Leykauf 1840
Thomas Leykauf, Ueber die Fresco-Malerei der alten Römer, Allgemeine Polytechnische Zeitung und Handlungs-Zeitung 1840/16, Nürnberg [Johann Carl Leuchs] 1840, pp. 82–83.
Ueber die Fresco-Malerei der alten Römer *)
(Von Thomas Leykauf.)
Mehrere Stücke Frescomalerei aus Herculanum und Pompeji überzeugten mich, daß die Alten auf gewöhnlichen Kalkmörtel noch eine Lage von schönem Weißkalk gaben und dann erst die Farben auftrugen.
*) Bei Gelegenheit obiger Abhandlung theilen wir die nachfolgende von Herrn Leykauf uns früher mitgetheilte mit der Bemerkung mit, daß wir uns überzeugten daß die auf diese Art hergestellten Anstriche an Glanz und Festigkeit (sie geben selbst bei starkem Reiben keine Farbe ab) alles übertreffen, was wir bisher in dieser Art sahen. So angestrichene Wände lassen sich durch Abwaschen mit einem Schwamm fortwährend sauber erhalten, und haben den Glanz und das Ansehen des polirten Marmors. Unsern Frescomalern, welche, so viel wir wissen, bisher ein nicht ganz entsprechendes und kostspieliges Verfahren befolgen, dürfte diese Methode besonders zu empfehlen sein.
Nimmt man die Farbe vorsichtig von oben hinweg, so erkennt man deutlich den Kalk-Ueberzug, der oft 1, oft 2 Linien dik auf dem Mörtel sitzt.
Da die Alten mit der Anwendung von den verschiedenen chemischen Bindungsmitteln wol schwerlich ganz vertraut waren, so läßt sich schließen, daß sie die einfachsten Mittel wählten, um ihre Farben auf Kalk zu befestigen. Daß sie sich jedoch des nebenerwähnten Mittels bedienten, will ich damit nicht gesagt haben.
Da nun die Milch hiezu die trefflichsten Dienste leistet, so wäre es vielleicht für Frescomaler und Tüncher nicht uninteressant, die Bedingungen zu erfahren, unter welchen dieser Körper Farben vollkommen haltbar auf Kalk macht, so daß weder Feuchtigkeit, noch Luft, noch irgend eines der gewöhnlichen Einflüsse auf dieselben einwirken. Diese Frescomalerei nimmt zugleich den herrlichsten Satin an und ist dadurch vor Annahme des Staubes gesichert, und leicht durch Abreiben mit Lumpen zu reinigen, ohne daß sie dabei an Schönheit und Glanz verliert.
Der Kalk, den man zu solchem Zweck benützt, muß rein weiß, gut gebrannt, frisch gelöscht und mit Wasser zu einem Brei angemacht sein. Man treibt diesen Brei durch ein feines Sieb, trägt ihn sogleich mit dem Pinsel auf und verreibt mit dem Pinsel die angestrichene Wand, bis sich eine gleiche Fläche darstellt. Unmittelbar nach dem Kalküberzug trägt man die mit Milch zu einem dünnen Brei angerührte Farbe auf, oder man läßt die Wand abtrocknen, und gibt vor dem Anstrich der Farbe, durch einen Vorarbeiter, nochmal einen dünnen Kalküberzug, da es durchaus nothwendig ist, daß der Kalk seine ätzende Kraft in größter Vollkommenheit besitzt, wenn die Milch damit in Berührung kommt. Die mit Milch angerührte Farbe wird auf den noch feuchten Kalk aufgetragen, der Käsestoff derselben kommt bloß mit der Oberfläche der Kalkwand in Berührung, verbindet sich augenblicklich mit dem Kalke und bildet nach dem Trocknen einen gleichförmigen, festen Ueberzug, welcher durch Bürsten einen vollkommenen Spiegelglanz annimmt. Es ist hiebei nothwendig, die Anstrichfarbe dik aufzutragen, da bei einem zweiten Anstrich die Wand durch Reiben mit nassem Tuch Farbe abläßt, indem der erste Ueberzug nach dem Trocknen die Berührung der Milch des zweiten Anstrichs mit dem Kalke verhindert und auf der Oberfläche dann keine innige Verbindung zwischen Milch und Kalk entsteht. Die Wand kann jedoch, troz eines einmaligen Ueberziehens aufs Gleichförmigste gemacht werden, da die Farbe des ersten Pinselstriches noch während sie feucht ist, durch einen 2ten Strich nicht verwischt wird.
Auf solche Weise erhält man eine getünchte Wand, welche nach vollkommenem Trocknen (was mehrere Tage erfordert), weder durch Wärme, noch Feuchtigkeit leidet und durch bloßes Bürsten einen Spiegelglanz annimmt. Hat die Wand das Reinigen durch Reiben mit nassen Tüchern nicht auszuhalten, so kann man mehrmals die Farbe mit Milch auftragen, und dann ist auch der Ungeschickteste im Stande, einen vollkommen gleichen Anstrich auf die Wand herzustellen. Gelindes nasses Reiben verträgt sie, wenn sie vollkommen trocken ist, ebenfalls.
Die Wände erhalten einen noch größern Glanz, wenn nach dem Halbtrocknen der Milch die Wand mit einem Pinsel, der in Weingeist getaucht ist, bestrichen wird und man dann sogleich bürstet.
Die Milch verbreitet auf Kalk dünn aufgetragen (mit nicht zu vollem Pinsel) durchaus keinen Geruch, während, wenn der Kalk nicht ätzend, oder die Milch in zu großem Ueberschuß ist, beim Erwärmen der Zimmer Milchgeruch hervortritt.
