Beckmann 1777
Johann Beckmann, Anleitung zur Technologie, oder zur Kentniß der Handwerke, Fabriken und Manufacturen, vornehmlich derer, die mit der Landwirthschaft, Polizey und Cameralwissenschaft in nächster Verbindung stehn. Nebst Beyträgen zur Kunstgeschichte, Göttingen [Wittwe Vandenhoeck] 1777.
Johann Beckmann (1739–1811) was a German naturalist and technologist from Hanover. He studied in Göttingen, Brunswick, and the Netherlands. Later he worked in Russia and also travelled to Denmark and Sweden. In 1766 he was appointed associate professor at the University of Göttingen, where he later became a member of the Royal Society of Sciences. He was interested in various manufacturing processes, which he introduced to his students and to which he devoted several of his publications. From Beckmann’s Introduction to Technology (1777) we present passages dealing with lime burning and slaking, and the preparation of Naples yellow.
pp. 184–191
Funfzehenter Abschnitt.
Kalkbrennerey.
§. 1.
Wenn Kalk genugsam in freyem Feuer gebrant worden, so hat er eine ätzende Kraft, und wird, mit Wasser gehörig vermischt, ein feiner Teig, der mit reinem Sande vermengt, erhärtet, bindet, und sich nicht wieder durch Wasser erweicht. Wegen dieser Eigenschaften, und seiner Verwandschaft mit den alkalischen Salzen, wird er alsdann zur Bereitung der Leder, der Seife, zur Färberey, vornehmlich zum Mörtel, und der weisse Kalk auch zum Uebertünchen gebraucht.
§. 2.
Der ungebrante Kalk heißt roher, der gebrante unzerfallene aber, lebendiger oder ungelöschter Kalk. Der an der Luft zerfallene heißt Staubkalk; der im Wasser zerfallene, gelöschter Kalk. Kalkbrennerey heißt die Kunst den Kalk gehörig zu brennen; oder auch der Ort, wo man die dazu nöthige Anstalten gemacht hat.
§. 3.
Der nutzbarste Kalk ist der reine; doch schadet wenig eingemischter Sand nichts oder wenig, und durch eine mässige Menge Eisenerde und fettiges brenbares Wesen, wird die Güte des Mörtels vermehrt.
1. Bey dieser Bestimmung halte ichs für überflüssig, die Namen hieher zu setzen, die man in der Mineralogie den verschiedenen Kalksteinen giebt, welche man an verschiedenen Orten zum Brennen anwendet. Kalkspate taugen nicht, weil sie bey der Erhitzung gewaltsam zerspringen, und schlechten Mörtel geben. Saustein wird ein guter lebendiger Kalk; doch nicht der Stinkschiefer, der nur aus dünnen Blättern besteht, und in Steinkohlwerken vorzukommen pflegt.
2. Das brenbare Wesen, was im Saustein und in einigen andern Kalksteinen befindlich ist, wird nur in der Oberfläche zerstöhret. Im innern erhält es sich, wie eine eingeschlossene Kohle, und verbindet sich mit der Kalkerde sehr genau. Die Eisenerde schadet wenigstens dem künftigen Mörtel nicht, vielmehr verbessert sie ihn, zumal wenn man hernach ein fettiges Wesen hinzusetzt. Eingemischter Sand verursacht leicht eine wenigstens nicht nutzbare Verglasung.
§. 4.
Gemeiniglich wählet man Kalksteine, als welche am ehrsten rein gefunden werden. Diese werden in den Flötzgebürgen, nach Wegräumung der Damerde, gebrochen oder gewonnen. Gemeiniglich geben die untern Flötze, und Steine, die einige Zeit an der freyen Luft gelegen haben, den vorzüglichsten Kalk.
1. Unthunlich ist es nicht, auch Kalkerde zum Mörtel zu brennen. So backt man in der Uckermark aus einer mit Wasser angefeuchteten Kalkerde ziegelsteinförmige Stücke, läßt sie an der Sonne abtrocknen, und brennet sie in Ofen zu lebendigem Kalke. Auch die hiesigen Gegenden haben unter dem Namen Duckstein einige Erden, die auf gleiche Weise behandelt, einen recht guten Kalk, und zwar bey weniger Feurung, geben würden.
§. 5.
Das Brennen der zerstückten Steine geschieht entweder in Oefen, oder Gruben, oder Meilern. Die erstern sind entweder an einem Hügel, oder auf der Ebene gebauet. Man unterhält in ihnen entweder ein Flammenfeuer, oder schichtet die Kalksteine mit der Feurung. Ihre Form ist bald würflicht oder parallelepipedalisch, bald ellipsenförmig, bald walzenförmig, bald wie ein umgekehrter Kegel, und bald wie eine umgekehrte Pyramide. Einige haben einen eisernen Rost über dem Aschenloche, bey andern aber erspahrt man ihn dadurch, daß man die Steine in einem Bogen legt. Bey einigen kan man unten die genug gebranten Steine heraus nehmen, und oben frische nachwerfen (Stichöfen); andere aber haben ein geschlossenes Gewölb.
§. 6.
Die Gruben zum Kalkbrennen werden dergestalt mit Kalksteinen angefüllet, daß unten ein leerer Raum für das Feuer übrig bleibt. Man bedeckt sie mit einer thonichten Erde.
§. 7.
Die Meiler werden schichtweise von rohen Kalksteinen und Feurung aufgeführt; aber sie und die Gruben sind nicht so vortheilhaft als die Oefen.
1. In Krain flichtet man aus Reisern einen grossen walzenförmigen Korb, nach Art der Faschinen, setzt solchen mit Kalksteinen aus, und feuret mit Buschwerk.
2. Man hat bereits eine grosse Anzahl gebrauchlicher Kalköfen beschrieben und abgebildet, auch neue vorgeschlagen; aber die Frage, welche Bauart unter allen die vortheilhafteste sey, ist noch unentschieden. Inzwischen verdienen die Stichöfen, in welchen man die Steine mit Steinkohlen schichtet, Vorzüge.
§. 8.
Zur Feurung dienen alle Arten Holz, auch Torf, auch Steinkohlen, vornehmlich solche, welche mehr Asche als Schlacken geben, und keine Kiese enthalten.
1. Der wohl gebrante, mit Steinkohlenasche und wenig Wasser gemischte, und oft und stark durchgearbeitete Kalk, giebt einen vorzüglichen Mörtel zum Wasserbau, der viel zu Dornik bereitet wird, und in den Niederlanden und in Frankreich, unter dem Namen Cendrée de Tournai, berühmt ist. Auch in England nutzet man diese Mischung. Hingegen Holzasche schadet dem Mörtel sehr.
2. Die Kiese schaden durch ihr Vitriolsauer, welches Kalk in Gyps verwandelt, der zwar den Mörtel wenig verschlimmert, aber doch nicht in aller Absicht als Kalk gebraucht werden kan.
§. 9.
Wenn die Farbe des Rauchs und der Steine die Gare derselben anzeigt, läßt man die gemeinen Oefen, die keine Stichöfen sind, ausgehn und erkalten. Der ausgenommene Kalk wird zerschlagen und gesiebt, oder auf Stampfmühlen, oder noch besser auf Mahlmühlen, zerkleint.
1. Möglich ist es allerdings, den Kalk durch gar zu langes Brennen zu verderben, oder ihn todt zu brennen; indem er dadurch in die glasartige Erde übergeht, und die Fähigkeit sich mit Wasser zu löschen verliehrt; aber besorglicher ist der entgegengesetzte Fall, daß man ihn, um das Holz zu spahren, nicht genug brennet. Alsdann behalten die Stücke feste Kerne, die man an einigen Orten heraus sucht, und beym Kaufe abrechnet.
2. Die Behauptung, daß der Kalk, wenn der Ofen zu früh ausgegangen ist, durch ein erneuertes Feuer, nie gar gebrant werden könne, ist ungegründet.
3. Gemeiniglich hat ein wohlgebranter Kalk die Hälfte seines Gewichts, und auch meist die Hälfte seines Umfangs verlohren.
§. 10.
Der lebendige Kalk wird mit einer mässigen Menge weichen kalten Wassers gelöscht. Der gelöschte Kalk kan Jahrhunderte lang in wohl verwahrten Gruben vortheilhaft aufgehoben werden.
1. Die Menge des nöthigen Wassers läßt sich nicht allgemein bestimmen. Will man den gelöschten Kalk in dichten Gruben verwahren, so schadet es nicht, wenn er etwas dünne eingerührt wird; aber man lasse das Kalkwasser nicht verlohren gehn, oder läuge den Kalk nicht aus.
2. Gut wäre es, wenn man so, wie es in Provence geschieht, den Kalk gleich nach dem Brennen beym Ofen löschte, und ihn gelöscht zum Mörtel verführte und verhandelte, da er jetzt, zumal auf den Schiffen, beym Verfahren, zum Theil in Staubkalk zerfält.
3. In hiesigen Landen wird viel Kalk auf der Weser verfahren, welcher meistens im Amte Polle bey den beyden Dörfern Heimsen und Bonvörde gebrochen und gebrant wird. Der Schiffer verkauft an den Ufern seine Waare, wo sie verlangt wird; kan er sie aber nicht absetzen, so fährt er damit nach Bremen, bleibt dort mit seinem Schiffe so lange liegen, bis er den Kalk entweder in kleinen Parteyen oder auf einmal, nach dem er seinen Vortheil dabey findet, verkauft hat. Ist das Schiff leer, so nimt er Kaufmannswaare ein, die er, für bedungene Fracht, nach diesem oder jenem Orte an der Weser zurück nimt. Ehemals ward auch viel Kalk zu Eder im Lippischen gebrochen, gebrant und von da auf der Weser verfahren. Seit dem aber hohe königliche Landesregierung befohlen hat, daß langs der Weser zu königlichen Gebäuden kein anderer Kalk verbraucht werden soll, als der aus dem Amte Polle kömt, so ist die Brennerey zu Eder wieder eingegangen.
§. 11.
Die Bereitung des Mörtels geschieht, indem man den gelöschten Kalk mit Wasser und reinem Sande genau vermischt.
1. Reiner, auch allenfals grober Sand, ist so nothwendig, daß es der Mühe werth ist, unreinen Sand vorher zu waschen; oder in Ermangelung desselben lieber Ziegelsteine und Scherben zu zerkleinen, und solche beyzumischen.
2. Die verschiedenen Vorschläge zur Verbesserung des Mörtels gehören mehr zur Maurerey, als Kalkbrennerey; inzwischen verdienen folgende vorzüglich genutzt zu werden:
1. Man lösche den Kalk nicht ehr, als bis man ihn gleich brauchen will; man zerkleine und vermenge ihn genau mit Sand, ehr man Wasser hinzuthut.
2. Man mische ihn mit fettigen klebrigen Substanzen, z. B Blut, Kaminruß; im kleinen mit Eyweiß, Käse u. d. Lächerlich ist es zu glauben, daß die Alten ihren Mörtel mit Eyern und Milch angerührt haben, aber schlechter würden sie ihn freylich nicht dadurch gemacht haben.
3. Man mische, nach Loriots Vorschlage, zu altem gelöschten Kalke einen Theil zerstossene und gesiebte Ziegelsteine, zween Theile reinen Sand und Wasser. Zu diesem Teige thue man ein Viertel der ganzen Masse fein gestossenen ungelöschten Kalk, und verbrauche diesen Mörtel gleich. S. Physikal. ökonom. Biblioth. VI S. 171; und VII S. 402.
4. Man menge zu dem gewöhnlichen Mörtel etwas rohen kleingestossenen Kalkstein. So hat man zuweilen den Duckstein von Königslutter, der dem Göttingischen vollkommen gleich ist, beym Wasserbau, dem Mörtel mit Nutzen beygemischt, aber Terras solte man dieses Gemeng nicht nennen.
Achtzehnter Abschnitt.
Töpferkunst.
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p. 206–208
§. 8.
Glasur nennet man diejenige leicht flüssige mineralische Mischung, womit man Töpferwaare überstreicht, um sie auf derselben verglasen zu lassen. Man giebt ihr, durch metallische Kalke und Gläser, und durch Braunstein und andere Mineralien, mancherley Farbe.
1. Wird die Glasur vor dem Brennen aufgetraigen, so pflegt man nur die Seite, welche glasirt werden soll, mit Thonwasser zu benätzen, und mit der trocknen pulverisirten Glasurmasse zu bestreuen. Geschieht das Glasiren nach dem Brennen, so wird sie gemeiniglich naß aufgetragen, indem man entweder die Waare darin eintunkt, oder die Glasur mit einem Quast ansprützt. Bey der letzten Weise hat man den Vortheil, keine Gefäße zu glasiren, als welche gut bleiben, dahingegen bey der erstern viele Materialien an Stucke verwendet werden, welche im Ofen misrathen, aber man braucht auch dabey weniger Feurung und Zeit.
2. Zu den Materialien, welche zur Glasur und zur Färbung derselben dienen, gehören: leichts flüssiger Thon, der sich roth brennet, Bolus, Glätte, Mennig, Bleyglanz, Braunstein, Schmalte, Saflor, Zinasche, Ochererde, Ochra ferri Waller. Eisensafran, Kupferocher, Kupferasche, Schlacken, Spiesglas, Sand, Glas, verschiedene Salze u. d.
3. Die Bereitung des Neapolitanischen Gelbs, Giallolino, Iaune de Naples, dessen man sich zur Schmelzmahlerey bedient, hat Fougeroux de Bonderoy gelehrt; aber lange vor ihm hatte sie der Abt Giambattista Passeri öffentlich bekant gemacht, dessen Vorschrift, als die zuverlässigste, ich hier mit seinen eigenen Worten angeben will. Il giallolino, o color d’oro si fa con una libra di antimonio, une e mezza di piombo, ed un’ oncia d’allume di feccia, ed un’ altra di sal comune.
4. Eine leichte, wohlfeile, noch wenig bekante grüne Glasur ist folgende, die mich ein Jude gegen ein Stück Geld gelehrt hat. Man überzieht die Waare mit Bleyglas, und hält sie so gleich über ein mit Heu angefülletes Gefäß, worin man eine glühende Kohle geworfen hat. Vermuthlich würde man dieses auch sehr vortheilhaft im großen anwenden können, so wie der Holländer seine Ziegel mit Ellernlaub färbt.
5. Die Materialien zur Glasur werden auf einer Mahlmühle, oder Handmühle, oder auf einem Reibstein pulverisirt.
§. 9.
Die Bemahlung geschieht aus freyer Hand, oder nach einer Zeichnung , die man mit Kohlenstaub durch durchlöchertes Papier vorher hinauf getragen hat.
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