Weber 1787
Jakob Andreas Weber, Nützliche Wahrheiten für Fabrikanten und Künstler, Wien [Joseph Stabel] 1787.
pp. 114–121
Achte Fabrik.
Neapolitanisch Gelb.
Ich weis noch keine Fabrik in Deutschland, darin das Neapolitanische Gelb bereitet wird. Eine Farbe, die nicht nur wegen ihrer Schönheit, sondern auch wegen ihrer Beständigkeit in Luft und Feuer den Künstlern sehr angenehm ist.
Man glaubte ehmals, daß dieses Gelb ein Produkt der Natur sey, in Neapel zu Hause, itzt aber weis man, daß es ein Produkt der Kunst ist.
Die Vorschriften davon sind unterschieden. Der Herr von Condamine hat uns eine dergleichen in seiner Reisebeschreibung mitgetheilt, die wenn sie gerathen würde, die wohlfeilste und einfachste wäre. Sie besteht darin:
Man nimmt zwei oder drei Pfund Bleiasche, und ein Pfund Spießglas; mischt beide Stüke recht wohl untereinander; setzt sie auf einem Teller von Erden in den Porzellanofen; läßt es so lange darin, bis das Porzelan ausgenommen wird, so ist es gut.
Dieß wäre, wie gesagt, eine sehr einfache und wohlfeile Methode, dieses Gelb zu bereiten.
Ich mischte zwei Pfund Bleiasche mit einem Pfund Spießglas gut unter einander, setzte diese Stüke auf einem erdenen Teller in den Töpferofen; ließ es so lange in diesem Ofen, bis der Töpfer seine Gefäße aus demselben nahm.
Die Masse hatte das körnige Ansehen, wie das Gelb von Neapel, aber die schöne Farbe hatte es nicht. Die Farbe war noch zu braun.
Ich setzte das Teller mit der Masse noch einmal in des Töpfers Ofen, und zwar an einen Platz, wo die gröste Hitze des Ofens war; allein nachdem sie ausgenommen wurde, war sie zwar etwas schöner, als das erstemal, aber das schöne Gelb von Neapel war es noch nicht.
Ich veränderte die Verhältnisse der Bestandtheile und nahm statt 2 Pfund Bleiasche 3 Pfund zu 1 Pfund Spiesglas, verfuhr wieder damit, wie vorher; aber die Farbe war nicht schöner geworden. Doch waren beide so, daß man sie als gelbe Farbe brauchen konnte, und auf Email und Porzelan kam sie nach dem Schmelzen schön gelb aus dem Feuer.
Ich zweifelte doch keinesweges, daß diese Vorschrift, die der Herr von Condamine uns mitgetheilt, ächt sey; er erhielt sie von dem bekannten Prinzen zu Neapel, der sich um die Chemie so verdient gemacht. Allein es ist bei dieser Vorschrift vorgeschrieben – daß man die Mischung in einen Porzelanofen setzen solle.
Was für ein Unterschied zwischen der Hitze eines Porzelanfeuers und derjenigen von den gemeinen Töpfern sey, weis ein jeder, und folglich muß auch die Wirkung dieser Hitze auf die Körper sehr verschieden seyn.
Ich habe aber bisher noch keine Gelegenheit gehabt, die Hitze des Porzelanofens bei dieser Arbeit zu untersuchen; ohne Zweifel muß die Wirkung derselben eine Aendrung in dieser Arbeit herfür bringen.
Wer Gelegenheit hat, und in der Nähe einer Porzelanfabrik sich befindet, dem rathe ich diesen Versuch an, wenn er Lust zu diesen Dingen hat; weil ein solcher Versuch mit leichter Mühe und mit geringen Kosten kann gemacht werden.
Die Vorschrift des berühmten Herrn Professors Bekmanns habe ich noch nicht untersucht, die Er in seiner phisik. ökon. Bibl. B. III. S. 330. auf diese Farbe gegeben hat. Sie befiehlt dazu Bleiweis, Alaun, Salmiak, und das Schweißtreibende Spießglas dazu zu nehmen; denn da das Pfund des Gelben von Neapel im Großen nicht höher, als um 34 bis 36 Kreuzer verkauft werden kann; so scheint mir, daß, wenn man nach dieser Vorschrift arbeiten sollte, wenig dabei gewonnen werden konnte, und daß folglich die Methode, dieses Gelb zu machen, des Herrn von Condamine’s, oder vielmehr des Neapolitanischen Prinzens dieser weit vorzuziehen seyn würde, wenn man die Mischung von Bleiasche und Spießglas dahin bringen konnte, daß sie durch die Kalzination mehr in das Zitrongelbe als in das Pomeranzengelbe übergienge.
Nach der Vorschrift des Herrn Professors Bekmanns dieses Gelbe zu bereiten, muß man sich des feinsten Bleiweißes dazu bedienen. Nicht des gemeinen, das gemeiniglich mit der Hälfte Bergkreide verfälscht ist. Das Venetianische ist das beste; aber dies kommt schon hoch am Preise zu stehen.
Salmiak ist auch nicht wohlfeil, und geht bei dieser Operation verlohren.
Das schweißtreibende Spießglas kommt auch zu hoch zu stehen. Es werden zu einem Pfund gemeines Spießglas 3 Pfund Salpeter zum verpuffen erfordert; und kaum die Hälfte bleibt von dem Spießglase nach dem Verpuffen übrig.
Wir wollen das Pfund Spießglas zu 12 Kreutzer und I Pfund Salpeter zu 16 Kreuzer berechnen; wir wollen annehmen, daß aus dieser, Operation ein halb Pfund schweistreibendes Spießglas erhalten werde, so kommt ein Pfund dieses schweistreibenden Spiesglases auf 2 Gulden; wenn man auch die Arbeit, die Kohlen und die Gefäße dabei nicht in Berechnung nimmt.
Kauft man es aber in den Apotheken, da fordert man für das Loth 12 Kreutzer, und man ist glüklich, wenn diese Herren es auf 200 oder doch wenigstens auf 100 vom 100 Profit erlassen.
Also diese Materialien, die der Herr Professor Bekmann vorschreibt, das Gelbe von Neapel zu bereiten, sind zu kostbar, und wenn auch noch ein Vortheil dabei heraus käme, so wurde er doch ganz unbedeutend seyn.
Man weis, daß das Blei in der Kalzination, besonders beim Flammenfeuer in eine gelbe Farbe übergeht, die man unter dem Namen Mastikot kennt; man weis auch, daß das Spießglas, wenn es durch rösten, kalziniren, und schmelzen zum Glase gebracht wird, dieses Glas im Zerreiben eine gelbe Farbe hat; und daß dieses mit einem Fluße versetzt, und auf Porzelan oder Email getragen, nach dem Schmelzen des Flusses eine schöne gelbe Farbe den Gefässen mittheile.
Also sowohl Blei als das Spießglas nehmen durch das Kalziniren eine gelbe Farbe an.
Das Blei wird etwas blaßgelb, hingegen das Spießglas geht mehr in seinem Glase in das Pomeranzengelb über.
Diese beide Farben können also, wenn sie in gehörigem Verhältniß mit einander vermischt werden, diejenige zusammen heraus bringen, die man von dem Gelben von Neapel fordert.
Aber dazu wird auch eine Hitze erfordert, die im Stande ist, das Blei, oder die Bleiasche bis zum höchsten Grade der gelben Farbe zu bringen, und eine Hitze, die das Spießglas so weit bringt, daß dessen Schwefel verraucht, und die regulinische Theile zum Glase werden.
Wird dieß zuwege gebracht, so zweifle ich nicht – das man das Gelbe von Neapel mit wenigen Kosten in Deutschland bereiten könne.
