Hübner 1712

Johann Hübner, Curieuses und Reales Natur- Kunst- Berg- Gewerck- und  Handlungs-Lexicon, Darinnen nicht nur Die in der Philosophie, Physic, Medicin, Botanic, Chymie, Anatomie, Chirurgie und Apothecke-Kunst … gebräuchliche Termini technici oder Kunst-Wörter, nach Alphabetischer Ordnung ausführlich beschrieben werden; Sondern auch alle in Handel und Wandel, ingleichen in Jure und vor Gerichten vorfallende, und aus allerhand Sprachen genommene, unentbehrliche Wörter…, Leipzig [Johann Friedrich Gleditschens seel. Sohn] 1712.


col. 221–222

Blau-Farbenwerck

Blau-Farbenwerck bey Schneeberg in Meissen, so etwan vor 70. Jahren entstanden, ist nichts anders als eine Handlungs-Societät, darinne die Contrahenten oder Gewercken mit einander in Compagnie die Kobalt-Zechen bauen, auf ihren Farben-Mühlen die blaue Farbe daraus verfertigen lassen, und den davon gewonnenen Profit nach Proportion ihrer daran habenden Antheile unter sich theilen. Dieses Werck genießet das Berg-Recht, stehet unter der Jurisdiction des Schneebergischen Berg-Amtes, und wird gleich andern Zechen in 128. Kure eingetheilet, daher die Contrahenten auch Gewercken genennet werden. Dieser Wercke sind in der Schneebergischen Gegend 4. nemlich 1.) das Königliche gedoppelte Werck vor der Stadt Schneeberg, 2.) Das Schindlerische an der Mulde, 1. Meile von Schneeberg, 3.) Das Pfannenstielische auch unweit Schneeberg, und 4. Das Schopaische, bey dem Städtgen Zschopa, 4. Meilen von Schneeberg, davon die letztern gewissen Privat-Personen zugehören. Diese 4. Blaufarben-Wercke stehen erstlich in einer General-Compagnie, daß eines so viel Kobalt (als die Materie, daraus die blaue Farbe gemacht wird) von denen Zechen bekömmet als das andere, und auch eines hernach so viel Farbe machet und verkauffet als das andere, ausser das Königliche, welches gedoppelte Lieferung bekömmt und wieder ausgiebet. Hernach stehen die Interessenten von einem jeden Wercke in einer specialen Compagnie, halten auf jeden Wercke ihren besondern Factor zu denen Rechnungen, und theilen den Gewinst nach Proportion ihrer Antheile. Es haben auch diese Wercke hierinnen einen besondern Vortheil, daß ihnen alle Kobalte in dem ganzen Lande vor einem von dem Schneebergischen Berg-Amte gemachten Tax müssen gelieffert, und bey hoher Straffe keine ausserhalb Landes dürffen verführet werden, es geschehe denn mit besonsderer Erlaubniß, daher in denen Gegenden, wo Kobalt-Zechen befindlich, gewisse Kobalt-Bereuter bestellet seyn, welche den Unterschleiff verhüten müssen. Aus dem gemeldten Kobalt nun wird die schönste blaue Farbe oder Saflor, als sie nur in der Welt zu finden, auf obgedachten 4. Wercken folgender maßen gemacher: Der Kobalt wird erstlich, wenn er sehr gifftig, geröstet, hernach in einem Pochwercke treuge mit etlichen Stempeln gepochet, durch einen Durchwurff geworffen, in den Calcinir-Ofen gestürtzet, und so lange gebrannt, bis kein Gestanck mehr an ihm zu spüren ist. Hierauf wird er mit schönen weißen Overtz oder Kiesel-Steinen, (welche zuvor geröstet, von der Unart durch Brennen geschieden und zu Sand gepochet worden, versetzet, und mit dem gebührenden Fluß von der gesottenen Pot-Asche vermischet. Diese Vermischung wird in die 6. Häfen in den grossen Schmelz-Ofen gethan, fleißig umgerühret, und in 8. Stunden wieder ausgeschöpffet, da es in einem Trog voll Wasser geschüttet wird, und als ein Glaß gerinnet. Solches Glaß wird hernach mit 2. Stempeln gepochet, durchgeworffen, und in die Mühle gebracht, allwo es in grossen Fässern und dazu gegossenem Wasser auff dem grossen Boden-Steine durch die oben drüber ümlauffende kleinere Steine so lange gemahlen wird, bis man solches wieder abzapffet, in der Wasch-Kammer in die Wasch-Fasse thut, wohlümrühret, damit aller Schlamm davon abgehen möge, und endlich stille stehen lässet, daß sich die Farbe unten sehen könne. Hierauf wird sie aus den Fässern ausgeschlagen, in die starck eingeheißte Dörre-Stube gebracht, wohl getrocknet, mit einem runden Holze zerrieben, in der Bereite-Kammer in einem Beutel-Kasten durchgesiebet, und letzlich in gewisse Fäßgen, deren eines gemeiniglich 3. Centner hält, eingepacket und versendet. Dergleichen Blau-Farbenwerck muß an einem solchen Orte angeleget werden, wo man Wasser und Holz in der Nähe haben kan, weil es jährlich in die 500. Klafftern Holtz erfordet, und das Wasser zu Treibung der Mühlen, Pochwercke und anderer Gezeuge nöthig hat.


col. 276

Calx, Kalck

Calx, Kalck, hat unterschiedliche Bedeutungen. (1.) Heist also eine weisse, zuweilen auch anderer Farb-Materia, welche aus Kalcksteinen in dem Brenn-Ofen calciniret und gebrannt wird, und den Mäurern am bekantesten ist, dergleichen bereitet man auch aus Beinen grosser See-Fische, insonderheit aus Muscheln, das dero Muschel-Kalck, item Calx peregrinorum, & Calx Manica alba, genennet wird. Es ist aber der Kalck zweyerley, ein lebendiger, welcher nachdem er gebrannt ist, nicht gelöschet wird, und denn ein gelöschter, welcher nach dem Brennen mit Wasser abgelöschet, und gleichsam zum Brey gemacht wird. In denen Officinen und Laboratoriis ist gewaschener und ungewaschener Kalck bekannt. (2.) Heist in der Chymie Calx so viel als ein subtil und von aller Feuchtigkeit gesäubertes Pulver. Hieher gehören alle Kalcke, welche aus Metall und Ertz bereitet, s. Calcinatio. (3.) wird die kalckichte Materia in den Knöcheln und Gelencken der Gichtbrüchtigen also genannt. (4.) Heißt es auch so viel als Calcaneus, die Verse, dahero auch das gantze Hintertheil des Fusses Calx genannt wird.


col. 297

Cartons

Cartons, grosse zusammen gepapte Bogen Papier, die zu vielerhand Gebrauch angewendet werden, sonderlich die Mahler, welche in fresco mahlen, die nennen die grossen Risse von Papier, die zu calquirung der Figuren an der Wand dienen, Cartons, und also auch die Tapetenmacher diejenigen, die sie zur Verfertigung der Tapeten gebrauchen.


col. 536

Fresco

Fresco malen ist, wenn man eine trockene Mauer mit Mörtel bewerffen lässet, und also auf den nassen frischen Kalck mahlet. Es muß der Mahler, so viel er beworffen lassen, also fort übermahlen, sonst vertrucknet der Anwurff samt der darauf angefangenen Arbeit also hart, daß solche hernach mit dem darneben zu stehen kommenden Anwurff sich nicht mehr vereinbaren, noch denselben annehmen kan. Die Farben verschwinden anfänglich, al fresco, wenn sie aufgestrichen werden, kommen aber hernach, iemehr der Kalck trocknet, wiederum hervor. In Engell- und Niederlanden wird diese Art in Fresco nicht gebraucht, weil solche wegen der feuchten See-gesaltzenen Lufft allda nicht dauren kan.


col. 348

Cölnische Erde

Cölnische Erde, is eine roth schwätzlichte Farbe, dia aber leicht verschiest, und immer rother wird.


col. 683

Kalch brennen

Kalch brennen, solches bestehet eigentlich darinnen, daß der Kalch-Brenner eine Oval, oder ablängliche Grube machet, nach Proportion und Quantität der Steine, so er zu brennen gesinnet ist, und zwar theils Orten gemeiniglich 6. Ellen tieff, und 3. Ellen breit: darein werden die Steine, so man zu Kalch brennen will, fest auf einander geschlichtet, daß sie nicht leichtlich zerfallen können und ungleich brennen, zu solchem Ende werden sie mit Leimen beworffen, verkleibet und beschlagen, so dann Feuer darunter geschieret, und selbiges 7. 8. oder mehr Tage lang in steter Flamme unterhalten, nach Beschaffenheit der Steine, des Holtzes und des Wetters; so lange bis die Steine allenthalben so wohl aus-als inwendig glühen, und kein Rauch noch Dampff von selbigen mehr gespühret wird.


col. 888

Ochra, Ocher

Ochra, Ocher, ist ein weiß-gelber Thon, welcher so lange gebrannt wird, biß er die gelbe Farbe bekommt, da sie denn die Mahler gebrauchen können. Es giebt auch ein natürlich gewachsen  Ocher- oder Ockergelb, welches nicht nur um und bey den Metallen, sondern auch wohl in eigenen grossen Adern gefunden, und aus denen Bergen, als eine harte gelbe Erde, die küpffrigter und eiserner Natur ist, gegraben, und terra citrina, gelbe Erde, Berggelbe und Ochra-gelb genennet wird.


col. 893

Ogger- oder Ocker-Gelbe

Ogger- oder Ocker-Gelbe, wird ein von den Klüfften kommender gelber Sinter oder aus getrockneter Gehr genannt, welcher öffters durch die Gruben-Wasser auf den Stollen zu Tage ausgeführet, gesammlet, und nachgehends zur Farbe gemacht wird.


col. 1171

Smalta, blaue Farbe

Smalta, blaue Farbe, kömmt häuffig aus Sachsen, wird aus der Zaffera und Seiffensieder-Asche durch nochmahlige Calcination gemacht, und weil der Cobalt das Fundament und die Mutter der Zaffera ist, als ist den Factoren auf den Bergwercken sehr hoch verboten, den Cobalt roh weg zu schicken, da mit die Smalta anderwerts nicht nachgemacht, und dem Lande der Nutz dadurch entzogen werde. Siehe Blau-Farben-Werck, pag. 221.


col. 1564–1566

Tüncher

Tüncher, haben in Nürnberg ein schon von Anno 1596, her mit löblichen Gesetzen und Verordnungen versehenes Handwerck, krafft welches ein jeder, so da Meister werden will, ein   besonderes Meisterstück machen muß, und zwar 1.) vier Schwebe-Bögen also glatt mit Mörtel bewerffen und betünchen, daß nach Anlegung der Schnur und Bley-Waage, alle Ecken just zusammen treffen, und gantz keine Lücke oder spatium daran zu finden sey. 2.) Ein Drey-Stockwerck, hohes, mit einem Ercker versehenes, mit höltzernen Balcken und einem steinernen Fuß befestigtes Hauß, daran besagter Fuß steinfarbig mit weißen Strichen, die Felder aber grau angeleget, mit schwartz und weisser Farb aufgehöhet, und so wohl der Bley-Wage als dem Circul, Richtscheid und Winckelmaß nach wohl und richtig eingetheilet sind, wobey sie ziemlich warm gehalten werden, und solchem nach den Namen eines Meisters und deren Gerechtigkeit mit saurem Schweiß erlangen müssen. Es pflegen aber die Tüncher nicht nur das Gemäuer an gemeinen Gebäuden, sondern auch die künstliche Stucator– und Gips-Arbeit in grossen Sälen und herrlichen Pallästen anzuweißen, und mit reiner Tünche zu überkleiden, die Häuser mit gemeiner Stein-Farbe anzustreichen, und nach dem Quadrat mit weissen Strichen zu durchziehen; ja sie haben nunmehr so viel gelernet und ihre Arbeit so hoch gebracht, daß sie das Mauerwerck purpurfarb, grau oder gelblicht zum Grund antünchen, und so dann recht nach der Architectur die Fenster mit Bogen und Gesimsen, weiß in grau gemacht, umziehen, die Thüren aber mit artlichen Portalen umgeben, und mit allerley sehr wohl in das Aug fallenden Laub- und Säulenwerck, so öfters auf Marmor Art spielet, wie auch mit Festinen, Knöpfen und antiquischen Blumen-Töpfen auszuzieren wissen. Sie pflegen auch denen Mahlern in die Hand zu arbeiten, und diejenigen Decken und Mauer-Wercke mit zarten Mörtel auf das glatteste und reineste zu überziehen, damit so dann der Mahler mit seinem Kunst-Pinsel die zierlichsten Figuren, so wohl mit Leim, als Milch und Wasser angemachten Farben auf die noch nasse Tünche, und wie man sonst zu reden pfleget, in fresco, vorstellen könne. Neben diesen Kalch- und Wasser-Farben wissen sie nicht nur die Balcken, Sparren und Treppen der Gebäude, sondern auch mancherley Holtz- und Schreinerwerck mit beliebigen, so einfachen als vermischten Farben anzustreichen, sonderlich wann man schöne und grosse Kirchen, hohe und prächtige Thürme übertünchen soll, wird nothwendig von den Tünchern erfordert, daß sie mit den Gerüsten wohl umzugehen wissen, wozu aber kein schwindlichter Kopff und zaghaftes Gemüth gehöret; auch wird ein besonderer Vortheil erfordert, wo man die Stangen in tieffe Wasser und andere morastige Oerter, woran offt die herrlichsten Gebäude zu finden, einsencken muß. Es kommet auch den Tünchern zu allerley gefirnistes Täfel- und Schreiner-Werck mit Seiffen-Laugen abzuwaschen, und von neuem mit Firniß zu überziehen, als womit sie vortheilhafftig umzugehen, und manchen alt verschmutzten Schranck und vom Rauch beschwärtzte Stube also neu-glatzend zuzurichten wissen, als wenn er aus des Schreiners Wersckstatt gantz neu heraus gekommen wäre. Und ob schon theils Orten die Mäurer, wo kein Tüncher zu finden, sich solcher Arbeit unterfangen, ist doch zwischen beyderley Getünche ein sehr mercklicher Unterscheid, daß, so weinig der Tüncher ein Mahler zu nennen, eben so wenig auch der Mäurer, die zumahl bey diesen Zeiten sehr zugenommene, und nach der Architectur gar fein eingerichtete Tüncher-Arbeit nachzuahmen weiß.


col. 1374–1375

Zaffera, Saffra

Zaffera, Saffra, Zofloer, ist ein blaulicht mineralischer Stein, womit dem Glaß, und so genanten gemeinen Porcellan die blaue Farbe gegeben wird, deßwegen ihn die Holländer sehr auffsuchen, und weiter in Engelland, Franckreich, und anders wohin verschicken. Seinen Nahmen führet er von dem Saphir her, als mit dem er der blauen Farbe halber überein kommt. Der berühmte Deutsche Laborant Kunckel, in seiner vollkommenen Glaßmacher-Kunft, p. 57. meldet, daß die Zaffera aus dem gifftigen Cobald gemachet werde. Man findet aber der Zaffra oder Zepher-Farb zweyerley Sorten, als die ganze zu Pulver gestossene, von welchen jene die feine, diese aber die gemeine genennet wird, weil sie ohne Zweiffel mit noch mehrern Sand vermenget, und dahero schwerer als die ganze ist. Sie müssen beyde eine schöne blaue Couleur haben, anders ist keine Probe davon. Mit der Zaffera hat auch zum Glaßmahlen fast einerley Nutzen die Magnesia, welche nichts anders als ein schwarzliches Ertz, dem ♁ nicht ungleich, aber viel mürber, und mit kleinen Streiffen begabet ist. Sie kommt aus Piemont in Stücken, von unterschiedlicher Grösse, und zwar in zweyerley Sorten, deren eine grau, welche sehr rar, die andere aber schwärzlicht, wie ein Magnet-Stein anzusehen. Sie muß schön glänzend und zart seyn, und wenig steiniges in sich haben, wann sie gut seyn soll.