Kapff 1792
Friedrich Kapff, Beyträge zur Geschichte des Kobolts, Koboltbergbaues und der Blaufarbenwerke, Breslau [Mayersche Buchhandlung] 1792.
pp. 1–4
I. Kobolt.
1) Eigenschaften und Eintheilung desselben.
Der Kobolt – dieses so lange verkannte und geschmähete Mineral, dem endlich, nachdem seine Nutzbarkeit schon über ein Jahrhundert erwiesen war, durch die Bemühungen verschiedener Chemisten das Bürgerrecht eines für sich bestehenden Metalles in dem Mineralreiche eingeräumt wurde – hat eine spezifische Schwere von 7,700. Er ist fast so schmelzbar als das Kupfer, verwandelt sich bey anhaltendem starkem Feuer ohne sichtbaren Rauch und ohne Flamme in einen dunkelblauen oder beynahe schwarz scheinenden Kalk, und dieser, im heftigsten Feuer mit Borax oder Potasche und weißem Quarzsande geschmolzen, in blaues Glas, welche Farbe er den Glasfritten, mit denen er geschmolzen wird, beynahe unvergänglich mittheilet.
Er hat eine bläulichgraue Farbe, und einen matten Glanz, den er an der Luft bald verliert.
Er ist hart und spröde, und theilet die letztere Eigenschaft auch den andern Metallen mit, womit er sich im Flusse vereiniget; mit Silber und Bley, auch mit Wismuth und Quecksilber findet übrigens seine Vereinigung nicht statt.
Er ist in allen Säuren auflösbar, und färbt seine Auflösungsmittel roth, welche Farbe aber beym Erwärmen in die hellgrüne, und, wenn er ganz eisenfrey ist, in die blaue übergehet.
Man findet ihn nie gediegen, – was dafür ausgegeben wird, ist mit Arsenik vererzt – sondern nur in Gestalt eines Kalkes oder Erzes – welche aber sehr selten ohne alles Eisen sind, und öfters Arsenik, Nickel, Wismuth oder Silber eingemenget haben — und kann ihn in oriktologischer Hinsicht füglich in folgende Gattungen und Arten eintheilen: als
1) in Glanzkobolt.
Dieser hat größtentheils einen unebenen Bruch von feinem oder grobem Korne; ist gemeiniglich so hart, daß er mit dem Stahle Feuer gibt, und zeigt sich manchmal krystallisirt in kleinen sechsseitigen, an den Enden mit vier Flächen zugespitzten Ecksäulen, oder in gedoppelten vierseitigen Pyramiden mit stark abgestumpften Ecken, manchmal in kleinen Würfeln, die bald vollkommen sind, bald wenig oder mehr abgestumpfte Ecken, bald ebene, bald gewölbte Seitenflächen haben.
2) in grauen Spießkobolt.
Dieser ist im Bruche bald uneben, von feinem, oder grobem Korne; bald eben, so daß er sich dem muschlichen nähert; selten faserich (Federkobolt) mit gleich, oder stern- oder büschelförmig auseinander laufenden Fasern; manchmal kleintraubich, oder auf der Oberfläche mit schwarzen baumähnlichen Zeichnungen – dendritisch gewachsener Kobolt.
3) in Erdkobolt.
a) Der schwarze Erdkobolt ist oft so weich, daß er sich zwischen den Fingern zerreiben läßt, (Koboltmulm) öfters verhärtet, aber selten mehr als halbhart; zuweilen ist er löcherich, oder (Schlackenkobolt) im Bruch dicht; bald spielt er mehr in die bläuliche, bald mehr in die graue, bald mehr in die braune Farbe; bald ist er derb, bald eingesprengt; bald zeigt er sich als Ueberzug, oder Adernweise auf und in andern Fossilien; meistens hat er eine gemeine Gestalt, zuweilen aber zeigt er sich unvollkommen nierenförmig oder kleintraubich. Hieher gehört auch
α) Der sogenannte gänseköthige Kobolt, der gewöhnlich aus schwarzem Erdkobolt und rother Blüthe, aus Kupfernickel, gediegenem Silber und zuweilen Quecksilber bestehet; manchmal findet man etwas Thon und Eisenerde darin. Der schwarze Antheil enthält öfters Arsenik und Schwefel, und dann behält er sein erdartiges Ansehen, und ist ohne Erzglanz; bald hat jener, bald der grüne Nickelkalk das Uebergewicht. Die rothe Blüthe ist nur in geringer Menge vorhanden; und
β) Der Spiegelkobolt, welcher nichts anders ist, als ein mit Gipserde und Selenit vermengter schwarzer Erdkobolt.
b) Der braune
und
c) Der gelbe Erdkobolt
haben ihre Farbe wahrscheinlich von der größeren oder geringeren Beymischung des Eisenochers, und ersterer erscheint bald mulmig, bald halbhart; letzterer aber stets mulmig.
d) Der rothe Erdkobolt bestehet
α) aus Koboltbeschlag, welcher im Bruche erdig, und bald von dunkler, bald von hellerer; bald von höherer, bald von blässerer Farbe ist.
Man findet ihn größtentheils blos als Anflug auf den Erzen, Gebirgs- und Gangarten; selten und dann meistens in den Klüften des Ganggesteins, derb von gemeiner Gestalt, noch seltener traubenartig.
β) aus Koboltblüthe.
Diese findet man derb, eingesprengt und angeflogen, pfirsichblüth-, karmoisin- oder kochenillenroth; sie zeigt im Bruche Strahlen, die bald breiter, bald schmäler sind, und bald büschelförmig, bald sternförmig auseinander laufen; oft hat sie nur gemeine Gestalt; man findet sie aber auch kleintraubig, oder in sehr kleinen rechtwinklichen, vierseitigen, an ihren Endflächen zugeschärften Tafeln; oder in kleinen nadelförmigen vierseitigen Ecksäulen, die öfters auf einander gewachsen, oder in Drusen, Büscheln oder Kugeln zusammengehäuset sind.
Unter diese Gattungen und Arten von Kobolten lassen sich nun leicht alle übrigen Abarten bringen, welche jedoch ihre Benennungen meistens von ihren beygemengten Metallen oder Erden, oder auch von dem Pochwerks- oder Hüttengebrauche erhalten haben.
2) Anfang der Benutzung desselben auf Safflor und blaue Farbe.
Erst nach der Mitte des 16ten Jahrhunderts hat man angefangen, den Kobolt, welchen man vorher nicht nur als ein ganz unbrauchbares, sondern sogar als ein äußerst gefährliches Mineral ansah, einigermaßen zu benutzen. Die Sachsen waren die Ersteren, welche Safflor daraus bereiteten, und solchen an Auswärtige, besonders an die Holländer, verkauften; die Böhmen aber errichteten im Jahre 1571 die erste Glashütte zur Verfertigung des blauen Koboltglases, zwischen Platte und Eibenstock. Endlich entstanden, wahrscheinlich zwischen den Jahren 1640 und 1650, die sächsischen Blaufarbenwerke, denen im übrigen Deutschlande von Zeit zu Zeit mehrere nachfolgten, wie man aus der nähern Beschreibung derselben ersehen wird.
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II. Koboltbergbau und Aufbereitung.
Nachdem man die Nutzbarkeit des Kobolts eingesehen hatte, und fähig war, ein gangbares Kaufmannsgut daraus zu verfertigen, gab man sich in allen Bergwerksrevieren Deutschlands — und späterhin auch in den übrigen europäischen Ländern — Mühe, ihn aufzufinden, oder da wieder hervorzusuchen, wo man ihn als ein unnützes, und bessere Erze verdringendes Mineral verlassen hatte.
Dadurch entstanden nach und nach eine Menge Koboltbergwerke, welche ich nun hier, nach der größeren oder geringeren Kenntniß, die ich davon erhalten konnte, ausführen werde.
1) Sachsen
ist bis ietzt im Besitze der reichsten Koboltbergwerke, wovon besonders die in der Gegend von Schneeberg liegenden Gruben außerordentlich ergiebig und die Stütze der sächsischen Blaufarbenwerke sind.
Die Hauptmasse der Gebirge dieses Reviers bestehet aus Granit und einer Art von in Gneis übergehenden Thonschiefer, dessen Bestandtheile verhärteter grauer Thon, höchst feine Glimmertheilchen, mit vielen schmalen und breiten gleichlaufenden Quarzlagen sind, welche öfters noch Granaten und Schörl mit sich führen. Die Mächtigkeit der darin streichenden, größtentheils flachen und Spatgänge steigt von einigen Zollen bis auf etliche Fuß; ihr Aushalten, sowohl nach ihrem Streichen als Fallen, gehet auf mehrere hundert Lachter, und ihre Gangarten sind größtentheils Quarz und fleischfarbener Schwer- und Kalkspat, auch Hornstein und seltener Kalkstein.
Auf diesen Gängen brechen fast alle Arten von Kobolten, die Erdkobolte ausgenommen, in Gesellschaft, und öfters vermengt, mit gediegenem Silber, Glas- und rothgiltigem Erze und Wismuth, seltener mit Kupfer- und Bleyerzen.
Die Gebirge um Johanngeorgenstadt bestehen ebenfalls aus Granit und Gneis, und ihre größtentheils Spatgänge aus Quarz, Hornstein, selten aus Kalkspat, seltener aus Flußspat – ihre Mächtigkeit steigt von 1 Zoll bis auf 4 Fuß; wird aber in ganz kurzen Entfernungen, durch die Vereinigung oder Trennung, wie auch durch das Durchschneiden anderer Gänge oder Klüfte, welches hier häufig vorkommt, da die Gänge, in kurzen Distrikten, in großer Menge neben einander liegen — sehr oft verändert, so daß man sie bald breiter, bald schmäler findet. Einige derselben führen neben verschiedenen Silber-, Bley- und Kupfererzen, auch Kobolt von verschiedenen Abänderungen und Gestalten, wie z. B. der Katharinengang am Fastenberge.
Bey Annaberg bestehet das Gebirge aus Gneis; die Gangart aus Quarz und Flußspat.
Die Gänge sind 2 bis 8 Zoll mächtig, und führen vorzüglich Silbererze und Kobolt, mit seinen gewöhnlichen Begleitern, dem Wismuth und Kupfernickel. Der hiesige Kobolt wird wegen seiner Verbindung mit andern Erzen zu Schliech gezogen, und der Zentner davon zu 12 Rthlr. 18 Gr. an die Blaufarbenwerke zu Schneeberg verkauft.
Die Gebirgsart bey Marienberg ist Gneis, und die Gangart größtentheils fleischfarbener Schwerspat, mit untermengtem Quarz, Kalk- und Flußspat von verschiedenen Farben.
Die Mächtigkeit der Gänge ist, wie gewöhnlich, sehr abwechselnd; sie steiget zuweilen von einigen Zollen auf 3 bis 4 und mehrere Fuß. Neben Silber, Zinn, Kupfer und Wismuth bricht auch hier Kobolt, der an das Tschoppauer Blaufarbenwerk geliefert wird.
Das Gebirge des Freyberger Reviers bestehet aus Gneis, und seine Gangarten sind, nebst dem Gneise, der mehr oder weniger fast immer in den Gängen gefunden wird, Quarz, Schwerspat, Flußspat, Thon, Hornstein, Steinmark, mit allen aus diesen Gesteinarten entstehenden Veränderungen.
Auf verschiedenen dieser Gänge findet man auch Kobolte, mit andern Erzen vermengt; besonders auf dem Himmelsfürsten gestrickten und auf dem alten Morgenstern Glanzkobolt; im Ganzen aber ist er in diesem Reviere ziemlich selten.
Die Komsdorfischen Gruben liegen in dem Rothenberge, welches ein aus verschiedenen Schichten aufgesetztes Gebirge, also ein Flözgebirge ist, das vornehmlich Kupfer- und Eisenerze enthält. Es wird von Gängen durchschnitten, worin Silbererze, Kobolt und auch Kupfererze brechen. Die Kobolte kommen hier in großer Menge vor; sind aber von geringer Qualität; doch würden sie Absatz finden, wenn die Ausfuhren nicht bey hoher Strafe verboten wären. Aus diesem Grunde werden – wie Gläser in der Nachricht von dem kurfürstl. sächsischen Bergamtsrevier des neustädtischen Kreises sagt – nicht nur die Baue auf Kobolt vermieden, sondern auch dergleichen Anbrüche verstürzt.
Die Salfeldischen Koboltgruben liegen so, wie die Komsdorfischen, in dem flözartigen Rothenberg auf den ihn durchgehenden Gängen, und die Kobolte brechen ebenfalls in Gesellschaft von Silber- und Kupfererzen. Diese und die Komsdorfer Gänge streichen zwischen der 6 und 9ten Stunde, und fallen in 60 bis 70 Graden gegen Mitternacht und Morgen, beißen zu Tage aus, und bestehen größtentheils aus Eisenocher und weißem Schwerspat. Erreichen sie eine Teufe von ungefähr 20 Lachtern, so werfen sie sich 6 bis 10 Lachter im Hangenden hin aus, richten sich aber bald wieder ein, und nehmen ihr voriges Fallen wieder an.
Auch ihr Streichen ins Feld ist vielen Abänderungen unterworfen, und sie verlieren sich gewöhnlich in einer Feldeslänge von 30 bis höchstens 80 Lachtern; doch gibt es Einige von längerem Aushalten, wie z. B. den Gang in der Grube Storzenzeche, der 300 Lachter ununterbrochen fortsetzte. Ihre Mächtigkeit ist sehr veränderlich, steigt von 3 zu 20 Zoll, ja gar zu 1 ½ Lachter; nimmt aber wieder geschwinde ab, und endlich verlieret sich der ganze Gang mit einer offenen, kaum merklichen Spaltung.
Die hier – besonders in den Gruben: Neugeboren Kindlein, Maximilian, Fortuna, freudige Bergmann, Gott hilft gewiß, Juliana und Elias – vorkommenden Kobolte bestehen in Glanz- und Erdkobolten, nebst Koboltbeschlag und Koboltblüthe mit Kupfernickel, und werden zum Theil auf dem Salfeldischen Blaufarbenwerke zu Soffienau verarbeitet, zum Theil aber ins Ausland verführet.
2) Böhmen.
Gleiches Alter und gleiche Ergiebigkeit – wenigstens in Aufsehung der Menge – haben die böhmischen mit den sächsischen Koboltwerken. Man findet hier den Kobolt vornehmlich in den Gängen der Gebirge um Joachimsthal, deren Masse aus Thonschiefer, Glimmerschiefer und Hornschiefer (Werners Kieselschiefer) bestehet.
Ich bemerke hier von der Menge der dasigen Gruben nur die Einigkeit, deren Bau auf 3 Hauptgängen, die sich durchkreuzen und auf ihren Schaarpunkten vorzüglich ergiebig sind, betrieben wird.
Die Gangarten bestehen aus Quarz, Schwefel und einem jaspisartigen rothen Hornstein, welche neben gediegenem Silber, Silberglaserz, roth- und weißgiltigem Erze, und wenigem Bleyerze, verschiedene Koboltarten mit Wismuth enthalten.
Manche dieser Gänge setzen sehr weit ins Feld und in große Teufe; viele derselben aber werden durch die sogenannten Wackengänge – wovon dieses Gebirge eine außerordentliche Menge enthält – theils abgeschnitten, theils so verrückt, daß man sie, alles Nachforschens ungeachtet, nicht wieder aufzufinden vermag. Unter dieser Wacke begreift der Joachimsthaler Bergmann jedes Gestein, welches, mild oder fest, unter die ihm bekannten Schiefer, Hornstein, Quarz und andere wenige Steinarten nicht gereihet werden kann. Die milden Wacken bestehen größtentheils aus mehr oder weniger sandigem Mergel, und manchmal aus Porzellanthon, wie am Sonnenwirbel; die festen aber aus Trapp, Basalt oder auch Gneisgeschieben.
Außer den im Saazerkreise liegenden an Kobolt ergiebigen Gruben findet man dieses Mineral auch im Czaslauer, Pilsner – bey Plen – Bechiner Kreise und in andern Gegenden Böhmens.
3) Schlesien.
a) Bey Querbach und Gieren.
Das Gebirge, das wegen des darin betriebenen beträchtlichen, und zum Theil sehr ergiebigen Bergbaues die beyden, in Niederschlesien im Löwenbergischen Kreise in der gräfl. Schafgottschen Herrschaft Greifenstein, liegenden Dörfer, Querbach und Gieren, schon in den ältern Zeiten bekannt gemacht hat, erhebt sich bey genannten Dörfern gegen Mittag sanft ansteigend, und ziehet sich dann westlich über Flinzberg bis Hermsdorf, das letzte schlesische Dorf an der Grenze der Lausitz, östlich aber bis Hindorf und Reimnitz hin, wo es sich, wie auch auf seiner Mittagsseite, mit dem höheren Granitgebirge vereiniget.
Nach Höhe, Ansteigen und Bauart gehöret dieses Gebirge zu den freundlichen Mittelgebirgen, welche nach allen Theorien und nach allen Erfahrungen vornehmlich Metalle mit ihren Erzen in sich schließen. Seine Hauptmasse bestehet aus Glimmerschiefer *), welcher sich bald mehr, bald weniger dem Gneise nähert, von grünlichgrauer, in Gesellschaft der Erze aber öfters von dunkelgrüner Farbe ist, hier auch mehr milde und talkartig wird, und sodann gemeiniglich die sogenannten wilden Granaten von rother und grüner Farbe bey sich führet. Dieses Glimmerschiefergebirge ist, wenn man bey dem sogenannten Kesselberge unweit Gieren den Durchschnitt davon nimmt, ungefähr tausend Lachter mächtig.
*) Der Glimmerschiefer ist eine der, in Deutschland seltensten, Gebirgsarten, und macht außer in diesem Reviere an keinem bis itzt bekannten deutschen Orte, ganze Berge aus, außer in der zum Thüringer Walde gehörigen Gegend um Ruhla, unweit Eisenach. S. Voigts Briefe über die Gebirgslehre. S. 10.
Seine Oberfläche ist an verschiedenen Orten mit mancherley Arten von Granit, Gneis, Quarzfels und besonders, wegen der benachbarten Basaltberge, dem Wildesberg und Kahleberg mit Basaltgeschieben bedeckt.
Doch um nicht zu weit von meinem vorhabenden Zwecke abzugehen, überlasse ich dem künftigen Minerographen dieses Reviers die nähere Beschreibung desselben.
Die Gänge, welche in diesem Gebirge vorkommen, bestehen größtentheils aus weißlich grauem Quarz und wilden, bald rothen, bald grünen Granaten in die Gebirgsart vermischt; haben ihr Streichen gemeiniglich zwischen der 6 und 9ten Stunde von Morgen gegen Abend, und gehören also nach der angenommenen Klassifikation unter die Spatgänge; sie verflächen sich von Mittag gegen Mitternacht, machen mit dem Horizont einen Winkel von 60 bis 70 Graden, und fallen sonach Thonläge; da aber ihr Fallen und Streichen den Gebirgsschichten völlig gleichlaufend ist, so gehören sie – nach bergmännischer Eintheilung – in die Klasse der Erzlager.
Die darin bisher erschrotnen Erze sind Kobolt, Bleyglanz, spåtiges Zinnerz, und Schwefel- und Arsenikkiese, wovon der Gegend von Querbach der Kobolt, und der von Gieren das Zinn und Kupfer besonders eigen ist.
Das Alter des Bergbaues in diesem Gebirge und seine ehemalige Ergiebigkeit – besonders des Baues auf Zinn bey Gieren – beweisen Urkunden, Pingen und andere Ueberbleibsel des schwunghaften Betriebes, und es erstreckt sich weit über die Zeiten der Reformation hinaus.
Krieg und Intoleranz, die zween fürchterlichsten Feinde der Künste – Mangel an Arbeitern, oder Mangel an Kenntnissen der gegenwärtigen Arbeiter, brachten diesen Bergbau oft in Verfall, bis endlich der glückliche Zeitpunkt kam, worin seine Wiederaufnahme beschlossen und mit Ueberlegung, Kraft und That so begonnen wurde, daß seine Dauer ietzt nur allein von der anhaltenden Ergiebigkeit der Gänge und Erzlager dieses Gebirges abhängt.
Diese Periode fällt in das Jahr 1769, da auf allerhöchsten Befehl die Gegend von Querbach und Gieren von einer besonders dazu verordneten Kommission mineralogisch untersucht, und sodann ein auf Erfahrungssätzen und bergmännischer Wahrscheinlichkeit — denn mathematische Gewißheit ist für den Bergmann in seinen Unternehmungen stets noch ein frommer Wunsch – beruhender Bergbau unternommen wurde.
Die merkwürdigste unter den Koboltgruben, welche in und nach gedachtem Jahre wieder aufgenommen oder neu eröffnet worden, ist die St. Maria Anna bey Querbach, ich mache mir daher eine nähere Beschreibung derselben zur Pflicht.
Was den ehemaligen Zustand dieser Grube und der dabey befindlichen Gebirgsgegend, vor dem Jahre 1769, betrifft; so erhellet nicht nur aus den alten Nachrichten, sondern es zeigen auch die hier und da unweit der Maria Anna und in dieser Fundgrube selbst von den Alten getriebenen Arbeiten, daß sie den Kobolt verkannt, und sich vorzüglich mit Aufsuchung und Bebauung der Zinnerzlager eifrig beschäftiget, auch ihre Absicht auf Bley und Silber gerichtet haben. Uebrigens trieben dieselben auf die noch innerhalb dem Felde der Maria Anna liegende Grube, die drey Brüderzeche genannt, einen 42 Ltr. langen Stollen durchs Quergestein; teufeten einen Schacht auf der Stelle, die nachher unter dem Namen: kleine Silberzeche, wieder aufgemacht, bald aber, wegen wahrscheinlicher Unbauwürdigkeit stehen gelassen wurde, ab, und untersuchten das Gebirge noch an vielen Orten, wie dieses die noch sichtbaren Pingen und Halden beweisen. Besonders aber bemerkte man, daß sie auf dem sogenannten Granatenloche – was seinen Namen von den häufig darin brechenden wilden Granaten hat, und worauf der gegenwärtige Fundschacht der Maria Anna angeleget ist – 8 Lachter bis auf die Sole der in dem Jahre 1769 getriebenen Rösche, und unter dieser Sole noch 7 Lachter abgeteuft hatten. Dieses Granatenloch wurde sonst auch die große Silberzeche genannt, aus welcher Benennung sich vermuthen läßt, daß auch hier ehemals auf Silber gebauet wurde.
Auf der gedachten drey Brüderzeche aber, welche nach dem alten Gegenbruche des ehemaligen Greifenthaler Bergamts im Jahre 1576 von zween Gewerken gebauet wurde, soll, den alten Nachrichten zufolge, auf Zinn gearbeitet worden seyn, was auch die auf der Halde gefundenen spätigen Zinnerze wahrscheinlich machen.
Dieser Bau aber muß, wie auch die andern angeführten Baue der Alten, schon sehr lange und vermuthlich in den traurigen Zeiten des dreyßigjährigen Krieges aufgehöret haben, weil man nach dieser Zeit keine Nachrichten mehr von seinem Betriebe findet.
In den neuern Zeiten wurden zwar hier immer wieder Versuche gemacht, die aber bald aus Mangel an Geld, bald aus Mangel an Kenntnissen mißriethen; bis obengedachte glückliche Periode kam.
Auf die von der im angezeigten Jahre 1769 allerhöchst verordneten Bergwerkskommission dem Grafen von Schafgotsch ertheilte Nachricht, daß nach vielen angestellten Proben, aus dem in dem Granatenloche anstehenden Erze, jene zu den Leinwandfabriken und anderen Kunsterzeugnissen unentbehrliche blaue Farbe könnte verfertiget werden, legte derselbe den 14ten Sept: 1769 Muthung unter dem Namen Maria Anna darauf ein, und erhielt darüber den 14ten Oct. des nämlichen Jahres die Verleihung und Bestätigung.
Nun wurde das alte Granatenloch aufgeräumet und gewältiget, obengedachter Fundschacht angeleget, und bald hernach der sogenannte obere Stollen oder eigentlich die Tagerösche angefangen.
Diese Rösche ist im Thale des Baches Querbach angesetzt, und von Mittag gegen Mitternacht durchs Quergesteine 41 ½ Lachter getrieben, und hier in den Fundschacht durchschlägig gemacht worden.
Von diesem mit der Rösche gemachten Durchschlage wurde hierauf in eben der Richtungslinie gegen 2 Lachter ins Hangende hinausgebrochen, und daselbst ein Kobolttrum, 6–8 Zoll mächtig, erschroten, worauf abgesunken wurde.
Außer dem Haupt- oder Fundschacht wurde im Jahre 1773, 25 ½ Lachter von demselben gegen Morgen, ein Versuchschacht angelegt, womit man zwey Trümmer erschrotete, deren eines im Hangenden, aus Granaten mit eingesprengtem Kobolt bestehend, 9 Zoll – das andere aber im Liegenden, aus Quarz und Kobolt, 18 Zoll mächtig war.
Dieser Schacht bekam nachher den Namen Mittelschacht, als 10 Lachter von ihm gegen Morgen der Neue Schacht *) angelegt wurde, um damit dem Gange vorzuschlagen, und zu erfahren, ob die Kobolterze in des Feldes Länge fortsetzten, und wo der Gang mit dem tiefen Stollen eigentlich zu erbrechen sey.
*) Dieser Neue Schacht ist itzt nur allein noch fahrbar, und durch ihn geschiehet auch die Förderung.
Mit dem tiefen Stollen, welcher im Jahre 1770 angefangen ward, wurde man endlich vor einigen Jahren mit dem ganzen Baue durchschlägig.
Dies nebst einigen anderen waren die Arbeiten, womit man die Wiederaufnahme dieser Grube gleichsam aufs Neue begann, und wodurch man fand, mit was für einem Gange man zu thun habe.
Die Gangart, welche in gleichlaufenden Schichten mit dem Glimmerschiefer abwechselt, bestehet nämlich aus Quarz, worin Kobolte mit Arsenikkies, Blende und Granaten – selten mit Kupferkies und Bleyglanz – meistens nur eingesprengt, und nur sehr selten in derben Nieren brechen. Die Schichten oder Lagen streichen zwischen der 7 und 8ten Stunde, von Morgen gegen Abend; verflächen sich von Mittag gegen Mitternacht in 68–69 Graden; sind von ½ bis zu 2 Lachter mächtig; mit dem Nebengestein feste zusammengewachsen, und manchmal durch dasselbe gänzlich verdrückt. Uebrigens ist der Gang der Veredlung oder Verunedlung durch Klüfte, wie alle andere Gänge, ausgesetzt, und das Wie, Wann und Wo davon zu bestimmen, gehöret noch unter die bergmännischen pia desideria.
Seine Bauwürdigkeit, oder vielmehr seine genugthuende Ergiebigkeit wurde außer Zweifel gesetzt, da schon im Jahre 1773 bis 4, 68 Kübel Stuferze und 2000 Kübel Pocherze gefördert wurden. Daher ward auch der Betrieb von Tag zu Tage schwunghafter, indem man jene Arbeiten aus allen Kräften fortsetzte, stärker belegte und dadurch die Grube in den glücklichen Zustand brachte, worin sie seit mehreren Jahren ist.
Innerhalb dieser Zeit hat nun diese Grube eine Teufe von 50 Lachtern erreicht, und es werden in dem dadurch, wie auch durch Treibung der verschiedenen Derter, aufgeschlossenen Felde – nach einem Durchschnitte von mehreren Jahren, – jährlich ungefähr 20,000 Zentner Kobolterze von verschiedener Güte gewonnen.
Die Anbrüche auf den meisten gegenwärtigen Arbeiten, nebst allen andern Anzeigen nähren die Hoffnung, daß dieses edle Werk noch lange der dortigen Blaufarbenfabrike das vornehmste Material zu ihrem immer wachsenden Betriebe liefern werde.
Um die Grubenwasser zu Sumpfe zu halten, und die Erzförderung zu verrichten – denn taube Berge werden sehr wenig gefördert, und sind kaum hinreichend, die Kästen in dem abgebaueten Felde zu besetzen – ist vor ungefähr 6 Jahren ein 30 Fuß hohes Kehrrad unmittelbar über den neuen Schacht geleget worden. Mitten auf dessen Welle ist der Treibkorb von 60 Zollen Durchmesser gebunden, und an deren Ende ein doppeltgekröpfter krummer Zapfen angebracht.
Das Bremsen geschiehet nach der in Sachsen durch den Maschinendirector Mende eingeführten Art auf dem Mittelkranze des Kehrrads, welches übrigens in der Minute 4 Umläufe verrichtet.
Von dem krummen Zapfen schieben zwo Korbstangen, ohne weiteren Bruch, gerade in den Schacht, bis in dessen Tiefstes; und da die Wasserzugänge sehr mäßig sind, so wird das Treib- und Kunstwerk wechselsweise in Bewegung gesetzt, so daß, wenn getrieben wird, die Kunstgestänge abgehangen werden.
Die Sätze haben 6 zöllige Kolbenröhren, und deren 6 auf eine Teufe von 36 Lachtern.
Die Tonnen bey der Treibekunst halten 4 Kübel, und werden, da bey der schon erwähnten Geschwindigkeit des Rades die Tonne in 6 Minuten auf 50 Lachter Teufe herangebracht wird, und das Anschlagen und Stürzen 2 Minuten dauert, in 8 Stunden 60 Tonnen oder 240 Kübel zu Tage geschafft.
Die Mannschaft, womit diese Grube gegenwärtig beleget ist, bestehet aus einem Steiger und 30 Bergleuten; die Schicht ist 8 stündig, und die meisten Arbeiten werden im Gedinge verrichtet.
Die kleine Silberzeche, oder das Silberschachtel, wovon oben Erwähnung geschah, und was ungefähr 102 Lachter von dem Fundschachte der Maria Anna gegen Abend entfernt liegt, wurde im Jahre 1772 ebenfalls gewältiget, und darin ins Hangende — in einer Teufe von 8 Lachtern — ein Querschlag 7 ½ Lachter gegen Mitternacht getrieben; da aber nur sehr wenig von Erzen verspüret, und die Zugänge der Wasser zu stark wurden, ward es verlassen.
Außer dieser Grube wurden seit dem Jahre 1769 noch folgende Werke in dem nämlichen Gebirgszuge auf Kobolt gebauet:
1) Der sogenannte Schurf bey dem Dorfe Kunzendorf, eine kleine Meile von Querbach.
2) Sussette und
3) St. Karl bey Gieren, und
4) St. Jakob zu Hindorf, die aber theils wegen Mangel an Gewerken, theils wegen Unbauwürdigkeit nun alle verlassen sind.
Vor einigen Jahren wurde bey Krobsdorf ein Kobolt- und Arsenikkiese führendes Erzlager erschärft, was bis ietzt noch unter dem Namen Leopold betrieben wird.
b) Kupferberg.
In der Gegend von Kupferberg findet man auch Kleinigkeiten von Kobolten und zwar
α) rothen Koboltbeschlag und
β) Koboltblüthe mit Kupfernickelocher auf Kalkspat und Thonschiefer — welcher letztere die dortige Hauptgebirgsmasse ausmacht — auf den alten Halden des Seegen Gottes und in der vor einigen Jahren wieder eröffneten Grube, Felix genannt; allein ihr seltenes Erscheinen lohnete keine besondere Förderung. Ich kehre daher zur Maria Anna zurück.
Die Erze, welche auf dieser Grube brechen, sind von einer sehr merkwürdigen Beschaffenheit; die Mischung mit fremden und zwar solchen Mineralien, die der eigentlichen Bestimmung zur blauen Schmalte gerade entgegen stehen, und demnach erst vermittelst einer strengen Scheidung ein annehmliches Produkt liefern; alles dies erfordert die genaueste Aufmerksamkeit in ihrer Scheidung, Aufbereitung und Röstung.
Der in denselben vorkommende Kobolt aber ist eigentlich nur von zweyerley Art, nämlich
1) durch Arsenik (grauer Speiskobolt) und
2) durch Schwefel und ein wenig Arsenik (Glanzkobolt) mineralisiret; in dem letztern Zustande aber mit so viel Eisen verbunden, daß die davon entstandenen Erze die Magnetnadel sehr stark bewegen und Eisenfeil anziehen.
Der Pochwerks- und Hüttengebrauch hat diesen Erzen, nach Verschiedenheit der Gangart und Beschaffenheit (Strana 18) des damit vorzunehmenden Prozesses, dreyerley Benennungen beygelegt; denn man unterscheidet sie:
1) in Granatenerze, weil sie die bekannten Eisengranaten in glimmerigen Bestågen und zugleich Schwefel- und Arsenikkies, und bald mehr, bald minder, eingesprengten Kobolt zu Bestandtheilen haben, und daher durch den Hammer nicht wohl geschieden werden können. Man siehet sich demnach genöthiget, dieses Erz im Wasser fein zu pochen, worauf es auf den hier gewöhnlichen Stoßherden, so viel thunlich ist, in die Enge gebracht, das Uebrige mit Granaten noch vermischte Haufwerk auf dem Glauchherde verwaschen, und endlich unter dem Namen des Granatenschlieches 13 Stunden gebrannt, und als die vorzüglichste färbende Kraft zu dem blauen Glase verschmolzen wird.
2) in Mispickelschliech, der aus denjenigen Pocherzen gezogen wird, die weniger Granaten, viel Arsenik und Schwefelkies – und zuweilen auch Kupfererze und Bleyglanz mit sich führen; dem Granatenschlieche aber an Gestalt selten beykommen; und
3) in gemeine Pocherze, die größtentheils aus bloßem Gebirge mit unsichtbar eingesprengtem Kobolte bestehen.
Zu dieser dritten Sorte kann man auch die vom Herrn Geheimen Oberfinanzrath Gerhard sogenannten koboltschen Quarze zählen, die nichts anders sind, als Quarze mit sehr fein eingesprengtem Kobolte.
Der eigentlichen Stufkobolte, das ist, solcher derber und reiner Kobolte, – die blos mit dem Fäustel oder Hammer von der Gebirgs- oder Gangart können geschieden werden, und dann ohne weitere Vorbereitung ein fürs Farbenwerk annehmliches Materiale sind – brechen hier nur so wenige, daß sie in der angeführten Klassifikation nicht einmal eine Stelle haben.
Die itzt beschriebene Klassifizirung der Kobolte hat ihren guten Grund, und ist um so mehr zu billigen, da eine Sorte vor der andern mit schweren und hartscheidigen Erz- und Bergarten ungleich stärker vermischt ist, folglich auch die Koncentration des wenigen Kobolts mehr erschweret werden würde, wenn man alle 3 Arten unter Ein Haufwerk werfen und zusammen pochen und waschen wollte.
Der Schliechgehalt genannter Kobolterze ist natürlicher Weise eben so sehr verschieden, und läßt sich, da dieselben unmöglich gleich rein zu scheiden sind, nicht ganz mit Genauigkeit bestimmen; man kann aber ungefähr im Durchschnitte annehmen, daß
1) 24–25 Ztr. Ausschläge d. i. die besten ausgesuchten Granaten- und Mispickelerze —
2) 45–50 ordinäre Granatens- und Mispickelerze, und
3) 150–160, wohl auch 220–230 Ztr. gemeine Pocherze Einen Zentner Schliech geben.
Diese Erze werden auf 3 zu Querbach erbaueten Pochwerken, deren jedes mit 9 Stempeln versehen ist, über den Spund verpocht, und der Schlamm auf Stoßherden aufbereitet.
Die Teufe des Satzes richtet sich nach der Härte oder Zähigkeit der Erze, und ist gemeiniglich bey den sogenannten Ausschlägen 17–18 Zoll, bey den ordinären Mispickel- und Granatenerzen 18–19, und bey den gemeinen Pocherzen 22 Zoll.
Die Ursache der so sehr verschiedenen Teufe des Satzes – vom Auge oder Spund des Stempels bis auf die Pochsole –liegt darin, weil, da die gemeinen Pocherze sehr schieferich, leicht und elastisch sind, und der darin befindliche Schliech meistentheils in den in ihnen enthaltenen Quarztrümmern ist, man das Korn zu Rösche pochen, und sonach zu viel Bergart am Schliech hängen bleiben würde, wenn man den Satz nur so tief, wie bey den andern Erzen führte.
Da aber die Mispickel- und Granatenerze viel fester, schwerer und schliechreicher sind, als die gemeinen Pocherze, so würde, wenn man den Satz bey jenen so tief, wie bey diesen führte, das Korn, weil es nicht schnell genug ausgetragen werden könnte, zu todt gepocht werden.
Um nun dieses zu verhindern, das Pochmehl von gehöriger Art zu erhalten, und keinen Schliech durch die Trübe zu verlieren, so ist es nöthig, den Satz höher, als bey den Pocherzen zu führen.
Warum bey den Ausschlägen der Satz noch höher, wie bey den vorigen 2 Sorten, geführet wird, beruhet auf dem nämlichen Grunde; denn da sie sehr viel Quarz und derben Kobolt in sich enthalten, diese Mineralien aber wegen Mangel an Elastizität dem Pochzeuge wenig Widerstand thun können, so würden sie bey größerer Teufe des Satzes keine ordentlichen Graupen geben, sondern zu todte gepocht werden. Daher befördert man auch die Austragung des Pochmehls durch verstärkte Setzwasser; um aber dadurch nicht Schliech zu verlieren, sucht man die milden Gerinne mit Vorlägehölzern zu dämmen.
Nach der Festigkeit der Erze richtet sich auch der Hub der Stempel, und zwar folgendermaßen: es beträgt nämlich:
1) bey Verpochung der gem. Pocherze 13–14 Zoll;
2) bey dem Misp. und Granatenerze 16–17 Zoll, und
3) bey den Ausschlägen 15–16 Zolle.
Ist nun von jeder Art dieser Erze eine gewisse Menge verpocht, so werden die daraus kommenden – aus den Gerinnen oder Sumpfen gesammelte – Schlamme auf die Stoßherde gebracht, nachdem man sie vorher, um nicht mit einander vermischt zu werden, unter folgende Namen nach den Gerinnen und Sümpfen, aus denen sie erhalten werden, klassifiziret:
1) Frische Arbeit, die man aus dem frischen Gerinne, vom Austrageloch bis zum Stege erhält;
2) Hintere Arbeit, aus dem nämlichen Gerinne, vom Stege bis zu Ende der Vorlägehölzer;
3) Frischer Schlamm, aus dem frischen Schlammgerinne;
4) Milder Schlamm, aus dem milden Schlammgerinne;
5) Frischer Sumpfschlamm, aus dem frischen Schlammsumpfe;
6) Milder Sumpfschlamm, aus dem milden Schlammsumpfe;
7) Schlamm, aus dem letzten Schlammsumpfe, der jährlich nur einmal ausgeschlagen wird.
Nach diesen verschiedenen Arten von Schlämmen wird auch der Hub und Fall der Stoßherde eingerichtet, und endlich werden die Schlieche auf den Glauchherden vollends von aller Unart gereiniget und für das Farbenwerk annehmlich gemacht, welches den Zentner der feinen Schlieche mit 60 Rthl., der gemeinen aber mit 45 Rthl. bezahlet.
Die Menge der verschiedenen Arten von Schliechen, welche jährlich in diesen 3 Poch- und Waschwerken auf 9 Stoß- und 11 Glauchherden erhalten, und dann zum Blaufarbenwerke geliefert werden, beträgt ungefähr 180 bis 200 Zentner.
Die Mannschaft in diesen Pochwerken bestehet gegenwärtig aus 11 Schlammern, 7 Wäschern und 3 Reinmachern, über welche ein Steiger die Aufsicht hat.
Sonst ist hier noch anzuführen, daß alle Schlieche durchgehends kiesig sind, nur daß in Ansehung der Bestandtheile theils des Arsenik, theils des Schwefelkieses in ihrer Schwere ein großer Unterschied obwaltet, folglich die Mispickelschlieche den größten Haufen ausmachen, da sie am meisten vor dem Wasser stehen, wozu wohl auch vornehmlich der Umstand beyträgt, daß bisweilen derbe und eingesprengte Bleyerze mit einbrechen; dahingegen der Schwefelkies leichter abschießet; dennoch aber seine reinsten Theile ohne Verlust des Koboltschlieches nicht gänzlich abzusondern sind; daher auch der Granatenschliech, welcher an sich den meisten Sand tingiret, immer noch mit Schwefel- und Arsenikkies vermischt ist.
Doch muß ich hier bemerken, daß durch die steten Bemühungen des königl. Bergmeisters Herrn Warendorf und des Farbenmeisters Herrn Ebert die Schlieche nicht nur täglich an Reinheit gewinnen, sondern daß man von der Unermüdbarkeit dieser beyden für das Blaufarbenwerk so nützlichen Männer hoffen darf, solche einst frey von allen fremdartigen Theilen zu erhalten.
Ein merkwürdiger Umstand bey allen Arten dieser Schlieche aber äußert sich an den abgesonderten sogenannten Aftern, welche nach der wiederholten Wascharbeit von den Glauchherden abfallen, und dann, wenn sie an einem besondern freyen Orte aufgeschüttet werden, nach Verlauf von einem oder mehr Jahren in Wetter und Luft sich auflösen, in einen braunen Rost übergehen, zusammen erhärten, mit röthlichem Beschlag erscheinen, und endlich bey wiederholtem Pochen und Waschen die Arbeit mit Schliech reichlich belohnen, eben hiedurch also eine genaue Verbindung der Eisen- und Kobolttheile zu erkennen geben. Uebrigens erfordern sie aber diese zwote Wascharbeit sobald, als die rothe Blüthe zum Vorschein kommt, weil dieselbe wegen ihrer geringen Schwere, als ein Krokus, im Wasser schlechterdings nicht zu erhalten ist.
Jene Beymischung von kiesigen Theilen läßt demnach wegen ihrer unveränderlichen Scheidung keinen andern Weg übrig, als das Feuer, wodurch denn auch der flüchtige Schwefel und Arsenik ausgetrieben, die Schlieche in einen schwarzen Koboltkalk verwandelt, und so zum Verschmelzen geschickt gemacht werden.
4) Am Harze,
brechen auch auf verschiedenen Gängen Kobolte, wovon besonders die schönen derben und krystallisirten Glanzkobolte von Andreasberg bekannt sind.
Man findet sie am häufigsten auf dem König Ludwig, den 5 Büchern Mosis, den drey Ringen, dem Theuerdank, dem Maximilian und auf Redensglück – wo er in büschelartiger Gestalt vorkommt – gemeiniglich in Nestern, mit dem sie begleitenden Kupfernickel.
Am Morgensternsberge wird die Grube – die neue Fröhlichkeit genannt – auf Kobolt betrieben, der sehr häufig von brauner Blende begleitet wird.
Auf dem Bergmannstrost brechen sogenannte gänseköthige Kobolte, welche aus schwarzem Erdkobolt, Koboltbeschlag, Kupfernickelocher, gediegenem Silber, auch manchmal etwas Eisenocher bestehen.
Zu Lauterberg auf der Grube Frische Lutter bricht im weißlichen Thonschiefergebirge – zuweilen krystallisirter – Glanzkobolt in Quarz, manchmal in Gesellschaft von blauem Kupferglaserze, und gediegenem Kupfer.
Auf dem Bockswieser Zuge – auf der verlassenen Grube: neue Gesellschaft – brach auch guter Kobolt im Thonschiefergebirge.
In der Grafschaft Wernigerode in den Vorgebirgen des Harzes, hat man neuerlich angefangen, den im Thonschiefer streichenden Dumkulergang wieder auf Kobolt zu betreiben. Er bestehet in Glanzkobolt, der aber wegen seines großen Arsenikgehalts und anderer unartigen Beymischungen von geringer Güte ist.
In der Grafschaft Hohenstein unweit Ilefeld, auf der langen Wand bey Wiegersdorf, findet man auf den die dasigen Kupferschieferflöze durchstreichenden Gängen auch Kobolt, der aber nur schwach tingiret.
Die in dem preußischen Antheile der Grafschaft Mannsfeld bey Rothenburg an der Saale vorkommenden Kobolte liegen größtentheils in den sogenannten Rückengängen, welche das dortige Flözgebirge durchschneiden. Doch findet man ihn auch am tauben Dachgestein auf den alten Halden bey Gollwitz.
5) Hessen.
Die Gebirgskette bey Riegelsdorf, worin man schon in den ältesten Zeiten hie und da Bergbau auf Kupfer, und in neueren Zeiten auch auf Kobolt getrieben hat, nimmt ihre Hauptrichtung von Abend gegen Morgen, der Bergbau schränkt sich aber ietzt nur noch auf dasjenige Gebirge ein, welches zwischen der Riegelsdorfer und Friederichshütte lieget, und ungefähr 3 Stunden lang ist.
Dieser Bergbau theilt sich in folgende besondere Hauptreviere, als in das
1) Bauhäuser, welches Kupferschiefer und Kobolt führt;
2) Hohnsüßer – blos Kobolt;
3) Stollen – Kupferschiefer und Kobolt;
4) Gunkelroder – desgleichen;
5) Siebels – blos Kupferschiefer; und in das
6) Bodenthäler – desgleichen; ist aber unbelegt stehet.
Das Riegelsdorfer Flözgebirge, welches von Rothenburg an der Fulda ungefähr 2 Stunden gegen Morgen liegt, ist unter allen bekannten Flözgebirgen das regelmäßigste, und leidet bey weitem nicht so viel Veränderungen als das Mannsfeldische, Ilmenauer, Eisenacher, Schweinauer und andere dergleichen; denn obschon man sogenannte Rücken, Wechsel und Graben darin antrift, so verursachen diese doch keine hauptsächliche Veränderungen der Flözlager, sondern diese bleiben außer den Hebungen, Senkungen, und geringen Abwechslungen ihrer Mächtigkeit ganz in ihrer Lage, so daß sich bey Abteufung eines Schachtes, sobald man einige Flözlager durchsunken hat, die Lachterzahl ungefähr bestimmen läßt, in welcher man das Kupferschieferflöz erreichen wird.
Außer dieser ziemlich regelmäßigen Lage genießt das Werk noch den Vortheil, daß das Liegende der Schiefer bis auf das rothe Todte in anhaltender Teufe von 18 bis 20 Lachter fortsetzet. Dadurch, und weil sich die koboltführenden Gänge erst in den Gebirgen am mächtigsten veredlen, entspringt der beträchtliche Vorzug vor andern ähnlichen Werken, daß in dieser Teufe ein dauerhafter Koboltbergbau betrieben werden kann.
Diese Koboltrücken sind, wie alle sogenannte Rücken und Wechsel, eigentliche Gänge, da sie
1) eine Lagerstätte bilden, welche die übrigen Gebirgslagen durchschneidet;
2) durch Salbänder von den letztern getrennt, und
3) mit einer Masse ausgefüllet sind, welche ganz verschieden von der Masse der Gebirgslagen ist.
Auf diesen Gängen brechen nach der dort gewöhnlichen Eintheilung und Benennung —
1) Koboltblüthe;
2) gänzlich als rothe Erde verwitterter Kobolt;
3) Erden- und Lettenkobolt von vielerley Art;
4) Koboltmulm;
5) grünlicher Kobolt oder Kupfernickelocher;
6) Kupfernickel;
7) Glanzkobolt;
8) grobkörniger Kobolt;
9) kleinkörniger Kobolt;
10) krystallisirter Kobolt besonders
a) in baumähnlichen Figuren;
b) in sehr großen und kleinen, ganz lose liegenden Krystallen;
c) wie Festungsachats;
d) erbsenähnlicher, in Schwerspat eingesprengt;
11) ganz schwarzer fester Kobolt;
12) schwarzgrauer in ganz dünnen Schichten liegender Kobolt,
13) Wismuth, jedoch selten.
Alle dieser Kobolt hat Schwerspat zu seiner Gangart, welcher größtentheils ganz weiß ist, und zuweilen Quarz, wie auch Kalkspat beygemengt enthält.
Das Fallen dieser Gänge ist größtentheils ganz seiger. Vom Zechstein bis auf das todte Flöz und sehr selten noch in demselben, sind sie edel; dem Streichen nach aber halten sie in einer Länge von 300 bis 700 Lachter aus.
Uebrigens haben sie ebenfalls die sonst bey andern Gängen vorkommenden Veränderungen, da sie ihr Hangendes oft zum Liegenden, und das Liegende oft zum Hangenden machen; auch durch Klüfte und andere Gänge durchschnitten werden.
Die Mächtigkeit derselben gehet von einem halben Zoll bis auf 6–8 Fuß. Der Kobolt darin bricht zwar nicht stets anhaltend, sondern nur nesterweise, und wird manchmal von starken, theils tauben, theils geringhaltigen Mitteln abgeschnitten; jedoch ersetzet dieses die Mächtigkeit des Kobolts wieder, welcher oft 12 bis 24 Zoll stark ganz derb anstehet.
Die Gewinnung und Förderung der Kobolte wird, wie auf gewöhnlichen Ganggebirgen, mit Abteufen, Strossen-, Försten- und Seitenbauen bewerkstelliget.
Die Kobolte werden gleich in der Grube von den Bergleuten in Stuf- oder reine Kobolte, in arme oder Koboltssalbänder und in Pocherze getheilet. Jede Gattung wird besonders zum Scheiden zu Tage gefördert und dem Scheidesteiger übergeben, welcher solche durch dazu angestellte Bergmannskinder, in Stuf- und gemeine Kobolte sowohl durchs Siebsetzen, als auch durch das Ausschlagen mit dem Scheidefäustel so rein als möglich scheiden läßt, und diese geschiedenen Kobolte alle Abende in verschlossene Verwahrung bringen muß.
Eine jede abgeschiedene Art wird nun für sich zusammengestürzt, und zur Versendung in 2–4 Zentner schwere Fässer gepackt. Diese Arbeit ernähret über 200 arme Kinder.
Zu den ganz armen und mit dem Hammer nicht zu scheidenden Kobolten bedient man sich des Pochens und Waschens, und hat dazu ein auf der Riegelsdorfer Hütte, und ein unterhalb dieser Hütte nach Riegelsdorf zu gelegenes Poch- und Waschwerk. Man pocht diese Kobolte wegen des beträchtlichen eigenthümlichen Gewichts des Schwerspats zu einem zarten Korne, schlämmt solche auf gewöhnlichen Schlammgräben, und wäscht sie auf gewöhnlichen Waschheerden, jedoch mit sehr geringem Falle; da man denn das in den Sümpfen aufgefangene zum zweytenmale wäscht, und von diesen Arbeiten Schlammheerde und Afterschliech erhält.
Die theils geschiedenen, theils verwaschenen, in Fässer gepackten Kobolte werden nach Schwarzenfels und Karlshafen abgeliefert, wo man sie auf die gewöhnliche Weise zur Fabrikation der blauen Farbe benutzet.
Der Betrieb dieses Werks geschiehet für landesherrliche Rechnung, und die Leitung des dasigen Berg- und Hüttenwesens ist dem dort angestellten Bergamte überlassen.
Merkwürdig sind die Gebirge um und bey Schmalkalden, da man so wohl Ketten von Urgebirgen, als Granit und Porphyr, als auch Flözgebirge daselbst, antrift. Im letzteren, welches prallig ist, daher tiefe Thäler bildet, machte man besonders im Kühberge, seit vielen Jahren mehrere Versuche auf Koboltgänge, die jedoch bis ins Jahr 1788 ohne glücklichen Erfolg waren.
In diesem Jahre aber befuhr der Herr Präsident Waiz, Freyherr von Eschen, dieses Werk selbst und ordnete die nöthigen Anstalten dabey so glücklich an, daß man schon in den ersten Tagen darauf einen Gang mit 20 Zoll mächtigem Glanzkobolt entblößete.
Ob aber das Porphyrgebirge, welches sich dem Flözgebirge zu sehr nähert, einem zukünftigen Koboltbergbaue nicht mancherley, und vielleicht gar unüberwindliche Hindernisse in den Weg legen dürfte, wird die Folge der Zeit entwickeln.
Auch in der Grafschaft Hanau bey Biber wird Kobolt auf den das dortige Flözgebirge – welches silberhaltige Kupfererze führet – durchschneidenden Gängen gewonnen.
Gegen Morgen streichet das Riegelsdorfergebirge bis nach
6) Glücksbrunn im Herzogthum Meiningen,
wo ehemals ein ergiebiger Koboltbergbau im Umgange war, welcher aber ietzt nur schwach betrieben wird.
In diesem Gebirge kommt der merkwürdige Umstand vor, daß viele der das Flöz durchschneidenden Gänge parallel neben einander laufen; so daß, wenn man daselbst einen Koboltrücken oder Gang überfähret, man nur unter demselben Winkel weiter auffahren darf, um versichert zu seyn, daß man deren noch 4, iedesmal in einer Entfernung von 3 bis 6 Lachtern, überfahren werde.
Fünf Kobolt führende Gänge laufen also als Gefährten, ohne sich zu scharen oder zu durchkreuzen, jedesmal parallel mit einander hin, und es richtet sich, sobald eine Aenderung in der Stunde vorfällt, stets einer nach dem andern. Ihr Zwischenraum, welcher theils aus zartem, theils aus grobgriffigem Flözgestein (dem Liegenden) bestehet, ist pochwürdig, und gibt einen reichen Schliech.
Die Gangart ist größtentheils Kalkspat, und der Kobolt, wie auch der Schiefer, sind dem Riegelsdorfer ziemlich ähnlich.
7) Nassausiegen.
Neben einer beträchtlichen Menge von Eisen- und Kupfererzen liefert das Gebirge um Eiserfeld und Gosenbach in dem Fürstenthume Nassausiegen auch Kobolte von verschiedener Güte.
Unweit dem erstern Orte liegt die Grube Ronhart am Michelsberge, welche vor ungefähr 12 Jahren reiche Anbrüche von Kobolt hatte. Sie ist gegenwärtig noch – obschon weniger ergiebig – im Vetriebe.
Im Hangenden des Kalkenborns – einer beträchtlichen Eisensteinzeche – liegen die Koboltgruben:
Der grüne Jäger, und der alte und junge wilde Bär.
Der flache Gang, worauf der grüne Jäger betrieben wird, führet Kobolt, Kupfererze, spätigen Eisenstein und Quarz mit sich.
Seine größte Mächtigkeit ist 5 Fuß. Die Kobolte brechen hauptsächlich im Hangenden und im Liegenden; in der Mitte des spätigen Eisensteins aber bricht neben verschiedenen Kupfererzen manchmal auch reichhaltiges violettes Kupferglaserz.
Im Jahre 1776 und noch einige Zeit nachher lieferte diese Grube jährlich 300 und mehr Zentner Kobolte. Im Jahre 1778 aber fieng sie schon an zu sinken, und da sich der Gang in 16 Lachterteufe ganz verunedelte, so kam sie im Jahre 1787 gänzlich in Verfall.
Der beste Kobolt von dieser Grube war von eisengrauer Farbe, (grauer Speiskobolt,) und brach in einer Teufe von 8 bis 12 Lachter. Er gab mit 1 bis 2 Sand F F C.
Dem grünen Jäger rechts liegen der alte und junge wilde Bär und zwar letzterer im Hangenden des ersteren.
Der Gang des alten wilden Bärs streicht in der 9ten Stunde, fällt nach Südwesten und setzt in einem spitzigen Winkel durch das Gebirge, dessen Masse eine Art von grauer Wacke ist, welche in der Nähe der Gänge schieferartig und von den dortigen Bergleuten Hornley genennet wird.
Die Gangart ist Quarz mit spätigem und anderem Eisenstein, und seine Mächtigkeit steigt bis auf 3 Lachter.
Der Kobolt bricht hier, wie überall in dieser Gegend, nesterweise und fast immer mit Eisen- und Kupfererzen vermengt. Der beym braunen Eisenstein vorkommende Kobolt ist der beste; die dasigen Bergleute glauben aber, daß gedachter Eisenstein die Koboltanbrüche schwäche.
Die Koboltarten dieser Gruben bestehen:
1) in grauem, feinkörnigem Speiskobolt, der reingeschieden mit 1 ½ Sand eine sehr liebliche FC gibt. Er bricht in einer Teufe von 20 bis 30 Lachtern.
2) in graulichgelbem Speiskobolt von sehr feinkörnigem, ins Dichte übergehendem Bruche, an manchen Stellen wie geflossen. Er gibt behutsam geröstet, mit 3 Sand F C, bricht in einer Teufe von 24 Lachtern 2 bis 3 Zoll mächtig, und wird leicht verkannt, und für Schwefelkies gehalten; auch ist er sehr schwefelhaltig.
3) in schwärzlich grauem feinkörnigem Speiskobolt. Dieser gibt mit 3 Sand MC und wird pro Zentner auf der Halde mit 20 bis 30 Gulden bezahlt.
4) in Koboltblüthe, welche schuppich, büschelförmig und sternförmig vorkömmt.
Die beyden Gruben alter und junger wilder Bär, welche für Rechnung des Herrn Waiz, Freyherrn von Eschen in Cassel bebauet werden, förderten im Jahre 1777 für 6850 Gulden Kobolt, wovon 1282 Gulden dem jungen wilden Bär gehörten.
In der Nachbarschaft der Schiefersteinbrüche am Häusling bauete man im Jahre 1780 eine Grube unter dem Namen Grüner Baum. Sie lieferte grauen Speiskobolt, welcher rein geschieden mit 3 Sand F F F C gab.
Er brach 5 Lachter tief in einem 2 bis 3 Fuß mächtigen Quarzgange. Es wurden aber nur ungefähr 16 Zentner davon gewonnen, wovon die erste Sorte mit 37 Gulden 35 Kreuzer und die zweyte mit 19 Gulden bezahlt wurde. Die Schwäche der Anbrüche aber machten diesem Werkchen bald ein Ende.
Gleich bey dem Eintritt in das Dorf Gosenbach – das der Stadt Siegen gegen Abend liegt, und von derselben durch steile Berge, worunter die sogenannte Schränke gehöret, gebauet ist – liegt links der Rotenberg, und diesem gegenüber der Schönberg.
Am Rotenberg liefert die Grube: Der grüne Löwe neben Kupfererzen auch Kobolte. Der Gang bestehet aus Quarz und spätigem Eisenstein. Er streicht in der der 6ten Stunde durch die Gesteinlager und fällt gegen Mittag.
Seine mittlere Mächtigkeit beträgt 1 Lachter, und die Kupfererze brechen meistens 1 Fuß, der Kobolt aber 6 Zolle mächtig darin.
Gewöhnlich stehen die Kupfererze am Hangenden, darauf folgt der Kobolt, welcher durch eine Schieferlage von ienen getrennet ist und in der Mitte des Ganges bricht: am Liegenden liegt Schwefelkies, Quarz und spätiger Eisenstein.
An dem nämlichen Berge wurde die Grube Sophia für Rechnung der Kaufleute Dörtenbach und Kompagnie in Kalb, im Herzogthume Wirtemberg, betrieben. Man bauete auf einem etwa 6 Zoll mächtigen Quarzgange, in welchem ärmlich Kobolt eingesprengt war.
Ob die Grube ietzt noch im Betriebe stehet, ist mir unbekannt.
An dem Schönberge liegen die Gruben: Kammer und Storch. Sie liefern grauen Speiskobolt, Glanzkobolt, schwarzgrauen Erdkobolt, und — zuweilen sternförmig krystallisirte Koboltblüthe.
Die auf den Gosenbacher Gruben vorkommenden Koboltarten sind:
1) Stahlgrauer Speiskobolt von gröberem und feinerem Korne;
2) Glanzkobolt – der von Schoneberg gibt mit 3 Sand F F C;
3) schwarzgrauer Erdkobolt, selten;
4) Koboltbeschlag und
5) Koboltblüthe.
Außer diesen werden auch bey Niederschelden einige unbedeutende Gruben auf Kobolt bebauet.
Vom Jahre 1767 bis 1784 wurden im Nassausiegenschen für ungefähr 73,807 Gulden Kobolte verkauft. Die Preise derselben steigen von 6 bis 40 Gulden für den Zentner.
8) Wirtemberg.
In dem Herzogthume Wirtemberg war ehemals ein sehr ergiebiger Koboltbergbau in der Gegend von Alpirsbach, Reinertsau und Schiltach, der auch Veranlassung zur Errichtung der unten beschriebenen Blaufarbenfabrike bey Alpirsbach gab.
Die Hauptmasse der dortigen Gebirge ist Granit, und die Gangarten, welche neben dem Kobolte auch gediegenes Silber, verschiedene Silbererze, gediegenes Kupfer und Kupfererze, Blende, Nickel und Wismuth mit sich führten, bestehen in Schwerspat und Kalkspat.
Die Gruben, welche bey Schiltach im Betriebe waren, hießen Maria im Rohrbach und treue Nachbarschaft im Sulzbächle; die bey Reinertsau: Goldener Löwe – Seegen Gottes — unverhofftes Glück nebst dem St. Georgentrumme – Mosis Seegen – drey Königsstern; die bey Alpirsbach: Eberhard und Wolfgang.
Von allen diesen Gruben sind, so viel mir bekannt ist, nur noch die zwo letzteren, und auch nur schwach, im Gange.
Die auf diesen Gängen brechenden Kobolte waren:
1) schwarzer
2) brauner
3) gelber Erdkobolt,
4) Koboltbeschlag,
5) Koboltblüthe,
6) Glanzkobolt, und
7) Kobolthaltender Kupfernickelocher.
9) Fürstenthum Fürstenberg.
Die älteste der in dem Fürstenthume Fürstenberg betriebenen Koboltgruben ist der einige hundert Schritte nordwestlich von dem Kloster Wittichen abliegende
St. Joseph.
Nach allen zu Tage und in der Grube selbst gefundenen Anzeigen und einigen wenigen dem Zahne der Zeit entrissenen Urkunden müssen unsere Vorfahren vor 200 und mehreren Jahren schon reichliche Ausbeute an gediegenem Silber und silberhaltendem Kobolte *) gehabt haben, ungeachtet sie mit ihren Arbeiten kaum in die Mitte des vom Thale sich erhebenden Gebirges kamen, wo sie dieselben, ohne ihre Nachkommen mit der Bewegursache bekannt zu machen, in guten Anbrüchen verließen.
*) Silberhaltender Kobolt bestehet größtentheils aus schwarzem und grauem, mulmigem oder verhärtetem Erdkobolt, worin mehr oder weniger gediegenes Silber – manchmal so innigst, daß mans auch mit bewaffnetem Auge nicht entdecken kann – eingesprengt ist.
Diese Arbeiten wurden im Jahre 1695 wieder eröffnet, und darauf, besonders in den Jahren von 1705 bis 1710 mächtige Anbrüche von gediegenem Silber, verschiedenen Silbererzen und guten Farbenkobolten erschroten, welcher letzteren wegen ein Blaufarbenwerk eine halbe Stunde von Wittichen erbauet wurde.
Von dem ferneren Bau und Ertrage dieser Grube kann ich wegen des Mangels an Rechnungen und anderer gültigen Urkunden bis aufs Jahr 1733 nichts mehr sagen, als was ich in Herrn Gmelins Beyträgen zur Geschichte des deutschen Bergbaues S. 433 fand, und nur wörtlich hier abschreibe: daß nämlich innerhalb 14 Jahren, von 1720 bis auf das Quartal Lucian 1733, aus Silber und Kobolt, den herrschaftl. Gegenden und Schlägeschatz nicht dazu gerechnet, von dieser Grube 386,212 fl. 53 kr. eingekommen seyn.
Seit dieser Zeit wurde diese Grube zwar immer fortgetrieben, und auch die Teufe auf ungefähr 95 Lachter versucht; allein wegen der sehr geringen Anbrüche von Farbenkobolten und des gänzlichen Ausbleibens der Silbererze nur schwach und mit Zubußen, bis sich bis um das Jahr 1779 beym Nachhauen der alten Hälse die Anbrüche von Farbenkobolten vermehrten, und man durch einen am obern Theile des Gebirges angelegten Querstollen im Jahre 1781 auf ein ungefähr 10 Zoll mächtiges Kalkspattrum traf, worin gediegenes Silber nebst silberhaltigem und etwas Farbenkobolt erschroten wurde. Und da man bey Zurichtung einer Hornstatt, um auf dem edlen Trumme abzusenken, in eine allem Anscheine nach sehr alte Arbeit einschlug, wo noch reicher silberhaltender Kobolt und hie und da ein Nierchen gediegenen Silbers, auch Silberglaserz anstund, so hoffte man, wenn anders noch frisches Feld da wäre, von dieser alten Grube nochmals Ausbeute. Diese Hoffnung trog, da in der Tiefe die Erze ganz ausblieben, und in dem obern Theile des Gebirges man beynahe alles von den Alten preß gehauen fand.
Das sanft ansteigende Gebirge, worin diese Grube betrieben ward, erhebt sich von Südost nach Nordwest, und bestehet gänzlich aus Granit. Der Gang hat sein Streichen in der 12ten Stunde, fällt Thonläge, ist von 12 zu 18 Zoll mächtig, und bestehet größtentheils aus röthlichem Kalkspat, vermengt mit schwerem Spate und aufgelöstem Granit.
Die Erze erschienen hier nur Nieren- oder Nestersweise, und bestanden aus gediegenem Silber, Silberglaserz, silberhaltendem Kobolte und — an reinen Farbenkobolten — aus schwarzem und braunem Erdkobolt; Glanzkobolt, grauen Speiskobolt, Koboltbeschlag und Koboltreichem Kupfernickelocher *).
*) Der Kupfernickelocher wird von den fürstenbergischen und mehreren andern Bergleuten, auch in den Schriften einiger Mineralogen: Grüner Kobolt genannt, weil er immer mit Kobolttheilchen, fein eingemengt, vorkömmt.
Die zwote Grube heißt
Sophia.
Dieser Gang wurde in dem nämlichen Gebirge vor ungefähr 60 Jahren erschürft; er ist von einigen Zollen bis zween Fuß mächtig; streicht in der Mittagsstunde; fällt beynahe seiger und bestehet aus röthlichem und weißem Kalk- und Schwerspat, worin sich Trümchen und Nieren von grünlichem und bläulichem Flußspate finden.
Die ersteren Anbrüche hatte man im obern Theile des Gebirges auf dem Gange, wo gediegenes Silber, reicher silberhaltender Kobolt und besonders schön krystallisirtes rothgiltiges Erz brach. Als man hernach die Teufe versuchte, traf man auch hier auf gediegenes Silber; besonders ward im Jahre 1750 auf einem Nebentrumme, in einer Tiefe von ungefähr 60 Lachtern vom Tage nieder, ein mächtiger Fall dendritisch gewachsenen Silbers aufgeschlossen, das aber nur 10 Lachter ins Feld, und einige Lachter in die Teufe anhielt. Zwölf Lachter tiefer, auf dem Hauptgange, brach derber Glanzkobolt, der sich aber bald wieder verlor; worauf sich Arsenik mit wenigem in feinen Dräthen gewachsenen Silber und rothgiltigem Erze anlegte, allein auch nicht von langer Dauer war. Man sank noch bis 40 Lachter tiefer ab, verfolgte den Gang im Hangenden und Liegenden, verspürte aber keine edlen Anbrüche, sondern nur hie und da Schwefel- und Arsenikkiese mit wenigem Farbenkobolt, wornach, weil sich der Gang stürzte und offen machte, die tiefsten Arbeiten verlassen wurden. Der Gang setzte ungefähr 80 Lachter ins Feld, worauf er sich zertrümmerte.
Neben gediegenem Silber wurden aus dieser Grube alle bekannten Silbererze, das Hornerz ausgenommen, nebst vielen Farbenkobolten, welche in verschiedenen Arten von Erdkobolten in Glanz- und Speiskobolten, in Koboltbeschlag und Koboltblüthe bestanden, mit gediegenem Wismuth und Arsenikkiese nebst wenigem Scherbenkobolt gewonnen, und die von dem Jahre 1758 bis 1784 aus diesen Erzen gezogene Einnahme beläuft sich ungefähr auf 300,000 Gulden.
Die nachherigen Arbeiten geschahen größtentheils auf Trümmern im Hangenden, 8 bis 20 Lachter unter der Stollenstrecke, ungefähr 65 Lachter vom Tage nieder. Auf einem dieser Trümmer machte es noch im Quartal Reminiscere 1783 einen wichtigen Fall gediegenen Silbers, wovon einige Stufen, in denen krystallisirter Glanzkobolt das Silber überdeckte, besonders schön waren. Nach einigen Monaten aber wurde das Silber von den Farbenkobolten gänzlich verdrungen.
Die dritte Grube nannte man
Neuglück.
In dieser in dem nämlichen Gebirge getriebenen Grube streicht der Gang bey 300 Lachter ins Feld, und ohne Zweifel noch weiter, wird aber, weil man keine Erze mehr darin verspürte, nicht mehr verfolgt. Die vielen hundert aus diesem Werke gewonnenen Zentner Kobolte brachen alle auf dem bis zu 3 Fuß mächtigen Gange in Fällen von kleinen Entfernungen. Er war besonders in die Teufe, die bis auf 120 Lachter versucht ward, fast immer, bald mehr, bald minder, edel. Ab- und zugehende Trümmer wurden sehr wenige bemerkt.
Diese Grube hat sich zwar einige Jahre freygebauet; da man aber die Teufe wegen der vielen Wasser und der daher entstandenen allzustarken Förderniskosten, ungeachtet darin hie und da noch Farbenkobolte anstehen, verließ, und mit den Anbrüchen in einigen Försten- und andern Arbeiten das Werk nicht in Bau erhalten konnte, stehet es nun, so viel mir bekannt ist, seit dem Jahre 1783.
Die Kobolte von dieser Grube bestanden in schwarzem Erd- und Glanzkobolt.
Die vierte an Kobolt ergiebige Grube dieses Reviers heißt
Güte Gottes.
Sie liegt einige hundert Lachter gegen Nordwest von den schon beschriebenen Gruben ab, und wurde im Jahre 1740 eröffnet.
Die Hauptmasse des Gebirges, worin sie betrieben wird, bestehet auch hier aus Granit; der Gang ist weißer und röthlicher Kalkspat, bald vermengt, bald abwechselnd, mit Schwerspat, streicht in der Mittagslinie und fällt ziemlich seiger.
Dieser Gang blieb ungefähr 50 Lachter ins Feld edel, lieferte vortrefflichen Farbenkobolt, auch manchmal Kleinigkeiten gediegenen Silbers, und die Grube kam auf einige Zeit in Ausbeute.
Da aber nun gegen den einen Abhang des Gebirges ein wüster weicher Thonschiefer einfiel, ward auf dem Gange abgeteuft; allein hier glaubte man bald durch die aufsteigenden Grundwasser an der Fortsetzung der Arbeit gehindert zu werden, und erbauete zu deren Gewältigung ein Kunstgezeuge. Diese Einrichtung verursachte große Kosten; die Zubußen mußten erhöhet werden; die gehofften Anbrüche kamen nicht mächtig genug, und die Gewerken wurden des Hoffens und Zahlens müde, der nothwendige, viel versprechende Versuch in die Teufe blieb unerfüllt, und die Grube fiel im Quartal Lucian 1776 ins Freye.
Im Jahre 1779 wurde die Grube wieder aufgemacht, und die nachherigen Arbeiten zeigten, daß der Kostenaufwand zu iener Maschine unnöthig war.
Die Teufe ward nun mit größerem Glücke, ohne Furcht vor den wenigen Wassern, versucht, und man erschrotete bald die besten Farbenkobolte, die einige Jahre anhielten, und täglich mächtiger, besonders auf einigen Trümmern im Hangenden, brachen. Auch sah man, daß der Gang zwischen ienem wüsten Schiefer und dem Granit fortstreiche, und gewann darin nicht selten gute Farbenkobolte.
Die Grube bauete sich seit ihrer Wiedereröffnung stets frey, und ließ beym Anhalten der Erzanbrüche mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit auf künftige Ausbeute hoffen. Jhr gegenwärtiger Zustand aber ist mir nicht bekannt.
Außer gedachten Gruben bauete man noch zwey kleine Werke auf Kobolt unter den Namen:
St. Anton und Ferdinand.
Sie ließen hoffen, daß sie die Anzahl der guten Koboltgruben dieses Reviers vermehren würden, sobald als man mit ihren Querstollen an die erschürften, vorliegenden Gänge käme; mußten aber aus Mangel an Gewerken, ehe man den vorgesetzten Zweck erreicht hatte, eingestellt werden.
Unter die deutschen Länder, wo noch, außer den angeführten, Koboltbergbau von größerer oder geringerer Wichtigkeit betrieben wird, gehören noch
10) die Grafschaft Falkenstein;
11) Steuermark,
wo bey Wismuth und Nickel jährlich auch einige 100 Zentner Kobolt auf den unweit Schladming liegenden Gruben gewonnen werden;
12) Tyrol
– bey Montafun und Schwaz, und
13) Salzburg,
wo besonders auf dem sogenannten Leogange, einem Thale, das sich vom Markte Saalfelden in Unterpinzgau nach Nordwest hinziehet, ein ziemlich beträchtlicher Bergbau auf Kupfer- und Bleyerze, bey denen manchmal Kobolt mit Kupfernickel bricht, betrieben wird.
Das Gebirge bestehet da, wo die Gruben aufgeschlossen sind, aus einer sich weit ausdehnenden aufgesetzten Gebirgsmasse, welche Kalkstein, Thonschiefer, zuweilen auch mergelartigen Schiefer und Gips, nicht allein lagenförmig, sondern hie und da auch stockförmig enthält.
Die Erze brechen in kurzklüftigen, aber oft viele Lachter mächtigen Lagern, welche ihr Streichen aus Morgen gegen Abend haben, und ihr Fallen gegen Mittag; der Grad ihrer Verflächung ist abwechselnd, größtentheils aber ziemlich flach. Beständige Veränderung ist das Loos der Erzlager, welche hier die Natur in eine Gangmasse geleget hat, und ihre Mächtigkeit erreichet an einigen Stellen 50 bis 60 Lachter.
Die Gangarten – oder eigentlicher – die Steinarten der Erzlager bestehen in Kalkstein, verhärtetem Thone, Gips und seltener auch aus Kalk- und Flußspat.
Hierin erscheinen eine Menge verschiedener Erze, besonders aber – wie schon gesagt – Kupfer- und Bleyerze, seltener Quecksilber, Eisenerze und Kobolt mit Kupfernickel.
Die hier und an einigen andern Orten des Salzburgischen Gebirges vorkommenden Kobolte sind
1) grauer Speiskobolt – im Leogang und auf der Zinkwand im Lungau;
2) Glanzkobolt – im Leogang;
3) Schwarzer Erdkobolt — daselbst und zu Fügen im Zillerthal;
4) Brauner Erdkobolt — im Leogang;
5) Koboltbeschlag — daselbst, und
6) Koboltblüthe — auf der Zinkwand im Lungau.
14) Ungarn.
In Ungarn findet man Spuren von Kobolt bey Püganz, im Gommerer Komitate, und in der Zips Kobolt mit Kupfererzen und spätigem Eisenstein; Erd- und Glanzkobolt, Koboltbeschlag und – bürstenförmig krystallisirte Koboltblüthe, neben Kupfererzen auf Quarzgängen im Thonschiefergebirge bey Schmöllnitz und Dobschau, und grauen mit Nickel vermengten Kobolt, welcher goldhaltig ist, und deswegen amalgamirt wird, bey Oraviza im Bannate.
15) Piemont.
Nahe bey dem Thale Sesia in dem Fürstenthume Piemont sind die Gruben von Sesera, welche in einem kalkartigen grünlichen Thonschiefer auf Kupfer, Bley, Zinn, Kobolt und Nickel – die öfters sehr reich an Gold und Silber sind – betrieben werden.
Zu Traves in dem Valleia de Lanz bauet man auch auf Kobolt, welcher nach Deutschland verkauft wird.
16) Frankreich.
In den Gängen des Gebirges Chalonches, welches im Kirchspiele Allemant in Dauphinée liegt, und worin seit 1768 Bergbau getrieben wird, finden sich verschiedene Arten von Kobolten neben gediegenem Silber, Horn- und Glaserz, rothgiltigem Erze; das Gebirge bestehet aus Gneis mit Hornblende (Werners Hornblendeschiefer). Die Gebirgslager schießen, im Allgemeinen betrachtet, gegen Abend unter einem größern oder kleinern Winkel an, und enthalten mehrere Lager von weichem Kalkstein, welcher zu gleicher Zeit mit dem Gneis gebildet worden zu seyn scheint; da diese beyden Gebirgsarten unmerklich einander übergehen.
Man findet viele Gänge vom Fuße bis zum Gipfel dieses Gebirges, welche aber, wie die Erzlager, von geringem Umfange sind; denn nur zween derselben setzen ihrem Streichen nach 40 bis 50 Lachter weit, und dem Fallen nach 30 Lachter tief fort. Manche erstrecken sich ins Feld und in die Teufe nur auf einige Lachter; führen aber gemeiniglich die reichsten Erze, allein in sehr geringer Menge, so daß man kaum einige Zentner davon erhält, worauf sich der Gang sogleich wieder abschneidet.
Wenige derselben scharen sich zusammen; jeder ist gleichsam im Gestein isoliret. Jhr Streichen und Fallen ist äußerst unordentlich. Bey Ersterem gibt es so viele Verschiedenheiten, als Abtheilungen auf dem Kompasse, und letzteres ändert sich von 50 bis 70 Graden.
Diese Gänge sind 1 bis 12 Zoll mächtig, und bestehen größtentheils aus Eisenocher mit wenigem Kalkspat, wobey selten grüner Strahlschörl und Asbest einbricht. Das Anhalten reicher Erze ist eben so unbeständig, als das Verhalten der Gänge.
Ofters brechen zu Anfang eines Lachters Nieren sehr reicher Erze, welche sich aber kaum 12 Zoll weiter hin in Erze von geringem Gehalte verwandeln.
Der Kobolt zeigt sich hier nur nesterweise, und die Arten desselben bestehen in schwarzem, mulmichem und verhärtetem Erdkobolt und in Glanzkobolt. Ersterer hält öfters 20 bis 80 Mark Silber im Zentner. Auch findet man hier das sogenannte gänseköthige Erz, welches aus schwarzem Erdkobolt, Koboltbeschlag, grünem Kupfernickelocher, gediegenem Silber, und zuweilen noch aus Thon und Eisenocher, wie auch aus Quecksilber bestehet.
Von dem durch den Grafen von Beust bey Juset in den französischen Pyrenäen entdeckten Kobolte, erfolgt unten bey der Beschreibung des von demselben errichteten Blaufarbenwerks nähere Nachricht.
Bey Markirch – Ste Marie aux mines – im Elsaß werden auch verschiedene Arten von Kobolten, besonders Glanz- und Speiskobolt – welcher letztere manchmal gestrickt vorkömmt – gewonnen und an die Blaufarbenfabrike bey Gengenbach verkauft.
17) Spanien.
In dem Thale Gistau in den Pyrenäen von Arragonien bricht vorzüglich guter Glanz- und grauer Speiskobolt, welcher ehemals von den Deutschen – wie ich unten bey der Beschreibung des Blaufarbenwerks bey Wittichen im Fürstenthume Fürstenberg zeigen werde – lange Zeit auf das vortheilhafteste benutzet wurde, da ihn die Spanier anfangs für ein Bleyerz hielten, und überhaupt seine Eigenschaften und den davon zu machenden Gebrauch nicht kannten.
Seit einigen Jahren aber geben sie sich Mühe, durch Hülfe geschickter Deutschen auch in der Mineralogie und Bergbaukunde mehr Aufklärung zu erhalten, und diese wird ohne Zweifel die Arragonischen Kobolte immer mehr vertheuern.
18) Großbrittanien.
Aus dem Gentl. Magaz. vom Jahre 1755 erhellet, daß man schon damals Kobolt in Großbrittanien – in welcher Provinz zeigt die vor mir liegende Stelle nicht an — fand, aus welchem blaues Glas zu verfertigen, verschie- (Strana 44) denen Chemisten mißlungen seyn soll, weil sie die Abscheidung des färbenden Metalls im Schmelzen nicht verhüteten; andern aber soll der Versuch blos von ungefähr gelungen seyn. Vielleicht war dieses der nämliche Kobolt, welcher nach neuern Nachrichten in der Provinz Kornwall auf Quarzgängen im Granitgebirge von 6 bis 9 Zoll Mächtigkeit mit Wismuth vorkommt.
Er ist von allem Nickel frey, derb, weißlichgrau – ohne Zweifel grauer Speiskobolt – und sehr metallisch, und gibt mit 6 Sand eine vortreffliche blaue Farbe.
19) Norwegen.
Bey Fossum und Modum unweit Kongsberg brechen Glanz- und grauer Speiskobolt, in einem von 1 bis 5 Lachter mächtigen, vom Tage aus edlen und 4 Meilen von Mittag gegen Mitternacht streichendem Gange im Glimmerschiefergebirge. Sie werden auf dem Blaufarbenwerke zu Bregnüs verarbeitet.
20) Schweden.
Bey Tunaberg, Los, Skila, und im Kirchspiele Skingsketteberg in der Provinz Westmannland werden auch Kobolte, aber nicht in beträchtlicher Menge, gefunden; auch zu Gladhammer unweit Kalmar in der Provinz Smaland findet man eine Art Kobolt, der allein durch Schwefel vererzt ist.
Dieses ist der mir bekannte Koboltbergbau, welcher sich ohne Zweifel immer weiter ausbreiten wird, je mehr man das über der Fabrikation der aus ihm verfertigten blauen Farbe seither liegende Dunkel erhellet, und je mehr sein Gebrauch auch bey andern Kunststücken sich erweitert. Aus dem, was ich über diesen Bergbau anführte, ergibt sich, daß der Kobolt – besonders in Deutschland – häufig vorkommt, und daß, ungeachtet des starken Verbrauchs desselben, doch sobald kein Mangel daran eintreten wird, da der eigentliche Bau auf dieses Mineral, in Rücksicht auf andere, noch sehr neu ist; da unsere Vorfahren ihn zu sehr fürchteten oder zu sehr verachteten, um Förderungen auf ihn vorzurichten, und da sich aus diesem Grunde wahrscheinlich immer neben den ganz neu zu erschärfenden noch koboltführende Gänge finden werden, welche die Alten, kaum aufgeschlossen, wieder verließen.
In Ansehung seiner Lagerstätten siehet man aus dem Gesagten, daß er größtentheils in den Urgebirgen und unter diesen vornehmlich im Gneis und Glimmerschiefer, selten im Thonschiefer und der grauen Wäcke, seltener im Granit *) – allein hierin immer vorzüglich gut – in den den Flözgebirgen aber nur auf den sie durchschneidenden Gängen – also stets auf Gängen und Erzlagern, nie auf Flözen – vorkommt; daß nicht selten gediegenes Silber und andere reiche Silber- und Kupfererze, öfters Nickel, Wismuth und Arsenik, selten Eisen, Bley, Zinn und Zink, höchst selten Gold, Quecksilber und Spießglanz, in größerer oder geringerer Quantität, ihm beygemenget sind, und daß er also von unseren guten Vorfahren mit Unrecht ein Räuber oder Vertilger anderer Metalle geschimpft wurde.
*) Schon bey verschiedenen Gelegenheiten habe ich meine Verwunderung über den Eigensinn gezeiget, womit nicht nur Stubenmineralogen, sondern auch sogenannte Betriebsmänner von Ansehen, das Vorkommen erzführender Gänge im Granit, oder wenigstens ihre Bauwürdigkeit bestreiten; und läßt man ihm ia noch einige Gerechtigkeit wiederfahren, so muß er doch verändert, aufgelöset, regeneriret u. s. w. seyn, um zur Lagerstätte dieses oder ienes Erzes tauglich zu werden. Ich bin etliche und zwanzig Jahre in einer Gegend gewesen, wo ein ergiebiger Silber- Kupfer- und Koboltbergbau im Granitgebirge betrieben wurde; ich habe eine Menge von erzführenden Graniten vor mir liegen, und sahe nie, und sehe auch ißt noch nicht, daß dieser mehr oder minder verändert, aufgelöset oder regeneriret ist, als der gewöhnliche taube Granit, selbst von den höchsten Gebirgen. Warum iener aber in der Nähe der Gänge und Erzlager mehr aufgelöset ist, als in der Entfernung von ihnen, hat der Herr Bergakademie-Inspektor Werner in seiner neuen Theorie von der Entstehung der Gänge deutlich gezeiget, wornach aber die Auflösung des Granits nicht Ursache des Daseyns der Erze, sondern Folge desselben ist, ergo – –
Wem übrigens der Bergbau bey Wittichen und Wolfach im Fürstenthume Fürstenberg; bey Alpirsbach und Reinertsau im Herzogthume Wirtemberg; bey Schorfenberg und Altenberg in Sachsen und der in der Provinz Kornwall die Augen nicht öffnet, der wird auch bey den neueren Nachrichten aus dem spanischen Amerika über die in Granit enthaltenen Reichthümer blind bleiben.
p. 46–52
III. Einleitung in die Fabrikation der blauen Farbe aus Kobolt.
Ich komme nun zu der Bereitung der blauen Farbe aus Kobolt, oder zu den Blaufarbenwerken, und beginne, bevor ich eine specielle Beschreibung dieser oder iener Fabrike dieser Art gebe, mit einem Blick auf die Bedürfnisse derselben, deren Anschaffung und Anwendung.
Da der Kobolt das Haupterforderniß bey der Bereitung dieser blauen Farbe ist, so muß man bey der Errichtung eines Blaufarbenwerks natürlicher Weise zuerst darauf sehen, ihn wohlfeil, gut und in hinreichender Menge zu erhalten, weil davon hauptsächlich der Ertrag der Fabrike abhängt.
Seine Wohlfeilheit ist relatif; denn ein Blaufarbenwerk kann – selbst franko Fabrike – den nämlichen Kobolt, wegen der geringern Preise der übrigen Materialien, der Lebensmittel und der daraus entspringenden weniger hohen Arbeitslöhne, des sichern Debits der verfertigten Farben und vieler anderer lokaler Vortheile, welcher es genießet, öfters um 10 und mehrere Thaler – nach dem Zentner – ohne Verlust theurer bezahlen, als ein anderer, dem alle oder einige iener Vortheile mangeln. Es lassen sich daher keine allgemeine Preise angeben, und ein geschickter Farbenmeister wird – nach der im Kleinen gemachten Probe – den für sein Farbenwerk vortheilhaftesten Preis ieden Kobolts leicht ausmitteln können.
Die Güte des Kobolts hängt – wie man nun überzeugt ist, daß seine tingirende Kraft von ihm selbst, nur allein, herrühre – natürlicher Weise von seiner Reinheit, also von der größern oder geringeren, chemischen oder mechanischen, Beymischung fremdartiger Körper ab. Alles, was nicht er selbst ist, ist ihm schädlich; vermindert seine färbende Eigenschaft oder verunreiniget das Produkt. Der reinste unter den von mir auf blaue Farbe untersuchten Kobolten, war eine Art schwarzen Erdkobolts – Koboltmulm — von der Grube Güte Gottes bey Wittichen im Fürstenthume Fürstenberg, der nach Kirwan blos mit Luftsäure vererzt seyn soll. Er gab mit 10 Schweren Sand eine vortreffliche F C, mußte aber mit der äußersten Genauigkeit und nur wenig geröstet werden.
Die dem Kobolte chemisch beygemischten fremdartigen Substanzen, als Arsenik, Schwefel &c. können im Großen nicht anders als durchs Kalciniren oder Rösten von ihm geschieden werden; von den ihm mechanisch beygemengten fremden Körpern aber wird er theils durch die bloße Scheidung mit der Hand, theils – wenn ienes wegen der Feinheit der Theilchen nicht mehr angehet – durchs Pochen und Verwaschen gereiniget, wie ich unten bey Gelegenheit der für das Blaufarbenwerk zu Querbach aufbereiteten Koboltschlieche zeigen werde.
Die Menge des aufzukaufenden Kobolts richtet sich natürlicher Weise nach dem Debit der blauen Farbe; allein man muß sich bey Anlegung einer solchen Fabrike gewiß versichern, daß man den Schmelzofen nie aus Mangel an Kobolt zur unrechten Zeit ausgehen lassen muß, weil weil dadurch das ganze Werk stockt, die Arbeiter nicht überall gut unterzubringen sind, und der Gehalt der Officianten doch fortgehet.
Das zweyte Bedürfniß zu einem Blaufarbengemenge ist der Quarzsand. Man findet ihn theils schon als Sand in Flüssen, theils bereitet man ihn aus Quarzen, die auf Lagern oder Gängen brechen, theils aus Kieselsteinen – abgerundeten Quarzgeschieben – welche man auf den Feldern findet.
Je reiner dieser Sand, Kiesel oder Quarz ist, desto tauglicher ist er zur blauen Farbe; denn je weißer dieses verglasende Material ist, und je weniger es sich, eben wegen seiner Reinheit im Feuer verändert, desto mehr kann die tingirende Eigenschaft des Kobolts wirken, da die blaue Farbe alsdann weder eine Hinderniß von andern färbenden Substanzen findet, noch auf irgend eine Weise durch diesen Zusatz verunreiniget werden kann.
Dieser Quarz muß daher von allen fremden Beymischungen, und besonders von seinen oft vorkommenden Begleitern, dem Thon, Talk, Glimmer und Eisen, ganz frey seyn, weil er sonst entweder nicht gar schmelzen, oder stets ein schmutziges Glas liefern wird. Kann man seine Reinheit nicht an seiner Weiße und Durchscheinbarkeit erkennen, so muß man ihn erst brennen, und dann sehen, ob er rein und weiß ist; und glaubt man alsdann noch nicht sicher zu seyn, so muß er geschlämmet werden, und wird er auch dadurch noch nicht hellweiß, so ist er untauglich zum Zusatze bey dem Blaufarbengemenge.
Im Großen ist es überhaupt gut, ihn nach dem Brennen und Pochen durch ein feines Sieb zu sieben, um die unverpochten Glimmer- und Eisentheilchen davon zu scheiden, oder noch besser – aber kostbarer – ihn über einen Heerd zu waschen. Die beste Art ihn zu brennen, ist (Strana 49) ist in der Beschreibung des Blaufarbenwerks zu Querbach angezeigt.
Der den Blaufarbengemengen gewöhnlich beygemengte Fluß ist die Potasche, ein feuerbeständiges Laugensalz, welches man vornehmlich aus der Asche folgender Holzarten in den angezeigten Quantitäten erhält:
| ¼ Zentner Ahornholz gibt kalcinirtes Salz – | 81 Loth. |
| ¼ Zentner Hollunder – – – – – – – – | 48 Loth. |
| ¼ Zentner Weißbuchen – – – – – – | 46 Loth. |
| ¼ Zentner Ellern – – – – – – – – – – – | 40 Loth. |
| ¼ Zentner Eschen – – – – – – – – – – | 36 Loth. |
| ¼ Zentner Eichen – – – – – – – – – – | 26 Loth. |
| ¼ Zentner Birken – – – – – – – – – – | 23 Loth. |
| ¼ Zentner Weiden – – – – – – – – – | 16 Loth. |
| ¼ Zentner Rothbuchen – – – – – | 10 Loth. |
Durch die Betrügereyen der Potaschenbrenner wird dieses vegetabilische Salz öfters sehr verunreiniget, indem sie Sand und Kalk damit vermischen. Beydes ist sehr schädlich; ersterer trüget bey Machung der Gemenge, da man alsdann nicht so viel Sand zusetzen kann, und doch den beygemengten Sand als Potasche bezahlen muß. Der Kalk aber ist deswegen schädlich, weil er der Potasche viel Kraft benimmt, viel Glasgalle gibt, und daher beym Ausschöpfen um sich wirft. Beyde Betrügereyen erkennt man, wenn man etwas Potasche in Wasser auslöset und hierauf filtriret, da man sodann im Filtrirpapier den Sand, Kalk oder andere Unreinigkeiten findet.
Außer den angeführten Verfälschungen wird auch manchmal die aus Holzasche verfertigte Potasche mit einer aus eingekochter Mistlake bereiteten Potasche vermischet, und dadurch dem Fabrikanten, der sie kalciniret, ein beträchtlicher Verlust verursachet, da bey einem solchen vermischten Laugensalze durch das Kalciniren wenigstens der vierte Theil verloren gehet, indem die ächte Potasche kaum den 20sten Theil dadurch verlieret. Man siehet hieraus, wie sehr man sich beym Ankaufe dieses bey den Blaufarbenwerken so nothwendigen Materials in Acht nehmen muß, und daß es daher am besten ist, solche selbst zu bereiten.
Uebrigens gründet sich ein wichtiger Theil des Haushalts bey den Blaufarbenwerken auf den wirthschaftlichen Gebrauch der Potasche. Das Ersparniß derselben kann aber am besten durch die sogenannte Sumpfeschel bewirkt werden, wenn man z. B. von dieser – die kaum halb so theuer als die Potasche ist – iedem harten Gemenge ein Viertel zuschläget, und dadurch neben der Ersparniß der Potasche, das Ausbringen der mustermäßigen O E vermehret, indem die Sumpfeschel mit dem Alkali zugleich verglaset, in den Sümpfen aber wieder erhalten wird. Um diesen Eschelzuschlag in möglicher Menge zu erhalten, ist es gut, die aus den Eschelsumpfen ausfließenden Wasser aufzufangen, und in einer, allenfalls an den Schmelzofen angebrachten, eisernen Pfanne abdunsten oder in offenen Sümpfen nach und nach abtrocknen zu lassen, um dadurch die sogenannte Stückeschel sich zu verschaffen. Von allen Bedürfnissen eines Blaufarbenwerks aber ist das Holz das erste. Alle übrigen kann man noch, manchmal wohlfeil genug, aus der Entfernung herbeyschaffen; allein das Holz muß in der Nähe, in hinlänglicher Menge, sich finden; und man muß versichert seyn, daß der Abgang den Anwachs nicht zu sehr übertriffst, und daß seine Preise, verhältnißmäßig mit den Preisen anderer Bedürfnisse, nicht steigen. Man nimmt zum Gebrauch auf den Blaufarbenwerken immer weiches Holz – wovon das Tannen- und Kiefernholz das beste ist – theils wegen seiner niedrigen Preise, theils weil es mehr Flamme – die das Rösten und Schmelzen befördert – gibt, als das Harte. Wegen des Mangels der letztern Wirkung zweifle ich sehr, ob man auch mit den besten Steinkohlen ie, mit Vortheil, den Kobolt werden rösten oder das Gemenge schmelzen können; denn auf alle Fälle würden diese Arbeiten verlängert, so nach auch die Kosten vergrößert werden.
Das Holz muß übrigens trocken und nicht faul seyn, damit es leicht brennet und eine gleiche Flamme gibt. Hat dasselbe seine gehörige Trockenheit, so halte ich das Darren nicht nur für überflüssig, sondern sogar für schädlich, indem das Holz dadurch immer von seinem Phlogiston verlieret. Man entlehnte diese Methode von den Glashütten, wo das Darren aber nur deßwegen geschiehet, damit das Holz nicht springe, und durch die abgesprungene Spleißen, Blasen ins Glas mache; diese Ursache fällt aber hier weg.
Um eine ganz gleiche Flamme zu erhalten, versuchte man in Querbach mit klein gespaltenem Holze zu schüren; allein Hitze und Flamme ward dadurch zu schwach, und das Gemenge schmolz nicht.
Die Schönheit der blauen Farbe zu vermehren, oder wenigstens sie nicht zu vermindern, hängt gar sehr von der Reinheit des benöthigten Wassers ab. Man muß daher beym Ablöschen und Pochen des Glases, besonders aber beym Verwaschen der Farben sehr darauf sehen, daß das dazu nothwendige Wasser frey von allen fremden mineralischen und vegetabilischen Beymischungen, kurz: reines Quellwasser sey.
Ist man nun im Besitz aller dieser zu einem Blaufarbenwerke erforderlichen Bedürfnisse, so verstehet sich von selbst, daß die genaueste Kenntniß der zu erhaltenden Kobolte nicht nur ihre Anwendbarkeit und Behandlung, sondern den Gang des ganzen Werkes leiten muß. Diese Kenntniß aber zu erlangen, erfordert unaufhörliches Probieren im Kleinen nach der gewöhnlichen Art, oder, will man weiter gehen, nach dem Verfahren eines Brand, Mönch und Abich, welches man aus den diesem Büchlein angehängten drey Abhandlungen über die Bestandtheile des Kobolts ersehen kann.
Die Manipulation bey Bereitung der blauen Farbe hat schon Lehmann gezeigt, und einige Verbesserungen darin sowohl als die übrige Einrichtung solcher Fabriken, kommen in der unmittelbar auf diese Einleitung folgenden speciellen Beschreibungen der jetzt umgehenden Blaufarbenwerke vor, welche geschickten Farbenwerks-Directoren vielleicht Anlaß geben werden, die Fabrication der aus Kobolt verfertigten blauen Farben immer mehr zu vervollkommnen.
pp. 52–64
IV. Blaufarbenwerke.
1) Querbach in Niederschlesien.
Das hier umgehende Blaufarbenwerk wurde im Jahre 1774, nachdem man überzeugt war, daß die dortigen Kobolt führenden Erzlager für seinen Betrieb ergiebig und anhaltend genug waren, erbauet.
Da ich das Glück hatte, diese Fabrike während meines sechs monatlichen Aufenthalts in Querbach genau kennen zu lernen, so werde ich ichs mir zum angenehmen Geschäfte machen, solche auch umständlich zu beschreiben, und sie bey folgenden Nachrichten von andern Blaufarbenwerken stets zum Anhalten zu nehmen.
Der hier befindliche Kalcinir- oder Röstofen faßt ungefähr 4 Zentner Schliech, und ist zur strengsten Verstärkung des Feuers durch den sogenannten Fuchs, oder durch das an der hintern Stirnmauer des Heerdes angebrachte Zugloch, sehr bequem gebauet, so daß die Flamme aus der Schüre nach dem Brennheerde steiget, das zum Rösten eingelegte Object immer bogenförmig bestreichet, und in der stärksten Gluth erhält.
Bey dem vordern Zugloche dieses Kalcinirofens gehet ein Schornstein bis über das Hüttendach in die Höhe, wodurch der Rauch vom Holze herausgeleitet wird, und dessen unterer Theil vermittelst einer daran angebrachten Zunge den Giftrauch in den Fang führet.
Dieser Giftfang ist mit seinen Krümmungen 144 Fuß lang, durchgängig von Steinen erbauet und an einigen Orten mit Oeffnungen an der Seite versehen, wodurch das Giftmehl herausgenommen werden kann. Am Ende dieses Giftfanges ist ein kleiner Schornstein, um den Zug zu befördern, und den Rauch, der nun den Arsenik abgelegen hat, auszulassen.
Der Temperofen, worin man die geformten und an der Luft getrockneten Glashafen, ehe sie in den Schmelzofen gesetzet werden, zu tempern pflegt, ist hier, wie an allen Orten, wo man seiner noch nöthig zu haben glaubt, eingerichtet, – d. h. wie die Temperöfen auf allen Glashütten oder wie ein gemeiner hochgewölbter Backofen, und faßt 8 Hafen. Diese Hafen werden aus fettem, feuerfestem und gebranntem, aus gepochten alten Hafen geschiedenem Thone verfertiget *), hierauf an der Luft getrocknet, und sodann in den Temperofen gesetzt, wo sie 5 Tage und Nächte lang mit Flammenfeuer abgeglühet werden, und von wo – glühend, wie sie sind – auf einem Brette mit aufgestreuetem Sande, einer nach dem andern, durch eine offene Seite des Schmelzofens an seine gehörige Stelle getragen wird.
*) Das Verhältniß des Gemisches ist 2/3 frischer und 1/3 gebrannter, von alten unbrauchbaren Hafen geschiedener, Thon. Dieser Thon wird bey Bunzlau und Egelsdorf gegraben. Ersterer ist der bessere.
Ein solcher Hafen faßt ¾ Zentner Gemenge, und hält gewöhnlich 7–8 Monate.
Jeder der beyden hier befindlichen runden Schmelzofen ist unten auf der Erde mit zwey ins Kreuz gemauerten, 1 Fuß tiefen und 1 Fuß breiten, Abzügen *) angeleget, welche hierauf mit großen Plattsteinen wieder bedeckt sind. Die zwischen diesen Abzügen oder Kanälen liegenden Quartiere sind mit festen Steinen ausgesetzet und gemauert.
*) Diese Abzüge dienen zum Durchgang der allenfalls in der Hütte und unter dem Ofen sich sammelnden Wasser, und die dadurch ziehende Luft erhält überhaupt das Gestelle des Ofens trocken.
Ueber diesen Plattsteinen befindet sich nach der Länge des Ofens – das Aschenloch von 26 Zoll Höhe und 20 Zoll Breite, welches von beyden Seiten, ungefähr 4 ½ Fuß lang, flach gewölbet ist, die übrigen 3 Fuß sind offen. Ueber dieses Gewölbe oder Aschenloch ist der Feuerheerd, und gerade über die vorgedachte Oeffnung der Feuerrost von festen Backsteinen gesetzt. Dieser Feuerheerd ist 14 Zoll hoch und eben so breit. Hierauf folget der Heerd oder das Gesäße, auf welchem 6 Hafen stehen können, und in dessen Mitte ein rundes Flammenloch, oder ein Fuchs von ungefähr 20 Zoll im Durchmesser befindlich ist, durch welchen das Feuer spielet. An dem Ofen sind 6 kleine und zween große Seitenpfeiler, wovon die ersteren mit dem Heerde verbunden sind, und worauf die Haube des Ofens ruhet. Jn den Seitensteinen zwischen den kleinen Pfeilern sind die sogenannten Stichlöcher, um die Hafen dadurch desto leichter an Ort und Stelle rücken zu können, und über denselben befinden sich die 6 Schöpflöcher, wodurch das fertige Glas aus den Hafen herausgenommen wird. Der ganze Ofen ist mit gebrannten Thonziegeln ausgefüttert.
Seine ganze Höhe, von der Sohle bis zu Ende der Haube, beträgt 9 Fuß; vom Heerde an 5 Fuß 9 Zoll – und die Periferie desselben ist ungefähr 18 Fuß.
Neben dem Schmelzofen stehen die 3 Abkühltroge aus Holz, nebst einem Brunnen, worin das Glas aus den Hafen zum Abkühlen geschöpft wird.
Der zum Trocknen des Quarzsandes nothwendige Ofen ist, zu Ersparung des Holzes, mit dem Schmelzofen so verbunden, daß das Feuer, welches sich in dem letztern wegen des starken Zuges sehr verbreiten kann, durch eine Zugröhre in den Sandofen gehet, und also das besondere Feuern in diesem unnöthig macht. Uebrigens ist er wie der Kalcinirofen, gebauet, und fasset ungefähr 10 Zentner Sand.
Auswärts gleich unter dem Mundloche dieses Ofens ist ein steinerner Kasten angemauert, in welchen der Sand, wenn er lange genug geglühet hat, herausgezogen, und so lange darin gelassen wird; bis er sich hinlänglich abgekühlet hat, um in einem hölzernen Kasten bis zu seinem Gebrauche aufbewahret werden zu können.
Das Hüttengezähe bestehet:
1) aus Eintrageschaufeln, womit man das Gemenge durch die Schöpflöcher in die Hafen trägt. Sie sind von eisernem Blech, 1 Fuß lang, 6 Zoll weit, und eben so tief, auf beiden Seiten aufgestülpet, und haben einen langen starken eisernen Stiel;
2) aus eisernen Löffeln, welche 8 Zoll im Diameter haben, und 3 Zoll tief sind, zum Ausschöpfen des Glases, und
3) aus Rühreisen oder langen eisernen Stangen, womit das Gemenge im Ofen umgerühret wird. –
Neben der Hütte ist ein Quarzbrennofen, mit einem Aschenfalle und darüber befindlichen Traillen angeleget. Darin werden ungefähr 700 Zentner grobe Kiesel eingetragen; längst dem Roste auf eine da befindliche Bank aufgemauert, und oben darüber dergestalt gewölbet, daß das Holz vollkommen Platz behält; die übrigen kleinen Quarze werden durch ein Loch, was oben zur gewölbten Decke hineingehet, mit dem Laufkarren eingestürzet, und ein Quantum von 720 und mehr Zentnern auf diese Art innerhalb 36 Stunden mit höchstens 11 Klastern Holz durchaus mürbe gebrannt, daß sie beym Austragen in der Hand zerfallen, folglich um so leichter gepocht und geschlämmt werden können.
Der Vortheil, den man durch die Einrichtung eines solchen Quarzbrennofens erhält, ist gegen die sonst hier und noch jetzt bey andern Blaufarbenwerken gewöhnliche Methode — die Quarze ohne einige Seitenmauern mit zerstreueter Hitze, und daher so zu brennen, daß bloß diejenigen, welche dem Brennpunkte nahe liegen, durchglühet, die außen herum liegenden aber kaum erwärmet werden, und sonach nochmals gebrannt werden müssen — theils wegen der großen Holzersparung, theils wegen der gleichen Durchglühung der Quarze, sehr in die Augen fallend.
In einem Anhange der Hütte ist, neben zwo Vorrathskammern zu den gerösteten Erzen, Schliechen und der Potasche, ein sogenanntes trocknes Pochwerk mit 3 Stempeln, zum Pochen der Stuferze, des Thons &c. nebst dem Sandpochwerke, worin der Quarz naß über den Spund gepocht wird, damit wenn ia noch etwas sehr weniges unreines dabey sey, solches mit der Trübe davon laufe, das Gute aber seiner größern Schwere wegen sich in den Gerinnen und dem Sumpfe setze.
Das Gebäude, worin die Farbenmühle, Farbenstube, Trockenstube &c. nebst den Wohnungen der Farbenwerksbedienten vorgerichtet sind, ist 86 Fuß lang, 45 Fuß breit und zwo Etagen hoch.
Im obern Stockwerke sind die Wohnungen für die Farbenwerksbeamte, und eine Konferenzstube, im untern aber aber die Mühle mit 6 Gängen und ein Glaspochwerk mit 3 Stempeln nebst ebengedachter Farben- und Trockenstube &c. Jene Gänge werden von 2 Rädern, deren eines 20, das andre aber 18 Fuß hoch ist, beyde aber oberschlägig sind, getrieben.
Die Mühlensteine sind von festem Granit, der wenig Glimmer enthält, damit dessen Eisengehalt die Farbe nicht füchsig mache. Die Bodensteine haben 36 Zolle im Durchmesser, und sind 48 Zoll hoch, und die Läufer haben, wo sie am breitesten sind, 14 Zolle, in der Länge aber 18 und in der Höhe 10 Zolle.
In diesen Bodensteinen ist in der Mitte ein Loch 4 Zoll tief und viereckig eingehauen; in solchem eine stählerne, genau hineinpassende Spur eingesenket, damit die Mahlstange, welche an einem Drilling befestiget ist, und woran die beyden Läufer hängen, herumgedrehet wird. Die beyden Läufer, welche unten zwo hohle Streifen haben, womit sie die Farbe fassen, sind vermittelst eines starken Eisens zusammengehängt und an die Mahlstange befestiget.
Bodenstein und Läufer sind mit einer Einfassung von starken Böttcherdauben umgeben, die mit eisernen Banden zusammen gebunden sind.
Unten in diesem – quasi – Faß ist, horizontal mit der Oberfläche des Bodensteines, ein Loch, welches mit einem hölzernen Zapfen verwahret wird.
Neben der Mühle ist ein Glaspochwerk mit 3 Stempeln von gegossenem Eisen und die Waschstube, worin zwey Sümpfe, jeder 6 Fuß tief, – in welche das von den Farben abgegossene und noch mit Farbentheilchen geschwängerte Wasser, durch längliche, in dem Fußboden der Waschstube angebrachte, Löcher abgelassen wird, damit sich darin der Rest der Farbe setze – nebst den erforderlichen Waschfässern befindlich sind; daran ist eine Kammer zur Aufbewahrung des Glases, und an diese stößt die Trockenstube, die in einem Gewölbe, um die Hitze mehr in die Enge zu treiben, angelegt ist, einen großen eisernen Ofen hat, und worin die Farben auf Brettern getrocknet werden; und neben dieser ist die Reibe- oder Siebestube mit den nöthigen Bänken und Kästen.
Die Thonarbeiten werden auf dem zweyten Boden verfertiget. – – –
Ich komme nun zu dem Verfahren mit den Erzen und Schliechen in der Hütte selbst, und rede zuerst von der hier gewöhnlichen und bey den Querbacher Kobolten vortheilhaftesten Art zu rösten.
Zu iedem Brande werden hier entweder 4 Zentner Schlieche besonders, oder 1 Zentner Schliech mit 2 ½ Zentner gepochtem koboltschem Quarze vermengt, in den Kalcinirofen eingetragen, welche zu Verhütung des Zerstreuens mit ein wenig Wasser angefeuchtet werden. Jn den ersten 6 Stunden wird die Röstarbeit mit dem mäßigsten Grade des Feuers bewerkstelliget, damit der Schliech nicht von der Hitze zusammen backe. Wann nun aber die flüchtigen Arsenik- und Schwefeltheile in etwas entwichen sind, wird das Feuer allmählig, und zuletzt, nach dem es der Ofen zuläßt, zum höchst möglichsten Grade verstärket, auf welche Art die Arbeit in 18–24 Stunden vollendet ist.
Um die Verflüchtigung des Arseniks und Schwefels zu erleichtern, wird der Schliech von Zeit zu Zeit mit der Rührkrücke, die auf einem vor dem Mundloche des Ofens befestigten Stab von Eisen lieget, umgearbeitet, und vor- und rückwärts gewendet, damit auf alle Theile desselben die Flammen gleichförmig fallen, und sie durchdringen können.
Ist dieß bewerkstelliget, so wird das geröstete Erz, wenn es zuvor ein wenig überkühlet ist, aus dem Ofen herausgezogen, vollends abgekühlet und zu seiner weitern Bestimmung aufgehoben; alsdann läßt man, ehe frische Schlieche eingeleget werden, das Feuer zwo Stunden lang ganz abgehen, bis der Ofen nur noch braunroth glühet, weil demungeachtet die alsdenn eingeworfenen rohen Schlieche alsbald anfangen sich zu erhitzen, zu brennen und den Rauch auszustoßen.
Der Abgang beym Rösten ist bey den feinen oder Herdschliechen 50, bey den gemeinen Schliechen 40, und bey den sogenannten koboltschen Quarzen 6 pro Cent.
Da die Alligationsarbeit oder die Zusammensetzung der Gemenge den Grund zu dem guten oder schlechten Ausfalle des Produktes leget, so werden die vorhandenen Koboltssorten in verschiedenen Verhältnissen von dem Farbenmeister probiert; die gemachten Proben auf die Beschickung im Großen mit dem möglichsten Vortheil angewendet, und dabey vor allem auf die zwey vorzüglichsten Eigenschaften der blauen Farbe gesehen:
1) ob sie nämlich ein gutes Blau, die gehörige Höhe und Kläre habe, und also mustermäßig und dem Kommerz annehmlich sey; und
2) in wie ferne sie dem Werke mehr oder minder Vortheil bringe.
Um diese Eigenschaften zu erhalten, wird beym Gemengemachen darauf gesehen, daß keine andere als sorgfältig gewaschene und wohl abgeröstete Schlieche ins Gemenge kommen; daß das erforderliche Quantum Potasche, welches nach dem Gewichte des Sandes die Hälfte beträgt, genommen werde; daß diese von allen fremden Beymischungen möglichst rein sey, auch guten Fluß bewirke; und endlich daß der zuzuschlagende Quarzsand ganz rein, ohne Glimmerthon, Kalkspat und besonders nicht eisenschüssig, nach oben erzählter Art wohl gebrannt und wohl verwaschen sey. Es liegt an dem Sande beynahe so viel als an dem Kobolte selbst; denn ist er eisenschüssig, so fällt die Farbe dünne; ist er aber mit Kalkspat vermengt, so frißt er viel Potasche und gibt viel Glasgalle, die spätigen Sandtheile aber selbst bleiben als weiße, zarte Stäubchen in dem Glase sitzen, und machen sonach eine schlechte Farbe; ist er thonartig, so fließet er noch weniger und macht die Farbe ganz unbrauchbar.
Aus diesen Materialien wird nun das Gemenge, in dem sogenannten Gemengtroge, gemacht; und nachdem der neugesetzte Ofen einige Tage durchgeglühet hat, und die Hafen nach gedachter Weise eingesetzt sind, wird es in dieselben mit den Eintrageschaufeln eingelegt, und sodann 12 Stunden, bey beständigem und so viel möglich egalem Feuer geschmolzen. Während dieser Zeit wird es öfters mit dem Rühreisen umgerühret, und nach deren Verlauf, wenn das Glas sich in lange, dünne und glatte Fäden, – zum Beweise seiner Gahre – ziehet, mit dem Schöpflöffel aus den Hafen geschöpfet, in den Kühltrog ins Wasser geworfen, wo es in Stücke zerspringt und mürbe wird; und wenn es genug abgekühlet ist, in die Glaskammer geführet und zur weitern Verarbeitung aufbewahret.
Bey dem Schmelzen fället das sogenannte Herdglas, welches entstehet, wenn beym Einlegen des Gemenges dann und wann etwas davon verstiebet, oder wenn ein Hafen schadhaft wird. Beydes sammelt sich als blaues Glas auf dem Herde, und fließet endlich in die Schüre hinab, wo es mit der Asche herausgezogen, gesammelt, gepocht, gewaschen, und, nachdem man viel oder wenig hat, in größerer oder kleinerer Quantität zum Gemenge genommen wird.
Speise, welche nur beym Verschmelzen roher oder doch wenig gerösteter Kobolte entstehet, die immer noch Brennbares genug in sich behalten, um von ihren eigenen und den Bestandtheilen der ihnen beygemischten Halbmetallen, dem Wismuth, Nickel und Arsenik einen König abzusetzen, kömmt hier gar nicht vor, da die Querbacher Schlieche ein so heftiges Röstfeuer ausstehen müssen.
Nunmehr wird das Glas unter dem Glaspochwerke klein gepocht und durch den Durchwurf geworfen; sodann wird ungefähr 1 Scheffel – dies Mühlengefäße fasset ¾ bis 1 Zentner – dieses gepochten Glases nebst zween Scheffel Streublau auf jede der 6 Mühlen geschüttet, und mit 3 darauf gegossenen Kannen Wassers, auf Eschel 8, auf Farbe aber nur 6 Stunden gemahlen und sodann abgezapft. Während des Mahlens wird das Mahlfaß mit passenden Brettern zugedeckt, damit durch die geschwinde Bewegung der Läufer nichts heraußspritze.
Sämmtliche 6 Mühlen liefern, wann, wie beynahe immer, auf Eschel gemahlen wird, in dieser Zeit 6/7 Streublau oder Mittelkorn, folglich 1/7 Eschel zurück; dieser werden nun zu ihrer Fällung in einem Waschgefäße – Farbens- oder Eschelbottich genannt – nach dem ersten Verwaschen 24, nach dem zweyten 18, und nach dem dritten 12 Stunden Zeit gelassen, wobey sie die gehörige Höhe und Kläre erhält.
Das Verwaschen geschiehet in einem großen Waschfasse, das 4 Fuß weit und 3 Fuß hoch ist, und worein die abgezapfte Farbe durch ein Sieb gegossen wird. Es bestehet in einem eigentlichen Umrühren und Abgießen des obenstehenden Wassers in andere dergleichen Gefäße, mit welchem so lange fortgefahren wird, bis das Wasser, so viel möglich, alle bey sich führenden Farbentheilchen abgesetzet hat, wonach es in die Sümpfe gelassen wird.
Wann die Farbe oder Eschel nach der letzten Fällung aus dem Böttich, worin sie vorher ganz trocken wurde, gehauen ist, kommt sie auf die Reibebank, worauf sie mit einem hölzernen Hammer und einer Art von Wellholz klein zerschlagen und zerrieben wird; nach diesem wird sie auf Brettern, die 6 Fuß lang und 2 Fuß breit, und an der Seite mit 2 Zoll hohen Leisten beschlagen sind, in die Trockenstube getragen, daselbst ausgetrocknet, hierauf durch Sieben, welche in Kasten verschlossen sind, damit sie nicht umherstäube, gesiebt und endlich in Fässer verpackt.
Alles vermahlene Glas, welches zu zart zerrieben ist, dem feinsten Staube gleichet, ins weißliche fällt, und woraus durch den gewöhnlichen Waschproceß kein Kaufmannsgut erhalten werden kann, heißet Sumpfeschel, weil sie in den Sümpfen gesammelt, und nach ihrer Fällung zu gewissen Zeiten aus ihnen herausgeschlagen wird. Diese muß nun wieder umgeschmolzen und in Glas verwandelt werden. Daher denn nach Beschaffenheit der Vorräthe zu iedem Gemenge etwas davon genommen und mit verschmolzen wird.
Da von den Leinwandfabrikanten meistens nur die feinste Eschel gesucht wird, und weil diese – bey den Querbacher Koboltsorten – dem Werke den größten Vortheil bringet, so wurde bisher bey diesem Werke vornehmlich darauf gearbeitet, und das Quantum derselben verhält sich daher gegen das Quantum der eigentlichen Farben im Durchschnitte wie 5 zu 1.
Uebrigens werden doch auch von Zeit zu Zeit beynahe alle Arten von blauen Schmalten hier verfertiget, welche den auswärtigen Mustern an Schönheit und Brauchbarkeit nicht nur gleich kommen, sondern solche seit einiger Zeit öfters übertreffen. Sie werden in nachstehenden Preisen auf der Hütte verkauft, als:
| Der Zentner | F C. | für | 19 Rthlr. |
| F E. | – | 23 – | |
| M C. | – | 13 – 12 Gr. | |
| M E. | – | 19 – 12 – | |
| O C. | – | 11 – 12 – | |
| O E G. | – | 14 – 12 – | |
| F. O E G. | – | 17 – 6 – | |
| O H S. | – | 12 – 12 – |
Von diesen verschiedenen Sorten von Farben und Escheln werden jährlich ungefähr 1500 Zentner in obengemeldetem Verhältnisse verfertiget, und dadurch eine Summe Geldes von ungefähr 20,000 Rthlr. in dasiger Gegend in Umlauf gebracht. Die sämmtlichen Arbeiter bey diesem Werke bestehen in folgenden Personen:
3 Schürer, welche die Röst- und Schmelzarbeit verrichten;
1 Gemengemacher, Anmenger;
1 Mühlenbauer;
6 Waschstubenarbeiter, und
1 Pocher.
Die unmittelbare Aufsicht über dieselben haben
1 Hüttenschreiber und
1 Farbenmeister,
welche unter der Direction der Königl. Bergdeputation des Fürstenthums Jauer, deren Sitz Friedeberg am Queiß ist, stehen. –
Die Preise der Materialien und einiger anderer Bedürfnisse auf dieser Fabrike sind:
| für den | Zentner feinen Herd- und Schlammschliech | 60–70 Rthl. sgr. pf. | |
| – – | gemeinen Schliech | 45–50 – – | |
| – – | koboltsche Quarze | 3–6 – – | |
| – – | rohen Quarz sammt Aufsuchen und Fuhrlohn | – – 1 3 |
| für den Stoß – | 4 Klaftern – Brennholz | Rthl. sgr. |
| 5/4 elliges – | 5 10 6 15 | |
| 7/4 elliges | 6 25 8 10 | |
| für ein Stück Lauferstein –einen Bodenstein – – | von Granit gehauen | 2 – 6 – |
| – einen Boden zu Haarsieben | – | – 19 |
| – eine eiserne Sandsiebe | – | 1 10 |
| – 1000 Stück Faßzwicken | – | – 13 |
| – 1 Pfund Oel | – | – 3 |
| – – – Lichter | – | – 4 |
| – – – Zapfenchmiere | – | – 4 |
| – 1 Zentner Bunzlauer – – – Egelsdorfer | Thon | – 20 – 5 |
pp. 64–66
2) Hasserode im Fürstenthume Halberstadt.
Dieses Werk liegt im Fürstenthume Halberstadt, am Fuße der Harzgebirge, und zwar des Brockens oder Blocksberges, 5 Stunden von Halberstadt, und eine Stunde von Wernigerode.
Die Gebäude desselben sind gegenwärtig:
1) die sogenannte Hütte, worin kalcinirt und geschmolzen wird;
2) das Mühlengebäude, worin das Farbenglas vermahlen, und weiter in Farbe zubereitet wird;
3) das Verpackhaus und Magazin, in welchen beyden letzteren Gebäuden auch die Wohnungen der zwey Offizianten befindlich sind;
4) ein Gebäude, worin das Wirthshaus, die Schmiede, und die Arbeiterwohnungen sind; und
5) vier separate Gebäude für die Arbeiter. Sodann befindet sich auch dabey
6) eine Potaschensiederey, wo jeder Arme, oder wer sonst seine Asche verkaufen will, dieselbe alle Sonnabende gegen baare Bezahlung los werden kann.
Die Seelenzahl beyder Offizianten, der 14 Arbeiter und des dabey auch in beständigem Verdienste stehenden Böttchers, Schmiedes und Holzfuhrmanns, beläuft sich gegenwärtig auf 66. Außer diesen stehen bey demselben, sowohl aus der Stadt Wernigerode, als auch aus der dabey befindlichen Kolonie Friedrichsthal, viele Familien, als: Frachtfuhrleute, Professionisten, Holzhauer und sonstige gemeine Handarbeiter in beständigem Dienste.
Das jährliche Fabrikationsquantum läßt sich nicht bestimmt anzeigen, indem dieses sowohl in Betreff der Muster, als auch der Quantität, von den Abnehmern abhängt. Uebrigens werden alle Muster von F F F C bis O C, und von F F F E bis O E G gemacht. Das ietzige Fabrikationsquantum kann ungefähr auf 2000 bis 2,500 Zentner von allerley Sorten angenommen werden, wovon aber die F C Sorte das Hauptquantum ausmacht.
Der Verkaufspreis richtet sich nach den Mustern, und der Debit gehet gegenwärtig größtentheils nach Schlesien *) auf die dasigen Bleichereyen.
*) In dieser Provinz werden jährlich ungefähr 1000 Zentner Hasseroder blaue Farben konsumirt.
Die Cirkulationssumme an Geld bestimmt sich nach dem Absatzquantum. Die bisherige ist, excl. derjenigen, welche in den Koboltgruben und deren Niederlagen steckt, zwischen 40 bis 50,000 Rthl., vermehret sich aber der Debit, so vermehret sich natürlicher Weise auch diese Summe.
Die Kobolte werden größtentheils auf eigenen dem Freyherrn Waiz von Eschen gehörigen Werken gefördert, und zwar:
a) im Nassausiegenschen;
b) im Brandenburg-Anspachischen und
c) am Harz; doch erhält man dieselben auch zuweilen von fremden Gruben, z. B. aus den Salfeldischen.
Der höchstsel. König, Friedrich II. hat dieses Blaufarbenwerk der freyherrl. Waiz von Eschenschen Familie verliehen, und ein königl. Privilegium darüber ausfertigen lassen, um, wie es im Eingange desselben heißt, die Verdienste des Ministers Freyherrn Waiz von Eschen zu belohnen. Die Fabrike soll nach diesem Privilegium ihre Kobolte von dem königl. Kupferschieferwerk zu Rothenburg an der Saale erhalten; was aber dieses nicht liefern kann, wird von vorbemeldeten Koboltwerken genommen.
Der courante Preis der Hasseroder blauen Farben, franko Magdeburg, wie solcher durch eine Verordnung der königl. kurmärkischen Kriegs- und Domänenkammer vom 20sten December 1787 festgesetzt wurde, ist –
| F F F C. | der Zentner zu 112 lb: | 38 Rthl. 20 Gr. |
| F F C. | – – – | 27 – 16 – |
| F C. | – – – | 22 – – – |
| M C. | – – – | 16 – 12 – |
| O C. | – – – | 14 – 4 – |
| F F F E. | – – – | 42 – 12 – |
| F F E. | – – – | 28 – 4 – |
| F E. | – – – | 25 – 6 – |
| M E. | – – – | 22 – – – |
| O E G. | – – – | 16 – 20 – |
pp. 67–74
3) Bereitung der blauen Farben auf den Böhmischen Blaufarbenwerken.
1.
Der von den Gruben gelieferte Kobolt wird erst roh gepocht und durch ein Mittelsieb geschlagen; hernach in dem Brennofen geröstet, worein gemeiniglich 3 Zentner auf einmal geworfen werden, und sodann 24 und mehr Stunden darin gebrannt, wie iede Sorte es erfordert. Einige Arten werden gar nicht geröstet, sondern roh und ungebrannt den übrigen zugesetzt. Wenn dies geschehen ist, wird der Kobolt nochmals durch ein Klarsieb geschlagen, und sodann mit Quarzsand gemengt.
2.
Man nimmt dazu weißen Quarz oder Kieselstein – Flußkiesel, abgerundete Stücke von Quarz – der auf einer Roststätte geröstet, in einem Pochwerke naß über den Spund klar gepocht und in dem sogenannten Sandofen, der beym Schmelzofen angebracht ist, acht und auch wohl mehr Stunden getrocknet, alsdann gesiebet, und mit Kobolten vermengt wird.
Zu einem solchen Gemenge nimmt man z. B. von 2, 3, 4 Sorten Kobolte, wie sich solche zusammen schicken; von einer Sorte ½, von der andern ¼, von der dritten 3/4, von der vierten 3/8, zusammen 1 Zentner. Dieser Kobolt wird mit 2 ½ Zentner Kieselsand, 1/8 Zentner Aschel-Krappel (Sumpfeschel), um diese mit anzubringen und mit 1 ½ Zentner Potasche, zuweilen auch, wenn die Kobolte streng sind, mit 1/8 Zentner Giftmehl versetzt, und alles in dem Gemengekasten wohl untereinander gemischt. Uebrigens wird das Gemenge natürlicher Weise nach den verschiedenen Sorten Farben, F C. M C. O C. &c. eingerichtet.
3.
Das Gemenge wird in den 4 Hafen, welche bey einer Höhe von 1 Fuß oberhalb 18 ¾ Zoll im Durchmesser haben und unten bis auf 3 Zoll spitz zugehen sollen *), in den Schmelzofen mit der Kelle (Eintrageschaufel) eingebracht und 10 Stunden geschmolzen. Das Feuer unterhält man mit gedorretem Scheitholz. Nach Verlauf von 8 Stunden oder etwas später rühret der Schürer mit einem Rühreisen 2, 3mal, auch wohl öfters, die Masse in den Hafen um; und wenn sie 10 Stunden geschmolzen hat, wird das Glas mit einem großen eisernen Löffel (Ausschöpflöffel) aus den Hafen herausgeschöpft, und, damit es locker werde, in Wasser geworfen. Nachher bringt man einen neuen Satz in die Hafen. Einen Tag um den andern wird die Speise aus denselben abgestochen.
*) Diese Hafenform gibt Jars in s. metall. Reisen an; mir ist sie aber unbegreiftlich.
4.
Das Glas wird in dem Pochwerke bey den Mühlen gepocht; durch ein Sieb geschlagen; auf die Mühlen geschüttet und 6 Stunden gemahlen; alsdenn abgezapft; in ein großes Waschfaß in Wasser gegossen, umgerühret und in ein anderes Faß übergeschöpft; ¼ Stunde oder länger stehen gelassen und daraus in die sogenannten Eschelfässer abgeschöpft, wo sich die Kläre sammelt. Diese wird nochmals mit einem Rührscheit im Wasser wohl umgerührt. Was zu Boden fällt ist die Grobe oder das sogenannte Streublau, das nochmals auf die Mühlen geschüttet wird.
Das Ueberstehende schöpft man ab und heißt es das Reine. Dieß läßt man ¼ Stunde stehen; sodann wird die Trübe in die Eschelfässer abgeschöpft; die Farbe aber findet sich auf dem Boden des Fasses. Diese wird sodann ausgehauen; in die Stube getragen; auf die Reibebank gestürzet und mit einem Reibeholze zweymal durchgerieben; alsdann auf den Trockenofen geworfen und getrocknet, wobey öfters mit einer Krücke darin gerühret wird, daß sie nicht anbrenne. Nach dem Trocknen wird die Farbe durch ein klares Sieb in den Siebkasten gesiebt. Wenn 15 oder mehr Zentner gesammelt sind, werden sie in Fässer zu 3 3/4 Zentner geschlagen und gezeichnet.
Die Eschel wird hier zum Theil aus der Kläre gemacht, die sich bey dem Schlämmen der Farben, in dem das überstehende Trübe in die Eschelfässer geschöpft wird, in denselben zu Boden setzt. Sie wird herausgehauen; gepocht; wieder in einem Fasse gewaschen; daraus in einen Bottich geschöpft; in diesem 24 Stunden, – länger oder kürzer, ie nachdem es nöthig ist – stehen gelassen; davon die Trübe in einen andern Bottich abgelassen und zuletzt die Eschel ausgehauen; auf Bretter stückweise gelegt; in die Trockenstube auf die Stangen getragen; nach dem Trocknen durch ein Sieb geschlagen; auf den Ofen geworfen und hernach ganz heiß durch ein sehr klares Drathsieb in den Siebkasten gesiebet. Daraus füllet man sie in Fässer und bezeichnet sie F E. M E. O E. &c.
6.
Man macht auch gleich aus dem geschmolzenen Glase Eschel, ohne Farbe zuzubereiten. Das Glas wird alsdann gepocht, 6–8 Stunden, nachdem man scharf zugerichtete Mühlen hat — gemahlen; in ein Faß gezapft; ¼ Stunde ungefähr darin ruhig gelassen und nachher in die Eschelfässer zur Füllung geschöpft. Was im Abzapffasse auf dem Boden bleibet, wird wieder auf die Mühlen geschüttet; mit gemahlen und alles so, wie vorhin oben bey der von der Farbenbereitung abgefallenen Eschel gemeldet worden, verrichtet.
7.
Nach Jars (am a. O. S. 881) hat die Kaiserin Maria Theresia eine Taxe errichtet, welche den Preis aller in Böhmen geförderten Kobolte von 20 bis 48 Liv. 15 Sols (von 5 Rthlr. 10 gr. bis auf 13 Rthlr. 9 2/4 gr.) pro Zentner bestimmt.
Uebrigens sind folgende Blaufarbenwerke in diesem Königreiche:
a) Buzische Blaufarbenwerk zwischen Johanngeorgenstadt und Platten.
Der Abwärmofen für die Hafen, die nachher in den glühenden Schmelzofen eingesetzt werden, ist hier ein gemeiner gewölbter Backofen.
Der Brennofen gleicht einem Zinnbrennofen mit ausgebauetem Giftkanal, der hier in mehrere Winkel und Kniee gebogen ist.
Der Schmelzofen ist nicht rund, sondern eyförmig.
Das Glas soll aus den Hafen, wie Herr Ferber in seinen Beyträgen zur Mineralgeschichte verschiedener Länder sagt, nicht ausgekellet, sondern durch eine Oeffnung unten an der Seite der Hafen, welche verklebt ist, in die auswärts an der Seite des Ofens, dicht unter dem Boden der Hafen befindlichen eisernen Grappen abgestochen, und aus diesen mit eisernen Kellen ins Wasser gegossen werden *).
*) Die Unmöglichkeit dieses Verfahrens wird iedem auffallen, welcher weiß, daß man das Gemenge weder flüssig genug schmelzen kann noch darf, um es fähig zu machen, aus den Hafen von selbst in Rinnen zu laufen; auch sagt Jars (s. dessen metallurgische Reisen 4ter B. S. 887) daß, nachdem man auf diesem Werke & Stunden gefeuert habe, die beyden Glasschmelzer das Farbenglas in eine große Kufe schöpften &c.
Unter dem Glase, aber über der Speise, soll sich der Wismuth *) setzen, zuerst erkalten und daher leicht abgehoben werden können.
*) Wismuth vermischt sich nicht mit dem Koboltkönig, wenn nicht auch Nickel darin ist; sondern hängt sich blos daran an, und kann durch den Hammer davon geschieden werden. Dies scheint hier der Fall zu seyn. (Anm. na str. 71).
Die Mühlsteine sind von Granit, sowohl der Bodenstein, als die Läufer, in welchen unten 2 hohle Streifen eingehauen sind, womit sie die Farbe fassen. Die Kobolte werden zu Joachimsthal gekauft.
b) Mießlisches – ehemals Puchnerisches – Blaufarbenwerk, nahe an Joachimsthal; auf dem Wege nach der Silberschmelzhütte.
Das Kalziniren des Kobolts geschiehet, wie gewöhnlich, in einem Koboltbrennofen mit angebauetem Giftkanal. Der Abwärmofen ist wie ein Backofen gestaltet, worin die Hafen 24 Stunden abgewärmt und sodann in den glühenden Schmelzofen, der zugleich mit ienem geheizt wird, eingesetzt werden. Der Schmelzofen und der Trockenofen sind an einander gebauet, und werden mit Einem Feuer geheizt. In dem Schmelzofen ist über dem Heizloch noch eine Oeffnung, wodurch die Hafen in den Ofen gebracht werden, wenn das geschehen ist, so mauert man die Oeffnung zu. Ueber den Hafen sind im Gewölbe des Ofens Oeffnungen, wodurch das geschmolzene Glas in die an der Seite des Ofens eingemauerte eiserne Grappen ausgekellet, und, nach dem Niederfallen der Speise, daraus wieder in kaltes Wasser gegossen werden soll **). Diese Oeffnungen verstopft man während dem Schmelzen mit los eingestochenen Steinen. Inwendig in dem Schmelzofen gleich über den Traillen oder dem Rost, worauf das Holz brennt, ist eine Oeffnung, durch welche die Flamme aus dem Schmelzofen in den angebaueten Trockenofen, worin der gepochte nasse Quarz getrocknet wird, hineinschlägt. Auswärts an der Seite des Trockenofens ist ein steinerner Kasten angemauert, in welchem der getrocknete Quarz durch ein dazu gemachtes Loch herausgezogen und warm gehalten, und frischer naß gepochter Quarz an seiner Stelle in das Trockengewölbe hineingebracht wird.
**) Das Glas selbst wird nicht in die Grappen ausgekellet, denn dieses verursachte unnöthiger Weise gedoppelte Arbeit; sondern man läßt darein nur die Speise aus den Ausschöpfelöffeln ablausen, und wirft dann sogleich das Glas in den Kühltrog.
Aus dem Trockengewölbe steiget die Hitze durch eine Röhre in ein anderes größeres Gewölbe, über ienes hinauf, worin das Holz, womit man feuert, getrocknet wird. Zum Ein- und Ausbringen des Holzes in diesem Gewölbe hat der Trockenofen, dessen äußere Gestalt einem Würfel, der länger und höher, als breit ist, gleich kömmt, an der einen langen und der andern schmalen Seite, in der Gegend des Gewölbes, zwo Thüren.
Unter dem eigentlichen Trockengewölbe für den Quarz, ist noch ein drittes mit dem Aschenheerde des Schmelzofens durchschlägig, worin theils etwas getrocknet werden kann, theils auch dienet es zur Beförderung des Luftzuges. Das Mahlen, Schlämmen und Trocknen des blauen Glases geschieht hier so, wie anderwärts *). Das jährliche Produkt dieser Fabrike ist nach Jars (s. dessen metall. Reisen 4. B. S. 884) ungefähr 1000 Zentner Farbe, wozu man 200 bis 250 Zentner Kobolt gebraucht. – Außer den hier angeführten befinden sich noch 2 Private Blaufarbenwerke zwischen Platten und Johanngeorgenstadt, nämlich:
c) Gottesgab und
d) Aberdam;
e) eines auf der Kammeralherrschaft Preßnitz und
f) eines auf der dem Grafen von Heimhausen gehörigen Herrschaft Kuttenberg. [!]1
Alle diese Blaufarbenwerke sind sich sowohl nach der Anlage als dem Betriebe in der Hauptsache einander gleich.
Folgende Nachricht wegen des Verkaufs des Preßnitzer Blaufarbenwerks stand in der Beylage der Brünner Zeitung zu Nro. 27, 1789.
Die k. k. Böhmische Staatsgüteradministration macht anmit bekannt: daß am 24sten Tag des nächstkünftigen Monats April, zufolge einer unterm 11ten Oktober 1788 anher ergangenen höchsten Hofsverordnung, daß das im Saazer Kreise, im Orte St. Christophhammer, gelegene Preßnitzer herrschaftl. Blaufarbenwerk mit allen dazu gehörigen Gebäuden und Geräthschaften, wovon erstere auf 4066 fl. 37. 1. 4tel kr. und letztere auf 236 fl. 43 1. 4tel kr., zusammen auf 4303 fl. 20 1 halben Kreuzer abgeschätzt worden, in der Oberamtskanzley der Kammeralherrschaft Preßnitz Versteigerungsweise wird verkauft werden, unter folgenden Bedingnissen:
1) Geschiehet der Verkauf mit Vorbehalt der höchsten Bestätigung, und die Uebergabe des Werks wird erst mit Ende des Monats Oktober d. J. erfolgen;
2) der zum Meistbot gelegt werdende Kaufschilling ist nach erfolgter höchsten Bestätigung zur Hälfte baar, der Ueberrest sodann in 6 oder 7jährigen Fristen sammt Interessen pro rata temporis et quanti zu erlegen;
3) wird kein beständiger jährlicher Zins von vierhundert Gulden bedungen;
4) hat der Käufer die herrschaftl. Vorräthe an Kobolten, Schlacken, Speise und Gift im Schätzungswerth zu übernehmen, und solche pro rata, wie er sie verbraucht, in die Preßnitzer Renten zu bezahlen;
5) werden diesem Blaufarbenwerke 7 Metzen 9 Maaß Wiesen in 4 Stückeln emphitevtisch gegen Entrichtung des darauf haltenden Zinses überlassen; desgleichen
6) alljährlich fünfhundert Klaftern Brennholz gegen Bezahlung des von Zeit zu Zeit bestehenden Holzpreises aus den herrschaftlichen Waldungen, unter gewissen das Forstwesen betreffenden Rücksichten, versichert;
7) kann der Käufer die nöthigen Kieselsteine und Sand überall auf herrschaftlichem Grund und Boden mit Gutheißung des Oberamts brechen;
8) hat der Käufer die Kobolte und andere Erfordernisse sich selbst beyzuschaffen, und die Gebäude künftig aus Eigenem im brauchbaren Stand zu erhalten; und
9) wird derselbe mit der Bierabnahme an das Preßnitzer herrschaftliche Brauhaus gebunden.
Kauflustige, welche noch nähere und bestimmtere Auskünfte verlangen, können solche entweder in Prag bey der Staatsgüteradministration, oder in Preßnitz bey dem dasigen Oberamte erhalten. — Von der k. k. Staatsgüteradministration. Prag den 8ten März 1789.
pp. 74–75
4) Das Pottensteiner Blaufarbenwerk in Niederösterreich
verkauft seine Farben und Escheln bey Steiner und Schlosser in Wien, nach dem Nürnberger Zentner in Fäßchen von 25 Pfund franko auf den Wagen in nachstehenden Preisen:
| F F F C. | – – – | 40 Gulden |
| F F C. | – – – | 32 – – |
| F C. | – – – | 25 – – |
| M C. | – – – | 20 – – |
| O C. | – – – | 16 – – |
| F F F E. | – – – | 40 – – |
| F F E. | – – – | 32 – – |
| F E. | – – – | 25 – – |
| M E. | – – – | 20 – – |
| O Eges. | – – – | 16 – – |
p. 75
5) Blaufarbenwerk bey Glocknitz in Oesterreich.
Diese erst vor ungefähr 8 Jahren errichtete Fabrike lieget im Viertel unter dem Wienerwalde, ungefähr 10 Meilen von Wien, ziehet ihre Kobolte von Schmöllnitz in Ungarn, und aus andern Oesterreichischen Bergwerken, und liefert sehr schöne blaue Farbe.
Dieses Blaufarbenwerk ist in verschiedenen Schriften – z. B. in der Neuen Entdeckungen in der Chemie Th. 10. S. 280. und im 38. Stück der Goth. Zeitg. v. 25 Sept. 1784. S. 304. – als eine künstliche Koboltfabrike angeführet worden. Born versichert aber im 37 St. ged. Handlungs-Zeitung, v. 10. Sept. 1785. S. 286. daß sie ihren Bedarf aus dem Schlieche kobolthaltiger armer Silbererze aus verschiedenen Oesterreichischen Gegenden – und Rösler in Crells chemischen Annalen 8 St. 1785. S. 140. daß sie ihn von Schmöllnitz in Ungarn – wie oben gesagt – erhalte.
pp. 75–81
6) Blaufarbenwerke bey Schneeberg in Sachsen.
In der Gegend von Schneeberg sind gegenwärtig 4 Blaufarbenwerke im Umgange;
a) das Kurfürstliche gedoppelte Werk zu Oberschlemma;
b) das Schindlersche, bey Bockau an der Mulde, eine Meile von Schneeberg;
c) das Pfannenstielsche, zu Zelle über der Aue; und
d) das Tschoppenthaler, bey dem Städtchen Tschoppau, 4 Meilen von Schneeberg.
Der Zentner Kobolt, den der König und die Gewerkschaften für ihre Fabriken kaufen, ist auf einen Preis von 6 Rthl. 2 gr. 3 pf. bis auf 12 Rthl. 4 gr. 6 pf. – nach Verschiedenheit der Güte gesetzt worden; und wird solcher allemal nach den ausgefallenen Proben, durch Vergleichung der Producte mit den Mustern, im Bergamte durch den Bergmeister, bestimmt. Man setzt bey diesen Proben nichts, als etwas Quarzsand zu; da man aber wegen der geringen Quantität dieses Zusatzes nur eine sehr dunkele Farbe erhält, so ist es den Gewerken erlaubt, einen stärkern Zusatz von Quarz-Sand zu nehmen, von welcher Mischung sodann auch das Muster genommen wird; und daher kommt es, daß öfters der Zentner Kobolt mit 24 Rthl. 9 gr. – ia mit 36 Rthl. 13 gr. 6 pf. bezahlet wird, obgleich die Taxe nicht über 12 Rthl. 4 gr. 6 pf. gehet.
Uebrigens hat der Landesherr in Ansehung des Kobolts, nach einem besonders mit den Gewerkschaften der Koboltgebäude errichteten, und von Zeit zu Zeit erneuerten Kontrakte, den Vorkauf dergestalt, daß er ihnen jährlich ein gewisses Quantum nach obengemeldten, auf die Güte des Kobolts sich gründenden, Preisen abnimmt, und davon nach einem besondern Vergleiche wieder an die Privatblaufarbenwerke eine bestimmte Quantität abläßt.
Doch dürfen die Koboltgewerken, wenn sie auch mehr, als das kontrahirte Koboltquantum beträgt, auf ihren Gebäuden gewinnen, nichts davon ohne ausdrücklich erlangte Erlaubniß anderwärts verkaufen.
Wegen der richtigen Lieferung des Kobolts auf die Blaufarbenwerke, und wegen der Verhütung alles Unterschleifes damit, sind besondere Beamten; nemlich Koboltinspektoren und Koboltüberreiter in den Berg-Aemtern zu Schneeberg und Annaberg angestellt.
Die Koboltinspektoren haben unter andern mit darauf zu sehen, daß die Kobolte so rein als möglich ausbereitet und gefördert werden. Sie müssen ferner bey dem Probieren der geförderten Kobolte gegenwärtig seyn, konkurriren bey der Repartition der Koboltförderniß unter die einzelnen Kobolt-Gebäude, ingleichen bey der Kobolttaxation, und haben in allen Koboltangelegenheiten Sitz und Stimme bey dem Bergamte. Ihnen sind die Koboltüberreiter mit untergeordnet, welche besonders auf den Straßen an den Grenzen und sonst Achtung geben müssen, daß keine Kobolte heimlich verschleifet, und außer Landes geschaffet werden. Unter den vielen Arten von Kobolten, welche auf diesen Werken gebraucht werden *), gibt es einige, die geröstet werden müssen, andere aber sollen roh verbraucht werden können; auch sollen einige Quarz genug bey sich führen, um die Stelle einer größern Quantität, welche man ihnen zusetzen müßte, zu vertreten. Der in großen Stücken gebrannte Quarz wird hernach naß gepocht, und hierauf in einem gewöhnlichen Sandofen getrocknet.
*) Siehe Jars metallurgische Reisen 4ten Band. Seite 892 bis 896.
Ehe man das Gemenge zum Schmelzen im Großen ausbereitet, macht man verschiedene Proben im Kleinen, aus deren Resultat die Proportionen des Gemenges bestimmt werden, um Farben zu erhalten, welche mit den Mustern übereinkommen.
Zu dem Gemenge, aus Kobolt, Quarzsand und Potasche gewöhnlich bestehend, wird öfters noch etwas Arsenikmehl, zur Beförderung des Flusses, und zuweilen etwas Speise genommen. Die Farbe, welche nicht durch das Sieb fällt, kömmt, nebst der Sumpfeschel, nochmals zu gedachtem Gemenge.
Das Rösten des Kobolts geschiehet in einem gewöhnlichen Röstofen.
Die sächsischen Glasschmelzofen sind rund, und nach der von Lehmann in seiner Geschichte des Farbenkobolts angegebene Art, gleich dem zu Querbach gebauet, und fassen zum Theil 6, zum Theil 8 Hafen, durch welche letztere Vorrichtung nach der mündlichen Versicherung eines Sachkundigen, bey 1 ¾ Zentner Potasche, 9 Klafter Holz und 1 Rthl. 21 gr. Arbeitslohn ersparet und in 3 Wochen 105 Zentner Glas mehr ausgeschmolzen werden.
Das Schmelzen dauert 8 Stunden, nach welchen das Glas, wie gewöhnlich, mit Kellen ausgeschöpft, und in die Ausschöpftröge, worein immer frisches Wasser läuft, geworfen wird.
Je tiefer man beym Ausschöpfen im Hafen kommt, desto mehr ist das Glas mit Speise vermischt, welche man, ehe man das Glas ins Wasser wirft, in runde eiserne Formen laufen läßt, und da aus diesen viel arsenikalischer Dampf steigt, so stellt man iede derselben sorgfältig so, daß dieser Dampf gerade in den Schornstein trift.
Vor jedem Schmelzofen stehet nur ein Arbeiter, der alle 8 Stunden, in der Zeit, wenn 3 Hafen ausgeschöpft, und mit neuem Gemenge angefüllt werden, durch einen andern abgelöset wird.
In einem solchen Schmelzofen werden die Woche hindurch nicht über 8 Maaß oder 110 Kubikfuß Holz verbrannt.
Das Produkt eines Schmelzens von 24 Stunden ist 15 Zentner Blaufarbenglas, welches, wie anderwärts, aus dem Wasser gleich trocken gepocht, durchgesiebt und sodann unter den Mühlen gemahlen wird; so wie es auch hernach auf großen Bänken ausgebreitet, gerieben und endlich getrocknet wird.
Wenn man eine gewisse Quantität Speise in Vorrath hat, so schmelzt man solche in einem großen Glashafen zusammen; die hieraus kommende Könige werden hernach geseigert, um den Wismuth davon zu scheiden.
Die silberhaltige Speise wird durch ein besonderes Verfahren, woraus man ein Geheimniß macht, concentriret, und hernach an die Haupthüttenadministration zu Freiberg abgeliefert.
Auf den sächsischen Blaufarbenwerken wird viererley Waaren gemacht, als:
1) hohe Farben, O H. M H. F H. F F H;
2) Couleuren; O C. M C. F C. F F C und F F F C.
3) Eschel; O E. M E. F E. F F E und F F F E. Das O E. kömmt auch im Kommerz bisweilen in Stücken und ungerieben vor, da es dann O E schlechtweg, wenn es aber gerieben ist, O E G gezeichnet wird.
4) Safflor; O S. M S. F S und F F S.
So viel von dem sächsischen Blaufarbenhandel bekannt ist, wird derselbe für gemeinschaftliche Rechnung der Herrschaft und der Interessenten getrieben; jedoch gehören dem Kurfürsten davon zwey Theile, den übrigen Interessenten aber jedem 1 Theil.
Es sind 3 Farbenlager errichtet:
1) Das Kommunlager in Schneeberg, welches der Kommunfaktor Schildbach daselbst unter seiner Aufsicht hat;
2) Das Richtersche Lager zu Leipzig, welches die Gebrüder Richter führen, und
3) Das sogenannte Triersche Lager in Dresden, worüber der Appellationsrath Trier, in Leipzig wohnhaft, als einer der Interessenten die Hauptaufsicht führet. Der eigentliche Faktor aber heißt Christian Benjamin Schell, und wohnt zu Dresden.
Diese sämmtlichen Lager sollen für gemeinschaftliche Rechnung handlen. Da sie aber verschiedene Factors haben, so suchet ieder derselben, der ihm vom Verkauf ausgesetzten Provision wegen, seinen Absatz, so sehr wie möglich, auszubreiten.
Der Preiscourant der sächsischen blauen Farben, in welchem solche nach dem Zentner von 112 Pfund gegen baare Bezahlung in kursächsischen Conventionsspecies und Gulden verkauft werden, ist bey den Gebrüdern Richter in Leipzig folgender:
Hohe Farben und sogenannte Couleuren.
| F F F C. | – – – | 35 ½ Rthl. |
| F F C. | – – – | 24 ½ – |
| F F H. | – – – | 24 ½ – |
| F C. | – – – | 19 ½ – |
| F H. | – – – | 19 ½ – |
| M C. | – – – | 14 ½ – |
| M H. | – – – | 14 ½ – |
| O O. | – – – | 12 ½ – |
| O H. | – – – | 12 ½ – |
Eschel.
| F F F E. | – – – | 38 ½ Rthl. |
| F F E. | – – – | 25 ½ – |
| F E. | – – – | 22 ½ – |
| M E Ges. | – – – | 19 ½ – |
| O E Ges. | – – – | 15 ½ – |
| O E St. | – – – | 15 – |
ferner
| F C B. | – – – | 10 1/3 Rthl. |
| M C B. | – – – | 8 1/3 – |
| F E B. | – – – | 11 1/3 – |
| M E B. | – – – | 9 1/6 – |
Zaffers oder Safflor
| F F S. | – – – | 70 Rthl. |
| F S. | – – – | 60 – |
| M S. | – – – | 26 – |
| O S. | – – – | 18 – |
Nach des Freyherrn von Hofmann Abhandlung über die Eisenhütten hat das Richtersche Handlungshaus in Leipzig den Verkauf der Sächsischen blauen Farben schon seit dem Anfange dieses Jahrhunderts in Händen, und genießet dafür eine Provision von 6 pro Cent, welche in einem Jahre, wo die Farbe nicht stark abging, nemlich vom 17ten Nov. 1770 bis den 16ten Nov. 1771. 14,862 Rthl. 6 gr. 5 pf. betragen hat. Sonach hat im gedachten Jahre der Verkauf der blauen Farbe bestanden in 247,704 ½ Rthl.
pp. 81–82
7) Das Blaufarbenwerk zu Sophienau im Saalfeldischen
ziehet seine Kobolte aus den Gängen, welche das flözartige Gebirge des Rotenberges durchstreichen. Es ist auf die gewöhnliche Art gebauet, und wird eben so – aber nur in kurzen Perioden – betrieben, da der größte Theil der hier brechenden Kobolte nach Cancrins Beschreibung der Bergwerke im Hessischen &c. &c. S. 462. ins Ausland verkauft, und nur ein kleiner Theil davon auf der Fabrike zu Sophienau verarbeitet wird. Ueberhaupt soll nach Ferber (S. dessen neue Beyträge zur Mineralgeschichte versch. Länder S. 310) die hier bereitete blaue Farbe die Lieblichkeit der Schneebergschen nicht erhalten, weil sie wegen des den Kobolten beygemischten vielen Kupfernickels immer fuchsig falle.
pp. 82–83
8) Karlshafen und Schwarzenfels im Hessischen.
Das Blaufarbenwerk zu Karlshafen wurde in dem Jahre 1726 und 1727 erbauet, und bestehet in folgendem Gebäuden:
1) in einem Hüttengebäude, 60 Fuß lang, und 40 Fuß breit, worin ein Schmelzofen, der 6 Hafen faßt; ein Calcinir- oder Röstofen, und ein Temperofen befindlich sind;
2) in einem Mühlengebäude, 90 Fuß lang, und 39 breit, in dessen oberer Etage 2 Stuben und 4 Kammern, unten aber 2 Wellen iede mit 2 Mühlen und einem Pochwerk sich befinden;
3) in einer Waschkammer 25 Fuß lang, und 39 breit, mit 2 großen Sümpfen, 12 Waschfässern, und andern zum Farben-Waschen gehörigen Dingen;
4) in einer Reibestube 23 Fuß lang, und 18 ½ breit, mit 2 großen Siebkasten und einer Reibetafel oder Bank;
5) in einer Trockenstube, 23 Fuß lang, und 18 ½ breit, mit 3 Schränken und den benöthigten Farben-Brettern;
6) in einem Vorrathshause, 16 Fuß lang, und 8 breit, wo die Vorräthe von Quarzsand liegen;
7) in einem 2ten Vorrathshause, 40 Fuß lang und eben so breit, zur Aufbewahrung des Glases und der Potasche;
In dem zweyten Stocke dieses Gebäudes sind noch 2 große Stuben und 2 Kammern angebracht.
Zu dem Farbenwerke gehören noch 3 ½ Ackerland zu Gartenfrüchten, zum Vorrath des Holzes &c. &c.
Die auf diesem Blaufarbenwerke verarbeiteten Kobolte werden auf den das Riegelsdorfer Kupferschieferflöz durchschneidenden Gängen gewonnen.
Die Fabrike bekommt den Zentner Stufkobolt für 18 Rthl. den gemeinen Kobolt aber für 9 Rthl. und bereitet jährlich für 1700 bis 1800 Rthl. Farben, welche größtentheils ins Ausland verschickt werden.
Das Blaufarbenwerk zu Schwarzenfels ziehet seine Kobolte größtentheils aus den Bergwerken zu Bieber, und wird gleich dem zu Karlshafen auf landesherrliche Rechnung betrieben.
Eine nähere Beschreibung der Schwarzenfelser Fabrike soll in dem Hanauischen Magazin, einer periodischen Schrift, welche im Jahre 1785 aufhörte, stehen; und Nachrichten von dem Bergbaue zu Bieber lieferte Cancrinus in seiner Geschichte und systematischen Beschreibung der in der Grafschaft Hanau Münzenberg gelegenen Bergwerke.
pp. 83–84
9) Glücksbrunn im Meiningischen.
Dieses Blaufarbenwerk liegt zwischen dem Flecken Schweinau und dem Schlosse Altenstein.
Hier ist ein prächtiges Wohnhaus im großen Geschmack, mit Lustgärten und Alleen, zum Aufenthalte des Eigenthümers aufgeführt; vor demselben dient ein langes Gebäude mit Thurm und Uhr zu Niederlagen, Officianten-Wohnungen u. s. w. und hinter demselben sind die Poch- und Hüttenwerke, die Mühlen &c. um einen geräumigen Hof angebracht.
Eine Reihe artiger kleiner Häuser mit gebrochenen Dächern dienet zu Wohnungen für die Unterofficianten, Bergs- und Hüttenleute. Die ganze Einrichtung dieser Fabrike rühret von der Trierschen Familie her, welche es aber vor einigen Jahren mit allen Gerechtigkeiten verkaufte.
Alles zeugt von dem ehemaligen Wohlstande und fast von einiger Verschwendung; es sollen aber auch unglaubliche Summen dabey gewonnen worden seyn. Wo man hingegen ietzt hinblickt, siehet man die traurigen Würkungen der Zeit, deren zerstörender Kraft keine menschliche Hand Grenzen setzet. Nur hie und da zermalmt ein lahmes Pochwerk mit Seufzen aus alten Halden geklaubte Pocherze, und keine Rauchwolke aus den Schlütten trübt den blauen Horizont. Traurig ist dieser Anblick gewiß für ieden, der fühlet was noch aus diesem Werke zu machen wäre! Die Farben, welche nach der Zeit, als die Triersche Familie dieses Werk schon verkauft hatte, hier bereitet wurden, sind nebst den beygesetzten Preisen folgende:
| F H. | – – – | 24 Rthl. für den Zent. |
| F C. | – – – | 16 – – – |
| M C. | – – – | 9 – – – |
| F F E. | – – – | 24 – – – |
| M E. | – – – | 21 – – – |
| B C F. | – – – | 10 – – – |
| B C N. 1. | – – – | 24 – – – |
| B C N. 2. | – – – | 18 – – – |
| B C N. 3. | – – – | 14 – – – |
| B C N. 4. | – – – | 12 – – – |
In der letztern Zeit sollen aber nur noch B C Farben, größtentheils von Böhmischen und Hochenburgischen Kobolten bereitet und um weit geringere Preise verkauft worden seyn.
pp. 85–92
10) Wittichen im Fürstenthum Fürstenberg.
Das Blaufarbenwerk bey Wittichen – einem Kloster, was gleichsam den Anfangspunkt zu dem von da nach den Grenzen von Elsaß sich hinziehenden, durch den darin, besonders in dem, dem Fürsten von Fürstenberg gehörigen Antheile betriebenen, ehemals sehr ergiebigen – Bergbau bekannten, und dem es entlang durchströmenden Flusse Kinzig nachbenannten Kinzigerthale gibt – wurde gegen das Ende des vorigen Jahrhunderts wegen der, auf der nahe bey gedachtem Kloster liegenden Grube St. Joseph, gewonnenen vielen und guten Farbenkobolte, von einer Gesellschaft Nürnberger Kaufleute, Gewerken iener Grube erbauet.
Die besondern Schicksale dieses Werks, und wie es im Jahre 1723 zum Theil, und endlich im Jahre 1775 ganz in die Hände der gegenwärtigen Eigenthümer, der Kaufleute Dörtenbach und Compagnien in Kalb im Herzogthum Wirtemberg kam, zu erzählen, wäre nur für wenige Leser interessant, und gehört überhaupt nicht in den Plan dieser kurzen Nachricht.
Der Betrieb desselben war abwechselnd, bald stärker bald schwächer, ie nachdem ihn die Ergiebigkeit der inländischen Kobolts-Gruben, oder der mögliche und vortheilhafte Einkauf ausländischer Kobolte zuließen; und sonach sein Ertrag bald größer bald geringer, wie es bey allen Werken dieser Art ist. Bis in das Jahr 1740 wurde diese Fabrike beständig mit inländischen Kobolten getrieben, von dieser Zeit an aber sah man öfters sich genöthiget, dieses zur blauen Farbe unentbehrliche Material aus fernen Gegenden mit großen Kosten herzuholen, und mußte sich noch glücklich achten, wenn man so viel davon erhielt, daß das Werk nicht die Hälfte des Jahres stille stehen mußte. Die ersteren ausländischen Kobolte, welche die Theilhaber derselben erhielten, kamen aus Spanien, oder vielmehr aus dem Thale Gistau in den Pirenäen von Arragonien; waren wohlfeil und gut, und ohne Zweifel die nehmlichen, von denen Bowles in seiner Einleitung in die Naturgeschichte Spaniens redet, wenn er sagt:
„Llange zogen die Deutschen jährlich 5 bis 600 Zentner Kobolt aus diesen Gegenden für den geringen Preis von 25 liv. für den Zentner, weil die Spanier eben so schlechte Mineralogen als Bergleute waren, und den Kobolt – es war Glanz- und grauer Speiskobolt, – für Bleyglanz hielten. Er wurde von Plan nach Toulouse gesandt, daselbst auf dem Kanal von Languedoc eingeschiffet, und so weiter über Lion und Strasburg nach der Deutschen Fabrike befördert.“
Nachdem endlich die Deutschen die Arragonischen Koboltgruben – so wie es damals schien – erschöpft hatten, und keinen Vortheil mehr dabey zu finden glaubten, verließen sie solche im Jahre 1753. Nach dieser Zeit zog die Blaufarbenfabrike bey Wittichen ihren Bedarf an ausländischen Kobolten aus dem Piemontesischen, Wallisischen und aus Böhmen, bis gegen das Jahr 1773; als diese aber auch nicht mehr zu erhalten waren, so mußten in Steuermark und Nassau-Siegen, besonders da die Fürstenbergischen Gruben immer weniger lieferten, Kobolte zum ferneren Betriebe des Werkes aufgekauft werden.
Am vortheilhaftesten für die Eigenthümer der Fabrike waren, so wohl wegen ihrer Güte als auch wegen ihres geringen Preises, die einheimischen Kobolte, welche, nach einem im Jahre 1775 von den Theilhabern mit der Landesherrschaft getroffenen Accord auf 50 Jahre, denenselben nach der daselbst gewöhnlichen Sortirung geröstet, in folgenden, schon im Jahre 1732 angenommenen, äußerst geringen Preisen von allen Gruben des Fürstenthums überlassen werden müssen, als:
| 1) guter Kobolt Nro. 1, der mit 3 Sand eine Mustermäßige F C gab, den Zentner für | 32 fl. 30 Kr. |
| 2) guter Kobolt Nro. 2, der 2 Sand zu F C tingirte, für | 20 fl. 30 Kr. |
| 3) guter Kobolt Nro. 3, ½ Sand zu F C für | 12 fl. 30 Kr. |
| 4) gute Ausschläge ½ Sand zu M C für | 4 fl. 30 Kr. |
| 5) geringe Ausschläge ¼ Sand zu M C für | 2 fl. – – |
Erträgt der Kobolt mehr Sand, so sollte der Preis verhältnißmäßig erhöht werden — was aber meines Wissens nie vorkam.
Die Spanischen Kobolte bestanden aus Glanz- und grauen Speiskobolten, und kosteten sammt allen Unkosten bis auf die Fabriken 40 bis 50 Gulden für den Zentner.
Die Piemontesischen, welche theils in Stuf-Erzen, theils in Schliech von Glanzkobolten bestanden, erstere 40 bis 50 Gulden, die Schlieche aber 43 bis 51 ½ Gulden, und man erhielt davon jährlich ungefähr 250 Zentner; die Wallisischen, welches ebenfalls Glanzkobolte waren, 60 bis 80 Gulden.
Die Böhmischen, wovon man das Jahr hindurch 200 bis 250 Zentner erhielt, und die aus verschiedenen Arten von Erd- und Glanzkobolten bestanden, 30 bis 35 Gulden.
Die zartspeisigen Glanzkobolte aus Steuermark 20 bis 25 fl.; und die Siegenschen, welche aus grauen Speis- und Glanzkobolten bestanden, 15 bis 20 fl.
Der Verlust, welchen die Fürstenbergischen Kobolte während des, gewöhnlich 3 bis 4 Stunden bey starkem Feuer dauernden, Röstens leiden, ist bey den guten 30 bis 40 Pfund, bey den geringern 15 bis 12 Pfund, und bey den Ausschlägen 8 bis 12 Pfund für den Zentner; der beste dieser Kobolte erträgt 10 Sand zu F C und die geringsten Ausschläge ½ Sand zu M C.
Der Spanische Kobolt soll nach Le Sage bey dem Rösten die Hälfte am Gewichte verlieren; ob diese Angabe richtig ist, kann ich nicht behaupten, da mir hierüber die Nachrichten mangeln.
Der Verlust bey den Piemontesischen ist 49 bis 50 Pfund, und ihr Ertrag zu F C 7 bis 8 Sand.
Die Wallisischen verlieren 30 bis 40 Pfund, und geben mit 6 bis 8 Sand sehr schöne F C. Die Böhmischen, welche 3 bis 4 Stunden geröstet werden müssen, erleiden einen Verlust von 20 bis 36 Pfund, und geben mit 3 bis 5 Sand F C. Die Steuermarkschen, welche mit großer Vorsicht ebenfalls 3 bis 4 Stunden geröstet werden müssen, verlieren 25 bis 30 Pfund; konnten aber mit Vortheil nie zu F C verschmolzen werden. Die Siegenschen endlich, welche am längsten, und zwar 8 bis 12 Stunden geröstet werden müssen, hatten 6 bis 15 Pfund Verlust, und ertrugen zur F C größtentheils nur ½ bis 2 Sand.
Der hier befindliche Calcinir- oder Röstofen nebst dem Giftfange ist, wie auch der Temperofen, gleich denen in meiner Nachricht von dem Queerbacher, erbauet; ersterer aber fasset nur 2 Zentner Erze.
Der Schmelzofen ist oval aus Quader-Sandsteinen nebst den daran anstehenden Sand- und Holzdarrofen, welche durch Zugröhren die benöthigte Hitze erhalten, erbauet; das Futter desselben und die Haube aber bestehen aus sogenannten Sandplatten, oder schiefrigen Sandsteinen, von sehr dichtem Bruche, welche in der Nähe des Werks, auf Granit aufliegend, gefunden werden.
Er ist zu 6 Hafen, von denen auf jeder Seite 3 stehen, eingerichtet. In der Mitte des Ofens und unten in den Hafen sind Oefnungen zum Abstechen der Speise, welche in außerhalb angebrachte eiserne Rinnen läuft. Der Ton zu den Hafen muß in dem Markgrafthum Baden aufgekauft werden, da bis ietzt in dem Fürstenbergischen noch kein tauglicher entdeckt worden ist *).
*) In den neuern Zeiten – nach dem Abgange des Bergraths Kapff, der 26 Jahre lang das Blaufarbenwerk größtentheils allein dirigirte – machte ein gewisser Trautvetter aus Schweina einen Versuch mit einem runden Ofen, der, außer den Seitenpfeilern von Sandsteinen, ganz von getrockneten Thonziegeln aufgemauert war. Die Hitze sprengte ihn bald; er ward eingerissen, und da auch ein zweyter von einem gewissen Weisser nach einer eigenen Manier erbauter Ofen – den zu sehen ich nicht das Glück hatte, – unbrauchbar gefunden wurde, so baute man wieder einen auf die alte Art.
In der Mühle sind 4 Gänge, ein Glas- und Pochwerk nebst 3 Sümpfen und den nöthigen Waschfässern, und neben der Mühle die Reibe- und Trockenstube. – Uebrigens ist die ganze Einrichtung, wie in Querbach, und das, worin sie abgehet, nicht des Bemerkens werth.
Eben so verhält es sich auch, Kleinigkeiten ausgenommen, mit dem Hüttenproceß der Alligations-Schmelz- Mühlen- und Wascharbeit.
Das Glas wird alle 12 Stunden ausgeschöpft; klein gepocht; durch den Durchwurf geworfen; 4 Stunden gemahlen; 3 bis 4mal verwaschen; die Farbe auf Brettern, die Eschel aber auf Eisenblechen getrocknet; sodann in verschlossene Kasten durch Haarsiebe gesiebt und in Fässer, welche 370 bis 400 Pfund halten, gepackt.
Endlich muß ich noch einer bey dieser Fabrike befindlichen sogenannten B C Mühle Erwähnung thun. Hier wird die aus den Waschfässern geschlagene und getrocknete Eschel auf einer Mühle, welche der zum Glasmalen gebräuchlichen ganz gleich ist, – außer daß die Läuffer an einem Stücke sind, – nochmals gemalen; sodann verwaschen und auf einer eisernen Pfanne, die über dem Heerde einer Art von unbedecktem Temperofen angebracht ist, getrocknet. Hierauf kömmt sie unter die Reibe, welche in einem Bodenstein, der 8 bis 10 Fuß im Durchmesser hat, und in zwey konischen Läuffern von Granit bestehet, die vermittelst eines Kammrades durch einen aufrechtstehenden Wellbaum getrieben werden. Die geriebene Eschel wird sodann nochmals auf gedachter Pfanne getrocknet, und endlich durch den Beutel geschlagen.
Der Beutelkasten ist eben so, wie in einer Mehlmühle. Die Eschel wird aufgeschüttet, und nachdem die Läuffer vorher ausgehängt worden, der Trilling von einem an dem aufrechtstehenden Wellbaume angebrachten, etwas breitem Holze angeschlagen, damit die Eschel durchfalle.
Der durch den Kasten gehende Beutel erfordert das feinste Beuteltuch, und da man dieses nie in der gehörigen Qualität erhalten konnte, so wurde auch niemals ächte B C hier verfertiget, und die Eschel meistens nur ungemalen durchgebeutelt; da man doch von dieser Maschine den Vortheil hatte, in kurzer Zeit weit mehr ordinären Eschel durch sie, als durchs Reiben mit der Hand, zu erhalten.
Von den verschiedenen Arten Farben und Escheln wurden in den bessern Zeiten jährlich ungefähr 1200 Zentner fabricirt, und in nachstehenden Preisen verkauft:
| F F C. | für | 33 fl. |
| F C. | – | 24 – |
| M C. | – | 16 – |
| O C. | – | 14 – |
Die Escheln stehen mit diesen in gleichen Preisen. Farben und Eschel gehen in kleinen Bestellungen nach Italien, Frankreich und in die Schweiz, in Großen nach Holland.
Die Besoldungen, Arbeitslöhne &c. &c. mögen jährlich im Durchschnitte — da das Werk niemals das ganze Jahr umgehet – 1800 Gulden, und die Ausgaben für Materialien, Bauten und Gezähe ungefähr – 15000 Gulden betragen. Als das Werk noch in Kuckse eingetheilt und Gewerkschaftlich war, hatte die Landesherrschaft 10 freye Kuckse, und vom Zentner verkaufter Farbe 6 Kreuzer Recognitions-Geld, seit dem Jahre 1775 aber, da es an die Gewerken gänzlich verkauft wurde, erhält dieselbe vom Zentner verfertigter Farbe 15 Kreuzer, also jährlich ungefähr 300 Gulden, und dafür ist alles, was von oder zur Fabrike gehet, und was die Officianten und Laboranten gebrauchen, zollfrey.
Die Preise der Materialien bey diesem Blaufarbenwerke waren noch im Jahre 1788
| 1 Zentner calcinirte Potasche – Nürnberger Gewicht – | 13 fl. – |
| 1 Klaster Scheitholz — das Maaß ist 6 Fuß hoch und 6 Fuß lang, schlecht gesetzt, und das Scheit nicht wohl 3 Fuß lang | 1 – 30 kr. |
| 1 Zentner rohe Kieselsteine | – – 24 kr |
| 100 Stück Backsteine und Ziegel | 3 – – – |
| 1 Zentner Thon zu den Hafen | 1 – 12 – |
| 1 Kübel Kalk | – – 12 – |
| 1 Zentner Sandplatten zum Farbens-Ofen | – – 24 – |
Noch muß ich hier anführen, daß im Fürstenthum Fürstenberg zum Gebrauch des Blaufarbenwerks viel Farrenkrautasche, mit Holzasche vermischt, zu Potasche gesotten wird. Wird iene allein gesotten, so kann die davon bereitete Potasche nicht wohl calcinirt werden, da sie im Ofen flüßig wird, wie Wasser, hingegen mit Holzasche vermischt, wird sie gut und brauchbar. Man schneidet zu diesem Behuf das Farrenkraut gegen den Herbst, trägt es auf Haufen, wo man es dürre werden läßt, und brennt es hernach zu Asche, deren ziemlich viel davon fällt.
Im Herbste 1778 wurde das ganze Mühlen-Gebäude, über dem einige Wohnungen für die Farbenwerks-Arbeiter angelegt waren, nebst einigen kleinen Gebäuden und einem großen Vorrathe von blauen Farben, Materialien – worunter allein bey 2000 Klaster Scheitholz, was gerade angeflößet wurde, sich befanden – und Geräthschaften von der durch lange anhaltende Schlagregen angeschwollenen Kinzig weggeschwemmt, und dadurch sowohl, als auch durch Verwüstung an seinem Eigenthum mein verstorbener Vater — der damalige Fürstenbergische Bergrath Kapff – der mit den Theilhabern des Blaufarbenwerks einen Fabrikations-Kontrakt, wovon er ohne dies wegen des Mangels an hinlänglichen einländischen Kobolten und der schlechten Qualität der im Auslande aufgekauften, wenig oder gar keinen Gewinn für seine unermüdete Thätigkeit hatte – in unersetzlichen Schaden gesetzt. Das Jahr darauf wurde zwar das Gebäude wieder errichtet; allein das Werk kam seither nie wieder in den Wühenden Zustand, in welchem es ehemals war, woran theils der Mangel an eigenen und die Hohen Preise der noch zu erhaltenden ausländischen Kobolte, theils die Leitung des Werks durch Officianten, die kaum nach dem alten Schlendrian zu arbeiten vermögen, Ursache sind.
p. 92–93
11) Alpirsbach im Herzogthum Wirtemberg.
Dieses Blaufarbenwerk eine kleine Viertel Stunde von dem Wirtembergischen Marktflecken Alpirsbach, und eine Stunde von dem Fürstenbergischen Blaufarbenwerk bey Wittichen — wurde vor ungefähr 65 Jahren erbauet. Anlaß dazu gaben die beyden Gruben: Wolfgang und Eberhart, worin man gut tingirende schwarze und braune Erdkobolte […] erschrotete.
Allein diese Anbrüche waren von kurzer Dauer, und die Fabrike mußte ihren Koboltbedarf bald im Auslande suchen.
Endlich um das Jahr 1776 blieb das Werk gänzlich stehen, und wurde erst zu Ende des Jahres 1787 durch die Kaufleute Zahn und Dörtenbach in Kalb — Theilhabern des Blaufarbenwerks bey Wittichen — wegen einiger Kobolt-Anbrüche auf den Nebentrümmern des Wolfgang- und Eberharts-Ganges wieder in Umgang gebracht.
Seit einigen Jahren aber hat diese Fabrike nur selten in Arbeit gestanden… Das Werk ist übrigens ganz nach der Art des Fürstenbergischen gebauet.
pp. 93–95
12) Gengenbach in der Norderach.
Das Blaufarbenwerk unweit dem Städtchen Gengenbach in der Norderach einem Nebenthale der Kinzig – etwa 7 Stunden von Wittichen – wurde von der dortigen Reichsabtey im Jahre 1750 erbauet, da dieselbe Gelegenheit fand, mit der Kaiserl. Königl. Böhmischen Kammer einen Kontrakt zu schließen, wornach ihr unter gewissen Bedingungen ausschließlichungsweise die in Böhmen gewonnenen Kobolte gegen baare Bezahlung auf 20 Jahre überlassen werden sollten. Da aber die Eigenthümer dieses Blaufarbenwerks das ganze Quantum der für sie geförderten Böhmischen Kobolte weder benutzen noch bezahlen konnten, so wurde jener Kontrakt wieder aufgehoben; allein sie waren so glücklich, im Piemontesischen Kobolte ausfindig zu machen, und erhielten dadurch und durch die Menge eigenen Holzes das Werk bisher im Betriebe, und in größerer oder geringerer Ausbeute. Neben den Piemontesischen ziehen sie auch Kobolte aus Nassau-Siegen, von Markirch – Ste Marie aux-mines – im Elsaß und verschiedenen andern Orten, und wissen überhaupt, durch guten Haushalt, weitläuftige Bekanntschaft und durch die, nur Mönchen mögliche Art, wohlfeil zu reisen, und also auswärtige Kobolte selbst auszukundschaften und zugleich ihren Farben guten Debit zu verschaffen, ihr Blaufarbenwerk, ohne nur ein Loth eigenen Kobolts zu haben, noch immer, wenigstens ohne Verlust, und stets zur vortheilhaftesten Anwendung ihrer Waldungen, deren Holzung sie kaum anders benutzen könnten, zu unterhalten.
Außer den hier angeführten Deutschen Blaufarbenwerken befinden sich auch noch einige im Bayreuthischen, wovon mir aber nichts, als ihre Existenz bekannt ist.
Auch sah ich vor ungefähr 11 Jahren ein dergleichen Fabrikchen, einige Meilen von Elberfeld im Herzogthume Berg, aber nur von außen; denn sein Besitzer – wenn ich nicht irre, hieß er Offermann – hielt das Innere desselben so hoch, daß er mich versicherte, wenn ich auch ein König wäre, so würde er mir doch nicht erlauben, über die Schwelle seiner Fabrike – in nuce — zu treten.
Außerhalb Deutschland sind mir nur das Blaufarbenwerk des Grafen von Beust bey Saint-Mamet an den französischen Pirenäen, das Blaufarbenwerk zu Bregnäs in Norwegen und die Blaufarben-Verfeinerungs-Fabriken der Holländer bekannt.
Von dem ersteren lieferte der Baron von Dieterich – ietziger Maire in Strasburg – in seiner Description des yites de miner, etc. des pyrenées etc. eine ausführliche Beschreibung, welche ich hier in der Uebersetzung mittheile; das zweyte konnte ich blos als existirend anführen, da ich keine Nachrichten davon besitze, und das, was ich über die holländische Verfeinerungs-Fabriken sagte, entlehnte ich aus dem Reise-Journal eines Deutschen – ohne Zweifel des Herrn Bergraths Eversmann in Wetter, das im Bergmännischen Journal August 1791. S. 80–83. erschien.
pp. 95–104
13) Blaufarbenwerk des Grafen von Beust, nahe bey den Dörfern Saint-Mamet und Juset.
Der Graf von Beust fand unweit des Dorfes Juset, – 11000 Toisen Ostwärts von dem Dorfe Montajou, an dem rechten Ufer des Flusses Pique, und ungefähr 1200 Toisen Nord-Nord-Oeltlich von dem Dorfe Montauban gelegen – einen Kobolt führenden Quarzgang, dessen Beschreibung unmittelbar auf die folgen wird, welche ich sogleich von dem dort angelegten Blaufarbenwerke geben werde.
Das Blaufarbenwerk bey Saint-Mamet errichtete der Graf von Beust Kraft einer Verfügung des Konseils vom 27sten April 1784; nach welcher ihm und seinen Mitgewerken die Erlaubniß ertheilt wird, 25 Jahre lang – von dem Tage der Verfügung an – alle Koboltgruben, welche sich in den französischen Pirenäen finden, und darinn gefunden werden, ausschließlichungsweise zu bebauen; übrigens behielten Se. Majestät sich vor, ihnen, wenn das Werk wirklich zu Stande gebracht wäre, Befreyungen aller Einführungsabgaben von den zur Bereitung der aus dem Kobolt gezogenen blauen Farben nöthigen Materialien, wie auch die freye Ausfuhre derselben zu ertheilen. Der König bewilliget durch eben diese Verordnung den Unternehmern sowohl, als auch den Gruben, und Fabrikenarbeitern alle Privilegien und Befreyungen, deren die Bergleute zufolge der sich auf die Verfügung des Konseils vom 11ten Jülius 1728 beziehenden Deklarationen und Verordnungen bisher genossen; den in den Bezirken von Auch und Pau vertheilten Intendanten und Kommissarien aber ertheilten Se. Majestät die Erkenntniß in der ersten Instanz über alle wegen des Bergbaues 2c. 2c. entstandene und entstehende Streitigkeiten.
Der Graf von Beust errichtete eine Art von Gewercksaft und theilte das Ganze in 60 Akzien, wovon 45 das Kapital ausmachen; der wirkliche Werth einer ieden aber ist gegenwärtig 9000 Liv. diese Akzien gehören dem Inhaber, und verzinsen sich mit Sechsen fürs Hundert, ohne die iährlichen Dividenten. Durch den Gesellschaftskontrakt, welcher durch den Notar Dosne zu Paris bestätiget worden ist, überläßt der Graf von Beust an die Gesellschaft die Koboltsgruben von Plan in dem Thale Gistau in Arragonien, welche ihm vermöge zweyer geschlossenen Verträge mit dem Don Mathias Estevan, – Einwohner in Sarragossa, – der das ausschließende Recht hatte, alle Kobolts und andere Gruben in den Arragonischen Pyrennäen bis 1796 zu betreiben – angehörten.
Der Hof zu Madrid billigte nicht nur diese Abtretung, sondern bewilligte noch überdies dem Grafen von Beust, durch die königliche Verordnung vom 12 August 1782 eine Verlängerung dieses Privilegiums bis auf das Jahr 1804; jedoch unter der Bedingung, daß er für ieden Zentner Kobolt, welcher nach Frankreich übergehen würde, einen harten Piaster bezahlen sollte.
Diese Gruben lieferten nicht genug Kobolt für den Verbrauch der Fabrike zu Saint-Mamet; allein der Graf von Beust fand sowohl in den französischen Pirenäen, als auch in andern Gegenden Hülfsmittel, welche ihn in den Stand setzen, seine Fabrike beträchtlich zu erweitern, und die Bereitung ihrer Produkte jährlich bis auf 6000 Zentner zu erhöhen.
Der Generalcontrolleur zweifelte nicht, indem er die Errichtung dieser Fabrike – der ersten von dieser Art in dem Königreiche – begünstigte, daß sie Gelegenheit zu neuen Entdeckungen von Kobolt in den französischen Pirenäen geben würde, und der Erfolg hat diese Vermuthung bestätiget.
Dieses Blaufarbenwerk liegt an dem Ufer des Flusses Pique, in dem Bezirke und Kirchspiele von Saint Mamet, 1100 Toisen südlich von Bagneres de Luchon, und einige 100 Toisen von Castel-Viel; die Wasser sind daselbst im Ueberflusse für dieses Werk, welches aus folgenden Gebäuden bestehet:
1) in einer großen Schmelzhütte, von 48 Fuß Länge, 34 Breite und 44 Höhe, wovon 14 Fuß aus Mauerwerk und 30 Fuß aus Zimmerwerk bestehen.
Dieses Gebäude schließt den Kalzinir- oder Röstofen, die Giftkammern, die Schmelz- und Glasofen und endlich eine Stube, 24 Fuß lang, über 12 breit und 14 hoch, zum Aufenthalte für den Oberfarbenmeister, in sich;
2) in einem großen Gebäude an der Seite eines Kanals, welcher sein Wasser aus dem Flusse Pique ziehet, um dadurch verschiedene Maschinen in Bewegung zu setzen.
Dieses Gebäude ist 114 Fuß lang, 33 breit und 30 hoch, wovon 10 in Mauerung und 20 in Zimmerung stehen.
Es enthält ein Pochwerk mit 8 Stempeln, eine Mühle mit 4 Mahlsteinen, eine Gemengekammer, ein Reibe- Waschs- und Trockenstube und einen Potaschenbrennofen.
Das Waschwerk bestehet aus 3 Herden, welche nur wenigen Fall haben, Stuffenweise über einander liegen, und zur Scheidung der Speise oder des Koboltkönigs von dem Glase, ehe man dieses unter die Mühle bringt, dienen;
3) in einem Magazin für den Kobolt und die Produkte der Fabrike, von 33 Fuß Länge, 25 Fuß Breite und 20 Fuß Höhe;
4) Aus einer Probierstube mit den nöthigen Ofen von 25 Fuß Länge, 20 Fuß Breite und 18 Fuß Höhe;
5) in einem Wohnhause für diejenigen Arbeiter, welche sich Tag und Nacht auf dem Platze befinden müssen.
Dieses Gebäude ist 48 Fuß lang, 22 Fuß breit und 34 Fuß hoch, und stehen davon 18 Fuß in Mauerung und 16 in Zimmerung.
Das Werk hat gegenwärtig 3 geschickte und sachkundige Farbenmeister und einen Hüttenschreiber. Und so bald das Ganze in Umgang kömmt, muß man beständig 30 Arbeiter zum Theil bey den Kalzinir, Schmelz- und Glasofen, zum Theil in den Pochwerken, Mühlen und Wäschen haben, wozu noch 5 andere sachverständige und den übrigen zur Unterweisung vorzusehende Arbeiter aus dem Auslande zu ziehen seyn würden.
Diese interessante Fabrike stehet zum Theil gegenwärtig *) schon im Betriebe, und der Generalkontrolleur gedenkt ihr den Titel: königl. Manufaktur zu geben. Man bereitet darin vortrefliche Farben in hinlänglicher Menge, um nicht nur das ganze Königreich damit versorgen, sondern auch noch einen beträchtlichen Theil davon ins Ausland versenden zu können.
*) Dieses widerspricht – wörtlich übersetzt – dem Vorhergehenden; ich suchte daher durch das eingeschobene; zum Theil den Widerspruch zu mildern.
Diese Farben erhielten allgemeinen Beyfall, und obschon sie eben so schön sind, als die ausländischen, so setzte man sie doch auf geringere Preise, weswegen der Minister auch geneigt scheint, Auflagen auf die Einfuhre fremder blauer Farben zu setzen.
Man wird es vielleicht nicht ungerne sehen, hier einige Details über den Gebrauch und das Kommerz der Zaffers und der blauen Farben zu finden.
Es ist bekannt, daß der Kobolt ein Halbmetall ist, welches die Eigenschaft besitzt, sich, wenn es mit verglasenden Substanzen, als Sand, Quarz, &c. vermischt wird, im Feuer bey der Verglasung in ein blaues Glas zu verwandlen: durch das verschiedene Verfahren, welches der Verglasung des Kobolts folgt, verwandelt man ihn in einen kaum fühlbaren Staub von verschiedener Feinheit und Höhe, welche von der größern oder geringeren Menge der ihm beygemischten verglasenden Substanzen und nachherigen Mühlen- und Wascharbeiten abhängt.
Die fertigen Farben erhalten sodann die Nahmen: Schmalten, Zaffer – Azur und Königsblau, für welche das Kommerz eigene Zeichen erfunden hat.
Der Buchstabe E bezeichnet Esmalte, auf Deutsch Eschel, oder Schmalte – Nahmen welche man den feinsten Farben beygelegt hat; der Buchstabe C aber Couleur oder Farbe, und die Proben, welche dieses Zeichen führen, sind weniger fein als die Schmalten.
Der Buchstabe S, durch welchen man Sable oder Sand ausdrucken will – dient zum Zeichen der gröbesten Farben.
Man verbindet mit diesen Buchstaben entweder ein O, um anzuzeigen, daß die Waare von ordinärer Qualität sey – oder ein M, wenn sie mittelmäßig; oder ein F, wenn sie fein ist; da es aber 5 Stufen der Feinheit und Höhe dieser Farben gibt, so kann auch letzteres Zeichen bis auf fünf F vermehret werden.
Die mit einem E bezeichneten blauen Farben oder Schmalten werden vornehmlich bey der Bereitung der Leinwande, Batiste, Museline und Zwirne angewandt. Daher der Verbrauch derselben in den Manufakturen dieser Art, welchen sie unumgänglich nothwendig sind, zum Erstaunen groß ist; wie, zum Beyspiel, Flandern, Holland, England, Deutschland, und darin vornehmlich Schlesien und die Lausitz auffallend beweisen.
Die mit C bezeichneten Azurs oder Farben vermischt man mit der Stärke oder dem Kraftmehle beym Aufbereiten der Leinwand nach dem Waschen. Wie viel auch dadurch davon verbraucht wird, ist leicht einzusehen.
Außer diesem bedient man sich derselben noch zu Malereyen auf Fajanse, ordinärem Porzellain und andern feinen Töpferwaren; auf den Glashütten aber zur Verbesserung der Farbe des Glases und zur Bereitung der blaugefärbten Gläser; und endlich in der Fresko Malerey: weswegen auch alle Materialisten einen beträchtlichen Verschluß davon haben. Die Holländer versenden eine große Menge dieser Schmalten und Farben nach den beyden Indien und nach China.
Der mit einem S bezeichnete Azurs oder der Streusand dient zur Verzierung der Tischaussätze und der Scheiben bey Lustfeuern; auch gebraucht man ihn in Deutschland zum Uebersanden der Schreibereyen.
Außer diesen drey verschiedenen Arten der Produkte des Kobolts bereitet man auch noch Zaffer oder Safflor, welcher nichts anders ist, als gerösteter oder kalzinirter Kobolt, der durch dieses Verfahren der Arsenikalischen Theile, womit er gemeiniglich verunreinigt ist, beraubet wird: man verwandelt ihn dadurch gewöhnlich in ein röthlichgraues Pulver und mischt ihn sodann in schicklichen Verhältnissen mit den nothwendigen Substanzen, damit er bey der Anwendung in der Mahlerey des feinern Porzelans, des Fajanses, der Gläser und Emaillen, in Schmelzung übergehe, und ein mehr oder minder hohes Blau gebe. Man siehet hieraus, daß der Safflor von den andern Bereitungen aus den Kobolten darin unterschieden ist, daß man bey diesem das Mineral vor dem Gebrauche verglaset, anstatt daß der Safflor erst alsdann in Glas verwandelt wird, wenn man ihn zu Glasuren und Firnissen der Porzelane und Emaillen anwendet, welchen er eine sehr schöne blaue Farbe gibt. Uebrigens findet man nur wenig zum Safflor tauglichen Kobolt. Je mehr er ein sehr lebhaftes Feuer aushält, für desto besser wird er gehalten, und eine seiner wesentlichsten Eigenschaften soll darin bestehen, daß er nicht schmelzet, und sich im Feuer nicht über die Grenzen ausbreitet, welche ihm der Maler vorgezeichnet hat.
Man schätzt den Verbrauch der Schmalte, der Farbe, des Streusandes und des Safflors in Frankreich auf mehr als 4000 Zentner, und der Preis derselben steiget von 72 bis auf 600 Liv. pro Zentner.
Der Graf von Beust glaubt, mit Beyhülfe des Barons von Dietrich, das Verfahren der Holländer – wovon sie bisher allein im Besitze waren – entdeckt zu haben, um nach Willkühr durch eine zweyte Fabrikation die äußerste feine blasse Schmalte zu erhalten, deren Verbrauch unendlich groß ist, und welche die Holländer nur auf einer einzigen Fabrike, – in der Mitte der Wälder, und an einem Orte, der 10 bis 12 französische Meilen von ieder großen Stadt entfernt ist, um das Geheimniß desto besser verbergen zu können – bereiten.
Die größten Schwierigkeiten, welche sich dem Grafen von Beust in den Weg legen, entstehen von der Theuerung der Potasche, welche er für einen ungeheuren Preis aus Deutschland ziehen muß, ungeachtet er sich solche sehr wohlfeil verschaffen könnte, wenn ihm erlaubt wäre, aus den Forsten, in deren Mitte seine Fabrike liegt, das gefällte Holz, welches die Einwohner unbenutzt darin verfaulen lassen, dazu anzuwenden.
Uebrigens hat der Graf von Beust sein neues Etablissement weit genug von allen bewohnten Plätzen entfernet und in seiner Schmelzhütte einen hundert und fünfzig Fuß langen Schornstein errichten lassen, damit Niemand von den arsenikalischen Dünsten, welche sich beym Koboltrösten entwicklen, Beschwerlichkeit empfinde.
Die Einwohner von Bagneres de Luchon hatten gewünscht, daß er seine Fabrike in ihrem Bezirke errichten möchte; allein er fürchtete, daß die gedachten Dünste die Kranken, welche in die Bäder von Bagneres kämen, beunruhigen könnten, und entfernte sich daher so weit, daß auch die gereizteste Einbildungskraft keine Ursache zur Furcht finden kann.
Der Graf von Beust gedenkt in den Gegenden von Saint-Lary, nahe bey Saint-Gaudens und nahe bey Lus-a-Bareges, bergmännische Versuche auf Kobolt machen zu lassen. Hier folgt nun die nähere Beschreibung des Koboltganges bey Juset, welche oben – Seite –versprochen wurde in einem Briefe des Grafen von Beust an den Baron von Dietrich.
Ich eile, mein Herr, ihnen eine Entdeckung mitzutheilen, welche für den Fortgang der Fabrike, die unter Ihren Augen entstand, äußerst vortheilhaft ist. Als ich sehr nahe bey dem Dorfe Juset, in einem Bächlein, welches beym Schmelzen des Schnees sich öfters in einen kleinen Strom verwandelt und eine Kaskade von 12 bis 16 Toisen Fall bildet, eine Menge Quarz sammle, und ihn, wie gewöhnlich, kalziniren ließ, ward ich in ein angenehmes Erstaunen gesetzt, da ich fand, daß ein großer Theil der Oberfläche desselben, besonders da, wo er der Wirkung der Flamme am meisten ausgesetzt war, sich mit dem schönsten Blau bedeckte. Ich zersetzte hierauf einige Stücke dieses Quarzes, und fand darin, an mehreren Stellen nicht nur rothen Kobolt-Beschlag, sondern auch kleine Nester von Spiegelkobolt.
Sogleich machte ich Versuche mit diesen kalzinirten Quarzen, denen ich nichts als Alkali, unsern gewöhnlichen Fluß, zusetzte. Das Produkt davon war ein schönes Blau von der Höhe der O C. Diese wichtige Entdeckung reizte mich, die Stellen, wo dieser Quarz gefunden wurde, sorgfältig zu untersuchen; und ich fand am Fuße des Gebirges Chedau, beynahe im Niveau des Stromes, einen schönen Quarzgang, der sein Streichen in der Stunde 3, und zu seinem Hangenden und Liegenden einen graulichen eisenschüssigen Schiefer hat; die Hauptmasse des Gebirges selbst bestehet aus einem graulichen dichten Schiefer.
Der Quarz, welchen ich von diesem Gange abstufte, schien mit dem aus dem Flusse gleiches Gewebe zu haben; auch fand ich einige Stücken, welche die nehmlichen kleinen Kobolt-Nester, iedoch weniger reichhaltig, als diejenigen, welche ich in den Quarzgeschieben traf, einschlossen. Ich ließ daher einen Stollen auf diesem Gange anlegen, in der Hofnung, in einer gewissen Teuffe vielleicht Kobolt in größerer Menge zu finden, welches ich um so mehr wünsche, da dieser Kobolt von sehr guter Eigenschaft und sehr tauglich ist, zu Porzelan- und Fajanse-Malereyen gebraucht zu werden.
Die Natur hat Kobolt in die französischen Pirenäen gelegt, und man darf nicht zweifeln, daß wohlgeordnete und genau befolgte Untersuchungen neue Entdeckungen nach sich ziehen werden.
p. 104
14) Das Blaufarbenwerk zu Bregnös in Norwegen.
erhält den Bedarf seiner Kobolte aus den Bergwerken bey Modum und Fossum, ungefähr 4 Meilen von Kongsberg.
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15) Verfeinerung der blauen Farbe in Holland.
Die Holländer ziehen die blaue Koboltfarben aus Sachsen, verfeinern sie und vervielfältigen ihre Sorten. Die Verfahrungsart davon, die Raffiniren genannt wird, ist ein großes Geheimniß, wozu Niemand kömmt. Es soll zwischen zwey horizontalen Mühlsteinen geschehen, die aber so gehauen sind, wie die gewöhnlichen zu Kornmühlen, nur feiner und kleiner. Darauf wird das Gemahlene zugleich gebeutelt, damit es sich nicht in kleinen Kügelchen setze, und alsdann in die Fässer zum Verkaufe gepackt.
Der Umlauf der Steine ist sehr langsam, damit nichts verfliege. Darauf, siehet man nun wohl, beruhet das Geheimniß ganz und gar nicht, wohl aber auf der Vermischung der verschiedenen Farbenarten unter einander, wodurch der schlechteren Sorte der Gehalt einer bessern beygebracht, dadurch die Farbe erhöhet, im eigentlichen Werthe aber vermindert wird. Hierin liegt das Verdienst der Holländer und der Grund des Geheimnisses.
Uebrigens suchen die Holländer die Irrländer, an welche sie sehr viel ihrer verfeinerten blauen Farben verkaufen, zu überreden, daß sie solche von Anfang bis zu Ende selbst bereiten, wie sie denn überhaupt auch immer vorgeben, daß deutsche Manufakturwaaren, welche sie blos versenden, ihr eigenes Produkt seyen. Manche Irrländer von Kenntniß wundern sich daher gar sehr, daß unsere deutschen Blaufarbenwerke ihren größten Vortheil den Holländern überlassen, und nicht selbst Versuche machen, solche zu verfeinern, da dieses doch nichts anders seye, als ein feineres Mahlen der Farbe zu Staubpulver, und ein nachheriges Zusammenmischen der verschiedenen Farbensorten in verschiedenen Verhältnissen. So sagte z. B. John Thompson zu dem Verfasser dieser Nachricht: er habe selbst unter den 55 verschiedenen Sorten, welche die Holländer gewöhnlich nach Newry senden, noch Veränderungen und Verbesserungen hervorbringen können, indem er die gröberen Farben, welche sich zwischen den Nägeln der Hand nicht zu Staub reiben lassen, noch einmal naß gemacht, feiner gerieben und dann mit einander wieder vermischt habe.
Die Holländer mischen eine geringe Quantität Indigo mit der Schmalte, wobey man sich aber wohl in Acht nehmen muß, um das Verhältniß nicht zu überschreiten, weil sonst der schöne blaue Stich der Farbe vergehet.
Der meiste Debit der Holländischen blauen Farbensorten gehet nach Irland, wo man sie Saxir-Plawses nennt, und auf den dortigen Bleichereyen, zu dem Platten Indigo zu dessen Komposition sie als ein wesentliches Stück gehören, und auf den Lakmusfabriken, gebraucht.
Viele aber brauchen die Holländer selbst auf ihren eigenen Bleichereyen.
Die Eigner der Anstalt, in welcher die blaue Farbe raffinirt wird, heißen: Ploost van Amstel ende Gebroeders Lohoffsen Co. Die Namen und Preise der vorzüglichsten Sorten sind wie folgt:
Bleeke Sorten und M E C blasse Sorten:
| 1) Bleek blau | No. 1. | a fl. | 16 – |
| 2) dito – | – 2. | – | 18 – |
| 3) – – | – 4. | – | 21 – |
| 4) Bleekste. | – 5. | – | 25 – |
| 5) Hoogste Bleek. | – 5. | – | 25 – |
| 6) M E. | – 1. | – | 26 – |
| 7) M E. | – 2. | – | 28 – |
| 8) Hoogste Bleek. | – 6. | – | 30 – |
| 9) Beelkste. | – 6. | – | 30 – |
| 10) F E. | – 2. | – | 38 – |
Hooge Sorten (hohe Sorten)
| 11) M C. | No 1. | a fl. | 21 – |
| 12) M C. | – – | – | 21 – |
| 13) M C. | – 2. | – | 25 – |
| 14) F C. | – 2. | – | 30 – |
| 15) F C. | – 2. | – | 30 – |
| 16) F F C. | – 1. | – | 35 – |
| 17) F F C. | – 3. | – | 40 – |
| 18) F F E. | – 2. | – | 43 – |
| 19) F F E. | – 3. | – | 48 – |
| 20) F F F E. | – 4. | – | 53 – |
S. Reise-Journal eines Deutschen im Bergmännischen Journal. August 1791. Seiten 80–83.
Note
- The correct place name is Kuttenplan; the Czech name is Chodová Planá. ↩︎
