Rinmann 1785/II
Swen Rinmann, Versuch einer Geschichte des Eisens mit Anwendung für Gewerbe und Handwerker II, Berlin [Haude – Spener] 1785.
pp. 127–130
§. 197. Von der gelben Farbe vom Eisen.
Es ist schon angemerkt, daß die gelbe und Rostfarbe beym Eisen die gemeinste sey. Sie ist immer der Anfang der rothen, die durch natürliche innere Erhitzung oder auch durch Feuer hervorgebracht wird. Die so allgemeine Vitriolsäure ist die vornehmste Ursache der gelben Farbe; sie löset das Eisen auf oder zerfrist es, wobey die Eisenerde mit gelber Farbe nachbleibt. Die eigene Säure des Eisens zugleich mit der Luftsäure können hiezu auch bisweilen mit würken.
In einigen Gegenden, auch in Schweden, wo Eisenbinden und Vitriolkiese häufig sind, findet man kaum einen Stein ohne Rostflecke; noch mehr ist dieses, wo ganze Gänge aus verwitterten Kiesen bestehen. Der häufige gelbe Ocher bey reichen Mineralquellen möchte bisweilen durch Luftsäure dargestellt seyn, die im Wasser ist, die Auflösung des Eisens im Wasser, wenn es durch eisenhaltige Bergklüfte fliest, befördert, da es sich denn an der Luft deponiret. – Die häufigen See- und Sumpferze von schlechter gelber und gelbbrauner Farbe scheinen ähnlichen Ursprungs. Herr Baume sagt in seiner Mineralogie, daß einige Ocher 60 in 100 rothbruchig Eisen geben. So reich sind die schwedischen nicht, und gewöhnlich geben sie kaltbrüchig Eisen. So häufig auch die gelbe Farbe vom Eisen in Schweden ist, so sparsam haben wir sie von der Schönheit der fremden Köllerfarbe, des hellen und braunen Ochers u. s. f. Bey Falun &c. findet man gelbe Erde von verwitterten Kiesen, von der Braunroth gebrannt wird, gelb aber nicht schön ist.
Kaum wird ein Reich schönere und zum Mahlen tauglichere gelbe Ocher, als England, haben. Bey Oxfort findet man unter einigen Lagen von eisenschüssigem Sandsteine und blaulichem Thone eine ¾ Ellen mächtige Ocherlage. Er ist theils schön brandgelb, weich oder Thonocher, theils blaßgelb, erhärtet oder Steinocher. Der Thonocher braust nicht mit Scheidewasser; in gelinder Hitze erhärtet er, und wird rothbraun, in starker schwarzbraun und ist in der stärksten weißwarmen Hitze kaum zum Schmelzen zu bringen. Der Magnet zieht ihn denn. Der Steinocher knittert im Feuer wie Kochsalz; mit Borax kann man ihn gar nicht zum Schmelzen bringen. Der Eisenhalt befördert also nicht immer das Schmelzen, wie man sonst allgemein glaubt. – Alle gelbe Ochern, die ich prüfen können, waren sich in den Grundmaterien gleich; alle bestanden aus Thon, dem Eisenkalk eingemischt war. Der Thon war nicht immer so schwer schmelzend als der englische. Bisher habe ich noch keinen gelben Ocher von kalkiger Natur angetroffen. Alle schwedischen, gelben und braunen Seeerze enthalten Thon von leichtflüssiger Art.
1. Neapelgelb vom Vesuv ist eine mürbe, streubig anzufühlende, löcherige, Stein- oder Erdart, die sich von den gewöhnlichen gelben Ochern darinn unterscheidet, daß sie im Feuer, selbst in starker Schmelzhitze, ihre gelbe Farbe behält, daher sie eine bimssteinartige gelbe Lawa, deren Farbe sich durch das lange Liegen in der Erde verbessert haben mag, zu seyn scheint. Ihren Eisenhalt findet man, wenn man sie pulvert und mit Vitriolsäure digeriret, die Solution mit Wasser verdünnet und Berlinerblau zugießt, dadurch eine schöne blaue Farbe entsteht. Daß das Feuer durch und mit Eisen solche gelbe Farbe darstellen könne, sehen wir bey Dannemora, wo einige Erze, wenn man sie dem Ofen zu häufig aufgiebt, nebst grüner, auch dichte schwefelgelbe Schlacken geben, die doch zum Theil von dem in den Erzen befindlichen Bleyglanze kommen können. In Roßlagen bey Lössa ist ein grauer Seethon, der durch Brennen gelbe, den hollandischen Klinkern ähnliche Ziegel giebt. Eine andere unter der Benennung Neapelgelb gebräuchliche Farbe giebt Emaillirern und Töpfern eine ziemlich feuerfeste, zitrongelbe Farbe. Sie ist eine künstliche Zusammensetzung aus weissem Spiesglaskalke (Antimon. diaphoret.), Bleyweiß, Allaun und Salmiak, die zusammen calciniret werden. Es hat die Farbe vom Spiesglase und gehört also nicht hieher.
2. Italienischer gelber Ocher ist eine schöne gelbe, thonigte Farbe, die im Feuer, wie gewöhnlich gelbe Eisenerden, roth wird. Herr Montamy sagt von ihr, daß wenn man sie mit doppeltem Gewichte Kochsalz wohl verschlossen in starke Cementationshitze bringe, sich das Eisen als Körner reducire und die übrige Erde blaßgelb werde.
3. Gilbe oder gelbe Guhr ist ein wahrer Eisenocher, vermuthlich von verwittertem und fortgeschlemmtem Kies. In den kleinen Klüften der Silbergruben hält sie bisweilen Silber, daher sie einige Mineralogen unter die Silbererze zählen.
4. Gelber ungerscher und achener Galmey ist sehr eisenhaltig, und scheint davon seine Farbe zu haben. Es giebt aber auch, vorzüglich in England, Zinkerz, glasiger Form, von gelbgrüner Farbe, welches kaum eine Spur vom Eisen hat.
Das Eisen ist so häufig die Ursache der gelben Farbe im Mineralreich, daß man diese Farbe für eine Anzeige des Eisens halten möchte; da diese Farbe aber auch von Spiesglas, Wismuth, Bley, Silber und Zink kommen kann, so kann man ohne Prüfung nicht gewiß sagen, ob die gelbe Farbe vom Eisen oder einem andern Metalle ist.
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§. 198. Von Bereitung der gelben Farben vom Eisen.
Der an so vielen Orten häufig vorhandene natürliche gelbe Ocher hat verursacht, daß man sich wenig bemühet, diese Farbe vom Eisen zu machen. Der natürliche Ocher wird für Mahler blos durch Schlemmen verbessert, und vom Sande und andern Beymischungen geschieden. Man weicht ihn im Wasser auf und zapft, wenn sich das Grobe Fremde gesetzet, den zarten gelben Schlamm in andere Gefäße, in welchem er sich setzet, und denn getrocknet wird.
Durch gelindes Brennen im Calcinirofen, kann man seine Farbe sehr verschieden verändern, und selbst bis zur rothen treiben, wovon im Vorigen. Guter Ocher, den Mahler für geltend halten, muß weder Sand noch Salz enthalten, sich mit Leimwasser und Oel gebrauchen lassen, und sich vom Oele nicht sehr verdunkeln. Von bereiteten gelben Farben will ich noch folgende merken:
a. Der in Alaunwerken fallende gelbe Kühlfässerschlamm (Swalkars slam), den man so wie er ist, ohne ihn vorher roth zu brennen, zum Anstrich der Häuser gebrauchen kann. Für Mahler muß er durch Kochen im Wasser von aller Salzigkeit befreyet werden.
b. Feinere gelbe Farben muß man absichtlich und ihrer selbst wegen, durch Auflösung des Eisens in Säuren und Fällen mit alcalischen Salzen bereiten, wovon §. 234. und in der achten Abtheilung mehr. Die gefälleten gelben Ochern sind nach dem Auslöse- und Fällmittel und dem weniger oder mehr vorhandenen Phlogiston des Metalles von verschiedenen Schattirungen. Eine hohe branndgelbe Farbe erhielt ich durch Auflösung des Eisensafrans in Salzsäure und dessen Fällung mit Weinsteinsalze; der Niederschlag war nach dem Aussüssen zum Mahlen recht dienlich.
c. Eisen in Essig aufgelöst, fället sich mit der Zeit von selbst als gelbbrauner, Umbra ähnlicher Ocher. Aus der Solution in Scheidewasser oder der Auflösung des Vitriols in Wasser fällt es, nachdem die Solutionen mehr oder weniger gesättigt waren, mehr oder weniger hell- oder dunkelgelb.
d. Eine der schönsten branndgelben Eisenfarben, habe ich aus der Auflösung des Eisens in Vitriolsäure, zu welcher ein wenig Quecksilbersolution in Scheidewasser gemischt worden, durch ungeläuterte Soda in Wasser aufgelößt erhalten. Der gefallene Ocher war zwar anfänglich grün, nach dem Auslaugen des Salzes aber, und einem ganz gelinden Glühen im Scherbel unter der Muffel, ward er zur schönen Feuerfarbe oder wie Königsgelb.
e. In größerer Menge erhält man einen sehr feinen, hellgelben Ocher, wenn man in eine Eisensolution in Scheidewasser mit Salmiak gesättigt, oder in Königswasser, welche mit 10fachem Wasser geschwächt worden, so viel Alaun legt, als darinn aufgelöset werden kann, und denn die Solution mit Alcalischer Lauge, am besten von Soda fället. Nach dem Brausen kann man den gesammten Schlamm in einen Filtrirbeutel schütten, und durch nach und nach zugegossen warm Wasser vom Salze befreyen. Der Eisenocher wird hier durch die mitgefallene Alaunerde vermehret, und alles ist eine feine, schöne hellgelbe, dauerhafte Farbe, auch für feine Mahlerey nicht zu theuer. Eine wohlfeilere, aber auch schlechtere gelbe Farbe erhält man, wenn man feingesiebten weissen gelöschten Kalk zu einer starken Auflösung des Eisenvitriols mischt und alles trocknet. Wie man gelbe Farbe aus aufgelöstem Vitriole für Steinhäuser erhält, wissen alle Maurer.
f. Auch vom Roheisen mit Salpeter detoniret, ward feiner, branndgelber Ocher erhalten. Aber
g. Die schönste schwefelgelbe Farbe erhält man durch Fällung der Eisenvitriolsolution mit Zuckersäure (§. 239.). Diese Farbe gleicht Gummi gut, und kann mit Zuckerwasser und eben so mit Oelfirniß gerieben, zu den feinsten Wasser- und Oelmahlereyen gebraucht werden.
