Köhler – Kinderling 1788/II

Johann David Köhler – Johann Friederich August Kinderling, Anweisung zur Reise Klugheit für junge Gelehrte, um Bibliotheken, Munzkabinette, Antiquitätenzimmer, Bildergallerien, Naturalienkabinette und Kunstkammern mit Nutzen zu besehen; neu überarbeitet und mit berichtigenden Anmerkungen versehen II, Mandeburg [Johann Adam Creutz] 1788.


Vierter Abschnitt.

Von Bildersälen.

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pp. 593–595

§. 7.

Eine jede Materie, worauf gewisse Gegenstände dem Auge mit Farben dargestellt werden sollen, erfordert beinahe eine verschiedene Art, womit die Farben aufgetragen werden müssen. Daraus entstehen also verschiedene Arten der Mahlerei, wovon eine jede etwas eigenes hat. 1) Die Mahlerei auf nassen Kalk, welche die Italiener al fresco nennen, findet in Gebäuden, zur Verzierung der Wände, besonders an den Decken der Säle und Zimmer, und der Gewölbe der Kirchen und Capellen statt. Eine trockne Wand wird mit nassem Kalk, oder vielmehr mit Mörtel beworfen, und glatt abgerieben. Wenn derselbe etwas trocken geworden, wird er mit einem leichten Mörtel überzogen. Auf diesen werden die Farben aufgetragen, welche sich alsdenn sehr fest in den Kalk einziehen. Man gebraucht dazu lauter Erdfarben, als Ocker, Umbra, Indigo [!], Ultramarin, Kienruß [!] &c. weil die andern sehr bald verschießen, und von der Schärfe des Kalks verzehret werden. Zinnober ist die einzige metallische Farbe, welche gebraucht werden kann. Entweder werden die Farben mit Wasser, oder auch, wiewohl seltner, mit Oel [!], vermischt. In Italien, auch in Deutschland, besonders in Augspurg und Nürnberg ist diese Mahlerei sehr üblich, in den Niederlanden aber ist sie seltner, weil die Seeluft verursacht, daß die Farben bald verbleichen. Es gehört eine leichte Hand und ein freier Pinsel dazu, weil sich hier nichts auslöschen läßt, und dennoch machen sich Mahler, die sehr viel auf Kalk mahlen, zu feineren Gemählden leicht ungeschickt. Weil die Farben heller werden, wenn die Wand trocknet, so muß man sie fast alle dunkel auftragen. Damit die Mahlerei einander gleich werde, muß nur immer so viel von der Wand mit Kalk beworfen werden, als auf einen Tag gemahlt werden kann. Einen Entwurf des Gemähldes, oder Carton, macht sich der Mahler bei schweren Figuren auf Papier, und behält denselben vor Augen, leichtere Figuren macht er aus freier Hand und die ganz saubern Figuren werden erst durch Pastellfarben vorgezeichnet. Damit die Farben einander gleich bleiben, ist es gut, von einer jeden so viel zuzubereiten, als man gebraucht, weil sonst leicht eine verschiedene Mischung entsteht. Man mischt sie aber mit Kalkwasser in irdenen Geschirren. Man mahlt auch mit Leimwasser auf trocknen Wänden, es ist aber nicht so dauerhaft, als auf frischem Kalk. Uebrigens ist diese Art der Mahlerei schon sehr alt, und man hat sie in verschiedenen Ruinen alter Gebäude zu Rom, Heraklea &c. gefunden.*)

*) Von den Freskomahlereien in Rom, in manchen Ruinen von Palästen, Bädern &c. ist das vortrefliche Werk des Grafen Caylus und des La Mariette zu merken: Recueil de Peintures antiques imitées fidelement pour les couleurs et pour le dessein, d’après les desseins coloriées faits par le S. Bartoli. à Paris 1757. fol. Volkmann in seinen hist. krit. Nachrichten von Italien, 2 B. 212 S. hat es zuerst bekannt gemacht. Es sind nämlich nur 30 gemahlte Exemplare verfertigt, daher ist es spät bekannt geworden. Von den Gemählden auf nassen Gründen im Herkulan und Pompeji handeln Cramer und Martini. Hier ist die neue Erfindung des Strelizischen Hofconditors Rauert zu bemerken, wodurch diese Mahlerei allgemeiner werden kann. Er hat nämlich eine Zusammensetzung des Kalks erfunden, die auf Metall, Holz und Stein festhält. S. Meusels Miscellaneen artistischen Inhalts 14 Heft Nro. 7.

Man kann noch die Mahlerei herrechnen, welche die Italiener Craffito nennen. Eine gemauerte Wand wird schwarz gemacht und hernach überweißt, und in dieser weissen Uebertünchung werden Figuren und Risse eingeschnitten, welche alsdenn schwarz erscheinen. So sind die Marställe in Wien und Dresden gemacht, weil andere Farben vom Pferdedunst verderben.