Bruckmann 1727/I

Franciscus Ernestus Bruckmann, Magnalia Dei in Locis Subterraneis Oder Interirdische Schatz-Cammer Aller Königreiche und Länder, In Ausführlicher Beschreibung Aller, mehr als MDC. Bergwercke Durch Alle vier Welt-Theile, Welche Von Entdeckung derselben bis auf gegenwärtige Zeit gebauet worden, und noch gebauet werden; in was Stand sie jemahls gewesen/ und wie sie jetzo beschaffen; was vor Ertze/ Steine und Berg-Arten aus solchen jemahls gewonnen/ und noch zu Tage ausgefördert werden; Nebst Anmerckung aller derjenigen Länder und Oerter/ wo Edelgesteine zu finden/ In Geographischer Ordnung und einige Kupffer Figuren zu besichtigen dargestellet I, Braunschweig 1727.


CAP. XVII.
von den
Bergwercken in Ungern und
der Türckey.

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Specification
Der Ertze/ Mineralien und Steine dieses Gebürges.

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pp. 260–262

Neudorff

(cc) Neudorff/ Neocomium, Ung. Iglo, Iglovia, Slav. Nowa-Wes, Bergstadt am Fluß Herna, Germ. die Kundert/ im Zips. Comitat und eine von den 13. Städten/ welche Sigismundus Anno 1412. Wladislao Iagelloni in Pohlen vor 77700 Gulden versetzt/ hat gute Kupffer- und sehr viel Eisen-Bergwercke/ zuzeiten gräbet man hier auch schönen Zinnober/ aus welchem Mercurius gemacht wird. Die Ertze und Berg-Arten allhier sind:

Gediegen gewachsen Kupffer.
Braun/ grün und gelb Kupffer-Ertz.
Lazur-Kupffer-Stein. Weiß Kupffer-Ertz.
Leber-Ertz/ Braun-Ertz/ minera æris purpurea vel brunna, reich in Kupffer/ darff nicht geröstet werden.
Minera, welche eine Glocken-Speise giebt/ auch/ wenn sie sehr im Feuer torquirt wird/ endlich zur Noht auch Kupffer.
Cinnabaris nativa. 1. lb. à 2 Gulden.
dito in granis, 1. lb. à 6 Gulden. Stein-Kohlen.

Topschin

(dd) Topschin, Topschau, Dobschina, eine Bergstadt liegt in einem Thal zwischen 2 hohen Bergen/ und soll den Nahmen bekommen haben/ daß wenn man von den Bergen herab in den Grund nach der Stadt zusehet/ die Stadt wie ein Topff anzuschauen seyn soll/ deßhalb auch das Wahrzeichen der Stadt ein Mann ist/ so in einem Topff siehet/ wie wir solches selbst in der Kirchen an der Orgel observiret haben. Sie hat schöne Kupffer- und Eisen-Bergwercke/ darin die minera, der schwartze Glaß-Kopff/ welcher als lauter kleine Thürmgen gewachsen/ genannt/ sehr schön ist; hier ist auch ein hoher Ofen/ welchen der jetzige Vice-Gespann/ hl. Paul Lany, bauen lassen/ und ist sonst keiner/ als dieser/ in gantz Ungern anzutreffen. Bisweilen finden sich auch Cinnober-Nester/ aus welchen man Mercurium macht. Vor der Stadt liegt ein hoher Berg/ auf welchem vor etlichen 20. Jahren oben genannter Herr Vice-Comes den Asbestum brechen und das unverbrennliche Pappier daraus machen lassen/ jetzo sind die Gruben alle wieder eingegangen und verfallen.

Sclana

(ee) Sclana, ein Dorff/ 1. Meile von Rosenau, wo die Zinnober- und Quecksilber-Gruben sind/ aus diesen gräbet man eine fette Erde und Stein von vielerley Farben/ mineram Mercurii unctuosam miniatam, rubram, luteam, gryseam &c. welcher in kleinen Puchwercken gestampffet/ und der gestoffene Sand und Schlam auf gewissen darzu gemachten Plan-Heerden/ welche mit Leinwand beleyet sind/ gewaschen wird/ da der Berg und Unart mit dem Wasser weggehet/ der Cinnober aber/ wegen seiner Schwere/ auf der Leinwand liegen bleibet/ welchen man sammlet/ und in kleine Mollen vollends rein waschet/ wird vulgo Cinnabaris lota genennet/ ist der wohlfeilste/ und aus diesem wird auch der Mercurius currens per descensum gemacht.

An den Bächen siehet man täglich viel Bauren mit ihren Weibern und Kindern/ welche Gruben dabey graben/ und die Erd und Leim waschen; andere reinigen den Sand der Bäche in Mollen/ und finden unter solchem den allerschönsten und reinesten Zinnober/ so pellucide und durchsichtig als ein Rubin, öffters Körner als Bohnen groß/ dieser ist der Cinnab. lota in granis, macht die beste und theuerste sorte aus/ und wird vor den schönsten/ so in einem Lande mag anzutreffen seyn/ gehalten/ 1. lb. kostet hier auf der Stelle 6. bis 10. Gulden.

Es finden auch die Bauren auf den Aeckern hin und wieder zuzeiten den Cinnob. in granis Nester- und Putzen-weise/ öffters in ziemlichen grossen Stücken/ da in einem Nest bisweilen über 10. lb. liegen; diese sorte ist die mittlere im Preiß/ kostet 1. lb. in loco bis 5. Gulden/ ist öffters noch sehr mit Berg und Stein vermischt/ und muß/ wenn er zur Medicin soll adhibiret werden/ zuvor eine sublimation ausstehen.

Unterweilen finden sie auch den Mercurium virgineum, oder Jungfern-Quecksilber/ ist derjenige Mercurius nativus, welcher sich ohne Hülffe des Feuers in den mineris Mercurii findet/ in welchen er in guttulis angetroffen wird/ ist aber hiesiges Orts sehr rar/ indem man selten ein Nest davon findet/ wird von den Liebhabern der Alchymie sehr theuer bezahlet. Docent nos Ephemer. Acad. Caes. Nat. Cur. quod operarii in fodinis Hungariæ magnam hactenus, insciis spectatoribus, vesperi ante abitum deglutierint argenti vivi copiam, quam domi per alvum reddiderunt, & furtum clam vendiderunt; quo detecto sancitum est nunc, ut omnes extra fodinam aliquandiu commorari teneantur, priusquam se domum recipiant, quo eo facilius furti convinci possint. Eisenstein wird hier genug angetroffen/ man achtet ihn aber nicht.

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