Neu-eröfnete Arsenal 1704
Das Neu-eröfnete Arsenal, Worinnen Der galanten Jugend und andern Curieusen, insonderheit aber den Reisenden das Merckwürdigste von der Artillerie kürtzlich und solchergestalt abgehandelt wird; Daß ein jeder Von Canoniren und Bombardiren/ von Ernst- und Lust-Feuern/ von Zeug-Hausern/ von Minen, Laboratoriis und Pulver Mühlen/ Verständig reden und urtheilen könne. Auffgesetzt von einem Liebhaber Curieuser Sachen, Hamburg [Benjamin Schiller] 1704.
II. Von den Stellen/ da die
Artillerie auffgehoben und
bewahret wird.
Das IV. Capitel.
Von Zeug-Häusern insgemein.
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pp. 100–102
§. 7.
Die Nettigkeit der Zeug-Häuser belangend/ ist selbige das nöthigste was dabey zu beobachten/ und bestehet in der Ordnung/ der Sauberkeit der Artillerie, der Symmetrie in der Austheilung/ und propreté des Gebäudes/ wozu noch die schöne und künstliche Arbeit und die Untermischung rarer und curieuser Dinge zurechnen ist. Die Ordnung bestehet darinnen/ daß alle Dinge so in ein Zeug-Hauß gehören/ in gewisse Classen eingetheilet und darnach gesetzet werden/ damit der Zeug-Wärter alles leicht im Gedächtniß behalten und aus einander finden könne. Es müssen auch die Dinge so hinter und neben einander gesetzet werden/ daß immer das Kleinere dem Grössern ordentlich folge. Zum Ex. nach den gantzen sollen die halben/ denn die viertel Carthaunen stehen u. s. w. Die Sauberkeit bestehet darinnen/ daß die Sähle an Boden und Wänden rein/ Metall- und Eisenwerck glänzend und hell/ das Holz-Werck wohl gefärbet und blanck erhalten werde. Die Symmetrie erfordert/ daß wenn man durch den mittlern Gang gehet/ was zu der rechten Hand stehet mit dem zur Lincken an Zahl/ Grösse und Ordnung genau überein treffe. Die Propreté des Gebäudes wird darinnen gesuchet/ daß die Wände mit hellen Farben angestrichen/ mit schönen Simsen geziehret/ und hier und dar mit Spiegeln und ausgehauenen Armaturen, mit ausgehauenen Brust-Bildern alter und neuer Helden ausgeschmücket/ die Decken mit Gipswerck und Mahlerey al Fresco prächtig gemachet/ die Böden aber fein eben und glatt seyn. Die Sauberkeit der Arbeit wird erhalten/ wenn die Canonen mit lieblichen wohl gearbeiteten und nicht allzuhäuffig angebrachten Schnitz-Werck an Frisen/ Sinn-Bildern/ Wapen/ Auf-Schrifften/ Delphinen und Traubeln geziehret theils unausgearbeitet gelassen werden wenn sie sonderlich reine am Guß gefallen/ theils vergüldet/ theils aussen am Rohr gewunden sind. Wenn die Laveten sauber angestrichen/ mit Chiffres, Nahmen und Wapen geziehret werden/ wenn das Gewehr an den Läuffen innen und aussen wohl poliret wird/ die Flinten und Feuer-Schlösser behende und sanfft einschlagen/ aussen aber mit sauberer geäderter Arbeit geziehret/ die Schäffte aber polit und subtil gemachet werden/ und endlich wenn die Harnische einen guten Spiegel haben. Schliesslichen dienet zur Zierde/ wenn unter den Canonen und Gewehr einige neue und seltene Inventiones, als Stücke mit drey Seelen/ mit Oval-formigen Seelen/ zum Geschwind-Schiessen zugerichtet/ curieux gezogene Röhre/ Flinten mit doppelten Läuffen und Schlössern und was sonst rare Dinge sind hie und damit unter gemenget/ Item eroberte Canonen oder solche mit gezeiget werden/ mit denen sich etwas denckwürdiges begeben. Und so viel sey genug von Zeug-Häusern insgemein.
