Brelin 1749

Nils Brelin, Einen Steinelim zu machen, der sich im Wasser nicht auflöset, wenn eine Materie von Holz oder Stein damit zusammen geleimet wird, erhellet aus folgender Erfindung…, in: Der Königl. Schwedischen Akademie der Wissenschaften Abhandlungen, aus der Naturlehre, Haushaltungskunst und Mechanik, auf die Jahre 1739 und 1740. Aus dem Schwedischen übersetzt I, Hamburg – Leipzig [Georg Christian Grund – Adam Heinrich Holle] 1749, pp. 258–260.


VII.
Einen Steinleim zumachen,
der sich
im Wasser nicht auflöset,
wenn eine Materie von Holz oder Stein damit
zusammen geleimet wird,
erhellet
aus folgender Erfindung
von
Magister Nils Brelin.

Es ist bekannt, daß manche Arbeiten ohne Leimung nicht können verfertigt und zusammen befestigt werden, so daß die eine Materie sich durch des Leimes zusammenziehende Kraft und Zähigkeit, an die andere hänget und befestiget. Dieses thut aber auch nicht wenig zu der Festigkeit und Stärke der Arbeit, wenn dieser Leim von einer solchen Materie gemacht ist, die nach dem Leimen steinhart wird, und solcher Gestalt von dem Wasser nicht aufgelöset werden kann.

Außer dem gemeiniglich gebräuchlichen Weißgerberleim, so wohl als der Hausenblase und dem Hornleim, ist auch bekannt, daß manche einen starken, mit Bleyweiß und Mennige vermischten Leinölfirniß mit Nutzen gebraucht, und Glas, Stein und Bretter damit zusammen fügen können. Da aber in diesen Materien keine sonderlich zusammenhangende Zähigkeit gefunden wird; so kann solcher Leim auch nicht der beste seyn.

Mit Eyerweiß und ungelöschtem Kalk, werden zerbrochene steinerne Gefäße zusammen geleimet.

Arabisch Gummi, in starkem Weingeist aufgelöset, ist auch gut, zerbrochenes Glas zusammen zu fügen.

Wie mancherley Weise aber auch hierzu gebräuchlich gewesen, so weiß ich doch nicht, daß jemand hier in unserm lieben Vaterlande versucht habe, was für Zähigkeit und Stärke in dem Käse, ich meyne in dem süssen Milchs-käse, gefunden wird: So viel ist bekannt, daß zerbrochene steinerne Gefäße in süsser Milch zusammen gekocht werden können, woraus man auch schließen kann, was in dem Käse selbst für Zähigkeit gefunden wird, wenn er auf rechte Weise zu einem Leim bereitet wird.

Alle Weitläuftigkeit zu vermeiden, geschiehet solches auf folgende Weise: Man zerschneidet reinen frischen süssen Milchkäse in dünne Scheiben, nachdem man vorher die äußerste Rinde abgenommen, und rühret denselben in kochend heissem Wasser so lange mit einem Kochlöffel um, bis er zu einem zähen Schleim wird, der sich mit dem Wasser nicht vermischet: Wenn nun dieser Käse solchergestalt zu verschiedenen malen in heißem Wasser, so immer frisch aufgegossen werden muß, bearbeitet worden, so schöpft man solchen mit dem Löffel auf einen warm gemachten Reibstein, und arbeitet denselben mit lebendigem oder ungelöschtem Kalke zusammen, bis er zu einem rechten guten Leim wird, welcher sich am besten brauchen läßt, wenn er warm gemacht ist; denn wenn er kalt, ist er nicht so gut, wiewohl ich so wohl steinerne Gefäße als Bretter damit zusammen geleimet habe. Ich habe geprüfet, was dieser Leim für Nutzen mit sich führet, massen derselbe sich im Wasser nicht auflösen läßt, wenn er nur wohlgetrocknet ist, welches, nach einer oder der andern Materie Größe, doch wenigstens in zwey bis dreymal vier und zwanzig Stunden geschehen muß.

Zerbrochener Marmor und steinern Gefäße wird damit so nett zusammen gefüget, daß man es kaum wahrnehmen kann, und dieses hat in allen Haushaltungen guten Nutzen und Vortheil. Hölzerne Materialien können auch damit zusammen befestiget werden: so daß, wenn ein von einander geborstenes hölzernes Gefäße damit geleimet wird, solches wieder nützlich und von neuem brauchbar wird.

Außer diesem ist auch folgende Probe ein nützlich Ding für einen Landmann, insonderheit für einen Fischer, daß er sich des Käses für den Fisch zum Köder an der Angelruthe und in Reusen bedienen kann; denn wenn der im heissen Wasser durchgewirkte Käse kalt wird, kann man denselben schneiden in was für Form man verlanget; und wenn er an den Angel befestigt wird, zerweichet er nicht im Wasser, sondern ist den Fischen eben so dienlich und wohlschmeckend, als irgend etwas, das mit kleinen Fischen zum Köder gebräuchlich ist. Es können also die Fischer, wenn es ihnen an kleinen Fischen oder Köder fehlet, sich eben so wohl hier in Schweden, wie ich gesehen, daß es an etlichen ausländischen Oertern geschehen, des süssen Milchkäses mit Nutzen bedienen, denn wenn derselbe, wie erwehnet, im heissen Wasser durchgewirket und wieder heraus genommen wird, so findet man, daß er sehr zäh, fest und steif wird. Diese Fischerey, wobey ich befunden, daß der Käse nicht im Wasser erweichet wird, hat mir zu Nachforschung dessen was oben erwehnet worden, und wie man einen höchst nützlichen Leim daraus machen könnte, Anleitung gegeben; welches, wie es zu einigem Nutzen dienen kann, man aus reiner Begierde zu Aufhelfung allerley Wissenschaften, hiermit kund machen wollen. Wie ich solches auch der Akademie vorgezeiget habe.