Sturm 1706
[Leonhard Christoph Sturm], Die zum Vergnügen der Reisenden Geöffnete Baumeister-Academie, Oder Kurzer Entwurf dejenigen Dinge, die eine galant-homme zu wissen nöthig sind, dafern er Gebäude mit Nutzen besehen, und vernünfftig davon urtheilen will… Hamburg [Benjamin Schiller] 1706
pp. 61–62
Auff nassen Kalck ist die künstlichste Art zu mahlen/ und wird gebrauchet/ wo man in der freyen Lufft etwas beständiges mahlen will. Man pfleget mit Leim/ und auch mit Farben diese Gemälde zu machen/ müssen aber keine andere als Erd-Farben gebrauchet werden. Der Modus solchergestalt al Fresco zu mahlen ist dieser: Erstlich entwirfft der Mahler sein Gemählde/ so groß/ und mit was vor Farben er es haben wil auff zusammen geleimt Papier/ zerschneidet hernach dasselbe in so viel Stücke als er meynet allezeit eines auff einmahl mahlen zu können. Hernach nimt er odentlich ein Stück nachdem andern vor, lässet sich auff der vorgegebenen Wand/ welche wohl ausgetrocknet seyn muß/ ein so großes Stück als er übermahlen will/ mit Kalck überwerffen und fein glat abstreichen und mahlet darauff sein vorgelegtes Bild ab. Die Farben verschwinden anfänglich/ wenn sie auffgestrichen werden/ kommen aber hernach/ je mehr der Kalck trocknet/ wiederumhervor. Es pflegen einige Mahler/ wenn fie dergleichen Gemälde gemachet/ und die selbige trocken worden/ hernach mit Eyer oder Tragant-Farben noch darein zu retockiren. Allein dieses wird vor Stümper Arbeit gehalten/ und machet die Gemählde bald heßlich.
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p. 63
Einige Mahler legen sich auch besonders auf Perspectiv-Gemählde/ da sie die Wände und die Decken so mahlen/ als wann daselbst das Gebäude weiter fort oder weiter in die Höhe ginge / davon herrliche Exempel in der grossen Jesuiter Kirche zu Rom zu sehen.
