Rößler 1700

Balthasar Rößler, Speculum Metallurgiae Politissimum. Oder Well-polierter Berg-Bau-Spiegel…, Dresden [Johann Jacob Winckler] 1700.


pp. 162–166

Cap. 20.

Von der blauen Farbe/ Saflor, wie dieselbe gemachet wird.

§. 1. WEil man zu einem solcher zu einem solchem Wercke/ das da continuirlichen mit 6. Schmelzs Oefen soll getrieben werden/ des Jahrs in die 500. Klaffter Holtz haben muß/ also muß dasselbe an einen solchen Ort gebauet werden/ daß man das Wasser darbey/ und das Holz in der Nähe haben kan.

§. 2. Es muß ein geraumer Platz darzu seyn. Diesen muß man eigenthümlichen erkauffen/ oder verzinsen/ denn man muß Gräben führen/ Wege machen/ Wohnung/ Hütten und Pochwerck bauen/ und Platz zum Holtze haben/ und wird erfordert ein Wohn-Hauß/ darinnen sich die Vorsteher auffhalten können. In dem untersten Stocke muß seyn eine Wohn-Stube/ eine Dörr- oder Treuge-Stube/ und eine Bereit- oder Reib-Stube/ benebenst zweyen Poch-Wercke. Ein naß Poch-Werck zum Sande. Ein treuge Pochwerck zum rohen Kobalt/ und eines dergleichen zum Farb-Glas/ oben auff können andere Zimmer und Kammern zum Auffenthalt/ auch zur Lust gebauet werden.

§. 3. Eine etwas abgesonderte Hütte/ darinnen muß seyn der Calcinir-Ofen/ den Kobald darinnen zu brennen. Einen Ofen/ die Pot-Asche oder Fluß zu calciniren. Ein Ofen zum Schmelzen/ wie ein Glaß-Ofen/ darinnen man die Composition zu Glaß schmeltzet/ darbey der Sand und das Holtz gedörret wird/ wie denn darinnen ein sonderlicher Orth seyn muß/ die Asche auszulaugen/ und die Pot-Asche oder Fluß zu sieden/ wo man sol che nicht Kauff-weise/ oder der Gnüge erlangen kan.

§. 4. Hierzu dienet nun guter Kobald/ der eine liebliche Farbe giebet/ und der viel Sand ertragenkan. Solcher Kobald muß von aller Unart und Tauben rein geschieden werden. Wenn aber Silber-Art im Kobald mit einbricht/ so schadet es ihme nicht/ weil dasselbe die Farbe höher und lieblicher machet.

§. 5. Dieser Kobald nun wird in einem Pochwercke treuge gepochet/ offt mit drey auch nur mit zwey Stempeln und wird durch einen Durchworff geworffen/ daß er seine Gleichheit der Grosse zum calciniren bekomme. Desselben wird eine Quantität in den Calcinir-Ofen gestürtzet/ und so lange gebrandt/ biß kein Gestanck mehr bey ihme zu spüren ist. Etlicher/ der gar gifftig/ wird zu vorhero/ weil er noch im Stuffenwerck ist/ auff einem Platz öffentlich geröstet/ so denn gepochet. Das Mehl wird bey dem Calciniren auffgefangen/ und zum Arsenic machen genommen.

§. 6. Es werden auch schöne weisse Qvertz-Wände oder Kiesel-Steine darzu gebrauchet/ derer müssen der Menge solcher Orten verhanden und zu erlangen seyn/ denn offtmahls 1. Centner Kobald/ derer von 1. bis 3. in 4. Centner erfordert.

§. 7. Solcher Kiesel-Steine und Qvertz-Wände werden etzliche Fuhren auff einen Rost gesetzet und gebrandt/ daß sie sich desto besser pochen lassen/ und die tauben Berge/ wie auch die Eisenschüßigen Adern/ die sich darinnen befinden/ sich davon scheiden können/ und der Qvertz-stein erlanget werden kan.

§. 8. Solche gebrandte Kiesel-Steine werden in einen nassen Pochwerck gepochet/ und die Trübe und das Reine davon geschieden/ solcher Sand wird bey dem Schmelz-Ofen getrocknet/ daß er zum Versetzen dienet.

§. 9. Die Beschickung oder Vermischung zum Schmelzen geschicht in einen grossen Kasten/ welcher in der Hutten stehet/ nach dem Gewichte oder Maaß. Und nachdeme ein Kobald viel Sand zum Zusatz erleiden kan/ wird ein Theil des calcinirten Kobalds/ und 2. 3. bis in 4. Theil reinen und dürren Sandes darzu genommen/ mit seinen gebührenden Fluß/ der calcinirten Pot-Aschen. Soll aber eine gar feine und hohe Farbe ausgebracht werden/ kommt des Sandes wenig und der Pot-Asche desto mehr dazu.

§. 10. Diese Vermischung wird in die 6 Hafen/ die in den Schmelz-Ofen/ und uff ieder Seite drey gegen einander überstehen/ wenn zu vorhero ausgeschöpffet worden/ oder uffs neue angefangen wird/ eingetragen.

§. 11. Anderer Orten werden auch nur 4. Hafen solcher Gestalt gebrauchet. Es wird ihnen von forne/ zum Theil hinten/ mit dörren Holtze/ welches allezeit in diesenSchmelz-Ofen/ oben auff einer sondern Kammer gedörret wird/ gleich einem Glaß-Ofen zugeschüret/ und die Materia zu unterschiedenen mahlen umgerühret/ daß es seinen rechtenFluß unter einander bekommet; denn es muß wie ein Glaß fliessen. Wenn das Feuer recht gehalten wird/ so kann in acht Stunden ausgeschöpffet werden. Offt geschichts/ daß man auch nur in 12. Stunden einmahl ausschöpffen kan. In dem Schmelzen findet sich oben auff ein weiß fliessend Saltz/ wie ein Glas-Mehl/ welches vom Fluß kommet/ solches wird abgeschöpffet/ und eine Glaß-Galle genant.

§. 12. Das geschmelzte Glaß wird ins Wasser in einen Trog ausgegossen. Sechs Hafen/ die alle acht Stunden ausgeschöpffet werden/ bringen in Tag und Nachtbey 10. Centner Glaß. Solches Glaß wird in einem trockenen Pochwercke mit zwey Stempeln gepochet und durchgeworffen/ oder gerädelt/ so dann zum Mahlen eingetragen.

§. 13. Eine Mahl-Kunst aber wird also zugerichtet/ daß das Kamm-Rad oben/ und das Getriebe an den Stein darunter kommet/ gar zu unterst lieget der Boden-Stein/ und die Lauffer dar über/ und über demselben befindet sich das Getriebe. Der Boden-Stein und die Läuffer sind in einen solchen Kamp eingefasset/ der Wasser haltenmuß. Oben über den Läuffern wird der Ramp verdecket/ und mit einem Deckel/ den man abnehmen kan/ da in der Mitten die Getriebe-Stange durchgehet. In solchem Deckel ist auch ein Thürlein auff der Seiten/ dadurch man das Glaß ein tragen/ und Wasser geben kan/ denn es muß alles im Wasser gemahlen werden.

§. 14. Wie sonsten der Läuffer in einer Korn-Mühlen rund und vollkömmlich in einem Stücke. Also sind in diesen 2. Stucke/ die mit eisernen Klammern uff beyden Seiten/ und mit den Mühl-Eisen zusammen gefasset sind/ daß sie zwar die Runde geben/ mitten aber einer qveeren Hand weit von einander liegen/ werden auch ziemliche tieffe Kerben darein gehauen/ zum bessern und schleunigern Mahlen. Man träget ohnegefehre uff einmahl 20. Schauffeln voll ein /und giesset 3. Wasser-Kannen Wasser darzu/ wird in Tag und Nacht 5. mahl abgezäpffet/ iedoch muß man sich darnach richten/ wenn es seine Gnüge hat.

§. 15. Es erfordert aber ein solcher Schmeltz-Ofen zwey solche Mühl-Gange und Künste neben einander/ wenn in 6. Hafen geschmelzet wird. Und so das Mahl-Werck abgelassen wird/ wird es in die Wasch-Kammer gebracht/ und in ein Wasch-Faß/ derer unterschiedliche und an die 9. daselbsten seyn müssen/ gegossen/ darinnen es wohl umgeruhret wird/ so denn lässet man es  ruhen/ und sich setzen/ das Wasser/ so etwas blauligt/ giesset man davon abe/ in ein ander Faß.

§. 16. Aus dem ersten Faß wird die Farbe genommen/ und in das andere Faß/ darein rein Wasser gegossen ist/ solcher Gestalt gethan.

§. 17. Eine Person sticht mit einer Schauffel die Farbe aus bemeldten ersten Faß eintzeln nacheinander in das andere Faß/ darbey die andere Person stehet/ und rühret mit einem Rühr-Scheide ohne Unterlaß die hineingestochene Farben durch einander/ damit aller Schlamm und Unsauberkeit davon komme/ und sich in das Wasser begeben kan/ also wird ferner damit verfahren/ daß aus dem andern die Farbe in das dritte Faß gleicher Gestalt gestochen/ und in so vielen Fassen gewaschen wird/ biß es rein gnug.

§. 18. Die Zusammen-gegossene Wäsch-Fässer lässet man ruhen/ so setzet sich ein Schlamm/ den nennet man Aschel/ welcher bey den Schmeltzen wieder zugesetzet wird.

§. 19. Wenn nun die Farbe wohl gewaschen/ so wird sie ausgeschlagen/ und in die dörre Stube gebracht/ alda bretener Tafeln/ die uff den Seiten mit Leisten gemachet/ verhanden seyn müssen/ darauff thut man die Farbe/ und sehet die Taffeln auff Stangen/ die in der Höhe eingemachet sind/ daß sie wohl austrocknen kan/ wie denn hierzu ziemlichen eingeheißet werden muß.

§. 20. Es wird aber immer eine Tafel nach der andern herunter genommen/ und die Farbe mit einem rundten Holtze zerdrucket und zerrietben.

§. 21. Wenn nun etliche Tafeln Farbe wohl getrocknet/ so siehet man darunter auch einen Unterscheid/ daß eine hoher/ als die andere! nachdeme ein Schmeltz-Glaß hoch heraus gekommen/ oder von dem untern Theil des Wasch-Fasses ausgestochen worden.

§. 22. Weil die groben Sorten allezeit höher scheinen zu seyn/ als die klaren/ so wird solche gedörrete Farbe in die Bereite-Kammer gebracht/ und in einem Kasten/ wie ein Beutel- Kasten in denen Getreyde-Mühlen durchgesiebt/ daß die Sorten gleich kommen/ und sich recht vermengen. Solche Farbe wird hernach in die Fässel eingepacket/ und werden gemeiniglich 3. Ct. in ein Fässel geschlagen.

§. 23. Zu denen Schmelz-Oefen muß man sonderlich guten Thon haben/ daß sie wohl halten/ welcher manches Orts weit hin zuschaffen. Es wird aber der Thon/ welcher uff dem Irrgang/ (ist ein Ort mit etlichen Häusern bewohnet/ zwischen der GOttes-Gabe und der Platten/ und 1. Meilweges vom Joachims-Thal gelegen/) in demselben Berge bey 20. Lachter tieff/ daraus das Seiffen-Gebürge gefördert worden/ und uff demselben Seiffen-Gebirge er zu befinden/ der mehrer Theil gebrauchet. Aus solchem Thon werden gar gute Hafen mit etwas Zusatz der abgesetzten Hafen in einen hölzernen Model gemachet und geschlagen.

§. 24. Dieses Werck habe ich also kurtz zu beschreiben von nothen zu seyn vermeynet. Alle Begebenheiten und Hand-Griffe aber haben nicht können hier bengebracht werden/ könte aber am besten von denenjenigen/ so dergleichen Wercke unter Händen und zu bestellen haben/ geschehen.

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DIe guten Kobalde/ welche das vornehmste Stück zur blauen Farbe sind/ brechen in Meißnischen Ober-Gebirge/ deme der Ursprung und Auffkomen dieses Bergwercks so viel erfreulicher gewesen/ als mit dem Verlauff an die Helffte des vorigen Seculi die reichgültigen Silber-Ertzte sonderlich auff St. Annen- und Schneeberg mercklich sich abgeschnitten/ durch diesen Kobald-Bergbau aber/ sonderlich dieser letzten Stadt/ ein neuer Seegen auffgeblühet.

Ohne ist es zwar nicht/ das vor zweyhundert Jahren und mehr Kobalde auf denen Silber-Zechen der Orthen mit gefördert worden/ allein/ weil derer Gebrauch zu selbiger Zeit/ wo nicht gantz/ doch meistens unbekannt gewesen/ ist solch Ertzt nicht geachtet/ und mehrentheils mit auf die Halten gestützet worden.

Ausser dem Meißnichen Ertz-Gebirge finden sich auch wohl anderer Orthen Kobalde/ sonderlich ist dergleichen vom Königreich Böheim bekandt/ allein wie solche denen preißlichen Meißnischen Kobalden bey weiten nicht beykommen/ so geben sie auch gar eine geringe blaue Farbe/ wie denn die Böhmische meist Ascherhafftig fällt/ und wann sie sehr trocken wird/ oder eine Zeitlang in der Lufft oder Sonnen steht/ die Farbe verliehrt/ die Meißnische aber behält bestänig ihr edlest Licht.

Weil nun die Böhmen aus der Erfahrung haben, daß mit Zusatz der Meißnischen Kobalde die ihrigen zu gut zu machen, so ists ihnen lieb/ wenn sie von diesen bekommen können/ allein von der hohen Obrigkeit ist umb dem Meißner-Lande den von Gott gegönneten Zugang nicht zu entziehen/ bey hoher ja Leib und Lebens-Straffe/ vermittelst in Druck ausgegangener und auff den Gräntzen öffentlich angeschlagenen Churfl. Mandaten/ dieselben abzuführen verbothen/ auch zum Schrecken an denen Böhmischen Gräntzen deshalben Galgen auffgerichtet zusehen/ anbey gewisse Kobald-Ausreuter/ gegen solche Kobald-Partirerey Obsicht zu haben/ auff die Strassen bestellet/ wie wohl nicht zugeschweigen/ daß im Königreich Böheimb selbst dergleichen scharff/ und zwar/ wie an vernimmt/ bey Verlust ihrer Farb-Hütten/ mit Meißnischen Kobalden nicht zu partiren/ untersaget/ auch daher solchen straffbaren Vornehmens halben keines Weges öffentlicher Vorschub geschiehet.

Die Kobald-Bergwercke werden/ wie andere Bergwerck/ es seye auf Zinn/ Kupffer oder Silber gebauet/ und bricht der Kobald selbst gemeiniglich in einem lichten mit Wismuth vermengten Qvertz/ der in Schiefer bricht/ ist nicht so gut/ als jener/ wird mit Schlägel und Eisen gewonnen/ theils auch mit Schiessen/ nachdem der Gang oder Gestein feste ist oder nicht.

Die Natur und Beschaffenheit des Kobald-Ertztes scheinet sein eigener Nahme anzuzeigen/ dann Kobald seiner Bergmannischen Bedeutung nach nichts anders/ als dem Bergwerck schädlich/ abhold oder verderblich Ding und Berg-Art heisset/ so die guten Ertzte verkürzt/ oder wild und kalt macht/ massen viele glauben wollen/ daß solch Kobald-Ertzt gleichsam das Silber raube/ und da und dort zum Theil verzehre.

Wiewohl die Bergleute das Kobold-Stuff-Werck gar klein zerschlagen und fleißig suchen/ ob etwan ein Drüßgen Silber drin sitze/ dann es zu geschehen pfleget/ daß etwas Silber zu weiln mit bricht/ die Kobalde aber an und vor sich selber sind keines Weges Silberhaltig/ und haben bis dato diejenige Mühe und Kosten vergebens angewendet/ die aus dem Kobald/ als Kobald-Silber zu machen getrachtet.

Wie es den eine Grund-lose und von der Erfahrung vielfältig widerlegte Vermuthung/ was ein ungenannter Autor, den Leuten einbilden will/ wenn er spricht: Ein unartiger derber Kobald/ der sonst in der gemeinen Probe über 1. Loth nicht hält/ und im Feuer neben andern Ertzten gar eine räuberische Art ist/ wann man denselben pulverisiret/ und in ein Aqvafors thut/ so solvirt er sich gar rein auf/ wie ein Silber/ daher ist glaublich/ daß er eine natürliche Geheimniß hinter sich hat/ in Betrachtung/ daß der Kobald ein unreiner Arsenic und ungeläuterter Schwefel ist.

Nun weiß man/ fährt er fort/ daß der Arsenic das Kupffer weiß macht/ wie ein Silber/ und der Schwefel das schöne weisse Silber zu Glaß-Ertzt/ welches dem Kobald an frischen Stuffen nicht unähnlich siehet/ derohalben/ vermuthlich ist/ daß hinter dem Kobald ein verborgener Genieß stecke/ ja nur allzusehr verborgen/ möchte man sagen/ und wird der vermuthlich nicht auffstehen/ der den eingebildeten Genieß ausfündig mache.

Nicht weniger ist man so neugierig gewesen/ sich in die Gedancken zu bringen/ es wäre aus dem rechten guten Kern-Kobald/ der sonst die lieblichste blaue Farbe giebet/ auch eine dergleichen blaue Tinctur, damit man blau färben könne zu extrahiren/ ist aber an der Bewerckstelligung gleichfalls sehr zu zweiffeln/ weil der Kobald/ wann er aus dem Calcinir-Ofen/ darinn er nothwendig/ ehe er zu gut zu machen/ wie oben angeführet worden/ aufgebreitet und abgeraucht werden muß/ heraus komt/ ein todes Wesen/ und mehr einer Aschen/ als etwas/ so einen Safft bey sich haben könne/ gleich ist.

Herr Joh. Mathesius saget/ er habe einen schwartzen dichten Kobald gesehen/ mit Schwefel-Dünsten und Fettigkeit vermengt/ der habe gebrannt wie eine Stein-Kohle/ und verrauchet/ biß er zu Aschen worden. Es sollen dergleichen häuffig im Schlesischen Riesen-Gebirge brechen/ die aber nichts weniger als eine blaue Farbe geben. Im Königreich Böheim giebts so gar gifftige und von allen andern Metall und Mineralien entblöste Kobalde/ die im Rösten meistens verrauchen/ auff welche nichts-haltige Berg-Arth aber/ oder blosse Arsenic-Kieße/ die den Nahmen der Kobalde oder Ertzte nicht meritiren/ zum Nachtheil des Berg-Baues/ auch Ruin der Arsenic-Wercke bauen/ man so schlechter Dings nicht zugelassen seyn/ wahr nimmt.

Sonsten aber ist bekannt/ daß unter dem Kobald/ in der Anwendung zur blauen Farbe/ ein mercklicher Unterscheid sich ereignet/ indem etlicher reich und zur besten Sorte oder Muster von ben gebraucht/ anderer aber nur zu geringer oder Mittel-Farb angewendet werden kan/ daher auch Der Preiß solchen Mineralis nicht gleich/ und der beste vom geringsten auff ein Drittel different ist.

Zur Eigenschafft der Kobalde gehort mit/ daß wann er sehr kuppernicklich ist/ und in die Lufft kommt er nicht nur wie geleschter Kalck zerfalle sondern auch die Lufft seinen Kern und edelstes verzehre/ deswegen man es auff den Blau-Farb-Wercken/ als ein Hauswirthlich Stück/ practiciret/ und die Kobalde förderlichst verschmelzet/ und ins Glaß setzet.

Ob nun wohl die Erfahrung bißher gelehrt/ daß von den Kobalden anders nichts/ als die bekandte blaue Farbe oder Schmalt zu bereiten gewesen/ diese aber von keinen grossen Gebrauch im menschlichen Leben sey/ massen/ ausser zu dem Mahlen und was zum Porcelainen und Delfftischen Gefäß/ so dann die Wäsche zu blauen/ consumiret wird/ sie sonst zu nicht viel mehr nutze. Nichts destoweniger hat von solchem Berg-Bau das Meißnische Ober-Gebirge/ und zwar meistens die Schneebergische Revier nunmehr geraume Jahr/ mercklichen Zugang gehabt, wie denn/ zum Exempel/ vom Quartal Reminiscere, 1660. biß 1664. inclus. und also binnen fünff Jahren/ beym Schneebergischen Berg-Bau 13134 ¾. Centner Kobalde gefördert/ und davon nur an Churfurstlichen Neundten und Zehenden 8454. Güld. 18. Groschen 104. Pfennig solche Zeit über einbracht worden.

Der mehrere Genuß von denen Kobald-Bergwercken hat sich ereignet/ nach dem die Verfertigung selbst der blauen Farben im Lande bekannt worden/ gestallten dann das Alter der Blau-Farb-Wercke und des Kobald-Ertzt-Baues keines weges gleich/ dann wie vorhin angezeiget worden/ so ist es bereits über anderthalb hundert Jahr/ daß auff Kobald im Meißnischen Ertz-Gebirgen gebauet/ allein es ist kaum 60. Jahr/ daß der Kobald auff inländischen Farb-Wercken zu gut gemacht/ und in blaue Farbe versetzet wird.

Man hat wohl/ weil auff dem Schneeberge den Kobald zu contrahiren und in Saflor selbigen zu versetzen lang vor Erbauung der Farb-Mühlen gebrauchlich/ nicht weniger bereits im vorigen Seculo gewisse Personen/ so die Kobalde und so genannte Saflor-Farb einzukauffen/ hinwiederum auch allein in fremde Lande zu verhandlen/ cum jure prohibendi privilegiret gewesen/ weit mehr als vor hundert Jahren von Farb-Privilegiis und befugten Farb-machen zu reden gewust/ allein die Auffrichtung der Farb-Mühlen und ietzt-gewöhnliche Blau-Farb-Bereitung ist nicht viel über die Helffte eines Seculi im Umgang.

Das Fundament bey der Verfassung des Kobald-Bergwercks/ nicht weniger auch der Blau-Farb-Werck/sind die von Anfang eingeführte Kobald-Contracte/ dann nach dem bereits Churfürst Augustus Glorwürdigster Gedächtniß wahrgenommen/ daß der bauende Kobald-Gewercke einer wie der ander sein Guth nicht anwerden könne/ als vermittelst einer gleich eingerichteten allgemeinen Kobald-Abnahme/ hat er Anno 1575. Hanß Jenitzen/ und Hanß Harren auf solche Abnahme das erste erste mahl auff 10. Jahr privilegiret.

Solche geschlossene Hand/ da nur gewissen Personen die gewonnene Kobald/ Wismuth und Graupen allein einzukauffen concediret gewesen/ hat die Gelegenheit gegeben/ daß etwan gegen Anno 1640. in Vorschlag gekommen/ ein und ander Blau-Farb-Wercke im Lande zu erbauen/ da dann in dem Stück auff diejenigen/ welche vormahls Contrahenten gewesen/ und sonst den Berg-Bau gedeylich fortgesetzet/ die vornehmste Reflexion gemacht/ und bald um selbige Zeit Vieren/ als Sebastian Oheimen/ Hanß Burckardten/ Veit Hanß Schnorren und Erasmo Schnidlern mit diesen Worten:

Daß in Erwegung ihre Vorfahren durch Abnahme der Kobalde/ Wismuth/ Graupen/ Schlich und Gräuplein den Schnee- und Annabergischen Berg-Bau mercklich befördern/ und hierdurch die Bergwercks-Einkauffte mehren helffen.

vier Farb-Wercke auffzubauen/ und dieselbe um zutreiben/ erbliche Freyheit und Recht gegeben worden.

Nachdem nun auch ihre Nachkommen/ nicht nur denen abgehandelten Kobald-Contracten gemäß sich bezeiget/ sondern noch ferner mehr und mehr ans Bergwerck gewendet/ auch biß hieher dergestalt continuiret/ also daß sie nicht nur das Quantum der Abnahme/ so vormahls jährlich etwan 2400. Centner Kobald gewesen/ biß an die 6000. Centner erhöhet, sondern auch im pretio der Scheide-Proben/ auff ein grosses hinan gestiegen/ also daß nunmehr die hohe Landes-Obrigkeit nicht weniger/ als die bauenden Gewercken/ von solchen Berg-Bau und Blau-Farbwercken fast 3. mahl mehr/ den vor diesen geschehen/ geniessen. So haben die Blau-Farb-Werck-Besitzer dadurch gleichsam in ihrem Befugniß und Recht/ welches sie bald anfangs ex causa onerosa überkommen/ ie mehr und mehr sich befestiget/ immassen es auch darbey bisher geblieben; und solche vier Farb-Wercke bis dato in ihrem esse beruhen/ so doch/ daß das Burckardische/ welches der Erbauer Anno 1653. an damahlige Chur-Prinzliche Durchl. per testamentum vermacht/ in ein doppelt Werck aus gewissen Ursachen ist eingerichtet worden.