Hellwig 1726
Valentin Kräutermann [Christoph von Hellwig], Neu-vermehrtes Historish-Medicinesche Regnum Minerale, Oder Mineralien-Reich, Und zwar anietzo in II. Haupt-Theilen, Da in dem Ersten enthalten Eine accurate Beschreibung Aller Ertze, Mineralien, Metallen und Edelgesteine, wie sie wachsen und gefunden werden, und wo sie in der Medicin und sonsten zu gebrauchen…, Franckfurt – Leipzig [Ernst Ludwig Niedt] 1726.
Nun wollen wir aus dem Regno Minerali auch die Mineralia nach Alphabetischer Ordnung betrachten, …
pp. 94–95
Auripigmentum.
Gelber Arsenic, Operment. Dieses ist eine Gattung des Arsenici, und giebet es natürliches gewachsenes, und durch Kunst bereitetes, das natürliche findet sich in Kupffer-Bergwercken, als wie harte, dichte Steine, von unterschiedener Grösse, Gestalt und Farbe, denn einige sehen Goldgelb aus, gläntzen und geben einen Wiederschein; andere sind gelb-roth, oder gelb-grün, auch gläntzen hin und her, haben aber keinen so starcken Wiederschein, als die ersten.
Das durch Kunst bereitere Operment/ ist ein Gemenge, welches von einem Theile gemeinen gelben Schwefels, mit zehen Theilen weissen Arsenici unter einander geschmolzen, bereitet wird.
Es werden beyde Arten zur Mahlerey gebraucht, so wohl zu gelben als grünen Farben, wenn nemlich Indig unter gerieben wird, so wird es grün.
Es wird zu solchen Remediis gebrauchet, dadurch man Haare wegzubringen suchet. Wenn es gestossen und mit gleichen Theilen Kalck vermischet, gekochet, und ein weichlicher Teig daraus gemacht, welcher alsdenn auf den Ort aufgeleget wird, allwo man die Haare hinweg bringen will.
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pp. 95–96
Bergblau.
Caruleum montanum wird aus dem Lapide Armeno oder Lasur-Stein bereitet. Der Lasur-Stein wird gerieben und gewaschen, damit der Quartz daavon komme, wie auch der gläntzende Sand, welcher wie Gold-Flämmlein siehet, hernach wieder getrocknet und vor Bergblau verkaufft wird vor die Mahler.
Berg-grün.
Ist eine trockene, grüne Erde, die uns aus Verona aus Italien, auch aus Ungarn zugebracht wird. Heist auch Schiefer-grün/ Stein-grün. Dienet zur Mahlerey.
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p. 98
Cobaltum.
Kobald, Mücken-Pulver, ist eine Art Marcasit, oder ein harter, schwerer Stein, der allerhand Figuren hat, die glatt und gläntzend sind von Farbe purpurhafftig, oder röthlicht, oder schwärzlicht, oder Aschen-grau werden von einer Materie vereinigt u. zusammen gehalten, die dem Spieß-Glas-Ertze nicht eben gar unähnlich siehet. Dieser Stein wird von den Scribenten unter die natürliche Cadmia gerechnet, und findet sich in Teutschland in den Silber-Bergwercken zu Schneeberg in Meißen, und zu Goßlar.
Es wird daraus eine blaue Farbe bereitet. Ist ein starckes Gifft, auch ein gefährlich Causticum, das den Berg-Leuten die Schenckel und Beine voll Geschwüre macht, wenn sie in dem Waßer herum gehen, darinnen es gelegen, hat. Man braucht es wieder die Fliegen, sie zu vertreiben, indem man dieses mit Bier oder Milch anreibet, und denen Fliegen hinsetzet, und wenn sie davon sauffen, sterben müßen.
Englisch braun-roth.
Ist eine gewiße Art rother Farbe; die beste und kostbareste, so in kleinen und hochrothen Steinen, von einer mittelmäßigen Härte bestehet, wird aber fast zu nichts anders gebraucht, als die Abfätze derer Weiber-Schuhe damit anzustreichen.
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p. 101
Gelbe Erde.
Ist bey uns in allen Materialisten-Krämen bekannt, wird theils von Flach-Mahlern, theils auch Weißgerbern und Handschuh-Machern, um solche zufärben, gebrauchet. Wird häuffig um Nürnberg gefunden.
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p. 107
Ochra.
Ocher, Ockergelb, sind Klumpen Erde, welche trocken und schmierig, leicht zu zerreiben, lind anzufühlen, gelb oder Goldgelb von Farben, wird in den Bergwercken bey denen Metallen gefunden.
Sie werden so lange gebrannt, biß sie roth werden, und das heisset rother Ocker.
Es wird auch ein Ocker von Bley gemacht, welcher so lange gebrannt wird, biß er gelbe wird. Beyde werden zur Mahlerey gebraucht. So wird auch aus Engelland ein Ocker zu uns gebracht, das heist Englisch braunroth. Auch wird noch eine Sorte geliefert, die ist der vorigen nur darinn unterschieden, daß sie viel dunckeler ist, wird zu Polierung der Spiegel-Gläser gebraucht.
Aeusserlich trocknen sie, und halten an.
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p. 109
Röthel-Stein.
Rubrica montana, Terra Synopica, ist eine Art rother Erde, die sich in Stein-Brüchen findet. Es giebet ihrer allerhand Sorten, einige sind nur einfärbig, andere aber gefleckt. Einige derselben sehen Aschenfarbig, und sind wie fettig, andere hart und trocken. Die Handwercks-Leute brauchen sie zum Reissen, ingleichen auch die Mahler, Kupfferstiche nachzuzeichnen.
Sie dienen die Wunden zu reinigen und auszutrocknen, wenn sie darauf gelegt werden. Sie werden auch unter die Pflaster und Salben vermischet, sind aber wenig gebräuchlich. Terra Synopica heist sie, dieweil sie vor Zeiten in der Stadt Synope verkaufft wurde.
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pp. 126–128
Spieß-Glas.
Antimonium sive stibium, ist ein Mineral, so einem Metall gar nahe kömmt, es ist schwer, gläntzend und stehet wie Crystallen oder Nadeln und Spießlein anbey gar schwarz. Es findet sich in den Ertz-Gruben in Ungarn, Siebenbürgen, Stollberg am Hartz, am Fichtel-Berge. Es wird in Stücken ausgegraben, welche bald mit viel, bald mit wenig harten Stein, oder Quartz vermenget sind. Doch ziehen viele das Spieß-Glas-Ertz, Mineram Antimonii, dem gereinigten vor.
Wenn das Spieß-Glas soll gereiniget werden, so wird es in Töpffe oder Tiegel gethan, und in Feuer geschmolzen, hernach lassen sie es durch ein Instrument, gleich einen Schaum-Löffel, in anderr Töpffe lauffen, damit der Quartz davon komme. Ist es kalt worden, so zerschlagen sie die Töpffe, und senden es uns in solchen Stücken, und dessen bedienen wir uns, wiewohl es unrecht Antimonium crudum benennet wird.
In der Medicin hat es einen solchen Nutzen, daß man gar gerne davon ein ganzes Buch schreiben könnte. Eins zu gedencken, so werden aus dem Antimonio die bekannten
Vomir-Becher
verfertiget, welche also bereitet werden. Man nehme im Julio, wenn die Sonne in den Löwen tritt, & Antimonium, reibe es zu Pulver, und thue es in einen irrdenen Topff oder Schüssel, welche über glüende Kohlen gestellet und mit einem Eisen stets umgerühret wird, biß das Antimonium zu einer Asche wird. Dieses geschiehet zwar sogleich nicht, massen es im Anfange, in der ersten Brennung, in kleine Körnlein zusammen laufft, denn wird es vom Feuer gethan, wieder zerrieben, und denn noch einmahl darüber gesetzt und gerühret, so lange biß nichts mehr zusammen läufft, auch nicht mehr rauche, sondern eine blosse weisse Asche überbleibet.
Obbesagte Asche nun wird in einen Schmelz-Tiegel gethan, und in einen Wind-Ofen gesetzte und denn geschmolzen, so wird daraus ein pur rothes Glas, darein kan man andere gebrannte irrdene warm gemachte Becherlein tuncken, und mit diesem Glas schön verglasen; Nachmahls thue man in solches Becherlein 2. oder 3. Löffel voll Weins, lasse ihn eine Nacht darinne stehen und zugedecktet, des Morgens trinckt mann diesen Wein, der thut überaus gut, die überflüßige Galle durch Vomiren abzuführen.
Hilfft in anhebenden Seiten-Stechen, verunreinigten Magen, Bitterkeit des Mundes, Unpäßlichkeit nach grossen Zorn, Eckel des Magens, an bebenden Fieber und dergleichen mehr. Oder: Wenn man das Vitrum warm auf einen platten warmen Stein, so vorher mit Unschlitt bestrichen, geust, eines 2. Groschenstücks groß abbricht, und in ein Glas leget, Wein darüber geust, wie obige Dosis, so thut es eben diese Würckung.
Mehr von Antimonio findet man in libris Chymicis & Medicis.
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pp. 139–140
Ultramarin.
Ist eine schöne blaue Farbe, wegen ihrer mühsamen Zubereitung aber sehr kostbar. Wird vom Lasur-Stein gemacht, welcher auch Ultramarin genennet wird; Da man denn nicht wißen kan, was den Nahmen anlanget, ob sie vielleicht deßwegen Ultramarin genennet wird, weil sie, so zu reden, über dem Meer, jenseit als in der Insul Cyprus erfunden seyn soll, oder, welches eher zuvermuthen, daß sie der Farbe nach, viel blauer, als das Meer scheinet.
Diejenigee, welche hoch an der Farbe, wohl gestossen und præparirt ist die beste, welches man daran sehen kan, wenn man etwas davon unter die Zähne genommen, ist sie denn sehr sandig und knirschet, so ist sie nicht so gut, als die welche sich unter den Zähnen wie Meel tractiren läßt.
Das Feuer giebt die beste Probe, massen wenn man etwas davon ins Feuer bringet, und der Ultramarin behält seine schöne Farbe, so ist es ein Zeichen, daß es unvergleichlich, und dieser Ultramarin wird aus dem Orientalischen Lasur verfertiget, welcher deswegen auch Fixus genennet wird. Der Occidentalische Lasur hingegen, und das daraus præparirte Ultramarin im Feuer ab, und behält nur eine grüne Farbe, weswegen obbesagter Lasur, auch non fixus genennet wird.
Ultramarin zu machen.
Man nehme feine Silber-Blätter und weissen starcken Eßig, jedes 1. Qventchen, Salpeter, Bley-Glette, und Lasur-Stein, jedes 1. Loth, thue dieses zusammen in ein rein leinen Tüchlein, und hänge es in ein irrden Geschirr, dieses Geschirr soll nachmahls in warmen Roß-Mist gegraben werden, doch muß man das Geschirr wohl zudecken, da mit es seine krafft zusammen behalte, laß es 30 Tage also in dem warmen Miste stehen, so findest du nach Verfliessung solcher Zeit, eine schöne Himemel-blaue Farbe.
Man hat auch noch andere unterschiedene Handgriffe, eine Farbe, trotz dem Ultramarin, zu verfertigen, ob sie gleich nicht so theuer. Sie nehmen silberne Blechlein, machen sie voller Löcherchen, bestreichen sie nachmahls wohl mit Qvecksilber. Diese Blechlein werden nachmahls in ein Gefäß voll Wein-Eßig geleget, worinne Salmiac zergangen, lutiren alsdenn den Topff wohlzu, und vergraben ihn in warmen Roß-Mist, wenn es denn 20. Tage gestanden, so sehen sie darnach, schaben die blaue Farbe ab, lassen sie wohl trocknen und heben sie auf.
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pp. 140–142
Vitriolum.
Vitriol, Kupffer-Wasser, ist ein mineralisches Salz und unterschiedener Arten, wird in Bergwercken, auch wohl hierzu dienlichen Brunnen bereitet, und in großen Stücken zu uns gebracht, in der Lufft zerfället es und wird gelbe. Er ist wunderbahrer Natur, natürlich oder durch Kunst bereitet. Das natürliche ist unterschieden, als der Ungarische, Goßlarishe &c. welcher gegraben wird, und zwar an solchen Orthen, wo Eisen- oder Kupffer-Minen.
Es giebt vier Haupt-Sorten des Vitriols, weissen, grünen, blauen und rothen.
Der weisse Vitriol, Vitriolum album, wird aus dem Brunnen-Wasser, welches abzudämpffen ist bereitet, ist der gelindeste.
Des grünen Vitriols gibts vielerley Sorten, Teutschen, Englischen und Römischen. Der Teutsche ist in blaugrünlichten Crystallen, die einen anziehenden, scharffen Geschmack haben, wird zu Bereitung des Scheide-Wassers gebraucht.
Der Englische Vitriol ist in braun-grünen Crystallen, und hat einen linden anziehenden Geschmack, fast wie der weisse.
Der Römische Vitriol ist in ziemlich grossen Stücken, welche schier so grün, als wie der Englische anzusehen, gelind, eines anziehenden Geschmacks, hat etwas von Eisen-Art an sich. Welcher sauber ist, den soll man nehmen.
Alle drey Arten des grünen Vitriols werden äusserlich zu Blutstillung gebraucht, es wird daraus das Sympathetische Pulver bereitet, wie auch zu Dinte und schwarz färben.
Der blaue Vitriol, teutsch, Cyprischer und Hungarischer Vitriol genannt, weil er aus diesen Landen zu uns geführet wird.
Der rothe Vitriol, sonst Colcothar, ist ein Vitriol, der entweder von Natur in der Grube, durch das unterirdische Feuer, oder aber künstlicher Weise im gemeinen Feuer ist calciniret worden.
Der von Natur in der Grube calcinirte Vitriol wird Chalcitis genannt. Er ist ein röthlicher brauner Stein, wird zu uns aus Schweden, wie auch Teutschland gebracht.
Der im Feuer calcinirte Colcothar siehet insgemein gar schön roth: Der beste ist, der nach der Destillation des Vitriol-Spiritus und Oels in der Retorte zurück bleibet. Beyde führen viel Saltz, und eine metallische Erde.
Etliche Alchymisten meynen, Vitriolum sey ein Geheimniß-volles Wort, und daß die Buchstaben, daraus es bestünde, die Anfangs-Buchstaben nachfolgender Worte wären: Visitabis Interiora Terræ, Rectificando Invenies Optimum Lapidem Veram Medicinam.
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pp. 144–145
Wismuth.
Bismuthum, ist ein hart metallisches Wesen, dem Zinn sehr gleich, allein hart und gar brüchig, inwendig blinckend und rauten Weise angelegt, hellgläntzend und schimmernd, als wie kleine Spiegel. Es wird aus einer Art groben und unreinen Zinnes bereitet, welches in Engelland in den Ertz-Gruben gefunden wird. Er raucht im Feuer gerne hinweg, so, daß wenig zurück bleibt.
Der Wismuth heiler und trocknet aus, wenn es zerrieben, und unter ein Sälblein oder Pflaster geinischet, aufgeleget wird.
Zaffera.
Saffra, ist ein blaulichter mineralischer Stein, mit welchem sie dem Glase und sogenannten gemeinen Porcellain die blaue Farbe geben, weswegen die Holländer, ihn aufzusuchen, sich keine Mühe verdriessen lassen, und alsdenn weiter in andere mit der schicken. Der Farbe nach kömmt er mit dem Sappher überein, von dem er auch seinen Nahmen haben soll.
Einige wollen auch behaupten, daß der Zaffera aus dem Cobalt gemacht werden soll, welches wir dahin gestellet seyn lassen. Dieses ist hingegen gewiß, daß obbemeldte Farbe in zweyerley Sortens, als die feine und geringe, eingetheilet werde. Die feine ist gantz, und wird in Stücken zu uns gebracht; Die geringe hingegen ist schon zu Pulver gestossen, und ohne Zweifel, daß sie die Schwere bekomme, mit mehrern Sande vermenget.
Mit der Zaffera hat zum Glasmahlen
Die Magnesia
fast gleichen Nutzen, welche ein schwärzlich Ertz, dem Kupfer nicht ungleich, doch hierinnen differiret, daß sie viel mürber, und mit kleinen Strichlein anzusehen ist. Man bringet sie in unterschiedener Grösse von Piemont, in zweyerley Sorten, deren eine graue, so sehr rar, die andere hingegen schwärtzlicht, oder Magnet-Farbe anzusehen ist. Ihre Güte wird erkannt, wenn sie schöne zart und gläntzend, darnebenst nichts steinigtes bey sich führet. Wovon ein mehrers zu lesen unter dem Titul: Braunstein.
Wieder auf die Zafferam zu kommen, wie sie bereitet werde, so setze sie 8. oder 10. Stunden lang in starckes Feuer, lösche sie nachmahls in Urine ab, so ist sie fertig. Es thut ein wenig von diesem Pulver grosse Würckung.
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p. 146
Zinnober.
Cinnabaris, ist eine mineralische Materie, hart und dichte, schwer und gläntzend, wie Crystallen, und röthlicht: Bestehet aus Schwefel und Quecksilber, welche auf das allergenaueste verbunden und vereiniget, und durch des Feuers Macht ist sublimiret worden.
Es giebet zweyerley Zinnober, einen natürlichen/ Cinnabaris nativa sive mineralis, gewachsenen Zinnober, und einen durch Kunst bereiteten, schlechtweg Cinnabaris, oder mit dem Beysatz, factitia. Der natürliche wird gantz und gar vollkommen bereitet in den Quecksilber-Schächten, wie rothe, schwere und gläntzende Steine, in Spanien, Hungarn, Franckreich, &c. Der gemachte Zinnober wird auffolgende Art bereitet: Man nehme gemein Quecksilber 1. Pfund, gemeinen Schwefel 8. Loth, gefeilet Eisen 4. Loth. Diese reibe wohl unter einander, sublimire sie zusammen, giebt einen schönen Zinnober. Man braucht ihn zur Mahlerey in Oel- und Wasser-Farben.
