doch nicht so schön wie die andere Art. Dieses verlieret durch die Länge der Zeit nichts von seiner Farbe. – Pfirsichkernschwarz (noir de pêche). Dieses macht man von gebrannten Pfirsichkernen, es fällt ins Bräunliche, Herr Lorrain, Maler der königlichen Akademie in Paris, erfand ein Schwarz von gebrannter Korkrinde. Dieses Schwarz ist sehr leicht, und machet einen bläulichen Ton, welcher beynahe die Wirkung der Ultramarinasche thut. – Kohlenschwarz braucht man insonnderheit zur Freskomalerey, wo das Russelfenbein und Beinschwarz nichts taugen. — Das deutsche Schwarz (noir d’Allemagne, de Francfort), ist eine natürliche Erde, welche ein bläulich Schwarz giebt, wie ungefehr das Kohlenschwarz; hieraus machen die Drucker ihre Schwärze. – Das Schwarz, welches aus Weinhefen gemacht wird, das die Italiäner Feccia di botta nennen.

Die Maler, welche auf Glas malen, machen ihr Schwarz von Eisenschlacken, welche zwo bis drey Stunden mit einem Drittheil Rokaille auf einer Kupferplatte gerieben worden; damit es aber im Feuer nicht roth werde, so mischt man ein wenig gebrannt Kupfer mit Eisenslintern darunter. Judenpech giebt ein röthliches Schwarz, und ist beym Glasiren brauchbar. Der Maler läßt ihn mit Oehl über Kohlen zergehen, und setzt eine leicht vertrocknende Farbe, z. E. Umbra oder Grünspan hinzu, weil das Judenpech ungemischt schwer trocknet. – Miniaturschwarz ist eine ordentliche chinesische Tusche.

Aus diesen Hauptfarben werden durch die Mischung folgende gewöhnliche Farben hervorgebracht, gelb und roth giebt eine Orangenfarbe. Aus Neapelgelb und Zinnober entstehet eine helle Orangenfarbe, die man durch Schüttgelb mit Florentinerlack vermischt, dunkler glasiren kann. Gelb mit blau vermischt, giebt eine grüne Farbe. Mischt der Maler unter Neapelgelb Berlinerblau, so erhält er eine hellgrüne, mischt er aber unter Indigo einen dunkeln Oker, so bekommt er eine dunkelgrüne Farbe. Aus dunkelm Oker und Berlinerblau entstehet endlich eine grüne Farbe, die das Mittel zwischen den beyden vorhergehenden hält. Blau und roth bringt vermischt eine violette Farbe hervor. In dieser Absicht mischt der Künstler unter Florentinerlack Berlinerblau, vmb eine lichte violette Farbe zu erhalten, die er mit eben der Tinte dunkler glasirt. Jede Mischung der Farbe heißt der Maler in der Kunstsprache eine Tinte, und es giebt unendlich viele die der Künstler theils durch Versuche, theils auch durch bloßes Ungefehr hervorbringt; denn jeder Maler hat seine eigene Manier die Farben zu mischen, die sich auf seinem eigenen Genie und auf seinen Erfahrungen gründen (vide unten unter Erklärung von Kunstworten).

Der Purpur ist dunkler Lack. Rosenfarbe entstehet aus Zinnoberlack und weissem. Alle Farben, sowohl die natürlichen als künstlichen, werden bey den Specerey- und Farbhändlern verkauft, im Ganzen oder im Kleinen, gerieben oder ungerieben, einige braucht man in Oehl andere in Fresko, andere in der Wassermalerey, andere zur Miniatur — andere endlich zur Wachsmalerey (siehe diese alle). Diejenigen Farben, welche von den Specereykrämern für die Oehlmalerey schon bereitet und fertig verkauft werden, sind in Blasen eingeschlagen, die Farben zum Wassermalen werden gemeiniglich unbereitet verkauft, die Maler bereiten sich solche selbst zu. Die Miniaturfarben sind allemal die schönsten und feinsten, so werden sie in großen Stücken, oder nach Unzen, je nachdem sie kostbar sind, verkauft. Einige, als z. E. Weiß, Indigo, die Massicot, den Bister, Umbra, Zinnober verkauft man mit ein wenig Gummi abgerieben, in kleinen Täfelchen von der Größe einer Erbse oder Linse, oder in Näpfchen von Elfenbein, oder auch in Muscheln, andere, als den Karmin und Ultramarin, in feinem Staube, wieder andere in Stücken, als das Blasengrün, Saftgrün, Gummigutti, den Gallenstein, das Gummi Arabicum, woraus man das Gummiwasser bereitet. Die Krämer, welche damit handeln, verkaufen auch Leinöhl, Nußöhl, Mohnöhl, welche in der Oehlmalerey am meisten gebraucht werden; ingleichen Terpentingeist, Firniße, gegründete Leinwand, und alle Werkzeuge des Malers. Einfache Farben sind diejenigen, die man zum Illuminiren braucht, welche, weil sie mehrentheils Säfte sind, das Feuer nicht vertragen, und oft auch an der Luft vieles von ihrer Schönheit verlieren, als der Safran die Avignonischen Körner. Diese Farben sind einigermaßen durchsichtig. Mineralische Farben macht man aus Mineralien und Metallen, und braucht sie zum Email- und Glasmalen (siehe jede Art Malerey besonders).

Der Maler, in der Zusammensetzung und Ausarbeitung seines so reichen Stoffes, bedient sich verschiedener bestimmter allgemein angenommener künstlicher Ausdrücke, um die Mannigfaltigkeit seiner Werke, um ihre Stoffe, die Anordnung und Zusammensetzung derselben anderen durch bestimmte Wörter verständlich zu machen; um durch die allgemein bekannten Wörter, von denen jedes seine eigene Bedeutung über die Malerkunst hat, den Schülern und Kennern verständliche Erklärungen zu geben, und dieses große Feld in kleinere Theile abtheilen zu können, und daher deutlichere Begriffe von dem Ganzen zu erhalten. Ein Kenner und ein Schüler der Malerkunst, ein theoretischer und ein praktischer Maler soll wissen was Licht und Schatten, Schlagschatten, Halbschatten, Tinte, Farben, Halbfarben, Lokalfarbe, Farbenmischung, Nuancirung, Colorit, hell, helldunkel, Luft, Haltung, Stellung, Anordnung der Gemälde, Harmonie, Einheit, Einfachheit, Linie der Schönheit, edle Einfalt, Handlung und Haupthandlung in einem Gemälde, Contour; was Costum, was Ausdruck in Absicht auf Leidenschaften in den Gesichtern und in den Bewegungen der Glieder des menschlichen Körpers seyen. Was Würde und Anstand beym Ausdruck der Leidenschaften seyen. Was Carrikaturen, was Groteskes, was wahr, was wahrscheinlich und was übertrieben; er muß die Verhältnisse gegen einander kennen, was Gruppen, was groß und erhaben.

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p. 429

Die Malerey theilt sich ohne Zeichnung mit und ohne Wasserfarben, von denen ich gerade im Anfang geredet habe, in Absicht auf Materialien, die der Maler gebraucht, und der Art damit zu malen, in diejenige, so man Oehlfarbenmalerey nennet, in Wasserfarbenmalerey, in Email- und Glasmalerey, in Musiv- oder Mosaiquemalerey, in Freskomalerey, in encaustische oder Wachsmalerey, Miniaturmalerey, und endlich Pastellmalerey.

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pp. 458–463

[Freskomalrey]

f) Freskomalerey, oder Malerey auf frischem Kalk. Diese Art zu malen ist die älteste, das beweisen uns einige antike Stücke, welche uns noch von den ersten Zeiten der römischen Republik aufbehalten worden sind. Die Freskomalerey erfordert einen Künstler voll Lebhaftigkeit im Zeichnen, er muß geschickt in der Ausführung seyn, Leichtigkeit in der Ausübung haben, und die Wirkungen der Farben und des Helldunkeln wohl verstehen; ohne diese Eigenschaften wird die Arbeit trocken, dürftig und unangenehm seyn, weil man seine Arbeit nicht wieder übergehen kann, noch die Farben so wie im Oehle sich vertreiben lassen. Diese Arbeit wird auf die Fläche von Mauren und Gewölbern, welche frisch mit einem Mörtel von Kalk und Sand beworfen worden, gemacht. Es ist der Gesundheit nachtheilig, wann der Maler seine Arbeit anfängt, ehe der erste und grobe Anwurf recht trocken ist, auch der Geruch vom frischen Kalke ist dem Kopf und der Brust sehr nachtheilig.

Dieser erste Anwurf, der aus gutem Kalk und Kütt von gestossenen Ziegelsteinen gemacht werden könnte, wird gemeiniglich von grobem Flußsand und gutem Kalk gemacht. Ehe man ihn aufträgt, muß man in die Steine, wenn sie nicht so porös und durchlöchert als sonst viele Bruchsteine sind, gewisse schräge Löcher von vielen Arten meisseln, damit die Tünchung desto besser eingreife und nicht abfalle. Dieser erste Anwurf muß wohl zugerichtet, aber sehr roh seyn, damit der zweyte desto besser fasse, und sich mit dem ersten völlig vereinige.

Ehe man das zweyte mal bewirft, feuchtet man den ersten Auftrag an, um ihn geschickt zu machen, auch den zweyten aufzunehmen. Zum zweyten Anwurf nimmt man Kalk, welcher seit einem Jahr, oder wenigstens seit sechs Monaten gelöscht worden, weil der Anwurf von diesem Kalk ausspringt. Man braucht hiezu weder zu groben, noch zu kleinen Flußsand.

Weil dieser zweyte Anwurf sehr leicht seyn soll, und man darauf nur naß malen kann, muß man einen geschickten Maurer haben, der ihn gehörig gleich mache, und nur so viel auf einmal verfertigen, als man in einem Tage bemalen kann.

Sobald er etwas fest geworden, und man mit der Kelle, oder auf eine andere Art, alle gleiche Ungleichheiten weggenommen hat; untersucht man, ob er hart genug ist, und ob er nachgiebt, wenn man ihn mit dem Finger ein wenig drückt; nach diesem legt man seinen Karton oder auf grob Papier gemachte Zeichnung an, und fährt mit einem Stifte über den Umriß des Papiers so, daß alle eingedrückten Umrisse, wenn man den Karton wegnimmt, auf dem Anwurfe deutlich und sichtbar sind. Will man kleine Sachen al Fresco, oder auf frischem Gypsgrund malen, so hat man eine durchstochene Zeichnung, (Bausche) welche man auf den Grund legt und durchstäubt. Man könnte es auch auf Mauren so machen. Wann der Umriß auf diese Art gemacht ist, malet man darauf. Die Zeichnung auf dem Karton oder auf der Bausche muß eben so groß seyn, als man sie malen will.

Man bedient sich der Borsten- und anderer Pinsel von steifen, langen und spitzigen Haaren, allein man muß sich hüten, auf den Grund des nassen Mörtels nicht zu viel zu arbeiten. Man kann auch eckigte und stumpfe Borstenpinsel beym Gründen brauchen, doch müssen ihre Haare allemal lang seyn.

Ehe man zu malen anfängt, muß man alle Tinten in irrdenen Gefässen zubereiten, und sie versuchen, indem man sie auf Paletten von Gyps oder Kalk, oder auch Ziegelsteine, welche Feuchtigkeiten anziehen, trocknen läßt: denn das Wassermalen hat viele Aehnlichkeit mit dem Freskomalen; ausgenommen, daß bey diesem der Grund Kalk ist, und daß man nur in bloßem Wasser aufgelösete Farben hiezu braucht.

Alle Farben, welche nicht Erden sind, taugen zu dieser Art von Malerey. Sie schließt alle Säfte und Mineralfarben aus, weil das Salz des Kalks sie verändern würde. Auch müssen diese Erden von trockener Natur, oder gestossene Steine und Marmor seyn; so würden sie eine Art von kollorirtem Mörtel geben.

Die Farben, welche man braucht, sind das Weisse, das aus Kalk bestehet, der seit einem Jahr, oder wenigstens sechs Monaten gelöscht worden. – Man nimmt auch dazu Eyerschaalenweiß oder weissen Marmorstaub mit Kalkweiß vermengt, um ihm mehr Festigkeit zu geben. Die Erfahrung lehret, die Proportion der Vermischung, Oker, italienische Erde, Masikot, das neapolítanische Gelb. – Doch giebt der Oker das schönste Gelb. Wenn man ihn hell machen will, versetzt man ihn mit Kalkweiß. – Zinnober zu Gewändern, wenn er fein und mit Kalkwasser zubereitet war. Römischer Vitriol kalcinirt, in Branntewein zubereitet, bekommt er eine Purpurfarbe. – Englisches Braunroth, die rothe Kreide. Umbra natürlich und gebrannt, rother und gebrannter Oker. – Schmalte und Lasurblau gepülvert, insonderheit für Landschaften, sie widerstehen Luft und Regen. – Ultramarin ist vortrefflich. – Grüne Erde von Verona, sie ist eine der besten Freskofarben. Die gemeine grüne Erde ist bey weitem nicht so gut. – Berggrün – grüne Asche taugt nicht viel. – Kölnische Erde, die venetianische, römische und teutsche schwarze Erde. Schwarz aus Weinhefen; Kohlenschwarz, gebrannten Pfirschkernen.

Die Farben, welche im Trocknen am wenigsten leuchten, sind das Dunkelroth, das englische Braunroth, der dunkle Oker und die schwarzen, besonders aber die durchs Feuer gegangenen Farben.

Man berechnet zu Anfang, wie groß ungefehr die Fläche ist, welche man bemalen kann, so lange der Anwurf, den man mit der Kelle auftragen läßt, noch frisch ist; nach diesem trägt man geschwind die Farben auf, das geschiehet mit einer großen Flüchtigkeit der Hand. Ausser den Farbennäpfchen, kann man noch eine blecherne Palette haben, mit ziemlich erhabenem Rande, und in der Mitte ein kleines Gefäß mit frischem Wasser, um die Farben und Tinten, welche man machen will, aufzulösen. Gemeiniglich verlieren die Tinten auf dem Kalkgrund ihren Glanz; man könnte ihnen also nur durch Ekravirung und Punktirung mit dem Borstenpinsel mehr Leben und Stärke geben. Ob aber gleich dergleichen Arbeiten mehrentheils nur keck und sollirt gemalt werden, so werden sie dennoch vertrieben und zärtlich genug erscheinen wenn die Tinten nahe neben einander stehen; und besonders in einer genügsamen Entfernung.

Will man einen Ort retuschiren, um ihm mehr Stärke zu geben, muß man die erste Farbe recht trocknen lassen, sonst würden die retuschirten Stellen Flecken geben. Die Retuschirung muß nur in dem Schatten gemacht werden, man bedienet sich hiezu einer dunkeln Farbe, von eben der Natur als diejenige, welche retuschirt wird, und einige tragen sie in diesem Fall in bloßem Wasser auf. In Italien mischt man in Werken, die dem Regen nicht ausgesetzt sind, Feigenmilch darunter. Man könnte auch die rothen Farben mit schönem Röthel trocken (durch weissen, wie im Zeichnen) retuschiren.

Will man in Fresko vergulden, so kann man verfahren wie beym Wassermalen üblich ist (siehe dieses) und der Manier mit Goldfarbe im Oehlmalen folgen (siehe Pernetty’s praktische Abhandlungen über die Malerey, Art. Freskomalerey).

Eine kurze Zeit nach dem Malen, steigen erst alle Farben aus dem Kalk mit ihren Schönheiten herauf, da sie unter der Arbeit nichts, als ein unförmliches Chaos von Pinselstrichen vorstellen; die scheinbaren Ansätze verschwinden, und die wohlthätige Wärme der Luft vereiniget die Stücke zu einem Ganzen, dessen Lebhaftigkeit unzerstörbar scheinet.

Man findet in Italien, besonders in Rom, noch Werke dieser Art von den alten Römern, die sich wohl erhielten, ob sie gleich aus der Erde unter dem Schutt alter Gebäude hervorgezogen worden.

Ehe man die Malerey mit Oehlfarben gekannt, verzierte man die Wände und Decken in Zimmern und Gewölben mit Freskomalerey; heut zu Tage braucht man sie meistens noch in Kirchen, oder gar großen Gebäuden zu großen Gemälden. Die Alten verstunden ihre Farbenmischung vollkommen wohl; denn man trift bisweilen noch Stücke an, die sich seit vielen Jahrhunderten in der frischesten Farbe erhalten haben. Die herrlichsten Werke des Raphaels sind im Vatikan in dieser Art gemalet, wiewohl sie in Absicht auf die Färbung viel verloren haben. Die Ausübung dieser Art zu malen verstand man nie so gut, wie hernach zu Carracci Zeiten. Annibals Gemälde in der Galerie des farnesischen Pallastes sind in Ansehung der Ausführung weit schöner, als alles was vor ihm in dieser Art gemacht worden (siehe Sulzers Theorie der Künste, Pernetty’s Handlexikon, und endlich auch T. II. Civilbaukunst, Art. Decken).