Krünitz 1779/XVI
Johann Georg Krünitz, Oekonomische Encyklopädie, oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- u. Landwirthschaft, in alphabetischer Ordnung XVI (Gan–Gelb), Berlin [Joachim Pauli] 1779.
pp. 725–728
Gelb
Gelb(*), L. Flauus, Luteus, eine Benennung einer sehr lichten Hauptfarbe, welche nach der weißen Farbe das meiste Licht hat, und bey der Brechung des Lichtstrahles durch das Prisma zwischen der rothen und grünen Farbe zum Vorschein kommt. Im gemeinen Leben pflegt man auch die von der Sonne verbrannte Haut des Gesichts und der Hände gelb zu nennen.
(*) In den gemeinen Mundarten Ober- und Nieder-Deutschlandes lautet dieses Wort gäl, gel, welches letztere mehrmahls in der deutschen Bibel vorkommt; im Dän. guul, im Engl. yellow, im Ital. giallo, im Schwed. gul, im Ißländ gulur, im Angels. gealuve, im Franz. jaune, im Poln. zolty, im Lat. giluus und heluus, im mittlern Lat. eluus, faluus, giallus, im Wallach. galbenu, bey den schlesischen Bauern gallosch.
Die verschiedenen Abänderungen der gelben Farbe werden durch allerley Zusammensetzungen ausgedrückt: als: Aurorfarbe, Blättergelb (dunkelgelb, fast wie dürre Blätter, Fr. Feuille-morte), Citronen- (Fr. Citrin, Couleur de citron, oder schlechtweg citron,) Dotter- (der gelben Farbe des Eydotters gleich), Gold- (Fr. Jaune doré, bey den Färbern Königs-Gelb und Prinzenfarbe, Couleur de roi, Couleur de prince), Pomeranzen- (Orange-), Quitten-, Schwefel-, Stroh-, Wachs-gelb.
(Farbmaterialien)
Die Farbematerialien, mit denen diese Farbe gegeben wird, sind, nach Verschiedenheit der zu färbenden Dinge, ebenfalls unterschieden. Wolle, Seide, flächsen und hänfen Garn, Baumwolle, Haare etc. und die daraus bereitete Tücher, Zeuge, Leinwand etc. werden von den Schön- und Schlechtfärbern durch Farbematerialien aus dem Gewächsreiche, als: Hölzer, Wurzeln oder Kräuter, welche gelbe Blumen tragen, gefärbet. Die gebräuchlichsten darunter sind: das Gelb-Holz, das Streichkraut oder der Wau, die Scharte oder der Ginst, das Pfriemenkraut, die Saturey, das griechische Heu (Bockshornkraut), die grünen Nuß-Schalen, der Rocou (Orlean), die getrockneten Kreutz-Beeren (Grains d’ Avignon), und die Gelbwurz etc. wiewohl auch alle Blätter, Schalen und Wurzeln, bey denen man, wenn man sie kauet, etwas Zusammenziehendes bemerkt, gelbe Farben geben, als: das Lycopodium; verschiedene Arten der Flechte (Lichen), s. Th. XIV, S. 68; die Blätter der gemeinen Flocken-Blume (Centaurea Jacea L.), s. Th. XIV, S. 277; des gelinden sowohl als scharfen Flöhkrautes (Persicaria mitis und acris), s. Th. XIV, S. 281, f. 283; der schmalblätterigen Goldruthe aus Canada (Solidago canadensis L.); die Wurzel des Helleborus trifolius u. a. m. Es geben aber diese Farbematerialien nicht alle ein Gelb von gleicher Güte und Dauerhaftigkeit, und auch nicht von gleicher Schönheit, wiewohl es dabey viel mit auf die Zeit, da man sie im Sude läßt, und auf die Proportion des Alauns und Weinsteins, welche mit in den Sud genommen werden, ankommt, indem der Alaun die gelbe Farbe erhöhet, der Weinstein hingegen sie vertiefet.
Versuche mit färbenden Materien, die bey Manufacturen zur gelben Farbe gebraucht werden, und besonders mit Solidago Canadensis, von Pet. Adr. Gadd., st. im 29 B. der übers. Abhandl. der kön. schwed Akad. d Wiss. a. d. J. 1767, S. 141–152.
(Das neapolitanische Gelb…)
Die Mahler gebrauchen zu ihrem Gelben meistentheils Berggelb (Ocher), Bleygelb (Massicot), siehe Th. V, S. 695; Gummigutt, Lackgelb, neapolitanisch Gelb, Rauschgelb, Schüttgelb, s. Th. V, S. 374; und das geschlagene Gold oder Metall. Das neapolitanische Gelb, Ital. Giallino, Fr. Jaune de Naples, ist eine Farbe, deren Bereitung selbst in Neapel wenig bekannt ist, indem nur ein jetzt schon bejahrter Mann dieselbe weiß, und zu seinem Vortheile ganz geheim hält; und man vermuthet, die ganze Kunst werde mit ihm aussterben. Dieses veranlaßte den Herrn Fougeroux de Bondaroy, dieses Product genauer zu untersuchen, und durch chemische Versuche die Bereitung zu entdecken, welcher Vorsatz ihm auch völlig geglückt ist. Seine Abhandlung davon steht in den Memoires de l’Acad. R. d. Sc. à Paris, a. d. J. 1766, S. 303. Vor ihm haben die Meisten dieses Gelb für ein Mineral, Einige für einen Ocher, Andere für eine Art Bolus, noch Andere für ein Product des Vesuvs gehalten; nur Pott ist der Wahrheit am nächsten gekommen, indem er es für einen durch heftiges Feuer hervorgebrachten Körper gehalten hat.
Das neapolitanische Gelb, so wie man es gemeiniglich bey den Materialisten findet, scheint eine Kruste zu seyn, die etwa 3 oder 4 Lin. breit ist, aus einem körnichten Wesen besteht, und eine große Schwere hat. Zuweilen sieht man noch Spuhren vom Gefäße, worin dieses Gelb bereitet worden. Man kann es aber auch von Neapel als ein feines Pulver kommen lassen. Die Farbe zieht keine Feuchtigkeit an sich, auch zerfällt sie nicht an der Luft; im Wasser vertheilt sie sich eine Zeitlang, fällt aber hernach, wie andere Magisteria, zu Boden; sie brauset nicht, und das Wasser, worin man sie aufgelöset hat, gibt einen Selenit und ein Salz. Mit Glasfritte gibt dieses Gelb ein milchweißes Glas, weswegen es nicht martialisch seyn kann; ja, das geringste beygemischte Eisen verdirbt das schöne Gelb gänzlich. Mit brennbaren Dingen versetzt, gibt es einen König (Regulus), welcher leicht schmilzt. Dieser beweiset seine Abkunft vom Bleye dadurch, daß er Glätte gibt, und sich verglaset, weswegen kein Zinn da seyn kann. Auch Eisen ist nicht da, weil das Vitriolsauer unwirksam ist. Nach einigen Versuchen zeigte sich, daß man wahres neapolitanisches Gelb erhält, wenn man 12 Unzen Bleyweiß, 1 Unze Alaun, 1 Unze Salmiak, und 3 Unzen Spießglas-kalk (Antimonium diaphoreticum) genau mischet, und solches in einem offenen Gefäße in ein nicht starkes, aber anhaltendes Feuer bringt. Von dem Kalke des Spießglases und von der Alaunerde leitet Fougeroux die Dauerhaftigkeit dieser Farbe, die es vor andern bleyischen Bereitungen hat, her. Die Vorschrift, welche de la Lande, zur Bereitung dieser Farbe, vom Prinzen Severo erhalten hat, (s. den 6 Th. der Voyages d’un François en Italie, S. 397,) kommt mit der obigen in der Hauptsache überein.
Das neapolitanische Gelb wird zur Miniatur und Schmelz-Mahlerey gebraucht, wo es ein weit angenehmeres, höheres Gelb gibt, als Operment, Massicot und Ocher, auch sich besser mit andern Materialien, und mit Gummi, Oehl und Wachs zur Enkaustik mischen läßt; auch ist sie an der Luft standhaft. Man muß es auf einem marmornen Reibestein abreiben, und mit einem elfenbeinernen Messer zusammen streichen; denn ein gemeiner Reibestein und der Stahl machen die Farbe grünlich.
Hrn. Prof. Beckmann phys. oekonom. Bibliothek, 3 B. 3 St. S. 330, f.
Eb. Dess. Anleit. zur Technologie, S. 207.
Volkmanns Nachrichten von Italien, 3 Band, S. 181.
Watin Staffirmahler, S. 21.
