Bohn – Bohn 1788
Gottfried Christian Bohn – Carl Ernst Bohn, Gottfried Christian Bohns Waarenlager oder Produkten- und Waarenlexikon für Kaufleute, welches das Interessanteste und Brauchbarste aus der Naturgeschichte, Chemie und Technologie, und eine sorgfältige Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunstprodukte, der Art ihrer Gewinnung und Verarbeitund, ihrer Eigenschaften und Kennzeichen, der Oerter, wo sie gewonnen werden, und woher man sie zieht, so wie des Handels mit denselbern nach alphabetischer Ordnung enthält, Hamburg [Carl Ernst Bohn] 1788.
col. 554–555
Neapolitanisch Gelb
Neapolitanisch Gelb, oder Neapelgelb, franz. Jeaune de Naples, ital. Giallohino [sic!], ist eine schöne gelbe Farbe, deren Hauptbestandtheile ein Spiesglaskalch ist. Man läßt rohen Spiesglas mit dreymal so viel Salpeter verpuffen; das, was sich während dem Verpuffen oben als eine Rinde ansetzt, wird von Zeit zu Zeit ab- und in den Tiegel gestoßen. Wenn alles verpufft hat, läßt man den Tiegel erkalten, das, was zurückgeblieben ist, wird herausgenommen, zerstoßen und so lange mit heissen Wasser ausgewaschen, bis dieses keinen Geschmack mehr davon annimmt. Drey Theile dieses weissen Kalchs vermengt man mit zwölf Theilen reinen achten Bleyweiß einen Theil Allaun, und einem Theil Salmiak (wenn die Farbe höher werden soll, vom erstern und letztern mehr), reibt alles auf einem Reibsteine recht genau untereinander; setzt es in einem verdeckten Schmelztiegel in das Feuer, giebt die ersten Stunden nur schwache Hitze, dann etliche Stunden lang stärkere zuletzt noch drey Stunden lang eine Hitze, bey welcher der Tiegel dunkelroth glüht; nun läßt man das Feuer abgehen, nimmt, wenn der Tiegel kalt ist, den schönen gelben darin befindlichen Klumpen heraus, und reibt ihn, zart. Dieses Neapelgelb kann in allen Arten der Malerey, und auch als Feuer und Emailfarbe vortreflich genützt werden. Der zuerst beschriebene weisse Spiesglaskalch dient sehr gut zum Poliren der Metalle, und zum Schleifen der Gläser und Edelgesteine.
Note
Cf. Bohn – Bohn 1763, where Naples yellow is still considered a natural earth pigment.
