Hüpsch 1771
Johann Wilhelm Carl Adolf von Hüpsch, Neue Entdeckung des wahren Ursprungs des Cöllnischen Umbers oder der Cöllnischen Erde, Franckfurt – Leipzig 1771.
Johann Wilhelm Carl Adolph von Hüpsch (1730–1805) studied law, medicine, and the natural sciences in Cologne during his youth. Later, he began presenting himself as a baron, although whether this title was legitimately his remains uncertain. Hüpsch assembled an extensive collection of artworks, antiquities, and natural specimens, and his cabinet in Cologne became a popular destination for numerous visitors. He also possessed a substantial library. Among his writings is a treatise on the deposits of the so-called Cologne brown earth, or umber. Hüpsch was the first to attempt to demonstrate the fossil origin of this pigment. His work was later taken up by the French geologist Barthélemy Faujas de Saint-Fond (1741–1819) and by other scholars around the turn of the eighteenth and nineteenth centuries. (cf. Faujas 1797).
pp. 15–19
Neue Entdeckung
des
wahren Ursprungs
der
Cöllnischen Erde.
§. 1.
Ursprung des Namen der Umbererde.
Der Umber (a) wird auch Umbererde (b) und braune Kreide (c) geheissen. Von Wallerius wird aber dieselbe schwarz-braune Stauberde (d) genent. Den erstern Namen hat der Umber von daher erhalten: weil er ehemals aus Umbrien gebracht worden, welches eine Landschaft in Italien ist, die nunmehr das Herzogthum Spoleto heißt. Bruckmann will aber den Namen des Umbers von dem lateinischen Worte Umbra herleiten: weil dasselbe den Schatten ausdruckt und sich die Maler des Umbers zum Schattiren bedienen. Herr Valmont von Bomare schreibt, (e) daß der Umber zuweilen Bergbraun (f) oder brauner Ocker (g) genent werde.
(a) Umbra. (b) Terra Umbria. (c) Creta brunna. (d) Humus nigro-brunea.
(e) Dictionnaire raisonné universel d’Histoire naturelle. Tom. 4. pag. 192.
(f) Brun de Montagne.
(g) Ochre brun.
§. 2.
Ursprung des Namen der Cöllnischen Erde.
Die Umbererde wird auch von verschiedenen Schriftstellern Cöllnische Erde (h) geheissen. Ausser allem Zweifel wird sie daher Cöllnische Erde genennt: weil heut zu Tage die meisten Ausländer dieselbe eben von Cölln am Rheine herziehen, und nun unter der Benennung der Cöllnischen braunen Kreide, in ganz Europa sehr berühmt und bekant ist. Diese Benennung ist aber allgemein, denn dadurch versteht man die Jülichsche, Bergische und Cöllnische Erde: weil solche in den Herzogthümern Julich und Berg und in dem Erzstifte Cölln an verschiedenen Orten gegraben wird. Die Stadt Cölln ist also nur als der Niederlagsort der Cöllnischen Erde zu betrachten. Die schicklichste Benennung der Cöllnischen Erde wäre, daß dieselbe Cöllnischer Umber, zum Unterschiede des Italiänischen und andrer Umberarten, geheissen wurde. Man muß aber die Cöllnische Erde nicht mit der so genannten Cöllnischen Pfeiffenerde verwechseln, wie zuweilen hier zu Lande unter den gemeinen Leuten geschieht. Dieses ist ein Irrthum in der Benennung. Die Cöllnische Pfeiffenerde (wovon ich eine besondre Beschreibung heraus geben werde) ist eine weisse und zuweilen graue Thonart, die eben auch in hiesigen Gegenden häuffig gefunden, und zur Verfertigung der Rauchtabakspfeiffen gebraucht wird. Mit der Cöllnischen braunen Umbererde hat es aber eine ganz andere Bewandnis. Auch habe noch dies zu erinnern, daß man hier auf dem Lande, wo die Cöllnische Erde gegraben wird, dieselbe Torf (i) nennt: weil man solche auf die Art, wie in Holland und den Niederlanden, ausgräbt, zubereitet, trocknet und zum Brandstoffe gebraucht. Die Benennung des Torfs ist aber wiederum unrichtig und unrecht gegeben, denn vielmehr ist dasjenige, was man hier zu Lande Torf heißt, eine wahre dunkelbraune Torferde. (k) Man kan zwar nicht alles, was in hiesigen Gegenden unter dem Namen Torf gegraben wird, Cöllnischen Umber oder Cöllnische Erde heissen und dafür halten. Inzwischen ist alle Wahrscheinlichkeit vorhanden, daß so wohl all dasjenige, was hier zu Lande für Torf ausgegraben wird, als was eigentlich die Cöllnische Erde ausmacht, einerley Herkunft, das ist, einen vegetabilischen Ursprung habe. Man kan also dasjenige Mineral Cöllnische Erde nennen, was in dicken aufgelößten und vererdeten Stücken Holzes besteht. Es kommt zwar nicht auf die Benennung an, denn eine allzugewissenhafte Wortforschung ist zuweilen eine kleine Pedanterey. Dasjenige aber, was in Gestalt einer weichen feuchten Sumpferde besteht, kan füglich eine dunkelbraune Torferde genennt werden. Hieraus wird an einigen Orten hiesiger Gegenden der Torf, der aber von dem Rasentorfe (1) ganz unterschieden ist, gemacht. Man giebt der Torferde hier zu Lande eine ründliche Bildung, beynahe die Gestalt eines runden Kuchen, und wird sie hernach an der offenen Luft im Felde bey den Torfgruben getroknet. In den niederländischen Gegenden wird aber der Rasentorf mit einer eisernen Spate in länglichte viereckige Stücke, wie die Ziegelsteine, ausgestochen und hernach an der Luft getrocknet. Unser Vorhaben ist aber hier nicht weder von dem Torfe überhaupt, noch ins besondre von dem hiesigländischen Torfe zu handlen. Von dem Ursprunge, besonders des holländischen Torfes kan man das Werk des Herrn Joh. Hartm. Degners (m) lesen, der hiervon umständlich gehandelt hat. Dieser Schriftsteller hat seine Abhandlung vorzüglich zum nüzlichen und nöthigen Unterrichte wegen dem von Tag zu Tag sich mehr einfindenden Holzmangel in Deutschland herausgegeben. Würde man aber diejenigen Vorschläge, welche ich in meinem öconomischen Werke (n) im 5ten Artikel vom Holzbaue zum gemeinen Besten bekant gemacht habe, in Ausübung bringen; so würden unsre Waldungen vielmehr vermehrt, und dadurch dem zu befürchtenden Holzmangel vorgebogen werden.
(h) Terra Coloniensis, Terre de Cologne.
(i) Turf, Turfa, Tourbe.
(k) Humus palustris obscure fusca.
(l) Cespes bituminosus, Turfa ericea, Humus vegetabilis fibrosa, &c.
pp. 19–23
§. 3.
Erklärung, Kennzeichen, Nutzen und Gebrauch des Umbers und der Cöllnischen Erde.
Der Umber und die Cöllnische Erde, oder die so genannte braune Kreide ist ein braunes erdänliches Untererdgewächs (o), welches leicht ist, eine Fettigkeit an sich hat, sich entzündet und auf Kohlen einen stinkenden asphaltischen Geruch von sich giebt. Bey der Destillation erhält man von dem Umber ein Erdöl, durch die Calcination verändert er seine braune Farbe in eine weisse. Die Cöllnische Umbererde unterscheidet sich von andern Umberarten auf verschiedene Weise, denn sie ist durchgehends dunkler, ihr erdharzigter Geruch ist auch unangenehmer und stärker, als der Geruch einiger andren Umberarten. Die rohe Cöllnische Erde läßt sich auch nicht so leicht, als einige andre Umbererden, mit Wasser anfeuchten, welches ohnstreitig von der bey sich führenden bergharzigen Materie herrührt. Die Umbererden überhaupt werden, wie Ludovici anmerket, von den Malern, so wohl zum Malen mit Oelfarben, als auch zur Verfertigung einiger Firnisse, imgleichen zum Emailliren und von den Handschuhmachern und Beutlern zum Färben der Handschuhe und Leder gebraucht. Ehe diese Erde mit Oel gemacht und zum Malen und Anfärben gebrauchet werden kan, muß sie gebrennt werden, wovon sie eine röthliche Farbe bekommt, und folglich besser wird. Man muß sich aber bey diesem Brennen vor dem Rauche hüten (wie erwähnter Schriftsteller erinnert), den sie von sich giebt; weil solcher stinkend und der Gesundheit schädlich ist. Herr Ludovici wird vielleicht dadurch andere Umberarten verstehen, welche ihre Herkunft von metallischen abgeschlemten Erden herschreiben, oder er hat seine Beobachtung von andern entlehnt, denn von der Cöllnischen Umbererde wird er wohl dies nicht behaupten wollen, indem es hier zu Lande bekant genug ist, daß das Brennen der Cöllnischen Erde und der Torferde (§. 2.), welche in grosser Menge unter dem Namen des Torfs (§. 2.) bey den Landleuten hiesiger Gegenden zu allerhand häuslichem Gebrauche gebrannt wird, gar keinen schädlichen Einflus in die menschliche Gesundheit habe. Man hat bisher auch noch keine Beobachtung, daß der tägliche Gebrauch der Cöllnischen Erde und der Torferde bey dem Brennen einige böse Folgen gehabt habe. Die Cöllnische Erde (der Cöllnische Umber) und die zu Torfkuchen gemachte dunkelbraune Torferde (§. 2.) verschaffen hier zu Lande dem gemeinen Wesen einen doppelten Nutzen und zweyfachen Vortheil: denn die erstere wird stark durch ganz Europa und ferner, als eine Waar (nemlich als eine Farbe) verschickt; vors andre werden beyde in hiesigen Gegenden, besonders auf dem Lande, stark anstatt des Brandholzes zum Einheitzen der Oefen, beym Feuerherde zum Kochen, &c. gebraucht. Im Bergischen bedient man sich so gar derselben zum Kalkbrennen. Da die Cöllnische Erde einen vegetabilischen Ursprung hat, wie hernach sol erwiesen werden; so laßt sich dieselbe nicht wohl brennen; sondern sie verbrennt und wird zur Asche (wie ich den Versuch mit verschiedenen Stücken gemacht habe), wenn man sie auf Kohlen, oder auf einer eisernen Pfanne brennen will. Herr Pott will den Wallerius eines unrichtigen Versuchs beschuldigen, da er in diesen Worten schreibt: die Cöllnische Erde, welche dunkler aussiehet, (als die Umbra) effervescirt ebenfalls nicht mit Scheidewasser, und scheint ganz und gar nichts vom thonigten Wesen zu besitzen, indem sie weder in mäßigem noch in heftigem Feuer hart wird, sondern allemal brüchig bleibt, auswendig sieht sie alsdenn roth aus, inwendig aber bleibt sie schwarz. Wallerius in seiner Mineralogie rechnet dieses Subjectum unter die schwarzbraune Gartenerde, allein darüber muß ich mich wundern (sagt ferner Herr Pott), wenn er anführt, daß selbige im starken Feuer weiß werde: denn nach meiner Erfahrung ist sie bey heftigem Feuer zu einer schwärzlichen Masse geworden, die ins bräunliche schielete und noch einiger massen zerbrechlich war (p). Mir scheint es aber, daß Wallerius die ächte Cöllnische Erde zu seinem Versuche gehabt habe: weil sie im Feuer weiß, und nach meinem Vermuthen, gleichsam zur Asche geworden; daß aber Herr Pott eine andre Umberart für die Cöllnische Erde zu seiner Untersuchung unwissend gebraucht habe, ist sehr wahrscheinlich. Der Cöllnische Umber, wenn er rein, recht trocken und zubereitet worden, ist vorzüglich brauchbar zur Miniatur- Pastel- und Oel-Malerey. Er kan auch zum Lackiren, Anstreichen, Färben, &c. gebraucht werden, wenn er mit hellern Farben, nach dem erfoderlichen Gebrauche, vereinigt worden. Da aber der Cöllnische Umber keinen metallischen oder mineralischen, sondern einen vegetabilischen Ursprung hat (§. 10. 11.): so zweifle ich, daß man denselben zum Emaillenmalen, zu Glasuren, &c. wie die feuerbeständigen Farben wird brauchen können. Indem aber der Cöllnische Umber wirklich mit einer erdharzigten Fettigkeit geschwangert ist; so läßt er sich daher leichter mit einem Oele vereinigen; mit dem Wasser etwas beschwerlicher. Die Ursache davon kan man gar leicht einsehen.
(m) Physicalische und Chymische Erörterung vom Torf, &c. Frankfurt und Leipzig, 1760.
(n) Nüzliche Beyträge zur Oeconomie und dem landwirthschaftlichen Leben. Frankfurt und Leipzig. In dem Metternichischen Buchladen. 1766.
(o) Minerale.
(p) Chymische Untersuchungen, welche fürnemlich von der Lithogeognosia oder Erkäntniß und Bearbeitung der Steine und Erden, &c. handeln. I. Fortsetzung, 16. 17. Seite.
pp. 23–24
§. 4.
Geburtsörter der Umbererde.
Der Geburtsort der Umbererde ist sehr verschieden. Die meisten Mineralogen melden, daß dieselbe in Umbrien oder in dem nunmehrigen Herzogthume Spoleto gefunden worden. Sie ist zum wenigsten aus dieser Landschaft stark in andre europäische Länder verschickt worden. Sie soll auch in Egypten und in dem Oriente gefunden werden. Herr Baumer schreibt (q), daß die Umbererde auch aus England kommen soll. Man findet sie auch, schreibt er an dem nemlichen Orte, in Schweden und in der Schweiz, imgleichen bey Gißhübel, Rochliz, &c. Nach dem Berichte des Wallerius und Herrn Bertrand (r) findet man dieselbe nahe bey dem salbergischen Bergwerke in Schweden. Bruckmann hat verschiedene Oerter angeführt, z. E. Blankenberg, Berggieshübel in Sachsen, Steinach im Coburgischen, &c. in deren Gegend Umbererde gefunden wird. Herr Bertrand hat in seinem Versuche einer Mineralogie und Wasserbeschreibung des Cantons Bern, (s) einen Berg, unter dem Namen Gyßlifluh bey Schinznach, in der Landvogtey Castelen, angeführt, wo braune Erde für die Maler, Umbererde, &c. vorkommt. Herr Carl Günther Ludovici hat auch einige Oerter angezeigt, wo man den Umber findet, und hierüber drükt es sich also aus: Es können und pflegen auch diejenigen eisenschüssigen, gebrannten oder abgeschlämten Erden dahin gerechnet zu werden, die man in Sachsen, auch anderwärts bereitet, indem sie mit jenen einerley Eigenschaften haben, und auch zu eben dem Gebrauche dienlich sind: wie man denn dergleichen Umber in dem meißnischen Erzgebürge zu Annaberg, Scheibenberg und Schwarzenberg bricht (t). Mir ist die meißnische Umbererde unbekant. Ich vermuthe aber, daß dieselbe einen ganz andern Ursprung, als die Cöllnische Umbererde, habe, und daß der meißnische Umber vielleicht aus einem Eisenocher besteht oder herrührt.
(q) Naturgeschichte des Mineralreichs. I. Theil, §. 26,
(r) Dictionnaire universel des Fossiles. Pag. 410.
(s) Mineralogische Belustigungen. II. Theil. 8. Stück. 234. Blat.
(t) Eröfnete Academie der Kaufleute, oder volständiges Kaufmanns-Lexicon. V. Theil. 532. Seite.
pp. 24–25
§. 5.
Geburtsörter der Cöllnischen Erde.
Die Cöllnische Erde wird in dem Erzstifte Cölln, und in den Herzogthümern Jülich und Berg gebrochen. Hier zu Lande findet man dieselbe bloß in den so genanten Torfgruben und in morastigem Erdreiche, wovon wir die Ursache hernach anzeigen werden. Im Cöllnischen wird der Umber ohnweit Brühl, bey Kierdorf, Walberberg, Weilerschwist, Roggendorf, Liblar, Herzmülheim und an andern Orten gefunden. Im Bergischen wird er in der so genannten Traßkuhl, ohnweit Bensberg, bey Pafrath, Alrath, &c. angetroffen. Im Jülichschen aber wird er bey Frechen, Gleuhel, Benzrath, Bachhem, und an mehrern Orten gegraben.
