Laccir- und Fürniß Künste 1707

Der selbst-lehrenden Laccir- u. Fürniß-Künste Anderer Theil/ Darinnen auf das beste und deutlichste angewiesen werden I. Die schöne Illuminir-Kunst, wie solche von sich selbsten zu begreiffen. II. Von Kupffer-Stechen und ungemeinen Ertz-Künsten. III. Von schöner Glas-Mahlerey/ vom Gips-Giessen/ ungemeinen Fürnissen und Form-Künsten. IV. Von Türckischem Papier-Machen und unterschiedlichen Wax-Künsten. V. Von schönen Farb-Künsten/ und ungemeinen Leder- und Perment-Arbeiten/ und andern Dingen mehr. Ein Werck, so vielen Kunst-Liebenden sehr nutzlich und anständig. Mit grosser Müh und Fleiß von vielen Jahren zusammen getragen/ und jetzt auf vieler Begehren zum Druck verfertiget durch einen sonderbaren Liebhaber natürlicher Künst und Wissenschafften, Nürnberg [Johann Christoph Lochner] 1707.


CAP. XVIII.

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p. 204

Num. XXXIX.
[Leim für die Mahler]

Ein sonderbarer Leim für die Mahler/
damit sie ihre Farben/ so sie an die
Wände oder Mauren mahlen wollen/
anmachen/ auch die Tüncher die Weisse an
denen Wänden schön beständig mit
machen können.

Man nimmt Leim-Leder/ oder diejenigen Abschnitzlein bey dem Pergamenter/ weiche solche eine Zeitlang im Wasser/ lässet sie alsdann so lange sieden und kochen/ bis sie recht sind/ dann giesset man solche also warm durch ein härin Tuch/ so geben sie einen Leim/ mit welchem die Mahler ihre Farben temperiren/ wann sie auf Tuch/ Holtz oder Mauren zu mahlen Willens sind/ und wann auch die Tüncher mit diesem Leim ihre Weisse anmachen/ und die Mauren oder Wände darmit antünchen oder weissen/ so hält dann solche hernach sehr lange an den Mauren/ bleibet beständig/ und schadet ihme durchaus kein Rauche nicht/ der daran kommen mag.


p. 205

Num. XL.  
[Leim von Käs]


Einen Leim von Käs zu machen/
darmit man Holtz und allerley Dinge
sehr gut und fest leimen kan.

Man nimmt geriebenen neuen Käs/ thut denselben in ein siedend heisses Wasser/ und rühret ihn mit den Händen/ so lang und so viel untereinander/ biß er gantz durchfeuchtet und gereiniget wird. So nun solches geschehen/ so lasset man solchen auf einen Stein oder glatten Bret wohl zerreiben/ und thut ein wenig pulverisirten ungelöschten Kalch hinzu/ und reibet es miteinander so lange herum/ biß der Kalch wohl feucht und fliessend wird/ so wird es ein solcher Leim/ mit welchem man wie gesagt/ allerley Arbeiten von Holtz leimen/ und zusammen fügen kan.

Will man aber solchen noch stärcker haben/ so waschet man den Käs an statt des Wassers mit einer sehr scharffen Zwaglaugen/ thut/ wann er nochmals gerieben ist/ ein wenig Bleyweiß darzu/ und rühret es wohl u. e. a. so wird es der allerfesteste Leim/ so aller Hitze und Feuchte widerstehet.