Von des Herrn Santerre Mahler-Künsten 1719

Von des Herrn Santerre Mahler-Künsten, in: Sammlung Von Natur- und Medicin- Wie auch hierzu Gehörigen Kunst- und Literatur-Geschichten so sich An. 1718 in den 3. Winter-Monaten in Schlesien und anderen Orten begeben… III (Winter-Quartal 1718), Breßlau [Michael Hubert] 1719, pp. 730–736.


Artic. VI.
Von des Herrn Santerre Mahler-Künsten.

§. 1.

Es brachten die neuen Zeitungen von gelehrt. Sach. in diesem Monat no. 17. eine curieuse Relation aus Paris von dem Königl. Mahler, Joh. Bapt. Santerre, bey, der Anno 1657. gebohren, und An. 1717. den 21. Novemb. im 60. Jahre seines Alters verstorben; in welcher einige Singularia von seinen Mahler-Künsten allegiret wurden, sonderlich 1.) daß er nach der Natur und Anatomie gemahlet, krafft dessen er in den Antiquen und Meisterstücken der berühmtesten Italiener verschiedene Fehler entdeckte: 2.) daß er vor allen Dingen seine Arbeit dauerhafft gemacht, daß sie nach 30. oder 40. Jahren so neu ausgesehen, als ob sie erst verfertiget worden: 3.) daß er, diesen Endzweck zu erhalten, bloß 4. oder 5. Arten von Erden dazu gebraucht, durch deren Vermischung er, wiewohl mit grosser Mühe, alle Farben zuwege gebracht: 4.) daß er offt eine einzige Sache drey biß viermahl gemahlet, 5.) ohne sich des Lackes oder anderer Dinge zu bedienen, als die der Beständigkeit eines Gemähldes viel derogireten. Dieses schienen uns grüsten Theils solche Sonderheiten zu seyn, die nicht auf dem Pallet oder Pinsel eines ieden Mahlers zu sitzen pflegen: Und es bedünckten uns vornehmlich die beyden mittleren Momenta von der Wichtigkeit zu seyn, daß wir, sonderlich das andre, fast vor eine neue Invention, das 3te aber vor eine allerdings considerable, u. zu jenem nöthige Sache, anzusehen veranlasset würden. Daher wir denn solche in consideration zu ziehen, zugleich aber vornehmlich mit einem und dem andern berühmten Künstler in Breßlau hierüber zu conferiren, und, weil wir von deren sincerité und Wissenschafft genugsam überzeugt seyn, ihre gegründete raisonnements einzuziehen bemühet gewesen. Solchem nach ersuchten wir sie, über folgende Positiones uns dero gründliche und unpartheyische Meinung zu entdecken:

1.) Ob und wie man ein Gemählde zu verfertigen fähig sey, das nach 30. oder 40. Jahren so neu und frisch aussehe, als wenn es erst gemahlet worden?

2.) Ob man aus 4. oder 5. Erd-Farben alle Farben heraus bringen könne, ohne Zuthuung einiger Safft-Farbe?

3.) Was solches wohl vor Erden seyn dürfften?

4.) Ob und warum die Erd-Farben besser seyn, als die Safft- und andre Farben, und in was der Unterscheid bestehe?

5.) Was der Lac der Dauerhafftigkeit schade?

6.) Wie viel das Offt-Mahlen zur Dauerhafftigkeit beytrage?

§. 2.

Hierüber nun ertheilten sie uns willig dero schrifftliche Antwort, und zwar auf Quæst. „1. Wenn das Gemählde von Oehl-Farbe ist, so kan es nicht 3. oder 4. Jahr in solcher Schönheit, als wenn es noch frisch wäre, dauren. Denn alle Oel-Farbe dunckelt mit der Zeit: Wasser- Leim-, Gummi- und Milch-Farbe aber bleiben länger, als neu anzusehen: Doch lehret gleichwohl die Erfahrung, daß alles, was etliche Jahr alt worden, nicht könne neu oder frisch scheinen: Denn die Lufft machet doch alles mit der Zeit alt und unscheinlich: Ja ich wollte sagen, daß alle Oel-Farben-Mahlerey, so nur drey oder vier Tage alt ist, von der Schönheit, die sie an dem Tage, da sie verfertiget worden, gehabt, etwas verliehre. Hingegen aber wird auch manches Gemählde besser, wenn es alt wird, als da es noch frisch war. Denn mit der Zeit verliehret sich das harte Wesen; insonderheit wird das Fleisch-colorit mit der Zeit natürlicher und besser, als es neu war: hingegen Blumen und dergleichen Sachen sehen neu besser aus, als alt. Es lieget aber viel daran, wie ein Gemählde gehalten wird, so wohl wegen der Zimmer, als wegen der Reinigung. Den[n] z. E. in Zimmern, die geheitzet werden, oder in welche viel Rauch (es sey von Lichtern oder dergleichen) hinein kommt, da bleibt die Mahlerey nicht gut, sondern sie wird hiervon dunckel und endlich gar schwartz, dergleichen man an den alten Gemählden täglich sehen kan. Dahingegen Zimmer, so sauber gehalten werden, zu Erhaltung der Mahlerey dienlich seyn; Und wenn ein Gemählde unrein wird, so ist es besser, wenn es offt gereiniget wird, als wenn es lange mit der Unreinigkeit stehen bleibt; denn es muß hernach im Reinigen gar zu starck angegriffen werden, wodurch aber das zarte Wesen Noth leidet, daß aber ein Gemählde überhaupt im Colorit dauerhafftig bleibe, (so lauteten die Worte des Andern,) geschiehet, wenn man nicht auf frisch-gegründete Leinwand alsbald mahlet, auch frisches Oehl zum reiben und mahlen braucht, und im mahlen selbst die Farben nicht quälet. Ad Quæst. 2. allerdings, aber nicht so schön, als mit Safft-Farben, doch von besserer Dauerhafftigkeit, insonderheit in der Oehlfarben-Mahlerey. Denn jene haben vielmehr Cörperlichkeit an Farbe, als diese, daher sie unter Oehl gerieben nicht verrauchen, und sich ändern: wie insonderheit am Indigo wahrzunehmen. Ad Quæst. 3. Weiß, Schwartz, Roth, Gelbe und Blau sind die Haupt-Farben; einige rechnen auch noch das Grüne mit dazu: wenn man aber nur bey vier bleiben will, so kan Blau und Grün weggelassen, und an dessen Stelle Weiß und Schwartz gemischet werden: woraus zwar eigentlich nur Grau wird, aber doch auch durch Licht und Schatten, oder durch Gegenstellung schlechter couleuren, als blau, gebrauchet werden kan: aus gelbe, schwartz und weiß kan auch grüne gemischet werden. Jede Farbe aber absonderlich zu betrachten, so ist Weiß vornehmlich das Schiefferweiß, so aus Bley zubereitet wird, und besser, als das gemeine Bley-weiß, ist: Denn obschon dieses aus jenem geläutert und in conos gegossen wird, so zeiget doch der wohlfeilere Preiß vor jenem, daß es eine adulteration, etwan mit Kreide oder sonst was, leiden müsse; daher es denn auch die Weisse im Oel nicht so beständig hält, als das Schiefferweiß. Wie denn Kreide unter Oehl gar nicht zu gebrauchen, weil sie in weniger Zeit sehr gelbe wird. Schwartz sind Stein-Kohlen, oder Cölnische Erde, auch Torff, davon die ersten zwey nur unter Oehl zu gebrauchen. Roth ist Berg-Zinnober, oder gemein und Englisch Braunroth, wie auch Kessel-roth, so alles unter Oehl zu gebrauchen; wie nicht weniger auch gebrannter dunckeler Ogger, unter Roth zu rechnen ist. Gelbe ist licht und dunckeler Ocker, wie auch Umbra, vor diese schicket sich allerseits Oehl. Blau ist Ultramarin, Lasurblau, und Bergblau, so gleichfalls unter Oehl zu gebrauchen, nur daß das Bergblau unter selbigem gerne grün wird; hingegen bey Wasserfarbe bleibet es gut. Grün ist Terre verde, oder grüne Erde, Schieffer-Grün, und Berggrün, so alle das Oehl wohl ertragen, nur daß das letztere gar sehr dunckel wird, wenn es alt wird. Und dieses waren auch die Species, so uns der Andere meldete.

Ad Quæst. 4. In Oel sind die Safft-Farben nicht zu gebrauchen; denn eines Theils werden sie von selbigem unrein, und verliehren ihre Farbe gantz, oder verschwinden, so bald sie in die Sonne oder Lufft kommen: dahingegen die Erd-Farben Sonne oder Lufft wohl vertragen können, und nicht verschwinden: doch dauret auch von dieser Art eine Farbe besser, als die andre, z. E. Roth dauret besser und länger als Gelbe; wie denn, (welches uns hierbey zugleich gemeldet und gewiesen wurde, und hier allegiret zu werden nicht unangenehm fallen dürffte,) wenn der Zinnober oder Braunroth mit Oel abgerieben, und das weiß Zeug hiermit so, wie das Frauenzimmer mit der Nähnadel zu thun pflegt, gezeichnet wird, die Signatur auch unter Waschen und Beuchen auf viele Jahre dauerhafftig ist; obgleich etwas von deren Helle verschießt: welches denn bey untreuen Händen das Zeichen des Eigenthümers unversehrter erhalten dürffte, als das Nähwerck, welches durch eine listige Hand füglich ausgetrennet werden kan.

Ad Quæst. 5. Wenn dieses von der Lac-Farbe und nicht vom Lac-Firniß zu verstehen ist, so dienet hierauf zur Antwort, daß, weil der Lac eine Safft-Farbe ist, solche die Sonne und Lufft ausziehet und verändert.

Ad Quæst. 6. Dieses ist hier so zu verstehen, daß er eine Sache offt übermahlet: denn je krafftiger eine Farbe drauf liegt, je dauerhaffter ist ein Gemählde. Wie denn daher viele Künstler die Farben fast Fingers-dicke auffzutragen pflegen; wie dergleichen sonderlich in den Originalien des Niederländischen Mahlers Rembrand zu remarquiren. Wobey uns letzlich noch der eine Freund auf die Frage: Wie sich Italienische, Französische und Niederländische Gemählde distinguirten? zur Antwort ertheilte: Die Italiener haben eine noble Zeichnung und starcken colorit: Die Franzofen eine schöne und annehmliche Invention und colorit: Die Niederländer eine fleißige Nachahmung der Natur. It. auf die Frage: Ob und wie man durch Hülffe der Natur anderer Fehler im Mahlen erkennen könne? Antw. Hier muß distinguiret werden, das Nachahmen der Natur und anderer Fehler im Mahlen nach der Natur zu erkennen. Das erste wird durch die blosse Hülffe der vorgesetzten Natur beurtheilt, ob es derselben ähnlich sey; das andre aber muß aus den Regeln der Kunst, welche der Natur Schönheiten zusammen gelesen, entschieden werden.

§. 3.

Solchergestalt nun schiene uns das Vorgeben von des Hn. Santerre Gemählden, in puncto ihrer unverenderten Dauerhafftigkeit auf 30. 40. Jahr, nicht ohne Widerspruch zu seyn, es sey denn, daß ihm der Parissische Referente nach seinem Tode mehr zur Flatterie nachgeredet, als der Künstler bey seinem Leben in der That von sich ausgesaget. Obschon allerdings wahr ist, daß offt durch die Zeit, die in der That mit mahlen hilfft, ein Gemählde an der Harmonie und colorit besser herausgebracht werde, weder es der Künstler selbst zu exprimiren vermocht. Daher denn auch die besten Künstler aus diesem Grunde ihre Stücke mit Farben zu changiren pflegen, damit die Zeit den intendirten effect durch sothane Veränderung hervorbringen könne. Inzwischen ist es allerdings wahr, daß wenn ein Gemählde mit Erd-Farben, die wegen ihres cörperlichen Wesens fester und dauerhaffter seyn, als andre, und nur mit reinem Schnee-weissen frischen Nuß-Oel, statt Lein-Oels, ohne gemeinen Lac gearbeitet wird, auch von grösserer Dauer und Colorit sey, als andere ordentlich gemachte Stücke. Wobey man sich zugleich noch eines und des andern Vortheils zu bedienen hat, unter andern, wenn man einen Firniß aus Gummi Copal mit Spir. vini auf gewisse Art elaboriret, der denn der Veränderung nicht so leicht unterworffen ist, als der gemeine Firniß.

§. 4.

Doch daß auch schon in den vorigen, ja in den ältesten Zeiten die Künstler offt ihre Wercke bloß mit wenigen, sonderlich Erd-Farben heraus zu bringen gesucht, solches ist vielleicht vielen bekandt. Insonderheit hat schon vor geraumer Zeit der vortreffliche Venetianische Mahler Giorgio, der Anno 1511. ætat. 32. gestorben, und der an Titian Vecelli einen vortrefflichen æmulum hatte, sonst ein Schüler des berühmten Joh. Bellins war, und das Colorit auf den höchsten Grad gebracht, alle fleischliche Handlungen mit nicht mehr, als 4. Haupt-Farben, und durch deren judicieuse Vermischung allen Unterscheid des Alters und Geschlechts zu mahlen, ja seine Farben so zu erhöhen gewußt, daß sie lange Zeit gantz frisch geblieben, und absonderlich im Grünen nicht abgeschossen. Ja es hat schon Apelles, Echion, Melanthius und Nicomachus bloß durch 4. Terras alle Gemählde, und die so genandten Immortalia opera, hervorgebracht, als durch die Terram Melinam, so weiß, durch Silaceum s. Silarem Atticum, so blau, durch Sinoxidem [!] ponticum, so roth oder rubric, und durch das Atramentum, so schwartz, so unter andern auch eine Terra, insgemein aber factitium war. Vid. Plinius Histor. nat. l. 34. c. 12. 13. p. 594. 595. Lib. 35. c. 7. p. 617. 618. c. 6. p. 616. 617. Jonston. Not. Regn. min. p. 11. 12. Polymath. p. 28. In dem tieffsten Alterthum (welches hier zu annectiren nicht impertinent seyn wird,) hat man die Figuren nicht ausgemahlt, sondern nur mit Linien nach dem Schatten der Person gezeichnet, und das nur mit einer Farbe, die man so gar auch kaum einmahl des Nahmens einer Farbe würdigte; wovon die ersten Erfinder entweder Philocles Ægyptius, oder Cleanthes Corinthius (denn diese 2. Nationes stritten um die Ehre der Mahlerey-Erfindung,) solle gewesen seyn. Die Ausarbeitung bestand hierbey in nichts, als daß man die Füllung hin und wieder mit Linien distinguirte, und muste man, wenn jemand gemahlt wurde, dazu schreiben, wer er sey. Und dieses nandte man Picturam Linearem, die der erste Grund der noch heut zu Tage üblichen Risse oder Zeichnung mag seyn, und von der die Linea Apellis, oder das Sprichwort: Nulla dies sine linea seinen Ursprung hat, so daß man keinesweges meynen muß, als hätte Apelles, da er sich alle Tage in seiner Kunst exerciret, mehr nicht, als eine Linie gezogen, sondern daß er zum wenigsten alle Tage einen Riß gemacht, oder etwas gezeichnet. Mit welcher Erklärung auch Msr. Piles in der Histor. vom Leben der Europ. Mahler p. 145. 146. coincidiret. Hierauf fieng man an mit mehrern Farben zu mahlen, aber auch nur iede Figur mit einer einzigen, und nennete man dieserley Gemählde Monochromata: worinnen man aber immer weiter und weiter gieng; wie denn ohngefehr um die neunzigste Olympiad. Hygiemon zuerst ein Weibs- und Manns-Bild durch Mahlen zu unterscheiden anfieng: Eumarus Atheniensis exprimirte allerhand Figuren, und Cimon Cleonæus erfand die so genandten Catagrapha, d. i. wie man die Figuren nach der Seite, und in andern Stellungen, rückwärts, in die Höhe, und herabsehende, it. mit Articulis und Adern, ja die Kleider mit Falten und Vertieffungen, mahlen sollte: worauf man auch alsbald anfieng, denen Figuren mehr, als eine Farbe, zu geben, wie insonderheit Polygnotus Thasius: In welchem Periodo denn sich zugleich Phidias und sein Bruder Panæus, it. Bularchus, Timagoras und Phytis, hervorthaten, so gar, daß die beyden letzteren miteinander mit ihrer Kunst in einem Wett-Streit geriethen, wodurch zugleich die Mahlerey einen mehreren eclat, grösseren Fleiß und höhere Achtung, nach sich zog: der insonderheit erst gedachter Polygnotus, durch seine Abweichung von der alten Rauhigkeit, vortrefflich zu statten kam: biß endlich die edle Kunst mehr und mehr in die Höhe stieg, sonderlich durch die berühmten Meister Myconem, Aglaophonem, Cephisodorum, Phrylum, Evenorem, als den Vater des Parrhasii, und vornehmlich durch den Apollodorum, der die Mahlerey am meisten in einen hohen Stand gebracht, in der man bisher noch keine Tabulam (so hiessen die alten Gemählde, weil sie meist auf Holtz, oder aufs höchste noch auf Pergament, gemahlet wurden,) mit deutlichen Augen exprimiret hatte: dem hernach die übrige Suite von den grossen Künstlern, als Zeuxis, Apelles, Protogenes und andere, gefolget: denen doch aber die exprimierung der affecten noch gefehlet, als die zum ersten Aristides Thebanus nachzuahmen anfieng. Wie dieses alles aus Plinii Histor. Nat. l. 34. c. 13. p. 595. l. 35. c. 3. p. 614. c. 7. 8. p. 618. & sq. nicht ohne Mühe zusammen zu lesen ist.

§. 5.

Doch es bestand auch bey der grösten Kunst ihre Mahlerey zu der Zeit bloß in Wasserfarben, die sehr hoch und frisch auffgetragen wurden, so gar, daß auch Apelles dieselbe mit einem Uberzuge von einem zarten Atramento zu dämpffen anfieng, wodurch man das darunter versteckte Gemählde mit einem schärfferen Auge anzusehen gezwungen ward: hiermit aber suchte er zugleich die Gemählde vor Staub und Unflat zu bewahren. Ja damit auch das seichte Colorit sich nun desto länger halten möchte, so pflegte Protogenes die Farben zu vier unterschiedenen mahlen auffzutragen, damit, wenn ja die oberste durch die Zeit und andere Injurias abschösse, doch allemahl sich eine neue præsentirete. Und so wuchs die Kunst der Mahlerey von Zeit zu Zeit, die doch aber bisher fast in lauter Seriis und ernsthafften Vorstellungen bestanden; von daran sich aber einige auch auf Ludicra legten. Wie denn insonderheit Pyreicus allerhand Neben-Dinge, als Werckstädte von Haarscheerern, Schustern, Obst, und dergleichen schilderte, wodurch er denn den Nahmen Rhyparographus davon trug. Und in der That fanden auch schon zumahl dieserley Gemählde so viel Achtung, als ernsthaffte Dinge, ja es legten sich einige dergestalt hierauf, daß sie keinen Menschen, und hingegen andere keine solche Ludicra, zu mahlen vermochten, welche letzteren denn Anthropographi genennet wurden. Insonderheit weil unter den ersteren Antiphilus den Grillum in einer lächerlichen Gestalt vorstellete, so nennete man forthin dergleichen Art Phantasien beständig Grillum. vid. Plin. c. l. 35. c. 10. pag. 622. seq. Und so war die Mahler-Kunst in dem Alterthum beschaffen, und so pflegte man die Gemählde dauerhafft und in möglicher Erfrischung zu erhalten, ohne daß es gleichwohl möglich wäre gewest, dieselben bey dem so leicht vergänglichen wasser-mahlen, ausser bey der sorgfältigsten Verwahrung, in so langer Daure zu erhalten, als wie wohl zu unsern Zeiten möglich ist, nachdem der Niederländische Mahler Joh. von Eyck ums Jahr Christi 1400. als er einen Firnis, der seiner Arbeit mehr Stärcke geben könte, suchte, den Gebrauch der Oehl-Farben entdeckete: von welcher Zeit an, mit Vermehrung der Kunst überhaupt, auch denen auf solche Weise verfertigten Gemählden, eine unvergleichliche Dauerhafftigkeit, auf viele Secula zuwege gebracht worden.