Herrmann 1792
Johann Christian Herrmann, Allgemeiner Contorist welcher von allen und jeden Gegenständen der Handlung aller in und außer Europa belegenen Handelsplätze die neuesten und zuverlässigsten Nachrichten ertheilet; theils nach bewährten Quellen, theils auch, und insonderheit, nach eigener Erfahrung und Correpsondenz etworfen und in alphabetische Ordnung gebracht IV, Leipzig [Schwickertscher Verlag] 1792.
Prag.
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pp. 134–135
Im Mineralreiche zeigt sich die Natur in Böhmen vorzüglich freigebig. Das Land besitzt eine außerordentliche Menge von allerlei Bergproducten, von welchen ich nur einige der wichtigsten anführen will.
a) Allerhand Farbenerde trifft man in Menge an. Im weißen Berge bei Prag wird Trippel, rother und weißer Bolus gegraben. Bei Caaden im Saazer Kreise bricht schöne grüne Farbenerde und bei Liboriz und Falkenburg rother Bolus. Bei Caaden bricht Porzellanerde, wie auch noch an einigen andern Orten. Kreide ist an mehreren Orten zu finden, und Kalksteine in größter Menge.
b) Schöne Marmorarten finden sich an verschiedenen Orten, z. B. weißer im Königgräzer Kreise; von mehreren Farben bei Czestin, Kostel und Sternberg im Kaurzimer Kreise; die vorzüglichsten unter den hiesigen Marmorarten sind im Berauner Kreise. Fraueneis, Gips und Alabaster brechen an vielen Stellen; aus Gips werden viele Abdrücke gemacht und außer Landes verkauft. Speck- und Serpentinsteine trifft man in verschiedenen Bergwerken an, besonders im Königgräzer Kreise.
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i) Kobaltwerke sind zu Joachimsthal, Aberdam, Platten, Gottesgab und Schönsicht, im Saazer Kreise, wo jährlich gegen 10,000 Centner Kobalt gewonnen werden. Er wird theils roh, besonders nach Sachsen abgesetzt, theils zu Smalte oder sogenannter blauer Farbe verarbeitet. Die böhmische Smalte kommt der sächsischen nicht gleich, welche letztere im Handel viel beliebter ist; es mangelt den böhmischen Bergleuten an Wissenschaft, die Waare so ordentlich zu sortiren, wie es die Sachsen recht gut verstehen. In den böhmischen Kobaltgruben brechen auch Arsenikerze.
