Helfft 1836

Johann Jacob Helfft, Encyklopädisches Wörterbuch der Landbaukunst für Cameralisten, Architecten, Bauhandwerker und das bautreibende Publikum, Berlin [Dunker – Humblot] 1836.


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Abputz

Abputz. Der Mörtelüberzug, den eine von Ziegeln oder Kalksteinen gefertigte Wand oder gerohrte Decke erhält, derselbe mag im Berappen (s. d. A.) oder im Putzen (s. d. A.) bestehen. Ueber Anfertigung des Abpußes siehe d. f. Art.

Abputzen

Abputzen. Das Anfertigen des Mörtelüberzuges auf einer gemauerten Wand oder gerohrten Decke. Beim Abputzen der Wände müssen die Steine zuvor gehörig abgenäßt (s. d. A.) werden, und schon beim Mauern dafür Sorge getragen werden, daß die Fugen zwischen den Steinen an der Außenseite offen gelassen werden, damit der dagegen geworfene Mörtel eindringe und beim Erhärten in den Steinen geankert werde. Nun werden zuvörderst an der zu pußenden Wand ungefähr 6 Zoll breite Streifen, welche man Lehren (s. d. Art.) nennt, in Entfernung von 3–6 Fuß lothrecht herunter geputzt. Zwischen diesen Streifen wird alsdann der Mörtel mit einiger Gewalt gegen die Mauerfläche geworfen und mit einem Brette, das von einem Streifen zum andern reicht, vorläufig abgeglichen. Nachdem diese Arbeit mehrere Male wiederholt wurde und der angetragene Mörtel sich überall von gleicher Dicke zeigt, wird das Ganze mit dem Reibebrette (s. d. A.) völlig glatt gerieben. Dieses Glattreiben geschieht aber erst dann, wenn das im Mörtel enthaltene Wasser etwas verdunstet ist, oder, wie der Maurer sich ausdrückt: wenn die Mauer angezogen hat. Das Reiben selbst muß gleichmäßig und mit nicht zu großer Heftigkeit geschehen, weil sonst der Anwurf sich erhitzt und leicht Risse erhält. Der Mörtel, welcher zum Putzen gebraucht wird, muß aus Kalk und scharfem reinem Flussande bereitet werden, und zwar wird mindestens doppelt so viel Sand als Kalk genommen, weil leicht Risse entstehen, wenn der Mörtel zu fett (s. d. Art.) ist.

Ferner versteht man aber auch unter Abputzen das Reinigen der alten bereits gebrauchten Steine von dem ihnen anhängenden Mörtel, und endlich das letzte Vollenden verschiedener Arbeiten, z. B. der Tischlerarbeiten.

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Abreiben

Abreiben. Den Farbenüberzug von einer Mauer hinwegnehmen. Man wendet hierzu kleine eiserne Kraken an, die mit einem hölzernen Stiele versehen sind. Der Arbeiter tritt mit denselben vor die Mauer, hält das genannte Werkzeug beinahe parallel mit dieser, und stößt nun von unten nach oben. Wenn die Farbe nicht sehr fest sitzt, oder nicht sehr stark aufgetragen war, kann sie auch mit einem mehr oder minder harten Sandsteine abgerieben werden. Das Abreiben mit dem Steine ist auch nach vorangegangenem Abstoßen mit dem Eisen zu empfehlen, weil es der Mauer eine gleichmäßigere Oberfläche giebt. Wo Wände, die früher einen Farbenanstrich hatten, mit Papier oder Tapeten beklebt werden sollen, ist das Abreiben jedesmal nöthig, weil sonst die Tapete sich nur mit der Farbe verbände und diese leicht fortrisse. Ein gleiches findet aber auch statt, wenn ein neuer Anstrich von Leimfarben auf einen schon mehrmals wiederholten andern kommen würde, um das Abblättern (s. d. A.) zu verhüten. Das Abreiben von Farben, deren Staub den Arbeitern schädlich werden würde, vermeidet man dadurch, daß man die Wände mit nassen Bürsten abwäscht.


p. 77

Decke

Decke. Allgemein Alles, was einen Gegenstand deckt, oder oberhalb abschließt, daher auch die auf den Wänden eines Raumes ruhende Fläche, welche denselben nach oben hin abschließt, so genannt wird. Sie ist entweder von Steinen gewölbt, oder von Balken gebildet, im ersten Falle meist nach einem Zirkelstücke geformt, im letzteren horizontal. Je nachdem die Decken nach einer oder der anderen Weise construirt werden, nennt man sie auch gewölbte, scheitrechte oder Balkendecken. Die wesentlichen Bestandtheile der letzteren bilden die Balken. Sie bestehen jetzt in der Regel aus diesen und den Staken, und werden geschalt, gerohrt und geputzt, worüber das Nähere unter diesen Abtheilungen nachzusehen ist.


pp. 123–124

Fresko oder Freskomalerei

Fresko oder Freskomalerei. Eine Malerei auf frischem Kalke, welche wegen ihrer Dauerhaftigkeit besonders zu Malereien am Aeußern der Gebäude benutzt wird. Diese Art der Malerei erfordert sehr geübte Künstler, theils weil sie sehr rasch und vor dem Trocknen des Kalkes bewirkt werden muß, theils aber auch, weil sie eine sehr genaue Kenntniß der Farben erheischt , indem zuvor beurtheilt werden muß, welches Ansehen dieselbe nach dem Trocknen des Kalkes gewinnen wird.


pp. 146–147

Gewölbe

Gewölbe. Eine durch Ziegel oder behauene Bruchsteine gefertigte Ueberdeckung eines Raumes. Jeder Stein dieser Decke ist keilförmig gebildet, und so erhält durch ihre Zusammenfügung das Gewölbe eine Bogenform, die entweder einem Theile eines einzigen Kreises oder mehreren aus verschiedenen Mittelpunkten beschriebenen Bogen angehört.

Bei Gewölben von geringer Spannung unterläßt man es aber auch bisweilen, jeden einzelnen Stein keilförmig zuzuhauen, indem die Fuge oben etwas weiter als unten gehalten werden kann, und dadurch die Absicht: daß die Mittellinie jeder Fuge nach dem Mittelpunkte des Gewölbes laufe, erreicht wird. Wo aber die Steine zugehauen werden, müssen die Seiten der Keilsteine in ihrer Verbreitung den Mittelpunkt treffen, aus welchem der Bogen des Gewölbes, den sie bilden sollen, beschrieben ist.

Eine gleiche Richtung nach diesem Mittelpunkte erhalten auch die Theile der Mauern, welche die Flächen bilden, gegen die sich das Gewölbe legt. Man nennt dieselben Widerlager.

Denkt man sich zur Fixirung der Begriffe zunächst als einfachsten Fall einen durch vier Wände, von denen je zwei und zwei parallel laufen, eingeschlossenen Raum, welcher mit einem Gewölbe gedeckt werden soll, so sind die Arten, wie dies geschehen kann, höchst mannigfaltig, nach denen die Gewölbe selbst auch verschieden benannt werden. Die gewöhnlichsten sind folgende:

Spannt sich das Gewölbe gegen zwei parallele Wände, und ist nach einem Halbkreis oder nach einem Bogenstücke construirt, so daß die andern beiden in dasselbe hineinreichenden Wände mit Halbkreisen oder mit dem Theile eines Bogens enden, so heißt das Gewölbe ein Tonnengewölbe.

Schneiden sich zwei solcher Gewölbe nach den Diagonalen des zu bedeckenden Raumes, so entsteht ein Kreuzgewölbe, welches sich also gegen alle vier Wände mit einer Kreislinie anlegt. Es ist indeß nicht nöthig, die beiden sich schneidenden Gewölbe nach dem Halbkreise selbst zu construiren, sondern es werden in der Regel nur Kreisbogen gewählt, deren Höhen zur Sehne sich etwa wie 1 zu 6, 7 oder 8 verhalten, oder nach einer Gewölbe, steigendes 147 Gewundene Stufen Bogenlinie, deren Mittelpunkte verschiedenen Kreisen angehören.

Die Linien, in welchen die zuletzt gedachten Gewölbtheile sich schneiden, nennt man Grade. Gehen aber die sich schneidenden Gewölbe in einander über, ohne einen scharfen Grad zu bilden, so entsteht das Kuffengewölbe. Legt sich das Kreuzgewölbe mit Spikbögen gegen die Mauer, so entsteht das Kloster- oder gothische Gewölbe u. dgl. m.

Jede der genannten Gewölbe-Arten unterliegt noch nach der Form des zu bedeckenden Raumes besonderen Modificationen. Ist z. B. derselbe von fünf oder sechs Mauern oder allgemein von einem Vieleck umschlossen, und soll ihn ein Kreuzgewölbe überspannen, so wählt man in der Mitte einen Punkt, der so viel als möglich von allen Ecken des Polygons gleich weit entfernt ist, und zieht von diesem nach allen Ecken Linien, über welchen die Grade zu liegen kommen. Zwischen je zwei Graden und einer Seite des Polygons wird alsdann ein Theil des Kreuzgewölbes, die sich alle in einem Punkte vereinen, gefertiget.

Ist letzteres nicht der Fall, sondern bildet man um den Mittelpunkt einen Kreis oder irgend eine andere Figur, z. B. ein Sechseck, an dessen jede Ecke sich zwei Grade des zu überwölbenden Zwölfecks oder abwechselnd ein und zwei Grade des zu überwölbenden Neunecks und dergleichen mehr anlehnen, so entstehen die sogenannten Spiegelgewölbe, die wiederum als eine Unterabtheilung der Klostergewölbe angesehen werden können, und namentlich in der gothischen Baukunst in den mannigfaltigsten Abwechselungen vorkommen.

Gewölbe, steigendes

Gewölbe, steigendes, siehe steigendes Gewölbe.

Gewölbe-Stein

Gewölbe-Stein. Ein Stein zum Mauern eines Gewölbes. Er hat beim Tonnengewölbe (s. d. A.) zwei, beim Kreuzgewölbe (s. d. A.) vier convergirende Seitenflächen, von denen je zwei nach einem Mittelpunkte laufen; die beiden andern Seiten des Steins, von welchen die eine die obere, die andere die untere Ansicht des Gewölbes bilden, sind nach der Gewölbfläche selbst, also nach dem Kreisbogen oder nach der Kreisfläche, welche das Gewölbe bildet, bearbeitet. Wird ein Gewölbe aus Bruchsteinen construirt, so müssen zu allen Seiten des Steines sorgfältige Chablonen, nach welchen er bearbeitet wird, gefertigt werden. Bei Gewölben aus Ziegelsteinen werden die letzteren, zumal wenn eine bedeutende Anzahl von gleicher Gestalt und Größe erforderlich ist, gleich nach dieser in den Ziegeleien geformt und gebrannt, oder aber es wird gewöhnlichen Mauerziegeln mit dem Maurerhammer die nöthige Form gegeben. Dagegen unterbleibt aber das Verhauen der einzelnen Steine gänzlich, wenn das Maaß derselben, wie es bei Ziegeln in der Regel der Fall ist, gegen das der Gewölbe selbst nur ein sehr kleines ist.

Da es von besonderer Wichtigkeit ist, die Gewölbziegel so leicht als möglich zu fertigen, so mengt man in die Masse, aus welcher sie gestrichen werden, bisweilen einen Theil, etwa bis zur Hälfte der ganzen Masse, Holzkohlen. Diese verbrennen, wenn der Stein in den Ofen kommt, und letzterer hat bei übereinstimmender Größe mit einem gewöhnlichen Mauerziegel nur die halbe Schwere desselben.

Gewölbe-Ziegel

Gewölbe-Ziegel. Ziegel, die zur Anfertigung eines Gewölbes besonders gestrichen sind (s. v. A.).

Gewölbt

Gewölbt nennt man Räume, die mit einem Gewölbe überspannt sind, oder die eine gewölbte Decke (s. f. A.) haben.

Gewölbte Decke

Gewölbte Decke ist eine solche, die von einem Gewölbe über einem Raume gebildet wird, im Gegensatze der Balkendecke, die aus Balken besteht. Letztere nennt man auch ihrer Form nach gerade oder scheitrechte Decken, um sie so von den gewölbten zu unterscheiden, die ihrer Natur nach immer nach einem Bogen geformt sind.

Die gewölbten Decken kommen vornehmlich zur Anwendung, wenn ein Gebäude feuersicher sein soll.

Gewölbter Keller

Gewölbter Keller. Ein Keller (s. d. A.), der zur Decke ein Gewölbe hat, im Gegensatz zu einem solchen, dessen Decke durch Balken gebildet wird, und daher Balkenkeller heißt.


pp. 191–194

Kalk

Kalk ist die gewöhnliche Benennung der ausgebrannten Kalksteine (s. d. A.), wie sie zum Löschen und zur Mörtelbereitung beim Bauen vorkommen. Außer den Kalksteinen, die unter der Erde gebrochen, oder auf derselben, in Flüssen, Bächen u. s. w. gelesen werden, bedient man sich zum Kalkbrennen auch des Mergels oder der Muschelschalen. Der zur Mörtelbereitung vortheilhafteste Kalk wird indeß immer aus Steinen gewonnen.

Die härtesten Steine sind zum Brennen immer die besten, und da der Kalkstein, wenn er der Luft ausgesetzt wird, an Härte gewinnt, so thut man wohl daran, den zum Brennen bestimmten ein Jahr und darüber an der Luft liegen zu lassen.

Die Güte des ungelöschten Kalkes kann man daran erkennen, daß er ein weißes Ansehen habe und in ziemlich großen Stücken zur Baustelle komme.

Die weiße Farbe nämlich ist ein Zeichen, daß ihm keine fremdartigen Theile beigemischt sind, so wie die großen Stücke darauf hindeuten, daß er aus der Luft keine Feuchtigkeit angenommen und durch diese zerfallen sei.

Um letztere Eigenschaft dem Kalke zu bewahren, muß er bald nach dem Brennen gelöscht werden, oder wenn dies nicht möglich, auf der Baustelle für einen Raum gesorgt sein, wo er trocken aufbewahrt werden kann.

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Kalkbank

Kalkbank. Ein Kasten von 4 bis 6′ Breite, 8 bis 10′ Länge und 18 Zoll Höhe, der aus starken Bohlen gefertiget ist, worin der Kalk gelöscht wird. An einer Seite ist der hier beschriebene Kasten mit einem Schüß versehen, welcher aufgezogen wird, wenn das Kalklöschen (s. d. A.) erfolgt ist, um den Kalk in die Grube laufen zu lassen. Für Kalkbank bedient man sich gewöhnlich des Wortes: Löschbank.

Da der Kalk während des Löschens auf eine kräftige Weise in der Kalkbank durchgearbeitet werden muß, so ist es nöthig, dieselbe so zu verbinden, daß sie der hierdurch auf sie einwirkenden Gewalt gehörig widerstehen könne. Auch muß sie gehörig wasserdicht sein, damit das Quantum des, dem Kalk gegebenen, Wassers sich nicht vermindere.

Ueber die Stellung der Kalkbank beim Löschen siehe Kalklöschen.

Kalkbrennen

Kalkbrennen nennt man es, wenn mittelst des Feuers aus den Kalksteinen oder den anderen unter Kalk angegebenen Stoffen die Kohlensäure und das Wasser entfernt wird, um so den zur Mörtelbereitung nöthigen Kalk zu erhalten. Durch das Brennen erhält derselbe nämlich die Eigenschaft, sich mit dem Wasser zu vermischen, und dann nach und nach aus der Luft wieder Kohlensäure in sich aufzunehmen, um so gleichsam zu Stein zu erhärten.

Das Brennen nimmt den Kalksteinen die Hälfte, und oft noch mehr von ihrem eigenthümlichen Gewichte. Der hierzu genutzte Ofen (siehe Kalkofen) ist fast dem Ziegelofen (f. d. A.) völlig gleich, da bei nicht bedeutendem Bedarf an Kalk und Steinen das Brennen beider Stoffe sogar oft gleichzeitig bewirkt wird.

Wo indeß, was freilisch besser ist, der Kalk für sich allein gebrannt wird, wird dieses Geschäft so vorgenommen, daß man den zu brennenden Kalk durch eine oberhalb befindliche Oeffnung in den Ofen trägt. Ist die gehörige Zeit verstrichen, um annehmen zu dürfen, daß die unteren Schichten, welche dem Feuer zunächst sich befinden, gehörig gebrannt seien, so werden diese mittelst Haken aus den, unten am Ofen befindlichen, Löchern herausgezogen. Die ganze Masse des Kalkes wird hierdurch nach unten sinken und durch neues, von oben hereingebrachtes, Material wieder ersetzt werden.

Kalkbrennerei

Kalkbrennerei, ein Platz, wo sich die Ofen befinden, in welchen das Kalkbrennen vorgenommen wird.

Kalkbruch

Kalkbruch, der Ort, wo Kalksteine gebrochen werden.

Je nachdem der Kalkbruch sich näher oder ferner der Oberfläche der Erde befindet, d. h. je weniger oder je mehr andere Stoffe, welche man Abraum nennt, sich über dem Kalke selbst befinden, um so leichter oder um so schwerer wird auch das Geschäft des Brechens. Bei sehr tief liegenden Kalkbrüchen ist daher dasselbe völlig bergmännisch zu betreiben.

Kalkerde

Kalkerde nennt man suchte Erdarten, welche Theile enthalten, die beim Brennen Kalk liefern. Sie sind indeß niemals so zur Mörtelbereitung geeignet, als der aus Kalksteinen gewonnene Kalk.

Kalk, ersoffener

Kalk, ersoffener, siehe Kalklöschen.

Kalkfuge

Kalkfuge nennt man beim Vermauern der Ziegel den Raum zwischen zwei Steinen, welcher mit Mörtel ausgefüllt ist.

Kalkgrube

Kalkgrube. Eine in die Erde gegrabene Grube, in welche der Kalk gelassen wird, nachdem er gelöscht wurde. Man macht sie in der Regel zehn Fuß lang und breit und sechs bis acht Fuß tief. Es ist nöthig, sie an einem Orte anzuberaumen, wo man ihr die angegebene Tiefe geben kann, ohne auf Grundwasser zu stoßen. Die Seiten der Kalkgrube werden mit Brettern ausgesetzt, um das Nachfallen der Erde zu verhüten, oder, was besser ist, man mauert dieselbe mit Ziegeln etwa einen Stein stark aus. Den Boden der Kalkgrube aber belegt man weder mit Brettern, noch mit einem Pflaster, weil so das im gelöschten Kalk befindliche Wasser einen leichtern Abzug erhält. Letzteres findet aber, wie man leicht übersehen kann, gar nicht statt, wenn das Grundwasser den Boden der Grube erreicht.

Obgleich es für das Geschäft des Löschens von einem wesentlichen Vortheile ist, die Kalkgrube dem Brunnen nahe zu haben, so darf man sich in einem lockern Erdreiche doch nicht zu sehr mit derselben dem Kessel nähern, weil sonst der eingelassene Kalk bisweilen einen Abzug nach demselben findet, und so nicht nur verloren geht, sondern auch das Wasser verdirbt.

Der Kalkgrube eine bestimmte Grundform, wie oben angeführt wurde, zu geben, ist deshalb sehr bequem, weil es dadurch möglich wird, das Quantum des eingelöschten Kalkes zu bestimmen,

ohne etwas anderes nöthig zu haben, als die Höhe zu messen, die er in derselben einnimmt. Ist diese Grundfläche, wie im obigen Beispiele angeführt wurde, gerade 100 Quadratfuß, und beträgt die Höhe des Kalks, wenn er gemessen wird, 5 Fuß 3 Zoll, so wird man die Menge des in der Grube vorhandenen sogleich auf 525 Kubikfuß angeben können.

Kalkguß

Kalkguß nennt der Maurer den verdünnten Mörtel, welchen er auf die zuvor in Verband gesetzten Steine gießt, um ihre Fugen auszufüllen.

Es ist, wie an andern Orten schon angeführt wurde, niemals so gut, einen Kalkguß anzuwenden, als jeden einzelnen Stein mit dem zu seinen Fugen nöthigen Mörtel zu versehen.

Kalkhacke

Kalkhacke. Ein Eisen von 1 Fuß Breite und circa 4 Zoll Höhe, an welchem sich unter einem rechten Winkel eine Oese befindet, die einen 8 Fuß langen Stiel aufnimmt. Die Kalkhacke wird beim Löschen des Kalkes gebraucht, um denselben gehörig mit dem Wasser zu vermischen. Man nennt dieses Werkzeug auch wohl Kalkhaken oder Kalkschaufel.

Kalkkasten

Kalkkasten. Der bei jedem Maurer stehende Kasten, worin sich der zu verarbeitende Mörtel befindet.

Kalkkelle

Kalkkelle für Mauerkelle (s. d. A.).

Kalk, lebendiger

Kalk, lebendiger, gleichbedeutend mit gebranntem Kalk, aus welchem der Mörtel bereitet wird, im Gegensatz zu dem ungebrannten, der als Baustein zu Fundament- und anderen Mauern benutzt wird.

Kalkleiste

Kalkleiste, siehe Leiste.

Kalklöschen

Kalklöschen. Das Vermengen des Kalks mit Wasser. Der zu löschende Kalk wird in die Kalk- oder Löschbank gebracht, nachdem zuvor etwa ein halber Fuß hoch Wasser in dieselbe getragen wurde. Die Löschbank muß eine solche Größe haben, daß das auf einmal zu löschende Quantum, welches in der Regel einige Scheffel beträgt, etwa 1½ bis 1¾ Fuß hoch darin liegen kann.

Während ein Arbeiter fortfährt, den Kalk herbeizutragen, ist ein anderer mit Wasserpumpen beschäftigt, und so füllen beide die Bank mit Kalk und Wasser, etwa bis zu ihrer Höhe, an.

Das Verhältniß des Wassers zum Kalke muß so gewählt werden, daß, wenn der mit einem Mal zu löschende eingetragen ist, er noch mit den Spitzen über dem Wasser hervorsteht. Steht das Wasser gänzlich über dem Kalk, so hat er zu viel erhalten, und man sagt: er sei ersoffen, hat er dagegen zu wenig Wasser bekommen, so sagt man: er sei beim Löschen verbrannt.

Hat man dem Kalk einige Augenblicke Zeit zur Auflösung gelassen, so wird die Kalkhacke (s. d. A.) darin hin und her gezogen, wodurch das Verbrennen verhindert wird. Diese Arbeit wird so lange fortgesetzt, bis alle Theile gehörig aufgelöst sind, und alsdann der Schüß der Löschbank gezogen, um den Kalk in die Grube fließen zu lassen.

Man hat indeß sehr sorgfältig darauf zu achten, daß das Ziehen des Schüßes nicht zu früh erfolge, wozu die Arbeiter nur zu oft geneigt sind, wenn sie das Löschen nach der Quantität des Kalkes bezahlt erhalten, um so mit ihrer Arbeit früher fertig zu werden. Daß übrigens die Auflösung des Kalkes vollständig erfolgt sei, gewahrt man daran, daß er ein völlig milchartiges Ansehen gewinnt, und keine festen Theile, beim Abfließen nach der Grube, in der Kalkbank zurückläßt.

Um diesen Abfluß leichter zu bewirken, wird der Bank gegen die Grube hin einiges Gefälle gegeben. Das Löschen des Kalkes muß übrigens bald nach dem Brennen (siehe Kalkbrennen) geschehen, und wird der Mergelkalk, welcher am geeignetesten ist, Feuchtigkeiten aus der Luft anziehen, oft schon bei dem Ofen gelöscht und so verschickt, was aber natürlich nur bei geringer Entfernung der Baustelle möglich ist.

Durch das Löschen vermehrt sich sowohl das Volumen als das Gewicht des Kalks. Man nimmt nämlich das Gewicht eines Kubikfußes Kalkstein auf 150 Pfund an, welches beim Brennen auf 85 bis 80 herabsinkt, durch das Löschen aber ein Volumen von 3½ Kubikfuß erhält, welches 280 Pfund wiegt. Diese Zunahme des Gewichts und Volumens nennt man das Gedeihen des Kalks.

Es wird dieses Gedeihen bedeutender, je mehr Zeit und Sorgfalt auf das Löschen verwandt wird, weshalb es denn auch anzurathen ist, die mit diesem Geschäfte beauftragten Arbeiter nach dem Kubik-Inhalte des gelöschten Kalkes zu besolden.

Kalkmalerei

Kalkmalerei, gleichbedeutend mit Freskomalerei (s. d. A.).

Kalkmehl

Kalkmehl. Gebrannter Kalk, der durch Einwirkung der Luft, vor dem Löschen, in Pulver zerfallen ist.

Kalkmergel

Kalkmergel, siehe Mergel.

Kalkmilch

Kalkmilch. Mit Wasser stark verdünnter gelöschter Kalk, wie er zum Schlemmen gebraucht wird.

Kalkofen

Kalkofen. Der Ofen, worin der Kalkstein zu Kalk gebrannt wird. Derselbe weicht wenig von dem Ziegelofen ab, daher auf diesen verwiesen werden kann. Er ist indeß in der Regel kleiner als jener und immer mit einer gewölbten Decke versehen,

damit die Hitze mehr zusammengehalten werde, auch der Kalk von obenher geschützt sei. (Ein Mehreres siehe unter Kalkbrennen.)

Kalkstein

Kalkstein. Die Kalksteine werden theils zum Bauen, theils um aus ihnen Kalk zu brennen, gebraucht. Zum Bauen bedient man sich ihrer zumeist nur unter der Erde, da sie dem Froste und der abwechselnden Feuchtigkeit nicht dauerhaft widerstehen. Will man sie über der Erde zu Bausteinen verwenden, so müssen sie ein Jahr vorher gebrochen werden und hinlänglich austrocknen, wogegen indeß darauf zu sehen, daß sie während dieser Zeit nicht vom Froste leiden. Werden sie dagegen sorgfältig geschützt, so geben sie ein sehr gutes Material ab, das sich gleich Sandsteinen bearbeiten läßt, und in neuerer Zeit zu Plinthenmauern, zu Einfassungen um Fenster u. dergl. häufig Anwendung fand.

Zum Mauern der Fundamente sind diejenigen Steine die besten, die im Frühjahre gebrochen und gleich im Sommer verbraucht werden. Der Verkauf der Kalksteine geschieht nach Klaftern zu 108 Kubikfuß, und werden zu einer Schachtruthe Gemäuer 1¼ bis 1½ solcher Klaftern gerechnet.

Nach der Größe, welche die einzelnen Kalksteine haben, unterscheidet man bei den Bausteinen drei Sorten, die man mit extra großen, großen und kleinen bezeichnet. Außerdem werden noch die sogenannten Brenn- oder Lesesteine gewonnen, die kleiner als die zuletzt genannten sind und nur zum Brennen benutzt werden.

Zum Vermauern schafft man gewöhnlich Quantitäten von allen dreien Sorten an und trifft eine solche Wahl, daß die extra großen zum Bankett, zu den Ecken und überhaupt zu allen Theilen benutzt werden, wo die meiste Festigkeit verlangt wird.

Wie bei allen Bruchsteinen, ist besonders auch beim Kalksteine sehr sorgfältig darauf zu sehen, daß er im Gemäuer dieselbe Lage erhalte, welche er im Bruche hatte, nicht aber, wie man sich auszudrücken pflegt, auf den Kopf gestellt werde. Sonst wird ihm, beim Vermauern, keine andere Gestalt gegeben, als er beim Brechen annahm, und nur an solchen Steinen, wo sich keine lagerhafte (s. d. A.) Fläche vorfindet, diese durch Hinwegnahme der größten Unebenheiten erzeugt. Dagegen ist von dem Maurer unter den vorhandenen Steinen eine geschickte Wahl zu treffen, um jeden einzelnen, so passend als möglich, in die Lücke zu schieben, welche die früher gesetzten ließen, und nur kleine Zwischenräume dürfen durch Zwicker (s. d. A.) oder hineingeschlagene Ziegelstücke ausgefüllt werden.

Kalk, verbrannter

Kalk, verbrannter, siehe Kalklöschen.


p. 265

Putzen

Putzen für Abputzen (s. d. A.).

Putzer

Putzer nennt man solche Maurergesellen, welche in Anfertigung des Abpußes erfahren sind, und denen diese Arbeit daher auch ausschließlich, oft im Accord, übertragen wird.

Putzrisse

Putzrisse sind Risse im Abputze einer Mauer, die gewöhnlich ihren Grund darin haben, daß der Mörtel zu rasch trocknete, welches besonders der Fall ist, wenn das Abreiben mit dem Reibebrette zu übereilt geschah und dadurch der Mörtel erhitzt wurde. Da aber auch Risse im Putz durch ungleiches Setzen oder andere Fehler des Mauerwerks herbeigeführt werden können, so ist, wo sie sich zeigen, sorgfältig zu untersuchen, ob sie nur Putzrisse seien, oder ob sie ihren Grund in dem Gemäuer selbst haben. Letzteres ist nicht der Fall, wenn schon durch das Schlemmen, oder durch das Verstreichen der Fuge der Putzriß verschwindet und nicht wiederkehrt; zeigt er sich indeß in dem neu aufgetragenen Putze wieder, so ist anzunehmen, daß er in einem Fehler der Mauer selbst seinen Grund habe.

Putzstube

Putzstube, siehe Kaserne; dann aber auch ein Prunkgemach in einer Wohnung, welches für gewöhnlich nicht bewohnt, sondern nur bei festlichen Gelegenheiten eröffnet wird.

Puzzolane

Puzzolane. Eine vulkanische Masse, die sich in vielen Gegenden als Naturerzeugniß theils über, theils unter der Erde vorfindet und auf mancherlei Weisen zur Anfertigung eines wasserdichten oder eines Mörtels, welcher die Feuchtigkeit abhalten soll, verwandt wird.


p. 285

Sand

Sand nennt man kleine unzusammenhängende Theile größerer Steine, die von der Natur zerlegt gefunden werden. Als Baumaterial versteht man unter Sand vornehmlich die vom Quarz losgerissenen oder diejenigen kleinen Theile, in welche Quarz zerlegt wurde. Der aus dem Bette der Flüsse oder aus Gruben gegrabene Sand, welcher aus scharfkantigen, nicht zu kleinen Stücken besteht, und wo möglich ganz frei von Thon und Erde ist, liefert das beste Baumaterial. Die Schärfe des Sandes prüft man mit der Hand, seine Reinheit aber dadurch, daß man ihn gegen ein weißes Sandstein Tuch wirft und zusieht, ob er gänzlich von dem selben abfällt oder Spuren zurückläßt, die von dem beigemischten Thone herrühren. Der Sand wird zur Mörtelbereitung benutzt, und zwar wird dem jenigen Mörtel, welcher zum Mauern dienen soll, der schärfste beigemischt, während man zum Abputz, namentlich zum Ziehen der Glieder, die feineren Sorten wählt.