Bohn 1726/II

Gottfried Christian Bohn, Des wohlerfahrnen Kaufmanns Anderer Theil, oder Neu-eröfnetes Waaren-Lager, worinnen derer im Handel und Wandel gangbaren Waaren Natur, Beschaffenheit, unterschiedene Arten, Nutzung und Gebrauch, wie auch der Unterschied der guten und verfälschten Waaren, der Ort ihrer Zubereitung, Einkaufs, und alles, was zur Erkäntniß derselben nöhtig, nach alphabethischer Ordnung kurz und deutlich beschrieben wird, Hamburg [Theodor Christof Felginer] 1726.


pp. 51–54

Blaue Schneberger Farbe

Blaue Schneberger Farbe, blauer Amdam, kommt bey Schneeberg in Meisen her, woselbst man etwa vor 80. Jahren eine Handlungs Societät angeleget hat, darinnen die Contrahenten mit einander in Compagnie die Kobalt-Zechen in dasigen Bergwercken bauen, auf ihren Farben-Mühlen die blaue Farbe daraus verfertigen lassen, und den davon gewonnenen Profit nach Proportion ihrer davon habenden Antheile unter sich theilen. Dieses Werck geniesset das Berg-Recht, stehet unter der Jurisdiction des Schneebergischen Berg-Amtes, und die Contrahenten werden Gewercken genennet. Dieser Wercke sind in gedachter Gegend 4, nehmlich 1.) das Königliche gedoppelte Werck vor der Stadt Schneeberg. 2.) Das Schindlerische an der Moldau, 1. Meile von Schneeberg. 3.) Das Pfannenstielische, und 4.) das Zsopanische 4. Meilen von Schneeberg, welche drey Letzere privat Persohnen zugehören. Diese 4. blau Farben Wercke stehen erstlich in einer General-Compagnie, daß eines so viel Kobalt, oder Materie, woraus die Farbe gemacht wird, von den Zechen bekommt als das andere, und jegliches auch so viel Farbe machet und verkauffet als das andere, ausser das Königliche, welches doppelte Liefferung bekommt, und wieder ausgiebet. Hernachstehen die Intressenten von einen jeden Wercke in einer special-Compagnie, und halten auf jeden Werck einen Factor zum Rechnungen und Austheilen des Gewinnes. Es haben auch diese Wercke den besondern Vortheil, daß ihnen alle Kobalde im ganzen Lande für eine von dem Berg-Amt gemachte Taxe, müssen gelieffert, und bey hoher Straffe nicht ausserhalb Landes verführet werden, daß daher in den Gegenden, wo Kobalde zu finden, gewisse Kobalds-Bereuter gehalten werden, die den Unterschleiff verhüten. Wie diese Farbe aus den Kobalden auf gedachten Mühlen bereitet werde, stehet in Büchern die von Bergwercken handeln weitläufftig beschrieben. Wenn die Farbe fertig, wird sie in Fäßgen, deren eines gemeiniglich 3. Centner hält, eingepackt und durch gantz Europa versendet, indem alle Materialisten damit zu handeln pflegen. Diese blaue Farb-Handlung bestehet insgemein aus Sächsischen und Böhmischen blauen Farben. Die Sächsische ist durchgängig von allen Sorten mit avantage zu erhalten in Leipzig bey denen vornehmen Herren Sächsischen Farben-Interessenten. Die Böhmische aber, ins besondere in Breytenbach und Glaßhütte, 2. Oertern in den Ertz-Gebürgischen Creysse an der Böhmischen Gräntze. Die Sächsische führet durchgängig, oben an dem Aufschlage Boden des Fasses zum general Brand-Zeichen

Welches in folgender Erklärung zu verstehen: Das mittelste Zeichen heisset ein Rauten-Crantz mit Chur-Fürstlichen Schwerdten. Das neben an auf der lincken Hand, ein Hertz über dasselbe eine Crone, welche offen gebrandt. Das zur rechten Hand heisset eine Lilie, oder wie es sonsten genennet wird, eine Brand Säule, welches zwar die Böhmische Farbe auch führet, doch mit einiger Veränderung, das überste Zeichen, eine vollgebrandte Crone, welche just über den Rauten Crantze stehet. Das unter dem Rauten-Crantze ist ein viereckigtes, mit 4. Nägeln, klein angemachtes dünnes Brettgen, welches an den Faß-Boden mit angenagelt ist. Dieses befindet sich darum allhier, damit man die Proben von Farben kan raus langen, und nicht nöthig hat, den gantzen Faß-Boden deswegen zu eröffnen. Unter dieses Zeichen kommen die general Brand-Buchstaben, als z. E. FC. oder M. C. um damit anzuzeigen, was für eine Sorte Farbe sich in diesen oder jenem Fasse befindet. Alle Sächsische blaue Farbe ist durchgängig viel feiner, als alle Böhmische. Bey der Böhmischen ist durchgängig das Haupt-Brand- und general Zeichen der Buchstaben oben; und unter solchen Buchstaben drey gebrandte Brändte, als: z. E.

hierstehet. Die drey Brändte unten bleiben durchgängig bey allen Böhmischen Farben. Die Haupt-Brand-Buchstaben aber oben, verändern sich jedesmahl bey denen Sortimenten der Farbe. Denn in diesem Fasse ist bald diese, und in den andern wieder jene Farbe. Die Sächsischen Farben aber ins besondere nachihren Sortimenten zu beschreiben bestehet darinne. FFFE. ist die extra feineste Eschel Farbe. FFE. Extra feine Eschel. FE. Feine Eschel. ME. gesiebt, Mittel (feine) Eschel. ME. in Stücken mittel Eschel. OE. gesiebt ordinaire (feine) Eschel. OE. in Stücken, ordinaire Eschel. GE. N°. 2. schlecht (fein) Eschel. GE. N°. 1. schlecht Eschel. FFFC. Extra feineste C. Farbe. FFC. Extra feine C. Farbe. FC. FH. Feine C. Farbe. MC. MH, Mittel (feine) Farbe C. OH. OC. ordinaire (feine) C. Farbe. GMC. (feine) schlechte C. Farbe. OB schlechte Farbe, oder ordinair Blau. FFS. Extra feinen Zaffers oder Safflor-Farbe. FS. Feinen Safflor. MS. Mittlen Safflor. OS. ordinairen Safflor. Dieses wären also die Eschel, C. Farben nebst Safflor, von denen Sächsischen blauen Farben beschrieben, woran jedesmahl eine jegliche Sorte richtig zu unterscheiden und erkennen, nach ihrer feine und schlechte. Von Böhmischen aber, will nicht alle Sorten beschreiben, sondern nur diejenigen allhier anführen, welche ins besondere courant, gänge und gebe, dieses sind folgende: FFC. Extra feine Böhmische C. Farbe. FC. Feine Böhmische C. Farbe. ME. gesiebt, mittel (fein) Böhmisch Eschel. ME. in Stücken, mittel Böhmisch Eschel. MC. Mittel Böhmische C. Farbe. OE. gesiebt ordinair (fein) Eschel. OE. in Stücken, ordinair Eschel. OC. ordinaire Böhmische C. Farbe, oder ordinair Böhmisch Blau. Alle Eschel-Farbe ist feiner, als die C. Farbe und der Zaffers. Bey der OE. und ME. in Stücken, stehet auf dem Aufschlage Boden, allezeit noch mit unter den 2 general Brandt-Buchstaben, ein gebrandt S. als z E. so: OS.E. welches anzeiget daß in diesen Fasse Farbe, OE. in Stücken ist; und also die OE. KME. gesiebt, von der OE. und ME. in Stücken, demnach wohl und richtig zu unterscheiden. Wer sich nun mit Sächsischer und Böhmischer blauen-Farbe belegen will, der kan nach folgende Courante Sorten sich auf das Lager schaffen, weil davon stetig ein starcker Abzug nach Amsterdam, Hamburg; auch dann und wann Londen sich ereignet. Es sind aber diese: von den C. Farben: FFC. FC. MC. OC. OB.; Am allermeisten aber FFC. FC. MC. OC. von dem E. Farben oder Eschel FFE. FE. ME. gesiebt, ME. in Stücken. OE. gesiebt. OE. in Stücken. Von den S. Farben, oder Zaffers, ist sich nicht mit vielen zu überlegen, weil darbey wenig Consumo; sondern nur meist zur Nachfrage mit auf das Lager zu schaffen sind. Die C. Farbe, Eschel und Zaffer, eines von den andern zu erkennen und unterscheiden, bestehet darinne: die C. Farbe führet allemahl in den Letzten Brandt-Buchstaben eine gebrandt C. als: z. E. FFC. und niemahlen das C. forne an, sondern zuletzt; auch nie kein E. oder S. zuletzt oder forne an. Die E. Farbe oder Eschel, führet jederzeit in letzten Brandt-Buchstaben ein E., als; z. E. FFE.; niemahls aber das E. forne an, sondern zuletzt. Die Zaffers, S. Farbe, oder Safflor, hat allemahl in Letzten Brandt-Buchstaben ein S. als: z. E. FFS.; niemahlen aber das S. forne an, sondern zuletzt: auch führet keine Sorte der andern ihren besondern Haupt-Brandt-Buchstaben.


pp. 207–208

Kalch, Kalk

Kalch, Kalk, Calx. Eine weisse Materie, die aus Steinen, in gewissen darzu erbauten Oefen gebrannt, nachmahls mit Wasser abgelöscht, und zum Mauren gebraucht wird. Man brennt ihn entweder aus gewissen Kiesel Steinen, die in Bächen gefunden werden; oder aus einer gewissen Art Marmor, dessen in der Wetterau und am Ober-Rhein viel gefunden wird, und der einen vortrefflichen Kalck zum Mauren und Tünchen giebet; oder aus Schieffer-Steinen, der bald muß verbraucht werden, weil er sich sonst selbst verzehret; oder aus einer gewissen weissen Erde, die wie Leim-Erde, in viereckigten Stücken ausgestochen, an der Sonne hart getrocknet, und dann gebrannt wird i oder aus See-Schnecken und Muscheln, wo nehmlich keine Steine zu haben sind, dergleichen in Holland und Indien geschiehet, er dienet aber nicht zum Tünchen an freyer Lufft. Wenn der Kalck von selbsten in der Lufft ablöschet, und in Staub zufällt, so taugt er alsdann nicht zum Mauren. Man erkennet die Güte des Kalcks daher, wenn er groß von Steinen, leicht, weiß-glänzend, und hell-klingend ist, auch im Ablöschen starcken Dampff von sich giebet. Der Kalck, so wie Sand aus den Ofen kommt, taugt wenig.


p. 296

Ocher

Ocher, Ochra, Ocker, s. Berg-Gelb. Es wird von Bley gemacht, welches so lange gebrannt wird, bis es die gelbe Farbe bekommt, da sie dann die Mahler gebrauchen können. Es gibt auch ein natürlich gewachsen Ocker, welches nicht nur bey den Metallen, sondern auch in eigenen grossen Adert gefunden, und aus den Bergen als eine harte gelbe Erd, die küpffriger und eiserner Natur ist, gegraben wird. Engelland hat man einen Ocker welcher braun-roth. Auf den Apothecken wird er wegen seiner zusammen-ziehender Krafft unter etliche Pflaster genommen.


p. 493

Umber

Umber, UmbraTerra, seu Creta Umbriæ, ist eine Erde, die aus einer Landschafft in Italien dieses Nahmens, so jetzt Ducatus Spoletanus heisset, gebracht wird. Die beste ist in grossen Stücken, schön zart, und von recht brauner Farbe. Sie wird zur Mahlerey gebraucht, muß aber zuvor gebrannt werden, ehe sie kan mit Oel angemacht, oder zum Handschuh-Färben gebrauchtwerden, man hat sich aber vor den Dunst und Rauch zu hüten, weil er sehr stinckend und schädlich ist. Mit dieser Umber Erde hat die Cöllnische Erde, Terra Coloniensis, eine grosse Gleichheit, wiewohl diese viel dunckel-brauner ist als jene. Sie muß zart, zerreiblich, reinlich, und ohne Unrath seyn.