Malerei und Farben 1840
Die Malerei und die Farben der Alten, Allgemeine Polytechnische Zeitung und Handlungs-Zeitung 1840/16, Nürnberg [Johann Carl Leuchs] 1840, pp. 81–82.
Die Malerei und die Farben der Alten.
Wenn auch die Alten in Vielem gegen uns zurückstanden, so verschönerten sie doch ihre Städte und Wohnungen, mehr als wir, durch Werke der Kunst. Während man bei uns selten hin und wieder eine Bildsäule sieht, zälten ihre Städte tausende; während wir erst seit Kurzem die Wände mit wenig bedeutenden Tapeten verzieren, waren die Mauern ihrer Tempel, ihrer Häuser, und die Wände ihrer Zimmer mit Malereien oder plastischen Arbeiten bedeckt. Was von Bildhauerwerken bis jetzt unter dem Schutt hervorgegraben wurde, zeigt mitunter eine Vollendung der Arbeit, die seitdem selten erreicht wurde, ja in einzelnen Stücken vielleicht nie übertroffen werden kann. Während aber diese übrig gebliebenen Werke der Bildhauerkunst der Nachwelt zum Muster dienen, sind die alten Maler weniger glücklich gewesen. Ihre Werke sind zu Grunde gegangen, und es wäre uns vielleicht keine Idee von ihrer Vollkommenheit geblieben, wenn in dem verschütteten Herculanum, Pompeji und Stabiä unter Staub und Asche nicht eine Menge der trefflichsten Wandgemälde aus den Zeiten um Christi Geburt sich erhalten hätte. Diese haben seitdem die Aufmerksamkeit der Gelehrten vielfältig erregt, und Nachforschungen über die Mittel veranlaßt, deren sich die Alten bei dieser Art Malerei bedienten. Anfangs bezeichnete man sie als Werke der enkaustischen Malerei. In einer in die kleinsten Details eingehenden Schrift *) des Herrn Wiegmanns wird aber gezeigt, daß sie eine Art Frescomalerei war. Auch Plinius sagt übrigens ausdrücklich, daß die Enkaustik nicht auf Wände angewandt wurde.
*) Die Malerei der Alten in ihrer Anwendung und Technik, insbesondere als Decorations-Malerei. Von R. Wiegmann. Hannover 1836. Verlag der Hahn’schen Hofbuchhandlung.
Die ersten großen Wand-Malereien der Alten wurden zu Raphaels Zeit an den Thermen des Titus zu Rom gefunden. Im folgenden Jahrhundert (1606) grub man an der andern Seite des Monte Esquilino die Aldobrandinische Hochzeit aus. In der Mitte des 18ten ward das alte Herculanum 1753, das gleichfalls im Jahr 79 verschüttete Pompeji wiedergefunden, und bei den bald eingeleiteten Ausgrabungen dieser Städte sah man fast keine Mauer der Atrien, Peristyle und Gemächer, selbst der ärmsten Wohnungen, ohne Farbenschmuck, der in den bessern Häusern nicht selten, in den Bädern und Tempeln fast immer gegründeten Anspruch auf wahren Kunstwerth macht. Der Grund ist gewöhnlich glatt, wie geschliffener Marmor. Die Farben leuchten, als schimmere der Grund durch, sind nicht im Geringsten verblichen und springen nicht ab. Dies zeigt, daß die Alten eine ungleich vollkommenere Wandmalerei kannten, als unsere jezigen Frescomaler.
Der Anwurf ist Mörtel, 2 Zoll dik in fünf Lagen, wovon die untersten von Kalk, Sand, Puzzolane und Ziegelmehl, die oberste aber sehr fest, fein und weiß ist. Diese Ueberzüge wurden nach Vitruv mit Steken wol geschlagen, geglättet und der folgende stets aufgetragen, ehe der vorhergehende ganz trocken war. Auch die Farben wurden auf den noch feuchten Ueberzug gemalt.
Es zeigt sich keine Spur eines fetten, gallertartigen, oder andern pflanzlichen oder thierischen Bindungsmittels, wol aber unter allen Farben Kalk, der von der feuchten Mauer, die häufig noch besonders mit Kalk geweißt wurde, sich in die Farben zog, und ihnen Glanz und Dauer gab.
Das Weiß ist Kalk, (seltener weißer Thon), das Schwarz Kolenschwarz (Kienruß), das Gelb Oker, das Roth Röthel, (seltener Zinnober und Mennig), das Blau eine mit Kupfer erhaltene Schmelzfarbe, (seltener Ultramarin), das Grün grüne Erde, (seltener Kupfergrün).
Es ist nicht zu zweifeln, daß die Neueren bald auf eine vollkommenere Frescomalerei kommen werden, und zwar wie wir glauben, durch Anwendung des Wasserglases allein, oder mit Zusatz von Thonerde. Auch wird die Zeit kommen, wo unsere Tapetenfabrikanten wahre Gemälde auf ihre Tapeten herzustellen versuchen. In Frankreich und zwar, wenn wir nicht irren in Meß, hat man schon angefangen ausgezeichnete Produkte dieser Art auf Tapeten herzustellen.
Die Enkaustik selbst hat man zwar vielfach wieder einzuführen gesucht, jedoch ohne Erfolg, da sie vor der Oelmalerei keinen Vorzug hat, und ungleich schwieriger ist. Caylus *) gab 4 Arten an, nämlich 1) Malen mit gefärbtem geschmolzenem Wachs; 2) Malen mit durch Abschlagen des geschmolzenen Wachses mit Wasser erhaltenem Pulver, das man, wenn es trocken ist, durch Wärme schmelzt; 3) Ausmalen erdiger Farben auf mit Wachs überzogene Tafeln, und vereinigen dieser Farben nach dem Trocknen derselben, durch Schmelzen des Wachses; 4) Belegen der mit erdigen Farben bemalten Tafel mit Wachsblättchen und Ausschmelzen derselben. Alle dieser vier Arten können keine besonders schönen Gemälde geben. Der Abt Requeno färbte eine Mischung von 3 Mastix und 1 Wachs mit Farben, ließ die erkaltete Mischung pulvern, malte sie mit Wasser auf, ließ das Gemälde trocknen, und dann durch Erwärmung das Wachs schmelzen, wodurch das Wachsgemälde fertig wurde. Fabroni schlug vor, das Wachs in flüchtigen Oelen zu lösen. Bachelier und Walter eine Wachsseife anzuwenden. Tob. Maier setzte eine Mosaik aus farbigem Wachs zusammen, und erhielt so ein Gemälde, von dem man Scheiben abschneiden konnte, und doch dasselbe Gemälde auf der abgeschnittenen Fläche wieder hatte. Tomaselli (Della Cerografia) schlug vor, mit Wachsstiften, wie mit Pastellstiften auf eine rauhe Fläche zu zeichnen, und dann die Oberfläche über Feuer glatt zu schmelzen.
*) Memoire sur la peinture, 1755.
Die Kaustis der Alten, welche häufig mit der Enkaustik verwechselt wurde, war keine Wachsmalerei, sondern bloß ein Ueberziehen mit Wachs. Trockene Mauern mit oder ohne Frescogemälde, Statuen wurden mit geschmolzenem mit etwas Oel versetzten Wachs angestrichen, dann der Anstrich mit Hülfe einer Kolenpfanne erwärmt, bis er sich überall gleich vertheilte, und zuletzt mit Wachskerzen und leinenen Lappen glatt gerieben.
Für die nicht mit diesen technischen Ausdrücken bekannten bemerken wir, daß bei der Frescomalerei die Farben ohne Bindemittel auf den nassen Kalkstuk aufgetragen, und durch den in sie dringenden kohlensauren Kalk befestigt werden; bei der Temperamalerei aber mit einem Bindemittel (Leim, Gummi 2c.) auf trockenen Stuk (Kreidegrund); bei der Enkaustik mit Wachs, das mitunter mit Pech, seltener mit Oel versetzt wurde.
Die Temperagemälde sind im Laufe der Zeit zu Grunde gegangen, oder wo man deren noch findet, hängt die Malerei doch nur wie ein Anflug (als Staub) an der Unterlage, wo man deren noch findet. Auch die enkaustischen Gemälde haben sich nicht erhalten, und die ganze Enkaustik ist verlassen worden, da sie der Oelmalerei, welche die Alten nicht kannten, weit nachsteht. Die Oelmalerei beschrieb zuerst der Mönch Tutilo, der im 9ten Jahrhundert in St. Gallen lebte. Die Enkaustik diente den Alten weniger zu feinen Malerei als zum Anstreichen der Schiffe und des Holzwerks, das sie dauerhaft machen wollten, und dabei wurde dem Wachs häufig Pech zugesetzt.
