Gottsched 1760
Johann Christoph Gottsched (ed.), Handlexicon oder kurzgefaßtes Wörterbuch der schönen Wissenschaften und freyen Künste…, Leipzig [Caspar Fritsch] 1760.
col. 712–713
Fresco (al)
eine Art zu malen. Es ist schwer den Ursprung dieser Malerey zu bestimmen. So viel kann man nur sagen, daß sie sehr alt ist, weil sie schon zu den ersten Zeiten der römischen Republik üblich gewesen, und man noch sehr schöne Stücke davon in Rom sieht. Diese Malerey wird auf eine frische Wand angebracht, die nur kürzlich mit Mörtel, Kalk und Sande gestrichen worden, woher sie auch den Namen Fresco haben mag. Die Farben müssen im Wasser zerlassen werden, und man kann nichts als Erdfarben, und die durch Feuer gegangenen Farben dazu brauchen. Die Malerey hat den Nutzen, daß sie länger währet, als die Oelfarbe, sie mag auch gestellet seyn, wohin sie will; allein es ist auch ihr Fehler, daß, da sie nicht alle Farben leiden kann, sie zur Nachahmung nicht so geschickt ist, als die andern Malereyen. Ihr Licht ist heller, und ihre Schatten sind nicht so stark, noch so milde, wie in andern Malereyen. Ihrer Dauer wegen, wird sie mehrentheils an solchen Orten gebrauchet, die der Luft sehr ausgesetzet sind. Sie erfordert eine schnelle Arbeit, und es gehöret eine sehr fertige Hand dazu, die von einem feurigen Kopfe regieret wird, welcher zu dieser Art von Malerey durchaus nöthig ist.
