Krünitz – Floerke 1804/XCIV

Johann Georg Krünitz – Heinrich Gustav Floerke, Johann Georg Krünitz’s ökonomisch-technologische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, und der Kunst-Geschichte, in alphabetischer Ordnung XCIV, Berlin [Joachim Pauli] 1804.


pp. 167–281

Mörtel

Mörtel, der, bey den Maurern, der mit klein zerstoßenen Steinen, groben Sande, oder andern Sachen vermischte Kalk, so wie derselbe zum Mauern gebraucht wird. Mit Mörtel mauern. Mit Mörtel bewerfen. Kalkmörtel, Mauermörtel etc.*).

*) Im Lat. Mortarium, Franz. Mortier, Engl. Mortar, Morter, Holl. Morter. Es stammt mit dem Worte Mörser von dem Zeitworte mursen, Nieders. murten, Lat. mortare, zermalmen, her, so fern man sich anfänglich anstatt des Sandes zermalmeter Steine zur Vermischung mit dem Kalke bedienete, wie in Italien noch jetzt geschieht. Im Niedersächs. bedeutet Murt alles, was klein zerrieben ist; Grut und Murth. Im Italienischen und mittleren Lat. heißt der Mörtel Multa, von mahlen, molere. um eben der gedachten Zermalmung willen.

Da die Stärke und Dauerhaftigkeit unserer nützlichsten und kostbarsten Gebäude, vornähmlich von der Güte des Mörtels abhangen, mit dem dieselben aufgeführet sind; so ist es natürlich zu denken, daß der Mörtel ein sehr wichtiger Vorwurf für das Publicum ist, und es sehr viel darauf ankomme, daß derselbe sehr gut sey; besonders da unsere nordlichen Gegenden Deutschlands, einer sehr veränderlichen Luft und Wetters genießen, die einen schlechten Mörtel sehr bald angreifen, und den ganzen damit verfertigten Bau verderben.

Andern theils ist es eben so wichtig zu bedenken, daß die Festigkeit und Dauer der Gebäude der Alten, gewiß zum Theil von der Verbesserung herrührt, dessen der Mörtel unter gewissen günstigen Umständen, bloß allein durch das lange Bestehen der Gebäude, fähig wird: und es ist gewiß, daß manche, eben nicht die beste Art von Mörtel, die wir brauchen, könnte sie nur erst so viel Zeit gewinnen, daß sie eben die günstigen Umstände genösse, auch alsdenn sich so verbessern würde, daß sie wohl für einen guten Mörtel könnte angesehen werden. Allein denn wäre es doch ein bloßer Zufall, daß Mörtel nicht der besten Art, in die günstigen Umstände käme; und es ist allemahl hundert, ja tausend und mehr zu eins, daß diese günstigen Umstände sich nicht ereignen. Es liegt aber einem jeden Bauherrn und jedem um seinen guten Ruf besorgten Baumeister, ja so gar der hohen Obrigkeit des Landes sehr viel daran, ein sicheres Mittel in Händen zu haben, daß der Mörtel allemahl gut seyn müßte, und daß die damit errichteten Gebäude mit Zuverlässigkeit sich Dauer und Festigkeit versprechen könnten.

Die Untersuchung also der Materialien, aus welchen Mörtel gemacht wird, ist das wichtigste Sück welches hier in Betracht kommt. Denn so lange der Arbeiter die Güte der Materialien nicht gehörig kennet, die er anwendet, kann er unmöglich eine gute Auswahl derselben anstellen, und noch weniger ihre Fehler verbessern. Diese Materialien sind zu dem gemeinen Mörtel, von welchem hier zuerst die Rede seyn wird, hauptsächlich dreyerley. Nähmlich 1) gebrannter oder ungelöschter Kalk, 2) Wasser, und 3) Sand. Von jeder Art dieser Materialien, wollen wir besonders handeln; ferner ihr Verhältniß in der Mischung genau bestimmen; weiter die verschiedenen Anwendungen des Mörtels, in Ansehung der Zeit wenn man sie brauchen soll, und in Ansehung ihrer Bestimmung zum Mauern, oder der Verbindung der Steine, zum Putzen oder Bewurf, sowohl inwendig in den Gebäuden als auch auswendig anzeigen und die besten Mischungen für jede besondere Bestimmung; endlich kürzlich die Untersuchungen mitzutheilen, die man mit solchen Materialien angestellt hat, die sowohl statt des Wassers, als auch statt des Sandes, oder auch in Verbindung mit denselben sind gebraucht oder vorgeschlagen worden; Zuletzt werden wir noch einige besondere Umstände, die in besondern Fällen zu gebrauchen sind, nebst einigen praktischen Anweisungen, abhandeln.

Ueber die Güte der Materialien zum Mörtel.

Vom Kalke*).

Kalk**) findet sich an vielen Orten unserer Erdkugel, zuweilen so weich und unzusammenhängend, daß man ihn zwischen den Fingern zerreiben kann, wie Erde, oder in einem mehr verhärteten Zustande als Stein; beyde Kalkarten findet man entweder ganz aus Kalktheilen bestehend, ohne merkliche Beymischung fremder Theile, oder sie haben eine beträchtliche Menge von fremden Theilen in ihrer Mischung; jene sind reinere Kalkarten, diese hingegen gemischte Kalkarten. Einige der reinen Kalkarten hängen so locker zusammen, daß sie abfärben; zu denen gehört die Kreide; zu den härteren aber rechnet man den Kalkstein, den Kalkspath, den Tropfstein und den Marmor, nebst einigen anderen Arten. Die gemischten Kalkarten sind wieder sehr verschieden, je nachdem die eingemischten Sachen verschieden sind; je nachdem das Verhältniß der eingemischten Sachen verschieden ist und endlich nachdem entweder nur einzele oder auch zwey, drey, und noch mehrere Substanzen mit in den Kalk eingemischt sind.

*) S. Auf Vernunft und Erfahrung gegründete Anleitung den Kalk und Mörtel so zu bereiten, daß die damit aufzuführenden Gebäude ungleich dauerhafter seyn, auch im Ganzen genommen weniger Kalk verbraucht werden. Ein Beytrag zur Naturkunde und Technologie, zum Nutzen aller Baumeister und Baulustigen von Joh. Reinh. Forster. Berlin bey Haude und Spener 1782. 8. S. 20.

**) Vom Kalke ist im Th. 32, S. 610- 792 ausführlich gehandelt worden; hier daher nur ein paar allgemeinen Bemerkungen.

Die mit Thon oder Lehmen gemischten Kalkarten werden Märgel genannt, und man hat eine unendlich große Mannigfaltigkeit, in den verschiedenen Arten von Märgel. Ferner findet man zwar auch kleine Kiesel oder Quarz und selbst Sand mit im Kalke, so wie auch viel eingemischten Talk.

Außer diesen erdigen mit Kalk vermischten Theilen finden sich auch noch sehr viele die mit allerhand Säuren vermischt sind. Z. B. die mit Vitriolsäure vermischte Kalkerde heißt Gyps; und ist sie fest und dicht, so nennt man sie Alabaster.

Alle diese gemischten Kalkarten taugen nicht zum Kalkbrennen und Mörtel daraus zu machen. Ja wenn selbst unter den reineren Kalkarten etwas mehr Sand, Quarzkiesel, oder Gyps eingemischet ist, so fällt der daraus gebrannte Kalk schon nicht mehr gut aus, und giebt demnach schlechteren Mörtel aus, als derjenige, den man von reineren Kalkarten verfertiget. Man kann aber diese Mischungen nicht nur leicht entdecken, sondern auch leicht absondern. Wenn demnach die unter den Kalk eingemischten fremdartigen Erdtheile, nur nicht zu häufig sind, so kann man sich des Kalkes doch bedienen, wenn man die fremden Erd- und Steintheile bey zeiten und sorgfältig absondert.

Man findet in sehr vielen, wo nicht den mehresten Kalkarten, auch Spuren von eingemischten Seethieren und ihren Ueberbleibseln. Man siehet darin Abdrücke und Gerippe von Fischen, Muscheln- und Schneckenarten und sehr mannigfaltige Korallenarten und noch mehrere Arten von Seethieren. Da man nun aus Erfahrungen gefunden, daß alle diese letzten Thiergehäuse selbst frisch, nähmlich die Muscheln, Schnecken und Korallenarten, wenn sie gebrannt werden, ebenfalls einen Kalk geben, so hat man kein Bedenken getragen, diese mit Ueberbleibseln von Seethieren angefüllten Kalkarten auch zum Kalke und gebrannt zum Mörtel anzuwenden. Die frischen Muscheln, Schnecken und Korallenarten, enthalten viele thierische Theile in ihrem Gewebe, und es zieht sich auch, wenn sie am Seeufer liegen, viel Seewasser und beym Austrocknen und Krystallisiren desselben wirkliches Seesalz in den Bau solcher Gehäuse von Schaalenthieren, welches beym Brennen des Kalkes, von den thierischen Theilen einige brennbare Theile nachläßt, so wie das Salz nie ganz im Brennen zerstöhrt und weggeschaffet wird; und daher ist ein daraus verfertigter Mörtel geneigt, die Feuchtigkeit von der Luft anzuziehen; daher denn nie ein tauglicher, harter Mörtel daraus entstehen kann, der einem Gebäude Festigkeit und Dauer versprechen könnte. Da nun selbst die Kalksteinarten, welche sehr viele Ueberbleibsel von schaalichten Seethieren einschließen, zuweilen etwas weniges von den thierischen sowohl als von Salztheilen enthalten: so folget natürlich daraus, daß ein solcher Kalk auch nicht so gut zu Mörtel angewendet werden kann, als die reineren Kalkarten. Jedoch ist dieses nur ein sehr seltener Fall, daß eine so merkliche Spur von Salz und thierischen Theilen im Kalke mit versteinerten Seethieren anzutreffen wäre, daß solche dadurch zu Mörtel nicht könnte gebraucht werden.

Nächst der Wahl des Kalkes, muß man auch die Bestandtheile des Kalkes genau kennen lernen. Gemeinen reinen Kalkspath hat man in ein verschlossenes Gefäß gelegt, und in einem starken Feuer hat man gesucht, alles das was sich vom Kalkspathe nur absondern läßt, abzutreiben, und in einem vorgelegten Gefäße aufzufangen, da man denn bemerket hat, daß wenn man z. B. 100 Unzen reinen Kalkspath ins Feuer auf obige Weise einsetzte,. man nach einem sehr lange anhaltenden starken Feuer, nur 55 Unzen Kalk behalten hat, der aber von seiner vorigen Härte viel verlohren hatte, und von den obigen verlohrnen 45 Unzen, waren 11 Unzen Wasser, und 34 Unzen eines luftartigen säuerlichen Dampfes, den man sonst feste oder fixe Luft oder Luftsäure, jetzt kohlensaures Gas zu nennen pflegt.

Das Brennen des Kalkes ist eine der wichtigsten Arbeiten: denn wenn der Kalk so viel gebrannt ist, daß er nur rothglühend, und etwa nur um ein Viertel durchs Brennen leichter wird; so pflegt in solchem Falle nur das äußere des Kalkes hinlänglich gebrannt zu seyn, das inwendige aber wenig oder gar nicht, und will dahesich nicht im Wasser ganz auflösen, denn der inwendige noch nicht ganz durchglühete Kalk, hat nur wenig oder gar nichts von seinem Wasser und von dem kohlensauren Gas verlohren. Es ist also ein so unvollkommen gebrannter Kalk zum Mörtel nicht tauglich, indem mehr als die Hälfte verlohren gehet.

Läßt man aber Kalkstein so lange glühen, daß derselbe zuletzt wenigstens eine Stunde lang in der Gluth eine ganz weiße Farbe annimmt, und nur noch 11/20 von seinem ursprünglichen Gewichte behält; (so daß von 20 in den Kalkofen eingesetzten Centnern nur 11 Centner übrig bleiben) so pflegt dieser gebrannte Kalk, wenn man Wasser an denselben sprengt, ganz schnell sich zu erhitzen und ganz in ein weißes Pulver zu zerfallen; und es ist ein so gebrannter Kalk zum Mörtel vorzüglich gut.

Diese Eigenschaft erhält der Kalkstein vornähmlich, wenn man denselben langsam erhitzet; nicht gar zu große Stücke in den Ofen einsetzet, damit sie desto besser und leichter können durchglühet werden; und wenn man den Stein etwa 6 bis 8 Stunden lang in einer rothen Glühhitze, und etwa eine Stunde oder darüber in einer weißen Glühhitze erhält.

Wenn man Kalkstein, der so geglüht oder wie man es nennt gebrannt worden ist, versuchen will; so nehme man denselben so bald nach dem derselbe gebrannt worden ist, als möglich, und tunke das ganze Stück gebrannten oder ungelöschten Kalkes mittelst einer Zange in Wasser. Derjenige Kalk, welcher sogleich ganz mit einer großen Hitze in ein sehr weißes Pulver zerfällt, ist allem Ansehen nach wohlgebrannt, und seine Weiße zeiget, daß er keine fremdartige metallischen und brennbaren Theile enthält. Nimmt man dies Pulver und schüttet es in schwache Salzsäure (Acidum muriaticum, vel salis communis), und es löset sich ganz in dieser Salzsäure ohne Aufbrausen auf, ohne daß irgend einige kleine Steinchen oder unaufgelöste Lümpchen übrig bleiben; so ist dieses ein Zeichen, daß der eingesetzte Kalkstein rein ist, und keine Gypstheile, Sand, oder Quarzkiesel, oder Thon, und andere fremdartige Theile enthalte.

Diese Art, die Güte des Kalkes zu versuchen, ist eine der besten und zuverlässigsten; denn man hat durch viele darüber ordentlich angestellte Versuche und Erfahrungen befunden, daß Kalk, der nicht schnell und ganz mit Erhitzung in ein sehr weißes Pulver zerfällt, entweder nicht genug gebrannt ist, oder viele fremdartige Theile enthält, die sich nicht in gelöschtes Kalkpulver auflösen wollen. Ist der Kalk nicht hinlänglich gebrannt, so pflegt derselbe wohl, nach einer sehr langen Weile von etlichen Stunden, zuletzt sich durch vieles Wasser aufzulösen; allein da dieser schlecht gebrannte Kalk noch nicht alle in ihm enthaltene Luftsäure verlohren hat: so kann er auch keine neue wieder aus der Luft einnehmen, und mit derselben sich wieder in eine harte steinartige Masse verbinden; sondern der damit verfertigte Mörtel bindet gar nicht, und die damit verfertigten Gebäude haben keine Festigkeit, und können demnach nichts weniget als lange ausdauern, und der Gewalt und den Abwechselungen der Witterung widerstehen. Sind aber viele fremdartige Erd- und Steintheile im gebrannten Kalke enthalten: so giebt es deren einige, die wieder keine Festigkeit geben können; dahin gehören die eingemischten Gypstheile und Thon oder Lehmen, weil beyde die Feuchtigkeit der Luft zu allen Zeiten an sich ziehen, und also die Festigkeit und das Binden des Mörtels hindern und zerstören. Sind aber die fremdartigen Theile etwa Sand oder Quarzkiesel: so würden diese zwar keinen Schaden verursachen, allein da man nicht genau sagen kann, ob alles wahre Quarzkiesel sind, die in der ganzen Menge von Kalk enthalten sind; da man auch zu Verfertigung eines guten Mörtels nur ein gewisses Verhältniß von Sand oder Quarzkiesel hinzuthun kann, und man den im Kalke enthaltenen Sand nicht genau bestimmen, und also auch nicht wissen kann, wie viel man noch andern Sand zu Verfertigung eines guten Mörtels hinzufügen müsse: so muß der im Kalke befindliche Sand, so wie auch alle andere fremdartigen Theile, als Gyps, Thon etc. fortgeschafft werden.

Dies nun kann folgendergestalt geschehen. Man nehme gebrannten Kalk, so viel man in einem Tage ohngefähr zu brauchen gedenket, und man besprenge allmählich die Kalkstücke mit Kalkwasser (dessen Verfertigung und Nutzen unten gezeigt werden soll) so lange, bis das Ganze des Kalkes anfängt zu verfallen. Man thue den sich in Pulver auflösenden Kalkstein in ein Sieb von Messingdraht, dessen Oeffnungen noch kleiner als ein Dreyßigtheil eines Zolles sind, und lasse den feinen pulverichten Theil durchlaufen, welcher zum Gebrauche gut ist; das was im Siebe zurückbleibt, kann noch einmahl mit dem Kalkwasser besprengt werden, und falls es sich noch schnell und mit Erhitzung auflößt, so ist es noch guter Kalk, was sich nicht auflöset, taugt nicht zum Gebrauche; denn es ist entweder noch nicht gehörig gebrannt, oder es sind fremdartige Theile und müssen demnach als untauglich weggeworfen werden.

Wenn man 2 Pfund guten frisch gebrannten Kalk, (der sich bis auf 11/20 seiner Schwere im Brennen vermindert hat) 1) in einem bedeckten Orte, den aber die Luft durchstreichen kann offen hinlegt, 2) oder legt man ihn auch offen in ein trockenes Zimmer, 3) oder setzt man ihn in einen mit einem Deckel verdeckten Kasten, in ein trockenes Zimmer; so ziehen die ersten zwey Pfunde in ein und zwanzig Tagen, ein Pfund und anderthalb Quentchen Wasser und Luftsäure wieder an sich; die zweyten zwey Pfunde wiegen drey Pfund und ein Quentchen, und die dritten zwey Pfunde, zwey Pfund 14 Loth. Es erhellet also, daß der gebrannte Kalk ein sehr schwammichter, lockerer Körper sey, der aus der Luft die in derselben aufgelöste Feuchtigkeit, selbst an einem von uns keinesweges für feucht angesehenen Orte, nebst der ebenfalls in aller gemeiner Luft mit eingemischten festen Luft oder Luftsäure einzusaugen im Stande sey; ja dies geschieht, wenn der Kalk gleich, wie gewöhnlich, in nicht gar zu dichten Fässern vom Kalkofen zur Baustätte geliefert wird; denn er nimmt beynahe ¼ seiner Schwere aus der Luft an sich, wenn er gleich in einem Kasten oder Fasse liegt. Es ist also das gemeine Vorurtheil aller Maurer, Bauherren und Kalkhändler, daß es genug sey, den Kalk vor der Feuchtigkeit und dem Regen zu bewahren, um ihn gut zu erhalten, hierdurch hinlänglich widerleget. Denn man sieht, daß die feuchte Luft und ihre Säure selbst durch die Fugen eines Fasses in den Kalk eindringen, und ihn dadurch zur Verfertigung guten Mörtels ganz untauglich machen kann. Denn da, wie wir schon gezeigt haben, die Luftsäure und das Wasser das Verband des Kalkes ausmachen, und diese beyden Substanzen durchs Brennen im Kalkofen ausgetrieben worden sind: so kann der Kalk nur dann am tüchtigsten zur Verfertigung eines sehr bindenden Mörtels seyn, wenn er noch kein Wasser und keine Luftsäure aus der Luft angezogen hat; denn er kann ja in dem Mörtel, wenn er noch keine solche bindende Theile Luftsäure und Wassers eingesogen hat, solche, nachdem er als Mörtel bey der Maurerarbeit gebraucht worden ist, aus der Luf anziehen, und eben dadurch sich in eine harte steinartige Masse verbinden. Es muß demnach der gut gebrannte ungelöschte Kalk so bald nach dem Brennen verbraucht werden als möglich. Dagegen lange vorher gebrannter und der Luft lange ausgesetzter ungelöschter Kalk kann unmöglich einen Mörtel geben, womit man ein dauerhaftes festes Gebäude aufführen will; sondern ein solcher lange vor dem Gebrauche gebrannter Kalk muß nothwendiger Weise sogleich bröckeln, und ohne alle Festigkeit bleiben, weil ihm das Bindende fehlet.

Hieraus folgt nun auch, daß zu einem guten Mörtel gut gebrannter reiner Kalk erfordert werde, den man sobald nach dem Brennen brauchen muß, als es nur immer möglich ist. Zu dem Ende kann man auch von selbst schon bedenken, daß ein lange vor dem Gebrauche in Kalkgruben gelöscht aufbemahrter Kalk, oder Mörtel, nicht so feste Mauern und dauerhafte Gebäude geben könne, als wenn man ihn gleich verbraucht hätte.

Da dieses letztre indessen gegen die gemeine Regel ist, indem man es gewöhnlich für gut hält, wenn der Kalk lange vor dem Gebrauche gelöscht und in einer Grube eingesümpft gelegen hat: so ist darüber folgendes zu bemerken. Durch das lange Liegen in Gruben wird der Kalk von Zeit zu Zeit kräftiger und bindender, weil der Kalk oft doch nicht so ganz gleichförmig gebrannt ist, daß er sich sogleich löschen könnte, und daher in der Grube allmählig noch aufgeschlossen wird. Oft findet man den Kalk nach dem Löschen noch grieslich, und dieses ist ein Kennzeichen, daß er noch nicht genug aufgeschlossen, oder nicht tüchtig gebrannt ist. Liegt er nun eine Zeitlang eingesümpft, so erfolgt eine nähere Auflösung seiner Theile, und man bemerkt, daß er alsdenn ohne Griesel, wie ein fast durchsichtiger Kleister erscheint. Es thut daher ein jeder Grundstücksbesitzer, wenn er nicht immer recht vollkommen gebrannten Kalk bekommen kann, gut, daß er eine Kalkarube hält, in welcher sich immer ein Vorrath gelöschten Kalkes befindet, um bey Ausbesserungen der Gebäude gleich guten Kalk bey der Hand zu haben; denn frisch gelöschter Kalk, wenn er schlecht gebrannt war, hat oft nicht mehr Halt als Lehm. Will man aber einen Hauptbau vornehmen, so ist es unter den bekannten Umständen, wenn man nähmlich nicht immer recht vollkommen gebrannten Kalk sollte haben können, nöthig, einige Zeit vorher den Kalk zu löschen und ihn einzusümpfen. Stieglitz sagt in seiner Encyklopädie der bürgerlichen Baukunst insbesondere noch: Auch die Erfahrung hat es gezeigt, daß der gelöschte Kalk immer besser wird, je älter er ist, denn man hat sehr alte Kalkgruben gefunden, in welchen der Kalk so fett wie ein Speck war.*) Auf jedes Jahr, das er in der Grube zubringt, kann man zwanzig bis dreyßig Jahre rechnen, die er alsdenn länger im Winde und Wetter aushalten kann, wenn er nicht zwey oder drey, sondern wenigstens zehn Jahre in der Grube gesteckt hat. Je kürzere Zeit er daselbst gelegen hat, desto eher wird er von der Wand abspringen und Risse bekommen.

*) Wenn dieses anders auch eine gute Eigenschaft desselben ist.

Eine Kalkgrube muß aber gut verwahrt werden, damit der eingelöschte Kalk niemahls sein Wasser verliere und die Luft ihn nicht derühren kann. In der Grube ist er von fünf Seiten gesichert, und man darf daher nur alle Sorgfalt anwenden, daß die Oeffnung derselben, oder die obere Seite, gut verwahrt werde. Bleibt der Kalk oben frey, so vertrocknet er im Sommer oben her, im Winter aber gefriert er. Durch beydes wird er gänzlich unbrauchbar. Denn wollte man auch diese getrockneten Theile wieder zur Auflösung bringen, so ist doch in diesen schon verbundenen Theilen keine Cohäsion mehr, und wenn die Erhärtung des Kalkes in der Grube geschieht, so hat man in den Mauern sicher keine zu hoffen. Um diesem Uebel vorzubeugen, überdecke man den Kalk zu oberst in der Grube einige Fuß hoch mit Mauersand. Hat man nun Kalk vonnöthen, so steche man ihn horizontal und schichtweise aus der Grube und brauche den darauf liegenden Sand sogleich zu dessen Vermischung, streue aber dafür auf die Kalkfläche neuen Sand. Es ist eine üble Gewohnheit, wenn der Kalk nicht auf diese Art aus der Grube gestochen wird, sondern wenn man ihn lothrecht einen oder etliche Spatenstiche tief aussticht; denn auf diese Art kann der übrige Kalk in der Grube nicht gehörig bedeckt und vor dem Austrocknen verwahrt werden.

Man thut sehr gut, wenn man bey dem Löschen einer großen Menge Kalkes mehr als eine Grube macht, und jede gehörig bedeckt, sodann bey dem Gebrauche eine Grube nach der andern öffnet. Dieses ist besser, als wenn man eine einzige große Grube machte, in der man den übrigen Kalk, wenn etwas herausgenommen worden ist, nicht gleich, und so leicht als in einer kleinen Grube, wieder bedecken kann.

Aus allem dem bisher gesagten erhellet, daß Kalk vorher in seinem natürlichen Zustande ein erdichtes Mittelsalz sey, welches aus der gebrannten Kalkerde und der mit Wasser vermischten Luftsäure besteht. Dieser salzigen Natur muß man auch die krystallinische Gestalt der Kalkspathe zuschreiben. Wenn demnach der Kalk alle seine Luftsäure und Wasser durch das Brennen verlehren hat: so kann er desto mehr wieder einnehmen. Machte man nun einen Mörtel ohne Sand, so würde bloß ungelöschter Kalk und Wasser gebraucht werden müssen. Dies nun würde nie eine verbindende Materie geben; denn in eben dem Verhältnisse, in welchem der Kalk das überflüssige Wasser verlieret, zieht er sich auch zusammen, und nimmt wenigeren Raum ein. Da nun dieses Zusammenziehen nicht anders geschehen kann, als daß der Kalk einen Riß bekommt, so muß die äußere Luft nothwendig bey jedem Regen, Nebel und feuchten Luft sich in diese Risse und Fugen eines mit bloßem Kalke und Steinen oder Ziegeln verfertigten Gebäudes einziehen, und die Festigkeit desselben zerstören. Ein solches Gebäude mit Rissen in den Fugen muß sich auch sacken, das heißt, durch sein eigenes Gewicht sich dichter zusammen geben; da nun die Fugen und Risse nicht alle gleich seyn können, so muß auch dies Sacken des ganzen Gebäudes ungleich ausfallen, an einem Orte mehr, und an einem andern weniger nachgeben, und folglich müssen abermahl neue Risse entstehen, und das ganze Gebäude müßte demnach sehr bald über den Haufen fallen. Es muß demnach, um dem Kalke seine bindende Kraft beyzubehalten, (welche nichts anders als eine Art von Krystallisirung ist) und zu verhindern, daß er bey Abrauchung des überflüssigen Wassers nicht Risse bekomme, etwas eingemischt werden, welches den Kalk hindert, sich so stark zusammen zu ziehen, daß er Risse bekommen könne. Zu dem Ende muß man machen, 1) daß sich der Kalk in mehreren Puncten an feste harte Körper ansetzen könne; 2) daß der Abstand von einem Steine, den der Kalk verbinden soll, zum andern durch kürzere Zwischenabstände verkürzet werde; 3) daß durch die Einmischung anderer harten Körper, an die sich der Kalk anhangen kann, die Menge des Wassers zu Bereitung des Kalkes vermindert werde; 4) daß durch diese Einmischung harter Körper mit großen scharfen Kanten das Anhangen und Binden des Kalkes vermehret werde; 5) daß durch dergleichen Einmischung das Wasser nicht anders aus dem Kalke verrauche, als daß zugleich eine Menge von Luftsäure dessen Stelle vertrete, die hinlänglich wäre, die Theile des Kalkes wieder zu krystallisiren, zu binden, und vollkommen zu härten. Hierzu kann nun nichts anders als harter reiner Sand und Quarzkiesel mit großen scharfen Kanten gebraucht werden, welcher alle die hier Nr. 1–5 erforderlichen Eigenschaften hat.

Vom Wasser, dessen man sich zum Mörtel bedienen kann.

Da zu der Auflösung des gebrannten und ungelöschten Kalkes sowohl, als auch nachgehends zu der Mischung und Verfertigung des Mörtels nothwendiger Weise Wasser kommen muß, so ist es gleichfalls nothwendig zu wissen, welche Arten von Wasser dazu am vorzüglichsten sind.

Wir haben im vorhergehenden es als eine auf Erfahrung gebaute Grundregel festgesetzet, daß die Festigkeit und Dauer der mit Mörtel aufgeführten Gebäude vorzüglich darin bestehe, daß der zum Mörtel gebrauchte Kalk so wenig Luftsäure oder feste Luft behalte, als möglich, und daß diese Luftsäure vom Kalke im Mörtel erst dann allmählig wieder aus der Luft eingesogen werden muß, nachdem er verarbeitet worden ist, und zwar in eben dem Verhältnisse, wie der Mörtel das Wasser verrauchet, womit er gemacht worden ist.

Nun aber ist bekannt, daß alles Wasser nicht ganz vollkommen rein ist, und daß zuweilen sogar Vitriolsäure in einigen Wassern enthalten ist, und in den mehresten ist doch gewiß wenigstens etwas Luftsäure enthalten. Man muß demnach so viel als möglich sich hüten, kein Wasser zu Bereitung des Mörtels zu gebrauchen, welches nur einigermaßen Säuren enthält, indem man dadurch die besten Materialien doch um ein Beträchtliches schlechter macht.

Zuerst muß man also Regenwasser allem andern Wasser vorziehen; zunächst steht Flußwasser, welches so rein und geschmacklos als möglich gewählt werden muß. Da aber dessen ungeachtet auch die weichsten, geschmacklosesten Wasser nicht ohne Säuren, und besonders ohne Luftsäure, sind: so ist es billig, daß man auch die Säuren aus dem Wasser heraus zu treiben suche. Hierzu dient nun, daß man das zum Löschen des Kalkes und Verfertigung des Mörtels erforderliche Wasser zu Kalkwasser verändere, weil die im Wasser befindliche Luftsäure sich sogleich mit dem ungelöschten Kalke zu wahrem gelöschten Kalke verbindet, und mit der Zeit im Wasser zu Boden fällt. Zu dem Ende lasse man ein großes Faß mit Regen- oder Flußwasser füllen. Dann lege man in ein Sieb, das von Messingdraht geflochten ist, und noch kleinere Oeffnungen hat, als ein Dreyßigtheil Zolls, eine Menge von gutem ungelöschten Kalke. Hierauf tauche man den Kalk mit dem Siebe so oft und so lange in das Wasserfaß ein, als sich noch Kalk auflösen und mit dem Wasser mischen will. Der Kalk, der sich nicht auflöset, wird gänzlich aus dem Siebe als untauglich weggeworfen. Mit dieser Arbeit muß man so lange fortfahren, bis in jedem Quart Wasser in dem Fasse ungefähr eine Unze Kalk aufgelöst worden ist. Dies Wasser nun läßt man wohl zugedeckt stehen, bis es sich gänzlich klar gesetzt. Man muß die auf dem Wasser schwimmende Haut von kalkartigen Theilen auch nicht durch Rühren zu beunrnhigen und zu zerstören suchen; denn sie hält das Eindringen einer neuen Portion von Luftsäure ins Kalkwasser ab. In dem Fasse müssen in verschiedenen Höhen hölzerne Krahne angebracht seyn, indem messingene sonst das Wasser färben möchten. Mit Hülfe dieser Krahne zapft man das klar gewordene Kalkwasser sogleich ab, und braucht es gleichfalls bald darauf, sowohl den Kalk zu löschen, als auch damit den Mörtel zu machen, und auch endlich alle die Ocrter, wo der Mörtel angewendet werden soll, auf Ziegeln und Steinen damit naß zu machen, weil dadurch in den zwey ersten Fällen die Luftsäure nicht durch das gemeine Wasser in den Mörtel kommt, und im letzten das Binden des Mörtels ungemein befördert wird. Jedoch hüte man sich, von diesem Kalkwasser auf einmal viel zu machen, weil mit der Länge der Zeit feste Luft ins Wasser sich allmählig wieder hinein zieht, und die Absicht der Verfertigung des Kalkwassers vereitelt wird.

Vom Sande, welcher sich am besten zum Mörtel schickt.

Es ist schon im vorhergehenden angezeigt worden, daß, da der Kalkbrey, wenn er allein als ein Verbindungsmittel der Ziegel und Steine angesehen und gebraucht werden sollte, nothwendig beym Abrauchen des Wassers, womit er gemacht ist, sich zusammenziehen, und also Risse bekommen müsse; und daß folglich dieses, die Mauer dem Einflusse der feuchten und heißen Witterung blossetzen, und also den baldigen Verfall derselben beschleunigen müßte. Es war demnach nöthig etwas einzumischen, welches das Neissen des bloßen Kalkbreyes hindern, und die größere Festigkeit und Verbindung desselben befördern sollte. Es ward dabey gezeigt, daß die fünf daselbst erwähnten Gründe es nothwendig machten, daß dazu vorzüglich Sand gebraucht würde.

Allein das Wort Sand schließt, überhaupt genommen, einen so allgemeinen und unbestimmten Begriff in sich, daß man zuvor fest setzen muß, was eigentlich unter jeder Sandart zu verstehen ist; und dann muß erst gezeigt werden, welche derselben zu Verfertigung des Mörtels am vortheilhaftesten sey, und aus welchen Gründen?

Sand ist, überhaupt genommen, eine jede harte Materie, wenn sie in kleine Trümmer von der Natur gelegt gefunden wird. So hat man Platina-, Gold- und Eisensand, Muschelsand, Quarzsand, Granitsand, Kalksand etc. Es muß aber hier kein anderer als der Quarzsand verstanden werden. Da nun am Meere und an salzigen, kiesigen Orten oft Sand gefunden wird: so müssen wir hier einmahl für allemahl erinnern, daß der quarzige Sand, welcher am Meere gefunden wird, deswegen nicht allemahl zum Mörtel gebraucht werden kann, weil derselbe 1) durch die beständige Bewegung der Wellen seine scharfen Ecken und ungleichen, rauhen Flächen abgerieben hat, die in runde kugelförmige Trümmer gebildet worden sind. 2) Weil Seesand nie oder selten ganz rein von zerbrochenen Muschelschalen ist, und die kalkartige und zerbrechliche Natur dieser Muscheltrümmer sich nicht zu dem Ausfüllen des Kalkbreyes schicket. 3) So sind im Seesande allezeit Seesalztheile enthalten, welche nur mit vieler Mühe aus demselben ausgewaschen werden können. So lange aber Seesalztheile, oder Theile irgend eines andern Salzes im Sande sind, so pflegt ein damit verfertigter Mörtel allemahl die Feuchtigkeit der Luft anzuziehen, und kann daher nie trocken werden, und die dem Mortel nöthige Härte und Festigkeit bekommen. Da nun Kiestrümmer aus Schwefel- und Eisenerde oder einer andern metallischen Erde bestehen: so ist es leicht möglich, daß sich der Kies und Schwefel im Mörtel zerlegt, und also der Kies, wie man es heißt, verwittert; da denn die Säure sich mit der Kalkerde verbindet, und Gyps, eine viel weichere Materie, bildet, als der ordentliche durch Luftsäure erhärtete Kalkmörtel ist; und so wird wieder die Härte und Festigkeit der Mauer dadurch aufgehoben.

Der gemeine Flußsand, oder auch aus der Erde gegrabener Sand, dessen Trümmer quarzartig und nicht rund, auch mit wenigem oder gar keinem Thone vermischt sind, die sind die besten Sondarten die man zum Mörtel brauchen muß. Einige Maurer haben den Wahn, daß der Kalkschutt von alten heruntergerissenen und zerstörten Gebäuden, sehr wohl, und mit großem Vortheile, statt Flußsandes oder gegrabenen Sandes könne gebraucht werden; allein die Erfahrungen die Herr D. Higgins darüber angestellet, zeigen, daß weder zerstossene Ziegel, noch zertrümmerter Kalkschutt von alten Gebäuden einen zum Mörtelmachen tauglichen Sand geben.

Es ist nähmlich einmahl durch die sehr vielen Erfahrungen des D. Higgins erwiesen, daß je härter, je rauher und je entfernter von der kugelförmigen Gestalt die Sandkörner sind, die man zum Mörtel braucht, desto besser und tauglicher sind sie, einen Mörtel zu machen, der einem Gebäude Festigkeit und Dauer geben kann. Denn es ist überhaupt aus Erfahrungen gezeiget worden, daß der Kalkbrey, desto eher und besser erhärtet und sich feste ohne Risse zu bekommen verbindet, je mehr von ungleichseitigem Sande mit scharfen Ecken und ungleichen Flächen in dem Mörtel enthalten ist. Kalktrümmer, Gypssand, zerstossene Ziegel, Schiefersand und Muschelsand haben zwar selten kugelförmige Stäubchen und Trümmerchen, allein sie sind zu weich; und sind eher geneigt von der Luft zu verwittern oder einer äußern Gewalt nachzugeben, und liefern demnach im Kalkbreye eingemischt einen sehr schlechten, und wenige Festigkeit annehmenden Mörtel, der nur eines geringen Grades der Erhärtung fähig ist. Denn des Herren D. Higgins Erfahrungen zeigten, daß alle die mit so mancherley Sand und Kalkschutte verfertigten Mörtel, nach mehr denn einem Jahre, keine Festigkeit und Erhärtung angenommen hatten; wenigstens nicht eine solche, die mit der Festigkeit und Härte eines Mörtels könnte verglichen werden, der mit gutem Flußsande oder gegrabenem Sande aus Quarztrümmern mit scharfen Ecken und ungleichen, rauhen Flächen war verfertigt worden.

Runder, kugelförmiger Flußsand taugt nicht zum Mörtel; denn wird ein solcher Sand dazu gebraucht, so muß doch um das Binden des Mörtels zu befördern, der Kalkbrey die runden Sandkörner ganz einwickeln, und da hat die Erfahrung folgendes gelehrt, 1) daß wenn man zwey gleichgroße Quantitäten von Quarzsand hat, daron eine runde Körner, die andere aber rauhe, mit scharfen Ecken und ungleichen Seiten; so erfordert der rundkörnige Sand, weit mehr Kalkbrey, um die Sandkörner alle einzuwickeln, als der rauhe ungleichseitige Sand. Je mehr aber Kalkbrey im Mörtel ist, desto weniger Haltung und Festigkeit hat derselbe in der Folge*). 2) Daß der Mörtel mit rundkörnigem Sande leichter, selbst nach einer jährigen Erhärtung, zerbrochen werden kann, und daß er weniger Widerstand leistet, als der Mörtel mit rauhem ungleichseitigem Sande, nach einer eben so langen Erhärtung; denn da die Theile des Kalkes in größerer Menge da vorhanden sind, als die des Sandes; und Kalk überhaupt genommen weniger Widerstand leistet, als Stein und Sand, so muß der Bruch auch leichter erfolgen; Hiernächst so ist auch der ungleichseitige rauhe Sand, wenn er mit Kalkbrey verbunden ist, nicht so leicht zu zerbrechen, als der rundkörnige Sand; denn die runden Sandkörner, liegen in geraden Schichten, dagegen sind die Lagen des rauhen ungleichseitigen Sandes so verschoben, und hin und her über einander geworfen, daß nach der Verhärtung die Verbindung ungleich fester und der Widerstand im Bruche ungleich größer wird.

*) Ein Mäurermeister, welcher gefragt wurde, wie viel Sand er zum Kalke nähme, antwortete: nachdem die Leute zahlen. Je mehr man zahlt, desto mehr Kalk nehme ich. Er wußte es also, so wie viele Mäurer nicht, daß man durch mehreren Kalk den Mörtel verdirbt, und ihn weniger bindend macht.

Wenn man den quarzigen, rauhen, ungleichseitigen Sand noch genauer untersuchet; so findet man, daß derselbe sehr nach der Größe der Quarztrümmer aus denen er bestehet, verschieden sey. Es giebt Sand, dessen Körner wohl durch ein von Messingdraht geflochtenes Sieb durchfallen wollen, dessen Maschen ein Achtel Zoll weit sind, aber nicht durch Maschen die ein sechszehntel Zoll weit sind, dieser könnte mit dem in einigen Ländern üblichem Nahmen Grand benennet werden. Sand dessen Körner wohl durch die Maschen eines Siebes durchgehen, die ein Sechszehntel Zoll weit sind, aber nicht durch ein Drathsieb mit Maschen eines zwey und dreyßigtel Zolls weit durchfallen wollen; diese Art könnte grober Sand heißen. Der Sand aber der durch die Maschen die eines zwey und dreyßigtel Zolls weit sind durchfiele, könnte feiner Sand heißen. Um der Kürze willen, werde ich künftig alle den rauhen, ungleichseitigen, quarzigen Sand, schlechtweg Sand nennen; und ihn nach seiner Größe in Grand, groben und feinen Sand unterscheiden; dagegen will ich den rundkörnigen Sand, der Kürze wegen künftig Perlsand nennen, und er hat eben die Unterscheidungen von Perlgrand, von groben und feinen Perlsand.

Wenn man nun auf die Erfahrungen des Herrn D. Higgins acht hat, so findet man; daß wenn er von Grand zwölf willkührliche Mäßchen nahm und damit gerade ein cylindrisch Glas anfüllte; so konnte er durch Aufstoßung des so gefüllten Glases, und durch Rütteln, den Grand so sacken, daß er noch das dreyzehnte Maß dazu füllen konnte. Nahm er groben Sand, so konnte er nur zwey Drittel des dreyzehnten Mäßchens durch eben die Behandlung herein bringen; dagegen wenn er feinen Sand in dasselbe Glas füllte und einrüttelte, so brannte er in allem dreyzehn Mäßchen und ein Viertel herein.

Es blieben aber zwischen den Sandkörnern allemahl noch Zwischenräume. Füllte er die nun mit Wasser auf, so fand er, daß er zu den eingerüttelten 13 Mäßchen Grand, noch 5 Mäßchen Wasser einfüllen konnte. Zu den 12 2/3  Mäßchen eingerüttelten groben Sand, gingen noch 4 ½ Mäßchen Wasser herein, und der grobe Sand sackte sich sehr merklich dadurch zusammen. Zu den 13 ¼ Mäßchen eingerüttelten feinen Sandes, konnte er nur noch 4 Mäßchen Wasser einfüllen; allein dieser feine Sand sackte sich so stark zusammen, daß es ohngefähr noch ein siebenzehntel des Ganzen ausmachte. Füllte man die Sandarten ins Glas, ohne sie einzurütteln, und goß denn das Wasser darauf; so sackte sich, bey einer gelinden Bewegung des Wassers, der Sand noch mehr und dichter zusammen, als wenn man denselben ohne Wasser einrüttelte. Diese letzte Erfahrung erklärt deutlich, daß das Schlagen des Mörtels die Theilchen des Sandes, ganz in den Kalkbrey einwickelt, auch dazu dient, den Sand dichter an einander zu sacken, wenn gleich nur sehr weniger Kalkbrey dazu genommen wird; und endlich auch dazu hilft, daß unter solchen Umständen, der ganze Mörtel weniger trocken und steif, und vielmehr zum Aufschmieren und Ankleben geschickter wird, welches man mit einem Worte sehr wohl plastischer, heißen könnte.

Nun unternahm D. Higgins noch eine nähere Bestimmung seiner Sandarten, durchs Gewicht, und fand daß ein gerüttelt Maß Grand, 20 Unzen, 3 Pfenniggewichte (oder Grane) wog. Ein gerüttelt Maß groben Sand hielt 21 Unzen 18 Pfen. Gew. und ein gerüttelt Maß feinen Sandes, war am Gewichte 23 Unzen, 2 Pfen. Gew. und 12 Gräne. Aus allen erhellet, daß die Zwischenräume im Grande größer sind als im groben Sande, und in diesem größer als im feinen Sande.

Ferner fing Herr D. Higgins an, die verschiedenen Sandarten nach verschiedenen Verhältnissen zu mischen, und diese Versuche zeigten, daß 9 Mäßchen Grand und 9 Mäßchen feinen Sand zusammen gemischt und gerüttelt nur 16 1/8 Mäßchen ausmachten: ferner 18 Mäßchen Grand und 9 Mäßchen feinen Sand, machen zusammen gemischt und gerüttelt, nur 24 Mäßchen. Endlich fielen die übrigen Mischungen von Grande und feinem Sande in verschiedenen Verhältnissen dahinaus, daß 9 Mäßchen Grande gerade anderthalb Mäßchen feinen Sande in ihre Zwischenräume aufnehmen konnten, ohne ihre Maße (volumen) zu vermehren.

Nach eben der Weise machten 9 Mäßchen groben Sand und 9 Mäßchen feinen, zusammengerüttelt und gemischt nur 17 ½ Mäßchen; Ferner wurden aus 18 Mäßchen groben Sandes nun 9 Mäßchen feinen zusammen sechs und zwanzig. Und Mischungen des groben und feinen Sandes nach verschiedenen Verhältnissen zeigten, daß 18 Mäßchen groben Sandes nur 1 Mäßchen feinen in ihre Zwischenräume aufnehmen konnten, ohne ihre Maße zu vermehren.

Es folget aus obigen Versuchen, daß der Grand zum guten Mörtel nur sehr selten könne und müsse gebraucht werden; und wenn es ja geschehen muß, so muß allemahl eine beträchtliche Menge feinen Sandes dazu gemischet werden, und die Zwischenräume völlig aufzufällen. Die beste Mischung zu Mörtel scheint die zu seyn, welche aus groben und feinen Sande bestehet. Die besten Verhältnisse der Mischungen aber werden weiter unten nach Erfahrungen angewiesen werden.

Ehe wir weiter gehen, wollen wir nur anmerken, daß da die Zwischenräume des Sandes so sehr durch Wasser können vermindert werden: so gewinnt man sehr bey Bereitung des Mörtels, daß man den Sand zuerst ganz anfeuchte; denn wenn man den trockenen Sand sonst will mit dem Kalkbreye oder Kalkpulver mischen und denn erst Wasser zugießen, so kostet es weit mehr Mühe und Arbeit um die Materialien gehörig zu mischen, die Luft aus den Zwischenräumen des trocknen Sandes auszutreiben, und einen guten plastischen Mörtel zu verfertigen. Ferner so ist sehr wohl bekannt, daß zu viel Wasser zu dem Mörtel genommen, sehr nachtheilig ist; indem solcher wässeriger Mörtel nicht halten will, lange Zeit zum Austrocknen braucht und selten gut bindet. Dagegen so bestimmet sich durchs Anfeuchten des Sandes schon von selbst, die zum guten Mörtel erforderliche Menge von Wasser. Man breitet demnach den Sand auf einigen Brettern zu der Höhe von etwa 6 oder 8 Zoll aus und feuchtet ihn mit so viel von dem vorhin genannten Kalkwasser an, als er bloß in seinen Zwischenräumchen enthalten kann; zu ohngefähr 7 Theilen Sandes der so angefeuchtet ist, nehme man 1 Theil von dem durch Kalkwasser zu Pulver aufgelöseten besten gebrannten Kalk, so wird man schon einen guten Mörtel, daraus bekommen. Die nöthigen Mischungen aber der verschiedenen Sandarten, nebst einigen anderen Anmerkungen über die Mischung und den Gebrauch des Mörtels, werden weiter unten vorkommen.

Aus diesen bisher angeführten Versuchen, siehet man, daß es von großer Wichtigkeit sey, die Materialien, welche man zum Mörtel anzuwenden gedenket, genau und richtig zu kennen: weil von ihrer Kenntniß wirklich die Festigkeit und Dauer der aufzuführenden Gebäude abhanget. Ein philosophischer denkender Kopf, der sich nicht mit Muthmaßungen und dem zweydeutigen Erfolge von ein paar Versuchen befriediget, der läßt sich durch keine Schwierigkeiten und mühsame Untersuchungen abschrecken, die ihn zuletzt doch zu der Wahrheit führen, welche er sich zu erforschen vorgenommen. Vorurtheile fallen bey diesen Untersuchungen, wie Schuppen von unseren Augen, und man lernt einsehen, daß nicht bloße Nachahmung und geheimnißvolle Erlernung von Gewerben und Künsten, die gewöhnlichsten und bekanntesten Gewerbe des menschlichen Lebens zur Vollkommenheit bringen; sondern Fleiß, Geduld und Beurtheilung bey einer philosophischen Untersuchung. Diese zeigt sich in D. Higgins seinen Versuchen*). Es werden viele, durch die Mühsamkeit und Sorgfalt die zum guten Mörtel machen erfordert wird, vielleicht abgeschreckt werden; allein wer doch sein Geld nicht wegwerfen will als Bauherr, und wer als Baumeister noch eine Reputation zu verlieren hat, wird die Resultate dieser mühsamen Untersuchungen dankbarlich annehmen, und sie als ein weiser Mann unter günstigen Umständen befolgen.

*) Dr. Bryant Higgins Experiments and Observations made with the View of improving the art of composing et applying Calcareous Cements and of preparing Quicklime. 1780 London. 8.

Materialien, die man statt des Wassers vorgeschlagen*).

Es ist ein bekanntes Vorurtheil, welches der gemeine Mann von gewissen alten Gebäuden angenommen; als wäre eine besondere Zubereitung zu der Verfertigung des dazu erforderlichen Mörtels gebraucht worden. Es heißet von einigen, man habe den Kalk mit Weine gelöschet; von einem andern Gebäude glaubt man, daß Buttermilch zu Verfertigung des Mörtels, statt Wassers wäre gebraucht worden. Dicke Milch, wähnt man selbst in England, könne statt des zum Mörtel nöthigen Wassers gebraucht werden; und in eben dem Wahne stehet man, in Ansehung der dünnen Feuchtigkeit vom Rindsbluthe. Allein so wohl gesunde Vernunft lehrt schon zur Gnüge, daß diese Materialien sich zum Verfertigen des Mörtels gar nicht schicken; als auch insbesondere ein paar Versuche die man damit angestellt.

*) S. Forster a. a. O. S. 46.

Eine Mischung vom besten Sande und Kalke, mit dicker abgeschöpfter Milch; eine andere, die man mit Sande, Kalke, und dem Wässerigen des Rindblutes verfertiget hatte; so wie auch der Absud, von Leinsamen, den man nachgehends durchgeseihet und mit Kalke und Sande zu Mörtel bereitet hatte; oder eine noch andere Mischung, zu der man den schleimichten Theil von Leinsamen gebrauchet, waren alle etwas mehr klebrich; allein sie waren auch alle innerhalb Jahresfrist, eben so wie Mörtel aufgerissen, zu dem man viel Wasser gebraucht hatte. Und was diese Materialien noch weniger empfiehlt, ist der Umstand, daß innerhalb Jahresfrist, auf allen diesen neuen Mörtelarten, eine grüne schwärzliche staubartige Pflanze (Byssus) wuchs, die garstig aussieht, und den Bau gänzlich zu Grunde richten hilft; indem keine von diesen Arten auch nur eine Härte annehmen wollte, die einigermaßen mit der zu vergleichen wäre, welche die besten, hier nach den Grundsätzen, die auf Vernunft und Erfahrung gegründet sind, verfertigten Mörtelarten, sehr leicht erlangen.

Ueberhaupt ist so wohl Baumöhl, als auch Leinöhl zum Mörtel gebraucht worden, und man hat gefunden, daß je mehr Oehl war gebraucht worden, je weniger waren die Mörtelarten hart und feste geworden. Thut man noch Wasser hinzu, so wird die Mischung eine Art von Seife, die sich bey der Feuchtigkeit auflöset und den Bau nothwendig schlechter machet, je länger derselbe stehet; da im Gegentheil Gebäude, die mit schlechten Mörtelarten verfertigt sind, wenn sie einmal ohne Risse erhärtet sind, von Tage zu Tage fester und härter werden.

Ja sogar, wenn man neubeworfene Wände, die nicht ganz erhärtet und trocken geworden sind, mit gewöhnlichen Oehlfarben, oder mit Bleyweiß und Leinöhle anstreichet, so hindert dies Anstreichen das Einwirken der Luftsäure auf den Mörtel und das Verrauchen des Wassers; da denn in keinem Falle diese Mörtelarten zu einem höhern Grade der Erhärtung gelangen, und den damit aufgeführten Gebäuden Dauer und Festigkeit versprechen können. Soll man ja den Anwurf neugetünchter Häuser mit Oehlfarben anstreichen, so müssen dieselben wenigstens ein ganzes Jahr lang schon getrocknet seyn; weil sonst der Oehlanstrich das Härten und Austrocknen des Anwurfes gänzlich behindert.

Materialien, die man statt des Sandes beym Mörtel gebrauchet.

Da die mehresten Sandarten, besonders die gegrabenen, alle Arten des oben hergenannten Sandes, der mit Thon oder gelben Lehmen gemischet ist, enthalten; so machte Herr D. Higgins Versuche, in welchen er die Sandarten vom Lehmen absonderte, und denn von diesem Lehmen höchstens etwa 1/7 zu dem groben und feinen Sande mischte, und davon Mörtel bereitete. Diese Versuche belehrten ihn, daß der Thon und Lehmen, bey jeder feuchten Veränderung der Luft, die Feuchtigkeit aus der Luft anzog; und so gut und so hart der Lehmen auch schon bey schönem Wetter getrocknet war, so ward doch der im Mörtel befindliche Lehmen und Thon wieder feucht, und der Mörtel folglich bröcklicht; überdem so pflegte ein so zubereiteter Mörtel auch sehr leicht Risse zu bekommen, wodurch die Festigkeit des Gemäures gänzlich verdorben wird.

Er mischte gleichfalls den besten fettesten Pfeifenthon, so wie auch Walkerthon in demselbigen Verhältnisse unter den besten Mörtel, und fand denselben schon gemeldeten Erfolg von diesen Mischungen, und es erhellete abermahls, daß diese Materialien dem damit verfertigten Gemäuer sehr nachtheilig wären.

Man hat von jeher sehr viel von der Pozzolanerde oder Puzzolane und dem Tarras oder Trasse gehalten. Beyde sind durchs Feuer gegangen, und werden nur in solchen Gegenden gefunden, die vor Zeiten oder auch noch jetzt durch Feuer verändert worden sind. In Ansehung ihrer Bestandtheile, so finden sich thonartige und Bittersalzerden nebst einem Eisenkalke darin; sie finden sich aber selten rein, sondern sind mit Schörl, Spath, Quarz, Glimmer, Schiefer, Bimsstein, und zuweilen auch mit etwas Kalkerde versetzt. Da nun die thonartigen gebrannten Theile das Wasser sehr anziehen, so pflegen die mit Pozzolanerde oder Trasse versetzten Mörtel sehr bald zu erhärten, und ist der Bau, zu dem der Mörtel angewendet wird, unter Wasser, so erhärtet der Mörtel so stark, daß kein Wasser mehr eindringen kann. Ja da viele Vitriolsäure in der Pozzolane und dem Trasse zu seyn scheint, so kann selbst die See dem Mörtel nichts anhaben; ja es wird derselbe unter dem Wasser immer härter. Allein braucht man die Pozzolanerde oder Traß auch im Mörtel an Gemäuern, die außer dem Wasser der freyen Luft ausgesetzt sind, so ist die Erhärtung nie so groß und so vollkommen, als die von bloßem guten Mörtel: denn die Veränderungen des Wetters wirken sehr stark darauf, und der Mörtel bekommt sehr leicht Risse, und wird in der Folge sehr bröcklicht. Es kann also diese Art von Mörtel, der mit Puzzolanerde oder Traß verfertiget ist, wovon man doch nicht mehr als 1/7 des Sandes nehmen muß, nur allein zum Baue unter Wasser angewendet werden; in allen anderen Fällen ist der gewöhnliche gute Mörtel unendlich vorzüglicher. Ich werde weiter unten indeß noch mehr von der Puzzolane und dem Trasse zu sagen Gelegenheit nehmen.

Es sind einige in dem Wahne, daß wenn man zum Mörtel Gypsmehl hinzufügt, so müsse solches den Mörtel ungemein verbessern. Allein es scheint, daß diee Leute diesen Wahn bloß von andern auf guten Glauben angenommen haben; denn hätten sie selbst Versuche damit angestellt, so müßten sie ganz anderer Meinung seyn. Gyps ist ein erdichtes Salz, welches sich an der Luft sehr leicht auflöset, und wenn dies geschieht, so muß der Mörtel in feuchtem Wetter allemahl sehr weich werden, und kann also nie die Festigkeit und Härte erlangen, welche ein guter Mörtel zu erreichen pflegt. Hiernächst so macht der Gyps, da er sehr bald sich bindet, daß der Mörtel auch daher nie diejenige Härte und Festigkeit erlangen kann, die er sonst sehr leicht allein erlangen würde. Die Erfahrung hat diesen Schlüssen vollkommen entsprochen, und es ist kein mit Gyps gemischter Mörtel völlig erhärtet und fest geworden, sondern hat mit jedem feuchten Wetter auch die Festigkeit verlohren, und hat sich bald zu bröckeln angefangen.

Vitriolöhl verband sich mit dem Kalke sogleich zu Gyps, und machte den Mörtel viermahl schlechter, als wenn nur Gypsmehl allein eingemischt wäre.

Alaun bis zu einem Zehntel des Sandes in den Mörtel eingemischet, hat denselben so verschlimmert, daß er sich in der Mischung zerlegte, und die Vitriolsäure sich mit dem Kalke zu Gyps verband, die thonige Grunderde des Alaunes aber blieb Thon und verhielt sich eben so, wie wir es vom Thone schon angemerket haben, und in neun bis zehn Monathen ließ sich der Mörtel ohne erfolgte Erhärtung eben so leicht, wie gewöhnlicher Märgel zwischen den Fingern zerreiben.

Grüner Eisenvitriol oder Kupferwasser verhielt sich eben so wie Vitriolöhl in geschwächtem Verhältnisse. Hierzu kam noch, daß die Theile des mit dem Kupferwasser gemischten Eisenochers, oder Eisenkalkes, erst über den Mörtel eine Olivenfarbe verbreiteten, die sich aber sehr bald in eine gelbe Farbe änderten: so daß solches endlich dem Mörtel beydes eine beträchtliche Schwäche, und auch eine unangenehme Farbe mittheilte.

Ueberhaupt so zeigten alle Versuche mit Säuren, alkalischen und salzigen, metallischen und erdichten Mittelsalzen, daß durch dieselben der Mörtel am Erhärten und der davon abhangenden Festigkeit merklich gehindert würde, und daß demnach keines dieser Materialien mit Vortheil angewendet werden könne.

Einige Baumeister pflegen von den Seifensiedern den Kalk zu gebrauchen, mit welchem diese ihre Pottasch- und Barilla-Laugen zu schärfen, und mehr caustisch zu machen gewohnt sind. Allein da dieser Kalk 1) allezeit von selbst nach vielem wiederhohlten Waschen eine beträchtliche Menge von alkalischen oder Laugensalztheilen, wie auch von Vitriol-Tartar behält: so müssen diese Theile im Mörtel dienen, die Feuchtigkeit aus der Luft anzuziehen, und also die Erhärtung und Festigkeit des Mörtels zu hindern. 2) Da ferner die Theilchen von Luftsäure sich aus den in der Lauge befindlichen Laugensalzen in dem Kalke festgesetzet haben: so ist der Kalk nicht mehr ungelöschter Kalk, und hat also seine bindende Kraft eine seiner Haupteigenschaften gänzlich verlohren. Und kann demnach nicht anders als mit großem Nachtheile gebraucht werden. Der wohlfeile Ankauf dieses Kalkes aber und der Umstand, daß ihn das englische Baumeister-Lexicon (Builder’ s Dictionary) anpreiset, haben es nöthig gemacht, Versuche damit anzustellen, die aber alle den vorher angezeigten Gründen der Untauglichkeit dieses Kalkes entsprachen, und bewiesen haben, daß man von demselben keine Festigkeit und Dauer in Gebäuden erwarten könne.

Wenn man zu Pulver geriebenen Schwefel in den Mörtel einmischt, und zwar so, daß derselbe nur ein zwey- bis dreyßigthel der ganzen Masse ausmachte: so pflegte die Einmischung des Schwefels den Mörtel in den ersten zwey Monathen ansehnlich dem Anscheine nach zu verbessern; und da die Farbe des Mörtels durch Einmischung von Schwefel dem Auge sehr gefällig war, und ihm eine sanfte Farbe gab: so möchte man beynahe in die Versuchung gerathen seyn, den Schwefel im Mörtel häufig zu gebrauchen. Allein nach dem Verlaufe von etwa zehn oder zwölf Monathen bemerkte man erst in ausdrücklich deshalb angestellten Versuchen, daß er dem damit aufgeführten Gemäure vielmehr schädlich sey. Im Regen und feuchten Wetter gab der Mörtel nach, und nachdem es ein paarmahl gefroren und wieder gethauet hatte, ward der Mörtel so mürbe, daß man ihn zwischen den Fingern zerreiben konnte. Selbst wenn man Schwefel und Kalkpulver mit Kalkwasser schnell zusammen auf einem Reibsteine rieb, so entstand daraus eine Schwefelleber, und der damit verfertigte Mörtel war noch schlechter, als der mit rohem gepülverten Schwefel verfertigte.

Daraus erhellet es nun sehr deutlich, daß die mehresten Materialien, die man zu Verfertigung des Mörtels in Vorschlag gebracht, außer grobem und feinem Sande gar nicht zu dem Endzwecke tauglich sind, und daß sie daher weder als ein Substitut des Sandes, noch auch als ein Mittel den Mörtel zu verbessern, gebraucht werden können.

Verhältniß der Materialien untereinander, die zur Mischung eines guten Mörtels erforderlich sind*).

Wenn man 1) seinen Kalk in Ansehung der Güte, nach den oben, S. 171 fl. angegebenen Kennzeichen wählt, und 2) kein anderes Wasser braucht, als Regen- oder Flußwasser, oder Wasser aus stehenden offenen Teichen oder Seen, das frey von allen fremden Salztheilen ist und macht daraus sich, nach der im obigen, S. 183, gegebenen Vorschrift, Kalkwasser; und wenn man 3) quarzigen Flußsand oder gegrabenen Sand mit scharfen Ecken und rauhen, ungleichseitigen Flächen wählt, und wäscht in einem laufenden Strome alle den Lehmen oder Thon heraus, der zuweilen besonders im gegrabenen Sande sich befindet, und siedet die verschiedenen Sorten von Grand, groben und feinen Sand vermittelst des oben angezeigten messingenen Drahtsiebes aus dergleichen Sande heraus, so fehlt es nur noch an dem Verhältnisse, nach welchem man diese gut gewählten Materialien unter einander mischet.

*) S. Forster a. a. O. S. 55.

Wenn man vollkommen durchgebrannten, frischen Kalk nimmt, so muß man denselben mit Kalkwasser besprengen, daß er in ein feines Pulver dadurch zerfalle; hierauf breite man den zu gebrauchenden Sand auf einigen Bretern oder Planken aus, und befeuchte ihn mit so viel von dem oben genannten Kalkwasser, als der Sand nur auf die Art halten kann, und dann mische man den zu Pulver gefällten und durch ein Sieb von allen Steinen und allem Gypse befreyten Kalk zu dem Sande. Das im Sande enthaltene Kalkwasser ist eben das Verhältniß des zum Mörtel erforderlichen Wassers.

Nimmt man nun vom trocknen Grande am Gewichte fünfmahl so viel als Kalk, feuchtet ihn mit Kalkwasser an, mischt ihn mit Kalk und macht durch Schlagen und Rühren Mörtel daraus: so findet man, daß dies das beste Verhältniß ist; denn nimmt man weniger Kalk und mehr Grand, so ist der Mörtel nicht fett genug, und der Kalkbrey wickelt nicht alle die Grandkörner gehörig ein; und ist der Mörtel erhärtet, so erhält er nie die Festigkeit, daß er nicht sehr bald ohne großen Widerstand brechen sollte. Er hat überdies eine sehr rauhe Oberfläche. Braucht man hingegen mehr Kalk und weniger als fünfmahl sein Gewicht an Grand, so bleibt der Mörtel im Trockenen und Erhärten sehr rauh; er bricht ohne großen Widerstand, allein er bekommt keine Risse.

Gebraucht man groben Sand, so muß der Kalk wenigstens der fünfte Theil des Sandes seyn; denn gebraucht man mehr Sand, so ist der Mörtel zu kurz, und kann nicht angeworfen und gut bearbeitet werden; er läßt sich auch nie zu einer glatten Oberfläche bringen; nimmt man dagegen mehr als ein fünftel Kalk, so pflegt der Mörtel beym Erhärten Risse zu bekommen, und den daraus erfolgenden Uebeln unterworfen zu seyn. Der mit fünf Theilen groben Sandes und einem Theile Kalkes verfertigte Mörtel ist im Erhärten fester und dauerhafter, als der mit Grand verfertigte.

Wendet man aber feinen Sand an, so muß der Sand wenigstens sechs und ein halbmahl mehr wiegen als der Kalk. Ist ein solcher Mörtel erhärtet, so ist er besser, als der mit Grande und mit groben Sande verfertigte Mörtel. Nimmt man siebenmahl mehr Sand als Kalk, so ist der erhärtete Mörtel lange nicht so dichte und so feste als der vorhingemeldete von 6 ½ zu 1. Gebrauchte man hingegen 4 Theile Sand, zu einem Theile Kalk; so bekam der Mörtel im Erhärten Risse, und litte im Winter bey abwechselndem Regen und trocknendem Winde, beym Froste und Aufthauen so viel, daß er zuletzt konnte mit den Fingern zerrieben werden und keine Festigkeit selbst nach 10 Monaten Frist nicht erhalten hatte.

Nach diesen dreyerley Versuchen, möchte es fast das Ansehen haben, daß je feiner der Sand ist, desto besser der Mörtel ausfallen müsse. Es war daher nöthig zu versuchen ob vermischte Sandarten nicht einen besseren Mörtel geben.

Wenn man Grand mit grobem Sande mischte und Kalk hinzu that, so war der Mörtel beynahe dem vollkommen gleich, der mit Grande war verfertiget worden, wenn nähmlich mehr Grand als grober Sand war genommen worden; hatte man aber mehr groben Sand als Grand gebraucht, so war der Mörtel, dem mit bloßem groben Sande am ähnlichsten, jedoch keine dieser Mischungen gab einen Mörtel, der den vorhin angeführten, mit feinem Sande verfertigten Mörtel, übertraf.

Wand Grand mit feinem Sande vermischt angewendet; so fiel der Mörtel am besten aus, der zwey Theile feinen Sandes zu einem Theile Grand enthielte. Allein dem ohngeachtet gab keine dieser Mischungen einen Mörtel der besser ausgefallen wäre, als der mit bloßem feinen Sande und Kalke verfertigte.

Nahm man hingegen groben und feinen Sand vermischt, so gab die Mischung von 4 Theilen groben Sandes mit 3 Theilen feinen Sandes, und 1 Theil Kalk, oder etwas weniges mehr, den allerbesten Mörtel: denn so lange dieser Mörtel frisch war, konnte man ihn gut mit der Mauerkelle auftragen und anwerfen, er nahm in der Bearbeitung, eine schöne glatte Oberfläche an, und war vollkommen plastisch: Im Erhärten bekam er keine Risse; Er verband sich fest und hatte kein rauhes Ansehen; Nach 9 oder 10 Monaten war er so feste und hart geworden, daß er sich nur mit vieler Mühe brechen ließ; und weder Regen noch Wind, weder Frost noch Thauwetter hatte ihm etwas geschadet. Ueberhaupt ergab es sich aus allen diesen und vielen nachfolgenden Versuchen, daß dieses die beste unter allen Mörtelarten wäre.

Wenn man alle drey Sandarten, nähmlich Grand, groben und feinen Sand zusammen mischete, so gab die Mischung den besten Mörtel, in welchen der feine Sand, dem Grande und groben Sande an Gewichte beynahe oder vollkommen gleich war. Z. B. Wenn man 1 Theil Grand, 3 Theile groben und 3 Theile feinen Sand zu einem Theile Kalke mischte, so gab diese Mischung einen ziemlich guten Mörtel, der gut zu gebrauchen war, wo man eben nicht den feinsten Mörtel brauchte. Zum ersten Anwurfe einer Mauer, konnte dieser rauhe Mörtel sich sehr wohl schicken, damit nähmlich der letzte Anwurf und die Stuccatur-Arbeit, die man darauf anbringen will, desto mehr Haltung bekäme. Allein im übrigen ergab es sich aus allen Versuchen mit diesen Mischungen, daß dennoch der schon oben angezeigte Mörtel, der mit groben und feinem Sande verfertiget war, der beste und dauerhafteste sey; und daß also dieses das beste Verhältniß von den zum Mörtel erforderlichen Materialien sey.

Ueberhaupt genommen erhellet, aus allen diesen Versuchen: daß die Menge von Kalk, welche eine Masse machet, die mit Sand und Wasser sich bearbeiten läßt, gerade die kleinste Quantität ausmachet, die nur erforderlich ist, mit einer solchen Menge von Sande den besten Mörtel zu liefern. Daß daher der Zusatz von mehr Kalk bey groben Sande überflüssig und bey feinem gar schädlich ist: daß die Eigenschaft des Mörtels, nach welcher er am besten zu allerley Arbeit tauglich ist, bloß davon abhängt, daß man die kleinste mögliche Quantität von Kalke nehme; wenn die Zwischenräume des Sandes im Ganzen genommen kleiner und weniger sind, und sich durch die gehörige Mischung von groben und feinem Sande, die Sandkörnchen besser in einander packen; daß aber demohngeachtet die Mischung des feinen und groben Sandes nicht in dem Maße die Verminderung des Kalkes möglich mache, in welchem es die kleine Quantität von Wasser die man zu Auffüllung dieser Mischung nur brauchen konnte, wahrscheinlich zu machen schien: indem der Kalkbrey der die feinen Sandkörner einwickeln soll, mehr Raum einnimmt, als das Wasser, welches sie bloß anfeuchtet.

Wenn eigentlich der Mörtel angewendet werden muß*).

Es ist eines von den gewöhnlichsten Vorurtheilen, daß man glaubt, Mörtel der schon vor einiger Zeit verfertiget worden ist, besitze eine vorzügliche Güte. Allein dies Vorurtheil hat sich sehr leicht, durch angestellte Erfahrungen widerlegen lassen. Eine Quantität vom besten Mörtel, die man 24 Tage lang in einem feuchten Keller aufbewahret hatte, war an der Oberfläche betrocknet, und inwendig war derselbe zwar noch etwas feucht, allein so wenig bindend und aneinander hangend, daß man ihn sogleich zwischen den Fingern zerreiben konnte. Um diesen Mörtel wenigstens mehr plastisch zu machen, so mengte man so viel Kalkwasser dazu, als nöthig war, den Mörtel zu seiner ursprünglichen Dicke und Steife zu bringen. Hierauf führte man mit diesem so zubereiteten Mörtel eine Mauer auf. Zu gleicher Zeit, führte man eine andere Mauer auf mit eben so gutem Mörtel, der aus eben denselben Materialien, in eben dem Verhältnisse, aber ganz frisch vor dem Gebrauche zubereitet war; und beyde Mauern standen in derselben Lage in Ansehung der Sonne, des Regens und Windes. Man untersuchte die Fugen dieser zwey Mauern alle 14 Tage sorgfältig, und es zeigte sich allemahl ein merklicher Unterschied in Ansehung der Härte und Festigkeit; indem er frisch zubereitete Mörtel unendlich fester und dauerhafter war. Man brach nach Jahresfrist beyde Mauern von einander, und die mit dem frisch verfertigten Mörtel aufgeführte Mauer brauchte weit mehr Gewalt, um sie auseinander zu brechen, und widerstand den dazu angewendeten Kräften weit mehr, als die andere Mauer die mit dem 24 Tage im Keller aufbewahrten Mörtel aufgeführt war. Es erhellet demnach hieraus unwidersprechlich, daß Mörtel billig nicht weiter als auf einen Tag im Vorrath sollte verfertiget, und allezeit frisch verbrauchet werden; und daß man daher billig alle Tage frischen Mörtel zubereiten sollte.

*) S. Forster a. a. O. S. 61.

Das Vorurtheil, daß lange aufbewahrter Mörtel besser sey als frisch gemachter, rührt bey den Maurern aus zwey Ursachen her. Die erste ist, daß vieler Kalk den man zum Mörtel braucht, nicht gut und völlig durchbrannt ist. Solcher schlechtgebrannte Kalk, löst sich erst mit der Folge der Zeit auf; und wenn man ihn frisch, nach der gewöhnlichen Methode verbraucht, so lösen sich die nicht durchbrannten Kalktheile nach der Verarbeitung auf; da denn der Mörtel davon Risse und hohle Blasen bekommt, und sich nicht will glatt und schön eben auftragen lassen. Allein ist solcher nicht durchbrannte Kalk etliche Tage nach der Zubereitung des Mörtels erst verarbeitet, so löset er sich ganz auf, und giebt in der Verarbeitung eine ebene glatte Oberfläche: Dieser Methode bedienen sich vornähmlich die in Stuccatur arbeiten, um einen schönen glatten Mörtel zu verarbeiten; und an der Festigkeit und Dauerhaftigkeit des Anwurfs ist diesen Leuten nicht viel gelegen, denn sie sorgen nur fürs äußere Ansehen. Die Mäurer aber, welche diesen Kunstgriff von den Stuccatur-Arbeitern sehen, denken daher, ein so lange aufbewahrter Mörtel werde dadurch unstreitig besser, welches doch nicht mit der Wahrheit bestehet; und daher kommt es, daß man solchen Arbeitern, die selten Gründe annehmen wollen, diesen Wahn so wenig ausreden kann. Allein der zweyte Grund der schuld daran ist, daß dies Vorurtheil lange Bestand hat und so tief eingewurzelt ist, daß man es fast gar nicht ausrotten kann, liegt darin, daß ein so lange aufbewahrter Mörtel, sehr viel Luftsäure oder feste Luft aus der Luft anzieht, und dadurch ungemein viel an Maße zunimmt und aufschwillt; wollte man aber den Mörtel der viel Kalk hat, sogleich frisch verarbeiten, so würde derselbe im Erhärten und Binden, durch Verrauchen des Wassers Risse bekommen, und durch Einziehung der Luftsäure sehr aus einander setzen und eine rauhe Oberfläche bekommen; dies nun zu vermeiden lassen die Stuccatur-Arbeiter ihren mit vielem Kalke zubereiteten Mörtel lange liegen; er zieht dadurch viel feste Luft an sich und reißt hernach bey der Verarbeitung weniger und behält also eine ebene Oberfläche: daher halten die Mäurer, solchen an Kalke zu reichen Mörtel, der lange aufbewahrt worden ist, für den besten Mörtel, und verfertigen solchen auch zum Mauren, und bringen die damit aufgeführten Mauren auf immer um Festigkeit und Dauer.

Allein es muß auch noch bestimmt werden, wenn die beste Zeit zum Mauern ist. Der Winter, da gleich nach oder während der Aufführung einer Mauer der Frost einsetzt, ist die ungeschickteste Zeit zum Mauern; denn die Mauer bekommt vom Ausdünsten des Wassers im Mörtel eine gewaltige Zusammenziehung, die nach dem Aufthauen nicht wieder ersetzt wird, und die durch den Frost verursachten Risse im Mörtel in den Fugen des Gemäuers bleiben stets darin, der Regen und Wind durchdringt den Mörtel, und es bleibt eine auf immer verdorbene Mauer. Die Sommerhitze ist zwar nicht so schädlich, indem das Wasser des Mörtels bald verrauchet; allein die zu große Hitze der Sonnenstrahlen gegen eine Mauer, welche der Mittagssonne ausgesetzt ist, ist auch so wirksam, daß das Wasser im Mörtel sehr schnell, und schneller verrauchet, als derselbe die feste Luft einsaugen kann, welche eigentlich das große Bindungsmittel des Mörtels ist. Es mangelt der Mauer demnach immer an dem Verbande, der ihr die Dauer allein versprechen kann. Fallen überdies gleich nach der Verfertigung einer Mauer große lange anhaltende Regengüsse ein, so wäscht der Regen den Kalk aus dem Mörtel, der die Ziegeln verbindet, gänzlich aus und verschlimmert sie sichtbar; ist die Mauer aber schon mit einem Anwurfe bekleidet, so wird derselbe von einem Regen, der mit dem Winde gegen die Wand angepeitschet wird, dergestalt zwischen die Sandtheilchen angeschlagen, daß fast aller Kalk aus der Oberfläche des Mörtels ausgewaschen wird, und der Anwurf ein schlechtes Ansehen bekommt. Die beste Zeit zum Bauen ist unstreitig der Frühling, besonders die dunkeln nicht zu warmen Tage, die unser Norddeutschland so oft im April und May genießt. Es ist demnach auch wohl gethan, daß man, so viel möglich, in dieser günstigen Zeit den Bau beschleunige. Daß wenigstens die Außenseite eines Gebäudes so viel als möglich fertig werde, und Zeit habe, gelinde, nicht schnell auszutrocknen, ehe noch die größte Hitze im Junius und Julius eintritt. Ist man ja genöthiget, dergleichen Bau auch während der Hitze fortzusetzen: so würde es eine sehr kluge Sorgfalt seyn, und die durch ihre Kosten weder den Bauherrn noch den Baumeister abschrecken sollte, die der Mittagssonne ausgesetzte Mauer sogleich mit Stroh und Bastmatten zu bedecken, und dadurch die unmittelbare zu heftige Wirkung der Sonnenstrahlen auszuschließen; und wenn man die Fugen eines so der Sonnenhitze ausgesetzten Gemäuers mit dem oben beschriebenen Kalkwasser dann und wann anfeuchtete, so würde solches nicht wenig beytragen, die schädlichen Folgen einer zu schnellen Ausdünstung des Wassers aus dem Mörtel zu verhindern. Eben so müssen, besonders die mit einem Anwurfe bedeckten Mauern mit Stroh- oder Bastmatten, beydes gegen die zu heftige Wirkung der Sonne, als auch gegen das Waschen eines mit Winde anschlagenden Regengusses gesichert werden. Indem die kleinen dadurch verursachten Kosten sich in der Folge reichlich durch die unendlich größere Festigkeit und Dauer der Mauer bezahlt machen.

Von der verschiedenen Anwendung des Mörtels.

Es wird der Mörtel im Wasser oder in der Luft zum Mauern gebraucht; und in der Luft wieder entweder zur Verbindung der Steine und Ziegel, oder als Anwurf, Putz oder Tünche eines Gebäudes; zu allen diesen dreyerley Bestimmungen sollte der Mörtel zuverlässig jedesmahl eine andere Mischung und Einrichtung bekommen.

Im Wasserbaue ist unser oben angezeigter bester Mörtel schon hinlänglich gut; nur muß der Bau wenigstens ein ganzes Jahr Zeit haben, um gehörig auszutrocknen, ehe man denselben dem Einwirken des Wassers bloß setzt. Denn hat der oben angezeigte beste Mörtel einmahl den gehörigen Grad von Härte erlanget, so ist es selbst dem Wasser unmöglich, denselben zu zerstören.

Da aber dieses nicht allemahl möglich ist, dem Mörtel ein Jahr Zeit zum Trocknen und Binden zu lassen, so haben andere den Proceß durch Anwendung des Trasses verkürzen wollen. In Holland braucht man vorzüglich drey Theile Steinkalk zu zwey Theilen klein gemahlenem Traß. Allein Herr Faujas de St. Fond schlägt vor, das man zwölf Theile Puzzolanerde, sechs Theile groben Sandes und neun Theile gut gebrannten, frischen, ungelöschten Kalk, nebst sechs Theilen Abgängen von rohen Kalksteinen, deren keiner die Größe einer Faust übertrifft, zusammen nebst reinem, nicht selenitischen Wasser zu Mörtel verarbeite, und in einem Haufen sechs Stunden liegen lasse, und sie dann sogleich als Mörtel oder Wasser-Cement verarbeite. Man läßt nähmlich einen Kasten von der Dicke der Mauer von starken Planken verfertigen, und bohrt hier und da Löcher von etwa ¼ Zoll Durchschnitt ein. Diesen Kasten füllet man mit dem Mörtel und senket ihn an den Ort ein, wo die Mauer zu stehen kommen soll, und der Wasser-Cement nimmt im Wasser sogleich eine solche Härte an, daß er fernerhin allem Einwirken des Wassers und selbst der Gewalt der Meereswellen widerstehet. Diese Anweisungen sind schon hinlänglich zum Baue unter Wasser.

Allein der Theil eines Baues, der bald unter, bald über dem Wasser ist, je nachdem das Wasser in einem Flusse vom Regen oder Schnee mehr oder weniger anläuft; oder je nachdem am Meere die Ebbe und Fluth bald fällt, bald wieder steigt, der kann nicht mit dem obigen starken Wasser-Cemente gebauet werden, sondern man braucht dazu in Holland drey Theile Kalk, zwey Theile Traß und zwey Theile Sand. Ich bin aber überzeugt, daß wenn man zu dem oben, nach des D. Higgin’s Methode vorgeschlagenen Mörtel von drey Theilen groben, und drey Theilen feinen Sandes, einen Theil Traß, und einen Theil wohl und frisch gebrannten Kalkes nebst Kalkwasser gebrauchet, und damit die Theile eines Gemäuers aufführet, welche bald außer, bald unter dem Wasser sind, solches einen sehr guten Wasser-Cement geben werde. Was aber nie unter Wasser kommt, sondern stets an der Luft bleibt, das muß mit dem gewöhnlichen Mörtel gebaut werden, den wir empfohlen haben.

Gemäure, die stets an der Luft und nie unter Wasser stehen, brauchen zu zwey verschiedenen Bestimmungen Mörtel. Erstlich zum Bauen oder Verbinden der Ziegel, oder der gehauenen Quadersteine; zweytens zum Anwurfe oder Putze der Wände, sowohl von der innern, als von der Aussenseite des Gebäudes.

Zu dem ersten Endzwecke ist schon der gewöhnliche Mörtel hinlänglich, zu welchem man vier Theile groben Sandes und drey Theile feinen nimmt, und selbige auf einer Planke an die sechs bis acht Zoll hoch ausbreitet, und mit Kalkwasser so anfeuchtet, daß das überflüssige Kalkwasser von selbst ablaufe; hierauf mischt man einen Theil durch Kalkwasser schnell in Pulver zerfällten guten, frischen, wohl gebrannten Kalk, den man durch ein dichtes Drahtsieb hat laufen lassen, und schlägt den Mörtel wie gewöhnlich. Dieser Mörtel ist nicht sehr fett und dünne, und es müssen zu dem Ende die Ziegel vorher in ein Gefäß mit Kalkwasser eingetaucht werden, ehe man sie vermauert, und die Quadersteine müssen eben so mit Kalkwasser mittelst eines Pinsels von allem Staube und Unreinigkeit befreyet, und gehörig angefeuchtet werden. Je eher man diesen Mörtel verarbeitet, desto fester wird er binden und in der Zukunft halten.

Endlich braucht man aber auch so den Mörtel zum Putze, oder Anwurfe, oder Tünche. Diese ist theils im Gebäude, und also im Trockenen, theils außerhalb anzuwenden. Ehe ich von beyden besonders handele, will ich nur noch einige ganz allgemeine Anmerkungen und Versuche voraus schicken.

Man hat unter andern darauf gesonnen, dem Mörtel, den man zum Anwurfe brauchen will, durch Einmischung von gewissen gefärbten Materialien diejenige Farbe zu geben, die man dem Hause zu geben für gut befunden; zu dem Ende hat man vorzüglich gesucht, durch diese Einmischung allerley Farben der natürlichen Steine so viel als möglich heraus zu bringen. Allein diese Versuche haben zugleich gezeigt, daß man sehr viele dieser vorgeschlagenen Materialien gänzlich verwerfen müsse, weil sie dem Mörtel zum Theil sehr schädlich sich zeigten.

Um eine graue bläulichte Steinfarbe zu haben, verfiel man darauf, rohes Spießglas (Antimonium crudum) fein gepülvert in den Mörtel einzumischen. Man bemerkte aber folgendes: 1) Da in dem rohen Spießglase eine beträchtliche Menge Schwefel angetroffen wird, so wirket der Schwefel, der sich im Mörtel sehr bald zerlegt, so wie der Schwefel, von dem wir schon oben, S. 200, gehandelt haben. 2) Die bläulichte Farbe war gar nicht schön, und was noch unangenehmer war, so änderte sie sich bald in ein höchst unangenehmes Braun, und nachgehends gar in Gelb. Der Spiesglas-König gepülvert, hatte nur die Wirkung eines fein geriebenen Flint- oder Quarzkiesels, und da der vom Reiben runde Theilchen hat, so ist derselbe eben nicht sehr tauglich zu Verfertigung eines guten, festen Mörtels, der viel Festigkeit annähme.

Brauchte man gerösteten Bleyglanz, oder auch Bleyglanz, ohne ihn vorher zu rösten, so hatten diese beyden Materialien beynahe einerley Wirkung mit dem rohen Spiesglase. Der Schwefel entband sich im Kalke, und verdarb denselben, und seine Wirkung war nur langsamer als die des Spiesglases.

Gebrauchte man Bleyweiß, so ward der Mörtel dadurch beträchtlich verschlimmert; denn da Bleyweiß mittelst Weinessig gemacht wird: so weiß man ferner, daß diese Säure des Weinessigs, wie fast alle Säuren von Pflanzen (z. B. Zitronensäure, Sauerkleesäure, Zuckersäure, Weinsteinsäure etc.) sich leicht in feste Luft oder Luftsäure verwandeln; und so geschieht solches auch mit der im Bleyweiß vorhandenen Essigsäure, sie geht als Luftsäure in den Kalk über, und macht denselben vor der Zeit zu ungelöschtem Kalke, wodurch er seine bindende Kraft verlieret; und das Bleyweiß verändert sich in Schüttgelb (Massicot).

Arsenik hatte im Mörtel dieselbe Wirkung, welche andere Mittelsalze haben. Die Säure verband sich mit den Kalktheilen zu einem neuen wenig festen erdichten Mittelsalze; daher der Mörtel unmöglich gut werden konnte.

Die Mischungen von Arsenik und Schwefel, oder Aurumpigmentum mit Mörtel verursachten, daß beydes die schlechten Wirkungen des Schwefels und auch des Arseniks sich deutlich zeigten. Der Mörtel blieb bröcklich und ungebunden, und bekam zuerst eine dunkelbraune Farbe, die aber bald ins Gelbe überging, und zuletzt gar verschwand.

Der gewöhnliche Schefel- oder Eisenkies, es sey, daß er geröstet oder ungeröstet gebraucht wurde, schadete dem Mörtel; denn er zeigte sich in seiner Wirkung wie das rohe Spiesglas. Es mußte aber eine größere Menge genommen werden, um diese Wirkung zuwege zu bringen; und es färbte der Kies den Mörtel zuerst bläulicht; diese Farbe ging aber nachgehends in die Rostfarbe über. Zuweilen währte es über ein Jahr, ehe eine gewisse Art von Kies seine üble Einwirkung auf den Mörtel zeigte, allein zuletzt erfolgte dieselbe doch.

Ueberhaupt folgt aus allen den vorigen Versuchen, daß alle die metallischen Substanzen, welche sich, wenn es gleich noch so spät geschieht, durch Wasser auflösen lassen, allesammt nicht taugen, um in den Mörtel eingemischt zu werden.

Hammerschlag sind kleine halbcalcinirte Flitterchen von Eisen, und stehen bey einigen Baumeistern in so gutem Ansehen, daß sie glauben man könne mit ihnen den Mörtel verbessern. Sie wurden demnach zu einem feinen Pulver zerrieben, und man nahm nur halb so viel als Kalk und in anderen Versuchen noch weniger zum Versuche in den Mörtel. Allein alle die Mörtelarten zu denen man die Hälfte des Kalkes vom Hammerschlag genommen hatte, und auch die, welche dem Verhältnisse nur nahe kamen, schienen dem Mörtel zu schaden: wo man aber beträchtlich weniger als die Hälfte genommen hatte, da konnte man kaum merken daß diese Einmischung den Mörtel verschlimmere, außer an der Rostgelben Farbe, die es demselben mittheilte. Die Proben dieses Mörtels mit Hammerschlag, welche an feuchten Orten waren aufgehoben worden, schienen beträchtlich härter geworden zu seyn, als ordentlicher Mörtel ohne Hammerschlag unter denselben Umständen geworden wäre. Der Hammerschlag zieht nebst der Feuchtigkeit zugleich eine beträchtliche Menge feste Luft oder Luftsäure ein, und schwillt davon sehr auf, welches die gewöhnliche Wirkung von allem Eisen ist, welches man in der Feuchtigkeit von Luftsäure sich in Rost auflösen siehet. Jedoch soll der Hammerschlag auf irgend eine Weise im Mörtel nützlich seyn, so muß derselbe kaum den achten Theil des Kalkes, und ein funfzigstel der ganzen Masse ausmachen.

Nimmt man wohlgewaschenen Colcothar, (d i. die rothe Eisenerde, die übrig bleibt, wenn man Eisenvitriol stark im Feuer calcinirt, und das Vitriolöhl davon absondert) natürlich rothen Ocher, gelben Ocher oder Eisen-Safran, und Umbra, und mischt dieselben einzeln in den Mörtel: so hat dieses nur die Wirkung des Trasses, in freyer Luft, davon schon oben gehandelt ist.

Calcinirte gepülverte Flintensteine, gefärbter Flußspath Glimmer, gefärbte Marmorarten, blauen Smalt, und andere dergleichen gefärbte Materialien, die sich aber im Wasser nie auflösen, geben dem Mörtel, in welchen sie ganz fein gerieben eingemischet sind, allerhand Farben, allein es hatten dieselben eben dieselbe Wirkung als der runde Perlsand: und hinderten die Festigkeit und Dauer des Gemäuers.

Aus allen den vorhergehenden Versuchen ist es einleuchtend, daß alle metallische Kalke, Materialien die viel Schwefel enthalten und verwitternde metallische Pulver, gar nicht wohl zu Färbung der Mörtelarten dienen können, indem sie dem Mörtel schaden, und oft in der Folge sehr garstige Farben annehmen.

Die beste Methode gewisse bloße Farben und Tinten im Mörtel zuwege zu bringen, ist die durch die gefärbten Sandarten und durch gefärbte gepülverte Gläser. Man hat goldgelben Sand, der in den Mörtel gerührt, schöne gelbe Schattirungen zuwege bringet. Nur hüte man sich, daß der Sand nicht runde Körner habe, weil dieselben wie oben gemeldet, dem Mörtel seine Dauerhaftigkeit und Stärke benehmen.

Die glänzenden Glimmerarten, schaden wenn sie in den Mörtel eingemischt werden; und lassen sich nicht bearbeiten, es sey denn daß man sehr viel mehr Kalk nehme; und denn würde derselbe Risse bekommen und bald der Feuchtigkeit in das Innere des Mörtels den Zugang eröffnen. Streuet man aber, an den frischen Mörtelanwurf einer Wand, den man mit Kalkwasser angefeuchtet hat, etwas glänzende Glimmerflittern, und drückt dieselben sanft an den Anwurf, so giebt es nicht nur ein gutes Ansehen, sondern sie bleiben an dem Anwurfe hangen, ohne dem Mörtel im Geringsten zu schaden.

Gefärbte Gläser, aber nicht zu einem ganz feinen Pulver gestoßen, (weil sie denn nicht nur dem Mörtel schaden sondern auch gar keine Farbe mehr behalten) sind die besten Materialien um in den Mörtel eingemischt zu werden und denselben zu färben, und sie bleiben eine solche Farbe ohne zu verschießen, so lange der Mörtel nur noch an der Wand hängen bleibt, unverändert.

Die Wände gewisser Zimmer pflegen zuweilen an ihren Seiten allezeit feucht und stockig zu seyn, und sind daher unangenehm und ungesund. Welches entweder daher rührt, daß die Wände mit Putz und Anwurf sind bekleidet worden, ehe dieselben noch vollkommen trocken waren; oder wenn zwischen zwey Häusern die Mauer so liegt, daß die Dachrinne entweder leck ist, oder zuweilen überläuft, und das Regenwasser sich längst den Mauern herabziehet, und zwischen der Mauer und dem Anwurfe sich herabsenket, besonders wenn der Anwurf von einer dichten Natur und sehr klarkörnig ist, und deshalb nicht ausdampfen kann; zuweilen sind auch die Ziegel und der Stein den man zum Bauen gebraucht hat, so schwammicht und locker, daß sich der Regen von außen durchzieht, und inwendig dergleichen feuchten Dampf an den Wänden verursacht. Man hat bereits allerley Mittel versucht, um diesem Uebel abzuhelfen, und man hat sogar, da man das Uebel für unheilbar hielt, angefangen von dünnem Lattwerke neue Wände in einigem Abstande von der feuchten Wand aufzuführen; wodurch man aber den Raum der Zimmer schmählerte, und das Uebel nicht heilete, sondern nur überkleisterte. Es sollte demnach ein vernünftiger Baumeister vielmehr auf Mittel sinnen, die dem Uebel ganzlich abhülfen, und die, wenn sie an Orten angewendet würden, wo man dergleichen feuchte Wände erwarten könnte, dem Uebel schon zuvor kämen.

Einige Baumeister hatten den Einfall gehabt, die Asche sowohl von Holz, Holzkohlen, als auch Steinkohlen, in den Mörtel zu mischen, um eine Materie zu haben, welche der Feuchtigkeit widerstände, den Mörtel schneller bände und erhärtete, und das Reissen und Aufbrechen desselben hinderte. Da man nun Erfahrungen mit großer Sorgfalt über diese Materien anstellte, so ergaben sich aus denselben die folgenden Resultate. 1) Alle Holzaschen enthalten außer der großen Menge von Kohlentrümmern, noch den erdichten Theil, der im Holze gewesen und der nach Verflüchtigung der wässerigen, sauren und brennbaren Theile im Brande übriggeblieben, nebst einer guten Portion alkalischen oder Laugensalzes. 2) Wäscht man den Laugensalzigen Theil durch zwey und dreymahliges Auskochen der Aschen gänzlich aus, so bleiben nur die Kohlenstäubchen und einige Theilchen übrig welche unter dem Mikroskop dieselbe Structur als die Kohlenstäubchen zeigen. Es sind nähmlich abgebrochene Bündelchen von kleinen Haarröhrchen, welche die Ueberbleibsel des Baues des Holzes anzeigen: sie sind je nachdem man eine andere Holzart zu der Asche gebraucht hat, verschieden, und also bald dichter, bald lockerer, bald steifer, bald biegsamer und elastischer. 3) Die Asche von Steinkohlen hat beynahe dieselbe Structur; es sind nur wenige Salze in derselben enthalten; es sind auch einige Trümmer von zu Kohlen gebrannten Steinkohlen darin, (denn Steinkohlen sind Lager von Hölzern, die lange unter der Erde gelegen, oder es haben sich die verbrennlichen Theile der Hölzer in einige schichtweise liegende erdige Flötze gezogen und dieselben durchdrungen; sie haben daher auch so wie die Hölzer noch Röhrchen in ihrer Structur, und nach dem Brande und der Verflüchtigung der mehresten wässerigen, sauren und brennbaren Materialien, bleiben in diesen Trümmerchen dieselben Röhrchen, nur sind sie mehr locker und des größesten Theils des Brennbaren und wässerigsauren beraubet und sind also wahre Kohlen; geht aber durch größeres Feuer, aus diesen Ueberbleibseln, auch noch das Brennbare heraus, so bleiben allein die Trümmerchen der röhrichten Structur in dem erdigen Theil übrig,) und das übrige sind Aschen. 4) Wenn man aus den Aschen, so wohl der Hölzer als der Holz- und Steinkohlen, die feinsten Aschen aussiebt, so bleibt nichts als der gröbere Theil übrig, der demnach weniger dem Mörtel schaden kann und dem groben Sande ähnlicher wird. 5) Macht man Mörtel mit diesen Aschen so fallen die Mörtel nach ihrer Güte in der folgenden Ordnung aus. a) Zuerst ausgelaugte und von der ganz feinesten Asche befreite Holzasche, b) gepülverte Kohlen von Steinkohlen, c) Holzkohlen Pulver, d) grobe Holzasche. Allein nicht ausgelaugte Holzasche, sollte nie im Mörtel gebraucht werden, weil die Salze die Feuchtigkeit der Luft anziehen, und die Laugensalze auch im Mörtel ihre feste Luft oder Luftsäure fahren lassen, und an den Kalk ansetzen, der dadurch zum Binden unfähig gemacht wird.

Die vier hergenannten Materialien, geben einen Mörtel, der geschwinder bindet, als ein solcher, der mit bloßem Sande verfertiget ist; allein er behält auch nie die Festigkeit und Härte, welche Mörtel mit bloßem Sande zu erhalten pflegt. Inwendig also, wo man nicht sehr auf den Anwurf oder Putz siehet; wo der Mörtel allezeit trocken bleibt, da könnte man diese Materialien zur Noth gebrauchen. Jedoch kommen sie demjenigen nicht bey, welches nun noch vorgeschlagen werden soll.

In großen Städten werden die Knochen, von dem vielen daselbst verzehrten Viehe sehr häufig zu haben seyn. In England und besonders in London beschäftigen sich Leute damit ausdrücklich, daß sie dieselben in allen Häusern und Straßen sammlen. Diese Knochen werden zuerst auf einer Mühle in kleine Stücke zermalmet, und denn in Wasser ausgekochet, um das darin enthaltene öhlige Fett absondern, welches man zum Seifensieden, Einschmieren der Leder und anderen Dingen gebrauchet. Denn legt man die, so vom Fette gereinigten Knochen, in eine eiserne Destillirblase, durch eine Oeffnung, die so gleich sorgfältig zugestopft wird. Die Destillirblase hat eine Röhre die durch einige Kühlfässer geht. Man giebt dem Destillirkolben allmählich mehr Feuer, bis derselbe endlich glühendroth wird, und man fährt mit der Hitze so lange fort, bis alle das flüchtige alkalische Salz, das man gemeiniglich Hirschhornsalz, oder Salvolatile nennt, ausgetrieben ist, so wie auch ein empyreumatisches Oehl, Wasser und gewisse sehr elastische unsichtbare Dämpfe oder Flüssigkeiten. Das alkalische Salz, als dasjenige, was allein brauchbar ist, wird in den Kühlgefäßen verdicket und sorgfältig aufgehoben. Die elastischen Dämpfe aber lässet man, aus einer mit Fleiß dazu angebrachten Oeffnung, weit vom Feuer, oder von der Flamme eines brennenden Lichtes, aus der Maschine an die freye Luft gehen: ließe man sie nicht heraus, so würden sie die Gefäße sprengen; und kommen sie dem Feuer nahe, so würden sie sich entzünden, und wäre in den Kühlgefäßen noch von diesem entzündbaren Sachen etwas übrig, so würde die Entzündung diesen Dämpfen dahin folgen, und wie Schießpulver die Gefäße von einander sprengen.

Die so durchs Feuer durchglüheten Knochen, da sie ohne Zuthun der äußeren Luft die Hitze ausgestanden, sind ganz verkohlet, und können noch gänzlich verbrannt werden. Allein braucht man sie als Kohlen, so läßt man das Feuer ausgehen, und die Kohlen abkühlen; da man denn die schwärzesten Stücke absondert, dieselben zu dem feinesten Pulver reibet, und als Elfenbeinschwärze brauchet. Die gröberen Theile dieses Kohlengestübes wird man in der Folge verkohltes Knochenpulver nennen. Braucht man aber die Kohlen der Knochen nicht, so öffnet man den Destillirkolben, und die feurigen Knochen werden an der Luft so brennend in eine Art von Calcinirofen gethan, wo unten die Luft frey durchstreichen kann, und hier nun brennen die Knochen so lange, bis sie ganz weiß sind. Man lieset aus den weißgebrannten Knochen, die weißesten Stücke aus, und mittelst eines Mühlsteins, der senkrecht auf einem schräg liegenden gehet, werden sie zu einem groben griesichten Pulver zerknirschet. Dies Pulver siebt man, und man verkauft es unter dem Nahmen von Beinasche oder Knochenasche; denn man verfertigt daraus Teste beym Gold- und Silberscheiden und andern metallurgischen Arbeiten. Die nicht ganz weiß gebrannten Knochen geben ein dunkelgraues Pulver, das man auch durch Beymischung der weißen Beinasche in hellgrau verwandeln kann. Die grauen Beinaschenpulver muß man sorgfältig unter einander mischen, daß diese Farbe beym Gebrauche im Mörtel einförmig ausfalle, und nicht dunkelere und hellere Flecke bekomme. Da die Beinaschen vornehmlich aus einer kalkartigen Erde bestehen, und man sie noch zu ungelöschtem Kalke machen kann, wenn man sie erst in Säuren auflöset, dann mit alkalischen Salzen niederschlägt, dann sorgfältig auswäscht und zuletzt zu Kalke brennt: so ward versucht, ob ein solcher Kalk einige Vorzüge vor dem gemeinen Kalke hätte, man fand denselben aber in allem dem Steinkalke an Güte gleich, und nicht im geringsten besser.

Allein die Beinaschen, nachdem sie durchs Sieben sowohl von den allerfeinsten, als auch den zu groben Theilen abgesondert worden sind, nennt man sortirte Beinaschen, und die sind es eigentlich, die man zu Verbesserung des Mörtels vorzüglich braucht.

Diese Beinasche dienet den Mörtel, zu dem man nach den vorigen Vorschriften nur wenig Kalk nimmt, auf mancherley Weise zu verbessern, besonders bey Anwürfen an der Außenseite der Wände; denn erstlich so kann man einen solchen Mörtel besser bearbeiten, als einen, der keine Beinasche hat; zweytens so hindern die Beinaschen das Reißen des Mörtels, und drittens so befördern sie ungemein das schnellere Erhärten des Mörtels durch die ganze Masse desselben, und da sie eine lockere poröse Structur haben, so wird viertens dadurch ein solcher Anwurf auch locker, und es kann die Luftsäure sich hinein ziehen und das Wasser verrauchen, und doch kann der Regen dem Mörtel, der schon erhärtet ist, nicht mehr schaden.

Will man also ein Gebäude gegen die Wirkungen der Sonnenhitze schnell bewahren, und gegen den Schaden vom Regen sichern, so ist es wohl gethan, daß man eben so viel sortirte Beinasche als Kalk zum Mörtel nehme; soll aber der Anwurf von wahrer Dauer, Härte und Festigkeit seyn: so muß man zu dem besten Mörtel nicht mehr als ein Viertel Beinasche zu einem Theile Kalk, und sieben Theilen groben und feinen Sandes nehmen.

Wenn man statt der sortirten weißen Beinasche verkohltes Knochenpulver, oder graue Beinasche nimmt, und sortirt das feinste stäubige Zeug vom gröbsten, und behält nur die mittlere Sorte, so haben diese Materialien dieselbe Wirkung auf den Mörtel; nur daß in dem letzten Falle die Farbe des Mörtels dadurch geändert wird. Will man demnach den Anwurf eines Gebäudes grau haben, so kann man verkohltes Knochenpulver, dunkelgraue und hellgraue Beinasche dazu gebrauchen.

Dieser Mörtel mit weißer sortirter Beinasche dient auch innerhalb eines Hauses, um die Wände von Feuchtigkeit zu befreyen, die damit behaftet sind, und man kann daselbst vornehmlich die Hälfte Beinasche zu einem Theile Kalk anwenden, oder auch mehr als die Hälfte, je nachdem die Feuchtigkeit und das Stocken der Wand sehr groß ist.

Von der Puzzolane. (Pulvis puteolanus Vitruv. *)

Die Puzzolane, deren im obigen schon einige Mahle als Beymischungsmittel zum Mörtel gedacht ist, welche die Eigenschaft besitzt, einen Cement zu machen, der schon seit undenklichen Zeiten beständig seiner Güte wegen berühmt gewesen ist, und welche die Römer, die es in der Kunst zu bauen am weitesten gebracht hatten, jederzeit als das Hauptstück und den Grund der Festigkeit ihrer Bauanlagen angesehen haben, und welche Vitruv für geschickt hielt, wundernswürdige Dinge zu bewirken, (genus pulveris, quod efficit naturaliter res admirandas), verdient unstreitig, genauer untersucht und besser gekannt zu werden.

*) S. Untersuchungen über die Puzzolane, über die Theorie vom Kalke, und über die Ursache der Härte des Mörtels. Nebst einer Anweisung zu Verfertigung verschiedener Cementarten von Puzzolane, und der Art sie zu gebrauchen, sowohl zu Bassins, Wasserleitungen, Wasserbehältern, Cisternen und anderen Arten von Wasserbauen, als auch zu Terrassen, Estrichen (Beton) und andern der freyen Luft ausgesetzten Bauanlagen. Von Herrn Faujas de Saint-Fond Steht in des Herrn A. T. von Gersdorf Abhandlung: Von der Puzzolane, und deren nützlichem Gebrauche zu allerhand Arten von Bauanlagen. Aus dem Franz. nebst einigen Anmerkungen und einem Nachtrage des Uebersetzers. Dresden 1784. 187 S. 8. mit 3 Kupftaf.

Schon vor langen Zeiten ist man begierig gewesen zu wissen, was wohl zur Benennung: pulvis puteolanus (Staub, oder Sand von Puzzoli oder Puzzolane) Anlaß hat geben können. Einige Schriftsteller, unter andern Philander, behaupteten, daß man diese Erde aus keiner andern Ursache pulvis puteolanus nannte, als weil man tiefe Löcher, wie Brunnen, absinken müßte, um sie zu gewinnen. Allein diese seichte Etymologie, die sich auf nichts gründet, kann nicht bestehen. Folgende Gründe werden die Frage entscheiden. Ein Schriftsteller des fünften Jahrhunderts, Sidonius Apollinaris, Bischof von Clermont, der die Güte und Wirksamkeit dieser Erde bey Bauanlagen unter dem Wasser in seinen Gedichten besungen hat, nennt sie pulvis Dicarcheus.*) Nun wissen wir aber aus dem Plinius, daß die Stadt Puzzoli vor sehr alten Zeiten Δικαρκεια, Dicarchia genannt ward. Man sieht also hieraus, daß pulvis Dicarcheae beym Sidonius Apollinaris, und pulvis puteolanus beym Vitruv und den alten Schriftstellern sich schlechterdings auf die Erde Puzzoli, die Puzzolane, bezieht, und daß eben von dieser Stadt, woselbst dieser vulkanische Sand zuerst mag gebraucht worden seyn, schon in sehr alten Zeiten diese Erde ihre Benennung erhalten hat.

*) Perrigis ingentem spatiosis moenibus urbem.
Quam tamen Augustam populus facit itur in aequor
Molibus, et veteres tollus nova contrahit undas.
Namque Dicarcheae translatus pulvis arenae.
Instratis solidatur aquis, durataque massa
Sustinet advectos peregrino in gurgite campos,
Sic te dispositum, spectantemque undique portus,
Vallatum pelago, terrarum commoda cingunt.

Nun wollen wir aber doch sehen, was Vitruv von der Puzzolane gesagt hat. Dieser berühmte Schriftsteller hat einen ganzen Abschnitt bloß der Untersuchung der Eigenschaften und des Ursprungs dieser Erde gewidmet. Er drückt sich im 6. Kapitel des 2. Buches seiner Baukunst folgendergestalt aus: „Es giebt auch eine Art von Stauberde, welche, ihrer Natur nach, wundernswürdige Dinge bewirkt. Sie wird in den bajanischen Gegenden und in den Gebieten der um den Berg Vesud herum gelegenen Freystädte erzeugt. Diese Stauberde mit Kalk und kleinen Steinen vermengt (commixtum cum calce et caemento) giebt nicht nur jedem andern Baue Festigkeit, sondern es werden auch die im Meere damit aufgeführten Dämme unter dem Wasser dicht und fest. Diese Erde scheint diese Eigenschaft bloß daher zu haben, weil unter diesen Bergen und in der umliegenden Gegend eine große Anzahl siedend heißer Quellen befindlich sind, die ihre Hitze bloß von dem im Innern brennenden Feuer bekommen, welches vom Schwefel, dem Alaun oder dem Erdharze hervorgebracht wird. Die Erde wird von den sie durchdringenden Dämpfen leicht gemacht, und so entsteht ein schwammichter, aller Feuchtigkeit beraubter Tufstein, und daher verhärten sich diese drey, durch die Gewalt des Feuers entstandenen Dinge, wenn man sie mit Wasser mit einander vermischt, durch die Feuchtigkeit bald, und erzeugen eine feste Masse, welche weder die Wellen des Meeres, noch die Bewegung des Wassers auflösen können.“ Im Originale lautet diese Stelle so:

„Est etiam genus pulveris, quod efficit naturaliter res admirandas. Nascitur in regionibus Bajanis et in agris municipiorum, quae sunt circa Vesuvium montem, quod commixtum cum calce et caemento non modo caeteris aedificiis praestat firmitates, sed etiam moles, quae construuntur in mari, sub aquae solidescunt; hoc autem fieri hac ratione videtur, quod sub his montibus et terra ferventes sunt fontes crebi, qui non essent si non in imo haberent aut de sulphure, aut alumine, aut bitumine ardentes maximos ignes: igitur penitus ignis et flammae vapor per intervenia permanans et ardens efficit levem eam terram, et ibi qui nascitur tophus, exugens est et sine liquore; ergo cum tres res consimili ratione, ignis vehementia formatae in unam pervenerint mixtionem, repente recepto liquore una cohaerescunt, et celeriter humore duratae solidantur; neque eas fluctus, neque vis aquae potest dissolvere.“

Ueber das Wort caementum, welches hier vorkommt, bemerkt Faujas de Saint-Fond folgendes:

Das Wort Caementum verdient hier einige Aufmerksamkeit; es bedeutet zuverlässig keinen aus Ziegeln oder Ziegelmehle verfertigten Cement. Diesen letztern nannten die Römer Signinum, wie man es im Plinius im 35. Buche, im 12. Kapitel, sehen kann. Wir wollen uns bemühen, seine wahre Bedeutung zu erforschen. Diese Sache ist nicht leicht: dieses Wort geht überhaupt auf alle Arten roher und ungehauener Steine; da es aber dergleichen sehr große, mittelmäßige, und auch sehr kleine Steine giebt, so muß man sich, so oft man es bey den alten Schriftstellern findet, bemühen, den wahren Sinn ausfindig zu machen, den sie damit haben verbinden wollen. Hier ergiebt sich der Fall zu dieser Untersuchung, weil es darauf ankommt, die Genauigkeit eines Verfahrens der Kunst zu bauen, bey den Römern, zu entdecken. Die Sache ist um so viel schwerer, da Vitruv, wider seine Gewohnheit, das Wort Cæmentum hier ohne ein anderes Beywort gebraucht, welches dessen wahre Bedeutung bestimmen konnte. Man sieht in der That, daß dieser Schriftsteller im 6. Kap. des 7. Buches, wo er der Mormorstücke erwähnt, welche man stößt, um Stuck daraus zu verfertigen, sie cæmenta marmorea nennt, woraus leicht zu schließen ist, daß das Wort caementum hier bloß gebraucht worden ist, um Abgänge oder kleine Stückchen Marmor (des recoupes, des blocailles de marbre) anzuzeigen, welche man stößt, um Stuck daraus zu verfertigen. Hieraus schließe ich nun, daß das caementum bisweilen nicht große, rohe Bruchsteine, sondern Steinstücke, kleine Steine, oder zusammengelesene Steine (des éclats de pierre, de la blocaille, du cailloutage) anzeigen soll. Nicht nur die eben angezogene Stelle, ist ein Beweis davon, sondern ich finde auch noch eine zweyte im Vitruv, welche meine Meinung unterstützt. Sie ist im 5. Kap. des 1sten Buches befindlich. Der Römische Baumeister redet von dem Grunde der Mauern und Thürme, und drückt sich hierüber folgendergestalt aus: „de ipso autem muro qua materia struatur aut perficiatur, ideo non est praefiniendum, quod in omnibus locis, quos optamus, cupias, eas non possumus habere: sed ubi sunt saxa quadrata, sive silex, sive caementum, aut coctus later, sive crudus, his erit utendum“ Alle Ausleger übersetzen saxa quadrata einstimmig, durch große nicht gehauene, sondern rohe Stücke Bruchsteine, silex durch große Kieselsteine. Caementum, welches erst nachher vorkommt, und sich in der letzten Zeile befindet, scheint auf noch kleinere Steine, als die Kieselsteine zu gehen. Ich sollte also meinen, daß man es dafür ansehen sollte, daß es kleine Steine, Lesesteine bedeuten sollte. Dieser Schluß scheint mir um so viel natürlicher zu seyn, da er sich auf den gegenwärtigen Fall anwenden läßt, in Absicht aufs caementum, welches mit dem Kalke und der Puzzolane vermischt werden soll. Man fände alsdenn bey den Römern, eine Art des Verfahrens, so man noch gegenwärtig ausübt, wenn man Mörtel von Puzzolane macht, um im Wasser zu bauen. Man wird sehen, daß im Hafen von Toulon alle Bauanlagen mit Puzzolane im Meere, caementum haben, wozu kleine Kalksteinstückchen gebraucht worden sind.

Plinius, der Naturforscher, und Seneka*) reden von der Puzzolane; jedoch lassen sie sich nicht so ausführlich darüber aus, als Vitruv.

*) Plinius drückt sich folgendergestalt aus: Quis satis miretur, pulverem appellatum in puteolanis collibus op- poni maris fluctibus, mersumque protinus fieri lapidem unum inexpugnabilem undis et fortiorem quotidie utique si Cumano misceatur caemento. Plin. Lib. XXXV. Cap. 13. Und Seneka sagt davon: Natur. quaest. Lib. III. puteolanus pulvis, si aquam attigit, saxum sit

Der Herr Ritter Hamilton hat es in seinem gelehrten Werke über den Vesuv nicht verabsäumt, von der Puzzolane zu reden. Er sagt in seinen Briefen, S. 58*): „Der Hauptbestandtheil der Tufa scheint mir jene feine verbrannte Materie zu seyn, die man Puzzolane nennt. Vitruvius rühmt sie, ihrer bindenden Eigenschaft und Nutzens wegen, als einen Kitt; man findet dergleichen nur in Ländern, wo es unterirdische Feuer giebt.“

*) S. die 1773 in 8. zu Berlin bey Haude und Spener heraus gekommene deutsche Uebersetzung dieser Briefe, unter dem Titel: Beobachtungen über den Vesuv, Aetna und andere Vulkane, S. 113.

Von den Gegenden, wo man Puzzolane findet.

In den Hügeln, an dem Fuße des Vesubs und um Neapel, findet man eine Menge Puzzolane von verschiedenen Farben. Die Italiener nennen sie Terra Puzzolana. Es giebt braune und gelbliche; auf dem Vesuv auch schwarze. Die beste von letzterer Art gräbt man zu Torre dell’ Anunziata. Graue sehr feine findet man in der Gegend von Puzzoli. In der Nähe dieses Ortes giebt es selbst einige Hügel, welche weißlichgraue Puzzolane liefern, die mit einigen alkalischen Theilchen vermischt ist, welche ein wenig mit Säuren brausen. Die braune und gelbliche Puzzolane ist sehr gemein, und findet sich fast in allen Theilen Italiens, welche die Gewalt des unterirdischen Feuers erlitten haben. Im Kirchenstaate giebt es Puzzolanen von verschiedener Beschaffenheit und Güte. Man findet in selbigem graue, gelbliche, braune, auch röthliche. Die beste in der Gegend von Rom gräbt man in dem Hügel, welcher rechts von der Via Appia liegt, nicht weit von dem Grabmahle der beyden Scipionen. Diese Puzzolane, welche eine röthliche Farbe hat, ist eine der vorzüglichsten. Die Begräbnißplätze zu Rom sind alle in eine Art von bräunlich-violetter Puzzolane, voller kleiner Schörlkrystallen, gehauen.

In Frankreich giebt es in Auvergne, Velay, Vivarais, den Gegenden von Agde, denen von Toulon, auf der Seite gegen Evenos, und denen von der Carthause von Averne in Provence, Puzzolane von verschiedener Beschaffenheit und mancherley Farben; mit einem Worte, man findet deren überhaupt in allen Ländern, wo man Spuren von Vulkanen sieht. In der Nähe der alten Oeffnungen und Feuerschlünde muß man sie suchen. Freylich ist sie nicht überall in Menge vorhanden, und findet sich öfters an solchen Stellen, zu denen man nur mit Mühe hin gelangen kann.

Von der Entstehungsart der Puzzolane.

Die Puzzolane entsteht überhaupt von den bröcklichen Trümmern der porösen Lave. Sie ist keine Asche. Die Vulkane, welche nicht mit den gewöhnlichen Feuersbrünsten verglichen werden können, lassen keine Spur von Asche nach sich, wie die vegetabilischen oder thierischen Materien. Man pflegt zwar wohl die verbrannten und zu Staube gewordenen Materien, welche durch die Auswürfe der Vulkane in die Lüfle empor geschossen werden, so wie auch die verwitterten und zu feinem Staube gewordenen Laven, Aschen zu nennen; seitdem man aber anfängt, mit aufmerksamern Augen zu sehen, und mehrere Genauigkeit und Methode in das Studium der Naturgeschichte bringt, so müssen wir nicht nur unsere falschen Begriffe, sondern auch die Worte berichtigen, welche sie auszudrücken dienten, und auf diese Art unsere Irrthümer unterhielten.

Es giebt gar keine wirkliche Asche in den Vulkanen; es giebt darin schlechterdings nichts anders, als die Materie der Lave so geschmolzen, wieder geschmolzen, calcinirt, und zu einer mürben bröcklichen Schlacke, oder einem feinen Staube geworden ist, welches Vitruv sehr wohl folgendergestalt ausgedrückt hat: penitus ignis et flammae vapor per intervenia permanans et ardens essicit levem eam terram, et ibi qui nascitur tophus, exugens est et sine liquore.

Im Dio und einigen andern alten Schriftstellern findet man, daß sie das Wort Cinis nie gebrauchten, um die zu Staube gewordenen vulkanischen Materien anzudeuten; sie bedienen sich jederzeit des ungleich passendern Ausdrucks Pulvis.

Durch eine aufmerksame Betrachtung der Puzzolane an den verschiedenen Stellen, wo sie sich findet, und durch die Untersuchung ihrer verschiedenen Lage daselbst, kann man nun schließen, daß die Natur sich verschiedener Mittel bediene, die Laven in Puzzolane zu verwandeln. Sie lassen sich vornehmlich auf folgende zurück bringen.

1) Die porösen Laven zerfallen zu Sande oder Staube, durch das wiederhohlte Reiben, dem sie im Feuerschlunde ausgesetzt sind, oder stehen eine ununterbrochene Calcination ohne Schmelzung aus, werden dadurch zerreiblich, und erzeugen eine vortreffliche Puzzolane; ihre Farbe ist gelblich, grau, schwarz, oder röthlich, je nach dem Verhältnisse der verschiedenen Abänderungen, so der darin enthaltene eisenschüssige Bestandtheil erlitten hat.

2) Die sauren schwefeligen Dämpfe, wenn sie an die härtesten Laven anschlagen, durchdringen und erweichen sie, verändern ihre schwarze Farbe in eine rothe, und machen sie zu ocherigen Puzzolanen, welche ein wenig thonig zu seyn scheinen, nichts desto weniger aber vortrefflich sind, wie es die Erfahrung bestätiget. Gemeiniglich haben sie eine ziemlich lebhafte oder gelblich dunkelrothe Farbe. In einigen Vulkanen giebt es bisweilen Dämpfe, welche so wirksam sind, daß sie nicht nur die Laven erweichen, sondern sie auch alles Eisens berauben, und sie dadurch zu einer Art von weißem Thone machen. Diese Erscheinung sieht man in der Solfatara. Eine solche Substanz wäre allzusehr verändert; der Verlust der Eisentheilchen würde sie der Kraft berauben, im Wasser zu erhärten und zu binden. „Die Eigenschaft der Puzzolane,“ sagt Herr Ferber in seinen Briefen über die Mineralogie von Italien, „rührt vermuthlich von der bindenden Kraft der Eisentheilchen her, so sie enthält.“

3) Selbst der Basalt, er sey noch so dicht und hart, wenn er sich unter gewissen Umständen Dämpfen ausgesetzt befindet, deren wahre Beschaffenheit wir, im Augenblicke des Ausbruches, genau zu erforschen, nicht die Gelegenheit haben, wird selbst in eine rothe oder graue Puzzolane verwandelt, welche sich sanft anfühlt, und von vorzüglicher Güte ist. Faujas de Saint-Fond hat in Vivarais ganze in rothe Puzzolane verwandelte Basaltlager gesehen. Diese so verwitterten Lager wurden von andern unangegriffenen und frischen Lagern eines harten schwarzen Basaltes überdeckt. Man würde sich sehr irren, wenn man sie für einen gebrannten und calcinirten Thon halten wollte. Die Besichtigung der Stellen, und verschiedene andere Umstände, beweisen es, daß es ein wahrhafter Basalt ist. Welcher durch das Feuer so verändert worden. Selbst auf dem höchsten Gipfel des vulkanischen Berges Chenavari in Vivarais, und noch an andern Stellen, in der Nachbarschaft der Feuerschlünde, findet man noch den verwitterten Basalt fest mit mit dem unveränderten verbunden, und man kann seine stufenweis zunehmende Verwitterung aufs genaueste abnehmen.

Man darf indessen die Erzeugung der Puzzolane, die jederzeit von Laven herkommt, nicht bloß auf die eben erwähnten dreyerley Wege einschränken; wir sind in der Geschichte der Begebenheiten noch so weit zurück, und wissen von dem, was in den Werkstätten der Natur vorgeht, noch so wenig, daß wir willig eingestehen müssen, daß diese Wissenschaft noch in ihrer ersten Kindheit ist.

Untersuchung der Bestandtheile der Puzzolane.

Herr Sage sagt in seinen Elémens de minéralogie: „Die Puzzolane scheint mir eine Art von Tufsteine zu seyn, wenigstens die gelbe oder röthliche, welche man im Kirchenstaate, in den Gegenden von Rom, und in andern Theilen von Italien findet; man schafft sie nach Civita Vecchia, von da sie nach Schweden, Frankreich, Holland, und verschiedenen andern Gegenden von Europa verführt wird, um durch deren Vermengung mit Kalke, einen dem Wasser undurchdringlichen Mörtel daraus zu machen. Diese Puzzolane, wenn sie einem heftigen Feuer ausgesetzt wird, erleidet die nähmlichen Veränderungen, als der Herkulanische Tufstein; nähmlich sie wird erst zu einer schwarzen zelligen Schlacke, und endlich zu einem schwarzen Glase. Herr Cronstedt hat die Puzzolane unter die Eisenerze gesetzt, wegen des Theiles, so sie von diesem Metalle enthält, eben so, wie die Basalte, von denen sie entsteht.“ – Nach Blumenbach ist die Puzzolane eine Abänderung der Tuffwacke, welche theils von vulcanischem Ursprunge, theils aus verwittertem Basalte entstanden ist.

In einem heftigen Feuer wird die Puzzolane, gerade so, wie alle andere Arten von mehr oder weniger veränderten Laven, erst zu einer Schlacke, und zuletzt zu einem schwarzen Glase.

Es gibt indessen vielerley Abänderungen von der Puzzolane.

Man muß überhaupt jede Puzzolane als das Produkt einer Lave ansehen, welche entweder durch die verschiedenen Grade der Calcination, oder durch die Macht und Verbindung der schweflich sauren Dämpfe, und der mephitischen Gasarten, welche in den Feuerheerden der brennenden Vulkane eine so wichtige Rolle spielen, mehr oder weniger verändert, mehr oder weniger zu verglaseten, schwammigen, oder in Staub zerfallenden Schlacken geworden ist. Abänderungen sind folgende:

Erste Abänderung.

Dichte bröckliche Puzzolane, Basaltartige Puzzolane: Die harte und feste Lave, der Basalt,*) welcher zu kleinen Splittern, zu bröcklichen Stückchen geworden ist, es sey nun durch irgend einen natürlichen Zufall, oder durch Kunst, indem er, vermittelst solcher Mühlen, zu Staubmehle gemacht worden ist, die denen ähnlich sind, deren sich die Holländer bedienen, um eine mürbere Lave zu zerstoßen, welche sie Traß, oder Andernachischen Cement nennen,**) kann eine vortreffliche Puzzolane geben, welche geschickt ist, in und außer dem Wasser gebraucht zu werden.

*) Diese den Griechen und Römern bekannte Benennung ist bestimmt, die schwarze, eisenfarbene, härteste und dichteste Lave zu bezeichnen, dergleichen diejenige ist, die sich in Prismen gestaltet, und die man auch in irregulairen Massen, oder in geflossenen Strömen findet; es ist der Basaltes ferrei coloris et duritiae des Plinius, im 36sten B. und dessen 7ten Kap. Es ist die erste Lave, welche die andern erzeugt die nichts als Abänderungen davon sind.

**) Man sehe das Journal de Physique des Herrn Abt Rozier, den Monath März, 1779. S. 199. woselbst sich auf der 1sten und 2ten Kupfertafel die Abbildung einer dergleichen Mühle befindet, wie sie in Dordrecht angelegt ist.

Man findet bisweilen ganze Haufen von bröcklichem Basalte, den man mit vielem Nutzen verbrauchen kann. Diese Abänderung der Puzzolane findet sich unweit Rochemaure in Vivarais.

Zweyte Abänderung.

Poröse Puzzolane, die aus schwammigen, zerreiblichen, zu Staubmehle und kleinen irregulairen Körnern gewordenen Laven entstanden ist. Dies ist die gewöhnliche Puzzolane, welche man in Menge in den Gegenden von Baja, Puzzoli, Neapel, Rom, u. s. w. findet. Der eisenschüssige Bestandtheil dieser zahlreichen Laven hat verschiedene Veränderungen erlitten, und daher die verschiedenen Farben hervorgebracht, welche man an dieser Art bemerkt; es giebt rothe, schwarze, röthliche, graue, braune, violette, u. s. w. Die porösen Laven haben nicht alle einerley Grad der Gluth erlitten, und deswegen sieht man auch welche, deren Löcher mehr oder weniger zusammen gezogen, deren Theilchen lockerer oder fester an einander hängen, und deren Masse mehr oder weniger trocken oder zerreiblich ist: einige fangen schon an zu verwittern, und sind ein wenig mehlig: allein, die einen, wie die andern, haben, wenn sie mit Kalke vermischt werden, die Eigenschaft, daß sie im Wasser geschwinde fest und hart werden. Will man bestimmen, zu welcher Abänderung irgend eine Gattung von Puzzolane gehöre? so muß man sie auf der Stelle untersuchen, oder wenigstens verschiedene Stücke davon aussuchen, die man mitten von einander bricht, um deren Gewebe, durch Hülfe eines guten Vergrößerungsglases, genau zu untersuchen

Die poröse Puzzolane findet sich gemeiniglich in unordentlichen Haufen, oder in großen Massen, die bisweilen wie geflossene Ströme gestaltet sind, in der Nähe der alten eingefallenen Feuerschlünde. Man sieht welche, die von selbst zu Staubmehle zerfallen ist, jedoch zeigt sie sich am öftersten in großen verschlackten Massen, welche noch einigermaßen fest sind, und die man mit Hämmern zerschlagen muß. Der Bruch auf dem Chenavari enthält diese Abänderung.

Dritte Abänderung.

Puzzolane deren Ursprung von weißlichen zu Staubmehle zerfallenen Bimssteinen herkommt. Es giebt dergleichen in den Gegenden von Baja. Diese Abänderung ist jedoch nicht gemein, sonderlich in den verloschenen Vulkanen, weil die meisten dieser letztern, wie man Ursache es zu vermuthen hat, vor alten Zeiten unter dem Meere gebrannt haben, und also die Ströme, indem sie diese leichte Substanz mit fortgeführt, nothwendigerweise eine große Menge davon vernichtet haben müssen.*)

*) Man muß die porösen und zelligen Laven, von den wirklichen Bimssteinen unterscheiden. Diese letztern, sie mögen grau oder weißlich seyn, schwimmen alle auf dem Wasser, und haben ein fadenartiges Gewebe, welches dem Gewebe des Asbestes ziemlich ähnlich ist.

Vierte Abänderung.

Thonige Puzzolane, von einer lebhaften rothen, einer nur röthlichen, einer gelblich-grauen, auch noch andern Farben, von einer gedrungenen und dichten, jedoch weichen Masse. Sie schließt öfters Körner oder kleine Crystalle von schwarzem, bald unverändertem, bald verändertem Schörl, bisweilen auch Nester von vulkanischem zerreiblichen Chrysolithe ein,**) hängt ein wenig an der Zunge an, und sieht einem thonigen Bolus gleich, ob sie wohl wesentlich davon unterschieden ist.

**) Hierüber sehe man den Artikel Chrysolithe des volcans, auf der 247sten u. f. Seite der Recherches sur les volcans éteints du Vivarais et du Velay, die man bey dem Buchhändler Nyon, dem ältern, auf der Straße Saint-Jean de Beauvais zu Paris findet.

Diese Puzzolane, welche bisher weder recht gekannt, noch sorgfältig beschrieben worden war, außer von Faujas de Saint-Fond, dem Verfasser der Récherches sur les volcans éteints du Vivarais & du Velay, (denn einige Naturforscher hielten sie für einen durch die Vulkane gebrannten Thon), ist vortrefflich, die Bassins damit auszuwerfen, und überhaupt zu allen Anlagen, welche Wasser einzunehmen und zu halten bestimmt sind: sie ist ohne allen Zweifel das Produkt einer dichten Lave, eines, durch die Wirkung der Schwefelsäure, oder durch andere wirkende Mittel, die uns unbekannt sind, aufgelsöeten Basalts.

Man findet diese Puzzolane fast allezeit in Schichten, zwischen geflossenen Basaltströmen, (des coulées de basalte), in der Nachbarschaft alter, ihrer Ränder beraubter Feuerschlünde, oder zwischen Schichten poröser Laven, welches nicht zu verwundern ist, weil man diese Materie nicht für einen sehr durchhitzten Thon halten muß, als welches ein unverzeihlicher Irrthum seyn würde, sondern für eine wahre veränderte Lave. Man kann sich leicht davon überzeugen, wenn man sie an Ort und Stelle betrachtet; man wird sehen: Erstlich, daß diese Materie jederzeit zwischen vulkanischen Materien mitten inne liegt; zweytens, daß ihr Gewebe dem des Basalts ähnlich ist, wenn man besonders die am wenigsten veränderten Stücke untersucht; drittens wird man sehen, daß, wenn man sie in Stücken aus dem Bruche heraus nimmt, sie auf dem Bruche fast eben solche Irregularitäten zeigt, als der Basalt, den man mit einem Hammer zerschlägt; viertens, sobald die Schichten der dichten Lave, die diese Puzzolane umgeben, häufigen Schörl enthalten, alsdenn enthält auch diese Erde selbst welchen, und der Schörl befindet sich darin in der nähmlichen Lage: wenn hingegen die angränzenden Laven Chrysolith enthalten, so enthält die Puzzolane auch dergleichen, und dieser Chrysolith hat gemeiniglich die nähmliche Veränderung erlitten, als die thonige Lave, das heißt, er ist zerreiblich geworden, ob er wohl seiner Natur nach sehr hart ist; ein Umstand, der uns eben so wichtig, als beweisend zu seyn scheinet; fünftens, die thonige Puzzolane zeigt öfters Klumpen poröser Laven, welche in den großen Stücken, die man aus dem Bruche heraus arbeitet, eingeschlossen sind; und diese porösen, an der Materie der Puzzolane anhängenden Laven, sind zum Theile in eine weiche Substanz verändert, die der Puzzolane selbst ähnlich ist. Endlich sechstens, findet man bisweilen große Stücke von dieser Puzzolane, die theils aus schwarzem und sehr harten Basalte, theils aus roher thoniger Puzzolane bestehen.

Die Puzzolane dieser Abänderung ist also, wenn man sich so ausdrücken mag, nichts, als eine Art von basaltischem Kalke, eine zum Theil ihres brennbaren Wesens beraubte dichte Lave; wir sagen, nur zum Theil, denn in diesem Zustande bewegt sie noch die Magnetnadel,*) welches anzeigt, daß sie noch metallische Theilchen behält.

*) Um diesen Versuch zu machen, muß man sich nicht eines gewöhnlichen Magnets, noch der Nadel einer Boussole, sondern eines kleinen stählernen, magnetisch gemachten Stäbchens bedienen, welches sich auf einer scharfen Spitze bewegt; nichts ist bequemer und nützlicher, als dieses Instrument, welches in ein Futteral, das einem Bleystiftfutterale ähnlich ist, gesteckt wird.

Diese Erde heißt um deswillen thonige Puzzolane, weil sie an der Zunge anhängt, und wenn man sie ins Wasser taucht, teigig und zäh unter der Hand wird; jedoch ist sie wesentlich von den gewöhnlichen Thonarten verschieden. Erstens in Ansehung des Kornes und der Gestalt der Theilchen; zweytens in Ansehung verschiedener chemischer Eigenschaften, welche hier anzuführen zu weitläuftig seyn würde, und endlich zufolge eines Vergleichungsversuches, den jeder leicht selbst nachmachen kann; man nehme eine wahre Thonart, welche es sey, durchmenge sie mit gebranntem Kalke, um nach der gewöhnlichen Art einen Mörtel davon zu machen; die Vermischung dieser beyden Substanzen wird schwer geschehen, die Materie wird an die Werkzeuge ankleben, und einen kothigen Mörtel erzeugen, welcher nie im Wasser Festigkeit erlangen, und in der Luft zerfallen wird; man wiederhohle den nähmlichen Versuch, mit eben dem Kalke und Puzzolane von dieser Abändetung; ob sie gleich dem Scheine nach thonig ist, so wird doch ihre Zähigkeit augenblicklich verschwinden, sobald sie mit dem Kalke vermischt ist, und sie wird das nähmliche bewirken, als wenn man einen lockern und bröcklichen Sand gebrauchte; der daraus werdende Mörtel wird sich nicht an die Kelle anhangen, wird im Wasser sehr hart, und einen Abputz geben, der für alle Flüssigkeiten undurchdringlich ist.

Man findet thonige Puzzolane in den Gegenden des Aetna, in verschiedenen Theilen von Italien, in Auvergne, in Velay; man betreibt einen sehr schönen Bruch von dergleichen rother, auf dem Berge Chenavari in Vivarais, oberhalb Rochemaure.

Fünfte Abänderung.

Puzzolane, die durch vulkanische Kothausbrüche entstanden ist.

Die mehresten verloschenen Vulkane, da sie ehedem unter dem Wasser gebrannt, theils auf Inseln, theils auf am Meere gelegenen festen Ländern, eröffneten sich, bey heftigen Ausbrüchen, innerliche Gänge, wodurch sie mit dem Wasser Gemeinschaft erhielten; dieses traf große Höhlungen an, worin die Luft äußerst verdünnt war, stürzte sich mit der größten Heftigkeit in selbige, wie in weite Heber, und drang mit Heftigkeit bis ins Innere der Feuerschlünde in die Höhe. Das Wasser, welches siedend heiß war, lösete die salinischen, schwefelichen und bituminösen Substanzen auf, riß die Bimssteine, die Schlacken, die in Staubmehl zerfallenen Laven, die Fritten, und überhaupt alle Körper, welche es auf seinem Wege antraf, mit sich fort, und kehrte sie gleichsam weg; diese verschiedenen Haufen wurden wechselsweise vom Wasser und Feuer verschiedentlich durchdrungen, durcharbeitet, und durch einander gemengt, und verstopften bald die Feuerschlünde, die sich ihrer nachher unter gewaltigen Stößen entledigten, und sie in langen Bächen ausspieen, welche öfters Thäler ausfüllten, oder kleine Berge hervor brachten, deren Ursprung uns beständig unbekannt bleiben würde, wenn wir nicht noch bisweilen Zeugen der nähmlichen Begebenheiten, bey den noch tobenden Vulkanen wären.

Diese unermeßlichen Kothströme sind fast die mehresten Mahle durch einen spathartigen Leim zusammen vereinigt und fest verbunden, welcher aus den kalkartigen Körpern entsteht, die die Gewässer mit sich in die Feuerheerde der Vulkane fortreißen, und die sich darin durch die Gewalt des unterirdischen Feuers, oder noch besser durch die Wirkung der Gasarten, die in einer solchen Menge aus diesen brennenden Schlünden aufsteigen, auflöseten. Man sieht öfters in den Spalten divergirende Strahlen, die aus einem Mittelpunkte ausgehen, welche die Haufen von diesen Materien zeigen, sehr artige Krystallisationen, wo sich der Spath gebildet hat, oder in Krystallen von dreyseitigen Pyramiden angeschossen ist, von der Art der muria testarum des Linné. Einige Lagen von diesen kothigen Substanzen enthalten auch bisweilen Zeolithkörner. Man sieht übrigens leicht ein, daß in den Anhäufungen dieser Materien mannigfaltige Zufälle und Abänderungen vorkommen müssen.

So oft denn also die verloschenen Vulkane Massen dieser Art zeigen werden, wird man sie mit eisernen Werkzeugen bearbeiten, und sie mit Hämmern und Pörlen zu einer Art von Sand zerschlagen lassen können, welches eine der herrlichsten Arten von Puzzolane geben wird. Wenn diese Materie durchgesiebt, und zum Verarbeiten völlig zubereitet ist, so könnte sie von ungeübten Augen für eine Art von Gewächserde angesehen werden; wenn man aber das Vergrößerungsglas dabey gebraucht, so wird man darin unterscheiden: Erstens, irreguläre Körner von hartem unverändertem Basalte; zweytens, verschiedene Stückchen von rostfarbenem Basalt, der einen gewissen Grad der Veränderung erlitten hat; drittens, kleine Nester verschieden gefärbter, mehr oder weniger durchbrannter, mehr oder weniger veränderter poröser Lave; viertens, röthliche, graue, oder fahle thonige Puzzolane; fünftens, schwarzen Schörl in Körnern, oder kleinen Krystallen; sechstens, kleine Stückchen Kalkspath, einige Kerne von Quarz, Kalkstein oder Granit, bald halb gebrannt, bald auch und zwar öfters unverändert.

Von dieser Beschaffenheit ist zum Beyspiele die schöne Puzzolane, welche oberhalb Rochemaure in Vivarais gegraben wird. Diese Abänderung besitzt einen ganz vorzüglichen Werth, da sie aus allen übrigen Arten von Puzzolanen zusammengesetzt ist, und da die darin befindlichen Kalkkörner, weit entfernt, daß sie ihrer Güte etwas benehmen sollten, sie im Gegentheil geschickter machen, im Wasser zu binden, und einen vollkommenen Mörtel zur Verfertigung der Terrassen und zu Bauanlagen unter dem Wasser zu geben.

Diese Abänderung zeigt auch bisweilen andere Zufälle, welche von Localumständen abhangen; bisweilen kann darin der Kalkspath fehlen, und durch Zeolithkörner, Stückchen Calcedon, u. s. w. ersetzt werden.

Maße und Verhältnisse zu den Cementen von Puzzolane.

Man kann die Puzzolane im Wasser, oder außer dem Wasser gebrauchen. Ob wohl deren Hauptvorzug, den man jederzeit für den nützlichsten und wichtigsten gehalten hat, sich auf ihre Eigenschaft, im Wasser zu binden, und darin einen Cement zu erzeugen, dem die Wellen nichts anzuhaben vermögend sind, ja der sogar beständig härter wird, bezieht: so hat man sie doch auch bey verschiedenen, dem Ungestüme der Witterung ausgesetzten Bauanlagen, mit vielem Vortheile gebraucht.

Die Puzzolane hat das Gute, daß der daraus zu machende Cement, gar keine schwere oder weitläuftige Behandlung erfordert. Gewiß kein geringer Vortheil! Denn wer gewohnt ist, bey Bauen die Aufsicht zu führen, kennt die Mühe sehr wohl, so man öfters hat, die leichtesten Handgriffe genau in Ausübung bringen zu lassen. Man weiß, daß die Arbeiter, wenn sie nur die geringsie Mühe erfordern, der Sache bald überdrüßig und verdrüßlich werden, und geschwind wieder in ihre ersten Fehler verfallen, welche sie, durch die Länge der Zeit dazu gewöhnt, jederzeit als das Beste anzusehen pflegen.

Hier wird der Cement oder Mörtel, er sey nun zum Gebrauche im Wasser oder in freyer Luft bestimmt, gerade so, wie jeder gewöhnliche Mörtel, verfertiget, durch die Vermischung des frisch gelöschten Kalkes mit der Puzzolane, dem Sande, und den kleinzerschlagenen Steinen, wenn es nöthig ist, in den Verhältnissen, die sogleich angegeben werden sollen, indem man Wasser darauf gießet, und alles nach der gewöhnlichen Art gut durch einander arbeitet, als wenn man einen gewöhnlichen Mörtel machte.

Verhältnisse nach dem Vitruv, bey Bauanlagen unter dem Wasser.

Ich will hier einen Theil der Stelle Vitruvs aus dem 12. Kap. des 5ten Buchs von der Baukunst anführen, worin er von den Häfen und der Maurerarbeit in dem Wasser handelt. Man wird daraus erstens die Art ersehen, wie die Römer Dämme und andere ins Meer hinaus gebaute Werke verfertigten; und zweytens, die Verhältnisse der dreyerley Materien finden, welche zur Verfertigung des Mörtels oder Cements dienten, den sie bey dieser Gelegenheit gebrauchten. Diese Stelle lautet beym Vitruv folgender Maßen:

Hier kann ich nicht unterlassen, von der bequemen Lage und Einrichtung der Seehäfen zu reden, und zu erklären, durch was für Mittel die Schiffe in selbigen vor den Stürmen beschützet werden können. Diejenigen, welche ihre Anlage der Natur selbst zu verdanken haben, welche mit Gebürgen umgeben sind, oder in die See hinauslaufende Vorgebürge haben, so ihrer natürlichen Lage nach, inwendig Krümmungen und Einbiegungen bilden, scheinen vorzügliche Vortheile zu gewähren. Denn da braucht man nur rings umher bedeckte Gänge und Schiffswerften, und aus den bedeckten Gängen Straßen nach den Markplätzen anzulegen, auch an beyden Seiten des Hafens, Thürme zu erbauen, aus denen vermittelst angebrachter Maschinen, Ketten quer über vorgezogen werden können. Wenn man aber keinen Ort hätte, der von Natur zum Schutze der Schiffe gegen die Stürme bequem wäre: so würde man wohl folgender Gestalt verfahren müssen. Wenn nicht etwa ein Strom an diesen Oertern es hinderte, und doch auf einer Seite ein guter Ankerplatz anzutreffen wäre: so müßte man auf der andern Seite, durch angelegtes Mauerwerk oder Dämme, immer weiter hineingehende Schutzwehren aufführen, und auf solche Art den Hafen endlich einschließen. Diese im Wasser aufzuführenden Werke aber können, meines Erachtens, am besten folgender Maßen zu Stande gebracht werden. Man lasse hierzu Erde aus den Gegenden, die sich von Cuma bis an das Vorgebürge der Minerva erstrecken, herbey schaffen, und verfertige einen Mörtel aus zwey Theilen dieser Erde und einem Theile Kalk. Hierauf lasse man an dem dazu bestimmten Orte, Kästen von starken Pfählen, die mit Ketten zusammen verbunden sind, in das Wasser hinab, und befestige selbige wohl. Der unterm Wasser befindliche Grund, muß hierauf vom Unrathe gereiniget, und mit eingelegten Schwellen geebnet, alsdenn Bruchstein, und der auf abbeschriebene Art gemischte Mörtel hinein geschüttet, und so lange damit fortgefahren werden, bis der zu diesem Baue bestimmte eingeschlossen Platz, ganz ausgefüllt ist. Diesen Vortheil aber haben jene Orte schon von der Natur allein erhalten, deren wir oben gedacht haben.

In dem Falle aber, wenn wegen der Fluth und des gewaltsamen Anstoßens des offenen Meeres, jene Kästen nicht haltbar gemacht werden könnten, muß von dem Erdboden oder dem Ufer selbst, ein standhaftes Lager erfertiget werden. Dieses Lager aber lege man so an, daß etwas weniger als die Hälfte wagerecht, das übrige aber gegen das Wasser zu, abhängig werde. Am Wasser hin und an den Seiten dieses Lagers, führe man eine ungefähr anderthalb Fuß starke Mauer bis zu gleicher Höhe, wie die obbemeldte Fläche des Lagers, auf, und fülle als denn den Abhang bis zur Höhe der Mauer und des Lagers, mit Sande aus, der wohl verglichen werden muß. Auf diese gleiche Fläche erbaue man alsdenn einen Pfeiler, so groß es die Umstände erfordern, und lasse denselben wenigstens zwey Monathe trocknen. Hierauf reiße man die Einfassungsmauer, die den Sand zusammenhält, weg, worauf der von der Fluth also hinweg geschlemmte Sand den Umsturz des Pfeilers ins Meer verursachen wird. Auf diese Art wird man sein Werk so weit fortsetzen, als man will.

Aus dieser Stelle folgt: daß, wenn man ins Meer bauen will, der Mörtel aus einem Theile Kalk und zweyen Theilen Puzzolane gemacht seyn müsse. Dieses Verfahren, so wirklich das beste ist, sollte überall zu einer beständigen Regel dienen. Indessen weicht man doch aus einer übel angebrachten Sparsamkeit, an solchen Orten ein wenig davon ab, wo man die Puzzolane weit her kommen lassen muß.

Nur der lebendige Kalk, wenn er recht gut ist, kann mit Nutzen bey der Verfertigung des Mörtels aus Puzzolane gebraucht werden, welcher zum Mauern unter dem Wasser bestimmt ist. Inzwischen ist es immer gut, vorher Versuche zu machen, wenn man einen Bau vorhat; und auf folgende Art kann man sie sehr leicht anstellen:

Man nehme ein Maß Kalk, womit man den Versuch machen will, und sehe ja darauf, daß er frisch gebrannt sey, lasse ihn löschen, thue zwey Maß Puzzolane, und ein halbes Maß groben Sand hinzu, welcher mit keiner Erde vermischt seyn darf. Hat man nicht Gelegenheit, dergleichen Sand zu haben, so thut man besser, ihn gar wegzulassen, als unreinen Sand darzu zu nehmen. Man füge alle dem zwey Maß Steinstückchen oder kleine Steine hinzu, deren größte Stücke nicht über eine Faust groß sind, nehme dazu Fluß-, Quell- oder Brunnenwasser, wenn es nur keine Gypstheilchen enthält, und lasse alles tüchtig durch einander arbeiten. Diesen also zubereiteten Mörtel lasse man sechs Stunden lang ruhig liegen, fülle ihn alsdenn in einen guten starken Kasten, der auf allen Seiten Löcher von drey bis vier Linien im Durchschnitt hat, damit das Wasser herauslaufen kann. Der Kasten muß eine, der Menge der Masse, womit man den Versuch anstellen will, angemessene Größe haben, deren man zwey bis drey Cubikfuß nehmen kann. Man sehe nicht nur darauf, daß der Kasten genau angefüllt werde, sondern schlage auch noch mit Gewalt mit dem Hammer, zu oberst einige ungefähr einer Faust große Steine hinein, mache alsdann den Kasten mit einem gleichfalls durchlöcherten Deckel zu, welcher mit großen Nägeln aufgenagelt werden muß, und versenke ihn hierauf ins Wasser, in einen Brunnen, in eine Lache, oder in einen Fluß, wo er drey Monathe lang stehen bleiben muß. Nach Verlauf dieser Zeit ziehe man den Kasten wieder heraus, und wenn der dazu gebrauchte Kalk gut ist, und zur Puzzolane paßt, so wird der Mörtel zu einem harten Körper und eine ganze Masse von der allergrößten Festigkeit geworden seyn, welche daß Wasser und die Zeit noch mehr verhärten würden.

Diese eben so leichte, als wenig kostbare Probe kann zu den zu machenden Versuchen sehr nützlich seyn. Man kann dadurch mit leichter Mühe die Beschaffenheit des Kalkes in dem Lande, worin man wohnt, kennen lernen. Es ist sogar rathsam, diese Probe nicht zu unterlassen, indem verschiedene, dem Ansehen nach ganz mittelmäßige und schlechte Arten von Kalk, mit dem Sande gebraucht, sehr gut gethan, und im Wasser gebunden haben, wenn man sie mit Puzzolane vermischte; woraus man sieht, wie viel diese Substanz dazu beyträgt, die Güte des Kalkes zu vermehren.

Anweisung zur Verfertigung des Mörtels aus Puzzolane, zu großen Bauanlagen im Meere.

Zwölf Theile Puzzolane.
Sechs Theile groben Sandes, ohne Erde.
Neun Theile gut gebrannten lebendigen Kalkes.
Sechs Theile kleiner Steine oder Steinstückchen.

Zubereitung des Mörtes.

Erstlich nimmt man so vielen frisch gebrannten lebendigen Kalk, als man verbrauchen will. Man breitet ihn Schicht für Schicht in die Runde aus, und umgiebt ihn mit einem zirkelförmigen Kranze von Puzzolane, um das Wasser zu erhalten; der grobe Sand und die klein zerschlagenen Steine müssen, schon abgemessen, bey der Hand seyn.

Zweytens gießt man zuerst auf den Kalk Quell-, Fluß- oder Brunnenwasser, nur muß letzteres keine Gypstheilchen enthalten. Wenn man das Wasser darauf gießet, so muß es ja nur nach und nach und zu wiederhohlten Mahlen geschehen, damit sich der Kalk langsam, aber doch stark erhitze, und sich in sehr kleine Theilchen zertheilen könne. Doch diese Methode ist allen erfahrnen Mäurern bekannt. Sie ist nothwendig. Man muß den Kalk nicht ersäufen, sagen sie, und sie haben Recht.

Drittens, sobald der Kalk sich gut zertheilet hat, gut zergangen und zu einem milchichten Teige geworden ist, muß man sogleich die Puzzolane damit vermengen, das heißt, einige Arbeiter müssen immer einmahl ums andere Puzzolane und groben Sand auf den Haufen werfen, während daß die übrigen das Ganze sorgfältig durcharbeiten müssen.

Viertens, ist dieses geschehen, so muß dieser Mörtel unverzüglich zum zweyten Mahle durchgearbeitet und die klein zerschlagenen Steine darunter gethan werden. Damit sich dieses Gemenge gut machen lasse, muß man, wenn es nöthig zu seyn scheint, noch aufs neue ein wenig Wasser hinzu gießen, und dadurch den Teig dünner machen.

Fünftens, man mache endlich aus dieser ganzen Masse einen Haufen, und lasse sie so sechs Stunden lang ruhig stehen; nach deren Verlauf kann man diesen groben Mörtel gebrauchen, und sich dessen bey Bauanlagen im Wasser bedienen, es sey beym Kästenschlagen, oder Ausfüllen, oder zu den verschiedenen, in der Kunst im Meere, oder in Strömen zu bauen, üblichen Verfahrungsarten.

Dieses Verfahren ist schon seit langer Zeit in Toulon gewöhnlich, wo man sowohl am Schiffswerfte, als auch am Hafen, sehr große Bauanlagen im Wasser sieht.

Die Puzzolane wird durch die Länge der Zeit im Wasser so hart, daß Faujas de Saint-Fond zu Toulon an einem alten im Meere aufgeführten Gebäude, der alte Thurm genannt, Mauern von Werkstücken gesehen hatte, welche das Meersalz und das Anschlagen der Wogen abgenützt und zerstört hatten; die Fugen, welche mit Puzzolane ausgestrichen waren, hatten aber widerstanden, und waren von einer außerordentlichen Härte. Sie bildeten sehr sonderbare Einfassungen, und gleichsam hervorspringende Rahmenstücke, welche anzeigten, wie weit die auswendige Seite dieser Steine hervorgegangen war. Nichts zeigt die Vortrefflichkeit der Puzzolane so sehr an, als dieses. Der Hr. Ritter Hamilton sagt von den mit Puzzolane gemachten Stücken Gemäuern, welche an dem Ufer von Puzzoli befindlich sind: Die ätzende Schärfe des Meersalzes hat sie nicht im mindesten beschädigt; vielmehr hat sie das beständige Reiben der Wogen, statt sie zu zerstören und umzustürzen, so gleich und glatt gemacht, wie Kieselsteine. Die Ueberbleibsel des alten Dammes von Puzzoli, gemeiniglich die Brücke des Caligula genannt, widerstehen seit sehr langen Zeiten dem täglichen Angriffe der Wellen; und eben der Puzzolane haben sie diese unerschütterliche Festigkeit zu verdanken.

Mörtel zu Wasserleitungen, Cisternen, Bassins, feuchten Gewölben unter der Erde, u. s. w.

Zu Anlagen dieser Art muß man einen feinen Mörtel haben, und der geschickt ist, sich gleich ziehen zu lassen. Er wird auf folgende Art verfertigt, welche nur wenig von der erstern unterschieden ist.

Ein Maß frisch gebrannten lebendigen Kalkes.
Zwey Maß Puzzolane.
Ein Maß reinen Flußsandes, ohne Erde.

Da der lebendige Kalk aus einem Lande mehr Sand und Puzzolane vertragen kann, als der aus einem andern, so müssen die Bauleute sich nach der Beschaffenheit ihres Kalkes richten, das heißt, wenn zwey Maß Puzzolane und ein Maß Sand einen zu fetten Mörtel gäben, so müßten sie in dem nähmlichen Verhältnisse die Menge der Puzzolane und des Sandes so lange vermehren, bis der Mörtel von der gehörigen Beschaffenheit wäre. Sollte hingegen deren Menge, wie sie hier angegeben, für gewisse Arten von Kalk schon zu groß seyn, so könnte man sie vermindern. Man sieht von selbst ein, daß es unmöglich ist, hierüber genaue und bestimmte Regeln zu geben, welche überhaupt auf alle Fälle passen sollten.

Auf die bekannten Umstände bey Anlegung der Bassins, und der übrigen verschiedenen Arten von Wasserbehältern, kann ich mich hier nicht weitläuftig einlassen: nur dieses ist hier anzuführen, daß man, wenn man ihnen den höchsten Grad der Festigkeit geben will, der allem Widerstand thun kann, sie ganz mit Mörtel aus Puzzolane und von Bruchsteinen, oder in deren Ermangelung, von großen Feldsteinen verfertigen müsse. Wenn das Mauerwerk dazu fertig ist, so lasse man auf dem Fußboden eine 4 ½ oder 3 Zoll dicke Lage Mörtel ausbreiten, welcher mit einer Kloppe, deren unterstes Brettchen ungefähr 1 Fuß lang und 8 Zoll breit seyn muß, recht gleich gezogen und derb geschlagen werden muß.*)

*) Dieses sehr einfache und leicht zu verfertigende Werkzeug wird aus einem Brettchen von Nußbaum- oder Eichenholze gemacht, welches aber zum wenigsten zwey und einen halben Zoll stark seyn muß, damit es sich wegen der beständigen Nässe nicht werfe, sondern immer gleich bleibe. In dem Mittelpunkte der einen großen Seite desselben, muß ein Stiel vom nähmlichen Holze senkrecht eingemacht werden.

Eben so muß das ganze Bassin rings um mit einer dünnen Lage dieses Mörtels beworfen werden, den man sorgfältig mit der Kelle gleich streichen, dieses verschiedenemal wiederhohlen, und stark mit diesem Instrumente darauf drücken muß, sobald die Masse anfängt, fest zu werden. Ist endlich der Cement hart genug, um der Kloppe zu widerstehen, so muß das Bassin, wenn es gleich noch nicht trocken ist, voll Wasser gelassen werden, als welches zur Güte der ganzen Anlage erforderlich und wesentlich ist; nur muß beym Einlassen des Wassers ins Bassin alle mögliche Vorsicht angewendet werden, daß das Wasser, indem es hineinfällt, den noch weichen Fußboden nicht beschädigen könne. Es ist aber dem Uebel leicht zuvor zu kommen. Auf diese Art wird man einen Bau zu Stande bringen, welcher nie einen Tropfen Wasser durchlassen, und welcher mit der Zeit eine durch nichts zu verändernde Härte und Festigkeit erlangen, und den stärksten und anhaltendsten Frösten widerstehen wird.

Wenn man, anstatt die Bassins ganz von Puzzolane zu machen, Gelegenhet hätte, wohlfeilere Werkstücke zu haben, die kein Wasser durchließen, und die Eigenschaft besäßen, den Frösten zu widerstehen, so könnte man wohl diese, wegen der Ersparniß vorziehen; indessen würde es doch immer nöthig seyn, die Fugen mit Mörtel von Puzzolane zu verstreichen. Uebrigens müßte man sich in sehr entlegenen Ländern befinden, wenn die Werkstücke wolhfeiler seyn sollten, als die Puzzolane, da man überhaupt bey dieser vulkanischen Substanz, in Vergleichung mit den Werkstücken, fast um die Hälfte ersparen muß.

Will man die Einfassung der Bassins von Werkstücken machen, so muß man sie mit Mörtel von Puzzolane verkitten; in diesem Falle thut man aber sehr wohl, wenn man sich bemüht, eine vorzüglich gute Art von Steinen zu bekommen; denn nichts ist unangenehmer und häßlicher in einem Garten, als der Rand eines Bassins, welcher vom Froste zerblättert und beschädiget ist. Will man diesen Uebelstand vermeiden, und den Aufwand wenigstens um die Hälfte vermindern, so braucht man nur auf die Mauer des Bassins, Mörtel von Puzzolane ungefähr 3 Zoll stark aufzutragen, und ihn eben so fest zu schlagen, als auf dem Grunde des Bassins; nur muß man ihn, sobald er der Kloppe widersteht, mit Stroh bedecken, welches ungefähr anderthalb Monathe lang, täglich feucht erhalten werden muß, indem es von Zeit zu Zeit begossen wird. Da sich dieser Theil außerhalb des Wassers befindet, so muß man die angezeigte Vorsicht gebrauchen, um die Risse und selbst die Wirkungen der Fröste zu vermeiden, indem nichts leichter zerfällt und sich zerblättert, als ein bald der Nässe, bald der Hitze und allem Ungestüme der Witterung ausgesetztes Gemäuer. Ist aber die Bedeckung eines Bassins ungefähr anderthalb Monathe lang vor dem Winde und der Sonne gesichert, so wird sie schon einen Theil ihrer Festigkeit erlangt haben, und außer aller Gefahr seyn.

Hier ist noch zu bemerken, daß, wenn man zur Zeit der größten Hitze im Sommer ein Bassin im Freyen anlegen muß, es, wegen der sehr jähligen Austrocknung des Mörtels, schlechterdings nothwendig sey, den Boden ohne Aufhören derb zu schlagen, bis er die gehörige Festigkeit erlangt habe. Auch muß man die Seiten der Mauern mit der Kelle beständig gleich streichen, um die Risse und Sprünge zu vermeiden, welche die Hitze der Sonne außerdem verursachen würde; und sollte etwa die Hitze ganz außerordentlich heftig seyn, so wäre es sogar nöthig, die ganze Anlage bisweilen anzufeuchten, welche alsdenn in sehr wenig Tagen anfangen wird, hart zu werden. Faujas de Saint-Fond hat in einem ähnlichen Falle ein sehr großes Bassin bewerfen sehen, welches den dritten Tag im Stande war, das Wasser einzunehmen. Jedoch muß man überhaupt zur Maurerarbeit die Zeit der größten Hitze nicht wählen. Die Arbeiten, welche im Frühjahre und, in etwas wärmeren Gegenden, als die des nördlichen Deutschlands, auch im Herbste gemacht werden, sind allezeit standhafter und von besserer Beschaffenheit.

Die eben angegebenen Verfahrungsarten lassen sich bey Cisternen, Wasserleitungen, feuchten Gewölben unter der Erde, und überhaupt bey allen dem Wasser ausgesetzten Anlagen anwenden. Hier zeigt sich die Puzzolane in ihrem vorzüglichsten Werthe. Ist nur der lebendige Kalk halbwege gut, so werden auch gewiß die Versuche jederzeit wohl gerathen.

Ueber die bisher nach den Erfahrungen des Herrn Faujas de Saint-Fond vorgetragene Methode, die Puzzolane bey dem Wasserbaue anzuwenden, hat ein ungenannter französischer Schriftsteller in einer eigenen Abhandlung*) noch verschiedene Bemerkungen vorgetragen, welche hier zur Vollständigkeit und zur näheren Bestimmung der Sache noch angeführt zu werden verdienen. Er gibt zuvörderst auch eine doppelte Art an, den Kalk zuzubereiten, welche man kennen muß, wenn man das folgende verstehen will.

*) Diese führt in der, in dem vorhin genannten von Gersdorfischen Werke S. 101 fl. befindlichen Uebersetzung den Titel: Abhandlung über die Art, die verschiedenen Gattungen von Puzzolane kennen zu lernen, und selbige bey Bauanlagen in und außer dem Wasser zu gebrauchen. Als eine Fortsetzung und Anhang zu des Herrn Faujas de Saint-Fond Untersuchungen über die Puzzolane.

Französische Art den Kalk zuzubereiten.

Man mache einen Kranz von Sande, oder den Materialien, die den Mörtel ausmachen sollen. Man breite den Kalk inwendig in selbigem aus, gieße zu wiederhohltenmalen und nur allmählig, Wasser darauf, bis er sich völlig aufgelöset hat, und sehe sorgfältig darauf, ihn nicht zu ersäufen: man arbeite alsdenn alles, vermittelst einer eisernen Krücke durch; und wenn die Arbeiter weder Mühe noch Zeit sparen, so wird man alsdenn einen wohl zubereiteten Mörtel haben.

Diese Methode, welche leicht auszuüben ist, kann bey großen Bauen angewendet werden, bey denen vieler Kalk erforderlich ist.

Römische Art den Kalk zuzubereiten.

Die zweyte Art, den Kalk zuzubereiten, ist diejenige, die der Hr. de la Faye wieder aufgebracht hat. Man nehme frisch gebrannten Kalk in Steinen, lasse ihn durch einen Arbeiter, mit einem scharfen oder Mäurerhammer, in Stücke eines Eyes groß zerschlagen; ein anderer Arbeiter fülle einen fein geflochtenen Korb (un panier à clairevoie) mit diesen zerschlagenen Kalkstücken, und tauche ihn völlig in eine Wanne, oder ein Faß voll Wasser, und halte ihn darin, bis das Wasser etliche Secunden lang gekocht hat; man lasse alsdenn den Korb wieder heraus heben, einige Augenblicke das Wasser davon ablaufen, und ihn alsdenn in eine leere Tonne, von verhältnißmäßiger Größe, zu der Menge Kalk, die man abzulöschen hat, ausschütten. Man muß sich wohl vorsehen, die Tonne nicht ganz anzufüllen, weil der Kalk, der im Umfange zunimmt, heraus quellen würde. Herr de la Faye räth an, die Tonne erst, wenn der Kalk aufhört zu rauchen, mit grober Leinwand, oder einer Strohmatte zu bedecken; allein, es ist vortheilhafter, sie ohne Zeitverlust mit sechs oder sieben Zoll hohem Sande zu bedecken, den man, sobald die Tonne bald voll ist, darauf wirft: die Hitze bleibt alsdenn völlig zusammen, es kann nichts ausdünsten, und der Kalk wird zu sehr feinem Staubemehle, und behält seine ganze Kraft.*) Diese Methode ist überdieß sehr bequem, um ihn mit Genauigkeit zu messen; denn man muß wissen, daß es bey dem Verfahren, wo es auf ein genaues Maß ankommt, allezeit der zu Staubmehle gewordene Kalk ist, den man gebrauchen muß; denn wenn er in Steinen gemessen würde, so würde der Umfang fast doppelt seyn.

*) Aus eigenen Versuchen, sagt der Herr von Gersdorf, scheint es mir rathsam zu seyn, den Sand noch höher daranf zu werfen, weil außerdem der sich augenblicklich darunter sehr erhitzende und aufquellende Kalk den Sand bald durchbricht, mit Gefahr für die Umstehenden herausspringt, und im Kleinen das Schauspiel eines feuerspeyenden Berges darstellt.

Verfertigung des Mörtels von Puzzolane zu großen Bauanlagen im Meere.**)

Man nehme zwölf Theile Puzzolane, sechs Theile groben Sand ohne alle Erdtheilchen, neun Theile gut gebrannten und frischen Kalk, sechs Theile klein zerschlagene Steine, oder in deren Ermangelung, festen und reinen Kiessand. (du gravier solide et pur).

**) Man sehe die eben angeführte Abhandlung S. 120.

Bey diesem Verfahren, welches man von je her in dem Hafen von Toulon ausübt, hat man hölzerne Maße, Arten von Kästen, von verschiedener Größe, die sich nach der Menge des Mörtels, welchen man verfertigen muß, richten, und der Kalk wird in Steinen abgemessen.

Erstens, breitet man den Kalk in der Runde aus, und umgiebt ihn mit einem zirkelförmigen Kranze von Puzzolane, um das Wasser aufzuhalten: die klein zerschlagenen Steine und der grobe Sand, müssen gleich darneben abgemessen bey der Hand seyn.

Zweytens, löscht man den Kalk mit Quell- Fluß- oder Brunnenwasser ein, welches jedoch keine Gypstheilchen enthalten darf, und richtet sich bey der Zubereitung des Kalkes, nach dem, was S. 255. von der französischen Art, den Kalk zuzubereiten, vorgeschrieben worden ist.

Drittens, sobald der Kalk recht zerfallen und zergangen ist, muß man ihn augenblicklich mit der Puzzolane vermengen, das heißt, die Arbeiter müssen wechselsweise Puzzolane und groben Sand auf den Kalk werfen, während daß andere alles sorgfältig durch einander mengen und durcharbeiten.

Viertens, muß man, sobald diese Operation geschehen ist, die Vermengung der klein zerschlagenen Steine oder des Kiessandes vornehmen, und den Mörtel ohne Zeitverlust mit dieser letztern Materie wieder durcharbeiten. Damit die Vermengung gehörig geschehe, so muß man den Teig dadurch dünne machen, daß man, wenn es erforderlich ist, Wasser zugießt.

Fünftens, schlägt man diesen Mörtel in Haufen, um ihn so sechs Stunden lang ruhen zu lassen; nach dieser Zeit kann man sich dessen bedienen, und ihn zu den Bauanlagen im Wasser gebrauchen, es sey nun beym Kästenschlagen, oder Ausfüllen, (par encaissement ou jettée nach Erfordern der Umstände, und den, in der Kunst unter dem Wasser zu bauen, gewöhnlichen Regeln.

Man muß darauf sehen, diesen Mörtel nicht länger als sechs und dreyßig Stunden aufzubewahren, vornähmlich im Sommer. Er würde hart werden, und einen Theil seiner Güte verliehren, wenn er wieder erweicht würde: es ist besser, nur so viel zuzubereiten, als zum Verbrauche eines Tages nöthig ist, und den folgenden Tag wieder neuen einzumachen.

Mörtel zu den Wasserleitungen, Cisternen, Bassins, feuchten Gewölben unter der Erde, u. s. w.*)

Nichts ist so leicht, als die Art, die Bassins und andere Anlagen von Puzzolane, die bestimmt sind, beständig Wasser zu enthalten, zu verfertigen. Wir wollen für Jedermann mögliche Verfahren angeben, nach Anleitung derer, die Herr Faujas zu Verfertigung der Wasserbehälter anlegte, welche er auf Terrassen von Puzzolane hat anwenden lassen, und welche den besten Erfolg gehabt haben, da sie der Strenge der Winter und der Hitze der mittäglichen Theile von Frankreich Trotz geboten haben.

*) Man sehe die angeführte Abhandlung S. 122.

Um ein Bassin, oder jede andere ähnliche Anlage, standhaft zu erbauen, muß man zweyerley Arten von Mörtel verfertigen.

Der erste Mörtel muß aus einem Maße Puzzolane, einem Maße Sand, ohne alle Erde, und einem Maße gebrannten, frischgelöschten Kalk verfertigt werden. Wenn der Kalk auf römische Art zubereitet ist, so muß er als Staub abgemessen werden, wenn er aber auf französische Art gelöscht ist, so muß er als Teig abgemessen werden, welches sehr leicht ist, indem man ihn mit Schaufeln in den Kasten füllt, welcher zum Maße dient.

Bemerkungen hierüber.

Da der erste Mörtel zu Anlegung der Bassins, Cisternen, u. s. w. bestimmt ist, so kommt sehr viel darauf an, daß der Kalk darin vollkommen zergangen sey. Der Kalk kann bisweilen nicht recht gleich gebrannt seyn, und schwer zergehen; die Arbeiter nennen ihn alsdenn faulen Kalk. Ein solcher Kalk, wenn er auch übrigens gut wäre, würde doch gefährlich seyn, wenn man ihn sogleich gebrauchte; denn die kleinsten, nicht aufgelöseten Körnchen würden bald mit Heftigkeit gegen die Mauern wirken, und selbige erschüttern, indem sie die Steine aus ihrer Stelle verrückten. Man muß also auf diesen Umstand die größte Sorgfalt verwenden, dadurch, daß man erstens den Kalk mit vieler Vorsicht löschen, zweytens den Mörtel recht tüchtig durch einander arbeiten, und drittens ihn wenigstens 24 Stunden lang ruhen läßt; ferner bemerken wir, daß man alsdenn bey der ersten Zubereitung dieses Mörtels bloß den Sand nehmen muß, indem die Puzzolane nicht eher, als an dem Tage, wo er verbraucht wird, darunter gemengt werden darf, und zwar aus dem Grunde, weil der Mörtel, da die Puzzolane dessen Austrocknung beschleunigt, während der 24 Stunden langen Ruhe allzu hart werden würde, wenn die Puzzolane damit vermengt wäre; es ist also besser, sie erst den folgenden Tag, unter nochmahligem Durcharbeiten des Mörtels, zu vermengen.

Die so beschaffene Materie ist geschickt zu Aufführung der Mauern, welche erforderlich sind, um Bassins nach den Regeln der Kunst anzulegen, die wir hier nicht angeben wollen, weil man dergleichen gute Methoden in vortrefflichen architectonischen Schriften findet; wir rathen bloß, recht ausgesuchte Steine (du moellon choisi) zu gebrauchen, keine leeren Räume in den Mauern zu lassen, und ihnen eine, der Menge des Wassers, welches die Anlagen fassen sollen, gemäße Stärke zu geben, als welche eher zu beträchtlich, als zu geringe seyn soll, wegen des Drucks des Wassers, welcher immer beträchtlich ist. Das Pflaster des Grundes vom Bassin muß von guten Materialien und Mörtel von Puzzolane verfertiget seyn, und wenn das Erdreich nicht stehend ist, (si le sol est mouvant), so darf man nicht anstehen, ein doppeltes Pflaster zu machen.

Wenn die Anlage (la charpente) des Bassins so weit vollendet ist, so ist noch übrig, es zu bewerfen und abzuputzen. Die auswendige Seite kann mit dem nähmlichen Mörtel von Puzzolane, welcher zu den Mauern gebraucht wird, beworfen und abgeputzt werden; der innerliche Anwurf aber muß mit dem folgenden Mörtel gemacht werden.

Man nehme zwey Maß Puzzolane, ein Maß recht frischen bindenden Kalk, der auf römische Art aufgelöset ist, mache einen Mörtel von diesen beyden Materien, und lasse ihn sechs Stunden lang ruhen 1 nach Verlaufe dieser Zeit arbeite man ihn nochmals aufs sorgfältigste durch, so wird man einen Mörtel haben, der geschickt ist, solche Mauern damit zu bewerfen und abzuputzen, welche bestimmt sind, beständig im Wasser zu seyn.*)

*) Eine Mauer bewerfen, heißt, den Mörtel nur grob, und ohne ihn gleich zu ziehen, darauf auftragen; abputzen, heißt, einen zweyten Mörtel auf diesen auftragen, wenn er anfängt hart zu werden, und diese zweyte Schicht muß mit dem Rücken der Kelle gleich und glatt gestrichen werden.

Wenn eben zu der Zeit, da man an seinen Wasserstücken arbeitet, die Sonne sehr brennend schiene, oder der Wind den Mörtel zu geschwind austrocknete, so muß man ja die innerlichen Mauern, nachdem man sie beworfen hat, noch an dem nähmlichen Tage abputzen, um die Risse und Sprünge zu vermeiden; wenn die Witterung im Gegentheile feucht und kühle wäre, so kann man den Abputz auf den morgenden oder übermorgenden Tag verschieben, wenn nur der Mörtel, den man dazu gebraucht, von dem nähmlichen Tage ist. Es ist unmöglich, hierüber gewisse Regeln zu bestimmen, weil die Lokalumstände, die Güte des Kalks, die Jahrszeit, unvermuthete Abänderungen veranlassen können; allein ein verständiger Uebernehmer eines solchen Baues, wenn ihm einmal die Verfertigung der verschiedenen Mörtel von Puzzolane bekannt ist, wird, wegen des Gebrauchs derselben, nie in Verlegenheit seyn.

Sobald der Abputz eines Bassins fertig ist, muß ein Mäurer genau darauf Achtung geben, um sogleich mit dem Rücken der Kelle die kleinsten Risse, welche durch das Zusammenziehen und Austrocknen des Mörtels entstehen könnten, zuzustreichen; auf diesen Umstand kann man nicht Sorgfalt genug verwenden, so lange, bis der Abputz fest geworden ist, welches nicht lange währt.

Alsdenn kann man sogleich, wenn das Bassin innerhalb der Erde erbaut, und vor dem Drucke des Wassers gesichert ist, (à l’ abri das poussées), das Wasser, im Sommer nach acht, und im Winter nach vierzehen Tagen hineinlassen: da die Puzzolane die Feuchtigkeit liebt, so kann man sie nicht zu früh mit Wasser bedecken

Wenn sich hingegen die Mauern der Wasserbehälter, Wasserleitungen u. s. w. über die Erde erheben, so muß man länger warten, und sich gedulden, bis sie im Stande sind, der Menge des hineinzulassenden Wassers zu widerstehen, und in diesem letztern Falle muß man den innerlichen Abputz mit leinenen Tüchern benetzen lassen, und unterdessen zwey bis drey Fuß Wasser hinein lassen, welche eine nützliche, ja sogar nöthige Feuchtigkeit verbreiten werden, sobald man unwandelbare Baue aufführen will.

Alles kommt also hier blos darauf an, zweyerley Mörtel zu verfertigen; den ersten aus einem Maße Sand, einem Maße Kalk, und einem Maße Puzzolane, nach der Methode, welche wir zur Aufführung starker Mauern angegeben haben; den zweyten aus zwey Maßen Puzzolane, und einem Maße frisch gebrannten, auf römische Art zubereiteten Kalkes.

Wenn man Anlagen von beträchtlicher Größe zu verfertigen hat, so kann man jedem dieser Mörtel, nach Erfordern der Umstände, ein, bisweilen auch zwey Maße klein zerschlagener Steine, oder groben Kiessandes, ohne alle Erde, zusetzen, welches nicht nur gewissen Anlagen mehrere Festigkeit giebt, sondern zugleich zu einer Ersparniß dient, weil dadurch die Masse der Materien vermehrt wird.

Dem verständigen Uebernehmer eines solchen Baues, ich wiederhohle es, kommt es zu, den ersten oder zweyten Mörtel bey verschiedenen Anlagen zu wählen, welche denen, wovon wir eben gesprochen haben, ähnlich sind.

Wenn ein Bassin, eine Wasserleitung, oder eine Cisterne völlig fertig, und das Wasser darin seyn wird: so kann es geschehen, daß man ein gelindes Durchdringen des Wassers bemerkt, welches von einigen, dem Auge unmerklichen Rissen herrührt; man sey darüber ganz ruhig, das Wasser wird bald Kalkspaththeilchen darin absetzen, welche als so viele kleine Stalagmiten dem Wasser allen Ausgang verwehren werden, und es wird hierbey höchstens auf eine Zeit von vierzehn Tagen ankommen.

Verschiedene Methoden, deren man sich bedient, die Puzzolane beym Wasserbaue zu ersetzen.

Man hat seit je her den Nutzen der Puzzolane, vornähmlich zu Bauen im Wasser, so sehr eingesehen, daß Leute, denen es an Gelegenheit fehlte, sich welche zu verschaffen, bemüht waren, ähnliche Materien an ihre Stelle zu setzen; einige haben Ofenschlacken, gewisse Arten von Eisenschlacken, Hammerschlag; andere, verschiedene mehr oder weniger gebrannte Materien, und die meisten überhaupt Ziegelmehl genommen.

Es ist gar nicht zu zweifeln, daß nicht diese durchs Feuer bearbeiteten Substanzen sehr geschickt seyn sollten, den der Nässe ausgesetzten Bauanlagen, mehrere Festigkeit zu geben, als der bloße quarzige Sand; indessen ist doch zwischen den Eigenschaften des Ziegelmehls und der Puzzolane noch ein großer Unterschied.

Es ist ziemlich allgemein für ausgemacht angenommen, daß die Römer bey ihrem Cemente Ziegelmehl gebraucht haben. Man hat es öfters aus der Farbe geschlossen. Nun sagt man, haben die meisten dieser Cemente, einem Zeitraume von funfzehn oder achtzehn Jahrhunderten widerstanden: folglich, hat man geschlossen, ist nichts so nützlich, nichts so geschickt, der Zeit zu widerstehen, als ein Cement, ein Mörtel aus Ziegelmehle. Faujas de Saint-Fond hat Gelegenheit gehabt, hierüber ziemlich genaue Untersuchungen an gewissen rothen Cementen der Alten anzustellen. Er verschaffte sich eine ziemlich zahlreiche Sammung verschiedener, aus Italien und den Gegenden von Rom gekommener Probestückchen, die von verschiedenen alten Monumenten genommen waren; allein, bey sorgfältiger Untersuchung hat er bemerkt, daß die mehresten mit wirklicher rother Puzzolane, und nicht mit Ziegelmehle gemacht sind. Man kann es leicht aus den kleinen Kügelchen poröser Lave und aus den schwarzen Schörlpunkten, so man gemeiniglich noch darin bemerkt, abnehmen. Er hat eben dergleichen Stückchen in Frankreich, in den Gegenden von Vienne, zu Orange, und zu Nismes gefunden, und bemerkt, daß sie ebenfalls mit Puzzolane gemacht waren. Einige hat er in der That mit Ziegelmehle durchmengt befunden; diese letztern waren aber auch allemal zerbrechlich und mürbe, und hatten ihre Festigkeit verlohren; da hingegen die aus Puzzolane gemachten Cemente nichts von ihrer Härte verlohren hatten, vornähmlich diejenigen, so sich in der Erde befinden, und der Nässe ausgesetzt gewesen waren.

Unter allen Methoden, die Puzzolane nachzuahmen, ist keine so sinnreich, als diejenige, welche ein Schwede ersonnen hat, um eine künstliche Puzzolane zu verfertigen, welche um deshalb für sein Vaterland sehr nützlich geworden ist, weil sie nicht nur fast die nämliche Absicht, als die aus Italien erfüllt, sondern auch wegen der weiten Entfernung und des Transportes der von Puzzoli, wohlfeiler als selbige ist, und weil sie verhindert, daß das Geld nicht aus dem Reiche geht, welches gewiß keiner der geringsten Vortheile ist, so diese Entdeckung des Herrn Bagge’ aus Gothenburg verschaffen kann. Hier ist die Art, diese Puzzolane zu verfertigen, so wie sie Herr Escaliers, Commissarius beym Seewesen, welcher mit vielem Nutzen und als ein vortrefflicher Beobachter, in diesen Theil von Norden geschickt worden war, beschrieben hat. Er sagt: „Die Schwierigkeit des Transportes, und die Kostbarkeit der Puzzolane, deren wir uns bedienen, die Mauerwerke im Wasser gegen das Wasser zu verwahren, hat einen sinnreichen Schweden angereitzt, auf Mittel zu sinnen, selbige durch Kunst zu ersetzen. Er hat überlegt, daß diese Erde, welche man aus Italien erhält, daselbst durch die Wirkungen eines Vulkans bearbeitet und gebrannt worden ist, und daß, (wenn man eine Materie fände, welche derjenigen ähnlich wäre, so die Natur in jenem Lande bearbeitet hat), es durch eine Behandlung, welche der Behandlung der Natur ähnlich wäre, möglich seyn müßte, selbige zu brennen, und eine Puzzolane daraus zu verfertigen. Er ist so glücklich gewesen, bey Wennersborg eine schwarze harte Steinart zu entdecken, davon ich dem Herrn Guettard ein Stückchen gezeigt habe, welcher mir sagte: es wäre harter Schiefer, und es gäbe dergleichen auch in Frankreich. Dieser Stein wird in Oefen fast wie der Kalk gebrannt. Beym erstenmal Brennen wird er röthlich, und behält seine Festigkeit und Härte; beym zweytenmale Brennen aber löset er sich zu einer Art von Teige auf, der sich unter Mühlsteinen, so von Pferden angetrieben werden, nach Art unserer Oehlmühlen, leicht zu Pulver machen läßt. Man hat mich versichert, daß diese Zubereitung alle Eigenschaften der Puzzolane besäße, der sie auch völlig gleich sieht, und man gebraucht sie auch als eine solche, mit dem besten Erfolge, bey den Bassins und Schleusen, so man in dieser Gegend macht, um über die Wasserfälle bey Trolläta wegfahren zu können. Diese Erfindung hat man dem Herrn Bagge’ von Gothenburg zu verdanken.“

Faujas de Saint-Fond hat die schwarze Steinart, woraus man diese Puzzolane verfertigt, sorgfältig untersucht. Sie ist nichts anders, als ein wahrer, harter, sehr reiner Schiefer, der mit Säuren nicht im mindesten aufbrauset, und sich in ziemlich dicke Blätter zu zertheilen scheint, so viel man wenigstens aus dem Probestückchen urtheilen konnte, welches Herr Escalier Herrn Faujas de Saint-Fond gegeben hat. Diese nähmliche Art von Schiefer findet sich in verschiedenen Gegenden von Frankreich. Faujas de Saint-Fond hat auch dergleichen in den Alpen und anderwärts gesehen.

Da man in Schweden diese Steinart zwey mal brennen muß, so muß dadurch viel Holz aufgehen, und diese künstliche Puzzolane kostbar werden. Es ließe sich also wohl fragen, warum man in einem Lande, wo der Thon nicht selten seyn kann, nicht das Ziegelmehl vorzöge, welches nur halb so viel kosten würde, weil sich der Thon viel leichter graben ließe, und man auch der Mühe überhohen wäre, ihn zweymal zu brennen. Diesen Gedanken hatte Faujas de Saint-Fond gleich anfänglich. Nachdem er aber die Puzzolane des Herrn Bagge’ genau untersucht hatte, so fand er, daß sie eine große Menge Eisentheilchen enthielt, die das Feuer in eine Art von röthlich braunen Kalk verwandelt; er fand deren fast so viele darin, als in der Puzzolane aus Italien und in der aus dem Vivarais. Die Eigenschaft, welche diese Materie besitzt, durch ihre Wirkungen den vulkanischen Puzzolanen ähnlich zu seyn, rührt zuverlässig von dieser Menge metallischer Theilchen her.

Indessen darf man nicht etwa glauben, daß dieser gebrannte schwedische Schiefer das nähmliche äußerliche Ansehen und das nähmliche Gewebe habe, als die gewöhnliche Puzzolane; letztere ist porös, und an gewissen schwarzen Schörlkörnen kenntlich, die man darin schimmern sieht. Auch sieht man, daß sie durch ein Feuer von einer ganz andern Natur erzeugt worden ist; da hingegen die schwedische Puzzolane einem erdichten, röthlichbraunen, festen und gar nicht porösen Steine ähnlich ist.

Von der Art, die Puzzolane außerhalb des Wassers zu gebrauchen, theils um der Luft ausgesetzte Italiänische Terrassen anzulegen, theils um in Zimmern Fußböden, mit darauf verzeichneten Abtheilungen, (carrelages en compartimens), zu verfertigen, welche nie den geringsten Staub erzeugen, und deren Festigkeit die Festigkeit solcher, welche mit Ziegeln gepflastert sind, weit übertrifft.*)

Wiewohl die vorzüglichste Eigenschaft der Puzzolane darin besteht, im Wasser zu binden, eine außerordentliche Härte darin zu erlangen, und dieserhalb den vortrefflichen und vollkommensten Cement zu machen, den wir zu den Bauanlagen im Meere, den Bassins, den Wasserleitungen, den Eisternen, und den verschiedenen Anlagen, welche bestimmt sind, Wasser einzunehmen, oder der Nässe ausgesetzt zu seyn, nur kennen: so läßt sich diese vulkanische Materie, wenn sie nur mit Beobachtung gewisser Regeln der Vorsicht gebraucht wird, doch auch bey Bauanlagen außer dem Wasser, mit vielem Nutzen anwenden; und eben hierauf hat Faujas de Saint-Fond in einer Folge von Versuchen, welche er hierüber angestellt, ganz vorzüglich sein Augenmerk gerichtet.

*) S. des Herrn Faujas de Saint-Fond oben, S. 224. genannte Abhandlung S. 87 fl.

Es ist bekannt, daß man sich in Italien der Puzzolane bedient, die Terrassen damit zu bedecken; allein da man gemeiniglich nicht diejenige Sorgfalt darauf verwendet, welche der Gebrauch und die Behandlung dieser Materie erfordert: so geschieht es öfters, daß man sich genöthigt sieht, die Operation aufs neue vorzunehmen, und die Beschädigungen wieder auszubessern, die sich von Zeit zu Zeit zeigen.

Faujas de Saint-Fond hielt demnach dafür, daß es durch Beobachtung eines ganz ungekünstelten Verfahrens, nämlich, indem er immer die Natur zur Führerinn und zum Muster nähme, möglich seyn würde, auch Werke dieser Art von der größten Festigkeit aufzuführen. Er schloß so: Die mit dem lebendigen Kalke vermengte Puzzolane bindet nach zehn Wochen im Wasser; man braucht also nur Terrassen von einem guten Mörtel von dieser Materie machen zu lassen, und sie diese ganze Zeit über angefeuchtet zu erhalten, so muß man einen festen durchaus gleichen Körper erhalten, der ungefähr eine solche Härte besitzt, als der Mörtel von Puzzolane im Wasser erhält.

Auf diesen Grund faßte er den Entschluß, in einem Saale, den er in dem untern Stockwerke seines Hauses angelegt hatte, einen Fußboden von Puzzolane machen zu lassen.

Um doch ein dauerhaftes Werk zu Stande zu bringen, verfuhr er auf folgende Art: er ließ zweyerley Arten von Mörtel verfertigen. Der erste bestand aus einem Theile lebendigen frischgelöschten Kalks, einem Theile Puzzolane aus Vivarais, einem Theile groben Flußsandes ohne Erdtheilchen, einem Theile klein zerschlagene Steine, deren größte Stücke nicht größer waren, als ein Geldstück von drey Livres.

Mit diesen verschiedenen Materien, und nach dem bereits angegebenen Verfahren, machte man einen groben Mörtel, den man auf 48 Stunden lang in Haufen schlug, um allen Kalkkörnern Zeit genug zu lassen, sich völlig aufzulösen, um das Aufstoßen (les poussées) zu vermeiden.

Der andere Mörtel, welcher zu gleicher Zeit verfertiget ward, bestand aus einem Theile frischen lebendigen Kalks, zweyen Theilen gestoßener und durchgesiebter rother Puzzolane aus Vivarais.*) Alles ward aufs Beste durch einander gearbeitet, und gleichfalls in Haufen geschlagen, um, wie der erstere Mörtel, 48 Stunden lang zu ruhen.

*) Faujas de Saint-Fond hat seitdem aus der Erfahrung gesehen, daß man von der Puzzolane etwas ersparen könne, und daß ein Theil davon hinlänglich ist, wenn man noch einen Theil feinen Flußsandes dazu thut. Der Cement wird vielmehr noch fester seyn, als von bloßer Puzzolane, sonderlich an trockenen Stellen.

Nach Verlaufe dieser Zeit ward die Grundfläche (l’ aire) seines Saales, durch eine Lage Sand von einem halben Zoll Stärke, recht gleich und völlig wagerecht gemacht, welche er mit gutem Bedachte mit verschiedenen Gießkannen voll Wasser begießen ließ, um den Boden frisch und feucht zu erhalten, als welches ein wichtiger Umstand ist. Er trug sodann auf diese Lage Sand, nach der gewöhnlichen Art, den ersten Mörtel, und auf diesen alsdenn den feinen Mörtel auf, den man mit der Kelle gleich strich, und die Fläche völlig wagerecht machte, welches man leicht bewerkstelligen kann, wenn man sich hierbey nach einem großen Richtscheite richtet.

Hierbey ist zu bemerken, daß man diesem ganzen Pflaster überhaupt eine Stärke von drey Zollen geben muß, ohne jedoch den Sand zu rechnen, und daß die obere Lage des Mörtels ja nicht über einen halben Zoll stark seyn müsse.

Dieser so aufgetragene und gut verglichene Mörtel blieb nun so lange ruhig liegen, bis er anfing ein wenig fest zu werden, welches nach zweyen Tagen erfolgte. (Bey großer Hitze muß ein Tag hinreichend seyn). Nach Verlaufe dieser Zeit fing ein Arbeiter an, dieses Pflaster mit einer solchen Kloppe, dergleichen oben S. 251. bereits erwähnt worden, derb zu schlagen, und fuhr damit sechs Tage lang zu wiederhohltenmalen fort, nähmlich täglich drey bis viermal; wobey man sich nach der stärkern oder geringern Wärme der Luft, so wie auch nach der Eigenschaft des Mörtels, welche er hat, geschwinder oder langsamer zu erhärten, richten muß. Die Arbeit des Derbschlagens muß um so weniger verabsäumt werden, da sie wesentlich und schlechterdings erforderlich ist, um den Mörtel zu binden, ihn fest zu machen, ihm die überflüssige Menge des Wassers, welches er enthält, wieder zu benehmen, und die Risse und Sprünge zu vermeiden, welche ohnedies nicht ausbleiben würden, besonders wenn die Austrocknung sehr plötzlich geschähe. Ja man muß so sorgfältig suchen die Risse zu vermeiden, daß man, wenn man nur die geringste Spur davon gewahr werden sollte, doppelt aufmerksam seyn, und ihren weitern Fortgang durch noch öfteres Derbschlagen verhindern muß.

Sobald man merkt, daß der Cement hart wird, und der Kloppe widersteht, alsdann ist die wichtigste Arbeit geschehen; und man braucht alsdenn weiter nichts zu thun, als noch das ganze Werk mit neuem und reinem Roggen- oder Weizenstrohe zu bedecken, und selbiges beständig feucht zu erhalten, indem man bisweilen einige Gießkannen voll Wasser darauf gießt.

Nach vierzehen Tagen ließ er das Stroh wieder wegnehmen, den Saal recht rein kehren, und die Abtheilungen darauf verzeichnen. Diese letzte Arbeit kann man auf eine sehr ungekünstelte und leichte Art bewerkstelligen, vermittelst verschiedener Schnuren Bindfaden, welche man horizontal auf dem Pflaster ausgespannt aufhält, und in den noch frischen Cement mit Gewalt eindrückt, indem man mit dem Ende eines Hammerstieles, sacht und zu widerhohltenmalen, auf eine Kelle schlägt, die man ganz platt auf den Bindfaden aufdrückt. Man kann durch dieses Mittel Blumenwerk (des fougéres) und andere zierliche Eintheilungen nachahmen, die sich nie austreten.

Wenn diese Arbeit vollbracht ist, so bedeckt man nochmals alles mit neuem Strohe, welches man anderthalb Monath darauf liegen läßt, und feucht erhält, wenn man sich ein vollkommenes Werk dieser Art verschaffen will. Uebrigens ist diese Zeit für Kunsterfahrne nicht zu lang, weil sie dient, ein Pflaster zu verschaffen, welches ewig dauern, im Gangen ein schönes Ansehen haben, und nie auch nur den allerfeinsten Staub verursachen wird; auch kostet es weit weniger, als eines von Ziegeln.

Da diese Art, den Fußboden eines Gemaches zu verfertigen, aufs Beste ausgefallen war, selbst über seine Erwartungen, sowohl in Absicht der Festigkeit, als auch der Zierlichkeit, so ließ er eine Italiänische Terrasse, fast in dem nähmlichen Geschmacke, verfertigen. Da aber eine Anlage von dieser Art zwar die nähmliche Festigkeit verlangt, aber nicht so viele Mühe, in Absicht der Schönheit und Zierlichkeit, verdient, so verfuhr er auf folgende Art: Er ließ nähmlich nur einen groben Mörtel verfertigen, aus einem Theile lebendigen Kalks, einem Theile groben Sandes ohne Erde, einem Theile Puzzolane, und einem Theile großer Steinstücken. Desgleichen ließ er einen zweyten Mörtel aus lebendigem Kalke, Flußsande und gewöhnlicher undurchgesiebter Puzzolane, alles in gleichen Theilen, und nach der gewöhnlichen Art verfertigen, und alles 48 Stunden lang ruhen.

Zuerst ließ er die Grundfläche (l’aire) seiner Terrasse über einem 48 Fuß langen und 24 Fuß breiten Gewölbe, eben machen, und bedeckte sie alsdenn, ungefähr ein und einen halben Zoll hoch, mit Flußsande. Diese erstere Lage hat einen doppelten Nutzen, sowohl, weil sie sehr bequem ist, um dem Boden die nöthige wagerechte Gleichheit zu geben, als auch, weil sie, wenn sie recht vom Wasser durchzogen ist, lange Zeit eine Feuchtigkeit und Kühle behält, die zur Güte der ganzen anlage sehr nützlich ist. Nachdem der Sand tüchtig war begossen worden, ließ er den groben Mörtel zwey und einen halben Zoll dick darauf tragen. Der andere Mörtel ward zugleich auf diesen aufgetragen, und alles mit der Kelle verglichen.*)

*) Man kann dem Mörtel zusammen, ohne den Sand zu rechen, drey, auch drey und einen halben Zoll Stärke geben.

Weil es damahls eben sehr heiß war, als Faujas de Saint-Fond diese Terrasse verfertigen ließ, und die Maurerarbeit in der freyen Luft sehr geschwind austrocknete, so sahe er sich genöthiget, sie schon den folgenden Tag mit der Kloppe schlagen zu lassen, und einen Mann anzustellen, welcher diese Arbeit fast drey Tage hinter einander ununterbrochen fortsetzte. Der damals herrschende Mittagswind verursachte eine so schnelle Austrocknung, daß er genöthiget war, das Werk allemal in den Augenblicken, wenn der Arbeiter aß, begießen zu lassen. Nach drey Tagen widerstand das Pflaster der Kloppe; er ließ es alsdenn mit Stroh bedecken, welches feucht erhalten ward, und acht Tage nachher ließ er große Vierecke, drey Fuß lang, und eben so breit, darauf verzeichnen, welche aufs vollkommenste große Quadersteine von Werkstücken vorstellten. Man breitete alsdenn das Stroh wieder darüber, welches man fortfuhr von Zeit zu Zeit anzufeuchten, und in weniger als drey Wochen hatte dieses Pflaster von Puzzolane eine wundernswürdige Härte erlangt; dem ungeachtet ließ er das Stroh zwey und einen halben Monath darauf liegen, und bisweilen begießen. Nach Verlaufe dieser Zeit hatte er das Vergnügen, ein Pflaster zu sehen, welches durch nichts beschädigt werden konnte, und welches geschickt war, der brennendsten Hitze der Hundstage und der strengsten Kälte des Winters zu widerstehen.

Er hatte dieser Terrasse einen ganz kleinen fast unmerklichen Abhang zum Ablaufe des Wassers geben lassen, und selbst zu einer Zeit, wo sie lange und anhaltende Regen ausgestanden hatte, konnte er unter ihrem Gewölbe, welches zur Bedeckung eines Schuppens dient, von dem er täglichen Gebrauch machte, auch nie das mindeste Durchschwitzen bemerken.

Hieraus sieht man also, daß die Güte, Zuverlässigkeit und der Nutzen der Puzzolane, zu den Bauanlagen außer dem Wasser, bewährt ist. Es ist bekannt, daß man sich ihrer in Italien seit langer Zeit zu Terrassen bedient; allein da man dabey nicht alle hier angegebenen Regeln der Vorsicht anwendet, so leicht sie auch sind, so erhält man gewiß kein Pflaster von der Festigkeit derjenigen, die Faujas de Saint-Fond hat verfertigen lassen, und welche als die ersten anzusehen sind, die in Frankreich mit inländischer Puzzolane verfertigt worden sind.

Noch einige Bemerkungen über die Terrassen und Aestriche mit Abtheilungen.*)

Man kann Terrassen auf Gewölben oder Zimmerwerken anlegen: die erstern werden mit der größten Leichtigkeit verfertigt; die andern erfordern einige Vorsicht, gerathen aber so gut, als die erstern, wenn man bey der Wahl der Materialien viele Sorgfalt anwendet, und sie möglichst standhaft verfertigt.

*) S. von Gersdorf’ s oben, S. 224 angeführte Abhandlung, S. 127 fl.

Zu dem Mörtel zu den Terrassen nehme man ein Maß Sand, ohne alle Erde, ein Maß gebrannten Kalk von der vorzüglichsten Güte, frisch und auf römische Art gelöscht, (s. oben, S. 255.) mache davon einen gut durcharbeiteten Mörtel, und lasse ihn 24 Stunden lang ruhen: nach Verlaufe dieser Zeit thue man, unter nochmaligem Durcharbeiten, ein Maß Puzzolane hinzu.

Wenn man das Dach eines Hauses als eine Terrasse anlegen will, welches vorzüglich in wärmeren Gegenden ein eben so angenehmer als nützlicher Vortheil ist, so lasse man das Zimmerwerk durch die Handwerksleute aufs tüchtigste verfertigen. Das Holz muß von vorzüglicher Güte, und die Stücke Zimmer nahe zusammen und so gelegt seyn, daß die Elasticität, so viel als möglich, vermieden werde. Man darf ihm nicht mehr Abhang geben, als zum Ablaufe des Wassers schlechterdings erforderlich ist. Ist der Abhang so geringe als möglich gemacht, so wird man ihn kaum bemerken. Man kann die Terrasse in verschiedene Abtheilungen eintheilen, nach Beschaffenheit der Größe des Flecks, und sie mit einem Geländer von gehauenen Steinen oder Eisen umgeben.

Wenn das Zimmerwerk aufgerichtet, und mit gut zusammengefügten und recht stark befestigten Bretern bedeckt ist, so breite man eine drey bis vier Linien starke Schicht Stroh darüber, bedecke dieses Stroh mit drey Zoll recht gleich gezogenem und derbgeschlagenem Sande, den man nachher mit Gießkannen tüchtig anfeuchten muß, welche Vorsicht schlechterdings erforderlich ist. Den Mörtel, dessen Zubereitung wir angegeben haben, muß man fertig bey der Hand haben: man lasse noch ein Maß, das heißt, den vierten Theil klein zerschlagene Steine, ungefähr von der Größe einer halben Faust, oder wenn diese fehlen, sehr reinen groben Kiessand, hinzu thun, alles tüchtig durcharbeiten, und mache den ersten Mörtel der Terrasse; jedoch hebe man einen Theil davon, ohne klein zerschlagene Steine, zur obern Lage auf.

Man lasse auf den wohl mit Wasser durchzogenen Sand eine ungefähr vier Zoll starke Schicht von dem Mörtel mit klein zerschlagenen Steinen werfen, welchen der Arbeiter mit der Kelle gleich ziehen muß; auf diese werfe man sogleich eine zweyte Schicht von ungefähr einem Zoll Stärke, von dem Mörtel ohne klein zerschlagene Steine, und vergleiche ihn völlig, wobey man sich nach langen hölzernen Richtscheiten richten muß, die so gesetzt werden müssen, daß sie die Fläche und Stärke der Terrasse geben. So verfahre man Theil für Theil, bis die ganze Terrasse überdeckt ist.

Man lasse nun diese ganze Anlage, im Sommer zwey oder drey, und im Winter vier oder fünf Tage ruhen, kurz, bis der Mörtel eine gewisse Festigkeit erlangt habe, und man darauf gehen könne, ohne allzusehr hinein zu treten: ist die Terrasse groß, so müssen alsdenn sogleich verschiedene Arbeiter angestellt werden, sie mit der Fig. 5489. abgebildeten Kloppe derb zu schlagen, um sie fest zu machen, und die Risse zu vermeiden. Diese Operation muß im Herbste und Frühjahre täglich zwey, und im Sommer vier oder fünfmal, und selbst noch öfter, wenn es nothwendig ist, wiederhohlt werden; denn es kann sich zu dieser Jahrszeit besonders in dem südlichen Europa manchmal ein brennender Wind ereignen, welcher den Mörtel allzu geschwind austrocknet; in diesem Falle muß man die Sorgfalt verdoppeln, unablässig derbschlagen, mit der Kelle gleich streichen, und öfters begießen, um alles feucht und kühl zu erhalten.

Wenn während daß die Terrasse noch frisch ist, ja selbst ehe sie wäre geschlagen worden, von ungefähr einiger Regen einfiele, so beunruhige man sich nicht darüber; die Oberfläche wird zwar ein wenig beschädigt werden, da jedoch die Puzzolane allen Ueberfluß des Wassers ausstößt, und doch zugleich die Feuchtigkeit liebt, so wird der Bau um desto fester, und sicher vor Rissen werden, und man wird weiter nichts thun dürfen, als diesen Aestrich aufs neue derbschlagen, und mit dem Rücken der Kelle gleich und glatt ziehen zu lassen. Sobald der Aestrich der Kloppe widersteht, so lasse man ihn einige Tage ruhen, das heißt, bis man merkt, daß er hart zu werden anfängt, gebe aber beständig sorgfältig Achtung, daß keine Risse entstehen, und begieße ihn, wenn die Witterung warm ist.

Wenn man ihn nur ganz schlecht lassen will, ohne Abtheilungen darauf zu verzeichnen, so muß man ihn, sobald er der Kloppe widersteht, mit Strohe bedecken, und auf dieses noch einen halben Zoll hoch Sand ausbreiten, den man von Zeit zu Zeit begießen muß, damit er immer so kühle bleibe, als es nöthig ist; denn jemehr er angefeuchtet wird, desto vollkommener und unwandelbarer wird er werden. Wenn man aber gern rautenförmige Vierecke, oder große Quadrate, so Platten vorstellen sollen, darauf verzeichnen will, so muß man gerade den Augenblick benutzen, wo er Festigkeit genug erlangt hat, den Eindruck einer kleinen Leine zu behalten, die man mit Gewalt hineindrückt, indem man sie darauf hält, und sodann mit der Kloppe darauf schlägt.

Vermittelst eines starken Bindfadens kann man mit der größten Leichtigkeit, und auf eine so ungekünstelte, als vielfältige Art, die Abtheilungen einer Terrasse machen. Zwey Handlanger und ein Meister sind zu dieser Operation hinlänglich; der Meister bemerkt durch ein Richtscheit, an den Enden der Terrasse, die Entfernungen der Quadrate, oder der Rauten, und bezeichnet sie durch einen Strich mit schwarzer Kreide, welcher Strich jedoch bloß auf den Rändern der Terrasse gemacht werden muß, und bloß denen, welche die ausgespannten Bindfäden anhalten sollen, zum Zeichen dienen.

Ist dies geschehen, so halten die Handlanger einen runden, gut gezwisteten Bindfaden, von recht gleicher Stärke, scharf angespannt, auf die gehörigen Punkte fest auf, worauf der Meister mit der Kloppe, von oben nieder, und ja recht senkrecht, auf den angespannten Bindfaden schlägt. Ein einziger Schlag wird hinlänglich seyn, ihn in den Mörtel einzudrücken, wo er seinen Abdruck lassen, und sich abdrücken wird, ohne daß das Geringste ausspringen wird. Man wird so immer der ganzen Länge des Fadens nach, darauf schlagen, und ja sorgfältig seyn, den Faden jedesmal ganz leicht aufzuheben, wenn man ihn wegnehmen muß, um neue Linien zu machen. Wenn man auf diese Art verfährt, so wird die größte Terrasse geschwind abgetheilt seyn. Dieses Verfahren ist Fig. 5490 abgebildet.

Sobald die Abtheilungen auf der Terrasse verzeichnet sind, muß sie wieder mit Stroh bedeckt werden, auf welches man wider eine, einen Zoll starke Schicht Sand ausbreitet: das Stroh dient dazu, den Aestrich vorm Aufreißen zu verwahren; der Sand erhält ihn feucht, und beschützt ihn wider die Wirkungen der Luft und Sonne. Diese Bedeckung, welche von Zeit zu Zeit begossen werden muß, kann im Sommer nach einem, und im Frühjahre und Herbste nach zwey Monathen weggenommen werden. Diese Geduld, welche in der That nicht zu lange währt, dient, der ganzen Anlage die größte Festigkeit und ein hübsches Ansehen zu verschaffen: übrigens kann man auf der Terrasse gehen, und sich ihrer so bedienen, als wenn sie ihren äußersten Grad von Härte erlangt hätte, wenn man nur nicht schwere Lasten mit Gewalt darauf fallen läßt. Gemeiniglich geschieht es, daß das Stroh, indem es fault, eine Rostfarbe absetzt, welche den Aestrich beschmutzt, ihm aber übrigens im geringsten nichts schadet. Man kann ihm seine erste Farbe sehr leicht widergeben, wenn man frisch gebrannten Kalk einlöscht, und eine dünne kalkige Milch davon macht, worunter man eine hinlängliche Menge rothe durchgesiebte Puzzolane mischt: man überstreiche mit einem Pinsel, mit dieser Art von Freskofarbe, den Aestrich ein oder zweymal, so wird er dadurch eine angenehme und feste Farbe bekommen. Dies muß geschehen, wenn man das Stroh davon wegnimmt.

Man sieht leicht ein, daß das Verfahren, welches wir eben zu den Terrassen angegeben haben, sich auch leicht bey den Aestrichen mit Abtheilungen der untern Gemächer und des Erdgeschosses anwenden lasse, und daß es alsdenn bloß darauf ankommt, daß man die erste Schicht Stroh und Sand wegläßt, besonders wenn der Aestrich auf die Erde zu liegen kommt. Jemehr das Gemach, welches mit einem Aestriche versehen werden soll, der Feuchtigkeit ausgesetzt seyn wird, desto fester wird selbiger, und der Ort gesund werden; denn die Puzzolane wird nie die mindeste Ausdünstung durchlassen, weil sie die Eigenschaft besitzt, das Wasser einzuziehen und anzunehmen.

Die vorzüglichste unter allen bekannten Arten von Puzzolanen, zu Terrassen und Aestrichen mit Abtheilungen, ist unstreitig die grauliche Puzzolane von Rochemaure in Vivarais, aus dem Bruche von Chabane, welche die aus Italien weit übertrifft. Die hier unten beygefügte Vergleichungstabelle läßt hierüber keinen Zweifel übrig: sie ist auf leichte und gar nicht kostbare Versuche gegründet, die jeder nachmachen kann.

Man nehme ein Maß frisch gebrannten Kalk in Steinen, lasse ihn auf römische Art einlöschen, thue zwey Maß graue oder röthliche Puzzolane aus Italien, und ein Maß klein zerschlagene Steine, oder groben Kiessand hinzu, vermenge alles nach der angegebenen Art, lasse es sechs Stunden lang ruhen, arbeite es aufs neue durch, und fülle mit diesem Mörtel ein kleines Kästchen, oder eine Schachtel von sechs Cubikzollen, welche auf allen Seiten durchlöchert ist.

Man mache die nämliche Operation mit den Puzzolanen von einer lebhaften rothen Farbe, von röthlich-grauer Farbe von Chenavari, und mit der graulichen von Rochemaure, aus dem Bruche von Chabane; mache davon so viele abgesonderte Portionen, thue sie in sechszollige Kästchen, bedecke sie mit einem durchlöcherten Bretchen, welches man nicht einmal nöthig hat, zuzunageln, sondern bloß mit einem Stricke zubinden darf. Man numerire die Kästchen, und versenke sie sogleich auf den Grund eines Bassins, worin sich Wasser genug befinden muß, daß sie beständig zum wenigsten mit sechs Zollen bedeckt seyn; man setze sie so, daß man sie, wenn man will, heraus nehmen könne, und schreibe den Tag und die Stunde der Operation auf. Wenn der Kalk recht gut ist, so wird man die folgende Vergleichungstabelle erhalten.

Röthliche Puzzolane aus Italien.

Dergleichen graue.

Puzzolane von Chenavari, in Vivarais, von einer lebhaften rothen Farbe.

Dergleichen von röthlich-grauer Farbe.        

6ter Tag. Diese drey Abänderungen haben, den 6ten Tag aus dem Wasser gezogen, noch keine Festigkeit erlangt, man drückt den Finger mit der größten Leichtigkeit hinein.

12ter Tag. Den 12ten Tag fangen sie an, auf der Oberfläche eine gelinde Härte anzunchmen, der Finger empfindet einen merklichen Widerstand, drückt sich aber doch ohne Gewalt ein.

24ster Tag. Den 24sten Tag fangen sie an ungefähr so hart zu seyn, als die graue Puzzolane von Rochemaure, aus dem Bruche von Chabane ist, wenn sie am 6ten Tage heraus gezogen wird. 30ster Tag. Den 30sten Tag fangen diese Puzzolanen an, eine ziemliche Härte zu erlangen, der Finger läßt sich nicht mehr eindrücken, was für Gewalt man auch gebrauche.

Grauliche Puzzolane von Rochemaure, in Vivarais, aus dem Bruche von Chabane; man sehe die 5te Abänderung (oben, S. 240 fl.).

6ter Tag. Den 6ten Tag aus dem Wasser gezogen, ist sie auf der Oberfläche schon von merklicher Härte; sie widersteht unter dem Finger, und man kann diesen, bloß wenn man ihn stark aufsetzt, eindrücken.

12ter Tag. Den 12ten Tag ist der Widerstand doppelt, der Finger läßt sich nicht mehr eindrücken.

18ter Tag. Den 18ten Tag ist die Härte etwas größer, doch giebt die Rinde unter dem Finger nach.        18ter Tag. Den 18ten Tag ist sie noch härter, und fängt an zu klingen, wenn man mit einem harten Körper, als z. B. einem Bretchen von Holze darauf schlät.

24ster Tag. Den 24sten Tag wird die Härte immer größer, nimmt immer zu, und dringt tiefer in die Masse hinein. 30ster Tag. Den 30sten Tag ist sie so hart, als es die graue oder röthliche Puzzolane aus Italien, und die beyden andern Arten von Vivarais, nach zwey und einem halben Monathe seyn würden.

Diese Versuche, welche von der größten Genauigkeit sind, können vielleicht unter den Händen derer, die sich damit beschäfftigen wollen, sie nachzumachen, einige kleine Abänderungen erleiden, sowohl in Absicht der Güte des Kalks, des Grades seines Brennens, als auch in Absicht den Mörtel zuzubereiten, jedoch wird der Unterschied nicht über zweyen oder drey Tage betragen, und die Zunahmen werden im nähmlichen Verhältnisse geschehen.

. . .

pp. 374–377

(Abhandlungen über den Mörtel)

Außer den in diesem Artikel schon genannten Schriften sind noch folgende größere oder kleinere Abhandlungen über den Mörtel und dessen verschiedene Bereitungsart zu merken.

Abildgaard de praeparatione Calcis pro aedificiis; in Thes. oec. Dan. Tom. I. p. 283.

Anderson (B. Q.) Versuch mit Terra Puzzolane und Cement. Schwed. Abh. 34. B. 27 S.

F. L. Aster gesammelte Nachrichten von dem in den niederländischen Provinzen gebräuchlichen Cemente aus Trasse und Andernachschem Tuffsteine. Dresd. und Leipz. 1773. 8. pl. 2. A. D. B. XXIV. 145. Ejusd. Gesammelte Nachrichten von dem Verfahren der Holländer, wenn sie wasserdichtes Mauerwerk machen. Dresden und Leipzig 1774. 8. pl. 2. tab. aen. 2. Beckmann ökon. physik. Bibl. 5. Band, S. 469. A. D. Bibl. XXVI. 219. und LVIII. 139. Ziegel und Traß sind die Materialien.

Beantwortung der Frage der Societät der Wissenschaften zu Göttingen: wie der Mauerkalk am besten zuzubereiten sey, daß er Wind und Wetter am längsten widerstehe. Von Jacobi. Hannöv. nützl. Samml. 1775. Stück 79. 80. 81. 101. 102.

Beantwortung der von der Königl. – Soc. zu Göttingen aufgegebenen Frage: wie ist der Mauerkalk zuzubereiten? Schrebers Samml. 3. Theil S. 111.

Bemerkungen über den Mörtel und über den Kalk, in so fern er zum Mörtel gebraucht wird. Göttinger gemeinnützige Abh. 1775. S. 115.

Beytrag und nöthige Erinnerungen vom Mauerkalk, auch ob es gegründet sey, daß die lieben Alten in Bereitung des Mörtels oder Mauerspeise eine andere und bessere Wissenschaft sollten beseßen haben, als die Mäurer gegenwärtiger Zeit; von Brockel. Hannöverische nützliche Samml. 1758. St. 79.

Carrey Nachricht von dem Mörtel, den man zum Wasserbau unter dem Nahmen Cendrée de Tournay braucht; in Roziers Obs. sur la Phys. 1771. Nov. p. 212. Beckm. Bibl. 5. B. S. 114.

Eine leichte und wohlfeile Art, wie man in Anjou, den Kalkstein und Marmor zum allerbesten Bindekalke brennet. Phys. ökon. Patriot, 3. Th. S. 325; neues Hamb. Magaz. 111. St. S. 284.

Erinnerungen vom Mauerkalke; aus dem Hannöv. Samml. 1759. 79. Stück; in den Stuttg. ökonom. Ausz. 2. B. S. 517.

De la Faye Recherches sur la praeparation que les Romains donnoient a la Chaux, dont ils se servoient pour leur constructions etc. à Paris 1777. 8.

P. A. Gadd Versuche mit Mörtel und Cementarten. Schwed. Abhand. 32. B. S. 192. Hieraus in Crell’ s chemischem Journale, 2. Th. S. 177. S. auch Gothaische Handlungszeit. 1795. S. 388.

Glencke über den Mörtel des Herrn Loriot; aus dem Journal des Scav. 1774. S. 86; im Hannöv. Magaz. 1777. S. 746.

Herzberg (F. W.) über den Mörtel der patriot. Gesellschaft in Schlesien; neue ökonom. Nachr. 1. B. 1780 S. 91.

Huth (J. C.) von der Festigkeit des alten Mauerwerks und Zubereitung des Kalks. Halberstadt, 1777. 8. A. D. B. XXXVI. 182.

Jacobi (C. G.) Beantwortung der von der Societät der Wissenschaften in Göttingen aufgegebenen Frage: Wie ist der Mauerkalk zuzubereiten, daß er dem Winter und Wetter am längsten widerstehe? Hannöv. nützl. Samml. v. J. 1755. 79 – 81. Stück. Erweiterte Beantwortung der vorigen Frage, nebst einer Zeichnung von den Kalköfen und Hütten; Schreber’ s Samml. 3ter Th. Halle 1758. S. 111 fl.

Kalk (von dem) und dessen Zubereitung zur Mauerarbeit; Select. phys. oec. 3. Th. S. 62.

Kling (J. P.) freundschaftliche Unterredung nebst einer Anleitung unauflösliche Mauerspeise oder Mörtel zu machen. Manheim 1779. 8.

Loriot’ s Abhandl. über eine neue Art von Mörtel; aus dem Französischen mit Anmerk. Bern. Typog. Ges. 1775. 8. 3 B. A. D. B. XXVII. 518. – Vorschrift zu einem Mörtel; aus Rozier Obs. T. 3. Mars. p. 233; in Crell’ s chem. Annal. 2. B. S. 539.

Mallet Cement zum Wasserbau. Schwed. Abhandl. 35. B. S. 273.

Mauerkalk (vom) und wie daraus ein dauerhafter Mörtel zu bereiten. Hannöv. nützl. Samml. 1757. St. 88.

Memoire sur une decouverte dans l’ art de batirfaite par le Sr. Loriot. à Paris 1774 8maj. 54 S. Beckmann’ s Bibl. 6. B. S. 172.

Mohren (der) Art und Weise, festen und dauerhaften Mörtel zu machen; Hamburg. Magaz. T. 20. p. 574.

Morveau (de) über den Mörtel des Hrn. Loriot; in Rozier Obs. T. 4. p. 416.

Reue Methode unauflösliche Mörtel und Kitte zu machen; aus dem Französ. übersetzt mit Anmerk. Wien, Bader 1775. 8. 2 B. Enthält zwey Schriften: 1) Loriot’ s; 2) Brief des Herrn Patte über Loriot’ s Bereitung. A. D. Bibl. XXVII. 516.

Neuenhahn, wie der Mauerkalk dauerhaft zubereitet werden könne; in dessen vermischten Schriften, 2. Th. No. 4.

Pyke (J.) Nachricht, wie der beste Mörtel zu Madras in Ostindien gemacht wird. Hamb. Magaz. Tom. 4. p. 371. Phil. Transact. No. 422.

Rinmann Untersuchung vom Cement zum Wasserbaue. Schwed. Abhandl. 35. B. S. 90. 95. 273. 278. Crell’ s chem. Entdeckungen, 1. Th. S. 93 und 102.

Skoge, Kitt, den weder Feuer noch Wasser verzehrt noch auflöset. Schwed. Abh. 35. B. 90.

Ueber den Kalkmörtel; in Huths Mag. der Bauk. 1. B. 2. Theil, 1790.

Untersuchung vom Cement. Schwed. Abh. 35. Bd. S. 95.

Von Zubereitung des Mörtels bey den Ostindianern, von einer aus der Kokos-Palme gemachten Latwerge. In Huths Magazin der Baukunst, 1. Th. 2. Bd. 1790. S. 258.

Von Zubereitung verschiedener Arten von Mörtel; aus de la Faye Recherches; im Hannöv. Mag. 1777. S. 1394.

Werner (J. L.) Abh. vom Mörtel; Crell’ s chem. Annal. 2. B. 8. St. No. 2.

Wie der Mauerkalk am besten zu bereiten ist, daß er im Wind und Wetter am längsten halte; Schl. ökonom. Samml. 1ster Th. S. 401. Samml. ökon. Anmerk. S. 38. Anmerk. darüber; Schles. ökon. Samml. 1. Th. S. 404.

Wie der Mauerkalk am besten zu bereiten sey, den Inhalt verschiedener der Königl. Gesellschaft zu Göttingen eingereichten Schriften, lieset man in den Göttinger gel. Anzeig. 1755. S. 1053.

Von Cancrin’ s Baukunst. S. 39.

Desselben Abh. vom Gebrauche des Gypses und Lederkalkes; im 3ten Theile seiner kleinen technol. Werke.

Landesherrliche Vorschrift zur Verfertigung eines guten Mörtels. S. Journal v. u. f. Deutschland. 1792. 11. St. S. 936. Reichsanzeiger. 1792. 2. B. Col. 581 – 582. (Die Badensche Verordnung. Zu dem gemeinen Kalkmörtel ist 1/3 abgelöschten Kalk und 2/3 Sand vorgeschrieben, welches nach den im Anfange dieses Artikels gegebenen Regeln kein gutes Verhältniß ist. Es wird in dieser Verordnung auch Anleitung zu dem Wassermörtel gegeben.)

Rückerschild neue Art, alte Holzgebäude zu berappen. S. von Crell’ s chem. Entdeckungen. VIII. 182. Nachricht für den Nahrungsstand, 1783, S. 95.

Halberstädtische Neue gemeinnützige Blätter. 1792, No. 20.

Belidor Architect. hydraul. II. Th. I. B. § 307 fl.

Langens wirthschaftliche Bauart auf dem Lande, S. 270.

Voch’ s Baupraktik, S. 48.

Jester’ s Civilbaukunst, S. 173.