Jacobsson – Hartwig 1783/III
Johann Karl Gottfried Jacobsson – Otto Ludwig Hartwig (edd.), Johann Karl Gottfried Jacobssons technologisches Wörterbuch oder alphabetische Erklärung aller nützlichen mechanischen Künste, Manufakturen, Fabriken und Handweker, wie auch aller dabey vorkommenden Arbeiten, Instrumente, Werkzeuge und Kunstwörter, nach ihrer Beschaffeneheit und wahrem Gebrauche III (M–Schl), Berlin – Stettin [Friedrich Nicolai] 1783.
p. 36
Maurekelle
Mauerkelle, Fr. Truelle, (Maurer) ein Werkzeug von Eisen, auch bisweilen von Kupfer, so aus einer dreyeckigten Platte bestehet, woran der Handgriff an einer breiten Seiten bevestiget ist, welcher mit der Platte ein Knie bildet. Der Mörtel, Kalk und Gips wird bey dem Mauren damit angeworfen, nachher damit verglichen und geglättet.
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Mauermörtel, Mauerkalk
Mauermörtel, Mauerkalk, (Maurer) derjenige Kalk, der mit durchgeworfenen groben Sand vermischt ist, und zum Mauern gebraucht wird, wovon er auch seinen Namen erhalten. Man giebt ihm auch an vielen Oertern den zweyten Namen; wenn er aber schlechtweg Kalk genennet wird, so ist es eine schlechte Benennung, weil es nicht mehr bloßer Kalk ist.
pp. 156–157
Ocher
Ocher, Fr. ochre, (Bergwerk) ein aufgelösetes und in eine Erdgestalt versetztes Metall oder eine mit Metall vermischte Erde, welche allezeit gefärbt ist. Man findet keine andre Ocher, als von Metallen, welche von Wasser oder Schwefeldunst aufgelöset worden, als Zinkocher, Kupferocher, Eisenocher, folglich ist nur soviel bekannt, als man vielerley Vitriole hat. Man nennet zwar noch einige andere Saffranocher, als von Wismuth und dergleichen, es ist aber von den übrigen, und außer obigen, als von Gold, Silber, Zinn und Bley, kein eigentlicher Ocher vest zu setzen, so lange man keine gewachsene Vitriole von solchen Metallen und Halbmetallen ausweisen kann, ahngeachtet sie in Salzgestalt gebracht werden können, als die Silberkristallen, welche Boerhave einen Silbervitriol nennet.
Ocher, dunkler, Berggelb
Ocher, dunkler, Berggelb, Fr. ocre de rue, de rut, de ruth. (Maler) Ein Ocher von einer dunklern Farbe, als der gelbe, und hat außer den gemeinschaftlichen Bestandtheilen etwas mehr irrdenes. Alle Ocher sind schwer, und die zur Malerey irrden. Die italienischen sind es ebenfalls, doch nicht alle in gleichem Grade; sie haben keine Bestandtheile, die das Wachs veränderten, mit welchem sie gute Farben machen.
Ocher, brauner, s. Umbra, und Eisenocher.
p. 384
Reiben der Farben
Reiben der Farben, Fr. Broyer, (Maler) die Farben auf einem Marmor oder andern harten Stein mit dem Laufer in Staub verwandeln, und mit Oel oder Wasser einreiben. Reiben und Brechen ist nicht einerley. Man reibet die Farben auf einem Stein und bricht sie auf der Palette. Wohlgeriebene Farben brechen sich besser in der Mischung, und machen ein freundlicheres glatteres und angenehmeres Gemälde. Dieses hat vieles zur Schönheit der Gemälde aus dem Alterthum beygetragen. Will man sie zu kleinen Klümpchen machen, so mischt man reines Wasser darunter, mit welchem man sie nach und nach anfeuchtet, und die Farben während dem Rebein immer der Mitte des Steins mit dem Spatel nähert, um solche überall zu zerreiben. Man theilt sie nach diesem in kleine Haufen auf ein Blatt weißes papier, auf welchem man sie abtrocknen läßt. Dieses heißt man in Wasser geriebene Farben. Will man sie in Oel abreiben, so befeuchtet man sie in Lein oder Nußöl, und reibet sie so lange, bis sie zum dicken Brey werden. Man verwahrt sie alsdenn in Blasen, oder im frischen Wasser. (S. auch Farben reiben.)
p. 472
Rüstbaum
Rüstbaum, (Maurer) starke senkrechte Bäume, welche den vornehmsten Theil eines Gerüstes bey dem Bau ausmachen. (s. Gerüste)
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Rüstbock
Rüstbock. (Baukunst) Ein hölzerner Bock, der zur Unterlage eines Gerüstes gebraucht wird.
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Rüstbretter
Rüstbretter, (Baukunst) Bretter, welche zu einem Gerüst gebraucht, und über die Böcke und Stangen gelegt werden, um auf dem Gerüst gehen zu können.
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Rüstloch
Rüstloch, (Baukunst) die Löcher in den Mauern, worein die Rüststangen gesteckt werden.
Rüstnägel
Rüstnägel, (Maurer) starke Nägel, mit welchen die Karinen an die Rüstbäume eines Gerüstes angenagelt werden.
Rüststrick
Rüststrick, (Maurer) Ein starker Strick, mit welchem die Netzbäume und Karinen (s. beyde) an die Rüststangen eines Gerüstes angewurger (angebunden) werden.
p. 473
Rüstung
Rüstung. (Baukunst, Maurer) Ein von Rüstböcken mit Rüstbrettern (s. beydes) belegtes Gestelle, worauf die Arbeiter stehen, wenn der Bau höher wird. Dergleichen Rüstungen sind nach Beschaffenheit der Höhe der Stockwerke mehrere über einander errichtet. Zu unterst werden erst niedrige Böcke gesetzt und Bretter darauf gelegt, auf diese wieder höhere Böcke gesetzt, und gleichfalls mit Brettern belegt u. s. w. Wenn das erste Stockwerk aufgeführet ist, so wird die Hauptrüstung (s. diese) aufgerichtet und an dem untersten Stockwerk bevestiget. Ein solches Gerüst bestehet aus mehrern starken hohen Rüst-Stangen, die etwa bis 6 Fuß auseinander stehen. Sie stehen senkrecht etwa 3 bis 4 Fuß von der Mauer entfernt. Ueber dem ersten Stockwerk des Gebäudes liegt neben den Rüststangen eine Karine (s. diese) oder horizontale Stange, die mit Rüststricken und Rüstnägeln an jeder in die Erde gegrabenen Rüststange angewürget (s. Würgen) oder bevestiget ist. Der Rüststrick wird mit dem Würgenpfahl (s. diesen) gespannt und beydes bevestiget. Von jeder Rüststange geht ein Netzbaum (s. diesen) zu der Mauer des untersten Stockwerks und steckt in einem Loch in der Mauer, und an dem andern Ende wird er mit dem Rüststrick an die Rüststange angewürgt, oder liegt, wenn eine Karine vorhanden, auf dieser. Auf den sämmtlichen Netzbäumen liegen die Rüstbretter, worauf die Materialien liegen und die Menschen stehen. So wie die Mauer eines Gebäudes steigt, so muß auch natürlicherweise das Gerüst steigen, und ist ein Gebäude sehr hoch, so daß die untersten Rüststangen nicht mehr weichen, so muß an jede Rüststange eine neue angewürget werden, und an diese neue Rüststange bringt man die obern Stockwerke der Rüstung auf die gedachte Art an. Man komt von einem Rürststockwerk auf das andre auf Leitern. Ist der Bau ansehnlich und groß, z. B. an einem Thurm, so daß viele schwere Baumaterialien in die Höhe gebracht werden müssen, so müssen noch dieserhalb außerhalb des Gerüstes Brücken angelegt werden. Eine solche Brücke ist ein Verband von Bauholz, und ein Werk des Zimmermanns und wird durch alle Stockwerke des Gerüstes auf Pfählen und andern Hölzern bis in die Höhe aufgeführt. Zur Rüstung wird auch ein gutes Bindetbau erfordert, mit welchem die erforderlichen Baumaterialien in die Höhe gezogen werden. In großen Städten haben die Mauermeister vorräthige Rüstungen, so sie dem Bauherrn gegen eine Erkenntlichkeit leihen.
p. 481
Saflor, Saffara, Zaffra
Saflor, Saffara, Saffera, Saffra, Zaffra, Zafferfarbe, Zapferfarbe. Fr. Safre, (Hüttenwerk) Eine halb metallische kobaldische Zubereitung von einer blaulichten Farbe aus dem sogenannten giftigen Kobald, aus welchem sie folgendergestalt bereitet wird. Nachdem der Hüttenrauch oder Arsenik aus dem Kobalderze, ausgeröstet ist, so wird solches weiter zerpocht und geröstet. Dieses geröstete und wohl gepochte Erz wird hernach gepulvert und mit zwey oder dreymal soviel wohl pulverisirten Kiesel vermischt, mit Wasser angefeuchtet, und in Tonnen eingepackt, wodurch diese Vermischung zu einer Steinhärte erhärtet, daß sie nicht anders, als durch eiserne Schlägel, kann heraus gebracht werden. Auch pflegt man oft das geröstete Kobalderz allein, ohne Vermischung mit Kiesel, auf solche Art zu packen, und unter eben dem Namen zu verkaufen. Man gebrauchet den Saflor auf den Glashütten, das Glas damit blau zu färben; ferner in den gemeinen Porzellanfabriken, um das Porzellan, z. B. wie in Holland, das delfter Porzellan, blau zu färben; wie denn auch einige Schmelze oder Flüsse, insonderheit die Sapphirflüsse, damit gefärbet werden, und die Emailmaler, oder die im Feuer malen, gebrauchen. Der beste Saflor ist der von den sächsischen absonderlich bey Schneeberg
befindlichen Blaufarbenwerken, und nächst dem der aus Böhmen. Man hat auch welchen von den Holländern und Engländern, die solchen aus Surate bringen. Er ist aber lange nicht so gut, als der sächsische und böhmische, deswegen dieser auch bis nach Ostindien verführet wird. Man hat bey den Spezereyhändlern zweyerley Gattungen, ganzen und pulverisirten, wovon jene Sorte feiner, diese aber schlechter oder gemeiner ist. Die erste muß der letzten deswegen vorgezogen werden, weil man sie nicht nachmachen kann; da hingegen die letzte verfälschet werden kann, daher sie auch nicht selten nur auf die Probe genommen wird. Die einzige äußerliche Probe, die man davon hat, und worauf man besonders bey dem Einkauf sehen muß, ist, daß der Saflor eine schöne blaue Farbe haben muß.
