Beausobre – Albaum 1773
Ludwig von Beausobre – Franz Ulrich Albaum, Des Herrn Ludwig von Beausobre Königl. preußischen Geheimenraths, der Konigl. preußischen Akademie der Wissenschaften Mitgliedes &c. allgemeine Einleitung in die Kentniß der Politik der Finanz und Handlungswissenschaft allgemeine Einleitung in die Kentniß der Politik der Finanz und Handlungswissenschaft aus dem Französischen übersetzt, und mit einigen meist das rußische Reich betreffenden Zugaben begleitet von Franz Ulrich Albaum der Geschichte und des Rechts Professor an der akademischen Rittersschule in Neval, und der freyen ikonomischen Societat in St. Petersburg Mitgliede I, Riga [Johann Friedrich Hartknoch] 1773.
pp. 270–292
§. XLI.
Die Farben.
[Die Färberkunst]
Hier kömmt es nicht auf eine Theorie der Farben, die die Physici durch die verschiedene Brechung der Sonnenstrahlen erklärt; sondern auf die Materialien an, die man braucht, um entweder ganzen Körpern eine Farbe zu geben, oder farbige Figuren darauf zu tragen; das heißt, die Kunst des Färbers und des Malers wollen wir hier betrachten. Seide, Wolle, Garn, Baumwolle, Haare, Federn, selbst Pelzereyen und Leder werden gefärbt, um ihnen, statt der natürlichen, eine, entweder beliebtere, oder zu diesem und jenem Endzweck brauchbarere Farben zu geben. In der Färberkunst unterscheidet man ächte oder beständige Farben von unächten und abbleichenden: zu den ersten nimmt man die besten Materialien, die der Luft, der Sonne und dem Wasser widerstehen; zu den andern aber schlechtere. Zwar geben sie zum Theil lebhaftere Farben und sind wohlfeiler; aber sie sind nicht so beständig. Dieser Unterschied zwischen ächten und unächten Farben findet nur bey wollenen Zeugen statt: denn die seidenen werden immer ächt gefärbt, obgleich man auch hier einen Unterschied zwischen feinen und abbleichenden Farben macht. Nirgends färbt man so schön, wie in Frankreich: und die weisen, anfangs vom Herrn von Colbert gegebenen und in der Folge, nach Herrn Hellots Untersuchungen, verbesserten Verordnungen sollten allenthalben eingeführt seyn.
Diese Kunst ist nicht leicht, und besonders erheische die Seidenfärberey genaue Sorgfalt. Man muß vorher die Seide in Seife auskochen, und dadurch verlieret sie den vierten Theil ihres Gewichts o). Das Leinengarn muß vorher in eine Lauge von Asche geworfen werden; auch die Wolle und Baumwolle erfordert vorläufig eine eigene Zubereitung, und das Leder keine geringere. Das Haus des Färbers muß ferner an freyer Luft und auf fliessenden Wasser liegen, auf dessen Güte das mehrste ankommt.
o) Durch das Auskochen verliert die Seide ihr Gummi und ihre natürliche Farbe. Die Seide, die weiß bleiben soll, wird alsdann gebleicht und endlich geschwefelt. Doch hat man auch Zeuge, die aus roher Seide, die noch ihr Gummi und ihre natürliche Eigenschaft hatte, gewebt worden; aber man hat vorher diese Seide in heißes Wasser getaucht, darinn Seife aufgelöst war: dergleichen Zeuge sind die Blonden und die Gaze 76. A.).
76. A.). Ein vortreffliches Werk, zur Beförderung der Färberkunst, hat der Herr Bergrath, Carl Wilhelm Pörner, unter dem Titel: chymische Versuche und Bemerkungen über die Färberkunst, im vorigen Jahre, bey Weidmanns Erben und Reich, geliefert, davon der erste Theil, der die gelben Farben betrifft, erschienen ist und dem noch zwey Theile folgen sollen.
Man mag nun gewebtem Zeuge oder dem Garn eine Farbe geben wollen, welche man will; so muß beides vorher immer durch Wasser gezogen werden, in welchem Alaun aufgelöst worden. Man färbt heiß oder kalt; ersteres, wenn man die Färbenmaterialien in kochendem Wasser auflöst; letzteres, wenn man sie entweder in kaltem Wasser zergehen läßt, oder doch, wenn es in heißem geschieht, es kalt werden läßt, und dann erst die Zeuge hinein taucht. Einige Farben erfordern eine andere zur Grundlage; andere nicht; kann man, z. B. nicht sogleich weißes Zeug schwarz färben; sondern man muß vorher mit Waid einen blauen Grund legen. Ueberhaupt ist die schwarze Farbe p) von allen die unvollkommenste: und vielleicht ist eben die Menge ihrer Bestandtheile die Ursache, die die Erlangung ihrer Vollkommenheiten so sehr erschweret.
p) Die schwarze Farbe ist immer ein, in Acidum aufgelöstes, und mit Vegetabilien präcipitirtes, Eisen. Erlenrinde färbt das Leder schwarz, und auch die Hutmacher brauchen sie, statt der Galläpfel, zu nämlichem Zwecke.
Gleich den Malern haben die Färber fünf Hauptfarben. Da iede derselben ihre Schattirungen oder Nuancen hat; so entsteht, aus der Vermischung dieser verschiedentlich schattirten Farben, eine Menge anderer. Man sieht, daß es vielleicht unmöglich ist, für diese, aus so häufigen Zusammensetzungen entstehende, Farben eine Zahl zu bestimmen. Das Auge würde sie nicht unterscheiden und die Zunge nicht benennen können. Die fünf Hauptfarben sind: Blau, Roth, Gelb, Braun und Schwarz.
Die Materialien des Färbers sind entweder Farben oder Beize, das ist, solche, die theils das, was man färben will, vorher zubereiten, theils die aufzutragenden darauf befestigen; und dahin gehören: Alaun, Weinstein, Arsenic, Realgar q), Salpeter, Steinsalz, Ammoniac- und Kuchensalz, Lerchenschwamm r), Weingeist, Urin, Zinn, Kleyen, Mehl, Kraftmehl, Kalk und Asche. Wirklich färbende Sachen sind: Waid, Pastell s), Krapp, Saturey, Färberpfriemen, Ziegenhaar t), Ofenruß, Indigo u), Scharlachbeeren, v), Cochenille x), Lacca y) russische Cochenille z), Gelbsuchtwurz und Bockshorn a). Alle diese Sachen dienen, bis auf den Waid, zu ächten Farben; die, zu diesen aber, wie auch zu den unächten, brauchbare Materialien sind: die Wurzel, Rinde und Blätter vom Nußbaum, Wallnussschaalen, Seidebast b), Galläpfel c), Sumach d), kleiner Sumach e), Grubenbaum und Kupferwasser. Unter die Mittel zur unächten Färberey wird gezählt: indianisches Holz, Gelbholz, Brasilienholz, Fustel f), Erlenrinde, Färbersmoos g), Grünspan h), Urucu i), und wilder Safran, Sonnenblumen, Orcanette, Eisen- und Kupferfeilspäne, Schleifsteinpulver k), alt gewordener kleiner und ächter Sumach. Um von der Vermischung der Farben in der Färberkunst und deren Nutzen einen Begriff zu geben, wollen wir die Materialien nennen, aus denen man die fünf Hauptfarben macht.
q) Das Realgar, oder Rauschgelb, ein arsenicalisches Wesen, ist entweder natürliches oder künstliches. Das erste findet man gewöhnlich in Operment eingebunden und es ist zinnoberfarbig; das Künstliche macht man aus geschmolzenem und sublimirtem Operment. Das, was davon fliegt, hat die Gestalt gelber Blumen, und was im Tiegel bleibt, ist roth, wie Zinnober: das ist eigentlich Realgar.
r) Agaricum, oder Lerchenschwamm, ist ein Auswuchs aus den Lerchenbäumen, eine Art von Pilzen. Der beste Lerchenschwamm kommt aus der Levante, Savoyen, Dauphiné und von den Alpen: der russische wird nicht sehr geachtet.
s) Waid wächst an einigen Orten wild, an andern wird er gebauet; man färbt damit die weissen Zeuge gelb, und die schon blau gefärbten, grün. — Saturey ist eine Pflanze, die kein so schönes Gelb bewirkt, wie der Waid: deßwegen nimmt man ihn auch nur zur grünen Farbe, oder zu andern sehr zusammengesetzten Farben. — Die Färberpfrieme ist eine wilde Pflanze.
t) Aus sehr kurzen Ziegenhaaren, die in einem dicken Saft von Krapp, worinn man sie einigemal sieden lassen, zubereitet worden, macht man eine gewisse Carmosinfarbe, die die Franzosen Bourre nennen, und die in dem Färbekessel gänzlich zergeht.
u) Man muß den Indigo von dem Indig unterscheiden: der erstere wird aus den Stengeln und den Blättern einer Pflanze, Namens Indigo, Anil, Nil, oder Coachan; der andere allein aus den Blättern dieser Pflanze verfertigt. Ehemals wurden beyde Arten stark abgesetzt, bis die sehr weise Verordnungen, in Frankreich, erschienen, die den Färbern den alleinigen Gebrauch des Indigo untersagten und gebothen, ihn mit Waid zu vermengen.
Man schneidet diese Pflanze, einigemal im Jahre, ab, um die Blüte zu verhindern, und iunge, zarte Blätter zu bekommen. Man wirft die abgeschnittenen Pflanzen in Kufen, die mit Fluß- oder Quellwasser angefüllt sind, wo sie in Gährung gerathen. Dabey beobachtet man die Vorsicht, so viel Oel in die Kufe zu giessen, daß die ganze Oberfläche des Wassers damit bedeckt wird, und die Blätter und Stengel, die sonst oben schwimmen würden, vermittelst einiger Steine, an den Boden zu drücken. Nach Verlauf von vier Tagen nimmt man die, der Blätter beraubte, Stengel heraus; läßt das Wasser ablaufen; sammlet die am Boden zurückgebliebene dicke Materie; schlägt sie in Forme und läßt sie trocknen. Doch nicht allenthalben bereitet man diese Farbe auf eine und eben dieselbe Art.
Von den Antillen, aus Luisiania, Ostindien, besonders Hindostan, von den Küsten von Agra, und der Insel Javan, wo sich die Holländer darauf legen, erhält man sehr vielen Indigo. Der beste, sich zur Färberey schickende, kommt aus Guatimala: allein in der Malerey zieht man den japanischen vor. Der Pater Maillard behauptet, daß, ob man gleich schon seit 80 Jahren, in Louisiana, Indigo mache, man doch noch nicht den wahren Grad der Gährung ausfündig gemacht hätte 77. A.).
77. A.) Ein Kaufmann in Nowgorod, Namens Popoff, legte 1748 Proben von Indigo dar, der aus einem, um Nowgorod herum sehr häufig wachsenden, Kraute, das eine Anilart zu seyn schiene, verfertigt worden. Sein Indigo gab, auch bey den schärfsten Untersuchungen, den Americanischen nichts nach. Der bald darauf erfolgte Tod dieses Mannes machte, daß diese Fabrik nicht zu Stande kam.
v) Die Scharlachbeeren, oder Kermes, sind ein Gallinsect, das sich auf einer Art von Rotheichen aufhält und vermehrt. Man findet es an den Küsten des mittelländischen Meeres, in Frankreich hauptsächlich bey Narbonne, und in Spanien in den Gegenden von Micant und Valencia. Man sammlet diese Insecten, befeuchtet sie mit Weineßig, trocknet und pulverisirt sie; und in Spanien siebt man dies Pulver noch einmal vorsichtig durch. Arme Leute sammlen sie und lassen ihre Nägel, damit es ihnen leichter werde, sehr lang wachsen: ein Mensch kann täglich zwey Pfund zusammen lesen. Um mit ihnen, statt der Cochenille, zu färben, sucht man sie in einer Zinndissolution aufzuweichen. Jetzt wird diese Farbe nirgends, als in Venedig, gebraucht: aus dem Insect aber macht man einen Syrup, der in die so genannte Confectio Alkermes kömmt.
x) Mit Cochenille wird das Scharlach der Gobelins gefärbt: das schwerste und theurste Roth. Die Cochenille ist, wie der Kermes, ein Gallinsect, das sich auf einem indianischen Feigenbaum, Namens Nopal, aufhält und vermehrt: aber nur in Mexico findet man dies Insect, von dem wir unten mehr sagen wollen.
y) Lacca ist ein röthliches Gummi, das aus Ostindien, besonders aus Pegu und Bengalen, kömmt. Es scheint ein, von einer gewissen Art Bienen zusammen getragenes, Wachs zu seyn. Unten werden die Arten von Lacca angeführt werden.
z) Die russische Cochenille (coccus polonicus), eine, wenig gebrauchte, rothe Farbe, ist das pulverisirte Insect, das sich an die Wurzel einer Pflanze, Namens Alchymilla, hängt. Man zieht diese Pflanze sehr behend heraus; nimmt, sind die Wurzeln entblößt, diese kleinen Insecten herab, und setzt die Staude wiederum in die Erde. Man sieht die Würmegen, tödtet sie in Weineßig und läßt sie trocknen. Man findet dies Insect und diese Pflanze in der kiemschen Woiwodschaft, in der Ukraine, Podolien, Volhynien, Litthauen, und in Preussen, um Thorn herum. Die Pohlen pflegen das Sammeln derselben den Juden zu verpachten, von denen die Türken und Armenier dies Farbemittel häufig kaufen, das auch die Holländer, wie man sagt, unter die ächte Cochenille mischen. Man soll, wenn man die rußische Cochenille mit Kreide vermengt, einen schönen Malerlack daraus verfertigen können; auch soll sie eine schöne rothe Schminke geben 78. A.).
78. A.) Die freye öconomische Gesellschaft in Petersburg hatte eine goldene, 20 Ducaten schweere, Medaille dem ienigen zum Preise bestimmt, der das Mittel erfinden würde, die rufische Cochenille so zu bereiten, daß sie eine so hochrothe Farbe gäbe, wie die americanische. Ein Russe, Jakow Tichanow, erhielt 1770 am 11ten November die Medaille, nicht, weil er dies Mittel wirklich erfunden hatte, sondern weil seine, damit gefärbte Wollen- und Seidenzeuge doch eine bessere Farbe, wie die gewöhnlich damit gefärbten, hatten. Sein Kunststück bestand in der Abscheidung der, diesen Insecten und ihren Eyern beywohnenden, Fettigkeit, die die Farbe nicht so hochroth werden läßt, wie man wünscht: aber dies allein gab seinen Zeugen noch nicht die schöne rothe Farbe, die sie von der americanischen Cochenille würden erhalten haben.
a) Gelbsuchtwurz (terra merita, curcuma) heißt auch sonst indianischer, malabarischer, oder babylonischer Safran: es ist eine Wurzel, und man hat zweyerley Arten. Man braucht es, um Goldgelb zu färben. Die Handschuhmacher bedienen sich dessen, ihre Felle gelb zu machen, und die Gießer, dem Metall eine Goldfarbe zu geben. Im Orient ist diese Wurzel sehr gemein, und die Indianer würzen das Fleisch damit. Bockshorn (Foenum graecum) ist eine sehr gemeine Pflanze, dessen Körner zum Scharlachfärben gebraucht werden, und Frankreich verführt davon iährlich sehr viel.
b) Es ist eine Pflanze, deren ausgekochten Saft man braucht, dieienigen Zeuge gelb zu färben, die nachher grün werden sollen.
c) Galläpfel sind Auswüchse entweder an den iungen Zweigen, oder an den Stengeln der Blätter der Steineiche. Man glaubt mit Recht, daß sie, nach dem Stich eines Insects, entstehen, das seine Eyer dahinein legt. Die besten kommen aus der Levante. Man färbt damit schwarz, macht Dinte daraus, und die Lederbereiter brauchen sie zu ihrer Schwärze.
d) Schmack wird aus den Blättern, Blüthen und iungen Zweigen eines kleinen Baums gemacht, den man in Spanien, Portugall, in dem Amte Vosge, bey Montpellier, antrifft. Neuengelland liefert sehr guten Schmack; der beste aber kommt aus Porto. Er dient den Färbern und Lederbereitern zu einer schwarzen Farbe; allein den erstern ist es verbothen, ihn zu brauchen, wenn er alt ist.
e) Kleiner Schmack ist von einem kleinen Baume, der längst der Küste des mittelländischen Meeres wächst, der auch schwarz färbt, den aber die Färber ebenfalls nicht brauchen dürfen, wenn er alt ist. – Die Blätter des Grubenbaums, eines wilden Baums, werden zum Schwarzfärben gebraucht.
f) Das indianische Holz ist das Mark eines der schönsten Bäume in America: es ist roth, aber man färbt violet und schwarz damit. Der Fustel wird gebraucht, um die gelbe Farbe, die abgefallenen Blättern gleicht, (couleur de feuilles mortes) und Kaffeebraun zu erhalten. Wenn dies Holz schon gelb und geadert ist; so verarbeiten es die Instrumentenmacher, die Dreher und die Kunstschreiner. Dieser Baum wächst in der Provenze und in Italien. Sein von der Rinde entblößter Stamm und die Wurzeln werden von den Färbern und den Lederbereitern gebraucht. — Gelbholz oder Fustock, ist ein sehr hoher Baum, der auf den antillischen Inseln, besonders auf Tabago wächst: aber die Färber brauchen es selbst nicht einmal zu den unächten Farben, ob es gleich eine schöne, goldgelbe Farbe giebt; die Drechsler und die Musivarbeiter hingegen brauchen es. — Brasilienholz färbt roth: man hat vielerley Arten davon, unter denen das Fernambucholz das beste ist; dahingegen das von Lamon, Sainte Marthe, Siam, Jamaica und den antillischen Inseln weniger taucht. Sie färben alle nicht ächt und müssen mit Alaun und Weinstein verbraucht werden. Durch die Säure zieht man einen Carmin und einen Verniß zu Migniaturgemälden heraus. — Erlenrinde färbt schwarz, wird aber nur zum Lederfärben gebraucht.
g) Färbermoos, oder Orseille, ist ein Moos, das sich auf Steinen und auf Felsenbergen ansetzt. Man macht sie in Holland, mit Sonnenblumen, nach: aber wie? das ist noch ein Geheimniß. Die Lionner Orseille kommt aus Auvergne. Die canarische, oder sogenannte Krautorseille, wird für die beste gehalten; und Holländer, Engländer und Franzosen verbrauchen ihrer viele. Die Färber bedienen sich ihrer, die Schattirungen von Pfirsichblüten (fleur de péche) bis auf Amaranth zu machen.
h) Grünspan ist der Rest, der sich an Kupfer, das mit irgend einer Säure benetzt worden ist, ansetzt. Man nimmt trockne Trauben, tunkt sie in guten Wein, erwartet die Gährung, um in ein großes Gefäß, zwischen zwey Lagen von solchen, mit gegohrnem Wein, wohl benetzten Trauben, Kupferplatten zu legen. Nach einiger Zeit nimmt man die Platten heraus, schabt sie ab, knetet den Rost und macht kleine Brodte daraus. In Montpellier wird der mehrste Grünspan gemacht. Languedoc verführt sehr viel davon: und es wurden von 1748 bis 1755 in 7 Jahren, 10,000 Centner Grünspan daselbst fabricirt. Das Kupfer, das die Hamburger, aus der Grafschaft Mannsfeld und andern Gegenden Deutschlands, bekommen und das sie in sehr dünne Platten hammern lassen, ist, zu diesem Gebrauch, das beste. Man braucht den Grünspan zur Celadonfarbe und in der Composition zur schwarzen.
i) Das Urucu 79. A.), das die Holländer Orlean nennen, ist das Saamenkorn von einem, dem Pomeranzenbaume sehr ähnlichen, Gewächse. Um es zu einem Farbemittel zu machen, schüttet man die Körner in ein irrdenes Geschirr, gießt laues Wasser darüber, rührt alles wohl untereinander und läßt es sich setzen. Wenn das Wasser abgelaufen ist, findet man unten einen Bodensatz, aus dem man kleine Brodte macht. Das Urucu ist im hohen Preiße, wenn man es, wie selten geschieht, rein, und ohne Verfälschung mit rother Kreide oder gestampften Ziegelsteinen antrifft. Das aus Cayenne kommende Urucu ist das beste; auch die Colonien zu Surinam und Berbyce bauen sehr gutes. Man färbt Orange damit und mengt es unter gelbes Wachs.
79. A.) Es heißt auch Achiotl, Bira, Ematabey, Changuarica und Panagma: alle diese Namen bezeichnen eine und eben dieselbe Sache.
k) Es ist das, in dem Wasserkasten, über dem die Scheerenschleifer Messer u. d. gl. schärfen, sich sammlende Sediment, das aus Theilgen von Stein, Eisen und Stahl besteht.
Blau wird aus Waid l) und Indigo gemacht; der erstere ist dazu am nothwendigsten und besten. Man hat 13. Schattirungen in dieser Farbe, nämlich: weißlichtes Blau (bleu blanc), Hellblau (bleu naissant), Blaßblau (bleu pale), Bleichblau (bleu mourant), Schönblau (bleu mignon), Himmelblau (bleu celeste), Königinblau (bleu de reine), Dunkelblau (bleu turquin), Königsblau (bleu de roi), Waidblau (bleu fleur de guéde), dunkler Blau (bleu pers), Aldegoblau (bleu aldego), Höllenblau (bleu d’enfer).
l) Der Waid (isatis) ist eine Pflanze, dessen Wurzel einen Zoll dick, und einen, oder anderthalb Schuh lang ist, und die über der Erde 5 bis 6 Blätter hat, die einen Schuh lang, und 6 Zoll breit sind. Man hat seiner zwey Arten, die man an dem Saamen unterscheidet, der entweder violet oder gelb ist, und davon die erste die beste ist. Man säet ihn im Februar, und schneidet, wenn die Pflanze reif geworden ist, alle Blätter ab: das kann man vom August bis in den October, monatlich viermal thun. Eine Zeitlang läßt man die Blätter haufenweise liegen, bis man sie in die Stampfmühle bringt, wo sie zu einem Teig gemacht werden, aus dem man einpfündige Kuchen formet, die man im Schatten trocknen läßt. Die eben erwehnten Mühlen gleichen den Leinölmühlen. Herr Marggraf hat, als der Waid so zubereitet war, einen kleinen Wurm darinn angetroffen, der nach und nach zunimmt, bis er endlich völlig einer Raupe gleicht, die, unter dem Vergrößerungsglase, ganz blau war, endlich noch eine Verwandlung erlitt und eine Fliege ward. Diese Beobachtung des Herrn Marggraf zeigt, daß es mit dem Waid beynahe, wie mit der Cochenille, beschaffen sey. — Der in Kuchen geformte Waid dient zum Blaufärben. Man zieht ihn in Oberlanguedoc, in der Normandie, in England, in Helvetien bey Genf, in Thüringen, Spanien, Portugall und Schweden: der beste aber ist unwidersprechlich der aus dem Kirchspiel Alby in Languedoc; und diese Provinz trieb ehemals einen Handel damit, der sich über 2 Millionen Livres belief. Der kleine Waid ist eine Pflanze, die man in der Normandie bauet, und die ebenfalls zum Blaufärben dient. – Beyläufig kann man hier anmerken, daß der Waid eine dauerhaftere Farbe giebt, als der Indigo; auch zog man ihn diesem lange Zeit vor, und vermischte ihn endlich damit. Heutiges Tages wissen die Färber den Indigo so zu bereiten, daß man sich des einen und des andern, ohne Unterschied, bedient.
Man hat 7. Arten von Roth, mit mehr oder weniger Schattirungen. 1. Scharlach der Gobelins (écarlate des gobelins), der aus Agaricum, saurem Wasser, in welchen man Kleyen eingeweicht hat, aus Waid und Scharlachbeeren gemacht wird; obgleich auch einige Färber noch ein wenig Cochenille, andere Bockshorn hinzu setzen. 2. Carmosin (cramoisi) aus saurem Wasser, Weinstein und Cochenille. 3. Krapproth m) (rouge de garance), aus Krappe mit einem Zusatz von Arsenic und Kuchensalz. 4. Halbkrapperoth (rouge demi-garance), aus Agaricum, saurem Wasser und halb Krapp, halb Scharlachbeeren. 5. Halbcarmosin (demi-cramoisi), aus einem Theile Krapp und einem Theile Cochenille. 6. Bourre, eine Art Carmosin, aus Ziegenhaar u. Krapp, auf gelbem Grunde. 7. Holländischer Scharlach, oder Cochenillenscharlach (écarlate façon d’Hollande, ou écarlate de cochenille), aus Kraftmehl, Weinstein, Cochenille, Alaun, Steinsalz und Scheidewasser, in dem Zinn aufgelöst worden ist. Die Lederbereiter färben Roth mit Brasilienholz und Kalk; und die Schuster mit geriebener, und mit Eyerweiß vermischter, rother Erde.
m) Die Krapp (rubia tinctorum) ist eine Pflanze, deren Wurzel roth färbt. Die Wurzel hat eine rothe Rinde und einen orangefarbenen Saft; die Pflanze wächst 3 bis 4 Schuh hoch; das Saamenkorn ist schwarz und so groß, wie ein Pfefferkorn. Dies Kraut fordert einen wohlgedüngten, gut geackerten und leichten Boden. Seine Blätter können zum Viehfutter gebraucht werden. Im October schneidet man sie ab, um die Wurzel auszureissen, die man am Feuer, oder in der Luft trocknet und dann, nachdem sie gereinigt worden, in die Mühle bringt. Wird die Krappe so bereitet und, einige Jahre lang, an einem sehr trocknen Ort verwahret; so wird sie ein vollkommen gutes Farbemittel, das, besonders wollenen Zeugen, wenn sie wohl gebeizt worden, eine dauerhaftere rothe Farbe giebt, wie iedes andere. Im Handel unterscheidet man die geschälte Krappe von der ungeschälten: die erstere ist ihrer dünnen Haut beraubt worden.
In Spanien, Italien, England, Zeeland, Flandern, Frankreich und in einigen Provinzen Deutschlands wird diese Pflanze gebauet: es scheint aber die zeeländische Krappe, die von flandernschen Emigranten dahin verpflanzt worden, am besten zu gerathen. In Frankreich hat man, seit 1756, gehörige Anstalten getroffen, den Krappbau zu erweitern, und zu verbessern: ein Edict des Staatsrathes befreyet, auf 20 Jahre, iedes, mit Krapp besäete, Feld von allen Auflagen. In der Levante und in Ostindien bedient man sich einer Art Krappe zum Rothfärben. An den Küsten von Coromandel heißt sie Chat; an den malabarischen wächst sie wild; die persianische, die man Dumas nennt, wird nach der Chioc-Boya, einer andern Art Krapp, die bey Smyrna in Menge angetroffen wird, für die beste gehalten. Die Chioc-Boya hat in der Levante einen reissenden Abgang, und wird der zeeländischen Krappe, die die Holländer dahin bringen, vorgezogen: man macht aus ihr das schöne adrianopelsche Roth. In Canada wächst eine, der europäischen sehr ähnliche, Art Krappe, die man Tyssa-Boyana nennt. Herr D’Ambournai bediente sich, mit glücklichem Erfolge, der rohen Krappe, die weder gedörrt, noch geschält, noch geraspelt war: er wusch sie nur und fand, daß sie eben so gut färbte, nur daß man viermal mehr davon gebrauchte, als von der trocknen. Da nun die Krappe sieben Achttheile ihres Gewichts verliert; so sieht man, daß die Kosten, die man auf das Abschälen, Raspeln, Dörren und Mahlen verwenden muß, abgerechnet, dennoch um die Hälfte mehr Vortheil dabey ist, wenn man mit roher Krappe färbt.
Mit 9. oder 10 Species, von denen aber nur 5, nämlich Waid, Saturey, Färberpfriemen, Gelbholz und Bockshorn, zu ächten Farben gebraucht werden, färbe man Gelb: zu unächtem Gelb kann man wilden Grindwurz, Eschenrinde, Blätter von Mandel, Pfirsch und Birnbäumen, Gelbsuchtwurz u. d. gl. nehmen. Waid wird am mehrsten gebraucht; mit Saturey und Färberpfriemen wird die Wolle, die nachher grün werden soll, zuerst Gelb gefärbt; mit Gelbholz und Bockshorn macht man einige Schattirungen, als: Strohgelb (jaune paille), Blaßgelb (jaune pile) und Hellgelb (jaune naissant). Die Lederbereiter färben Gelb mit den sogenannten Körnern aus Avignon.
Mit grünen Wallnussschaalen, mit der Wurzel des Nußbaums, mit Erlenrinde, Sandelholz, Schmack beider Arten und mit Gerberbaum färbt man Braun (fauve).
Um Schwarz zu färben, muß man den Zeugen erst eine Grundfarbe mit Waid oder Indigo geben: denn kein Zeug kann so geradehin aus Weiß in Schwarz gefärbt werden. Nachdem man es erst Blau gefärbt hat; färbt man es Roth mit Krapp, und endlich Schwarz mit Galläpfeln. Bey dem unächten Schwarz unterbleibt das Rothfärben. Die Lederbereiter schwärzen ihr Leder mit Galläpfeln, Kupferwasser und arabischem Gummi. Die Buchdruckerschwärze besteht aus Kienruß, mit Leinöl und Terpenthin vermischt.
Aus der Vermengung dieser Farben entstehen unendlich viel andere. Aus Blau und den verschiedenen Arten von Roth erhält man die Königs- und Prinzenfarbe (couleur de roi et celle de prince), Pfirsichfarbe (la persée), Violet, Purpur n), Taubenblau (colombin), Amaranth, Minimenfarbe (la minime), Lohfarbe (la tannée), trockne Rosenfarbe (la rose seche) u. a. Aus Blau und Gelb macht man Grün, dessen verschiedene Schattirungen folgende sind: Gelbgrün (le vert jaune), Hellgrün (vert naissant), Lichtgrün (vert gai), Grasgrün (vert d’herbe), Lorbeergrün (vert de laurier), Stahlgrün (vert molequin), Dunkelgrün (vert brun), Meergrün (vert de mer), Seladongrün, Papagoyengrün, Kohlgrün (vert de choux) und Entengrün (vert de canard). Mit Braun und Blau färbt man Olivenfarbe (couleur d’Olive) und grünlichtes Braun (brun verdatre). Aus Roth und Gelb erhält man die Aurora (l’aurore), Ringelblum (souci) und Orangefarbe (l’orange). Aus Roth und Braun entsteht Zimmet, Toback, Castanien- und Muscusbraun (la couleur de canelle, de tabac, de chataigne et de musc); aus Gelb und Schwarz Blättergelb (couleur de feuilles mortes); aus Braun und Schwarz Caffeebraun (couleur de caffeé), Castanienbraun (couleur de maron), Pflaumenbraun (couleur de pruneaux) und Dornbraun (couleur d’epine). Mischt man von diesen Farben, ie drey und drey, zusammen; so entstehen noch andere Farben: wie z. B. Lavendelgrau (gris de lavande), aus Blau, Roth und Gelb; oder Stahlgrau (gris de fer), aus Blau, Roth und Schwarz. Setzt man vier Farben zusammen; so bekommt man noch andere: und die verschiedenen Farben, die aus der Vermischung färbender Materialien entstehen können, lassen sich nicht angeben, da ihr Verhältniß gegen einander bis ins Unendliche verändert werden kann.
n) Die Alten sammleten den Purpur aus zwey Arten von Schnecken, die sie Buccinum und Murex nannten. Daß man die Purpurschnecken so selten fand, und daß man das lebendige Thierchen nothwendig zu dieser Farbe haben mußte; machte diese Farbe so theuer. Bey Panama, einer Stadt in Peru, findet man eine Art von Murex, dessen Saft man braucht, um baumwollenen Zeugen und einigem, zur Stickerey bestimmten, Garn die Purpurfarbe zu geben.
[Die Malerkunst]
Die Malerkunst ist aus einem andern Gesichtspuncte, als die Färberkunst, der Aufmerksamkeit werth: sie erfordert Genie, Geschmack und viele Kenntnisse. Wir wollen aber hier nur in so fern von ihr reden, als es die Farben betrifft, die sie gebraucht. Man hat verschiedene Arten der Malerey; iede erfordert eine eigene Art von Farben. Man malt al Fresco auf einem Anwurfe von Gyps; mit Wasserfarben auf Holz, Papier, Pappe; in Migniatur auf Pergament, Elfenbein und Papier; in Pastel auf Papier; mit Oel auf Holz, Leinwand und Kupfer; mit Email auf emaillirtem Kupfer oder Gold, auf Glas, Fayence und Töpferarbeit; encaustisch; mit großen Pinseln und man illuminirt Kupferstiche.
[Die Malerey al Fresco]
Die Malerey al Fresco, die Pausias von Sicyon erfand, braucht nur Farbenerde und Emailfarben, die man beide, mit pulverisirten Eyerschaalen vermischt, in Wasser reibt. Diese Malerey geschieht Stückweise: Der Künstler schneidet das Gemälde, das er copiren will, in viele Stücke: nimmt eines nach dem andern: läßt iedesmal so viel Mörtel anwerfen, als zu diesem Theil des Gemäldes nöthig ist und fährt also, bis zur geendigten Arbeit, fort. Die weisse Farbe, deren man sich hiezu bedient, ist feingestoßener Marmor; das Blau ist Ultramarin o), blaue Asche und Email p). Verschiedene andere farbige Erdarten geben die andern Farben.
o) Ultramarin wird aus Lasurstein, durch eine langwierige und schweere Arbeit, gemacht. Man glühet den Stein, kühlt ihn dann in Wasser ab; und durch diese, oft wiederholte, Operation, verwandelt man endlich den Stein in Pulver. Man macht aus diesem Pulver mit Leinöl, gelbem Wachse, Colophonium, Pech und weissem Mastix, einen Teig, den man in heisses Wasser wirft, das man, nach einigen Tagen, ablaufen läßt, um den Bodensatz, der nun Ultramarin ist, an der Luft zu trocknen. Die blaue Asche findet sich in Kupfergruben: sie ist ein zarter Stein, den man zu Pulver stößt und mit Wasser abreibt.
p) Das Wort Email wird in vielerley Bedeutung gebraucht: oft versteht man darunter Schmalte, Kobaltblau, die von den Malern und auch zum Kraftmehl gebraucht wird; oft den weißen Grund, auf dem die Maler emailliren; am gewöhnlichsten aber eine Zubereitung von Glas, dem man verschiedene Farben dadurch giebt, daß man ihm bald seine Durchsichtigkeit läßt, bald sie ihm nimmt, und dann hat man dreyerley Arten von Email: nämlich diejenige, die zur Verfertigung unächter Steine dient; oder die als Farbe, bey der Emailmalerey gebraucht wird; und endlich die, aus welcher die Schmelzarbeiter eine Menge kleiner Sachen, beym Lampenfeuer, verfertigen.
[Die Malerey mit Wasserfarben]
In der Malerey mit Wasserfarben reibt man die Farben in Wasser und trägt sie mit Lederleim, oder mit Leim aus Pergamentabschabsel, oder mit Gummiwasser auf. Zum Weissen nimmt man Spanischweiß, oder eine gewisse weiße Erde, Bleyweiß q), Muschelsilber: zum Blauen, Indigo, blaue Lacca, blaue Asche, Ultramarin, Email, oder Schmalte, Sonnenblumen und berliner Blau eine von Dippel erfundene Composition: zum Gelben, Bleygelb r), gelben Operment s), und Gummi Gutta e): zum Grünen, Grünspan, Berggrün u), grüne Erde: zum Rothen, Zinnober, Mennig v), rothe Kreide, Lacca, Brasilienholz: zum Braunen, braunen Ocher, Ofenruß, cöllnische Erde x); und endlich zum Schwarzen, Beinschwarz, gebrannte Weinhefen, chinesische Dinte y), oder Tusch. Diese unter einander gemischte Farben geben verschiedene andere.
q) Es ist pulverisirtes und mit Wasser abgeriebenes Bley: das venetianische ist das beste.
r) Es ist, bey gelindem Feuer, calcinirtes Bleyweiß von verschiedenen Farben, als gelblich, gelb und goldgelb.
s) Ocher ist eine erzartige Erde, die sich vom Vitriol scheidet, nachdem sie in Wasser aufgelöst worden. Man hat rothen, gelben, braunen Ocher: gewöhnlich aber ist der rothe, ein gelber , im Feuer geglühter, Ocher.
t) Gummi Gutta ist ein harziger, brennbarer Saft, der aus zwey Arten von Bäumen quillt, die in Siam, Camboya und China wachsen. Man macht eine gelbe Farbe daraus, die schön und leicht zu gebrauchen ist.
u) Beide sind eine, von der Natur selbst zubereitete Art Grünspan, oder mit Kupfer eingebundene Erde.
v) Es ist ein Bleyerz, oder pulverisirtes Bley, das man calcinirt, bis es roth wird.
x) So heißt sie, wenn sie dunkelbraun ist: aber sie heißt Umbra, ist sie hellbraun.
y) Man weiß noch nicht genau, woraus eigentlich die chinesische Tusche gemacht wird: einige glauben, aus Kienruß, der mit Oel zu einem Teig gerieben wird; andere aus einer, mit Gummi vermischten, schwarzen Erde. Die holländische Tusche ist schwarzgrau, oder schwarzbraun, und wird aus gebrannten schwarzen Bohnen und Gummiwasser gemacht. Die Chineser bedienen sich ihrer zum Schreiben, die Europäer zum Malen.
[Die Migniaturmalerey]
Zum Migniaturmalen muß man die Farben in Wasser, darinn arabisches Gummi oder Candiszucker aufgelöst worden, zergehen lassen. Die Farben selbst müssen fein und gerieben seyn. Um ihnen einen Glanz zu geben, vermischt man sie mit Galle von Ochsen, Aalen oder Karpfen. Zu dieser Malerey braucht man Carmin z), Ultramarin, Lacca, rothen Mennig, Zinnober, Braunroth oder Ocher, Gallenstein a), Schüttgelb b), Operment, Gummi Gutta, Neapolitanischgelb, Bleygelb, Berggrün, Indigo, Elfenbeinschwarz, Kienruß, Nußschwarz, oder zubereiteten Ofenruß, Umbra, Irisgrün c), Beergrün, Meergrün, grüne und blaue Asche, Bleyweiß, Tusche, Muschelgold und Muschelsilber.
z) Sie ist eine langwierige und schweere Zubereitung aus Cochenille.
a) Es ist ein weicher, blättrichter Stein, den man in Ochscngallen findet, und der schön Gelb färbt.
b) Es wird aus Körnern von Avignon, besonders in Holland, gemacht, und giebt ein schönes Gelb.
c) Irisgrün wird aus Schwerdtlilien, einer sehr bekannten Pflanze, gemacht: und Beergrün aus den Beeren der Kreuzbeerstaude (rhamnus).
[Pastell]
Man malt in Pastell auf grauem, blauem, oder schwärzlichtem Papier und braucht dazu Pastell, das ist, verschiedene farbige Erdarten, die geknetet und, während sie noch naß waren in die Form kleiner Stäbe gebracht worden sind. Man hat auch gesägten Pastell, aus gewissen Steinarten, die hart genug sind, gesägt zu werden, und die farbige Spuhren auf dem Körper zurück lassen, über den man sie zieht d).
d) Die erstern Landschaften von Pastell malte Alexander Thilo von Erfurt im Jahr 1685.
[Die Oelmalerey]
Zur Oelmalerey e) reibt man die Farben mit Nußöl, Leinöl, Spicköl, oder Terpenthinöl; und braucht zu Farben Bleyweiß, blaue Asche, Ultramarin, Indigo, Schmalte, berliner Blau, Berggrün, gelben, rothen und braunen Ocher, Bleyasche, Umbra, cöllnische und veronesische Erde, Berggrün, Grünspan, Lacca, Zinnober &c.
e) Antonius von Messina ist der erste italienische Maler, der mit Oelfarben malte: er lernte dies Kunststück von Vaneyk, der auch sonst Johann von Brügge heißt, und der der wahre Erfinder desselben, um das Jahr 1410 war.
[Die Kunst, auf Email zu malen]
Die Kunst, auf Email zu malen, ist eine Erfindung des vorigen Jahrhunderts: denn, man sagt, daß ein Goldschmied zu Chateaudun, Namens Jean Toutin, sie erfand, oder wenigstens so sehr verbesserte, daß man ihn als den eigentlichen Erfinder ansehen kann. Diese Kunst besteht darinn, mit metallischen Farben, die man flüßig gemacht hat, auf emaillirten Golde oder Kupferplatten, Figuren zu entwerfen. Jeder Emailmaler hat sein Geheimniß, und selten gelangt es zur Kenntniß anderer Künstler: nur so viel weiß man überhaupt, daß sie, nebst vielen andern verschiedenen Farben, einige Quintessenzen f), durch Metall gefärbten Thon, Safran, Smalte, Kupfer, Zinn, Eisen und Gold gebrauchen, woraus sie Carmin, Purpur und Violet machen; daß aber auch ein Gran Gold hinlänglich ist, ein 400 Gran schweeres Werk zu bemalen. Die Mittel, in denen man sie am Feuer flüßig macht, sind venetianisches Spiegelglas, Straß, holländisches Grottenwerk (rocaille), schwarze Feuersteine, Glas, Crystall und feiner Sand. Man zieht erstlich über die Kupferplatte eine Lage von weißer Email; malt dann mit einem aus Alaun und Vitriol gemachten Crayon, die Figuren, die man darauf haben will; setzt das Stück wieder ins Feuer, damit der Umriß der Figuren hafte und malt endlich, mit feinen Pinseln, wie bey der Migniatur.
f) z. B. Spicköl, oder das wesentliche Oel aus der großen Lavendel, mit breiten Blättern, die man auch Spick (spica) zu nennen pflegt.
[Musivarbeit]
Die erste Malerey auf Glas war blos Musivarbeit; kleine, verschiedentlich gefärbte und an einander gesetzte Glasscherben formirte Figuren, die oft mehr, oft weniger regelmäßig waren. Nachher malte man, mittelst des Pinsels, mit gummirten Farben: aber diese Art war nicht dauerhaft; man dachte also darauf, die Farben dadurch zu befestigen, daß man sie dem Glase einverleibte. Zur schwarzen Farbe nimmt man Eisenschlacken und Rocaille; zur weißen, feinen Sand, Salpeter und gereinigten Gyps; zur gelben etwas Blattsilber, das man gebrannt und mit Schwefel gemischt hat, Salpeter und neunmal so viel Roth; zur rothen, eine Mischung von Silberglätte, Silber, Eisenschlacken, arabischem Gummi, Feretum g), Rocaille und Blutstein; zur grünen, gebranntes Kupfer mit Bleyerz vermischt, weißen Sand und Salpeter. Zur blauen, purpurnen und violetten Farbe dient das, was grün färbte: nur nimmt man, statt des Kupfers, zur blauen Farbe Schwefel; zur purpurnen aber, Glasurstein; und zur violetten, Glasurstein h) und Schwefel. Die gelbe Farbe wird gemacht aus Bleyerz, vermischt mit Schwefel; die Fleischfarbe aus Feretum und Rocaille; die Farbe der Haare, Bäume und dergleichen, aus eben diesen beiden, vermischt mit Eisenhammerschlag.
g) Es ist ein Mineral, das sich in allen Eisengruben, unter der Gestalt eines röthlichen Steins befindet.
h) Glasurstein ist ein ziemlich harter und kohlschwarzer Stein.
[Zum Illuminieren…]
Zum Illuminiren dienen eben die Farben, die man bey Wassermalereyen braucht: es ist die Kunst, Kupferstichen und papiernen Tapeten lebendige Farben zu geben.
[Die grobe Mahlerey]
Die grobe Malerey, oder der Anstrich, geschieht mit einem groben Pinsel, um auf Holz, Oel- oder Wasserfarben aufzutragen.
[Die encaustische Malerey]
Und endlich die encaustische Malerey geschieht mit gefärbtem Wachse, entweder auf Leinwand, Holz oder Marmor, kurz auf allen Körpern, nur nicht auf Kupfer, und zwar wegen des Grünspans: doch keine Materie schickt sich besser dazu, wie Holz und hauptsächlich Ebenholz. Man befestigt die Malerey durch das Einbrennen. Ueber die Kunst der encaustischen Malerey haben der verstorbene Herr Graf von Caylus und der Herr Majault vortreffliche Nachrichten gegeben, die viele Entdeckungen enthalten, und das mehrste Licht über eine Kunst verbreiten, die man für verlohren hielt und die die Griechen ehemals so hoch schätzten.
Ich will hier noch beyfügen, daß der Verniß, dessen sich Maler und Vergulder bedienen, eine ölichte und glänzende Materie ist, und daß die mit Oelfarben gemalten Bildnisse und Gemälde am gewöhnlichsten mit Eyerweiß überzogen werden.
