C. R. 1840b
C. R., Die Freskomalerei, Polytechnisches Archiv IV, Berlin [Friedrich Weible] 1840, pp. 242–244, 250–251, 260.
pp. 242–244
Die Freskomalerei.
Von C. K.
Versuche, die Freskomalerei der Alten wieder herzustellen.
Die Freskomalereien der Alten sind noch heute ein Gegenstand unserer Bewunderung, und was auch die neuere Zeit darin geleistet hat, so ist es doch nicht gelungen, trotz der großen Mittel, welche Kunst und Industrie zu schaffen wußte, jene Alten zu erreichen, geschweige denn zu übertreffen. Vieles von dem, was man in der neueren Zeit hierin Gutes geleistet zu haben glaubte, hat sich nicht bewährt, theilweise hat man in der Wahl der Farben Mißgriffe gethan, oder denselben Bindemittel gegeben, die den Einflüssen der Atmosphäre nicht genügend widerstanden, oder mit ihnen sich von der Wand ablösten.
Was man im Allgemeinen von der Freskomalerei wußte, war, daß man mit Wasserfarben auf einer frischen mit Kalk, Sand oder Gyps bekleideten Wand malte. Nach diesem Verfahren empfing jene Malerei die italienische Benennung „al fresco.“ – Es galt hier dem Prinzipe, daß der kaustische Kalk in seinem Verhalten zur Kieselerde nach und nach eine unlösliche Verbindung eingeht, die Farben gleichsam mit erfaßte und befestigte. Um dies möglichst vollkommen zu bewirken, ließ der Maler nur so viel Mauer mit dem kaustischen Mörtel bewerfen, als er an einem Tage zu übermalen gedachte, und verfuhr dabei so schnell wie möglich unter Mitwirkung der bekannten Hülfsmittel „Karton“ und „Skizze.“
Da diese Malerei unter so mancherlei Beschränkungen und Bedingungen existirte, so konnten nur wahrhaft große Künstler deren eigentlich mächtig werden. Sie erfordert viel Farbenkenntniß und große Fertigkeit im Zeichnen. Sie schließt alle die Farben aus, welche durch alkalische Einwirkung einer Veränderung oder Zerstörung unterliegen, und betrachten wir die Anzahl der jetzt von der Oelmalerei zur Anwendung genommenen Farben, so müssen wir einen großen Theil derselben für die Freskomalerei verwerflich finden.
Was der Maler gearbeitet hatte, war sogleich vollendet, man mischte die Farben vorher und setzte sie auf, wie sie gebraucht wurden. Nachhilfe war nur unter höchst wenigen Bedingungen gestattet, allenfalls bei dunklen Parthieen.
Die Freskomalerei der Alten und was sich davon bis auf unsere Tage erhalten hat, zeigt von ihrer großen Dauerhaftigkeit. Die aus den Zeiten Constantin des Großen und in Pompeji aufgefundenen Kunstwerke bestätigen dies, Alles deutet aber auch darauf hin, daß die ältere Malerei ein Verfahren befolgte, welches dem späteren weit vorzuziehen war.
Die im 16ten Jahrhundert wieder aufblühende Freskomalerei wurde von den größten Künstlern der Zeit, „Raphael und Michel Angelo“ ausgeübt, es ist aber bedauernd wahrzunehmen, wie die großartigsten Kunstgebilde jener berühmten Meister allzusehr den Einflüssen der Atmosphäre unterliegen müssen. Dem Kalk scheint hier ein Körper zu fehlen, der, den Farben beigemischt, zu gleicher Zeit eine dauerhafte Verbindung mit ihm eingeht; man nimmt wahr, daß die Farben verblassen und sich allmählig ablösen. Die herrlichen Schöpfungen im Vatikan und in der Sixtinischen Kapelle gehen daher ihrem Untergange immer mehr entgegen.
Spätere Versuche, die Freskomalerei wieder zu dem Grade höherer Vollkommenheit zu bringen, waren noch weniger geglückt, und man hatte dabei viel zu geringe Erfahrung in der Dauer, wie in den Eigenschaften dabei angewendeter Bindemittel beobachtet. Die Anwendung eines Zusatzes von Gyps bewährte sich keineswegs. Der Gyps ist an und für sich ein auslöslicher Körper, nimmt als Zusatz den Farben Glanz und Deckkraft und verträgt sich durchaus nicht mit allen Farben, dies ist besonders mit einigen Eisen-Oxyd-Farben der Fall. Indem ich nun diese meine Mittheilungen mache, erinnere ich, wie ich mir keineswegs es anmaße, eine endliche Vollkommenheit in der technischen Behandlung der Freskomalerei erreicht zu haben, ich hege eine zu hohe Meinung von der Kunst, um ihr nicht das Recht zugestehen zu müssen, sie könne unbedingt die höchsten Ansprüche machen, es ist nur der beste Wille und das Bestreben in mir rege, der Kunst das, was ich hier aufgefunden, als einen Beitrag zu dem zu überliefern, was ihr bereits Erfahrung und Wissenschaft erringen halfen.
Vor mehreren Jahren prüfte ich das Verhalten der Milch zu dem Kalk näher, und indem es hier einem Gegenstand galt, der eine Fabrikbeschäftigung abgeben sollte, und dadurch einer kaufmännischen Spekulation beachtenswerther erschien, schob ich eine öffentliche Bekanntmachung meiner Versuche auf; jetzt jedoch glaube ich zu der Ueberzeugung gekommen zu sein, daß eine Veröffentlichung derselben nur dazu beitragen könne, um so eher einen Schritt weiter zur Vervollkommnung der Freskomalerei zu thun.
Im April 1840 machte Herr Thomas Leykauf in einer Abhandlung: „Ueber die Freskomalerei der alten Römer,“ Einiges bekannt, was mich besonders zur Beschleunigung der Veröffentlichung meiner Versuche aufforderte; zu gleicher Zeit vernahm man auch von andern Seiten her, daß die Frage der Freskomalerei eine vollständige Lösung erhalten habe.
Nach Herrn Leykauf wird eine möglichst ätzende Kalkmilch mittelst des Pinsels auf die Wand getragen; man rührt die Farben mit Milch an und trägt so dieselben auf den noch feuchten Kalk. Der Käsestoff der Milch kömmt blos mit der Oberfläche der Wand in Berührung, verbindet sich augenblicklich mit dem Kalk, und bildet nach dem Trocknen einen gleichförmigen festen Ueberzug, welcher durch Bürsten einen vollkommenen Spiegelglanz annimmt. Die Farbe muß dick aufgetragen werden, da bei einem zweiten Anstrich die Wand durch Reiben mit nassem Tuch Farbe abläßt, und der erste Anstrich nach dem Trocknen die innige Verbindung des zweiten mit dem Kalk verhindert; man kann, während der erste Anstrich noch feucht ist, einen folgenden auftragen, da hierdurch der erste nicht verwischt wird. Hat die Wand das Reinigen mit nassen Tüchern nicht ausgehalten, so kann man die Farbe mehrmals mit Milch auftragen. Die Wände erhalten einen größeren Glanz, wenn nach dem Halbtrocknen der Milch die Wand mit einem Pinsel, der in Weingeist getaucht ist, bestrichen worden, und man dann sogleich bürstet.
Mein Verfahren besteht nun in Folgendem:
In Betracht, daß die Milch, welche mit der Farbe zusammengerieben wird, demnach von der Kalkoberfläche des zu bemalenden Grundes nicht vollständig durchdrungen werden möchte, auch daß von älteren Wänden, auf welchen dies Verfahren versuchsweise angewendet wurde, die Farbe sich, trotz aller Vorsicht, löste und abfiel, daß ein solches Abblättern auch auf einem Grunde stattgefunden, welcher eine poröse gebrannte Thonmasse war, welche durch Kalkmilch einen Ueberzug erhalten hatte, bemühte ich mich auszumitteln, unter welchen Umständen die Verbindung des Kalks mit der Milch oder eigentlich dem Käsestoffe der Milch vollkommener zu bewirken sei. Um es möglich zu machen, mit einem Produkt zu arbeiten, das eine gewisse Norm zuließ, da die Beschaffenheit der Milch, wie sie im Handel vorkommt, sehr verschieden ist, und da mir ferner die Fetthubstanz der Milch hierbei nicht wesentlich erschien, bediente ich mich des aus der Milch ausgeschiedenen Käsestoffes. Zu diesem Zweck wurde die abgerahmte Milch erhitzt und derselben einige Tropfen Salzsäure zugesetzt, wodurch dieselbe sogleich ihren Käsestoff ausschied. Diesen bringt man auf ein leinenes Tuch zum Ablaufen und preßt ihn aus, um den Wassergehalt zu entfernen, und ihn so für einige Zeit aufbewahren zu können, welches beliebig in offenen oder verschlossenen Gefäßen geschieht. Will man ihn für eine längere Dauer aufbewahren, so kann man solchen auf einem Reibsteine mit einem kleinen Zusatz flüchtigen Oels: z. B. Nelkenöl, Terpenthinöl und dergl. anreiben und dann verdeckt aufheben.
Hat man eine frisch gemauerte oder vielmehr frisch geputzte Wand, so ist es nur insofern nöthig, dieselbe mit Kalkmilch (die von frisch gebranntem Kalk bereitet worden) zu überziehen, als man sich dadurch einen gleichförmigen Malergrund herstellen kann. Eine alte Wand läßt man vorher abreiben, und giebt ihr dann den frischen Kalküberstrich.
Die Farben, welche man für die Freskomalerei bestimmt, müssen gegen alkalische und atmosphärische Einwirkung, wie gegen das Licht, sich durchaus fest und unverändert verhalten, weswegen man die vorsichtigste Auswahl zu treffen hat.
Um nun den aus der Milch geschiedenen Käsestoff mit den Farben vollständig zu vereinigen und zugleich eine innigere Verbindung beider mit dem Kalkgrunde zu ermitteln, wurde der Käsestoff auf dem Reibsteine gerieben, und demselben nach und nach so viel Kalkhydrat zugesetzt, bis während des Reibens die Mischung zu einer durchsichtigen zähen Flüssigkeit geworden ist. Es ist dieses eine auffallende und merkwürdige Erscheinung und leicht wahrzunehmen, wieviel man von dem Kalkhydrat zuzusetzen hat. Auffallend deswegen, weil man eher vorher vermuthet, daß der Zusatz des an und für sich trocknen und pulverförmig erscheinenden Kalkhydrats eine dickere Masse bilden werde. Man reibt nun noch so viel Kalkhydrat hinzu, als ungefähr der dritte oder vierte Theil des bereits angewendeten beträgt, und verdünnt die Masse unter fortgesetztem Reiben mit so viel Wasser, als man bedarf, um damit ein leichtflüssiges Bindemittel für die Farben zu bilden.
Auf diesen Theil des Verfahrens muß man einige Aufmerksamkeit verwenden, indessen hilft hier die Praxis bald aus. Hat man nämlich das kalkhaltige Bindemittel nicht hinreichend mit Wasser verdünnt, so fließt die Farbe schlecht aus dem Pinsel und verhält sich ungefähr, als wäre ihr ein Stärkekleister zugesetzt; eine zu große Verdünnung würde die Farbe nicht fest genug verbinden. Durch einen kleinen Aufstrich auf Papier, wird man leicht auf das rechte Verhältniß hingewiesen.
Die so zubereiteten Farben werden nun auf die gewöhnliche Weise mittelst Haar- und Borstpinsel aufgetragen, und können nach kurzer Zeit, bevor sie noch getrocknet sind, wiederum übermalt werden. Das Gemälde wird nunmehr mit reiner abgerahmter Milch überzogen, so lange solche von den Farben aufgenommen wird. Der in Ueberschuß zugesetzte Kalk bewirkt nicht sowohl eine innigere Verbindung der Farben mit dem Mörtel der Wand, als er auch durch den nachherigen Ueberstrich mit Milch gesättigt wird, und dem ganzen Gemälde eine gegen die Einflüsse der Atmosphäre um so größere Festigkeit giebt.
Von den Farben, welche ich für diesen Zweck prüfte und deren Anwendbarkeit sich bis jetzt bewährt hat, nenne ich: blauer, grüner und gelber Ultramarin, Kobaltblau, geglühter Ruß, frankfurter Schwarz, Knochenschwarz, Neapelgelb, Schwefelkadmium, Chromorange, Mennige, Zinnober, Englischroth, Ocker, Grün-Chromoxyd, Kobaltgrün, gebrannte Umbra, Caputmortuum, Bleiweiß, Zinkweiß &c.
(Forts. folgt.)
pp. 250–251
Die Freskomalerei. (Fortsetzung.)
Die Lackfarben eignen sich nicht hierzu und für den Krapplack z. B. wäre noch kein Ersatz. Ebensowohl müßten auch mehrere Metallfarben ausgeschlossen bleiben, z. B. Grünspahn, Schweinfurther Grün, Casselergrün, Hell-Chromgelb, Bremerblau, Mineralblau, Pariserblau &c. Einige dieser Farben würden schon ihrer saurern Eigenschaften wegen die Kalkverbindung zu zersetzen streben.
Nach dem Trocknen des Milchüberzugs nehmen die Farben einen matten, dem Auge wohlthuenden Glanz an, der durch Reiben mit einem wollenen Tuche oder durch Bürsten erhöht werden kann. Vermittelst eines nassen Schwammes läßt sich das Gemälde von Staub reinigen, ohne daß die Farben darunter leiden.
Wenn es nun der Erfahrung und Prüfung überlassen bleibt, ob unter allen Bedingungen eine solche Malerei sowohl für die möglichst längste Zeit, als den Ansprüchen der Kunst genügen möchte, so dachte ich noch darüber nach, in wiefern außerdem noch die Oelmalerei zu vollendeten Kunstwerken hier die Hand bieten könne. Die auf angegebene Weise mit einem Milchüberzug versehenen Farben bekleidete ich noch mit einem gewöhnlichen Damarfirniß, der in zweckmäßiger Verdünnung mit Terpenthinöl nach dem vollkommenen Trocknen der Freskofarben aufgetragen wurde, und erhielt so einen für die Oelmalerei vollkommen brauchbaren Malgrund.
Ich glaube die Ueberzeugung zu haben, daß eine vollständige Ausführung der Malerei durch Hülfsanwendung der Oelfarben bedingungsweise nicht unzweckmäßig erscheinen möchte und der denkende Künstler den richtigen Weg dafür leicht ermitteln wird.
Für Tapeten und Theaterdekorationen ist die Freskomalerei gewiß auch anwendbar und hoffentlich mit vielem Nuzen. Es stellt sich auch heraus, daß die Farben, in angeführter Weise behandelt, beim Kerzenlicht eine ungemeine Fülle zeigen.
Ein hiesiger anerkannter Künstler hat die Gefälligkeit gehabt, nach meiner Angabe ein landschaftliches Gemälde zu entwerfen und sich über die praktische Ausführung meiner Methode sehr günstig ausgesprochen, ein Umstand, der mich um so mehr erfreut, als ich selbst hier manche Schwierigkeiten zu finden glaubte. Das Fundament dieses Bildes ist eine gebrannte Thonplatte, welche einen halben Zoll starken Ueberzug von Gyps und Sandmörtel hat, auf welchem am andern Tage die Malerei ausgeführt wurde.
In der Allgem. Preußischen Staats-Zeitung Nr. 171. vom 21. Juni 1840 wird meiner Versuche und dieses Bildes erwähnt, und der Referent äußert: – „Es macht große Versprechungen und scheint ungleich weniger Schwierigkeiten darzubieten als der gewöhnliche Fresko.“ – ferner heißt es: – „Ob es dieser an Haltbarkeit gleichsteht oder wohl gar übertrifft, muß die Zeit lehren, so viel sieht man, daß die Farben in Wasser unlöslich sind.“ –
Die Unlöslichkeit der Farben scheint, wenn man annehmen will, daß schon in einigen Wochen die Ausbildung der Festigkeit der Farbenverbindung beendet ist, allerdings insofern stattzufinden, als eine feuchte Atmosphäre und ein gewöhnliches Abspülen mit Wasser und Nachwischen mit einem Schwamm den Farben nichts anhaben kann. Ich will jedoch meine Kenntniß von der Beschaffenheit dieser Verbindung um so weniger zurückhalten, als hierdurch nur dem guten Zweck gedient sein würde. Hat man z. B. eine Farbe mit einer ziemlich concentrirten Verbindung von Kalk und Käsestoff angerieben und getrocknet, und läßt solche 24 Stunden oder länger unter Wasser liegen, so findet man die Masse erweicht und etwas gequollen. Durch scharfes Reiben mit einem feuchten, groben Wollentuche kann man nun allerdings etwas davon ablösen. Diese Prozedur ist nun freilich wohl eine gewaltsame, indessen insofern zu beachten, als man für ein Werk, dem ein Theil der körperlichen Unsterblichkeit innewohnen soll, alles Mögliche in Anschlag zu bringen hat, das seinem Bestehen Abbruch thun kann. Man wird hier einerseits einwenden, daß dies zu weit in Ansprüche eingegangen zu nennen sei, und daß ein Tropfen Wassers, der wiederholt auf einen Stein fällt, diesen auszuhöhlen im Stande sei, aber eben deswegen weil „die Elemente das Gebilde der Menschenhand hassen,“ muß das nur irgend Erdenkliche geschehen, ihnen Wiederstand entgegenzusetzen.
Es ist wohl möglich, daß die Alten sich der Milch zu ihrer Freskomalerei bedient haben, und zwar um so eher, da dies ein Material ist, das ihnen nahe genug, ja ich möchte sagen, näher lag als uns, es ist ferner möglich, daß die Verbindung des Käsestoffes mit dem Kalk und des Kalks mit den Farben und ihrer Bestandtheile eine so feste wird, wie sie hinsichtlich ihrer Dauerhaftigkeit großen Ansprüchen genügt und in den Ueberresten aus jener alten Zeit uns nachgewiesen ist; indessen haben wir dafür weder die schriftlichen Dokumente der Bewahrheitung, noch die eigene Erfahrung zu zeigen. In diesem Betracht komme ich nun zu dem, was ich auf Gelegenheit der Oelmalerei in Verbindung mit der Freskomalerei vorher sagte, nämlich die Anwendung eines Ueberzugs von Damarfirniß oder eines andern hellen Lackes, der auch ohne Weiteres als ein schützender Ueberzug der Freskomalerei dienen könnte. Bei Erwähnung dieses Vorschlags habe ich so mancherlei Stimmen gegen mich gehabt. Man glaubte der Eigenthümlichkeit der Freskomalerei Abbruch gethan, sah den matten angenehmen Glanz der Farben in eine blinkende Spiegelfläche übergehen, und hielt dies überhaupt für unnöthig. Man erlaube mir einige Gründe, die freilich zum Theil hypothetischer Art sind, für die Anwendung eines Lacks anführen zu dürfen. Der Lack dringt in die etwaigen Poren der Malerei und überzieht das Bild vollkommen luft- und wasserdicht. Die Farben werden dadurch sehr erhöht, worauf der Künstler vorher Rücksicht zu nehmen hat, imgleichen erscheinen die Farben durchsichtiger, und auch dies hat man beim Auftragen derselben wohl zu beachten. Da nun der Lack die atmosphärische Luft und die Einwirkung derselben auf die Freskomalerei und die Wand ganz ausschließt, so fragt es sich, ob dieser Umstand nicht dazu beitragen möchte, die Verbindung der Farben um so ungestörter und fester vollenden zu lassen. Da der Damarlack wohlfeil und vollkommen farblos hergestellt wird, kann die Schönheit der Farben nicht verdunkelt werden, da er ferner, auch in der innigsten Berührung mit den Farben selbst, sich chemisch indifferent zu ihnen verhält, und nicht wie das fette Oel die Metalloxyde auflöst, oder mit ihnen nachdunkelt, so ist in dieser Beziehung bei dessen Anwendung nichts zu besorgen. Zerstört ihn die Zeit und läßt ihn endlich als ein weißes Pulver, einen Staub nach und nach abfallen, und vom Luftzuge hinwegführen, so geht er so unschuldig, wie er gekommen ist. – Mögen nun die Umstände, unter denen die Existenz eines Bildes stattfindet, früher oder später dessen Untergang herbeiführen, könnte solches dadurch verhindert oder doch wenigstens verzögert werden, so ist die Anwendung eines Lacküberzugs, die zu Zeiten wiederholt werden müßte, eine Kleinigkeit. Der Damarlack läßt sich übrigens leicht durch Waschen mit Terpenthinöl ablösen, und könnte, wenn es sich bestätigte, daß er in der That für eine Zeit lang auf dem Gemälde verbleibend, einen nachhaltigen Nuzen bekundete, später beliebig entfernt werden. – Die Versuche, welche ich mit dem Damarlack anstellte, haben bis jetzt nichts zu seinem Nachtheile sprechen lassen. Will man in Oel auf einem Grunde malen, den die Freskofarben bilden, so hat man in technischer Hinsicht nicht nöthig, die Farben gegenseitig durch Ueberzug mit einem Firniß zu schützen. Die Oelfarben finden hier einen angenehmen und empfänglichen Grund; will man jedoch nichts verabsäumen, die Farben gegeneinander zu verwahren, kann ein schwacher Ueberzug von Damarlack gegeben werden. Die Verdünnung des Damarlacks bewirkt man durch beliebigen Zusatz von Terpenthinöl.
(Schluß folgt.)
p. 260
Die Freskomalerei. (Schluß.)
Der Anwendung der Freskomalerei für die Malerei der Zimmer wie sonst für den allergewöhnlichsten Gebrauch, sollte ich meinen, stünde nichts entgegen.
Jedem Zimmermaler ist die Benutzung der Milch für seinen Zweck bekannt; das Verfahren, wie solches aber stattfindet, ist jedoch der Art, daß auf der einen Seite gewonnen wird, wenn man auf der andern etwas entbehrt oder verfehlt. Wände, welche einen frischen Kalkputz oder einen solchen theilweise bei ihrer Ausbesserung erhalten haben, bekommen deswegen einen Ueberzug von Milch, um diejenigen Farben zu schützen, welche die Kausticität des Kalks nicht vertragen. Wird dies Verfahren sorgfältig ins Werk gesetzt, so gelingt es, die Wand dermaßen zu präpariren, daß selbst sehr empfindliche Farben, wie Rosenlack aus Fernambuckholz, Mineral- und Pariserblau, Bremerblau, gelber Lack &c. nicht leiden oder gar zerstört werden. Je mehr die kaustische Oberfläche der Wand Milch festhält und sich mit ihr verbindet, je vollkommener der Ueberstrich bis zur Sättigung des Grundes erfolgt, eine um so dichtere und undurchdringlichere Fläche wird auch gebildet. Die Milch scheidet endlich einen Theil ihrer Fettsubstanz aus, der sich wie ein Lack oder ölartiger Ueberstrich verhält. Auf einem der Art zubereiteten Grunde bringt der Maler nun seine Farben, welchen er, um sie gegen Abfärben durch Berührung oder Reibung zu sichern, eine Leimlösung zugesetzt hat. Durch den Milchanstrich hat man aber die förmliche Isolirung der Farbe von der Wand vorbereitet und gerade das Gegentheil von dem bewirkt, was die Freskomalerei eigentlich soll: nämlich die innigste Verbindung der Farben mit dem Kalkgrunde. Hat man den Farben daher etwas zu viel Leim zugesetzt, so lösen sich dieselben (blättern) von der Wand ab, was immer da zuerst stattfindet, wo sie am stärksten aufliegen. Die Empfänglichkeit des Leims für Feuchtigkeit wird aber einer Malerei sehr nachtheilig, die nur einigermaßen dem Wechsel und den Einflüssen der Atmosphäre ausgesetzt ist. Ich behaupte sogar, daß der Leimgehalt der Farben unter Umständen dazu beitragen kann, Feuchtigkeit und Schwamm in Gebäuden entstehen zu lassen.
Folgende Beobachtung spricht vielleicht dafür. Eine Wand, welche äußerlich der freien Luft ausgesetzt war, hatte, ohne innerhalb einen Milchüberzug empfangen zu haben, da es die Farbe nicht erforderte, einen hellfarbigen, stark geleimten Farbeanstrich. Nach anhaltender warmer und trockener Witterung war Regenwetter eingetreten, und die Wand von außen her durchnäßt worden, es bildeten sich an derselben innerhalb des Zimmers feuchte Flecke, die sich nach und nach vergrößerten. Indem ich dies beobachtete, kam ich auf den Gedanken, ob wohl die leimhaltige Farbeoberfläche der Wand die Fortpflanzung der Feuchtigkeit begünstigen möchte. Dies bestätigte sich in der That dadurch, daß, als man die äußeren Ränder der feuchten Stelle, da, wo sie sich auszubreiten strebte, ablöste, die Wand darunter von der Feuchtigkeit noch nicht durchdrungen war. Daß der Leim ein sehr ungenügendes Bindemittel für die Farbenbekleidung der Wand ist, ginge hieraus hervor, ja daß er in vielen Fällen überflüssig wäre, wo schon Milch in Anwendung kommt.
Auch die Färbung von Sculpturen und sonstigen Bildhauerarbeiten in Stuck, Marmor, Sandstein &c. könnte in Art der angedeuteten Freskomalerei versucht werden. In neuerer Zeit haben Künstler hin und wieder zum Theil farbige Bildwerke in Marmor geliefert, namentlich deren Drapyrung und Staffage in Farben erscheinen lassen. Ohne mich in Untersuchungen über das Verfahren, welches sie hierbei befolgten, einlassen zu wollen, glaube ich doch die Vermuthung aussprechen zu dürfen, daß solches mit Berücksichtigung des hier beschriebenen, auf das Beste bewirkt werden könnte.
Noch erlaube ich mir die Frage hinsichtlich der Theorie der Freskomalerei aufzustellen:
Ist es anzunehmen, daß die Farben, welche zum Theil schon kieselerdehaltig, andertheils auf einem Grund, der Kieselerde in Mischung enthält, in Verbindung mit Kalk und Käsestoff, aufgetragen werden, mit diesen Elementen nach und nach eine immer innigere Verbindung, die chemischer Natur ist, eingehen, und daß diese Verbindung fortschreitet und vollkommener wird, wenn selbst im Laufe der Zeit die organische Substanz – hier der Käsestoff – eine endliche Zersetzung erleidet?
Wäre die Frage zu bejahen und diese Theorie richtig, bestätigten Versuche und Erfahrungen unter wohl möglichen und nöthigen Modifikationen meine Angaben, so würde die Kunst der Malerei das Mittel für eine dauerhafte Herstellung ihrer Werke gefunden haben.
