Krünitz – Floerke 1806/CIII

Johann Georg Krünitz – Heinrich Gustav Floerke (ed.), Johann Georg Krünitz’s ökonomisch-technologische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft, und der Kunst-Geschichte, in alphabetischer Ordnung CIII (Nudelbäcker–October), Berlin [Joachim Pauli] 1806.


pp. 626–629

Ocher

Ocher, eine metallische Erde, welche aus reinen, durch die Säure aufgelöseten oder occidirten Metallen entsteht, und nach Verschiedenheit der Metalle von verschiedenen Farben ist. Der Eisenocher, welcher gelb, braun und röthlich von Farbe ist, und wohin auch der Rost gehört. Der Kupferocher, wohin das Kupfergrün, der Grünspan, der Kobaltbeschlag etc. gehören. Der Bleyocher, welcher am häufigsten Bleyweiß genannt wird etc.*)

*) In den harten Sprecharten Ocker, Oker, Franz. Ochre, Ocre. Es ist aus dem Lat. Ochra und Griech. ωχρα entlehnt. Die Schreibart Occher ist unrichtig, weil das ch im Deutschen zwischen zwey Vokalen ohnehin schon doppelt ausgesprochen wird.

In engerer Bedeutung ist der Ocher eine milde eisenhaltige Erdart, von dunkelgelber aus citrongelb und braun gemischter Farbe, welche in den Bley- und Kupferbergwerken angetroffen, von den Mahlern gebraucht, und auch Berggelb genannt wird, wie denn der Eisenocher überhaupt vorzugsweise unter dem Nahmen des Ochers verstanden wird. Man findet ihn bald von ganz blaßgelber, bald dunkelgelber, bald rother und bald ganz dunkelbrauner Farbe, so, daß er von dem hellesten Lichtgelb, bis zur tiefen dunkelbraunen Röthe aufsteigt, wie denn auch derjenige, der nicht von Natur roth ist, im Feuer allemahl roth wird. Seiner Consistenz nach, ist er manchmahl ganz zart anzufühlen und pulverartig, manchmahl brüchig oder rindenartig, und besteht aus über einander liegenden Schalen und ist manchmahl ganz derb oder compact und steinartig. Nach dieser Verschiedenheit seiner Farben und Consistenz erhält er denn auch verschiedene Benennungen. Denn ist er von gelber Farbe, er mag im übrigen locker oder hart seyn, so heißt er gelber Ocher, Ochergelb, Berggelb, gelbe Erde, oder auch von seinem unten zu bestimmenden Gebrauch, Kollerfarbe, und, wenn er fast ganz safrangelb aussieht, wie er zuweilen in Steinen gefunden wird, Steinmärgel oder Seeschaum. Gewissermaßen gehört auch der Trippel mit unter die Arten des gelben Ochers. Hat der Ocher eine braune Farbe, so nennt man ihn braunen Ocher. Der braune Ocher wird im Feuer dunkler, er färbt die Hände, und hat seine braune Farbe von einer fremden Einmischung. Ist seine Farbe halb roth, so heißt er rother Ocher, und zwar insbesondere, wenn seine Consistenz pulverartig ist, Bräune; wenn aber solche nur etwas lose und körnig wie Pulver ist, brauner Eisenmulm. Ist er hart, zäh, dunkelroth, mit Thon vermischt, fett anzufühlen und zum Schreiben dienlich, so wird er Röthelkreide oder Rothstein genannt.

Man findet aber den Ocher nicht nur um die Metalle und bey den Metallen, sondern auch wohl in eigenen großen Adern; desgleichen bey den eisenhaften Sauerbrunnen; ferner bey den Stollenmundlöchern, in versteinertem Holze, als Lehmen, in den sogenannten Adlersteinen; desgleichen in verschiedenem gefärbten Sande, aus dem er durch Ausschlemmen abgesondert werden kann etc. Wo man ihn in Menge findet, wie z. B. in vielen deutschen Bergwerken, als bey Nürnberg und in dem meißnischen Obererzgebirge etc., da wird er gewöhnlich gesammelt, in Tonnen eingeschlagen, und zum Verkauf an die damit handelnden Materialisten und Droguisten versendet. In Frankreich, vornehmlich in Berry, wo ganze Ochergruben befindlich sind, hat man dessen auch genug, der viel schöner ist, als der in Deutschland; daher der französische Ocher auch viel theurer, als der deutsche ist. Man bringt ihn in großen Tonnen heraus. Aus England kommt auch viel Ocher von verschiedenen Farben, als gelber, englisch Ochergelb genannt, und brauner, welcher unter dem Nahmen Braunroth verkauft wird etc. Es sind aber alle diese Gattungen von englischem Ocher bey weitem nicht so gut, als die französischen, und können zu gewissen Arbeiten nicht anders, als mit der Hälfte des französischen Ochers vermischt, gebraucht werden. In dem Dorfe Haynitz, eine Meile von Meissen, wird ein feiner gelber Ocher gefunden, welchen man daselbst sowohl pfund- als centnerweise verkauft.

Derjenige Ocher wird für den besten gehalten, welcher trocken und zart ist, sich leicht zerreiben läßt, und eine sehr hohe Farbe ohne vielen Sand hat. Man gebraucht den Ocher zu vielerley Sachen: die Mahler bedienen sich dessen zu ihren gelben, braunen und rothen Oehl-, Leim- und Wasserfarben; wozu ihn auch die Maurer gebrauchen, um die Gebäude sowohl äußerlich als innerlich damit anzustreichen. Die Beutler, Handschuhmacher, ingleichen diejenigen Leute, die allerhand Lederwerk waschen, und unter solchen insonderheit die Soldaten, bedienen sich des gelben Ochers, um ihre Handschuhe, Hosen, Patrontaschen- und Karabiner Rieme und Koller etc. damit gelb zu färben; daher auch der gelbe Ocher die schon oben angeführte Benennung der Kollerfarbe erhält. Er wird ferner gebraucht, um die Spiegelgläser, Zinn, Messing, Stahl und Eisen damit zu putzen, wozu sonderlich das englische Braunroth allein stark gebraucht wird. Die Apotheker und Wundärzte nehmen ihn, wegen seiner zusammenziehenden Kraft, unter etliche Pflaster. Endlich kann auch aller Ocher mit einem brennlichen Wesen, wo nicht vorher einige andere dazu untaugliche Erdarten darunter gemischt sind, ganz und gar in Eisen reduciret werden, und gibt nach diesem ein rothbrüchiges Eisen, wie es im Artikel Eisen, Th. 10, S. 565 fl. angeführt ist.