Ludovici 1741/I
Carl Günther Ludovici, Allgemeine Schatz-Kammer der Kauffmannschafft Oder Vollständiges Lexicon aller Handlungen und Gewerbe So wohl in Deutschland als auswärtigen Königreichen und Ländern; Darinnen Die Beschreibung aller und jeder zur Kauffmannschafft und Handlung gehörigen Waaren… I (A–C), Leipzig [Johann Samuel Henesius] 1741.
col. 576–577
Blaue Farbe
Blaue Farbe, blaue Stärcke, Bläue, oder Blöb, lat. Smalta, wird häufig in Sachsen, sonderlich in Johann-Georgen-Stadt, von dem abgerösteten Cobalt zubereitet, welcher mit einem gewissen Theil Sand und Pott-Asche wieder versetzet, und zu einem dunckeln und dichtblauen Glaß geschmolzen wird, welches gar zart gestossen, und auf einer gewissen Mühle zwischen zwey sonderlich harten Steinen zu einem Mehl gemahlen, alsdenn gefchlämmet, und in unterschiedliche Sorten, da immer eine feiner, als die andereist, getheilet; hernachmahls aber, wenn sie genugsam gepucht, gemahlen und gewaschen worden, in kleine Fäßgen eingethan, und in grosser Menge nach Welschland, Holland und Engelland verschicket wird. Von dar kommt sie nach Portugall und andern Orten mehr, allwo diese Blöb zu den so genannten Porcellan-Geschirre genommen und denn auch zu Hanau, Nürnberg, und andern Orten, wo man nur mit dem weissen glasurten Geschirre umzugehen weiß, gebrauchet wird. Die beste muß schöne, an der Farbe trucken und zart seyn. Die andern sind gemeiniglich blaß, falb, grob, und theils sehr schlecht. Weil der Cobalt dabey der Grund ist, als ist denen Factoren auf denen Bergwercken sehr hoch verboten, den Cobalt roh weg zu schicken, damit die Smalta anderwärts nicht nachgemacht, und dem Lande der Nutz dadurch entzogen werde. Und zwar soll zum Nachtheil des Blau-Farbewercks bey 500 Rthlr. oder auch nach Beschaffenheit der Umstände bey Leib- und Lebens-Straffe keine Partiererey mit Kobold, Wismuth-Graupen, Schlich, Gräuplein und dergleichen, getrieben werden. Chur-Sächs. Mandat von 1683. 1686. und 1701. Sonst aber behält auch diese Bläue oder blaue Stärcke ihre Farbe im Wetter, Regen und Sonnenschein ganz beständig; sie hält auch das Feuer aus, und ist nicht leicht zerstörlich. An und vor sich selbst ist solche zwar zum andern mahl sehr hartschmecksig. Aber mit besonderm Flusse kan sie dennochgar leichtlich geschmolzen werden. Ein mehrers hiervon siehe unter dem Artickel: Blau und Blaue Schneeberger Farbe.
col. 577–579
Blaue Schneeberger Farbe
Blaue Schneeberger Farbe, blauer Andam,1 kommt bey Schneeberg in Meissen her, woselbst man etwa vor 80 Jahren eine Handlungs-Societät angeleget hat, darinnen die Contrahenten mit einander in Compagnie die Kobalt-Zechen in dasigen Bergwercken bauen, auf ihren Farben-Mühlen die blaue Farbe daraus verfertigen lassen, und den davon gewonnenen Profit nach Proportion ihrer davon habenden Antheile unter sich theilen. Dieses Werck geniesser das Berg-Recht, stehet unter der Jurisdiction des Schneebergischen Berg-Amtes, und die Contrahenten werden Gewercken genennet. Dieser Wercke sind in gedachter Gegend 4, nemlich 1) das Königliche gedoppelte Werck vor der Stadt Schneeberg, 2) das Schindlerische an der Moldau, 1 Meile von Schneeberg, 3) das Pfannenstielische, und 4) das Zsopanische 4. Meilen von Schneeberg, welche drey letztere Privat-Personen zugehören. Diese 4 blaue Farbenwercke stehen erst in einer General-Compagnie, daß eines so viel Kobalt, oder Materie, woraus die Farbe gemacht wird, von den Zechen bekömmt, als das andere, und jegliches auch so viel Farbe machet und verkauffet, als das andere, ausser das Königliche, welches doppelte Lieferung bekömmt, und wieder ausgiebet. Hernach stehen die Interessenten von einem jeden Wercke in einer Compagnie, und halten auf jedem Werck einen Factor zu den Rechnungen und des Gewinnes. Es haben auch diese Wercke den besondern Vortheil, daß ihnen alle Kobalde im gantzen Lande für eine von dem Berg-Amt gemachte. Taxe müssen geliefert, und bey hoher Straffe nicht ausserhalb Landes verführet werden, daß daher in den Gegenden, wo Kobalde zu finden, gewisse Kobalds-Bereiter gehalten werden, die den Unterschleif verhüten. Wie diese Farbe aus den Kobalden auf gedachten Mühlen bereitet werde, stehet in Büchern, die von Bergwercken handeln, weitläufftig beschrieben. Wenn die Farbe fertig, wird sie in Fäßgen, deren eines gemeiniglich 3 Centner hält, eingepackt und durch ganz Europa versendet, indem alle Materialisten damit zu handeln pflegen. Diese blaue Farbhandlung bestehet insgemein aus Sächsischen und Böhmischen blauen Farben. Die Sächsische ist durchgängig von allen Sorten mit Avantage zu erhalten in Leipzig bey den vornehmen Herren Sächsischen Farben-Interessenten. Die Böhmische aber, ins besondere in Breytenbach und Glaßshütte, 2 Oerter in dem Erz-Gebürgischen Creyse an der Böhmischen Gräntze. Die Sächsische führet durchgängig, oben an dem Aufschlage-Boden des Fasses zum General-Brandzeichen:

Welches in folgender Erklärung zu verstehen: Das mittelste Zeichen heisset ein Rauten-Crantz mit Churfürstl. Schwerdtern. Das neben an auf der lincken Hand ein Herz, über dasselbe eine Crone, welche offen gebrannt. Das zur rechten Hand heisset eine Lilie, oder wie es sonsten genennet wird, eine Brand-Säule, welches zwar die Böhmische Farbe auch führet, doch mit einiger Veränderung das oberste Zeichen, eine vollgebrannte Crone, welche just über dem Rauten-Crantze stehet. Das unter dem Rauten-Crantze ist ein viereckigtes, mit 4 Nägeln, klein angemachtes dünnes Brettgen, welches an den Faßboden mit angenagelt ist. Dieses befindet sich darum allhier, damit man die Proben von Farben heraus verlangen kan, und nicht nöthig hat, den gantzen Faßboden deswegen zu eröffnen. Unter dieses Zeichen kommen die General-Brand-Buchstaben, als z. E. F. C. oder M. C. um damit anzuzeigen, was für eine Sorte Farbe sich in diesem oder jenem Fasse befindet. Alle Sächsische blaue Farbe ist durch gängig viel feiner, als alle Böhmische. Bey der Böhmischen ist durchgängig das Haupt-Brand- und General-Zeichen der Buchstaben oben; und unter solchen Buchstaben drey gebrannte Brände,
als: z. E.

hier stehet. Die drey Brände unten bleiben durchgängig bey allen Böhmischen Farben. Die Haupt-Brand-Buchstaben aber oben, verändern sich jedesmal bey denen Sortimenten der Farbe. Denn in diesem Fasse ist bald diese, u. in dem andern wieder jene Farbe. Die Sächsischen Farben aber ins besondere nach ihren Sortimenten zu beschreiben bestehet darinne. FFFE. ist die Extra feineste Eschel-Farbe; FFE. Extra feine Eschel; FE. Feine Eschel; ME. gesiebt, Mittel-feine Eschel. ME. in Stücken, mittel-Eschel. OE. gesiebt, ordinaire feine Eschel. OE. in Stücken, ordinaire Eschel. GE. No. 2. schlecht fein Eschel, GE. No 1. schlecht Eschel. FFFC. Extra feineste C. Farbe. FFC. Extra feine C. Farbe. FC. FH. feine C. Farbe. MC. MH. Mittel feine Farbe. C. OH, OC. ordinaire feine C. Farbe. GMC. feine schlechte C. Farbe. OB. schlechte Farbe, oder ordinair Blau. FFS. Extra feine Zaffers- oder Safflor-Farbe. FS. Feinen Safflor. MS. Mittlen Safflor. OS. ordinairen Safflor. Dieses wären also die Eschel, C. Farben nebst Safflor, von denen Sächsischen blauen Farben beschrieben, woran jedesmal eine jegliche Sorte richtig zu unterscheiden und zu erkennen, nach ihrer Feine und Schlechte. Von Böhmischer aber, wollen wir eben nicht alle Sorten beschreiben, sondern nur diejenigen alhier anführen, welche ins besondere courant, gänge und gebe, dieses sind folgende: FFC. Extra feine Böhmische C. Farbe. FC. Feine Böhmische C. Farbe. ME. gesiebt, mittel fein Böhmisch Eschel. ME. in Stücken, mittel Böhmisch Eschel. MC. Mittel Böhmische C. Farbe. OE. gesiebt, ordinair fein Eschel. OE. in Stücken, ordinair Eschel. OC. ordinaire Böhmische C. Farbe, oder ordinair Böhmisch Blau. Alle Eschel-Farbe ist feiner, als die C. Farbe und der Zaffers. Bey der OE. und ME. in Stücken, stehet auf dem Aufschlage-Boden, allezeit noch mit unter den 2 General-Brand-Buchstaben, ein gebrannt S. als z. E. so: OE welches anzeiget, daß in diesem Fasse Farbe, S. OE. in Stücken ist; und also die OE. K. M. E. gesiebt, von der OE. und ME. in Stücken, demnach wohl und richtig zu unterscheiden. Wer sich nun mit Sächsischer und Böhmischer blauen Farbe belegen will, der kan nachfolgende courante Sorten sich auf das Lager schaffen, weil davon stetig ein starcker Abzug nach Amsterdam, Hamburg, auch zuweilen nach Londen, sich ereignet. Es sind aber diese: von den C. Farben: FFC. FC MC. OC. OB.; Am allermeisten aber: FFC. FC. MC. OC. Von den E. Farben oder Eschel: FFE. FE. ME. gesiebt, ME. in Stücken; OE. gesiebt; OE. in Stücken. Von den S. Farben, oder Zaffers, ist sich nicht mit vielen zu überlegen, weil darbey wenig Consumo; sondern nur meist zur Nachfrage mit auf das Lager zu schaffen sind. Die C. Farbe, Eschel und Zaffer, eines von den andern zu erkennen und zu unterscheiden, bestehet darinne: Die C. Farbe führet allemahl in dem letzten Brand-Buchstaben ein gebrannt C. als: z. E. FFC. und niemahlen das C. forne an, sondern zuletzt; auch nie kein E. oder S. zuletzt oder forne an. Die E. Farbe oder Eschel, führet jederzeit im letzten Brand-Buchstaben ein E. als: z. E. FFE.; niemahls aber das E. forne an, sondern zuletzt. Die Saffers, S. Farbe, oder Safflor, hat allemahl im letzten Brand-Buchstaben ein S. als: z. E. FFS. niemahlen aber S. forne an, sondern zuletzt: auch führet keine Sorte der andern ihren besondern Haupt-Brand-Buchstaben.
- Cf. Blaue Schneberger Farbe, in: Bohn 1726/II, pp. 51–54. ↩︎
