Mehler 1798/IV

Johann Mehler, Die Landwirtschaft des Königreichs Böhmen IV/5, Prag – Dresden [Waltherische Hofbuchandlung] 1798.


Fünfte Abtheilung

Vom Ziegel- und Kalkbrennen,
Lateraria & Calcaria fornax.


Erster Abschnitt.

Vom dem Ziegel- und Kalkbrennen überhaupt.

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pp. 13–18

§. 11.

Von dem Kalksteine

1.) Da man bey dem Baue auch Kalk braucht, so muß man, wo möglich, in der Nähe, feste Kalk-Steine suchen, und selbige voraus im Kleinen probiren, ob sie guten, bindenden, sogenannten Leder- oder Bitterkalk geben; welcher, nach dem Brennen (wenn Wasser darauf kömmt) sich sehr rauschend erhitzt, und aus einem Stücke in der Größe eines Hünereyes, zwo gehaufte Fäuste voll zarten, weissen Puderkalk geben soll.

2.) Dergleichen Kalksteine müssen nun breit, und großplattig gebrochen; sodann aber, zum Vorrathe, neben die Ziegelscheune (Hütte) gefahren werden.

3.) Ist der Brennofen sehr groß, dann werden zwey, drey, ja auch vier Feuergewölber gemacht, das ist: es werden zu jedem Feuergewölbe, von den größten Kalksteinen, zwo Mauern, auf die platte Seite, 13/4 Elle gerade aufgeführt; so zwar; daß 1½ Elle leerer Raum zum Feuer bleibe. Dann werden die Kalksteine oben immer schräger gelegt; damit sie sich zum Bogen neigen, bis endlich die, von beyden Seiten, sich schräge neigenden Steine den Gewölbbogen gänzlich zuschließen. Hauptsächlich soll aber dieses Kalkstein Feuergewölbe, wenigstens bis in die Hälfte, oder in die Mitte des Brennofens gehen: und es muß auch diesem Gewölbe, alle Ellen weit von einander, ein viereckigtes Luftloch, zu den Feuerzügen, auf beyden Seiten gelassen; insonderheit aber sollen hinten am Ende der Stirne etliche Luftlöcher, einen Fuß ins Gevierte, mit Fleiß gemacht werden; ob gleich das Feuer zwischen den Steinen hindurch spielen und hitzen kann.

§. 12.

Die Setzung den getrockneten Ziegeln auf das Kalksteinfeuergewölbe

1.) Nach recht standhaft aufgeseztem Kalksteinfeuergewölbe, werden die getrockneten Ziegeln zu erst in Robaren, oder hohlen Schubkarren zugefahren, welche de Ziegelmeister so reihenweise auf die hohe Kante, die Kreuz und Quere so setzet; daß jederzeit beyhnahe ein Zoll Entfernung zum Feuerzuge bleibe. Wo aber, bey dem Feuergewölbe, Luftlöcher gelassen worden sind, da muß man die Luftlöcher mit den Mauerziegeln, einen Fuß ins Gevierte, durch den ganzen Ofen, bis hinten an das Ende, fortsetzen; damit da gewaltige Feuer in den Feurkanälen Raum finde, sich fortzuziehen; und nach und nach, durch die zollbreiten Oefnungen der Mauerziegel, sich weiter, durch den ganzen Ofen, bis oben hinaus, durchdringen und die Mauerziegeln wohl ausbrennen könne.

2.) Mit solchen Mauerziegeln wird der Ofen gemeiniglich, zween Theile hoch, angefüllet; alsdann werden die Dachsiegeln geschichtet, und alle auf die hohe Kante, übers Kreuz, so gestellet; daß eine Schicht durchaus in die Länge, und dann wieder eine Schicht in die Quere zu stehen komme.

3.) Wenn nun der Ofen ganz voll gesezt ist, und die meisten Feuer-Kanäle bis hinten, an das Ende des Ofens, offen geführt sind; dann müssen auch hinten an der Mauer des Ofens herauf Luftkanäle, wenigstens 6 Zolle ins Gevierte, auf allen Seiten, bis oben heraus offen fortgeführt werden; damit das Feuer seinen freyen Zug dahin habe, und die Ziegeln auf den Seiten, eben so, wie in der Mitte wohl ausbrennen können.

4.) Oben wird sodann der ganze Ofen, wagrecht, mit zwo Schichten platt gestrekten Mauerziegeln, dichte und feste zugedeckt; welche sofort von dem 1ten, bis zum 2ten Brande aufgehoben werden. Besagte Deckung muß aber so geschehen, daß außer den offenen Luftlöchern (die theils in der Mitte und theils an den Seiten angebracht werden, und deren in einem großen Ofen ohngefär 24 sind und jedes fünf Zolle im Gevirten hält:) kein Strohhalm breiter Raum, zwischen den Ziegeln bleibe; welche fest zugelegte Dekkung sodann noch 1½  bis 2 Zolle hoch, mit Lehme wohl so verstrichen wird, daß nur die bestimmten Zuglöcher ganz offen, und unverschmiert gelassen werden.

§. 13.

Von der Unterzündung des, mit Kalkstein und Ziegeln eingesezten Ofens.

Das Unterzünden und Brennen des mit Kalk und Ziegeln eingesezten Ofens ist eine Hauptsache, welche eine genaue Wissenschaft der Grade des Feuers und das regelmäßige Ziehen der Flamme und der Hitze erfordert. Hier soll der Ziegelmeister nicht leicht davon gehen; viel minder aber das Unterfeuern einem andern, unerfahrnen anvertrauen.

Vor Allem geht der Meister auf den oben zugedeckten Ofen, und legt von den z. B. 24 Luflöchern, von vorne an gerechnet, 18 Löcher mit Mauerziegeln zu; die 6 hintersten aber, die an der Mauer herauf gehen, bleiben ganz offen.

Dann wird von dürrem Holz ein kleines Feuer unter jedes Feuer-Gewölbe gemacht; und zwar ziemlich weit hinten gegen die Mitte des Ofens, zu welcher Unterzündung ein Mann in den Ofen kriechen, und mit einer ledernen Schürze das Feuer anfächern muß.

Dieses kleine Feuer heißt man nur Schmauchen. Da nun bey dem Schmauchen der Rauch und die Hitze die Luft- und Feuerkanäle durchwandern; und da oben, vorne, keine Luft ist; so muß der Zug des Feuers gegen die noch offenen Luft- und Rauchlöcher gehen; die Steine werden alle anfangen etwas zu schwitzen und zu trocknen; wohingegen bey einem schnellen, heftigen Feuer man Gefahr laufen würde, daß sich alles zusammen setze. Dieses Schmauchen dauert 12 Stunden.

2.) Hernach wird der 2te Grad, nämlich ein recht großes, helles Flammenfeuer wieder durch 12 Stunden gegeben, und es werden auf jeder Seite, nach hinten zu, noch drey Luftlöcher aufgemacht; oder die Deckziegel weggeschoben; dann zeigt sich, daß vorne bey dem Heizloche nicht die geringste Wärme herausgehe; sondern alle hinwärts der Luft nachziehe. Wenn man nun oben bey dem Ofen steht, und die zwölf offenen Luftlöcher ganz gleich ziehen sieht; dann ist es ein gutes Zeichen.

3.) Hiernächst wird ferner 12 Stunden, mit noch größer Heftigkeit gefeuert; das Feuer wird aber etwas weiter vorgelegt, und es werden in der Mitte noch 6 Luftlöcher eröfnet; so, daß nun 18 Luftlöcher offen stehen: nach deren Eröfnung wieder 12 Stunden, noch heftiger, untergefeuert wird.

4.) Hierauf werden die lezten 6 Luftlöcher vorne auch aufgeschoben; so daß nun alle 24 Luftlöcher offen sind. Dann wird sofort weiter 12 Stunden mit recht trockenem, klein gespaltenem Holze, auf das heftigste zugefeuert; welches nun, ohne die 12 Schmauchstunden, 48 Feuerstunden beträgt.

5.) Nun müssen alle Luftlöcher, bis auf die 4 Ecklöcher, und das mittelste Loch, wieder zugeschoben werden; dann feuert man noch 12 Stunden stark; weil die Zusammendrückung der Luft izt wirken, alles durchbringen, und alle Steine gar ausbrennen muß. Er werden also, mit Einschluß der 12 Schmauchstunden, 72, oder drey Tage und eben so viele Nächte zu einem solchen Hauptbrande erfordert.

6.) Endlich werden alle 24 Luftlöcher aufgeschoben, damit die Hitze, welche in der Menge der Steine, und in dem Ofen steckt, nach und nach herausziehen könne. Den vierten Tag wird die Decke zur Beförderung der Auskühlung mit Haaken nach Möglichkeit aufgerissen, und zulezt die Stirnmauer des Ofens unter den Bögen über Feuergewölben aufgebrochen. Die Ziegeln aber, welche man künftig wieder zu dieser Arbeit braucht, müssen seitwärts ausgeschichtet werden.

7.) Dann fängt man an, auszunehmen, oder (auf Ziegelmeisters Art zu reden) auszufahren. Die Taschen-Dachziegeln werden auf die hohe Kante, fein gerade, in große, viereckigte Haufen, vor der Ziegelscheune aufgeschichtet; desgleichen auch die Mauer- und Gewölbziegeln, jedoch auf die hohe Kante aufgesezt; weil die große Last die Steine, wo etwan eine Krümme wäre, zerdrücken würde, welches auf der hohen Kante nicht zu befürchten ist.

Wenn nun alle Ziegel aus dem Ofen gefahren sind, dann kommt man auf das Kalkgewölbe. Dieser ausgebrannte Kalk muß entweder im Ofen bleiben, oder auf einen sehr trockenen Ort gebracht, vor dem Regen in Acht genommen, und je eher je lieber verkauft werden; weil er sich vor der Löschung, so gar von feuchter Luft, in Puder und Mehl verwandelt; und nachgehends nicht so sehr geschäzt wird.

8.) Solche Brände können jährlich höchstens über achte nicht geschehen; weil man bey Frösten weder Dach noch Mauerziegeln bilden kann; weswegen diese Arbeit im Sommer eifrig betrieben werden muß; so daß der achte Brand um Martini vollendet seyn soll.

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pp. 20–23

Zweyter Abschnitt.

Beschreibung eines englischen Kalkofens zum Kalkbrennen, der auf den Feldern als Dünger gebraucht wird.

Tab. 9 Fig. 3.

§. 1.

Erklärung des Kalkofens.

1.) Der Kalkofen zum Felderdunge ist eine große gemeiniglich runde, tiefe Grube dessen Umfang sich nach der Menge des zu brennenden Kalks richtet.

2.) Oben ist der Kalkofen am weitesten, und er wird abwärts nach und nach immer enger; am engsten ist er aber auf dem Fußboden.

3.) Die inwendige Seite des Kalkofens wird am schicklichsten mit Ziegeln ausgemauert, und an der auswendigen Seite ist eine Thüre oder Oefnung zum Heitz- und Aschenloche.

4.) Ueber dem Aschenbehältnisse pflegen manche eine durchlöcherte Ziegelgewölbung, oder ein gegossenes, eisernes Gatter anzubringen, welches rund herum auf die Mauer gelegt wird. Auf das Gatter kommt eine Lage Feuerholzes, darauf Kalksteine; hernach wieder Feuerholz, und so wechselsweise eine Lage über die andere, bis der Ofen ganz mit Holz und Kalksteinen angefüllet ist. Endlich wird an der auswendigen Seite, bey dem Heizloche unterzündet.

§. 2.

Ein Kalkofen, der die Gestalt eines Bierfasses hat, soll nützlicher seyn, als der vorhergehende.

1.) Später hat man aus der Erfahrung für nutzbarer gefunden, Kalk in Oefen zu brennen, welche die Gestalt eines Bierfasses haben. Er ist am Fußboden klein im Umfange; gegen die Mitte wird er nach und nach weiter gemacht; und in der Höhe wieder etwas enger.

2.) Der Kalkofen soll, wenn es die Lage gestattet, an dem Abhange eines kleinen Hügels gebauet werden; damit man zu dem Zündloch einen freyen Zugang habe.

3.) Unten am Fußboden werden auch, eine Elle hoch, eiserne Stäbe, kreuzweise und wagerecht gelegt; um dem Ofen einen guten Zug zu verschaffen.

4) Auf gesagte Stäbe legt man erstlich kleines Holz, Dornsträuche und Steinkohlen; dann kleine Kalksteine; hernach wieder eine Lage Feuerholzes, und so mit Kalksteinen und brennbaren Materien abwechselnd weiter.

5.) Gegen die Mitte des Ofens nimmt man aber größere Kalksteine, und diese Größe der Steine nimmt gegen die Höhe des Ofens wieder ab; auch werden die kleinsten Steine, von unten hinauf, durchaus, immer an die Seiten, nach der ganzen Rundung, an die Mauerziegeln gelegt.

6.) Bey Kalköfen, die in der Erde stehen, braucht man nicht so viele Feuerung, und der Kalk wird besser ausgebrannt; als bey jenen die über der Erde gebauet sind. Bey einem Ofen in der Erde, kann man aber, nur drey Luftlöcher durch die Mauer anbringen.

§. 3.

Ein Kalkofen in Gestalt eines Eyes.

1.) Ein Ofen zum Kalkbrennen der in Gestalt eine Eyes gebauet, unten und oben, nur zur Nothdurft, mäßig offen ist, in und nahe bey der Mitte aber einen weiteren Umfang hat, zudem unten etwas enger, als oben ist; ein solcher Ofen wirft die Feuerstrahlen stärker zurück, giebt mehr Hitze, und brennet folglich den Kalk besser aus, als ein anderer Kalkofen, der von unten hinauf immer weiter ist, oben aber, eine gar zu große Oefnung hat.

2.) Wenn der Ofen gefüllt, oder zugebauet ist, dann thut man wohl, wenn man ihn zum Dünger mit dürren Rasen bedeckt; um die heftige Hitze, nach Möglichkeit, beysammen zu behalten; das ist: damit der Wind oben nicht in das Feuer blasen, auch der Regen das Feuer nicht dämpfen, oder selbiges gar auslöschen könne.

3.) Die Steine müssen, ehe man sie in den Ofen legt, deswegen zerbrochen werden; damit sie von der; in den Hölungen enthaltenen Luft, bey der heftigen Hitze, durch deren Ausdehnung, nicht aufplatzen, und den Ofen beschädigen.

Aus eben dieser Ursache muß man sie für die Oefen, welche über der Erde stehen, kleiner brechen, als für jene, die in der Erde gebauet sind; bey welchen oft die halbe Arbeit und die halbe Feuerung erspart werden kann.

§. 4.

Aus was für Steinen man guten Kalk und mit welchen Materien man sie brennen könne.

1.) Die härtesten und festesten Steine geben den besten Kalk; je härter aber die Steine sind, desto mehr Feuer wird dazu erfordert.

2.) Die harten und weichen, kalkartigen Steine brennt man, zum Dünger, mit kleinem Gehölze, Sträuchern, Steinkohlen, Torf, auch mit Farrenkraute, dessen Blätter ein gewaltiges Feuer geben.

§. 5.

Das Scheidewasser giebt zu erkennen, ob aus manchen Steinen Kalk zu brennen sey oder nicht.

1.) Die sicherste Weise zu erfahren, ob aus manchem Steine Kalk zu brennen sey, ist diese: daß man ein wenig Scheidewasser, oder Spiritus vom Seesalze darauf gieße. Alle Steine, auf welchen die obigen, oder andere scharfen, sauren Säfte sich erwärmen, und Blasen machen, sind Kalksteine; sie können folglich zu Kalk gebrannt werden.

2.) Je heftiger die Steine bey der Probe brausen, desto besser dienen sie zum Kalke. Die Wirthschaftsämter sollten sich also mit solchen scharfen, sauren Säften, zur Prüfung, versehen.

3.) Hier wird noch angemerkt: daß der Kalk zur Düngung besser sey, als die gebrannte Kreide.

§. 6.

Ein Windwedel zur Treibung der Luft im Ofen.

Die Chineser bedienen sich bey den Kalköfen eines Windwedels, der demjenigen sehr ähnlich ist, womit das Getraide gereiniget wird. Mit diesem treibt man die Luft sehr heftig, durch eine enge Röhre, am Boden des Ofens hinein; wodurch das Feuer so heftig wird, daß man den härtesten Marmor brennen kann.