Ferber 1774
Johann Jacob Ferber, Beyträge zu der Mineral-Geschichte von Böhmen, Berlin [Christian Friedrich Himburg] 1774.
Erster Abschnitt.
Von
der Lage und Eintheilung
der
Böhmischen Bergwerke,
nach den Gebirgen
und in den verschiedenen Kreisen
dieses Königreichs.
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pp. 5–6
Gegen Mitternacht ist Böhmen mit dem sogenannten Erzgebirge umgeben, woran ein Arm des Fichtelberges anstößt, wie schon gemeldet worden. Durch das Erzgebirge versteht man alle die an einander hangende Gebirge, die sich von den Voigtländischen Gränzen erheben, und an der mitternächtlichen Seite der Ellnbogner, Saazer, und Leutmeritzer Kreise bis an die obere Laußnitz und an das Riesengebirge fortgehen, sowohl in Böhmen, als jenseits in dem Marggrafthum Meissen und in Sachsen. Die vielen Böhmischen Bergstädte in diesem Erzgebirge und die verschiedenen in alten und neuen Zeiten daselbst aus der Erde gehohlten Mineralien bezeugen, daß dieses Gebirge nicht weniger dieseits, als in dem Churfürstlich Sächsischen Bezircke edel sey. Diese Bergstädte sind vorzüglich: Graupen, Preßnitz, Joachimsthal, Platten, Gottesgaab, Wiesenthal, Weyperth, Sebastiansberg, Sonnenberg, Catharinaberg, und weiter hinab Niklasberg, Rongenstock, Georgenthal &c. Man hat mich versichern wollen, daß nebst einigen tausend Centnern Kupfer, Zinn, Bley, Vitriol, Alaun, und einer ansehnlichen Menge blauen Farbe- und Arsenicalischen Cobolten, allein von 1756. bis Ende des 1761. Jahres, also in 6 Jahren, und zwar nur von 2 oder 3 Gruben in Joachimsthal, und von einigen zu Gottesgab und Cathrinaberg 61677 Mark 7 Loth und einige Quentgen fein Brandsilber gewonnen, und in die Königl. Münze zu Prag eingeliefert worden sind. Rechnet man nun iede Mark nach dem Einlösungspreise der Münze zu 22 Fl. 25 Kr., so beträgt dieses Silber in Geld 1382593 Fl.
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p. 17
L. Der Pilsner Kreiß enthält:
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5. Die Aaun- und Vitriolsiedereyen, nebst Kiesgruben bey Plan und Kuttenplan, wovon die an erstgedachtem Orte dem Grafen logie und die zu Kuttenplan, nebst einem dabey befindlichem Blau Farbenwerke, dem Freyherrn Heimhaussen, Churfürstl. Bayerischen Bergpräsidenten gehören. Zu Kuttenplan soll man aus den vitriolischen Grubenwässern Cämentkupfer gemacht haben.
Zweyter Abschnitt.
Naturgeschichte und Nachrichten
von dem Betriebe
der vornehmsten
Böhmischen Begwerke.
pp. 23–29
Catharinaberg im Saazer Kreiß.
Die Gebirge um Catharinaberg bestehen aus dem sogenannten Gneiß, ein Gemische von Quarz, Glimmer und einem weissen, hier etwas röthlichen, halb erhärteten Thon, welchem der Nahme von Steinmark, in dem Begriffe, worinn dis Wort bey Herrn Cronstedt in seiner Mineralogie im §. 78. genommen wird, nicht allemahl zukommt; weil die Thonart des Gneises die von ihm angegebenen Eigenschaften des Steinmarks selten hat, sondern sich vielmehr als eine gemeine Thonerde, Terra porcellanea phlogisto aliisque heterogeneis minima portione mixta Cronstedt §. 78. 2, verhält. Zwischen Catharinaberg und Grünthal findet sich säulenförmiger Basalt in Menge loß am Wege, welcher von nahe gelegenen Gebirgen herunter gerollt, und in denselben auf dem Gneise aufgesetzt oder aufstehend zu seyn scheinet. (*)
(*) Zwischen Lowositz und Töplitz bestehen die Gebirge größtentheils aus Granit, in welchem der röthliche Feldspat die Oberhand hat, und mit häufigen schwärzlichen Glimmer, streiffen- und wellenweise durchzogen ist.
Der Gneiß um Catharinaberg ist die Fortsetzung des Freybergischen Erzgebirges, welches aus eben dieser Gesteinart besteht, nach dem Sächsischen Ober-Erzgebirge fortgehet, und sich allmählig von Gneiß in Thonschiefer verändert, wie schon bey Marienberg wahrzunehmen ist. Auch Böhmischer seits findet diese Veränderung des Catharinabergischen Gneifes in Schiefer bey weiteren Fortgang statt; aber der Gneiß hält hier länger an, als in Sachsen, nemlich bis gegen Joachimsthal, wo die Gänge in Thonschiefer streichen, der gleichwohl am Tage sehr glimmricht ist. Der Gneiß ist also in Absicht der erwehnten Lage und Ausdehnung für eine Abänderung von Thonschiefer zu halten, so wie er in bloßer Betrachtung seiner Mischung eben so gerne für eine Abänderung von Granit, worinn eine Thonerde die Stelle der abgehenden Feldspat-Flecke ersetzet, angesehen werden könnte. Niemand wird diese Behauptung mißbilligen können, da sowohl aus Chymischen, als äußerlichen Physicalischen Beobachtungen dargethan ist, daß Glimmer aus Thon-Erde erzeugt und bisweilen wieder darinn aufgelöset wird; daß wenigstens ein Theil der Grunderde des Thons Kieselartig sey; daß Thon in Quarz und andere Kiesel übergehen, und durch die Kunst wieder in alaunigster Gestalt aus denselben herausgebracht werden könne; und endlich, daß Quarz und Feldspat durch die Länge der Zeit, und von der Wirkung der Luft zu einer weißen Thonart aufgelöset werden können, welches die Ursache ist, daß man wirklich in verschiedenen Graniten weißen Thon an der Stelle des Quarzes oder des Feldspats antrifft.
Auf ein Theil dieser Granitgebirge ist Säulenförmiger Basalt aufgesetzt; ein andres Basalt-Gebirg aber habe ich da gesehen, welches keine regelmäßige Säulen, sondern vielmehr einen großen Klumpen darstellte, welcher durch unendlich viele Risse und Spaltungen in kleinen Stücken zerborsten, die mehr oder weniger ordentlich gestaltet und eckig waren, und schwarze Schörlstrahlen in Menge enthielten.
Will man nicht diesen Thon für ein Product der Zerstörung oder Auflösung des Quarzes oder Feldspates, sondern lieber für den Urstoff derselben ansehen, wie in einigen Fällen richtig scheinet, so bleibt doch die Sache die nemliche. Der erste Fall ist hier indessen wahrscheinlicher, und man findet im Pilsner Kreise in Böhmen viele aus Granit, aus reinen Thonschiefer, aus grauen sehr glimmrichten gnießartigen Thonschiefer, und aus sogenannten Hornschiefer bestehende Berge, welche an der Luft 2, 3 Schuh bis ein Paar Ellen tief, völlig weiß und nach ihrer ganzen Mischung Thonartig aufgelöset sind, so daß man die vorigen Bestandtheile dieser Mischung, als den Quarz, den Glimmer und Feldspat in Graniten, nunmehro kaum von einander unterscheiden kann; allein diese Auflösung schränket sich nicht blos darauf ein, daß erwähnte Gebirgsarten weiß und ihre Theile unkenntbar werden; oft verlieren sie sogar ihre Härte oder steinartige Verbindung, und aus der ganzen Mischung wird ein weißer mürber und weicher Thon, worinn man mit Mühe noch hin und wieder einige wenige zerfallene Quarz- oder Feldspat-Körner, und den vorhin schwarzen, ietzt aber matt silberfarbigen, oder weiß und mürb gewordenen Glimmer erkennen kann. Man trifft aber doch allemahl noch Spuren genung darin an, um sich zu überzeugen, daß dieser Thon eine wahre Auflösung des Granits sey, welcher, da er aus Dingen, die selbst Thonartig sind, zusammen gesetzt worden, auch leicht wieder zu Thon zerfallen kann. Aehnliche Thonartige Auflösungen oder Verwitterungen des reinen Thonschiefers, sowohl als des glimmerreichen oder gnießigen, findet man, wie gedacht, ebenfalls im Pilsner Kreise. Man gräbt solchen weißen Thon daselbst an verschiedenen Orten, z. B. im Walde bey dem neuen Wirthshause ohnweit Ostrau, bey Innichau &c. und man braucht ihn zu den gewöhnlichen feinern Töpferarbeiten, Gefäßen und dergleichen, ja wegen seiner ausnehmenden weißen Farbe so gar zum Weißmachen und Ueberstreichen der Mauern und Häuser anstatt des Kalks. An den meisten Oertern ist dieser Thon am Tage mit Unreinigkeiten oder fremden Dingen vermischt, und davon bräunlich oder gelblich. Auch kann seine Farbe an einigen Orten von dem stärkeren Eisengehalt des Gesteins, besonders des hier nicht ungewöhnlichen gelbbraunen Thonschiefers, woraus der Thon entstanden ist, herzuleiten seyn; denn beyde erwehnte Thonerden, sowohl die weiße als die gelbliche, werden im Feuer roth, iene weniger als diese, zum Beweiß des Eisengehalts und des stärkern Grades desselben in der gelblichen, als in der weißen. Des gelben unreinern Thons bedient man sich in der Gegend wo er gegraben wird, wie des gemeinen Leimens zum Mauren &c. In einem großen Theile des Pilsner Kreises und an den Gränzgebirgen gegen die Oberpfalz und Bayern, scheint der obere Grund und Ackerboden, der sehr leimicht, und nicht wie in dem übrigen Theile dieses Kreises von Ueberschwemmungen kleiner Flüsse oder anderer Wässer flözartig aufgesetzt ist, von einer solchen Auflösung und allmählichen Abnutzung der umliegenden Berge von beschriebenen Gesteingattungen, entstanden zu seyn, welches auch gewiß von mehreren Ländern mit Recht gesagt werden kann. An Oertern, wo die Auflösung des Granits noch nicht völlig zu einer Thonerde vor sich gegangen, sondern der Granit bloß zerfallen ist, entsteht daraus ein bräunlicher Sand, dergleichen an dem Meerstrande nicht ungewöhnlich ist, welcher vielleicht eine ähnliche Entstehung haben könnte. Es ist nun die Frage, wie die Natur die thonichte Auflösungen des Gesteins bewirket? An dem Beytritt der Luft und an der Nothwendigkeit einer sehr langen Zeit zu dieser Veränderung, wird wohl niemand zweifeln; aber wie wirket die Luft? Dürfte ich mich auf die allgemeine Säure in der Luft beziehen, so wäre die Erklärung bald fertig, nachdem ich gesehen, wie die mit unterirdischen Dämpfen bey den alten Vulcanen in Italien hervordringende Schwefelsäure die schwarzen Laven, welche zum Theeill weit glasartiger sind als Quarz und Feldspat, weiß macht, und zu einem wahren, sehr alaunreichen Thon verwandelt. Man sieht ietzt aber die Gegenwart der vitriolischen Säure in der Luft nicht für ausgemacht an, es sey denn nahe an Vitriolwerken oder andern dergleichen Oertern. Ich finde gleichwohl zwischen den gedachten Auflösungen der Laven und solcher Gebirge, die Quarz und Feldspat enthalten, so große Uehnlichkeit, daß ich nicht umhin kann zu schliessen, die Natur verrichte beyde auf ähnliche Art. Die Luft macht mit der Zeit alle Steine mürbe, das zeigt die Erfahrung; wie oder warum, überlasse ich andern zu untersuchen. Allein daß die Steine, von denen ich ietzt rede, weiß und zu Thon werden, scheint mir am füglichsten von der Säure herzuleiten, welche in ihrer eigenen thonichten Grundmischung verborgen liegt; da es durch die vortrefliche Abhandlung des Herrn Beaumé sur les Argilles erwiesen zu seyn scheint, daß Thon aus der Verbindung der vitriolischen Säure mit der Kieselerde, und vielleicht nach Bergrath Pörners Anmerkung, zugleich mit etwas brennbaren Wesen, entsteht, und daß eine größere Menge dieser Säure Alaun hervorbringet. Wenn nun diese Steine oder Gebirgsarten von der Luft mürb, los, locker, oder weniger zusammenhängend, und die in ihrer Grundmischung verborgene Säure durch eindringende Feuchtigkeit oder irgend eine andere Ursache in Bewegung gesetzt worden; so muß eben das geschehen, was die aus der Erde hervordringenden sauren Dämpfe an der Lava bewirken, wiewohl mit ungleicher Geschwindigkeit. Ein Vitriolkieß, der schon einigemahl ausgelaugt ist, giebt doch noch wiederum Vitriol, wenn man ihn einige Zeit an die Luft legt. Warum? Ich glaube kaum, daß er aus der Luft frische Säure an sich zieht, wie die älteren Chymisten sagten; sondern weil die in ihm selbst befindliche, aber verschlossene, gebundene und unwirksame Säure, durch den Zutritt der Luft in Freyheit, in Bewegung und Wirksamkeit gesetzt wird, sich von dem Bande des brennbaren Wesens losmacht, und die metallische Erde angreift. Dies nennt man die Verwitterung des Kieses, und eine ähnliche Veränderung in den gedachten Gebirgsarten verdienet auch wohl selbigen Nahmen. Die Säure in denselben verläßt nemlich das brennbare Wesen oder andere Einmischungen des Gesteins, womit sie gebunden war, sie kann sich ietzt in dem mürb gewordenen und undichteren Steine ausbreiten, die glasartige Erde schärfer angreifen, und ihre genaue Verbindung mit derselben stellet den Thon dar.
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Preßniz im Saazer Kreiß
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pp. 50–53
Orpes Eisengrube
2. Orpes Eisengrube. Es ist eine ganz richtige Wahrnehmung, daß sich Flöze gemeiniglich an dem Fusse einfacher, älterer oder sogenannter ursprünglicher Gebirge, und um dieselben herum, wo sie aufhören sich über die Oberfläche der Erde zu erheben, anlegen. Daß sich aber auch mitten in oder zwischen diesen Gebirgen eines älteren Ursprungs, in ihren Vertiefungen kleine flözartige Lager finden können, erhellet unter andern aus der natürlichen Beschaffenheit der Eisengrube zu Orpes, und noch einiger anderer nördlich von ihr in dieser Gegend liegenden Eisengruben, die einerley Erze und einerley Bewandniß haben. Kleine zufällige Ueberschwemmungen sowohl, als das allmählige herunter Waschen verschiedener Erden und abgenutzter Theile von den umstehenden höheren Gebirgen, welche sich als ein Schlamm des ausgetretenen oder überschwemmenden Wassers natürlicher Weise in den tieferen Schluchten, kleinen Vertiefungen oder Kesseln des ursprünglichen Gebirges niedersetzen, geben Gründe genug an die Hand, woraus man dergleichen Erscheinungen erklären kann. Zu Orpes nun ruhet auf dem Gneise erstlich ein mächtiges Lager von schuppichten Kalkstein; darüber ein 30 Lachter mächtiger schwebender Gang von Eisenstein; und dieser wird endlich mit einem weissen thonartigen, von schmalen Glimmerlinien grau gestreiften, zuweilen 7 Lachter mächtigem Gesteine bedeckt.
Der mächtige schwebende Eisensteins-Gang führt die schönsten eisenfarbichten Erze, die den Schwedischen gleich kommen, als:
Ferrum retractorium mineralisatum, tritura atra, textura chalybea. Lithophylac. Bornian. p. 124.
Ferrum retractor. textura granulata, granis minimis, ibid. pag. eadem. – – – – granis majoribus, ibid. p. 125.
welche mit Schörlen, Granaten, Wolframm, Glimmer, Hornblende, grauen Amianth, grünlichten Fols oder Sudslag, (S. Cronst. min. §. 106. und Waller. min. edit. 2. p. 398. 5. & 6.) und sogenannten Kamm, das ist, einen tauben eisenschützigen grünlichten Thon zusammen, und zum Theil darinn eingelegt, brechen.
Der schuppigte Kalckstein, welcher das liegende des schwebenden Eisenganges ausmacht, ist mitternachtseits grau, mittagseits aber sehr weiß, und streichet in beyden Gegenden an der Oberfläche der Erde zu Tage aus.
Die weiße thonartige, mit grauen Glimmers Linien gestreifte Stein-Art, welche das hangende dieses Ganges ausmacht, scheint aus nichts anders, als aus abgenutzten und von dem Wasser zusammen geschlammten Theilen der umliegenden höheren Gneiß-Berge entstanden zu seyn. Diese vielleicht allmahlige Zusammenschlämmung durch unzähliger Jahre Schnee und Regen, oder durch eine zufällige stärkere Ueberschwemmung in dieser Gegend, von welcher letzteren der Kalkstein, der das liegende des Ganges ausmacht, herzuleiten seyn möchte, gewinnet große Wahrscheinlichkeit von verschiedenen thonichten Erdlagern (*) in Presnizer Bergamts Bezirck und von den vielen großen und kleineren Stücken oder Aesten von Holtz mit Eisen-Ocher durchdrungen, die man in der Gegend um Orpes in der oberen thonichten Erde des Bodens flözweise und in Menge findet, und daraus ein gutes, obschon nicht viel Eisen macht.
(*) Man gewinnt auf einem Stollen bey Preßniz eine gute grüne Farberde, terre verte Cronst. §. 79. v. und bey Kaaden im Preßnizer Bergamt findet sich eine weisse Porcellanerde, neben welcher ein weißgrauer oder beynahe milchfarbigter, undurchsichtiger, im Bruche glatter und glänzender thonartiger Stein bricht, der aus der erhärteten Porcellänerde entstanden, und von dem Herrn Bergrath Peithner in seinen mineralogischen Tabellen auf der 9ten Tafel unter dem Nahmen Porcellänstein (Porcellanites ) beschrieben ist. Bey dem Zerbrechen findet man noch weiche oder lose Porcellänerde in diesem Steine eingeschlossen, zum Beweise seiner Entstehung. Sonst finden sich auch gute weisse Porcellänerden an mehreren Orten in Böhmen, als bey Lumpe ohnweit Bohmisch-Gieshübel, auf der Herrschaft Zitolib im Saazer Kreise am Sonnenwirbel bey Weyperth, zu Laun, Marcklin, Hlubloß &c. Balbinus in Histor, miscell. Libr. I. und Anselm. de Boot haben noch andre Böhmische Erdarten angemerkt.
Man hat in der Eisengabe zu Orpes eine Kunst vorgerichtet, um die Wäßer aus den alten Preßen zu heben, und alsdenn wieder einen ordentlich Bau vorzunehmen.
Die Eisen-Erze werden theils auf der Kayserlichen Cameral-Herrschaft bey Presniz, in dem daselbst befindlichen hohen Ofen und Eisenhammer, zu gut gemacht, theils hohlen die übrigen Gewercke solche selbst ab, und verschmelzen sie bey sich z. B. in Sachsen &c.
Das Steinkohlenwerk bey Wilkischen,
im Pilsner Kreis, eine Stunde von Kladrau.
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pp. 128–130
Allein, wer die Gegend von Kladrau nach Wilkischen und Pilsen bis Prag kennt, wird mir eine Einwendung machen, die ich heben muß. Das ganze Land zwischen diesen Oertern ist überhaupt betrachtet flach, weil die zwischen Böhmen und der Ober-Pfalz fortgehende Gebirgs-Strecke gleich hinter Kladrau sich über der Erde in der Breite auszudehnen aufhört, und ein ebenes Land anfängt, welches aus Thon oder Leimen, und im weiteren Fortgange aus Steinkohlen, Flözen, Kalckstein und andern angeschwammten Flöz-Lagern besteht. Folglich scheint dieser ganze Strich Landes kein einfaches oder ursprüngliches, sondern ein Flöz-Gebirg und Wilkischen der Anfang desselben zu seyn. Das leztere kann ich nicht zugeben, weil das Wilkische Steinkohlen-Werk noch nicht im flachen Lande sondern vielmehr noch in dem Gehänge oder abhängigen Fortgange des ursprünglichen Gebirges unter der Damm-Erde liegt, kaum eine Stunde von Kladrau, und ohnedies mit keinem gewöhnlichem Dache der Flözgebirgischen Steinkohlen, als Kalkstein, Mergel &c. sondern mit einer Zerstörung oder Gruß von den ursprünglichen Gebirgen bedeckt ist. Wie es sich mit dem eine Stunde weiter gelegenem Kotteschauischen Steinkohlenwercke verhält, habe ich nicht Gelegenheit gehabt zu untersuchen. Uebrigens aber ist es wahr, daß der Landstrich von dieser Gegend an bis Pilsen und Prag gröstentheils flach und flözartig ist, und verschiedene dergleichen Steinkohlen-Schichten, z. B. die bey Pilsen, Schabrach, Beraun &c. und Kalckstein bey Stiez enthält, welche mit graugelben Thon bedeckt sind. Vielleicht haben die ehemals breiteren und überschwemmenden Wasser bey Pilsen und Beraun c. die jezt kleine Flüsse sind, dies Land aufgeschlämmt. Allein die gleich hinter Kladrau verlassenen ursprünglichen Berge von Thonschiefer, und ohnweit denselben von Granit, gehen ununterbrochen unter der Erde fort, und erheben sich an verschiedenen Orten zwischen Kladrau und Pilsen, Pilsen und Prag. Die grauen Granit-Berge ragen vorzüglich an der Straße von Kladrau nach Pilsen hervor, und hinter diesem Orte bis Prag die thonschiefrichten, theils ungemischten, theils glimmerreichen, theils auch hornschiefrichten Gebirge. Dieser Umstand macht leicht begreiflich, daß das Steinkohlenwerk bey Wilkischen noch in ursprünglichen Gebirge liegen könne, weil sie noch weiter fortgehen. Selbst um Prag finden sich einige thonschiefrichte Berge, die sich ansehnlich hoch erheben; die übrigen sind Kalkberge mit Versteinerungen, unter welchen die thonschiefrichten in der Teufe fortgehen. Dieser Kalkstein also bey Stiez, die flözartigen Steinkohlen bey Schabrach, und andre dergleichen Schichten von Mergel, Thon &c. welche in den Schluchten oder Kesseln, und zwischen den hervorragenden Klippen des Thonschiefers und an den Abänderungen desselben aufgesetzt, sind vielleicht durch sehr viele verschiedene Ueberschwemmungen, vielleicht auch nur durch eine einzige entstanden. Der graugelbe thonichte Acker-Boden zwischen Kladrau und Prag ist zum großen Theil auf diese Art entstanden; ein Theil desselben aber ist von den hervorragenden, thonschiefrichten, glimmricht gneisigen und hornschiefrichten Klippen abgenuzt, und findet sich demnach mehr oder weniger mit Glimmer gemengt, nachdem diese Gebirgs-Arten an diesem oder jenem Ort glimmerreicher, oder sonst veränderlich vorfallen.
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Zweyter Abschnitt.
Naturgeschichte und Nachrichten
von dem Betriebe
der vornehmsten
Böhmischen Bergwerke.
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Joachimsthal im Saazer Kreiß
im Ellenbogner Antheil.
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Die Haupt-Arten der Joachimsthalischen Erze sind nun:
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pp. 81–83
Wismut
7. Wismut bricht mit den Cobolten zusammen.
Farb-Kobolt
8. Farb-Kobolt und dessen verschiedene, hier allsmal silberhältige Abänderungen, als Schacken-Cobolt, Wacken-Cobolt (in der beschriebenen Wacke) dendritischer, gestrickter, weißer oder gemeiner Arsenicalkiesichter, entweder derber, ungestallteter oder cristallinischer, und endlich auch ein einem grobstrahlichtem Ofenbruche ähnlicher Cobolt, brechen zu Joachimstahl mit und unter den Silber-Erzen auf veschiedenen Gängen, als auf dem Geschieber, Hillebradts-Gang, Rosa von Jericho ligend Trumm, Schweizer-Gang, Sächsisch Edelleuth-Stolle, heil. Geist, und Kayser Joseph-Gang &c. Der reine und wenig oder gar kein Silber haltende Cobolt wird zu Schlich gezogen, und nachher and die Blaufarbenwerker sowohl in Böhmen als an einigen Orten im Teutschen Reiche verkauft. Der Centner kostet nach Verschiedenheit der Güte von 13 bis 30, 40, oder 45 Gulden. Gleich bey Joachimstahl auf dem Wege nach der Silberschmelz-Hütte liegt das Puchnerische und zwischen Platte und Johanngeorgenstadt drey andere Böhmische Blaufarbenwerker, nemlich das Elsterische, Butzische und Mysellsche. Unter der Zwitter-Mühle bey Platten ist auch ein privates, und auf der Cammeral-Herrschaft Preßsniz ein Kayserl. Königliches Blaufarbenwerk. Der Herr Graf von Heimhausen hat auch auf seiner Herrschaft Kuttenplan ein dergleichen errichten laßen. Im teutschen Reiche sind unterschiedene, die mit Joachimsthalischen Cobolt versehen werden. Darunter verdienet das im Ginzinger Thal zu Gergenbach 1750 errichtete Coboltwerk erwehnt zu werden, weil dessen gewerkschaftliche Besitzer mit der Kayserl. Königl. Kammer ein Contract unter gewissen Bedingungen schlossen, vermöge dessen ihnen allein und sonst niemanden, weder in noch außerhalb Landes die in Böhmen erzeugten Cobolte gegen baare Bezahlung 20 Jahr nach einander abgelaßen werden sollten. Man hatte ehemahls wegen geringeren Verschleiß dieses Halb-Metalles jährlich nur 2000 Centner Cobolt in Böhmen gewonnen. Jetzt wendete man mehreren Eifer darauf an, und gewann fast so viel in zwey Monath; also jährlich 10000 Centner, welche die Gewerkschaft ohnmöglich abnehmen und bezahlen konnte; folglich muste der Contract aufgehoben werden. Diese Vermehrung der jährlich gewonnenen Menge von Böhmischen Cobolt hat gemacht, daß man in den lezteren Jahren gegen 60000 Fl. Cobolt in Vorrath behielte, dazu kein Käufer war. Aber nachdem man den Cobolt reiner und besser ausscheidet als vorher, und den Abnehmern Credit und Aufschub mit der Bezahlung giebt, ist die Abnahme wieder in Ordnung gekommen. In alten Zeiten warf man aus Unverstand zu Joachimsthal und anderwärts den Cobolt auf die Halden, die man izt in dieser Absicht durchsucht, die vorfindigen Koblolte ausscheidet, in die Einlösung bringt; und um diese Arbeit künftig so viel bequemer zu verrichten, ein Waschwerk nach Ungrischer Art einrichten will. Die meiste Böhmische blaue Farbe geht nach Holland. Ohnerachtet man in Böhmen eben so gute Cobolte gewinnt als in Sachsen, kennt man doch nicht die Vortheile bey der Bereitung der Smalte, wodurch die Sachsen nach dem Muster arbeiten, oder eine jede beliebige Gattung der Smalte und dessen Farbe ohne Fehler verfertigen, und die Beschickung darauf einrichten, welches die Böhmen nicht wissen, sondern die Gattung der erzeugten Smalte erst nach der Bereitung derselben, und indem sie sie mit den Mustern vergleichen, festsezen. Vermuthlich kömmt es nicht wenig darauf an, jede Gattung der Cobolt-Erze und ihr Verhalten im Feuer vor sich allein oder mit andern Gattungen gemischt, genau zu kennen.
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p. 84
Zinnober-Erz
11. Zinnober-Erz soll nach Mathesii und des Meißnischen Geschichtschreibers Albini Bericht ehemals auf St. Dorothea-Gang in Schottenberg zu Joachimsthal gebrochen seyn.
