Ferber 1774

Johann Jacob Ferber, Beyträge zu der Mineral-Geschichte von Böhmen, Berlin [Christian Friedrich Himburg] 1774.


Erster Abschnitt.

Von
der Lage und Eintheilung
der
Böhmischen Bergwerke,
nach den Gebirgen
und in den verschiedenen Kreisen
dieses Königreichs.

. . .

Preßniz im Saazer Kreiß

. . .

pp. 50–53

2. Orpes Eisengrube. Es ist eine ganz richtige Wahrnehmung, daß sich Flöze gemeiniglich an dem Fusse einfacher, älterer oder sogenannter ursprünglicher Gebirge, und um dieselben herum, wo sie aufhören sich über die Oberfläche der Erde zu erheben, anlegen. Daß sich aber auch mitten in oder zwischen diesen Gebirgen eines älteren Ursprungs, in ihren Vertiefungen kleine flözartige Lager finden können, erhellet unter andern aus der natürlichen Beschaffenheit der Eisengrube zu Orpes, und noch einiger anderer nördlich von ihr in dieser Gegend liegenden Eisengruben, die einerley Erze und einerley Bewandniß haben. Kleine zufällige Ueberschwemmungen sowohl, als das allmählige herunter Waschen verschiedener Erden und abgenutzter Theile von den umstehenden höheren Gebirgen, welche sich als ein Schlamm des ausgetretenen oder überschwemmenden Wassers natürlicher Weise in den tieferen Schluchten, kleinen Vertiefungen oder Kesseln des ursprünglichen Gebirges niedersetzen, geben Gründe genug an die Hand, woraus man dergleichen Erscheinungen erklären kann. Zu Orpes nun ruhet auf dem Gneise erstlich ein mächtiges Lager von schuppichten Kalkstein; darüber ein 30 Lachter mächtiger schwebender Gang von Eisenstein; und dieser wird endlich mit einem weissen thonartigen, von schmalen Glimmerlinien grau gestreiften, zuweilen 7 Lachter mächtigem Gesteine bedeckt.

Der mächtige schwebende Eisensteins-Gang führt die schönsten eisenfarbichten Erze, die den Schwedischen gleich kommen, als:

Ferrum retractorium mineralisatum, tritura atra, textura chalybea. Lithophylac. Bornian. p. 124.
Ferrum retractor. textura granulata, granis minimis, ibid. pag. eadem.
–     –     –     –     granis majoribus, ibid. p. 125.

welche mit Schörlen, Granaten, Wolframm, Glimmer, Hornblende, grauen Amianth, grünlichten Fols oder Sudslag, (S. Cronst. min. §. 106. und Waller. min. edit. 2. p. 398. 5. & 6.) und sogenannten Kamm, das ist, einen tauben eisenschützigen grünlichten Thon zusammen, und zum Theil darinn eingelegt, brechen.

Der schuppigte Kalckstein, welcher das liegende des schwebenden Eisenganges ausmacht, ist mitternachtseits grau, mittagseits aber sehr weiß, und streichet in beyden Gegenden an der Oberfläche der Erde zu Tage aus.

Die weiße thonartige, mit grauen Glimmers Linien gestreifte Stein-Art, welche das hangende dieses Ganges ausmacht, scheint aus nichts anders, als aus abgenutzten und von dem Wasser zusammen geschlammten Theilen der umliegenden höheren Gneiß-Berge entstanden zu seyn. Diese vielleicht allmahlige Zusammenschlämmung durch unzähliger Jahre Schnee und Regen, oder durch eine zufällige stärkere Ueberschwemmung in dieser Gegend, von welcher letzteren der Kalkstein, der das liegende des Ganges ausmacht, herzuleiten seyn möchte, gewinnet große Wahrscheinlichkeit von verschiedenen thonichten Erdlagern (*) in Presnizer Bergamts Bezirck und von den vielen großen und kleineren Stücken oder Aesten von Holtz mit Eisen-Ocher durchdrungen, die man in der Gegend um Orpes in der oberen thonichten Erde des Bodens flözweise und in Menge findet, und daraus ein gutes, obschon nicht viel Eisen macht.

(*) Man gewinnt auf einem Stollen bey Preßniz eine gute grüne Farberde, terre verte Cronst. §. 79. v. und bey Kaaden im Preßnizer Bergamt findet sich eine weisse Porcellanerde, neben welcher ein weißgrauer oder beynahe milchfarbigter, undurchsichtiger, im Bruche glatter und glänzender thonartiger Stein bricht, der aus der erhärteten Porcellänerde entstanden, und von dem Herrn Bergrath Peithner in seinen mineralogischen Tabellen auf der 9ten Tafel unter dem Nahmen Porcellänstein (Porcellanites ) beschrieben ist. Bey dem Zerbrechen findet man noch weiche oder lose Porcellänerde in diesem Steine eingeschlossen, zum Beweise seiner Entstehung. Sonst finden sich auch gute weisse Porcellänerden an mehreren Orten in Böhmen, als bey Lumpe ohnweit Bohmisch-Gieshübel, auf der Herrschaft Zitolib im Saazer Kreise am Sonnenwirbel bey Weyperth, zu Laun, Marcklin, Hlubloß &c. Balbinus in Histor, miscell. Libr. I. und Anselm. de Boot haben noch andre Böhmische Erdarten angemerkt.

Man hat in der Eisengabe zu Orpes eine Kunst vorgerichtet, um die Wäßer aus den alten Preßen zu heben, und alsdenn wieder einen ordentlich Bau vorzunehmen.

Die Eisen-Erze werden theils auf der Kayserlichen Cameral-Herrschaft bey Presniz, in dem daselbst befindlichen hohen Ofen und Eisenhammer, zu gut gemacht, theils hohlen die übrigen Gewercke solche selbst ab, und verschmelzen sie bey sich z. B. in Sachsen &c.


Das Steinkohlenwerk bey Wilkischen,
im Pilsner Kreis, eine Stunde von Kladrau.

. . .

pp. 128–130

Allein, wer die Gegend von Kladrau nach Wilkischen und Pilsen bis Prag kennt, wird mir eine Einwendung machen, die ich heben muß. Das ganze Land zwischen diesen Oertern ist überhaupt betrachtet flach, weil die zwischen Böhmen und der Ober-Pfalz fortgehende Gebirgs-Strecke gleich hinter Kladrau sich über der Erde in der Breite auszudehnen aufhört, und ein ebenes Land anfängt, welches aus Thon oder Leimen, und im weiteren Fortgange aus Steinkohlen, Flözen, Kalckstein und andern angeschwammten Flöz-Lagern besteht. Folglich scheint dieser ganze Strich Landes kein einfaches oder ursprüngliches, sondern ein Flöz-Gebirg und Wilkischen der Anfang desselben zu seyn. Das leztere kann ich nicht zugeben, weil das Wilkische Steinkohlen-Werk noch nicht im flachen Lande sondern vielmehr noch in dem Gehänge oder abhängigen Fortgange des ursprünglichen Gebirges unter der Damm-Erde liegt, kaum eine Stunde von Kladrau, und ohnedies mit keinem gewöhnlichem Dache der Flözgebirgischen Steinkohlen, als Kalkstein, Mergel &c. sondern mit einer Zerstörung oder Gruß von den ursprünglichen Gebirgen bedeckt ist. Wie es sich mit dem eine Stunde weiter gelegenem Kotteschauischen Steinkohlenwercke verhält, habe ich nicht Gelegenheit gehabt zu untersuchen. Uebrigens aber ist es wahr, daß der Landstrich von dieser Gegend an bis Pilsen und Prag gröstentheils flach und flözartig ist, und verschiedene dergleichen Steinkohlen-Schichten, z. B. die bey Pilsen, Schabrach, Beraun &c. und Kalckstein bey Stiez enthält, welche mit graugelben Thon bedeckt sind. Vielleicht haben die ehemals breiteren und überschwemmenden Wasser bey Pilsen und Beraun c. die jezt kleine Flüsse sind, dies Land aufgeschlämmt. Allein die gleich hinter Kladrau verlassenen ursprünglichen Berge von Thonschiefer, und ohnweit denselben von Granit, gehen ununterbrochen unter der Erde fort, und erheben sich an verschiedenen Orten zwischen Kladrau und Pilsen, Pilsen und Prag. Die grauen Granit-Berge ragen vorzüglich an der Straße von Kladrau nach Pilsen hervor, und hinter diesem Orte bis Prag die thonschiefrichten, theils ungemischten, theils glimmerreichen, theils auch hornschiefrichten Gebirge. Dieser Umstand macht leicht begreiflich, daß das Steinkohlenwerk bey Wilkischen noch in ursprünglichen Gebirge liegen könne, weil sie noch weiter fortgehen. Selbst um Prag finden sich einige thonschiefrichte Berge, die sich ansehnlich hoch erheben; die übrigen sind Kalkberge mit Versteinerungen, unter welchen die thonschiefrichten in der Teufe fortgehen. Dieser Kalkstein also bey Stiez, die flözartigen Steinkohlen bey Schabrach, und andre dergleichen Schichten von Mergel, Thon &c. welche in den Schluchten oder Kesseln, und zwischen den hervorragenden Klippen des Thonschiefers und an den Abänderungen desselben aufgesetzt, sind vielleicht durch sehr viele verschiedene Ueberschwemmungen, vielleicht auch nur durch eine einzige entstanden. Der graugelbe thonichte Acker-Boden zwischen Kladrau und Prag ist zum großen Theil auf diese Art entstanden; ein Theil desselben aber ist von den hervorragenden, thonschiefrichten, glimmricht gneisigen und hornschiefrichten Klippen abgenuzt, und findet sich demnach mehr oder weniger mit Glimmer gemengt, nachdem diese Gebirgs-Arten an diesem oder jenem Ort glimmerreicher, oder sonst veränderlich vorfallen.

. . .


Zweyter Abschnitt.
Naturgeschichte und Nachrichten
von dem Betriebe
der vornehmsten
Böhmischen Bergwerke.

. . .

Joachimsthal im Saazer Kreiß
im Ellenbogner Antheil.

. . .

Die Haupt-Arten der Joachimsthalischen Erze sind nun:

pp. 81–82

Wismut

7. Wismut bricht mit den Cobolten zusammen.

Farb-Kobolt

8. Farb-Kobolt und dessen verschiedene, hier allsmal silberhältige Abänderungen, als Schacken-Cobolt, Wacken-Cobolt (in der beschriebenen Wacke) dendritischer, gestrickter, weißer oder gemeiner Arsenicalkiesichter, entweder derber, ungestallteter oder cristallinischer, und endlich auch ein einem grobstrahlichtem Ofenbruche ähnlicher Cobolt, brechen zu Joachimstahl mit und unter den Silber-Erzen auf veschiedenen Gängen, als auf dem Geschieber, Hillebradts-Gang, Rosa von Jericho ligend Trumm, Schweizer-Gang, Sächsisch Edelleuth-Stolle, heil. Geist, und Kayser Joseph-Gang &c. Der reine und wenig oder gar kein Silber haltende Cobolt wird  zu Schlich gezogen, und nachher and die Blaufarbenwerker sowohl in Böhmen als an einigen Orten im Teutschen Reiche verkauft. Der Centner kostet nach Verschiedenheit der Güte von 13 bis 30, 40, oder 45 Gulden. Gleich bey Joachimstahl auf dem Wege nach der Silberschmelz-Hütte liegt das Puchnerische und zwischen Platte und Johanngeorgenstadt drey andere Böhmische Blaufarbenwerker, nemlich das Elsterische, Butzische und Mysellsche. Unter der Zwitter-Mühle bey Platten ist auch ein privates, und auf der Cammeral-Herrschaft Preßsniz ein Kayserl. Königliches Blaufarbenwerk. Der Herr Graf von Heimhausen hat auch auf seiner Herrschaft Kuttenplan ein dergleichen errichten laßen. Im teutschen Reiche sind unterschiedene, die mit Joachimsthalischen Cobolt versehen werden. Darunter verdienet das im Ginzinger Thal zu Gergenbach 1750 errichtete Coboltwerk erwehnt zu werden, weil dessen gewerkschaftliche Besitzer mit der Kayserl. Königl. Kammer ein Contract unter gewissen Bedingungen schlossen, vermöge dessen ihnen allein und sonst niemanden, weder in noch außerhalb Landes die in Böhmen erzeugten Cobolte gegen baare Bezahlung 20 Jahr nach einander abgelaßen werden sollten. Man hatte ehemahls wegen geringeren Verschleiß dieses Halb-Metalles jährlich nur 2000 Centner Cobolt in Böhmen gewonnen. Jetzt wendete man mehreren Eifer darauf an, und gewann fast so viel in zwey Monath; also jährlich 10000 Centner, welche die Gewerkschaft ohnmöglich abnehmen und bezahlen konnte; folglich muste der Contract aufgehoben werden. Diese Vermehrung der jährlich gewonnenen Menge von Böhmischen Cobolt hat gemacht, daß man in den lezteren Jahren gegen 60000 Fl. Cobolt in Vorrath behielte, dazu kein Käufer war. Aber nachdem man den Cobolt reiner und besser ausscheidet als vorher, und den Abnehmern Credit und Aufschub mit der Bezahlung giebt, ist die Abnahme wieder in Ordnung gekommen. In alten Zeiten warf man aus Unverstand zu Joachimsthal und anderwärts den Cobolt auf die Halden, die man izt in dieser Absicht durchsucht, die vorfindigen Koblolte ausscheidet, in die Einlösung bringt; und um diese Arbeit künftig so viel bequemer zu verrichten, ein Waschwerk nach Ungrischer Art einrichten will. Die meiste Böhmische blaue Farbe geht nach Holland. Ohnerachtet man in Böhmen eben so gute Cobolte gewinnt als in Sachsen, kennt man doch nicht die Vortheile bey der Bereitung der Smalte, wodurch die Sachsen nach dem Muster arbeiten, oder eine jede beliebige Gattung der Smalte und dessen Farbe ohne Fehler verfertigen, und die Beschickung darauf einrichten, welches die Böhmen nicht wissen, sondern die Gattung der erzeugten Smalte erst nach der Bereitung derselben, und indem sie sie mit den Mustern vergleichen, festsezen. Vermuthlich kömmt es nicht wenig darauf an, jede Gattung der Cobolt-Erze und ihr Verhalten im Feuer vor sich allein oder mit andern Gattungen gemischt, genau zu kennen.

. . .

Zinnober-Erz

11. Zinnober-Erz soll nach Mathesii und des Meißnischen Geschichtschreibers Albini Bericht ehemals auf St. Dorothea-Gang in Schottenberg zu Joachimsthal gebrochen seyn.