Leonhardi 1791/I
Friedrich Gottlob Leonhardi, Naturgeschichte für alle Stände, vorzüglich für diejenigen, welche mit der Kenntniß der Naturkörper die Anwendung und den Nutzen zu verbinden suchen I (Materialreich), Leipzig [Johann Ambrosius Barth] 1791.
pp. 262–264
Erstes Geschlecht.
Vitriolische Salze.
Der Vitriol – Vitriolum – ist ein Salz, das aus der Verbindung der Vitriolsäure – acidum vitrioli – mit einem Metalle entspringt. Die Salze, sowohl dieses, als auch die beyden folgenden Salzgeschlechter und Säuren haben vorzugsweise den Nahmen der mineralischen Säuren.
Diejenigen Arten des Vitriols, welche im Handel und Wandel gehen, unterscheiden sich durch einen mehr oder minder harten Geschmack, durch das leichte Anschießen in Krystallen, welche aber an der Luft bald Klarheit, Farbe und Festigkeit verliehren, im Feuer anfangs zwar leicht und so dünn als Wasser fließen, hingegen nach dem Erhärten auch im stärksten Feuer nicht wieder in Fluß zu bringen sind; endlich unterscheiden sie sich auch dadurch noch, daß sie wenig Wasser zu ihrer Auflösung erfordern, und diese nicht nur mit Pottaschenlauge, sondern auch mit Blutlauge vermischt, trübe wird, und einen Bodensatz fallen läßt, der ausgewaschen, getrocknet und mit schwarzem Flusse geschmolzen, ein wahres Metallkorn darstellet. Allein die Natur liefert sie uns nicht in so großer Menge schon ganz ausgebildet dar, in welcher sie die Menschen zu den mancherley Gewerben nöthig haben, sondern den großern Theil davon scheidet die Kunst erst aus den Körpern, in welchen sie stecken; aus natürlichen Wassern, aus Erden, hauptsächlich aber aus Kiesen und mancherley Erzen, wie weiter unten beschrieben werden soll.
Wenn die Vitriolsäure concentrirt, d. h. meistens wasserfrey ist, so heißt sie, aber etwas uneigentlich, Vitriolöhl – oleum vitrioli – ist sie aber mit Wasser verdünnt, Vitriolgeist – spiritus vitrioli. – Diese Säure hat folgende Eigenschaften:
Rein hat sie weder Geruch noch Farbe;
ist sie durch Kunst hochstmöglich wasserfrey gemacht, so verhält sich ihre Schwere zur Schwere des Wassers wie 2125 zu 1000, und diese Säure erstarrt alsdann in der Kälte in Krystallen, und heißt gefrornes Vitriolöhl, das man auch bey kalter Jahrszeit durch Destillation des rauchenden Vitriolöhls bisweilen erhält.
Sie ist im Feuer flüchtig, und unter den Säuren die feuerbeständigste, vereinigt sich aber gern und leicht mit dem brennbaren Wesen, oder Phlogiston;
sie äußert eine große anziehende Kraft zum Wasser, und vereinigt sich damit mit solcher Heftigkeit, daß beym Hineintröpfeln ein summendes Geräusch und eine schnelle Erhitzung entsteht; und aus der Luft ziehet sie doppelt soviel Feuchtigkeiten an sich, als ihr Gewicht beträgt;
endlich ist sie unter allen Säuren, in Rücksicht auf gewisse Körper, die stärkste, und löset die alkalischen Salze, einige Erden und Steine und mehrere Metalle auf, wodurch andere erdige und metallische Mittelsalze entstehen.
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pp. 266–274
Vierte Gattung.
Bittersalz.
Das natürliche Bittersalz – Sal amarum naturale – besteht aus Bittersalzerde und einer Säure. Sein Geschmack ist salzig und bitter, und die Auflösung wird durch Hinzuthun eines Laugensalzes trübe. Man hat vitriolisches Bittersalz – magnesia vitriolata – oder Purgirsalz, englisches Salz u. s. w. welches aus Bittersalzerde und Vitriolsäure bestehet, an der Luft zerfällt, es kommt in trockner Gestalt nur selten im Mineralreiche vor; doch hat es H. Monnet und H. Beroldinger im Schiefer gefunden. Desto häufiger ist es im Wasser aufgelöset in mehrern Mineralwassern, vorzüglich in Ebsamer, Sedlitzer, Seidschützer. u. s. w. auch in dem Sauerbrunnenwasser zu Oberlahnstein im Churfürstenthume Mainz, im Meerwasser und in Salzquellen enthalten. Man braucht es ebenfalls häufig in der Medizin.
Das aus Bittersalzerde und Salpetersäure bestehende und an der Luft zerfließende salpetrische Bittersalz – magnesia nitrata – findet man in altem Mörtel und in der Mutterlauge des Salpeters. Das salzsaure Bittersalz hat Bittersalzerde nebst Kochsalzsäure zu Bestandtheilen und verliehrt seine Säure im Glühefeuer. Es ist in verschiedenen Wassern, im Meerwasser und den Salzsohlen aufgelöset enthalten, und bleibt bey der Versiedung der Salzsohlen in der Mutterlauge zurück, wo es häufig in der Mutterlauge enthalten ist, kann es sehr vortheilhaft benutzt werden.
Künstlich wird aus den oben beschriebenen natürlichen Vitriolgattungen auf ähnliche Weise, wie aus der Alaunerde, Vitriol zubereitet, indem er aus seinen Minern oder Müttern geschieden wird.
Die Vitriole verrathen sich theils schon in dem ganz rohen Zustande dieser Mütter, theils nachdem sie eine zeitlang in der Luft gelegen haben, oder geröstet sind, und nun zerfallen und gleichsam weißes Mehl auswittern, durch den Geschmack. Allein noch mehr dadurch, daß das Wasser, womit man die Erden oder Kiese gekocht hat, von Pottaschenlauge und Berlinerblaulauge trübe wird, und nach dem Einkochen und Erkalten Krystallen darinnen anschießen. Will man aber wissen, wie viel Vitriol in diesen Körpern steckt, so dampft man vitriolhaltiges Wasser über dem Feuer so lange ab, bis sich Salzkörnchen auf der Oberfläche zeigen, welche man alsdann in der Kälte zu Krystallen anschießen läßt. Diese nimmt man noch aus der Feuchtigkeit heraus, trocknet sie ohne Wärme zwischen Löschpapier, und behandelt die Flüssigkeit auf gleiche Weise so lange, bis keine Krystallen mehr daraus anschießen, und wiegt sie nachgehends getrocknet genau ab. Ihr Gewicht zeigt alsdann, wieviel Vitriol man aus der untersuchten Menge Wasser zu erwarten hat. Sind es noch unzerfallene Kiese, oder andere schwefelhafte Erze, woraus man Vitriole gewinnen will, so müssen sie gemeiniglich vorher geröstet werden, ehe man die Prüfung vornimmt. Hierauf wiegt man ein bestimmtes Stück ab, stößt es so klein als Erbsen, und gießt in einem hölzernen Geschirr sechsmahl so viel heißes Wasser darauf, läßt es 24 Stunden lang darüber stehen und rührt es fleißig um. Nach 24 Stunden gießt man es in einen über dem Feuer stehenden bleyernen Kessel kochend noch einmal aufs Erz, rührt es wieder öfters damit um, seiget nach 24 Stunden das Wasser durch und läßt es in der Kälte zu Krystallen anschießen. Diesen Vitriol nimmt man ohngefähr nach 8 Tagen wieder heraus, trocknet ihn ohne Wärme und behandelt die Flüssigkeit, wie die vorige. Allen erhaltenen Vitriol wiegt man wiederum genau ab, und die Menge des Vitriols, den man aus dem Erze zu erwarten hat, wird durch das Gewicht bestimmt.
Im Großen wird gewöhnlich der Vitriol aus Schwefelkiesen bereitet. Sie müssen zu diesem Endzwecke entweder an der Luft verwittern, oder durch Rösten abgeschwefelt werden, nachdem man sie vorher zerstoßen oder gepocht hat. Das Rösten selbst kann in offenen Rosthaufen vorgenommen und so eingerichtet werden, daß der Schwefel zugleich ausgefangen und erhalten wird. Nach dieser Vorbereitung lauget man die schwefelreichen Erze und Kiese in großen Laugekasten oder Treckbutten mit siedendem Wasser 24 bis 48 Stunden lang unter öfterm Umrühren aus.
In Italien, in England und auch in Zweybrücken geschiehet das Ausziehen oder auch Auslaugen des Vitriols an offenen Plätzen, welche mit festgestampften Thon- oder Cementerde beschlagen sind, und entweder an der Anhöhe eines Hügels liegen, oder aus mehrern sich gegeneinander neigenden schiefen Flächen bestehen.
In Sachsen leitet man das Wasser, wenn es eine zeitlang in den ersten Laugekasten über dem Erz gestanden hat, in einen zweiten und von da in einen dritten u. s. w. wieder immer auf frisches Erz.
Zu Goslar gießt man das Wasser oder die wilde Lauge aus den Treckbutten in die mit jenen gleich großen Schierbutten und füllet sie ganz damit an. Sie haben eine Butte, und an dieser von oben bis unten Zapfenlöcher mit darunter liegendem Gerinne, durch welches die Lauge in eine dritte, gleichgroße, zunächst an der Siedepfanne in der Erde stehende Sumpfbutte und aus dieser durch eine Pumpe in die Siedepfanne selbst geleitet wird. Die Siedepfannen sind gewöhnlich von Bley gegossen.
In Sachsen kocht man die Lauge, wenn sie im zweyten Kasten 12 bis 13 Stunden lang über dem Erze gestanden hat, in einer bleyernen Pfanne – Schwefelpfanne, Rohpfanne genannt – und bringt sie von da in einen hölzernen Kasten, der Salzkasten oder Lauterkasten heißt; und wenn sich hier der gelbe Ocker, Schlamm oder Schmend, niedergesetzt hat, in einem Sumpf unter der Wachsbank. Ist sie hier so stark geworden, daß sich ein Ey darauf hält, so kommt sie nun erst in die Siedepfanne, da sie hingegen in Goslar zum Sieden stark genug ist, wenn sie nach der Wasserwaage 20 Loth hält.
Nach dieser Zubereitung kocht man die Lauge in der Gutpfanne, und gießt, wenn sie an Höhe abgenommen hat, immer wieder neue nach, und wirft von dem Metall, welches der Vitriol enthalten soll, um ihn ganz damit zu sättigen, noch etwas darein. Wenn sie auf diese Weise gahr oder so stark eingesotten ist, daß sie in kurzer Zeit anschießt, wenn man etwas davon ganz heiß in einen kalten hölzernen Trog fallen läßt, so bringt man sie am besten in einen oder mehrere hölzerne Kasten, Lauterkasten genannt. Zu Goslar schlägt man sie nach 12 Stunden aus diesen in kleinere länglichte, und fängt sie da an kalt zu werden, so legt man 7 bis 8 Stück Latten voll kleiner Löcher darüber, und steckt in jedes dieser Löcher ein Rohr, woran sich denn, so wie an den Boden und an den Seiten, der Vitriol anseht. In Sachsen sind in den Lauterkasten nicht weit vom Boden lose Breter so angebracht, daß das Klare durchseigen kann. Hat sich hier alles Trübe abgesetzt, so bringt man die Lauge zum Anschießen in eine große Wachsbank, oder in mehrere kleinere länglichte und abschüssige Kästen, Wachströge genannt, und hängt Hölzer hinein, um Stäbe daran zu befestigen, welche so lang als die Kasten tief sind.
Die Feuchtigkeit, Mutterlauge, oder Salzlauge, welche über dem Vitriol stehet, lauft von den Wachsbänken in einen darunter befindlichen Sumpf ab; sonst aber wird sie, nachdem der Vitriol herausgenommen ist, abgegossen oder abgezapft. Den Vitriol legt man, damit die Feuchtigkeit ablaufe, entweder auf einen erhöheten abschüssigen Kasten, oder auf einen eigenen, von vorne offenen und aus Diehlen zusammengeschlagenen Jöckelkasten.
Zu Goslar wird das, was beym Uebergießen aus den Treckbutten trübe zurückbleibt, zum Abklären in zwey andere gleich große Schlammbutten und die Schlammlauge, wenn sie klar ist, zu der übrigen gegossen. Was unaufgelüset zurückbleibt, wäscht man mit Wasser aus, gießt es unter dem Nahmen Kernlauge wieder in eine andere Butte, die Kernbutte heißt, und wenn es sich abgeklärt hat, wieder zu der übrigen Lauge. Bleibt nunmehro noch etwas übrig, so wirft man es durch Körbe und gebraucht sowohl das, was durchfällt – Vitriolklein – als auch das, was zurückbleibt – Vitriolkern – wider beym Rösten der Kiese und kiesichten Erze.
Zu Dylta in Schweden benutzt man diesen Rückstand zu rother Farbe. Außerdem kann man ihn auch entweder, wenn er noch nicht genug ausgelauget ist, noch einigemahl auslaugen, oder wenn dieses bereits erfolgt ist, beym Schmelzen der Erze als Zuschlag gebrauchen, oder noch besser an die freie Luft werfen, und nach 1 oder 2 Jahren zuweilen wohl zum vierten oder fünftenmahle auf Vitriol und Alaun nutzen.
Was noch über dem angeschossenen Vitriolstehen bleibt, kann man in die Siedepfanne zurückgießen, und mit der neuen Lauge versieden. Am Stahlberge in Zweybrücken siedet man, wenn kein Vitriol mehr daraus anschießen will, mit einem Zusatze von Seifensiederlauge Alaun daraus. Wenn sich Eisenocker in den Kästen absetzt, so kann er in kleinen, mit einem hohen Gewölbe versehenen, übrigens dem Zinnsteinbrennofen ziemlich ähnlichen Calcinirofen zu rother Farbe oder braunroth gebrannt werden; und die nach der Gewinnung des Vitriols zurückbleibenden reichhaltigern Erze verschmelzt man gewöhnlich auf Metall.
Im Handel sind drey Arten Vitriol gewöhnlich, nähmlich: grüner, oder Eisenvitriol, oder Kupferwasser, blauer, oder Kupfervitriol, weisser, oder Zinkvitriol, oder Gallizenstein.
Unter allen ist der Eisenvitriol am häufigsten im Gebrauch. Er hat einen herben, eigentlich Dintengeschmack und grüne, klare, blättrige Krystallen mit rhomboidalischen Seitenflächen, die an der Luft gelblich anlaufen, und durchsichtig werden, und zerfallen, und wenn sie im Wasser aufgelöset sind, mit Galleäpfeln Dinte und mit Blutlauge Berlinerblau geben. Ist er vollkommen rein, so hat er eine saatgrüne, nicht ins Blaue spielende Farbe, und einen reinen Dintengeschmack, ohne hinten nachfolgende Schärfe. Er läßt, wenn er an einem angefeuchteten, polirten Eisen gerieben wird, keinen Kupferstrich zurück. Seine Auflösung im Wasser theilt auch, wenn sie warm ist, dem darein gelegten warmen Eisen keine Kupferrinde mit. Die Auflösung zeigt endlich, wenn Salmiakgeist darauf gegossen wird, keine blaue Farbe, und läßt, wenn der Eisenvitriol schon daraus angeschossen ist, und sie noch weiter abgedampft wird, keinen andern Vitriol zu Boden fallen.
Wenn der Vitriol durch die eben beschriebenen Untersuchungen zeigt, daß er unrein ist und Kupfer enthält, so taugt er nicht zu allen Arbeiten und Bestimmungen, obschon Färber und andere Künstler den kupferhaltigen dem reinen vorziehen, weil dieser zu vieles Wasser und gewöhnlich mehr vorschlagende Säure hat, welche die Waare leicht spröde macht, und ihr einen fahlen Schein giebt. Zu andern, vornehmlich zum Arzeneygebrauche, muß er durchaus gereinigt werden. Diese Reinigung beruhet darauf, daß das Eisen von allen Säuren stärker angezogen wird, als das Kupfer, und also Kupfer, wenn es in einer Säure aufgelöset ist, von dieser scheidet. Man löset also den Eisenvitriol im warmen Wasser auf, läst ihn ganz zergehen, wirft altes Eisen hinein, und gießt die Auflösung nach einiger Zeit ab, wenn man vermuthen kann, daß sich das Kupfer abgesetzt hat, und kocht sie auf oben beschriebene Art wiederum ein.
Außer dem Gebrauche des Eisenvitriols zu Dinte, zu andern schwarzen Farben, zum Berlinerblau, zum Rothanstreichen der Häuser dient er, weil er unter allen Alaun- und Vitriolarten am wohlfeilsten ist, auch vorzüglich in Teutschland zur Verfertigung des Vitriolgeistes und Vitrioliöhls im Großen.
Da der Vitriol in seinem gewöhnlichen Zustande viel Wasser bey sich führt, wovon er im Feuer sich stark aufblähet, und welches die zu gewinnende Säure nur schwächen würde, so wird er zuvor durch Brennen seines überflüßigen Wassers beraubt. Zu diesem Endzwecke bringt man ihn klein zerstoßen in einem eisernen Topfe übers Feuer, in welchem er fließt, und läßt ihn, unter beständigem Umrühren und Abscharren von den Wänden des Topfes, so lange darinnen, bis er eine röthliche Farbe angenommen und die Hälfte seines Gewichts verlohren hat. Nunmehr stößt man ihn noch kleiner, und bringt ihn warm in thönerne, beschlagene Retorten, die man bis auf den dritten Theil des Bauches anfüllet, setzt sie in einen Reverberirofen, oder mehrere derselben zugleich in einen Gallerrenofen, legt eine Vorlage und dazwischen allenfalls noch einen Vorstoß an, und giebt anfangs gelindes, und nach und nach immer stärkeres Feuer. Wenn man nun gewahr wird, daß die aus der Mündung der Retorte herausfallenden Tropfen kleiner werden, und sich der innere Raum der Gefäße mit grauweißen Nabeln angefüllt, so hält man mit dem Feuer etwas stille, und nimmt, wenn der Hals der Retorte etwas erkaltet ist, die Vorlage ab, gießt den darinnen enthaltenen Vitriolgeist oder eine mit vielem Wasser verdünnte Vitriolsäure aus, und legt sogleich eine neue, reine Vorlage an. Diese wird wiederum fest verkittet und das Feuer nach und nach so sehr verstärkt, bis die Retorte zuletzt am Boden glühet. Damit nun diese übergehenden Dämpfe desto eher verdicken, so legt man mit kaltem Wasser naßgemachte Tücher auf die Vorlage, oder im Winter Schnee. Sieht man endlich im innern Raume der Gefäße keine Nabel mehr, und fallen aus der Mündung der Retorte keine Tropfen mehr heraus, so hört man mit dem Feuer auf.
Nachdem die Vorlage ganz erkaltet ist, so nimmt man zuerst behutsam den Leim, alsdann die Vorlage ab, und gießt die Flüssigkeit aus derselben, mit dem, was sich in festerer Gestalt, oder als Eisöhl, inwendig in der Vorlage angelegt hat, durch einen Glastrichter sogleich in ein Glas mit engem Halse oder in einen Krug von Steinguth, und stöpselt es genau zu. Die Vorlage hingegen spielet man noch mit etwas Wasser aus, um dadurch noch etwas schwachen Vitriolgeist zu erhalten. Das Hauptprodukt dieser Arbeit, welches man in der zweyten Vorlage erhält, fließt zähe wie ein Oehl, und heißt daher, ob es gleich eine äzende Schärfe hat und sich mit Wasser bey starker Erhitzung innig vermischen läßt, Vitriolöhl. Je stärker es sich nun mit Wasser und Oehlen und Kuchensalz erhitzt, je heftiger es mit diesem und mit Laugensalze aufbraust, desto besser ist es. Bleibt die Auflösung eines reinen Laugensalzes in hinreichendem Wasser auf das Zugießen des Vitriolöhls nach dem Aufbrausen klar, so ist auch dieses ein Beweis einer ziemlich großen Reinigkeit. Der Künstler beurtheilt diese nach der dunkeln Farbe und dem Rauchen des Vitriolöhls; allein beyde Eigenschaften kommen von einem fremden, brennbaren Stoffe, der freylich beym Gebrauche, den er davon gewöhnlich macht, nicht sehr schadet. Zu Nordhausen erlangt man bey einer Arbeit, die gemeiniglich mehrere Tage und Nächte fortdauert, aus 7 bis 8 Centnern Goslarischen Vitriols 70 bis 90 Pfund Vitriolöhl.
Was vom Vitriol in der Retorte zurückbleibt, heißt Kolkothar, und enthält immer noch Vitriolsäure, die durchs Feuer nie ganz ausgetrieben werden kann, und daher zur Gewinnung des Salzgeistes und des Bittersalzes aus der Mutterlauge des Kochsalzes anzuwenden ist. In England zieht man Kornbrandtewein darüber ab, um ihm seinen widerlichen Geruch zu nehmen; oder man brennt es noch einmahl recht stark, reibt es recht zart ab und braucht es unter dem Nahmen; rothe englische Erde zum Poliren von Steinen und Metallen. Wenn man es so lange auswäscht, bis das Wasser davon keinen Geschmack mehr annimmt, es trocknet und recht fein zermalmet, so erhält man eine ähnliche rothe Farbe, (Vitriolroth) dergleichen die italianischen Färber mit Urin zu ihren Arbeiten anwenden. Sie ist auch in der Oehl- und Fresco-Mahlerey zu Wasser- Leim- und Pastelfarben zu brauchen. Es giebt auch endlich sehr schönes, rothes Email, wenn es wie das Zinn mit Küchensalz im Feuer behandelt wird, nähmlich: wenn man es mit einem Glase, das aus Kieselmehl und viermahl so viel Glatte; oder mit dreymahl bis viermahl so viel von einem Glase, welches aus einem Lothe gestoßener Barometerrohren, einem Lothe Salpeters und etwas über ein halbes Loth gebrannten Boraxes bereitet ist, zusammenreibt und mit Spicköhl- oder Kieselfeuchtigkeit anfeuchtet. Zu Deptfort in England brennt man den Vitriol, ohne seine Säure zu nutzen, unter beständigem umrühren zu rother Farbe.
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