Stieglitz 1792/I
Christian Ludwig Stieglitz, Encyklopädie der bürgerlichen Baukunst, in welcher alle Fächer dieser Kunst nach alphabetischer Ordnung abgehandelt sind. Ein Handbuch für Staatswirthe, Baumeister und Landwirthe I (A–D), Leipzig [Caspar Fritsch] 1792.
pp. 262–265
Bewerfen, Berappen, Abputzen
Bewerfen, Berappen, Abputzen, heißt eine Mauer oder Wand, mit Kalk bekleiden, damit man weder die Steine noch das Holz siehet, woraus die Mauer oder Wand bestehet. Ehe die Mauern beworfen werden, müssen sie ganz und vollkommen austrocknen, weil der Mörtel sonst leicht wieder abfällt, oder feucht wird und Flecken bekommt. Es darf aber der Kalk außerhalb und innerhalb der Gebäude nicht stärker als ½ bis höchstens 1 Zoll auf die Mauer getragen werden, weil ein dicker Bewurf inwendig leicht abgestoßen wird, auswendig aber in viele Nässe sich zieht. Durch die Nässe werden die weichen Steine leicht faul, und fallen, besonders durch den Frost, nebst dem Ueberzuge aus, sehr hart gebrannte Steine aber nehmen den Mörtel nicht gut an, und er löset sich bald wieder davon ab. Es ist daher gut, wenn man dergleichen harte Steine gar nicht abputzt, sondern blos die Fugen völlig ausfüllt, sodann die ganze Fläche abreibt, sie eben macht, schlemmt, und entweder mit bloßem Kalke abweißt, oder unter diesen eine Farbe mischt. Der Putz oder Ueberzug wird an den äußern Seiten der Gebäude entweder ganz schlecht und einfach angeworfen, und dieses nennt man Spritzwurf, oder er wird völlig ausgegleicht und mit dem Reibebrete abgerieben, welches fein berappt oder gefilzt heißt. Kommt hierauf noch ein dünner Ueberzug von Mörtel, wie in den innern der Gebäude, so nennt man es schlemmen, worauf dann das Weißen folgt. Soll dieses gut werden, so muß man es zwey- bis dreymahl wiederhohlen, und das letzte Mahl gekochtes Lackmuß darunter nehmen, weil der bloße Kalk zu bald gelb wird. Um das Abfärben des Weißens zu verhindern, kann man Milch unter den Kalk mischen. Zu dem ganz feinen Putz wird Gips genommen, der nicht mit dem Reibebrete, sondern mit der Kelle glatt gerieben wird. Der Stuc besteht aus Kalk, Gips, feinem Sande und einer Leinmasse. Was die Farbe anbetrifft, welche die Gebäude von außen erhalten soll, davon sehe man den Artikel, Anstrich der Gebäude.
Wenn die Mauer nicht ganz austrocknen und die Feuchtigkeit nicht völlig aus der Mauer heraus will, so nehme man klaren Lehm, worein Spreu gerühret wird, oder Thon, damit bekleide man die Mauer, und trage erst auf diesen Lehm den Kalk auf, so wird sich die Feuchtigkeit, die noch in der Mauer befindlich ist, nur in den Lehm ziehen und nicht in den Kalk. Ein anderer guter Bewurf in das Wasser, in Keller, Abtritte, ober an feuchten Orten, ist der, der aus einem Theile guten Kalk besteht, der mit zwey Theilen Sand von gestoßenen alten Dachsteinen vermischt und angemacht worden ist. Im Feuer, als in den Essen, springt der gewöhnliche Bewurf leicht ab, daher ist hier ein anderer gut zu gebrauchen, der aus Lehm besteht, welcher mit ganz frischem Pferdemist zu einer dicken Masse geknetet und 2 Zoll dick aufgetragen wird.
Wenn auf den nassen Kalk soll gemahlt werden, so muß man zu dem Bewurf guten alten Kalk nehmen, und ihn mit recht feinem Sande vermischen. Um mit Oelfarben darauf zu mahlen, mache man zwey Anwürfe, von denen der erste aus gemeinem Kalk besteht, der zweyte aber, damit er recht glatt wird, mit klar gestoßenem Marmor vermischt seyn kann. Die Alten waren bey dem Bewurf der Mauern sehr sorgfältig, vorzüglich wenn sie darauf mahlen wollten, und sie wußten ihm eine schöne Glätte und eine so große Festigkeit zu geben, daß ganze große Gemählde von den Mauern konnten abgenommen werden, ohne zu zerbrechen. Vitruv (Lib. VII. C. 3) lehrt uns die Zubereitung eines solchen festen Bewurfes. Zuerst wird die Mauer oder Wand mit einer Schicht von gewöhnlichem Kalk beworfen, und, ehe diese Schicht trocknet, eine zweyte von eben solchem Kalke darauf getragen, welches man zum dritten Mahle wiederholt, ehe die zweyte Schicht trocken wird. Hierauf muß die Wand mit drey verschiedenen Schichten feinen Kalkes, unter welchen Staub von weißem Marmor gemischt ist, auf eben die Art übertünchet werden, daß man die obere Schicht aufträgt, ehe die untere völlig getrocknet ist. Bey der ersten Schicht wird der Kalk mit grobgestoßenem Marmor gemischt, und diese Materie so lange unter einander gearbeitet, bis sie so zach wird, daß nichts mehr an der Mauerkelle hängen bleibt, wenn man sie herauszieht. Bey der zweyten Schicht wird etwas feinerer Kalk unter den Marmor gethan, und die Wand mit dem Streichholze so lange gerieben, bis sie ganz geglättet ist. Bey der dritten Schicht wird der feinste Marmorstaub genommen, und diese muß mit der Kelle so glatt gestrichen werden, daß sie wie ein matt geschliffener Marmor aussieht. Hierauf wird gemahlt, wenn der Kalk noch feucht ist. Durch diese Glätte der Wand erhalten die Farben ein glänzendes Ansehen, und dadurch, daß sie auf den feuchten Kalk aufgesetzt werden, eine immerwährende Dauer. Vitruv versichert, daß auf diese Art der Ueberzug auf den Wänden der Griechen so fest geworden war, daß man ihn abnehmen und Tischblätter daraus verfertigen konnte. Auch in den zu Herkulanum und Pompeji entdeckten Gebäuden der alten Römer konnte der Ueberzug der Wände, durch Hülfe einer Säge, ohne Schaden von der Mauer getrennt werden.
Wenn die Mauern aus schönen Quadersteinen bestehen, oder mit Marmor überlegt sind, würde es schade seyn, ihnen einen Bewurf zu geben. Außerdem aber ist das Bewerfen nicht allein der Zierlichkeit wegen, sondern auch zur Erhaltung der Mauern nothwendig.
Bewurf, Anwurf, wird der Kalk und Mörtel genennet, womit die Mauern bekleidet werden. s. Bewerfen.
pp. 603–607
Decke
Decke, ist derjenige Theil eines Zimmers, der es oben schließt. Die Decke ist gemeiniglich gerade, in großen Sälen aber, oder in Kirchen bekommt sie oft eine runde Form. Diese Decken werden entweder von Holz oder von Steinen gemacht. Von den letztern, die man Gewölbe nennt, wird unter diesem Artikel ausführlich gehandelt werden, die erstern aber werden der Gegenstand des jetzigen Artikels seyn.
Die hölzernen Decken werden auf verschiedene Art gemacht. Man hat Wellerdecken, Breterdecken, Dobeldecken; ehe wir aber zu der Verfertigung dieser Decken kommen, müssen wir einiges im Allgemeinen über die Festigkeit der Decken bemerken.
Damit sich die Decken nicht biegen, müssen die Balken nicht zu schwach seyn, sie müssen auf der hohen Kante und auch nicht zu weit aus einander liegen. Am besten ist es, die Balken 1 Elle bis 1 ½ Elle weit aus einander zu legen. Ueber dieses darf kein Balken über zwölf Ellen frey und ohne alle Unterstützung liegen, daher müssen bey sehr breiten Zimmern oder Sälen entweder starke Balken, oder verzahnte Balken genommen werden, oder man muß über die Decke im Dache ein Hängewerk anbringen, oder die Balken am Ueberzuge und Träger mit eisernen Bolzen anhängen. S. Balken. Dach. Träger.
Die Wellerdecken werden folgendergestalt gemacht. Man nimmt Tannenholz, und macht daraus Wellerhölzer, etwa 2 Zoll dick, 3 Zoll breit, und 3 bis 4 Fuß lang, und schiebt sie zwischen zwey Balken in die Queere ein, so daß auf jede 2 Fuß 5 Hölzer kommen. Diese Hölzer werden alsdenn mit Strohlehm umwickelt, worauf man den übrigen Raum und auch die Balken mit Lehm bedeckt, und ihn alsdenn mit Kalk oder Gyps übertünchet. Diese Decken sind nicht die besten, weil das dünne Holz leicht dem Vermodern unterworfen ist, und durch die Nässe des Lehms Insecten hinzu gebracht werden können, welche das Stroh und die Wellerhölzer verheeren, daher denn oft mit der Zeit ganze Stücken dieser Decken herabfallen. Doch ist diesem Herabfallen auszuweichen, wenn man den untern Theil der Balken, oder die Decke mit Bretern verschaalt, und solche alsdenn berohrt und übertüncht, wodurch man eine gute Decke erhält.
Bey den Breterdecken werden an die Seiten der Balken Latten genagelt, auf diese legt man Breter, worauf der Schutt zu dem Fußboden des obern Zimmers zu liegen kommt. Unten werden die Breter entweder nur mit Kalk überweißt, oder berohrt, und alsdenn übertüncht. Bisweilen werden auch die Breter nur zwischen die Balken eingeschoben, oder auf an die Balken angenägelte Latten gelegt, so daß die Decke nicht eine Flucht bekommt, sondern die Balken hervorstehn, die hernach, so wie auch die Breter, überweißt werden.
Bey den Dobeldecken wird der Raum zwischen den Balken mit etwas schwächerm Bauholze ausgedobelt, so daß gemeiniglich die Seite, welche die Decke formirt, in einer Flucht oder geraden Ebene fortgeht. Diese Seite wird alsdenn berohrt und übertüncht. Das Ausdobeln wird so gemacht. Man schneidet die Balken etwas ein, und falzt in diesen Schnitt das Dobelholz ein. Aber man kann auch, wenn die Balken stark sind, ihnen schiefe Seitenflächen geben, das ist, sie oben schmäler machen als unten, wo sie aufliegen, und hernach die Dobelhölzer einlegen. Dieses Ausdobeln geschieht nach der Queere von einem Balken zum andern, bisweilen wird es aber auch nach der Länge gemacht, wenn ein Zimmer nicht breit und daher die Decke klein ist. In diesem Falle legt man von einer Scheidewand zur andern, in eben der Linie wie die Balken, schwächeres Bau- oder Dobelholz zwischen dieselben. Die Dicke der Decke eines Zimmers muß wenigstens acht bis zwölf Zoll betragen.
Gemeiniglich werden die Decken ganz glatt gemacht und mit weißem Kalk oder mit Gyps überzogen, oft aber werden sie von Gyps gemacht und auf mannigfaltige Art verziert.
Eine Gypsdecke wird folgendergestalt verfertigt. Wenn der Kalk, womit die berohrte Decke beworfen wird, anfängt trocken zu werden, so trägt man etwas feinern Kalk auf, worauf hernach der Gyps kommt. Um diesen Gyps recht haltbar zu machen, so kann man Pergamentspäne oder Abgänge vom Leder bey den Weißgerbern nehmen, solche mit Wasser kochen, alsdenn durch ein Tuch gießen, und den Gyps mit anmachen.
Die geringste Verzierung der Decken ist die, da man von den Enden und dem Sims der Seitenwände bis hinan zur Decke eine Hohlkehle macht, und wo sich diese endigt, die Decke mit einigen Gliedern einfaßt. Um die Hohlkehle zu machen, füllt man die Winkel, die von dem Zusammenstoßen der Decke und der Seitenwände herkommen, mit Lehm oder Kalk aus, und übertüncht sie hernach; ist aber die Hohlkehle sehr groß, so nagelt man rings herum Schaalbreter an. Die Glieder um die Decke herum werden von Gyps gemacht und mit der Schablone gezogen. Der inwendige Raum der Decke bleibt gemeiniglich glatt und weiß, wodurch die Helligkeit des Zimmers vermehrt wird, oder sie erhält eine lichte Farbe, die Hohlkehle aber bekommt bisweilen eine blasse Farbe.
Um die Decken noch mehr zu verzieren, so werden sie bisweilen in Felder abgetheilt, und erhalten daher den Namen Felderdecken, oder sie werden mit Laubwerk, Blumen und Blumenzügen, mit Arabesken verziert, die entweder von Stuc gemacht, oder nur gemahlt werden. Sind diese Dinge von Stuc, so werden sie entweder weiß gelassen, oder vergoldet, oder sie bekommen eine andere Farbe. Oft wird die Decke mit einem Bilde verziert, welches man einen Platfond, ein Deckengemälde, Deckenstück nennt. Dieses sind die kostbarsten Verzierungen der Decken, und sie stellen gemeiniglich eine Handlung von allegorischen oder mythologischen Personen vor. Die Decke des Gebäudes scheint hinweg gehoben, man erblickt den Himmel oder die Luft, und wird unter die Götter des Olympus, oder unter Engel und Heilige versetzt.
Alle diese Verzierungen der Decken müssen nicht zu voll und überhäuft, nicht zu prächtig und nicht zu bunt seyn, theils weil sie den Auszierungen der Wände schaden und diese verdunkeln, theils weil es auch beschwerlich ist, zumahl bey sehr hohen Zimmern, lange in die Höhe zu sehn, wozu doch das Auge verleitet wird. s. Verzierung.
Von der Auszierung der Felder an Gewölben und geraden Decken, s. Daviller, Anleit. zur Civil-Baukunst, übers. von Sturm S. 342. f.
Von Verfertigung eines Deckenstücks von Stuc, s. J. Sprengels Handwerke und Künste, IX. Samml. S. 232. f.
Die Decken großer Säle oder auch kleiner Kirchen werden bisweilen nach Art eines Gewölbes, rund geformt, und entweder wie ein Muldengewölbe, oder wie ein Spiegelgewölbe gemacht. Zu dieser Absicht gehen sie gewöhnlich in das Dach, wobey ein Sprengwerk nöthig ist. Unter dieses Sprengwerk werden Bogen von starkem Holze gemacht, auf welche Schaalbreter angenagelt werden, die man hernach berohrt, mit Kalk und Gyps überzieht, und sie auf eine der vorgedachten Arten verziert.
Decken-Gemälde, Decken-Stück, s. Decke.
Sulzer, allgemeine Theorie der schönen Künste, unter dem Worte: Deckengemälde.
