Lehmann 1761/I
Johann Gottlob Lehmann, Cadmiologia, oder Geschichte des Farben-Kobolds nach seinem Nahmen, Arten, Lagerstätten, darbey brechenden Metallen, Mineralien, Erzten und Steinen, wie auch dessen Verhältniß nach der Probier-Kunst, dessen Gebrauch und andern dabey vorfallenden Umständen; Nebst Beschreibung derer darzu gehörigen Oefen, maschinen und Arbeiten… I, Königsberg [Ludwig Woltersdorfs Wittwe] 1761.
pp. 53–71
Vierter Abschnitt.
Von dem mechanischen Gebrauch des Kobolds
auf Blaufarb-Werken.
Wir haben in dem ersten Abschnitte schon erwehnet, wie wenig unsre Vorfahren dieses Mineral zu nutzen gewust haben, ja wie verachtet es sogar bey denenselben gewesen, und wie kurze Zeit es allererst her ist, daß man in Deutschland das Blaue-Glas, und aus demselben die Blaue Schmalte gemacht habe. Man hat lange Zeit diese Sache geheim zu halten gesucht, um so mehr, da die Besitzer derer Sächsischen Blauenfarb-Werke, als beynahe die ersten in ganz Europa, ansehnliche Vortheile aus diesen Fabriquen zogen, welches um soviel weniger zu verwundern war, da im Anfange die Holzungen noch nicht sogar dünne gemacht, folglich sowohl Pottasche als Brennholz um leidlichen Preiß gegeben wurde, und auch andre pretia rerum noch nicht so hoch gesetzet waren; ein Umstand, der würklich bey Errichtung aller Fabriquen wohl in Betrachtung zu ziehen ist. Es wäre unnöthig gewesen, daß man eine solche Sache als ein Geheimniß angesehen hätte, wenn man überleget, daß ein jeder, der da Kobolde hat, auch blaues Glas, und folglich auch Blauefarbe würde machen können, und daß in Ermangelung dererselben, doch niemand dergleichen nachmachen könne. Indessen geschahe es doch, und Kunckel steckte besonders in seiner arte Vitriaria zuerst der Welt ein großes Licht an; obgleich derselbe bloß von Bereitung des Safflors etwas sagte. Endlich hat man zwar von verschiedenen Schriftstellern einige Nachrichten von Bereitung der Blauenschmalte erhalben, aber doch entweder sehr kurz, oder auch sehr fehlerhaft. Rösler im Bergbau-Spiegel expediret sich sehr kurz, und sehr allgemein. Nachher ist zwar in der Obersächsischen Berg-Academie diese Sache etwas weitläuftiger durchgegangen worden, es würde aber doch noch immer etwas schwehr halten, so genau auch diese Beschreibung in allen mit der Wahrheit überein kommt, sich eine vollständige Idee von allen dahin gehörigen Oefen, Maschinen, Bearbeitungen &c. zu machen. Der berühmte Herr Hofrath Geßner hat soviel die geringe Anzahl derer Blätter erlaubet, auch einen kurzen Bericht von denen da hinein schlagenden Sachen und Arbeiten gegeben. Ich zweifle daher nicht, es werde einem und dem andern nicht unangenehm seyn, eine nähere Nachricht alhier von dergleichen Fabriquen zu sehen, und solche mit denen nöthigsten Kupfern erläutert zu finden.
Wir wollen also, um ordentlich in der Sache zu verfahren, die sämtlichen dabey vorfallenden Arbeiten in drey Klassen eintheilen, als:
1) Arbeiten, welche mit dem rohen Kobolde vorgenommen werden, bis zum Gemenge machen.
2) Arbeiten, so zu dem Schmelzen gehören.
3) Arbeiten, die zu der Aufbereitung der Farbe und Eschel selbst gehören,
(die Kobolde)
Was nun also 1) die Arbeiten anlangt, welche mit dem rohen Kobold vorgenommen werden, bis zu dem Gemenge machen, so gehet es damit folgender Gestalt zu. Nachdem die Kobolde aus der Grube und über die Hängebank zu Tage ausgefördert worden, so werden solche vorerst geschieden, das ist, es wird alles so reine, wie möglich davon geschlagen, was nicht Kobold ist. Hierbey scheidet man besonders diejenigen Kobolde, welche viel Wißmuth halten von denen andern. Die andern Kobolde, welche wenig oder gar keinen Wißmuth halten, werden, im Fall sie derb sind, in mäßigen Stücken, wie grosse Wallnüsse, zerstufet; was aber nicht derb und reine ist, wird in einen trocknen Pochwerk gepochet, und über das Sieb gesetzet. Was Siebsetzen sey, ist bekannt genug, da man nemlich das gepochte Erzt in ein drähtern Sieb stürzet, welches man öfters in einen grossen Kübel voll Wasser tauchet, welches das Setzfaß genennet wird; hierdurch scheidet sich der Kobold als das schwerere von dem leichtern, nehmlich dem Bergen, und wird dadurch reine, darauf denn dasselbe Koboldkleines, genennet wird. Der Wismuthische Kobold aber wird erstlich von dem meisten bey sich führenden Wißmuth gereiniget, und zwar auf die Art, wie es in der obangeführten Obersächsischen Berg-Academie beschrieben ist, daß man nemlich einen Platz, wo ein fester Boden ist, 9. bis 12. Ellen lang ins gevierte vor sich nimmt, hierauf ein paar ziemlich starke Stangen und auf solche alsdann dünne gespaltnes Holz neben einander leget, darauf die Wißmuth-Erzte stürzet, doch so, daß sie nicht dichte auf, sondern nur neben einander zu liegen kommen, worauf denn dieser Heerd angestecket wird. Der Wind treibet sodann das Feuer immer fort, und da man immer dünne gespaltenes Holz nachwirft, so gibt dieses die gehdrige Hitze um den Wißmuth, welcher ohnedem leichte fliesset aus seinem Erzte zu schmelzen. Wenn dieses geschehen, so werden die ausgesogenen Stufen, welche wenig Wißmuth alsdann mehr halten, weggenommen, die ausgebrennte Asche in einem Bergtroge gegen den Wind geschwenket, da denn der Wißmuth alleine liegen bleibet. Es ist nicht zu fürchten, daß durch dieses Feuer etwas von dem speisigen Wesen des Kobolds mit flüssen werde, als welches eine viel stärkere Hitze erfordert. Indessen geschiehet es gleichwohl, daß etwas von den kleinen Kobold-Stufen mit darunter kommet, welches aber, wenn der Wißmuth zusammen geschmolzen wird, sich oben aufsetzet, weil bekannter massen Wißmuth und Kobold sich nicht im Fluß mit einander vereinigen können, da, wie oben erwehnet, der Kobold schwehrer als der Wißmuth flüsset. Diese oben aufschwimmende Kobold-Graupen werden alsdann mit andern Kobolde vermischt, und zur Schmalte gebrauchet. Nachdem man nun also derben Kobold, Wißmuth-Graupen und Koboldkleines, jedes besonders hat, so gehet es an ein probiren, dieses probiren ist nun desto nöthiger: 1) Weil die Kobolde selbst von so verschiedener Güte sind, indem einige derselben vielen Sand, andere wenig vertragen. 2) Hiernachst einige an und vor sich ein hohes und schönes Blau geben, andre aber an Farbwesen arm, einige strengflüssig, andre leichtflüßig sind. In allen diesen Fällen muß alsdann eine Sorte der andern durch den Ofen helfen, eines des andern Fluß befördern, oder seine Farbe mit erhöhen, darum ist billig, eine jede Sorte erst vor sich allein zu probiren. 3) Ist dieses probiren unumgänglich nöthig, damit man wisse, wie viel man zu einem Gemenge, Kobold, Kleines &c. setzen müsse, um die Höhe und Lieblichkeit der Farbe in das Gemenge zu bringen. Wenn man seine Kobolde schon lange kennet, so kan man dieses mit wenig Proben wissen, bey ganz neuen Anbrüchen aber gehöret grosse Accuratesse darzu. Hier ist nun also der Hauptvortheil, auf den es bey dem Gemengemachen in der Folge ankommt. Es kan auch hier nicht wohl eingewendet werden, es gienge dem Kobold ja doch in den darauf folgenden Rösten vieles ab; denn es verstehet sich, daß man auch bey der kleinen Probe seiner Kobolde gehörig rösten werde, und kan das Farbwesen auch nicht in denselben zerstöhret werden; es wäre denn, daß man die Hitze so stark gäbe, daß der Kobold, zumal wenn er sehr speisig zusammen schmelzte, welches aber schon den Grad des Calcinir-Feuers überschritte. Doch wir werden in dem folgenden Abschnitte die verschiedenen Methoden weisen, wie man allenfalls Kobolde probiren soll, und wir werden im zweyten Theile noch ein mehreres, bey verschiedenen Gelegenheiten, davon anführen.
Wenn man nun also seine Kobolde durch die Proben hat kennen lernen, so werden solche trocken gepocht, durch einen Durchwurf geworfen, damit das gröbere zurück bleibe, welches noch ferner kleine zu pochen ist; dieses Pochen ist eine schlechte und ungesunde Arbeit, indem der davon fliegende zarte Staub die Pucher an ihrer Gesundheit, wie leicht zu erachten, sehr angreifet, besonders, wenn besagte Kobolde sehr arsenicalisch sind.
(Calcinir-Ofen, Pottasche)
Nun kommt der gepochte Kobold in den Calcinir-Ofen. Ich muß dessen Bau ein wenig beschreiben, wie ihn die Tab. 2. vorstellet. Fig. 1. stellet solchen vollkommen vor, so wie er von forne anzusehen. a) Ist der Heerd, welcher 7. Fuß lang, und eben so viel breit ist. b) Ist ein Schorstein, welcher über dem Schürloche hinaus gehet. c) Ist ein Hülfshacken, in welchen, wenn der Kobold aufgebrochen oder gerühret wird, die Krücken und Rührhacken gehänget werden, damit der Arbeiter desto gewisser und leichter solche regieren könne. d) Ist das Schürloch, durch welches der Kobold eingeleget wird, 3. Fuß weit und eben so hoch. e) Ist das Feuer-Schürloch, durch welches das Holz eingeleget wird. Fig. 2. stellet den Heerd desselben für: a) Ist der Heerd aus gebacknen Steinen. b) Ist ein Loch, 1. Fuß lang und 1. Fuß breit, durch welches das Feuer von unten herauf spielet, womit der Kobold calcinirt wird. c) Ist ein Loch 1. Fuß lang und eben so viel breit, wodurch der calcinirte Kobold heraus gekrücket wird. Bey d) gehet der Gift-Fang heraus. e) Ist die Hintermauer des Ofens. So wie nun der Ofen der Länge nach gestellet ist, so ist rechter Hand unter dem Ofen, gerade dem Loche, b) Tab. 2. Fig. 2. gegen über; auswärts das Schürloch, f) durch welches das Feuer angemacht, und vermittelst nachgesteckten Holzes unterhalten wird. Dieses Feuer-Behältniß stellet ein Gewölbe vor, welches 7. Fuß lang und 3. Fuß weit und eben so viel hoch ist. Man leget dieses Ofenloch deswegen gerne von aussen an, damit die äussere Luft die Gluth beständig nach dem Loche b) folglich durch solches auf die Kobolde führe, so wie gegentheils das Schürloch derer Kobolde, gerade dem Anfange des Giftsanges d) entgegen stehet, damit die in den Ofen herein gehende Luft, den Arsenick mit Gewalt nach dem Gift fange treibe. Tab. III. stellet den ganzen Ofen mit samt dem Giftfange vor, und zwar seinem äusserlichen Ansehen nach, da denn a) das unterste Ofenloch, in welches das Feuer gemacht wird. b) Den Ofen selbst, welcher vom Kobold-Heerde an 3. Fuß hoch seyn kan. c) Den Giftfang. d) Einen kleinen Fang zu Ende des Giftfanges, um den Zug des Arsenicks zu befördern, vorstellet. e) Zeiget mit surden Linien den Ort, durch welchen der Arsenick in den Giftfang aus dem Calcinir-Ofen ziehet. Der Giftfang wird also ganz harte an die Hinterwand des Calcinie-Ofens an geschlossen, und 8. Fuß hoch und 4. bis 5. weit, von Steinen gemauert, das mit er von der grossen Hitze nicht schaden nehme. Dieses Mauerwerk gehet an die 100. Fuß fort, alsdann wird solcher bloß von Holz 6. Fuß hoch und 4. Fuß weit gemacht, so, daß er in allen an die 250. bis 300. Fuß lang wird. Jedoch wird solcher nicht gerne in einem Stücke gerade ausgeführet, sondern er wendet sich mit verschiedenen Ecken, und dieses darum, damit der Giftrauch sich desto mehr stossen, und eher anlegen möge; denn, gienge er gerade aus, so würde die zum Kobold Schürloche eindringende Luft, einen großen Theil des Arsenicks zu dem Fange d) Tab. III. hinaus führen, welches der umliegenden Gegend gefährlich und zum Verlust an Arsenick gereichen wurde. Es sey also der Giftfang von den Ofen an, bis an die erste Ecke, *) 50. Fuß, von da bis an die andre Ecke, ○) wieder 50. Fuß, dieses ist alles Mauerwerk. Hierauf kan man, wenn es die Länge des Ortes zulässet, von 50. zu 50. oder 100. Füßen eine Ecke anbringen, bis 250. oder 300. Fuß heraus kommen. Doch kan man auch, nach Belieben, etwas länger oder kürzere Seiten anbringen. Hier und da sind kleine Thürgen f. angebracht, welche während der Calcination verschlossen werden können und müssen, und durch welche man das Giftmehl ausraumen kan. Ich muß hierbey erinnern, daß bey dem Giftfange der gebrauchte Maaßstab nicht adhibirt worden, weil sonst der Riß zu groß geworden wäre. Wenn nun der Ofen auf vorbeschriebene Art angeleget ist, und der Heerd gehörig durchhitzet, auch der ganze Ofen vollkommen glühend ist, so wird der Kobold hinein geworfen, doch so, daß er nicht dichte auf einander zu liegen komme, damit ihn die Gluth gehörig und egal durchgehen könne. In diesem heftigen Reverberier-Feuer bleibt er, nachdem er sehr arsenicalisch 4. 6. 8. Stunden. Gemeiniglich läst man ihn wenigstens 2. Stunden ungestört liegen, ehe man ihn aufbricht, das ist, ehe man ihn das erste mal rühret. Dieses rühren geschiehet vermittelst einer wohl abgewärmten eisernen Krücke, und zwar deswegen, damit der unten liegende Kobold in die Hohe komme, und von dem darauf spielenden Feuer gehörig calciniet werde. Die Krucke muß wohl abgewärmet seyn, sonsten, wenn man mit dem kalten Eisen hinein fähret, geschiehet es nicht selten, daß der darauf liegende Arsenick aufstehet, und alsdann siehet es gefährlich vor den Schürer aus. Ich habe schon eher gesehen, daß bey dergleichen paßirten Nachläßigkeit dem Schürer sogleich das Blut zum Maul und Nase heraus gedrungen, und es ein Glück gewesen, daß er nicht gar gestorben; hernach fähret man mit diesen Aufbrechen von halben Stunden zu halben Stunden fort, bis man gewahr wird, daß der Arsenick-Dampf nicht mehr so starck gehet. Hierauf wird der Kobold nach dem Loche c) Tab. II. Fig. 2. hervor gekrückt, durch welches er, weil es schief ☽) abgehet, heraus fällt, und der Arsenick, der etwa noch darauf lieget, an der freyen Luft vollends verflieget, indessen daß der Kobold auskühlet. Man merket gleich, auch ohne vorhergegangene kleinere Probe, ob der Kobold sehr arsenicalisch, wenn man ihn im Calcinir-Ofen wirft, denn in solchem Falle fängt er gleich entsetziglich zu dampfen an. Wenn nun der Kobold also calcinirt und ausgekühlet ist, wird er nochmals durch ein enges Drathsieb gesiebet, die gröbern im Siebe bleibenden Graupen aber nochmals gepocht. Diese Gräupel entstehen hauptsächlich, wenn der Wismuth, nicht reine ausgefängert ist, da denn derselbe in dem Feuer zusammen schmelzet. Und auf diese Art wäre der Kobold bis zum Gemenge machen und verschmelzen fertig. Allein, gleichwie zur Blauen-Schmalte, ausser dem Kobold, auch Pottasche und Sand gehöret, als müssen wir auch hiervon etwas erwehnen. Was Pottasche sey, und wie sie bereitet werde, ist aller Welt bekannt, und hat Kunkel in seiner Glasmacher Kunst weitläuftig davon gehandelt. Daher wollen wir nur soviel davon anführen, daß man sich bemühen müsse, solche so rein als wie möglich zu schaffen. Die Pottaschen-Brenner wissen besonders künstlich mit der Pottasche, Sand und Kalk zu vermischen. Beydes ist betrüglich und schädlich; ersteres betrüget bey der Machung des Gemenges, indem man alsdenn nicht so viel Sand zusetzen kan, und doch den beygemischten Sand vor Pottasche hat bezahlen müssen. Letzteres, der Kalk, ist eben so schädlich, denn er benimmt der Pottasche viele Kraft, gibt viele Glasgalle, und schläget bey dem Ausschöpfen um sich herum. Beyde Betrügereyen erkennet man, wenn man etwas Pottasche nimmt, solche in Wasser ganz auflöset und filtriret, da man denn in dem Filtrirpappiere den Kalk, ober Sand findet. Hat man nun aus dem ganzen Fasse oben, in der Mitte, und unten eine Probe heraus genommen; solche gemischt, verjüngt und gewogen, so kan man hernach ziemlich genau bestimmen, wieviel Kalk oder Sand unter einem Centner Pottasche sey.

Was den Sand anlanget, so ist kein besserer als Kiesel-Steine und Qvarz-Drusen. Es müssen aber solche rein und ohne allen Spath, auch nicht eisenschüßig seyn. Letzteres erkennet man, wenn man sie glühet, und sie werden gelbröthlich, so ist es ein Zeichen, daß sie eisenschüßig, fölglich untauglich sind. Wenn sie aber rein sind, so werden sie im Calcinir-Ofen scharf calcinirt, naß gepocht, damit wenn ja noch etwas sehr weniges Unreines dabey, solches mit der Trübe davon laufe, das Gute aber zurück bleibe. Hierauf wird dieser zart gepochte Sand ausgeschlagen, in, einen Calcinir-Ofen geworfen, scharf durchgeglühet, gesiebet, und zum Gebrauch verwahret. Es lieget an dem Sande fast das meiste mit, denn, ist er eisenschüßig, so fällt die Farbe tumm. Ist er mit Spath vermenget, so frist er viel Pottasche, und giebt viel Glasgalle, die Sande aber selbst bleiben als weisse, zarte Stäubgen in dem Glase zum Theil sitzen, und machen eine schlechte Farbe. Ist er thonartig, so flüßt er noch weniger, und alsdann ist die Farbe die schlechteste von der Welt. Wenn nun also alles gehörig vorgerichtet ist, so schreitet man
(Schmelz-Ofen)
2) Zum Schmelzen selbst. Hierzu werden man dreyerley Ofens erfordert, als 1) der Schmelz-Ofen selbst. 2) Der Temper-Ofen. 3) Der Darr-Ofen. Was den ersten Ofen, nehmlich den Schmelz-Ofen anlangt; so zeiget dessen ganze Gestalt Tab. IV. Er siehet einen gemeinen Glass-Ofen größtentheils gleich. Die Structur desselben ist folgende, wenn solcher, wie am gewöhnlichsten, zu 6. Häfens eingerichtet werden soll. Erstlich wird darauf gesehen, daß unten ein fester, trockner Boden sey, dieser wird 12. Fuß lang und 11. Fuß breit eben gemacht. Hierauf wird ein Abzug übers Kreutz, wie Tab. V. Fig. 1. zeiget, von festen Steinen gemauert, 1. Fuß tief und 1. Fuß breit. Diese 4. Abzüge müssen jeder auf seiner Seite, aus den Mittelpunct abschußig liegen, damit kein Wasser darinnen stehen bleiben könne. Oben werden diese Abzüge mit festen, breiten Steinen zugedecket. Wenn diese Canäle fertig, so werden die 4. Quartiere, a. b. c. d. welche zwischen diesen Canälen liegen, mit guten festen Steinen ausgesetzet und feste gemauert, so daß der ganze Umfang eine Wasserrechte Ebne vorstelle. Auf dieser Ebne wird hernach recht mitten, der Länge des Ofens nach 2. und ein halben Fuß weit, 2. Fuß hoch, unter dem ganzen Ofen der Länge nach weg, das Aschenloch angeleget, wie solches Tab. VI. c) im Grundriß zu sehen. Wenn dieses Aschenloch die Hohe von 2. Fuß mit seinen Seitenmauern erreichet hat, so wird es mit einen flachen Gewölbe gedeckt, und zwar von beyden Seiten, ohngefehr von 4. und ein halben Fuß lang, die übrigen 3. Fuß bleiben offen. Alsdann wird Tab. V. Fig. 2. der Heerd zum Schurloche gemacht, und über den ofnen Felde, Tab. V. Fig. 2.Tab. VI. d. e. zugleich der Rost *) von festen Manersteinen gesetzet, auf diesen Heerd kommt nachgehends das Feuer zu liegen. Der Rost und dieser Heerd missen von gleicher Hohe seyn. Auf diesen Heerde werden die Seitenmauren 1. und ein halben Fuß hoch und eben so weit zum Schürloche angelegt, deren eines forne, das andre hinten gegen einander über sind. Die Mauern neben den Roste müssen mit denen Mauern in dem Schürloche oben in einer Gleiche zu stehen kommen, doch daß sie etwas überhängend gemauert werden. Wenn nun also die Mauren in dem Schurloche ihre Höhe erreichet haben, wird oben her, wie in den untersten Gewölbe flach gewölbet, nemlich einen halben Fuß stark. Die Oefnung mitten im Gewölbe bleibt 2. Fuß lang, 1. und einen halben Fuß weit offen. Auf dieses Gewölbe kommt der Heerd, auf welchen die Häfens zu stehen kommen, oder das Gefäße, Tab. V. Fig. 3. 4. und Tab. VI. f. dieser bestehet aus Ziegelsteinen, welche aber sehr gut seyn müssen, am besten, wenn solche von dem Meister selbst aus reinen Leimen, zerstoßnen alten Häfen, und sehr wenig feinen Sande gemacht werden, so, wie andre Backsteine geformt und erst gelinde an der Luft getrocknet, hernach aber tüchtig gebrennt worden. Dieser Heerd muß recht eben seyn, und in der Mitten gehet die Oefnung Tab. VI. g. durch, durch welche das Feuer spielet, welche 2. Fuß lang und 1. und einen halben Fuß weit ist. Auf diesen Heerd werden alsdann die Häfen gesetzet, deren hier Tab. V. Fig. 4. 6. a. b. c. d. e. f. und Tab. VI. dreye h. i. k. angezeiget werden. Wenn nun also das Gesäße Tab. V. Fig. 4. fertig ist, so wird der Kranz, Tab. VI. l. zum Ofen angelegt, dieses ist eine runde Einfassung des Gesäßes, welche wenigstens 1. und einen halben Fuß stark von keilförmigen, aus guten Feuerhaltenden Thon bestehenden Steinen gemacht wird, seine Hohe ist 3. und einen halben Fuß. Ganz unten kommt das Werke loch, Tab. IV. b. dessen Boden gang horizontal mit dem Gesäße seyn muß, die Höhe aber desselben ist 2. Zoll höher und weiter, als die hinein zu sehenden Hafen sind; durch dieses Loch werden die getemperten Häfen ein gesetzet, b. b. b. hingegen sind m. m. m. Tab.VI. und Tab. IV. d. die Schöpf-Locher, durch welche das Gemenge zum Glase eingeleget, und das geschmelzte Glas ausgeschöpfet wird, diese sind 14. Zoll hoch, oben rund, und 7. Zoll weit. Unter diesen Schöpflöchern befinden sich die Stichlöcher, welche 6. Zoll weit und 8. Zoll hoch, und deren unterstes ebenfalls mit dem Gesäße wagerecht seyn muß. c. c. Tab. IV. Wenn nun diese Kranzmauer obbesagte Größe erreichet hat, so werden wiederum die Sohlen zu der Haube n. Tab. VI. und e. Tab. IV. von obbesagten keulförmigen Rinksteinen gelegt, und alsdann ein sehr starker eiserner Reifen, f. Tab. IV. und g. Tab. IV. welcher scharf angezogen werden muß, herum geleget, damit die Hitze den Ofen nicht auseinander treiben könne. Auf diese Sohle wird alsdenn die Haube wie bey andern Glas-Oefen von keilförmigen Steinen 3. Fuß hoch als ein Gewölbe gesetzt, und wohl mit denen, das ganze Gewölbe zusammen haltenden Pfeilern f. Tab. IV. verbunden. Wenn nun auf diese Art der Ofen fertig ist, so wird solcher innwendig, wo die Häfens zu stehen kommen, mit einem guten dem stärksten Feuer widerstehenden luto ausgeschmiert, welches auch auswendig geschehen muß. Nun lässet man den Ofen gehörig austrocknen.



(Temper-Ofen)
Was nun zweytens den Temper-Ofen anlangt, so ist an solchen nichts besonders, sondern er ist eben so gebauet, wie die bey allen Glashütten gewöhnlichen Temper-Ofens.
(Darr-Ofen)
Der dritte, als der Darr-Ofen, wird bloß darzu gebraucht, um das Holz darinnen zu trocknen. Dieser Ofen, welcher gewölbet ist, und 6. Fuß lang, und 6, Fuß weit ist, bekommt seine Hitze von dem Glas-Ofen, an welchen er gebauet; in solchen werden die Scheidholze zum Schüren, nachdem sie gespalten und kleine gemacht, aufgeschichtet, damit sie recht dürre werden; doch muß die Hitze so temperirt seyn, daß es zwar schwarz anlaufe, aber nicht sich entzünde.
(Glas-Häfen)
Nun ist noch übrig die Glas-Häfen selbst zu machen. Hierzu wird ein reiner, von Sand, Qvarz, Spath, und metallischen Theilen, ganz Befreiter Thon erfordert, dieser wird sauber geschlammt, und mit klar gepochten alten Häfen vermischt. Gemeiniglich, nimmt man zu zwey Theilen frischen Thon, ein Theil von alten Häfen. Ich habe gefunden, daß es nicht so gut ist, wenn, wie in der Obersächsischen Berg-Akademie gesagt wird, alte abgesetzte Häfen darzu genommen werden; weil in solchem Falle das noch darinne befindliche Glas leicht in Fluß geräth, ja man hat es auch nicht einmal nöthig, denn es giebt ja bey denen Häfens beständig Abgang, bald zerspringt einer bey dem Trocknen an der Luft, bald reißt einer bey dem Tempern, bald aber geht einer bey dem Ausheben aus dem Temper-Ofen und einsehen in den Glas Ofen entzwey, so, daß man leider öfters schadhafte Häfens genug hat, und daher wohl thut, wenn man lieber einen Hafen zum Ueberfluß mehr tempert, um damit den Platz des entzwey gegangenen ersetzen zu kommen. Wenn nun also die Mischung vom frischen und alten Thone gehörig gemacht, und solcher Thon recht zähe ist, so werden die Häfen folgender Gestalt geschlagen: Erstlich nimmt der Farbmeister, welcher hierbey gemeiniglich die Stelle eines Töpfers vertrit, den angefeuchteten zähen Thon, schlägt solchen tüchtig und derb, und schneidet daraus den Boden, welcher 3. Zoll dicke seyn muß, diesen legt er zum Grunde. Hierauf hat er eine Forme von der Grösse, wie die Häfen seyn sollen, welche aus Faßtauben in einander gefüget, und feste ist, dem Ansehen nach, wie ein Faß ohne Boden 2. Fuß hoch, und oben 2. Fuß weit, inwendig aber hohl; diese Forme setzt er auf den ausgeschnittenen Boden von Thon, und um diese Forme schläget er eine nasse, dichte Leinewand, schneidet alsdann von dem geschlagenen Thone ein grosses Stücke, welches just die Höhe und Weite des zumachenden Hafens giebt, legt solches um die Forme über die darum geschlagene Leinewand, schlägt es feste an, verbindet es mit dem Boden, und verschmiert dessen Fugen, daß es also eine umgekehrte, abgekürzte, conische Figur gibt, verbindet es mit den untern Boden so feste als möglich, läßt es eine Weile stehen, daß es windtrocken wird, ziehet alsdann die Forme samt der Leinewand heraus, und läßt den Hafen ganz trocken werden, und ist der Rand alsdann 2. Zoll stark. Diese Hafen werden alsdann an einem trocknen Orte, damit sie keine Feuchtigkeit anziehen können, bis zum Gebrauch verwahret. Wann dergleichen Häfen gut gemacht sind, so stehen sie wohl ein halbes Jahr gut im Feuer. Nun gehen die Arbeiten zum Schmelzen selbst an.
Wenn nun also alles vorgerichtet ist, so wird der Glas-Ofen einige Tage lang angerwärmet, das ist, man macht Feuer hinein, daß der Ofen nach und nach warm und heiß werde, und endlich den Grad der Gluth erreiche, der zum Glasschmelzen erfordert wird. Man thut wohl, wenn man hierzu 3. bis 4. Tage, ja noch länger Zeit läßt, damit der Ofen nach und nach erglühe, sonst pflegt er leicht Risse zu bekommen. Indessen heißet man auch den Temper- Ofen, welcher in der Hütte, und nahe bey dem Glas-Ofen seyn muß; setzet die Häfen ein, daß sie trocken, heiß und glühend werden. Die Schöpflöcher sind mit eisernen Vorsetzen zugesetzt, deren Gestalt Tab. 4. h. angezeiget wird: Sie sind von geschmiedeten Eisen 1. Zoll stark, und 1. Zoll hoher und breiter als die Schöpflöcher. Der obere Ausschnitt daran ist, daß die Luft hinein spielen könne; das Loch in der Mitten aber, damit man sie mit einen eisernen Haken abheben und wieder vorsetzen könne. Die darunter befindlichen Stichlöcher sind indessen gleichfals zugemauert, das Werkloch aber feste zugesetzet. Wenn nun der Ofen in seiner gehörigen Hitze, und die Häfen sattsam getempert, so wird das Werkloch aufgemacht, die heißen Häfen auf eisernen Stangen hinein gebracht, in Ordnung gestellt, hernach wird dieses Loch vermauert; wobey zu merken, daß ein Hasfen von den andern nur 2. Zoll abstehen darf, doch muß die mittelste Oefnung frey bleiben, damit das Feuer durchspielen kan. Nachdem sie nun in voller Gluth sind, so wird oben zu denen 6. Schöpflöchern, deren jedes just über einen Hafen stehet, das erste Gemenge eingeleget. Besser aber ist, wenn man Sumpfeschel hat, daß man solche das erste mal einlege, damit sich die Häfen innwendig damit verglasen. Was Sumpfeschel sey, werden wir besser unten hören. Da es aber gewiß, daß je länger der Ofen gehet, ie mehr kommt er in die Hitze, so ist nicht zu bestimmen, wie lange man das Glas müsse stehen lassen, ehe man es ausschöpft. Gemeiniglich schöpfet man die ersten 6. bis 8. Tage aller 12. Stunden. Allein, hier ist durchgehends keine Zeit fest zu sehen, sondern der Farbmeister probiret so lange mit dem Rühreisen, bis er siehet, daß das Glas reine geflossen. Denn manche Sande und Kobolde fliessen leichter, andre schwerer. Dasjenige, was nun zum Glasmachen gebraucht wird, heisset zusammen das Gemenge, und bestehet aus Kobold, Pottasche und Sand, Bey Machung des Gemenges kommt es nun darauf an, daß man erstlich wisse, was man vor Kobolde hat, und wie viel sie Sande vertragen, das ist, wie viel man Sand zusehen misse, um ein schönes und liebliches Blau daraus zu erhalten. Es kommt daher darauf an, daß man, wie bey Erztproben, seine Kobolde recht genau kenne, und alle Arten desselben, indem nicht leichte zu hoffen, daß man nur immer einerley haben werde. Es müssen daher die an Farbwesen ärmern Kobolde mit denen reichern gehörig gemischet werden, damit eine Art der andern durch den Ofen helfe. Hierzu kommt über dieses, daß man bey verschiedenen Gelegenheiten, nebst dem Kobolde, auch andre Sachen mit zu dem Gemenge nehmen muß. Z. E. den bey dem Läutern des Wißmuths und Ausgiessen desselben in die eisernen Pfannen, sich oben aussehenden Stein, welcher mit denen Wißmuth Graupen einerley ist; ferner Kobolds Speise, als welche, nachdem sie von reichen Kobolden gefallen, bisweilen einigemal sich wieder mit zusehen läßt, nachdem sie jedesmal vorher gepocht und calcinirt worden. Nichtweniger wird auch das sogenannte Heerdglas wieder mit zugesetzt. Heerdglas ist ein blaues Glas, welches aus dem Heerde des Glas-Ofens genommen wird, und entstehet, wenn die Häfen zu voll geleget, das Gemenge übersteiget, und an denen Hafen herab lauft, da es denn in der Folge ausgestochen, gepocht, und im Schmelzen wieder mit zugesetzt wird. Nach allen diesen Umständen muß sich ein geschickter Farb-Meister richten, und vorher fleißig probieren, damit er wisse, wie viel er von jedem zum Gemenge nehmen und mischen misse, um eine gute Farbe daraus zu machen. Nachdem nun also der Farb-Meister seine Kobolde und Sande kennet, und nachdem er Absichten hat, auf sehr hohe Farben zu arbeiten, darnach macht derselbe sein Gemenge. Es ist daher nicht eben eine unumgänglich nothwendige Sache, daß man, wie in der Obersächsischen Berg-Academie befindlich, von Kobold, Sand, und Pottasche gleiche Theile nehme; denn es hat ofters ein Kobold die Kraft, wohl drey Theile Sand zu hohen schönen Glase zu machen. Kurz, hier kommt alles auf vorhergegangene fleißige und sorgfältige Proben an. Eben so wenig läßt sich auch die Zeit genau bestimmen, wie lange das Gemenge im Feuer stehen müsse, indem dieses von der Leichtflüßigkeit, oder Strenge derer Kobolde und Sande dependirt.
(Farb-Meister)
Wenn nun der Farb-Meister alles dieses genau weiß und kennet, so wäget er von Kobold, und was zu demselben kommen soll, als Speise, Heerdglas, Sumpfeschel, ferner von Sand und Pottasche so viel ab, als er zu einen Gemenge in die 6. Häfen nöthig hat, läßt alles in den bey dem Glas-Ofen stehenden Gemeng-Kasten stürzen, mit Schauffeln wohl und fleißig durch einander mischen, und wenn es sorgfältig gemischt, mit eisernen Eintrage Schaufeln in die glühenden Häfen einlegen. Diese Schaufeln sind von eisernen Blech, wie Kohl-Schaufeln, 1. Fuß lang, 6. Zoll weit, Tab. IX. d) und eben so viel tief, mit einen langen, starken, eisernen Stiel. Mit denenselben wird das Gemenge in die Häfen eingelegt, hierauf die Schöplöcher mit denen eisernen Vorsatzen Tab. IV. h) zugesetzt, und scharf zugefeuert. Wenn man denn siehet, daß das Glas schmelzet, welches bald eher, bald später geschiehet, je nachdem die Kobolde und Sande strenge oder leichtflüßig sind, so wird das Glas in denen Häfen mit starken Rühreisen, welche vorher warm gemacht worden, umgerührt, und damit alle halbe Stunden fortgefahren, bis man aus dem an denen Rühreisen hangen bleibenden Glase gewahr wird, daß es gut geflossen, welches man daran erkennet, wenn das Glas durch und durch gleiche tingirt, und keine weiße Körngen, als Zeichen des noch nicht genug geflossenen Sandes, mehr darinne zu sehen sind. Hierauf wird das Glas mit starken geschmiedeten eisernen Löffeln, Tab. IX. b) welche 8. Zoll in Diameter und 3. Zoll tief sind, ausgefchöpfet, und in ein ganz nahe dabey gestelltes grosses Faß gestürzet. Dieses Faß muß wenigstens 4. Fuß hoch, und eben so viel in Diameter groß seyn, welches voll kalt Wasser, und pflegt so gestellt zu werden, daß beständig kalt Wasser durch eine Röhre in solches zulaufe, um das hinein gestürzte Glas, desto eher abzukühlen. Weil aber besonders bey speisigen Kobolden, in Glasschmelzen viele Speise entstehet, nicht weniger auch öfters sich Glasgalle findet, die beyderseits, wenn sie in das kalte Wasser kommen, mit grossen Knall und Gefahr derer Arbeiter um sich schlagen, so hat man eiserne Pfannen, Tab. IX. c) in welche man, ehe man das Glas in das Wasser wirft, die Speise und Glasgalle aus den Löffel laufen läßt. Ich muß hierbey etwas erinnern: Die Mineralogen behaupten, es vermische sich der Wißmuth niemals mit der Koboldspeise, es ist aber dieses nicht so gar richtig, wovon zu anderer Zeit ein mehreres. Nachdem nun also die Häfen reine ausgeschöpft, wird ein frisches Gemenge eingelegt, und damit so lange fortgefahren, als man es nöthig befindet, oder die Häfen halten, dieses ist, wie gesagt, willkührlich.

Nun kommen
(die Mühle)
3) Die Arbeiten, die zu der Aufbereitung der Farbe und Eschel selbst gehören. Diese sind nun viererley: 1) das Pochen, 2) das vermahlen, 3) das verwaschen, 4) das trocknen. Nachdem nun also das Glas in den grossen Fasse ausgekühlet, so wird es entweder mit Lauf-Karren, welche unten kleine Löcher haben, damit das Wasser ablaufen könne, weg und in die Mühle gelaufen, oder man trägt es in unten durch löcherten grossen Austrage-Fässern weg und in das Pochwerk, daselbst wird es durch einen meßingenen Durchwurf gepocht, daß es kaum die Grösse einer Linse behalte, und alsdann auf die Mühle gebracht. Da Mühle und Pochwerk gemeiniglich beysammen sind, so will ich davon die Beschreibung geben: Erstlich und vor allen Dingen ist nöthig zu wissen, wie viel man Gefälle des Wassers haben könne, damit man sein Rad hängen, und die Wasser oberschlöchtig darauf leiten könne. Hierbey wird nun gemeiniglich ein Fuß zum Auffallen des Wassers, und 1. Fuß zum Abfall desselben, oder zu dem Untergraben 1) Tab. VII. gerechnet. Z. E. Ich hatte 30. Fuß Wassergefälle, so darf mein Rad nur 28. Fuß in Diameter seyn, so daß das Gefluder k) Tab. VII. 1. Fuß über dem Rade, das Wasser auf solches fallen lasse, und unten ist auch 1. Fuß Raum, damit das Wasser wieder ablaufen könne. Die übrige Anlage des Grabens ist wie bey einen andern Kunst- Poch- oder Mühlwerke, nehmlich man fängt das Wassfer in einem Graben, da wo sich der Fall anfängt, und leitet es so viel als möglich, nahe nach dem Rade zu, kurz vorher fängt man es in einen Gefluder, oder einer hölzernen Rinne, welche à Proportion des Rades weit oder schmal ist, da wo es aus dem Graben nach der Nenne hinein lauft, muß ein Schütz seyn, damit man jederzeit nur so viel Wasser hinein lassen könne, als nöthig ist.

(Poch- und Mahl-Werks, das verwaschen, Sumpfeschel)
Wir wollen nun zu der Beschreibung des. Poch- und Mahl-Werks selbst schreiten, Tab. VII. wird diese Sache am besten erläutern, welche das umgehende Zeug am besten weiset. a) Ist also das auswärts-hängende Rad. b) Ist eine starke Welle, welche von diesem Rade umgetrieben wird, 38. bis 40. Fuß lang, und wo möglich 2. Fuß stark. c) Ist ein perpendiculares Stirnrad, welches vermittelst des Drillings d) die beyden Läuffersteine b) umtreibet, und also das Glas mahlet. e) Ist noch ein dergleichen Stirnrad, welches den zweyten Drilling f) umtreibet, um doppelt mahlen zu können. Hierauf folget ein doppeltes Pochwerk an jeder Seite der Welle mit 3. Stempeln. g) Ich brauche dieses nicht zu beschreiben, weil es bereits von vielen beschrieben worden. Z. E. Lehmann in der Beschreibung von Pochwerken, Leupolden, u. a. m. kurz, es ist ein trocknes Pochwerk, wie ein gemeines Pochwerk mit seinen Stempeln, Pochsohlen, Pochlaschen, Riegeln &c. nur daß alles dieses von einer Welle in Umgang gebracht wird. Auf diesen Pochwerk wird nun vorher der Kobold, der Sand, und nachmalen das Glas gepocht. Wenn es nun, wie gesagt, so klein wie Linsen durch den Durchwurf gepocht ist, so kommt es 2) auf die Mühle. Diese muß ich nun erst ganz kurz beschreiben. Ehe man diese Mühle anlegt muß unten der Boden, wenn er nicht vor sich feste genug ist, tüchtig fest gemacht und ausgepflastert werden, damit sich die nachher darauf kommende Last nicht senken könne. Hierauf sucht man einen grossen festen Stein, welcher am besten Kiesel, Chalcedon- oder Wackenartig seyn muß. Sandstein gehet gar nicht darzu an. Dieser muß 2. Fuß hoch und 4. Fuß in Diameter halten, nachdem man ihn, so viel als möglich, oben her eben gemacht hat, so wird er auf den vorher fest gemachten Boden gelegt. Ist er an und vor sich vollkommen rund, so ist es desto besser, wo nicht, so muß man den noch ermangelnden lehren Raum mit kleinern dergleichen Steinen, Mooß &c. ausfüllen, und scharf einrammeln, hierauf stürzet man alsdann das gepochte Glas. In diesen Bodenstein i) wird in der Mitten eine Spuhr 4. Zoll tief, und viereckig eingehauen, in solchen eine stählerne genau hinein passende Spuhr, oder Pfänngen, gesenkt, damit die Mahlstange Tab. VIII. a) welche an den Drilling b) befestiget, und woran die beyden Läuffer c) und d) befestiget, herum laufen können. Diese Läuffer sind von eben so harten Steinen, als der Boden-Stein ist; in solche wird eine starke Spuhr gehauen, damit sie beyde, wie Tab. VIII. e) zeiget, vermittelst eines starken Eisens zusammen gehängt, und alsdann, vermittelst des Loches f ) an die Mahlstange angemacht werden können. Ihre Länge ist 1. und einen halben Fuß, die Breite aber 1. Fuß, und die Dicke 10. Zoll. Wenn nun das Mühlwerk also zugerichtet, so wird der Boden- Stein mit einer Einfassung von starken Böttcher-Dauben umgeben. h) Diese muß stark den Bodenstein umgeben, feste gefuget, und mit starken eisernen Bänden zusammen gebunden seyn. Unten in dieses Faß kommt recht horizontal mit der Oberfläche des Bodensteines ein Loch, welches mit einen wohl hineinpassenden Zapfen i) verwahret wird. Oben wird alsdann ein wohl verkeiltes Gestiele g) angebracht, in welchen die Mahlstange gleichfals in einer stählnernen Pfanne lauft, das Mahlfaß h) zugedeckt, damit durch die geschwinde Bewegung der Läuffer nicht so viel heraus spritze. Nun wird das auf dem Pochwerk gepochte Glas auf diese Mühle gestürzet k) und gehörig Wasser zugegossen, das Mahlwerk angelassen, da denn die Läuffer auf den Bodenstein das Glas zarte mahlen. Hier läßt sich nun ebenfals die Zeit nicht so genau bestimmen, wie lange das Glas auf der Mühle seyn muß, sondern der Meister muß fleißig zusehen, wenn es klar genug gemahlen ist, da er denn den Zapfen an dem Mahlwerke heraus ziehet und die Farbe abzapfet, und frisches Glas und Wasser wieder ausgiebt. Das verwaschen ist alsdann die dritte Arbeit, da dieses abgezapfte in ein grosses Waschfaß, welches 4. Fuß weit, und 3. Fuß hoch ist, durch ein Sieb gegossen wird; in diesen stehet es so lange stille, bis sich die Farbe, als das schwerste, gesetzt hat, hierauf wird das darüber stehende Wasser abgeschöpfet und in ein anderes Faß gefüllet, da sich denn das zärtere setzet, aus denselben wird das Wasser ferner aus einen Fasse in das andere abgegossen, bis sich alles, auch die zärteste Eschel, gesezt hat. Eschel ist das allerzarteste, und von Farbe blasseste, was sich nach dem vermahlen und verwaschen der Farbe in denen letzten Fässern setzet. Nun wird die Farbe, welche sich in denen erstern Fässern gesetzet, nachdem alles Wasser davon weg ist, mit kleinen Hand-Beilgen heraus gehauen, in kleine Sticken als Nusse geschlagen, und in ein anders darbey stehendes Waschfaß mit Wasser gethan, mit starken Rührhölzern unaufhörlich gerührt, bis alles zergangen; wenn dieses geschehen, wird alles sofort ausgeschöpft, durch ein feines Haarsieb in ein ander Faß gegossen, da es zwey Stunden Zeit hat, sich zu sehen; was sich nicht setzet, wird auf vorige Manier in ein ander Waschfaß gegossen, und nachdem es wieder 3. bis 4. Stunden gestanden, das lautere in ein drittes Waschfaß geschöpfet, und so continuiret man bis sich alles in denen Fässern nach und nach gesetzt hat. Wenn sich nun alles gesetzt, so wird das lautere Wasser abgeschöpft und weggegossen, welches aber deswegen noch nicht ganz weg laufen muß, zu dem Ende sind unter der Wasch-Stube noch einige Sümpfe angebracht, in welche dieses Wasser läuft, und daselbst dasjenige noch absehet, was sich in den Fässern nicht zu Boden gegeben hat, das heißt alsdann Sumpfeschel wovon wir oben geredet haben. Dieses Waschen geschiehet theils um alle Unreinigkeiten davon zu bringen, theils die Farben und Eschel in ihre gehörige Sorten zu versehen, theils aber die noch damit vermischten salzigen Theilgen von Glasgalle wegzuschaffen. Hierbey muß ich noch eine Anmerkung beyfügen, nehmlich, daß man die Stunden, wie lange jedes Faß ruhen müsse, nicht genau bestimmen kan, weil es einmal eher, das andre mahl langsamer fällt. Besonders ist es gewiß, daß je kälter die Wasser, desto langsamer fällt Farbe und Eschel. Wenn nun in denen Fässern die gefallene Farbe etwas trocken worden, wird solche, wie oben gemeldet, ausgehauen, und kommt auf das Reibebret, welches 12. Fuß lang und 4. Fuß breit, an denen Seiten mit Leisten eine Hand hoch versehen; hier werden die Stucken klein geschlagen, und von starken Arbeitern mit runden Walzen, welche 1. und einen halben Fuß lang, und im Diameter 4. Zoll sind, entzwey gedruckt, damit sie klar werden. Wenn nun also alles so viel möglich klar gerieben, so gehet
(das trocknen)
4) Das trocknen an. Zu diesem Ende thut man diese klar geriebene Farbe und Eschel auf die so genannten Farbebreter, diese sind 6. Fuß lang und 2. Fuß breit, an der Seite mit 2. Zoll hohen Leisten beschlagen, Diese Breter müssen von guten, türren Holze fest und wohl gefugt seyn, das mit sie sich nicht werfen; auf solche wird die Farbe 1. bis anderthalb Zoll hoch aufgethan, und in die Trocken-Stube gebracht. Dieses ist eine gewölbte Stube, welche vermittelst eines eisernen grossen Ofens sehr stark geheitzet wird. An denen Wänden so wohl als bedürfenden Falles auch in der Mitten sind Stellagen gemacht, auf welche man die Farbe-Breter neben und übereinander sehen und also die Farbe trocknen kan. Wenn nun alles trocken, so wird die Farbe von denen Bretern in einen grossen Kasten gethan, durch ein sehr zartes Haarsieb, welches um und um sehr feste verhängt, durchgesiebet, gehörig gemengt, etwas angefeuchtet, und noch einmal gemenget, endlich gewogen, und in die Fäßgen gethan, alsdann ist es Kaufmanns-Guth. Diese Fäßgen werden alsdann mit folgenden Zeichen in Sachsen gebrennet. Nehmlich, da man von denen Sächsischen Farbwerken viererley Waare macht, als: 1) hohe Farben. 2) Couleuren. 3) Eschels. 4) Safflor, so haben sie daselbst, O. H. ordinair Hoch, M. Η. mittel Hoch, F. H. fein Hoch, F. F. H. das feinste Hoch. Von Couleuren ist O. C. ordinaire Couleur, M. C. mittel Couleur, F. C. feine Couleur, F. F. C. noch feinere Couleur, F. F. F. C. die feinste Couleur. O. E. Ordinaire Eschel, M. C. mittel Eschel, F. C. feine Eschel, F. F. E. noch feinere Eschel, F. F. F. E. die feinste Eschel. Das O. E. kommt auch im Commercio bisweilen in Stücken und ungerieben vor. Da es denn O. E. schlecht weg, wenn es aber gerieben ist, O. E. G. gezeichnet wird. Das so genannte Streublau, oder der so genannte Böhmische blaue Sand ist ein grob gemahlnes Glas. Von Saffloren ist O. S. ordinairer Safflor, М. S. mittel Safflor, F. S. feiner Safflor, F. F. S. der feinste Safflor. Da ich jetzo von Safflor spreche, so muß ich anzeigen, was solcher sey. Es ist also derselbe nichts anders, als ein calcinirter Kobold. Vorzeiten mengte man denselben mit 3. Theilen Qvarz, jetzo aber ist er gemeiniglich reine. Und so habe ich kürzlich die mechanische Bearbeitung des Kobolds auf Safflor, Blaufarbe und Eschel beschrieben. Dergleichen Fabrique ist important, und wenn sie gehörig eingerichtet, gibt sie reichlich Ausbeute. Aber es kommt darauf an, das Holz in Menge zu haben und um billigen Preis, ferner, daß die Pottasche nicht zu theuer, die Kobolde, drittens, reich an Farbwesen, und nicht übermäßig theuer zu brechen; viertens, auch die Sande leicht zu schaffen, die Prætia rerum sonst nicht zu theuer, damit man die Arbeiter mit mäßigen Lohne aushalten könne; wo diese Stücke fehlen, oder wenigstens die meisten, da ist es allzeit mißlich, dergleichen Werk anzulegen. Holz ist gemeiniglich der Hauptknothen, denn ein jeder weiß, was nur ein einfacher Glas-Ofen vor Holz erfordert; hier kommt nun noch der Calcinir-Ofen und der Trocken-Ofen darzu. Nun fragt es sich, ob man statt des Holzes nicht etwas anders nehmen könne? Wir wollen erst den Turf ansehen, dieser möchte in grosser Menge wohl zum Trocken-Ofen angehen. Aber zum Glas- Temper – und Calcinir-Ofen tauget er nicht, denn hier muß eine starke, egale und anhaltende Flamme seyn. Eben so ungeschickt ist auch der meiste Theil derer Steinkohlen; ob aber nicht einige derbe Sorten von englischen Steinkohlen sich darzu schicken solten, zweifle ich gar nicht, nur müssen solche frey von allen Schwefel seyn. Hauptsächlich glaube ich, daß die so genannte derbe Englische Candel-Kohle wohl darzu sich schicken sollte. Ist aber die Steinkohle schweflich, so ziehet sich der Dampf alle durch den Schlund in den Ofen, fällt auf die Oberfläche des Gemenges, macht darauf eine Haut, welche nach und nach wie Stein wird, so daß nichts schmelzen kan, und wenn ja etwas schmelzet, so fällt die Farbe tumm. Mir deuchtet durch gewisse Zuge, welche unter dem Roste in dem Aschen-Heerde nach dem Feuer zu gehen könnten, sollten doch wohl einige gute Steinkohlen dahin zu bringen seyn, daß sie in den Schmelz-Ofen ihren Effect thäten. Anzustellende Versuche, eine gute Feuer-Bau-Kunst, besonders aber unermüdete Arme, welche ein dergleichen Feuer, so wie die Stöckers bey dem Salzwerken fleißig schührten und aufrührten, könten hier vieles thun. Und dieses ist es, was ich von denen Kobold-Arten, deren Aufbereitung, Verglasung &c. mittheilen können, so, wie ich es theils aus eigner Erfahrung, theils aus vernünftigen Schriftstellern gewust. Es erhellet indessen hieraus, daß es unnöthig gewesen ist, wenn man lange Zeit her ein Geheimniß daraus gemacht hat, weil ohne Kobold doch nichts zu machen, und wer guten Kobold in genugsamer Menge hat, wird auch Farbe machen können.
