Elwert 1785

A[nselm Carl] Elwert, Kleines Künstlerlexikon oder raisonnirendes Verzeichniß der vornehmsten Maler und Kupferstecher. Zum Behufe der Anfänger in der Kunst und Kunstliebhaberei…, Giesen – Marburg [Johann Christian Krieger] 1785.


Erklärung der in diesem Buche vorkommenden Kunstwörter.

p. VIII

Aengstlich

Aengstlich nennt man Stücke, in denen die Hauptsache schlecht ausgedrükt ist, und die durch viele Nebenkleinigkeiten hat verschönert werden sollen.

Akademien

Akademien nennt man diejenige nackende oder auch bekleidete Personen, nach denen die Lehrlinge in einer Zeichenschule zeichnen.

Er hat eine Akademie gezeichnet, heist also so viel, als er hat denjenigen Menschen, welcher zum Muster, zum Modell der Lehrlinge dient, abgezeichnet.

Antiken

Antiken nennt man alle diejenige Werke der Kunst, welche die Bildhauer, Steinschneider und Maler der Griechen und Römer, von Alexander dem Grosen an, bis ohngefehr 350 Jahr nach Christi Geburt verfertiget haben.

p. X

Carnation

Carnation ist die Kunst, das Fleisch zu malen.

Carton

Carton ist dasjenige, was man sonst Muster nennt; man sticht sie entweder mit der Nadel durch und überfährt sie mit der Pausche, oder man drukt sie vermittelst einer Staubfarbe ab.

Charakter

Charakter ist das Eigenthümliche eines jeden Gegenstandes, z. B. er wuste den Charakter der wilden Natur in seine Gemälde überzutragen. Man sagt es auch von einer ganzen Art Malerei, z. B. der Charakter der Oelmalerei ist Glanz und Leben. Man sagtes von einer ganzen Schule, z . B. der Charakter der römischen Schule ist richtige Zeichnung. Oft heist es auch bei einzlen Malern so viel als Manier, z. B. Raphaels Charakter ist Erhabenheit, Ausdruk &c.

Colorit

Colorit oder Farbengebung, oder Färbung ist die Kunst des Malers, die Farben nicht nur zu mischen, sondern sie auch mit Wahl und Wirkung aufzutragen. Die Adjektiven des Colorits, z. B. ein glühendes, Frelles, schwaches &c. Colorit liesen sich zwar beschreiben, aber immer sehr unzulänglich, man wird sie also viel besser durch Anschauen der Gemälde und Uebung lernen.

pp. X–XI

Composition

Composition ist das wichtigste Stük der Malerei nach der Zeichnung, und besteht darin, daß der Maler seine einzle Figuren und wieder ganze Gruppen nach gewissen vorgeschriebnen Regeln ordne und stelle, z. B. so, daß die Hauptfiguren in den Vorgrund kommen, und durch starkes Licht, zuweilen auch durch starken Schatten, oder durch lebhafte Ausdrücke und Bewegungen ausgezeichnet werden. Eine fehlerhafte Anordnung, Zusammenseßung oder Composition ist es also, wenn man, wie Bassano in seinen biblischen Geschichten, die Vorgrunde mit Ochsen, Schafen u. s. w. ausfüllt, die Menschen aber so in die Hintergrunde strekt, daß man sie kaum finden kan.

p. XI

Contrast

Contrast macht eine Composition oder Gruppe schön, und ist die Kunst, die Figuren, Gruppen und Farben so zu stellen und zu ordnen, daß in dem ganzen Gemälde keine Einförmigkeit entsteht, sondern daß dasselbe durch Verschiedenheit der Stellungen, Handlungen, Ausdrücke &c. lebhaft und unterhaltend werde. Hieher gehört auch der Kunstgriff der Maler, neben einen Christus einen Satan, neben ein schönes Mädchen einen Satyr zu stellen. Hierbei ist unterdessen, wie überall, das Gesuchte, Mühsame und die Kunst zu vermeiden, es soll alles wie in der Natur ohngesucht entstehen, zum wenigsten darf man es dem Bilde nicht ansehn.

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p. XII

Drapperie

Drapperie heist der Faltenwurf in Gewändern, Vorhängen &c. oft heist es so viel als Gewand oder Vorhang selbst. Es ist eine grose Kunst, eine Figur geschikt zu bekleiden; es sollen nicht allein durch Brechung der Falten die Glieder unter dem Gewande ausgedrükt, sondern auch die verschiedne Stoffe, z. B. Atlas, Seide, Wolle, kenntbar gemacht werden. Man hält es gemeiniglich für schöner, grose und breite, als kleine Falten anzubringen; der erstern Manier sind vorzüglich die Italiäner und in neuern Zeiten die Engländer gefolgt, die Franzosen haben mit ihren Gliedermännern und affektirt grosen Falten alles verdorben; die Deutschen, besonders Albert Dürer, liebten kleine Falten, welche nicht ganz zu verachten sind, ob gleich die Nachahmer in einen troknen, rohen Geschmak verfielen.

Figur

Figur, in der Malerei schränkt man die Bedeutung dieses Worts nur auf Thiere und Menschen ein.

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p. XIII

Gruppe

Gruppe heist eine Sammlung von Figuren.

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Malerei

Malerei ist diejenige Kunst, durch Zeichnung und Farben eine Sache so ähnlich vorzustellen, als ob sie
lebhaft dastunde. Es ist hier der bequemste Ort, von ihren verschiednen Arten zu reden.

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pp. XIV–XV

Mosaische Malerei

2) Mosaische Malerei. Eine Art Malerei, die aus Aneinandersetzung kleiner Stücke gefärbter Steine oder gefärbter Gläser gemacht wird, welche vermöge eines feinen Küttes so künstlich zusammengesetzt werden, daß man in einer gewissen Entfernung das schärfste Aug’ damit betrügt. Dieses ist vermuthlich die älteste und auch dauerhafteste Art der Malerei, deren Mechanik sich aus den ältesten Zeiten, von Jahrhundert zu Jahrhundert, bis auf uns fortgepflanzt hat.

Freskomalerei

3) Freskomalerei nennt man die besondre Art zu malen, welche auf einer frisch mit Mörtel überworfenen Mauer geschieht. Diese Art zu malen ist der, da man auf die schon alte und trockne Mauer mit Wasserfarben oder mit Oelfarben malt, weit vorzuziehen, weil sie viel dauerhafter ist, indem sich die Farben in den noch frischen Mörtel hineinziehen. Man nimmt Farben dazu, welche die Schärfe des Kalks nicht ändert, und die man mit Kalkwasser anreiben kan.

Diese Art Malerei ist um deßwillen auserordentlich schwer, weil sich die Striche nicht umändern und verbessern lassen, sondern man sie stehen lassen muß, wie sie stehen. Damit man nun in der Zeichnung nicht irre und die Hand desto gewisser und freier gehen kan, haben sich die alten Maler auserordentliche Mühe gegeben, ihre Gedanken, ehe sie ein Freskogemälde anfingen, zu Papier zu bringen, ihren Gegenstand so lange und so oft zu verbessern, umzuändern und von neuem zu zeichnen, bis er der Vollkommenheit nahe war, wo sie dann einen Carton darnach verfertigten, das heißt eine Zeichnung auf Papier, die so gros war, als das Gemälde werden sollte, hievon rissen sie die Umrisse an der Mauer ab, und dann fingen sie erst zu malen an. Eine gleiche Sorgfalt wäre unsern neuern Künstlern zu wünschen. Dann ist die Freskomalerei um deßwillen schwer, weil die Farben, wenn sie aufgetragen werden, viel dunkler aussehen, als wenn sie getrocknet sind. Dennoch war diese Malerei, aller Schwierigkeiten ohnerachtet, bei den Alten, besonders bei den Italiänern sehr beliebt, deren größte Werke auf nassen Kalk gemalt sind, und Michael Angelo war in sie so verliebt, daß, da er einmal ein Oelgemälde angefangen hatte, er den Pinsel unwillig wegwarf und ausrief: die Künstelei gehört für Weiber oder Kinder! Weniger streng war Raphael, obgleich auch seine Werke meist auf Kalk gemalt sind. Die Holländer wollten unterdessen nie viel von ihr wissen, sondern zogen immer die Oelmalerei vor.

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p. XX

Perspektive

Perspektive ist das Verhältniß, welches die nahen und entfernten Gegenstände und ihre Theile in Ansehung der Lage gegen einander haben, und ist mit der Haltung ganz genau verbunden, indem sie die Umrisse angiebt, diese aber sie ausfüllt.

Schraffirungen

Schraffirungen, so nennt man die kreuzweis über einander gehende Zuge, wodurch man den Schatten hervorbringt.

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